OPSI-Syndrom

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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OPSI steht für den englischen Fachausdruck "overwhelming post-spelectomy infection" (übersetzt "überwältigende Post-Splenektomie-Infektion"). Wie der Name schon sagt, entsteht eine solche Infektion erst in Folge einer Splenektomie - einer operativen Entfernung der Milz. Das OPSI-Syndrom ist eine bakterielle Infektion, die jedoch nach einer Milz-Operation recht häufig auftaucht (bei etwa 1 bis 5 Prozent der Fälle). In diesen Fällen liegt die Sterblichkeit in Folge der Infektion bei einem OPSI-Syndrom bei 40 bis 60 Prozent.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das OPSI-Syndrom?

Die Milz liegt in der Bauchhöhle nahe dem Magen und ist im Blutkreislauf der Organe eingeschaltet. Grund für eine operative Entfernung der Milz sind häufig Verletzungen dieser in Folge von Unfällen, aber auch innere Erkrankungen, die die Milz betreffen, können eine Splenektonmie indizieren.

Das OPSI-Syndrom ist eine Form der Sepsis, einer Entzündungsreaktion des Organismus, die durch Pilze, Bakterien oder deren Toxine verursacht wird. Da eine Sepsis zu Organversagen oder einer lebensbedrohlichen Infektion der Vitalfunktionen führen kann, ist sie eine ernsthafte Erkrankung. Das OPSI-Syndrom entsteht ausschließlich in Folge einer Splenektomie oder einer funktionsuntüchtigen Milz, die ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann.

Das häufigste Bakterium, das vor allem die Ursache für ein OPSI-Syndrom bei Kindern ist, ist Pneumokokken. Die Infektion mit Pneumokokken bei einem OPSI-Syndrom kann insbesondere für Kinder und ältere Menschen gefährlich werden, da deren Abwehrkräfte schwächer sind.

Ursachen

Die Milz hat ihre Aufgabe in der Infektabwehr, sodass sie zwar nicht lebensnotwendig ist, aber insbesondere für Abwehr von Krankheitserregern sehr wichtig ist. Bestimmte Bakterien greifen die Milz an und führen zu einer Sepsis, dem OPSI-Syndrom.

Sepsis (im griechischen bedeutet sepo in etwa "faul machen") wird umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bezeichnet. Das OPSI-Syndrom kann wenige Tage nach einer Splenektomie auftreten, aber auch Jahre nach einer operativen Milzentfernung kann es zu einem OPSI-Syndrom kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Kennzeichen des OPSI-Syndroms sind die einer Blutvergiftung (Sepsis). Es beginnt zunächst mit Fieber und Schüttelfrost, begleitet von Schmerzen im oberen Bauchbereich. Wird nicht sofort behandelt, entwickelt sich ein Schockzustand. Dieser äußert sich in einer blassen Haut, die sich kalt anfühlt.

Der Betroffene zeigt Bewusstseinsstörungen und redet möglicherweise in unzusammenhängenden Sätzen. Er ist nicht in Lage, sich klar auszudrücken. Zusätzlich friert die Person und produziert kalten Schweiß. Meist ist sie extrem ängstlich und unruhig. Die Atmung beschleunigt sich, der Blutdruck fällt ab und das Herz rast (Tachykardie). Es entsteht ein lebensbedrohlicher Zustand.

Ohne Behandlung kann der Patient im weiteren Verlauf völlig teilnahmslos und schließlich bewusstlos werden. Durch die Vorgänge im Organismus ist die Blutgerinnung gestört und es kommt zu inneren Blutungen. Da der Blutkreislauf nicht mehr korrekt funktioniert, werden die Organe gar nicht oder nur mangelhaft mit Blut und Sauerstoff versorgt.

Sie stellen ihre Arbeit ein und der komplette Kreislauf bricht zusammen. Die Folge ist ein Multiorganversagen. In diesem Stadium sehen Patienten durch Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe oft aufgedunsen aus. Auf der Haut entstehen Petechien, das sind kleine punktförmige Einblutungen. Ist dieser Zustand erreicht, ist eine Behandlung nur in den seltensten Fällen noch möglich. Durch die irreversiblen Schäden im Körper fällt der Patient ins Koma und verstirbt.

Diagnose & Verlauf

Die Symptome eines OPSI-Syndroms sind in den häufigsten Fällen Fieber und Schmerzen im Oberbauch und in der Magengegend. Allgemein können alle Symptome, die normalerweise bei einer Grippe auftreten wie Gliederschmerzen, auch Hinweise auf ein OPSI-Syndrom sein. Da die Organe angegriffen werden, kann es zu einem Multiorganversagen kommen, bei dem u.a. Nieren, Leber und Lunge ihre Arbeit einstellen. Auch Schüttelfrost kann im Rahmen einer Sepsis auftreten. In einigen Fällen kann sie zu einem Koma führen. Im schlimmsten Fall kann eine Erkrankung mit dem OPSI-Syndrom tödlich verlaufen.

Komplikationen

In der Regel handelt es sich beim OPSI-Syndrom schon um eine Komplikation. Dieses Syndrom kann dabei im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen führen, falls es nicht richtig behandelt wird. Aus diesem Grund müssen Entzündungen und Infektionen nach der Entfernung der Milz auf jeden Fall vermieden werden. Die Betroffenen leiden dabei in der Regel an den gewöhnlichen Beschwerden einer Infektion.

Es kommt zu einem hohen Fieber und weiterhin auch zu einem Kreislaufschock, falls keine Behandlung des OPSI-Syndroms eintritt. Ebenso kann es zu starken Bauchschmerzen und weiterhin zu einem Multiorganversagen kommen. Dieser Fall tritt allerdings nur dann auf, wenn das OPSI-Syndrom nicht behandelt werden. Weiterhin fallen die Betroffenen in ein Koma oder verlieren das Bewusstsein und versterben schließlich.

In den meisten Fällen wird das OPSI-Syndrom mit Hilfe von Antibiotika erfolgreich therapiert. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf, falls die Behandlung früh genug beginnt. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird bei einem positiven Krankheitsverlauf nicht beeinflusst. In einigen Fällen ist der Betroffene möglicherweise auf eine Sauerstofftherapie angewiesen. Sollten schon Organe beschädigt worden sein, so sind Transplantationen notwendig, um den Betroffenen am Leben zu erhalten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das OPSI-Syndrom ist eine schwerwiegende Erkrankung, die ernste Komplikationen nach sich zieht und deshalb umgehend von einem Arzt behandelt werden muss. Wenn Hautjucken, Blutungen, Fieber und andere typische Symptome des OPSI-Syndroms auftreten, muss ein Arzt konsultiert werden. Auch Durchfall und Kopfschmerzen sind typische Anzeichen, die einer Abklärung bedürfen. Betroffene Personen sollten den zuständigen Arzt informieren. Das Syndrom tritt vorwiegend nach einer operativen Entfernung der Milz auf, weshalb der Mediziner rasch eine Diagnose stellen kann.

Spätestens, wenn das Wohlbefinden erheblich nachlässt und die Beschwerden nicht zurückgehen, muss damit zum Arzt gegangen werden. Die Erkrankten sollten mit dem Hausarzt oder einem Internisten sprechen. Idealerweise wird die Erkrankung von einem Facharzt für Infektionskrankheiten therapiert. Auch während der Behandlung ist eine engmaschige Überwachung durch den Arzt notwendig. Sollten infolge der Medikamentengabe Neben- oder Wechselwirkungen sowie andere ungewöhnliche Beschwerden auftreten, muss der Arzt darüber informiert werden. Im Zweifelsfall ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig.

Behandlung & Therapie

Da bei einem OPSI-Syndrom die Organe angegriffen werden, ist es notwendig, dass der Patient intensivmedizinisch behandelt wird. Auch der septische Schock bedarf einer intensivmedizinischen Behandlung.

Bei der Therapie zählt jede Minute, sodass die Therapie unumgehend eingeleitet werden sollte. Ein Behandlungsansatz kann den Einsatz von Antibiotika erforderlich machen. Bei einem Verdacht auf das OPSI-Syndrom wird meist zu allererst Antibiotika verabreicht, da dieses schnell geht und eine hohe Bandbreite von Bakterien bekämpft. Nach einem Antibiogramm, bei der die Resistenz gegen unterschiedliche Erreger ermittelt wird, kann auf spezifischere Antibiotika gewechselt werden.

Je nach Verlauf der Erkrankung, muss der Patient beatmet werden und die Sauerstoffsättigung im Blut überwacht und gegebenenfalls reguliert werden. Je nachdem welche Organe durch die Sepsis angegriffen werden, müssen organersetzende Maßnahmen eingeleitet werden. Neben der Beatmungstherapie kann dies auch Nierenersatzverfahren und extrakorporale Membranoxygenierung, bei der alle Atemfunktionen des Patienten von einer Maschine übernommen werden, bie der Behandlung von Menschen mit einem OPSI-Syndrom beinhalten.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Als Vorbeugung des OPSI-Syndroms sollte der Patient vor einer operativen Entfernung der Milz gegen die Erreger geimpft werden, die am häufigsten vorkommen.

Auch eine sogenannte Stand-by-Antibiose oder eine dauerhafte Behandlung mit Antiobiotika sind Möglichkeiten, die bei einer Splenektomie in Betracht gezogen werden. Bei der Impfung wird der Einsatz von Pneunomokokken-Vakzinen empfohlen.

Zusätzlich sollten Patienten gegen Haemophilus influenza Typ B sowie Meningokokken geimpft werden. Die Impfung sollte mindestens vierzehn Tage vor der Operation durchgeführt werden, um eine Erkrankung an einem OPSI-Syndrom zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Wenn Symptome des OPSI-Syndroms auftreten, sollte als erstes der Notarzt gerufen werden. Sollte es zu einem Schockzustand kommen, müssen die Ersthelfer dem Patienten Erste Hilfe leisten, indem sie ihn in eine sichere Körperlage bringen und gegebenenfalls Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen.

Nach dem Krankenhausaufenthalt sollte das Leiden mindestens ein bis zwei Wochen auskuriert werden. Die Patienten dürfen Schonkost verzehren und moderaten Sport treiben. Anstrengende körperliche Arbeit sollte dagegen vermieden werden. Die Diät sollte sich vor allem aus Hülsenfrüchten, verschiedenen Arten von Nüssen und rotem Fleisch zusammensetzen, denn der hohe Eisengehalt stärkt das Immunsystem und wirkt sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus.

Sollte es nach einigen Tagen nicht zu einer Besserung der Beschwerden kommen, empfiehlt sich ein erneuter Besuch beim Hausarzt. Alternative Heilmittel wie Meisterwurz oder Bibernelle regulieren das Immunsystem und können etwa in Teeform oder als Aufguss verwendet werden. Die Patienten sollten sich zuvor an einen Heilpraktiker wenden, um eine Überdosierung zu vermeiden. Auch bei der Anwendung ätherischer Öle, die bei dem OPSI-Syndrom gegen die typischen Fiebersymptome helfen, ist fachlicher Rat gefragt.

Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004


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