Polyglobulie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Polyglobulie
Polyglobulie bezeichnet eine Zunahme der roten Blutkörperchen. Sie geht mit einer erhöhten Bluteindickung sowie einem gesteigerten Hämatokrit einher und verursacht somit Durchblutungsstörungen und verschiedene Begleitsymptome.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Polyglobulie?
© s29 – stock.adobe.com
Unter einer Polyglobulie versteht man eine Zunahme der roten Blutkörperchen. Sie ist meist die Folge einer anderweitigen Erkrankung und lässt sich in zwei Formen unterscheiden.
So gibt es zum einen die primäre und zum anderen die sekundäre Form. Die Unterscheidung kann nur von einem Mediziner getroffen werden, da die Symptome ähnlich sind. Die Polyglobulie ist der Polyzythämie ähnlich, tritt jedoch weitaus häufiger auf.
Die sekundäre Form ist die mit Abstand häufigere. Bei ihr bildet das Knochenmark auf einen Reiz von außen hin vermehrt rote Blutkörperchen, meist als Antwort auf einen dauerhaften Sauerstoffmangel. Die primäre Form entspricht dagegen der Polycythaemia vera, einer eigenständigen bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, die in fast allen Fällen auf einer Mutation des JAK2-Gens beruht. Die Polyglobulie selbst ist also keine Krebserkrankung, sondern zunächst nur ein Laborbefund, dessen Ursache geklärt werden muss.
Wie gut sich eine Polyglobulie behandeln und vermeiden lässt, hängt davon ab, welche Ursache ihr zugrunde liegt.
Ursachen
Bei dem Hormon handelt es sich um den Wachstumsfaktor der roten Blutzellen. Es lässt sich sagen, dass jeder Zustand, der einen länger andauernden Sauerstoffmangel zur Folge hat, zu Polyglobulie führt. Der Organismus löst den Effekt also selbst aus, um die Versorgung mit ausreichend Sauerstoff zu gewährleisten.
Die Beschwerden werden durch verstopfte Gefäße begünstigt. Die Ursache ist deshalb häufig auch in einem ungesunden Lebensstil zu finden. Menschen, die sich wenig bewegen und auf Koffein und Zigaretten zurückgreifen, begünstigen die Polyglobulie. Auch Erkrankungen des Herzens und der Lunge, die zu einem dauerhaften Sauerstoffmangel führen, können eine Polyglobulie auslösen.
Zu den häufigsten Auslösern zählen neben dem Rauchen die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, eine Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern sowie angeborene Herzfehler. Seltener bilden Tumoren der Niere oder der Leber selbst Erythropoetin und lösen so eine Polyglobulie aus; auch die Einnahme von Testosteron oder das Doping mit Erythropoetin steigert die Zahl der roten Blutkörperchen.
Von der echten Polyglobulie abzugrenzen ist die Pseudopolyglobulie. Bei ihr ist nicht die Zahl der roten Blutkörperchen erhöht, sondern der Flüssigkeitsanteil des Blutes vermindert, etwa bei starkem Flüssigkeitsmangel oder unter entwässernden Medikamenten.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei Polyglobulie kommt es zu Schwindel, Ohrensausen und wiederkehrenden Kopfschmerzen. Die Haut der Betroffenen juckt am gesamten Körper, wobei der Juckreiz bei Kontakt mit Wasser stärker wird. Gelegentlich kommt es auch zu stechenden Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen. Bei einigen Patienten stellen sich zudem Nervenschmerzen ein, die wiederum Bewegungseinschränkungen zur Folge haben können.
Äußerlich zeigt sich eine Polyglobulie an der starken Gesichtsröte und der Blaufärbung der Schleimhäute infolge der Durchblutungsstörungen. Die Bluteindickung führt außerdem zu Atemnot, Herzkrämpfen und Schmerzen in den Gliedern. Ein zusätzlich bestehender Bluthochdruck erhöht das Risiko für Thrombosen, Schlaganfälle und andere schwerwiegende Komplikationen.
Wird die Polyglobulie nicht behandelt, kann die gestörte Durchblutung zu einer Bewusstlosigkeit, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt führen. Des Weiteren kann es zu Hörbeschwerden kommen. Chronischer Bluthochdruck beeinträchtigt außerdem die Sehkraft.
Langfristig führt eine unbehandelte Polyglobulie zu Organschäden. Als Folge der dauerhaften Unterversorgung des Gehirns sterben bestimmte Hirnareale ab, woraus irreversible neurologische Schädigungen resultieren können. Im schlimmsten Fall kann eine Zunahme der roten Blutkörperchen zum Tod führen. Bei einer umfassenden Behandlung verschwinden die Symptome in der Regel, sobald das Blut wieder seine normale Dicke erreicht hat.
Diagnose & Verlauf
Polyglobulie äußert sich durch mehrere Symptome, die für die Diagnose entscheidend sind. So kann der Arzt im Gespräch mit dem Betroffenen ermitteln, ob in Folge der Bluteindickung Kopfschmerzen auftreten, zeitweilige Atemnot besteht oder Herzkrämpfe auftreten.
Liegt bereits ein Verdacht vor, kann durch die Anamnese relativ schnell eine zutreffende Diagnose gestellt werden. Voraussetzung ist jedoch eine Blutuntersuchung mit Bestimmung von Hämoglobin, Hämatokrit und Erythrozytenzahl. Erst diese Werte zeigen, ob tatsächlich eine Polyglobulie vorliegt.
Darüber hinaus kann der Arzt noch weitere Untersuchungsmethoden nutzen. So prüft er die Lungenfunktion, führt eine Nierensonographie durch oder nimmt eine Ultraschalluntersuchung des Herzens vor. Auch Röntgenaufnahmen der Lunge können Aufschluss über eine mögliche Polyglobulie geben. Kommt der behandelnde Arzt durch die genannten Untersuchungen nicht zu einem Ergebnis, kommt eine Polyzythämie in Betracht. Nach heutigem Vorgehen werden dann der Erythropoetinspiegel im Blut bestimmt und das Blut auf die JAK2-Mutation untersucht; bestätigt wird die Diagnose anschließend durch eine Knochenmarkpunktion.
Der Verlauf der Polyglobulie kann ganz unterschiedlich aussehen. Bergsteiger beispielsweise leiden häufig unter den Beschwerden, haben nach dem Abstieg jedoch meist innerhalb einiger Wochen wieder normale Blutwerte. Hier ist der Krankheitsverlauf harmlos und Spätfolgen sind nicht zu erwarten. Tritt die Bluteindickung jedoch als Folge einer chronischen Erkrankung auf, kommt es zu weitreichenden Begleiterscheinungen.
So können Betroffene Probleme mit den Gefäßen bekommen, leiden unter Thrombosen und verspüren generell ein starkes Unwohlsein. Zudem wird das Herz wesentlich stärker belastet, was das Risiko einer Herzerkrankung erhöht. Zuletzt kann eine Polyglobulie auch die geistigen Fähigkeiten einschränken.
Komplikationen
Auch Thrombosen können dabei auftreten und den Alltag des Betroffenen zusätzlich erschweren. Aufgrund der Unterversorgung mit Sauerstoff kommt es dabei auch zu einer Blaufärbung der Haut. Sollte die Unterversorgung weiterhin andauern, so werden die inneren Organe und das Gehirn dadurch deutlich geschädigt. Diese Schäden sind dabei in der Regel irreversibel. Auch Hörbeschwerden oder Kopfschmerzen können durch diese Krankheit auftreten. Die Behandlung der Polyglobulie erfolgt in Abhängigkeit der zugrundeliegenden Erkrankung.
Ob es dabei möglicherweise zu Komplikationen kommt, kann in der Regel nicht universell vorausgesagt werden. Möglicherweise sind die Betroffenen auch auf einen operativen Eingriff angewiesen. In schwerwiegenden Fällen kann auch die Transplantation eines Herzens notwendig sein, allerdings nicht wegen der Polyglobulie selbst, sondern wegen der zugrunde liegenden Herzerkrankung. Auch die Lebenserwartung des Patienten ist von der Polyglobulie möglicherweise eingeschränkt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Polyglobulie sollte immer durch einen Arzt untersucht werden. Im schlimmsten Fall kann es bei dieser Erkrankung zum Tod des Betroffenen kommen. Eine Selbstheilung tritt in der Regel nicht ein. Der Arzt ist bei der Polyglobulie dann aufzusuchen, wenn es zu einem starken Juckreiz kommt, der ohne einen besonderen Grund auftritt und auch über einen längeren Zeitraum anhält.
Dabei kann der Juckreiz am gesamten Körper auftreten und die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern. Weiterhin kommt es auch am gesamten Körper zu Störungen der Sensibilität und zu starken Kopfschmerzen. Auch Einschränkungen in der Bewegung oder starke Gliederschmerzen deuten häufig auf die Polyglobulie hin und müssen durch einen Arzt untersucht werden. Weiterhin kann die Erkrankung auch zu einem Infarkt oder zu einem Schlaganfall führen, dann ist sofort ein Notarzt zu rufen oder das Krankenhaus aufzusuchen.
Die Polyglobulie kann in erster Linie durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Die weitere Behandlung wird jedoch durch einen Facharzt durchgeführt und richtet sich nach der genauen Ausprägung der Beschwerden. Je nach zugrunde liegender Erkrankung kann die Lebenserwartung des Patienten eingeschränkt sein.
Behandlung & Therapie
Je nachdem, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Polyglobulie handelt, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden. Bei der sekundären Form liegen häufig eine obstruktive Lungenerkrankung, eine Schlafapnoe oder eine Herzinsuffizienz zugrunde.
Letztere Erkrankung wird mit Hilfe von verschiedenen Medikamenten wie ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika therapiert. Darüber hinaus kann ein Schrittmacher eingesetzt werden. Auch eine Herztransplantation kommt in Frage, wenn die Behandlung durch Medikamente nicht anschlägt. Die Polyglobulie bildet sich in der Regel zurück, sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt ist.
Ist die Grunderkrankung nicht zu behandeln, kann eine Aderlasstherapie eingeleitet werden. Dabei wird dem Patienten in regelmäßigen Abständen Blut abgenommen und Flüssigkeit intravenös zugeführt. Dadurch soll die Bluteindickung vermindert werden. Auch die Fließeigenschaften des Blutes können sich durch die Behandlung signifikant verbessern.
Bei einer sekundären Polyglobulie ist mit dem Aderlass allerdings Zurückhaltung geboten, denn die vermehrten roten Blutkörperchen gleichen hier einen Sauerstoffmangel aus. Er wird deshalb nur bei sehr hohem Hämatokrit und ausgeprägten Beschwerden eingesetzt. Im Vordergrund stehen die Behandlung der Grunderkrankung, der Rauchstopp, gegebenenfalls eine Sauerstofftherapie oder bei nächtlichen Atemaussetzern eine Atemmaske.
Vorbeugung
Einer sekundären Polyglobulie lässt sich zum Teil vorbeugen. So kann ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung das Risiko sehr stark minimieren. Generell ist es wichtig, viel zu trinken, um einer Bluteindickung vorzubeugen.
Wer darüber hinaus auf Alkohol, Zigaretten und Koffein verzichtet, kann das Risiko weiter senken. Am wichtigsten ist dabei der Verzicht auf das Rauchen, weil das Kohlenmonoxid des Zigarettenrauchs die Sauerstoffversorgung des Körpers verschlechtert und dadurch die Bildung roter Blutkörperchen ankurbelt. Zuletzt kann eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung im Hinblick auf die Polyglobulie nur positiv sein.
Der Polyzythämie lässt sich nicht vorbeugen. Allerdings lässt sie sich besser behandeln, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Deshalb sollten auffällige Blutwerte fachärztlich abgeklärt werden; eine regelmäßige Untersuchung des Knochenmarks ohne konkreten Verdacht ist dagegen nicht sinnvoll. Menschen, die beruflich in großen Höhen arbeiten, sollten sich langsam an die Höhe gewöhnen und auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Blutverdünnende Medikamente sind dafür weder vorgesehen noch geeignet.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei einer Polyglobulie in den meisten Fällen nur sehr wenige Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung, wobei diese in einigen Fällen sogar vollständig eingeschränkt sein können. Daher sollte der Patient schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Krankheit einen Arzt aufsuchen, um eine weitere Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern. Eine Selbstheilung der Polyglobulie kann dabei in den meisten Fällen nicht eintreten, sodass idealerweise eine frühe Diagnose und die anschließende Behandlung stattfinden sollte.
Die meisten Betroffenen sind bei der Polyglobulie auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Dabei sollte der Patient immer auf eine regelmäßige Einnahme und ebenso auf eine richtige Dosierung der Arzneimittel achten, um die Beschwerden dauerhaft und vor allem richtig zu lindern. Ebenso sind dabei regelmäßige Kontrollen von einem Arzt sehr wichtig, um weitere Schäden an den inneren Organen zu erkennen und zu behandeln.
Im Allgemeinen wirkt sich bei der Polyglobulie auch eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Hierbei kann auch der Arzt für den Patienten einen Ernährungsplan erstellen. Eventuell verringert diese Krankheit die Lebenserwartung des Betroffenen.
Das können Sie selbst tun
Kommt es als Folge einer chronischen Erkrankung zu einer Polyglobulie, steht die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung im Vordergrund; ob darüber hinaus die Blutverdickung selbst behandelt werden muss, entscheidet der Arzt. Allein die Polyglobulie kann sonst langfristig zu Organschäden führen und unbehandelt sogar einen tödlichen Verlauf nehmen. Daher ist eine engmaschige ärztliche Behandlung dringend angeraten. Ziel ist es, die der Polyglobulie zugrunde liegende Erkrankung und damit auch die Polyglobulie selbst zu heilen.
Dies kann der Patient mit Lebensstilmaßnahmen effektiv unterstützen. Betroffene sollten regelmäßig Sport treiben und sich insgesamt viel bewegen. Patienten mit einer Polyglobulie sollten nicht rauchen und auch keinen Alkohol trinken. Auch Kaffee soll sich ungünstig auf die Erkrankung auswirken und sollte daher gemieden werden. Viele Betroffene setzen zusätzlich auf Entschlackungs- und Entgiftungsmaßnahmen. Dass sich Gift- und Schadstoffe in den Gefäßen und Blutbahnen einlagern und dadurch eine Polyglobulie begünstigen, ist allerdings nicht belegt. Regelmäßige Saunagänge oder Dampfbäder werden dafür häufig empfohlen; dabei ist auf ausreichendes Trinken zu achten, weil der Flüssigkeitsverlust das Blut zusätzlich eindickt. Weitere Empfehlungen zur Ausleitung und Entgiftung geben naturheilkundlich versierte Ärzte oder Heilpraktiker.
Wichtig ist, dem Körper ausreichend Ruhe zu gönnen. Dazu gehört auch ausreichender Schlaf zu festgelegten Zeiten. Eine gesunde, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung ist unabhängig davon empfehlenswert. Die Patienten sollten auf dunkles Fleisch verzichten und verstärkt zu Obst und Gemüse greifen.
Quellen
- Kreuzer, K.-A. (Hrsg.): Referenz Hämatologie.
ISBN: 9783132400535
- Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
ISBN: 9783609512242
- Andreesen, R., Heimpel, H. (Hrsg.): Klinische Hämatologie.
ISBN: 9783437295904
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
