OPSI-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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OPSI steht für den englischen Fachausdruck "overwhelming post-splenectomy infection" (übersetzt "überwältigende Post-Splenektomie-Infektion"). Wie der Name schon sagt, entsteht eine solche Infektion erst infolge einer Splenektomie - einer operativen Entfernung der Milz. Das OPSI-Syndrom ist eine bakterielle Infektion, die nach einer Milz-Operation selten, aber gefürchtet ist: Das Lebenszeitrisiko der Betroffenen liegt bei etwa 1 bis 5 Prozent. Tritt die Infektion ein, liegt die Sterblichkeit infolge des OPSI-Syndroms bei 40 bis 60 Prozent.

Das OPSI-Syndrom ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Die Erkrankung beginnt oft mit harmlos wirkenden, grippeähnlichen Beschwerden, kann aber innerhalb von 24 bis 48 Stunden zu Kreislaufversagen und Tod führen. Menschen ohne funktionsfähige Milz müssen deshalb bei Fieber sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, statt abzuwarten, ob die Beschwerden von allein zurückgehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das OPSI-Syndrom?

OPSI Syndrom
Die Kennzeichen des OPSI-Syndroms sind die einer Blutvergiftung (Sepsis). Es beginnt zunächst mit Fieber und Schüttelfrost, begleitet von Schmerzen im oberen Bauchbereich.
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Die Milz liegt in der Bauchhöhle nahe dem Magen und ist in den Blutkreislauf eingeschaltet. Grund für eine operative Entfernung der Milz sind häufig Verletzungen des Organs infolge von Unfällen, aber auch innere Erkrankungen, die die Milz betreffen, können eine Splenektomie indizieren.

Das OPSI-Syndrom ist eine Form der Sepsis, einer Entzündungsreaktion des Organismus, die durch Pilze, Bakterien oder deren Toxine verursacht wird. Da eine Sepsis zu Organversagen oder einem lebensbedrohlichen Versagen der Vitalfunktionen führen kann, ist sie eine ernsthafte Erkrankung. Das OPSI-Syndrom entsteht ausschließlich infolge einer Splenektomie oder einer funktionsuntüchtigen Milz, die ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann.

Die häufigsten Erreger, die vor allem bei Kindern die Ursache für ein OPSI-Syndrom sind, sind die Pneumokokken. Auf sie entfallen je nach Untersuchung 50 bis 90 Prozent aller Fälle. Die Infektion mit Pneumokokken bei einem OPSI-Syndrom kann insbesondere für Kinder und ältere Menschen gefährlich werden, da deren Abwehrkräfte schwächer sind.

Ursachen

Die Milz hat ihre Aufgabe in der Infektabwehr, sodass sie zwar nicht lebensnotwendig ist, aber insbesondere für die Abwehr von Krankheitserregern sehr wichtig ist. Fehlt die Milz, können bekapselte Bakterien nicht mehr ausreichend aus dem Blut gefiltert und unschädlich gemacht werden; sie vermehren sich ungebremst und führen zu einer Sepsis, dem OPSI-Syndrom.

Sepsis (im Griechischen bedeutet sepo in etwa "faul machen") wird umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bezeichnet. Das OPSI-Syndrom kann wenige Tage nach einer Splenektomie auftreten, aber auch Jahre nach einer operativen Milzentfernung kann es zu einem OPSI-Syndrom kommen. Am höchsten ist das Risiko in den ersten zwei bis drei Jahren nach dem Eingriff; es bleibt jedoch lebenslang bestehen, weil die Abwehrleistung der Milz dauerhaft fehlt. Beschrieben sind Fälle noch zwanzig Jahre nach der Operation.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Kennzeichen des OPSI-Syndroms sind die einer Blutvergiftung (Sepsis). Es beginnt zunächst mit Fieber und Schüttelfrost, begleitet von Schmerzen im oberen Bauchbereich. Wird nicht sofort behandelt, entwickelt sich ein Schockzustand. Dieser äußert sich in einer blassen Haut, die sich kalt anfühlt.

Der Betroffene zeigt Bewusstseinsstörungen und redet möglicherweise in unzusammenhängenden Sätzen. Er ist nicht in der Lage, sich klar auszudrücken. Zusätzlich friert die Person und produziert kalten Schweiß. Meist ist sie extrem ängstlich und unruhig. Die Atmung beschleunigt sich, der Blutdruck fällt ab und das Herz rast (Tachykardie). Es entsteht ein lebensbedrohlicher Zustand.

Ohne Behandlung kann der Patient im weiteren Verlauf völlig teilnahmslos und schließlich bewusstlos werden. Durch die Vorgänge im Organismus ist die Blutgerinnung gestört und es kommt zu inneren Blutungen. Da der Blutkreislauf nicht mehr korrekt funktioniert, werden die Organe gar nicht oder nur mangelhaft mit Blut und Sauerstoff versorgt.

Sie stellen ihre Arbeit ein und der komplette Kreislauf bricht zusammen. Die Folge ist ein Multiorganversagen. In diesem Stadium sehen Patienten durch Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe oft aufgedunsen aus. Auf der Haut entstehen Petechien, das sind kleine punktförmige Einblutungen. Ist dieser Zustand erreicht, ist eine Behandlung nur in den seltensten Fällen noch möglich. Durch die irreversiblen Schäden im Körper fällt der Patient ins Koma und verstirbt.

Diagnose & Verlauf

Die Symptome eines OPSI-Syndroms sind in den häufigsten Fällen Fieber und Schmerzen im Oberbauch und in der Magengegend. Allgemein können alle Symptome, die normalerweise bei einer Grippe auftreten, wie Gliederschmerzen, auch Hinweise auf ein OPSI-Syndrom sein. Da die Organe angegriffen werden, kann es zu einem Multiorganversagen kommen, bei dem u.a. Nieren, Leber und Lunge ihre Arbeit einstellen. Auch Schüttelfrost kann im Rahmen einer Sepsis auftreten. In einigen Fällen kann sie zu einem Koma führen. Im schlimmsten Fall kann eine Erkrankung mit dem OPSI-Syndrom tödlich verlaufen.

Weil die ersten Beschwerden denen einer Grippe gleichen, wird die Gefahr leicht unterschätzt. Entscheidend für die Diagnose ist deshalb der Hinweis, dass die Milz fehlt oder nicht arbeitet: Bei diesen Patienten wird schon bei Fieber unverzüglich Blut für Blutkulturen abgenommen und noch vor dem Vorliegen des Ergebnisses eine Antibiotikabehandlung begonnen.

Komplikationen

In der Regel handelt es sich beim OPSI-Syndrom schon um eine Komplikation. Dieses Syndrom kann dabei im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen führen, falls es nicht richtig behandelt wird. Aus diesem Grund müssen Entzündungen und Infektionen nach der Entfernung der Milz auf jeden Fall vermieden werden. Die Betroffenen leiden dabei in der Regel an den gewöhnlichen Beschwerden einer Infektion.

Es kommt zu einem hohen Fieber und weiterhin auch zu einem Kreislaufschock, falls keine Behandlung des OPSI-Syndroms erfolgt. Ebenso kann es zu starken Bauchschmerzen und weiterhin zu einem Multiorganversagen kommen. Dieser Verlauf droht vor allem dann, wenn die Behandlung zu spät beginnt; ein Multiorganversagen kann jedoch auch trotz Behandlung eintreten. Weiterhin fallen die Betroffenen in ein Koma oder verlieren das Bewusstsein und versterben schließlich.

Beginnt die Behandlung mit Antibiotika sehr früh, bestehen die besten Aussichten, das OPSI-Syndrom zu überstehen; die Lebenserwartung des Patienten ist bei einem solchen Verlauf nicht zwangsläufig verkürzt. Auch unter intensivmedizinischer Behandlung versterben jedoch 40 bis 60 Prozent der Betroffenen, weil die Erkrankung innerhalb von Stunden fortschreitet und schon eingetretene Organschäden sich nicht mehr rückgängig machen lassen. In einigen Fällen ist der Betroffene möglicherweise auf eine Sauerstofftherapie angewiesen. Sollten Organe ihre Funktion einbüßen, müssen sie vorübergehend durch Maschinen ersetzt werden, etwa durch eine Dialyse oder eine künstliche Beatmung, um den Betroffenen am Leben zu erhalten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das OPSI-Syndrom ist eine schwerwiegende Erkrankung, die ernste Komplikationen nach sich zieht und deshalb umgehend von einem Arzt behandelt werden muss. Wenn Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und andere typische Symptome des OPSI-Syndroms auftreten, muss sofort ein Arzt konsultiert werden. Auch Durchfall und Kopfschmerzen sind typische Anzeichen, die einer Abklärung bedürfen. Betroffene Personen sollten den zuständigen Arzt informieren. Das Syndrom tritt vorwiegend nach einer operativen Entfernung der Milz auf, weshalb der Mediziner rasch eine Diagnose stellen kann.

Wer keine funktionsfähige Milz hat, darf dabei nicht abwarten, ob die Beschwerden von allein zurückgehen: Schon eine erhöhte Körpertemperatur zusammen mit einem Krankheitsgefühl ist Grund, noch am selben Tag – und ausdrücklich auch nachts und am Wochenende – ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Erkrankten sollten dafür den Hausarzt oder einen Internisten aufsuchen; außerhalb der Sprechzeiten ist die nächste Notaufnahme der richtige Anlaufpunkt. Bei Bewusstseinstrübung, Atemnot, Kreislaufschwäche oder fleckigen Hautverfärbungen ist über die Notrufnummer 112 sofort der Rettungsdienst zu rufen. Idealerweise wird die Erkrankung von einem Facharzt für Infektionskrankheiten therapiert. Auch während der Behandlung ist eine engmaschige Überwachung durch den Arzt notwendig. Sollten infolge der Medikamentengabe Neben- oder Wechselwirkungen sowie andere ungewöhnliche Beschwerden auftreten, muss der Arzt darüber informiert werden. Im Zweifelsfall ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig.

Behandlung & Therapie

Da bei einem OPSI-Syndrom die Organe angegriffen werden, ist es notwendig, dass der Patient intensivmedizinisch behandelt wird. Auch der septische Schock bedarf einer intensivmedizinischen Behandlung.

Bei der Therapie zählt jede Minute, sodass die Therapie unverzüglich eingeleitet werden sollte. Ein Behandlungsansatz kann den Einsatz von Antibiotika erforderlich machen. Bei einem Verdacht auf das OPSI-Syndrom wird meist zuallererst ein Breitbandantibiotikum verabreicht, da dies schnell geht und eine hohe Bandbreite von Bakterien bekämpft. Vor der ersten Gabe werden Blutkulturen abgenommen; die Antibiotikagabe selbst darf dadurch aber nicht verzögert werden und soll innerhalb der ersten Stunde erfolgen. Nach einem Antibiogramm, bei dem die Empfindlichkeit des nachgewiesenen Erregers gegenüber unterschiedlichen Antibiotika ermittelt wird, kann auf spezifischere Antibiotika gewechselt werden.

Je nach Verlauf der Erkrankung muss der Patient beatmet werden und die Sauerstoffsättigung im Blut überwacht und gegebenenfalls reguliert werden. Je nachdem, welche Organe durch die Sepsis angegriffen werden, müssen organersetzende Maßnahmen eingeleitet werden. Neben der Beatmungstherapie kann dies auch Nierenersatzverfahren und extrakorporale Membranoxygenierung, bei der alle Atemfunktionen des Patienten von einer Maschine übernommen werden, bei der Behandlung von Menschen mit einem OPSI-Syndrom beinhalten.


Aussicht & Prognose

Das OPSI-Syndrom ist auch als Postsplenektomie-Syndrom bekannt. Es entsteht bei ein bis fünf Prozent der Betroffenen als Folge einer operativen Milzentfernung (Splenektomie). Das OPSI-Syndrom ist eine schwere bakterielle Infektion. Diese zieht postoperativ eine relativ hohe Sterberate nach sich. Etwa 40 bis 60 Prozent aller vom OPSI-Syndrom betroffenen Menschen versterben daran. Die Prognose fällt nicht besonders günstig aus.

Der Grund für diese fatale Entwicklung liegt in der fehlenden Arbeit der Milz. In ihr filtern Fresszellen die Bakterien aus dem Blut; außerdem trägt sie zur Bildung von Antikörpern bei, die bekapselte Erreger für die Abwehr markieren. Da die Milz nun aber herausoperiert wurde, kann sie diese Arbeit nicht mehr ausführen. Dem Immunsystem fehlt damit der wichtigste Filter für bekapselte Bakterien. Die Infektion kann daher eine Sepsis verursachen. Verursacht wird diese bei Kindern oft durch Pneumokokken.

Außerdem können die Bakterien Haemophilus influenzae Typ b oder Neisseria meningitidis (Meningokokken) ein OPSI-Syndrom auslösen. Eher selten wird dieses durch Ehrlichia-Spezies oder Babesien ausgelöst. Das OPSI-Syndrom kann schon wenige Tage nach der Milz-Entfernung entstehen, aber auch noch viele Jahre danach: Da die Abwehrleistung der Milz dauerhaft fehlt, bleibt das Risiko ein Leben lang bestehen.

Lediglich vorbeugende Impfungen gegen die genannten Erreger stellen einen gewissen Schutz dar. Oftmals erfolgt die Entfernung der Milz aber unfall- oder tumorbedingt, sodass vor dem Eingriff keine Zeit für eine Impfung bleibt. In diesem Fall werden die Impfungen nachgeholt, sobald sich der Patient nach der Operation in einem stabilen Allgemeinzustand befindet.

Vorbeugung

Als Vorbeugung des OPSI-Syndroms sollte der Patient vor einer operativen Entfernung der Milz gegen die Erreger geimpft werden, die am häufigsten vorkommen. Auch eine sogenannte Stand-by-Antibiose oder eine dauerhafte Behandlung mit Antibiotika sind Möglichkeiten, die bei einer Splenektomie in Betracht gezogen werden. Bei der Impfung wird der Einsatz von Pneumokokken-Impfstoffen empfohlen.

Zusätzlich sollten Patienten gegen Haemophilus influenzae Typ b sowie Meningokokken geimpft werden. Die Impfung sollte mindestens vierzehn Tage vor der Operation durchgeführt werden, um das Risiko einer Erkrankung an einem OPSI-Syndrom zu senken. Ist der Eingriff ein Notfall und lässt sich vorher nicht mehr impfen, werden die Impfungen nach der Operation nachgeholt, sobald es der Zustand des Patienten erlaubt.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt allen Menschen ohne Milz oder mit eingeschränkter Milzfunktion Impfungen gegen Pneumokokken, gegen Haemophilus influenzae Typ b sowie gegen Meningokokken der Serogruppen ACWY und B; gegen Haemophilus influenzae Typ b wird geimpft, wenn keine Grundimmunisierung vorliegt; ab einem Alter von zwei Jahren wird für die Pneumokokken der 20-valente Konjugatimpfstoff verwendet. Hinzu kommt die jährliche Impfung gegen die echte Grippe, weil eine Grippeerkrankung bakteriellen Zweitinfektionen den Weg bahnt (Stand der Empfehlung: 2026).

Die Impfungen senken das Risiko erheblich, schließen ein OPSI-Syndrom aber nicht aus: Ein Teil der Betroffenen bildet trotz Impfung keine ausreichende Menge an Antikörpern, und nicht alle in Frage kommenden Erreger sind durch Impfstoffe abgedeckt. Die Regel, bei Fieber sofort ärztliche Hilfe zu suchen, gilt deshalb auch für vollständig geimpfte Personen.

Nachsorge

In den meisten Fällen stehen Betroffenen beim OPSI-Syndrom nur wenige und auch nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei sollten Betroffene sich schon sehr früh um eine Diagnose bemühen, um das Auftreten von weiteren Komplikationen und anderen Beschwerden zu verhindern. Eine Selbstheilung kann in der Regel nicht eintreten, sodass der Patient fortwährend auf eine medizinische Untersuchung und Behandlung angewiesen ist.

Daher sollte schon bei den ersten Anzeichen dieser Infektion ein Arzt kontaktiert werden. Die Behandlung erfolgt intensivmedizinisch mit Antibiotika und Kreislaufunterstützung; ein operativer Eingriff ist zur Behandlung des OPSI-Syndroms selbst nicht erforderlich. Nach überstandener Erkrankung sollte sich der Betroffene ausruhen und seinen Körper schonen. Von Anstrengungen oder stressigen und körperlichen Tätigkeiten ist dabei abzusehen, um den Körper nicht unnötig zu belasten.

Ebenso ist die Einnahme von Antibiotika notwendig. Dabei sollten Betroffene diese regelmäßig und auch in der richtigen Dosierung einnehmen. Die Einnahme von Alkohol sollte dabei vermieden werden. Nach überstandener Erkrankung sind regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen sehr sinnvoll, um Schäden an den anderen Organen aufgrund des OPSI-Syndroms zu erkennen. Zur Nachsorge gehört außerdem, den Impfschutz gegen die bekapselten Erreger vollständig zu halten, denn das Risiko einer erneuten Erkrankung bleibt bestehen. Dabei ist die Lebenserwartung des Betroffenen durch das Syndrom in vielen Fällen deutlich verringert.

Das können Sie selbst tun

Wenn Symptome des OPSI-Syndroms auftreten, sollte als Erstes über die Notrufnummer 112 der Notarzt gerufen werden. Sollte es zu einem Schockzustand kommen, müssen die Ersthelfer dem Patienten Erste Hilfe leisten, indem sie ihn in eine sichere Körperlage bringen und gegebenenfalls Wiederbelebungsmaßnahmen vornehmen.

Nach einer überstandenen Sepsis braucht der Körper Wochen bis Monate, um sich zu erholen; ein bis zwei Wochen Schonung reichen dafür in der Regel nicht aus. Wann und in welchem Umfang körperliche Belastung und Sport wieder möglich sind, richtet sich nach dem Verlauf und wird mit dem behandelnden Arzt besprochen. Anstrengende körperliche Arbeit sollte dagegen vermieden werden. Eine besondere Diät ist nach einem OPSI-Syndrom nicht erforderlich, eine ausgewogene Ernährung genügt. Eisenreiche Lebensmittel oder gar Eisenpräparate „stärken“ das Immunsystem nicht; Eisenpräparate sollten nur nach ärztlicher Anordnung eingenommen werden.

Kehren Fieber oder Krankheitsgefühl zurück, ist unverzüglich und nicht erst nach einigen Tagen wieder ärztliche Hilfe zu suchen. Pflanzliche Hausmittel wie Meisterwurz oder Bibernelle werden traditionell in Teeform oder als Aufguss verwendet; eine Wirkung gegen das OPSI-Syndrom ist für sie ebenso wenig belegt wie für ätherische Öle. Sie sind kein Ersatz für Antibiotika und dürfen den Weg zum Arzt unter keinen Umständen verzögern. Wer sie dennoch anwenden möchte, sollte das vorher mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Wer keine funktionsfähige Milz mehr hat, sollte drei Dinge dauerhaft beachten. Erstens: den Impfschutz gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b vollständig halten und die Grippeimpfung jährlich auffrischen. Zweitens: einen Notfallausweis mit dem Hinweis auf die fehlende Milz ständig bei sich tragen, damit im Ernstfall sofort richtig behandelt wird; einen solchen Ausweis geben beispielsweise Selbsthilfeorganisationen für Menschen ohne Milz kostenlos aus. Drittens: bei Fieber unverzüglich ärztliche Hilfe suchen, statt abzuwarten. Viele Betroffene erhalten dafür ein Antibiotikum als Notfallreserve verordnet, ein sogenanntes Stand-by-Antibiotikum, das bei Fieber sofort eingenommen wird, wenn ein Arzt nicht schnell erreichbar ist. Den Arztbesuch ersetzt es jedoch nicht – er muss trotzdem umgehend erfolgen.

Quellen

  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
    ISBN: 9783131585813
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Duale Reihe Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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