Plexus choroideus

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 13. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Plexus choroideus ist die Bezeichnung für ein Adergeflecht, das sich im Hohlraumsystem des Gehirns befindet. Der Plexus ist wichtig für die Herstellung von Liquor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Plexus choroideus?

Zu den wichtigsten Aufgaben des Plexus choroideus gehört die Herstellung des Liquors. Zu diesem Zweck werden von ihm Natrium-Ionen per Natrium-Kalium-ATPase (Natrium-Kalium-Pumpe) der Plasmamembran der Plexusepithelzellen transportiert.
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Beim Plexus choroideus handelt es sich um ein verzweigtes Adergeflecht im Ventrikel (Hohlraumsystem) des menschlichen Hirns. Er ist auch als Plexus chorioides oder Plexus chorioideus bekannt.

Das Gehirn verfügt über vier Ventrikel, von denen jedes mit einem solchen Adergeflecht ausgestattet ist. Sie werden auch Zottenwulste genannt und sorgen für die Produktion des Liquor cerebrospinalis (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit). Bei diesem sogenannten Gehirnwasser handelt es sich um eine farblose klare Flüssigkeit, die der Gewebsflüssigkeit des Gehirns ähnelt. Die Herstellung des Liquors findet größtenteils durch eine Blut-Ultrafiltration statt.

Anatomie & Aufbau

Zusammengesetzt wird der Plexus choroideus aus einer Einstülpung der Pia mater (weiche Hirnhaut). Diese ist von Ependymzellen überzogen und verfügt über Blutgefäße. Die Ependymzellen haben ihren Ursprung im Neuralepithel. Das Neuralepithel stellt zunächst Neuroblasten her. Im Anschluss daran folgen Glioblasten und schließlich Ependymzellen. Vom Ependym werden das Neuralrohr sowie der Zentralkanal ausgekleidet.

Während sich das menschliche Gehirn entwickelt, erfolgt das Wachstum des Endhirns erheblich schneller als das des Zwischenhirns. Dadurch kommt es zu einem Aufeinanderlagern der weichen Hirnhäute beider Gehirnhälften, was eine Hirnhautduplikatur zur Folge hat, die die Bezeichnung Tela choroidea trägt. Gemeint ist damit eine Bindegewebsplatte, die sich zwischen dem Zwischenhirn und den Hemisphären aufspannt. An den Seitenrändern werden von der Pia mater Gefäßzotten für den Plexus des seitlichen Ventrikels gebildet. Außerdem wird das Dach des dritten Ventrikels überdeckt.

In dieser Region dringen zwei Gefäßzottenreihen gegen das Ventrikellumen vor und stellen den eigentlichen Plexus her. Auch der Plexus des IV. Ventrikels kommt durch eine Duplikatur der weichen Hirnhaut zustande. Dabei lagert sich die untere Fläche des Kleinhirns (Cerebellum) an die Oberfläche des Rautenhirns (Rhombencephalon) an.

Zwei Schichten bilden den Plexus choroideus. Dies sind die Lamina epithelialis (Plexusepithel) sowie die Lamina propria (Tela choroidea). Das Plattenepithel wird aus den Ependymzellen, bei denen es sich um spezielle Gliazellen handelt, zusammengesetzt. Es weist meist eine kubische Form auf, kann aber ebenso zylindrisch oder flach ausfallen. Die apikalen Zellpole sind mit 30 bis 60 Kinozilien je Zelle ausgestattet. Außerdem ist ein ausgeprägter Mikrovillibesatz vorhanden. An der Oberfläche des Plattenepithels befinden sich Makrophagen, die auch als Kolmer-Zellen bezeichnet werden. Die Tela choroidea bildet eine spezielle Form der weichen Hirnhaut. So verfügt sie über eine Vielzahl an Kollagenfasern und wird von Kapillaren durchzogen.

Angesiedelt ist der Plexus choroideus an der Unterhorninnenseite, der Pars centralis der seitlichen Ventrikel sowie im Dach von Ventrikel III und IV. Am Endabschnitt des IV. Ventrikels ragt ein Teilbereich des Plexus choroideus aus dem Foramen luschkae, auch Apertura lateralis genannt, empor. Dieser Bereich trägt aufgrund seiner Form den Namen Bochdaleksches Blumenkörbchen. Über das Foramen interventriculae gibt es eine Verbindung zwischen dem Plexus choroideus des III. Ventrikels sowie dem der Seitenventrikel.

Funktion & Aufgaben

Zu den wichtigsten Aufgaben des Plexus choroideus gehört die Herstellung des Liquors. Zu diesem Zweck werden von ihm Natrium-Ionen per Natrium-Kalium-ATPase (Natrium-Kalium-Pumpe) der Plasmamembran der Plexusepithelzellen transportiert. Durch Ionen- und Chloridkanäle schließen sich Wasser und Chlorid-Ionen an. Abgesehen von den Ionen, werden vom Plexus choroideus außerdem unterschiedliche Nukleoside, Vitamin C, Vitamin B12, Glukose, Transthyretin und Leptin abgesondert.

Eine weitere Funktion des Plexus choroideus ist das Bilden der Blut-Liquor-Schranke. Teile der Blut-Liquor-Schranke sind die endotheliale Basalmembran, die Plexusepithelzellen, die über eine eigene Basalmembran verfügen, sowie das fenestrierte Endothel. Während größere Peptide und Moleküle nicht durch die gefensterten Bereiche des Endothels gelangen, können kleinere Teilchen die Schranke passieren. Wichtig ist zudem die Resorption und Entgiftung des Hirnwassers. So werden medizinische Wirkstoffe wie zum Beispiel Barbiturate sowie Leukotriene, Gallensalze und Bilirubin durch das Entgiftungssystem MDR 1 (Multi-Drug-Resistance-Transporter 1) in Richtung Tela choroidea geleitet. Darüber hinaus sind Transporter für Glutamat sowie organische Kationen und Anionen vorhanden.


Krankheiten

Am Plexus choroideus können verschiedene Erkrankungen auftreten. Als harmlos gelten Plexus-choroideus-Zysten, die sich bei ungeborenen Kindern in der Region des Plexus choroideus zeigen. Sie weisen eine ovale oder runde Form auf und sind beidseitig sichtbar.

Sie erreichen in der Regel eine Größe von 0,3 bis 2,0 Millimetern. Liegen keine weiteren Besonderheiten vor, gelten die Plexuszysten nicht als behandlungsbedürftig, da sie keinen Krankheitswert haben. In den meisten Fällen verschwinden die Zysten von selbst wieder und wirken sich nicht negativ auf die Gesundheit des Kindes aus.

Ein selten auftretender Gehirntumor ist das Plexuspapillom. Seinen Ursprung hat es in der Deckschicht des Plexus choroideus. Der Anteil dieser Tumorform an sämtlichen Hirntumoren liegt bei lediglich 0,4 bis 0,6 Prozent. Besonders betroffen von der Erkrankung sind Kinder und Jugendliche. Bemerkbar macht sich der gutartige Tumor durch einen erhöhten Hirndruck, der mit Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen einhergeht. Mitunter besteht bei der Bildung eines Plexuspapilloms ein Zusammenhang zu verschiedenen Syndromen wie dem Li-Fraumeni-Syndrom oder dem Aicardi-Syndrom.

Zu den schwersten Erkrankungen des Plexus choroideus zählt das Plexuskarzinom, bei dem es sich um einen bösartigen Gehirntumor handelt. Es wird angenommen, dass der Tumor vom Epithel des Plexus choroideus gebildet wird. Durch Behinderungen des Hirnwasserflusses kommt es zu einem erhöhten Hirndruck, der wiederum Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen zur Folge hat. Die Therapie gilt als schwierig.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Frotscher, M., et al.: Taschenatlas Anatomie, Band 3: Nervensystem und Sinnesorgane. Thieme, Stuttgart 2018
  • Klingelhöfer, J., Berthele, A.: Klinikleitfaden Neurologie. Urban & Fischer, München 2009

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