Probenecid

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Probenecid ist ein Medikament gegen Hyperurikämie und Gicht, das ein Mittel der zweiten Wahl darstellt. Es hemmt den URAT1-Austauscher in der Niere und steigert damit die Abgabe von Harnsäure an den Urin, während es die Ausscheidung von organischen Anionen verringert. Probenecid interagiert mit zahlreichen anderen Medikamenten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Probenecid?

Probenecid
Das Medikament ist für die Behandlung von Hyperurikämie oder der aus ihr entstehenden Gicht indiziert, stellt jedoch nicht die erste Behandlungsoption dar.
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Da das Arzneimittel den Körper dazu anregt, Harnsäure auszuscheiden, gehört Probenecid zu den Urikosurika. Sein Anwendungsgebiet ist die Behandlung von Hyperurikämie und Gicht, wobei letztere eine Folge der Hyperurikämie darstellt.

Probenecid ist ein Mittel der zweiten Wahl: Es stellt in vielen Fällen nicht die beste Option für die erste Behandlung dar. Der Wirkstoff mit der Summenformel C13H19NO4S ist ein Feststoff und weist einen leicht bitteren Geschmack auf. Als Arzneimittel liegen die Kristalle oft in Tablettenform vor. Die MSD Sharp & Dohme GmbH ließ sich den Namen Santuril® für das Präparat schützen.

Ursprünglich sollte es im Zweiten Weltkrieg die Versorgung mit Penicillin sicherstellen, denn da Probenecid die Wirkung von Penicillin steigern kann, ist bei Kombination der beiden Medikamente eine geringere Dosis erforderlich. Praktisch kam das Mittel jedoch nicht zum Einsatz, da die Entwicklung von Probenecid erst 1952 beendet wurde.

Pharmakologische Wirkung

Im menschlichen Körper produziert die Niere den Urin und bildet dazu zunächst den Primärharn. Aus diesem gewinnt das Organ verschiedene Stoffe zurück, darunter Elektrolyte und Harnstoff. Der Harnstoff dient in diesem Filterungsprozess der Verschiebung des osmotischen Gefälles, das Flüssigkeit und darin gelöste Stoffe durch die Membran diffundieren lässt.

Bei der Wiederaufnahme nimmt der URAT1-Austauscher – vergleichbar mit einer Drehtür – auf der einen Seite organische Anionen auf und holt auf der anderen Seite Harnsäure wieder zurück.

Probenecid greift in diesen Vorgang ein: Die Wiederaufnahme von Harnsäure sinkt, da das Medikament den Austauscher behindert. Infolgedessen gibt der menschliche Körper mehr Harnsäure über den Urin ab als üblich. Dieser Prozess senkt den Harnsäuregehalt im Blut, der für die Hyperurikämie und durch sie entstehende Gelenkbeschwerden verantwortlich ist.

Wenn Probenecid die Aktivität des URAT1-Austauschers verringert, bleiben im Gegenzug mehr organische Anionen im Körper. Auf diese Weise kann Probenecid auch die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen, wenn der Körper diese Moleküle ebenfalls in geringerer Menge ausscheidet.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Das Medikament ist für die Behandlung von Hyperurikämie oder der aus ihr entstehenden Gicht indiziert, stellt jedoch nicht die erste Behandlungsoption dar. Stattdessen kommt Probenecid in der Regel erst zum Einsatz, wenn Bemühungen mit anderen Wirkstoffen nicht erfolgreich verliefen. Für diesen Zweck ist es auch in Deutschland zugelassen.

Die Medizin definiert Hyperurikämie als pathologisch erhöhten Harnsäurespiegel, der im Blutserum 6,7 mg/dl (Frauen) bzw. 7,4 mg/dl (Männer) übersteigt. Symptome manifestieren sich bei der Hyperurikämie nicht in jedem Fall. Kristallisiert die Harnsäure jedoch als Salz in den Gelenken, entsteht Gicht.

Im Rahmen eines akuten Anfalls zeigen sich Entzündungserscheinungen am betroffenen Gelenk. Häufig gehen sie mit Schmerzen einher. Während eines akuten Gichtanfalls ist Probenecid kontraindiziert. Als Reaktion auf die abgelagerten Harnsäure-Salze in den Gelenken verhärtet der Knorpel und wird dicker. Dieses Stadium ist auch als chronische Gicht bekannt.

Obwohl die meisten Personen bei Krankheitsbeginn 30–40 Jahre alt sind, kann Gicht in seltenen Fällen bereits im Kindesalter auftreten. Probenecid ist für Kinder unter 2 Jahren jedoch nicht geeignet.

Die Werte, ab denen von einer Hyperurikämie gesprochen wird, sind nicht mit der Schwelle zu verwechseln, ab der eine Behandlung mit Probenecid vorgesehen ist. Die Zulassung knüpft diese an deutlich höhere Harnsäurewerte im Blutserum und setzt zusätzlich voraus, dass sie sich durch eine Ernährungsumstellung nicht beherrschen lassen. Unterhalb dieser Schwelle erübrigt sich nach der Fachinformation eine medikamentöse Behandlung, sofern die Ernährungsvorschriften eingehalten werden und die Nieren keinen Schaden genommen haben.


Verabreichung & Dosierung

Probenecid kann die Konzentration bestimmter Antibiotika, insbesondere von Penicillin, erhöhen, indem es deren Ausscheidung durch die Nieren reduziert. Außerdem kann es bei der Behandlung von Gicht eingesetzt werden, da es den Harnsäurespiegel im Blut senkt, indem es die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren fördert. In Deutschland ist Probenecid allerdings nur zur Behandlung erhöhter Harnsäurewerte und eines Teils ihrer Folgen wie der Gicht zugelassen; harnsäurebedingte Nierenschäden, Harnsäuresteine, erbliche Formen mit übermäßiger Harnsäurebildung und ein durch eine Arzneimittel- oder Strahlenbehandlung von Tumoren ausgelöster Harnsäureanstieg sind von der Zulassung ausdrücklich ausgenommen, ebenso die Kombination mit Antibiotika.

Bei der Verabreichung von Probenecid sind einige wichtige Aspekte zu beachten. Erstens darf das Medikament bei mittelschwerer bis schwerer Nierenfunktionsstörung nicht angewendet werden; bei leichter Einschränkung und bei Lebererkrankungen ist Vorsicht geboten. Es ist wichtig, die Nierenfunktion vor Beginn der Behandlung zu überprüfen und regelmäßig zu überwachen. Zweitens sollte Probenecid mit reichlich Wasser eingenommen werden, um eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten und das Risiko von Nierensteinen zu minimieren.

Die Dosierung hängt von der jeweiligen Indikation und den Bedürfnissen des Patienten ab. Bei Gicht wird normalerweise mit einer niedrigen Dosis begonnen, die dann schrittweise erhöht wird. Wird Probenecid außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete zur Verstärkung der Wirkung von Antibiotika gegeben, muss die Dosierung so angepasst werden, dass eine sichere und wirksame Konzentration des Antibiotikums im Blut erhalten bleibt.

Probenecid kann mit anderen Medikamenten interagieren, insbesondere mit solchen, die auch über die Nieren ausgeschieden werden. Deshalb sollte die Medikamentenanamnese sorgfältig überprüft werden, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Risiken & Nebenwirkungen

Bei Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Störung der Nierenfunktion ist Probenecid nicht zur Behandlung geeignet. Dies gilt auch, wenn die Wahrscheinlichkeit zur Entwicklung von Nierensteinen erhöht ist. Darüber hinaus ist das Medikament bei Überempfindlichkeit und Vorliegen eines akuten Gichtanfalls kontraindiziert.

Zu den potenziellen Nebenwirkungen von Probenecid gehören verschiedene Hautreaktionen wie Juckreiz und Haarausfall, außerdem Zahnfleischentzündungen sowie Verdauungsprobleme wie Völlegefühl und Übelkeit. Darüber hinaus können Kopfschmerzen, Benommenheit und Appetitlosigkeit auftreten.

Zwischen Probenecid und zahlreichen anderen Medikamenten sind Wechselwirkungen möglich. In den meisten Fällen erhöht Probenecid die Konzentration der anderen Wirkstoffe im Blutserum und kann dadurch ihre Wirkung verändern. Einige Stoffe verringern den therapeutischen Effekt von Probenecid, darunter harntreibende Mittel und das Tuberkulosemittel Pyrazinamid. Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Salicylate schwächen die harnsäuretreibende Wirkung ebenfalls ab; sie dürfen deshalb nicht gleichzeitig eingenommen werden.

Auf eine mögliche Kreuzallergie ist zu achten. Probenecid ist chemisch mit den Sulfonamiden verwandt; wer auf harntreibende Mittel aus dieser Stoffgruppe, auf das Antibiotikum Sulfamethoxazol oder auf Sulfonylharnstoffe allergisch reagiert hat, kann deshalb auch auf Probenecid überempfindlich reagieren und umgekehrt.

Sehr selten wurden schwerwiegendere Störungen beobachtet. Dazu gehören Veränderungen des Blutbildes wie ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie) oder an Blutplättchen (Thrombozytopenie), eine Blutarmut durch versiegende Blutbildung sowie eine Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen, die bei einem angeborenen Enzymmangel begünstigt wird. Beschrieben sind außerdem schwere Hautreaktionen, ein nephrotisches Syndrom der Nieren, Gelbsucht mit Schädigung der Leberzellen und Fieber. Bei Menschen mit einer HIV-Infektion wird in der Fachliteratur ein erhöhtes Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut beschrieben.

Schwere allergische Sofortreaktionen bis zur Anaphylaxie sind selten. Sie traten meist wenige Stunden nach einer erneuten Einnahme bei Patienten auf, die den Wirkstoff früher schon erhalten hatten. Zeigen sich Anzeichen einer Überempfindlichkeit, wird die Behandlung beendet.

Weil unter Probenecid auch Schläfrigkeit, Schwindel und eine Gangunsicherheit vorkommen können, sollten Betroffene erst dann wieder ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen, wenn sie sich ihrer Leistungsfähigkeit sicher sind. Ein eigenes Vergiftungsbild und ein gezielt wirkendes Gegenmittel sind für Probenecid nicht bekannt; bei einer erheblichen Überdosierung wurden Erbrechen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen beschrieben.

Kontraindikationen

Probenecid ist ein Medikament, das zur Behandlung erhöhter Harnsäurewerte und der daraus entstehenden Gicht eingesetzt wird; die Verstärkung der Wirkung bestimmter Antibiotika gehört in Deutschland nicht zu seinen zugelassenen Anwendungsgebieten. Es gibt jedoch spezifische Kontraindikationen, die bei der Verschreibung von Probenecid beachtet werden sollten.

Zunächst einmal ist Probenecid kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegen das Medikament. Allergische Reaktionen auf Probenecid können schwerwiegend sein, daher ist bei solchen Patienten eine alternative Therapie zu wählen.

Zweitens sollte Probenecid nicht bei Patienten mit schweren Nierenerkrankungen, einschließlich Niereninsuffizienz und Nephrolithiasis (Nierensteinen), verwendet werden. Das Medikament wirkt, indem es die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren erhöht. Patienten mit Nierenproblemen können Schwierigkeiten haben, das Medikament auszuscheiden, was zu erhöhten Konzentrationen im Blut und einer möglichen Verschlechterung der Nierenfunktion führt.

Bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Magengeschwüren sollte Probenecid ebenfalls mit Vorsicht angewendet werden, da es das Risiko einer Verschlimmerung der Symptome erhöhen kann. Außerdem ist Probenecid bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert.

Probenecid darf nicht gleichzeitig mit Salicylaten wie Aspirin angewendet werden – und zwar unabhängig von deren Dosis –, da sie die harnsäuretreibende Wirkung von Probenecid abschwächen.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Probenecid ist bekannt für seine potenziellen Wechselwirkungen mit einer Reihe von Medikamenten. Eine der wichtigsten Wechselwirkungen tritt bei der gleichzeitigen Anwendung von Antibiotika, insbesondere Penicillin und Cephalosporinen, auf. Probenecid verzögert die renale Ausscheidung dieser Antibiotika und erhöht dadurch ihre Konzentration im Blut. Diese Eigenschaft kann genutzt werden, um die Wirkung dieser Antibiotika zu verstärken.

Ein weiteres wichtiges Medikament, das mit Probenecid interagieren kann, ist Aspirin. Es schwächt die Wirkung von Probenecid auf die Harnsäureausscheidung ab, was die Behandlung von Gicht erschwert. Die gleichzeitige Anwendung von Salicylaten und Probenecid ist deshalb ausgeschlossen.

Darüber hinaus kann Probenecid die Wirkung von Methotrexat verstärken, einem Medikament, das zur Behandlung von Krebs und Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Dies kann das Risiko von Methotrexat-bedingten Nebenwirkungen erhöhen.

Auch bei der Verwendung von Medikamenten, die über die Nieren ausgeschieden werden, wie z. B. Sulfonylharnstoffen (zur Behandlung von Diabetes) und NSAIDs (nichtsteroidalen Antirheumatika), kann es zu Wechselwirkungen mit Probenecid kommen. Durch die Hemmung der renalen Ausscheidung kann Probenecid die Konzentrationen dieser Medikamente im Blut erhöhen und das Risiko von Nebenwirkungen steigern.

Insgesamt ist es wichtig, die Medikamentenanamnese des Patienten sorgfältig zu überprüfen, bevor Probenecid verschrieben wird, um potenzielle Wechselwirkungen zu minimieren.

Die Liste der betroffenen Wirkstoffe ist lang. Verlangsamt wird unter anderem die Ausscheidung von Paracetamol, von Mitteln gegen Viruserkrankungen wie Aciclovir und Zidovudin, von Dapson, Rifampicin, Lorazepam und von weiteren Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone. In diesen Fällen können die Spiegel im Blut steigen und mit ihnen Wirkung und Nebenwirkungen zunehmen.

Umgekehrt beeinflusst Probenecid auch Wirkstoffe, die zur Entwässerung eingesetzt werden: Die Wirkung von Schleifendiuretika wie Furosemid kann abgeschwächt werden. Bei gleichzeitiger Gabe von Phenprocoumon ist eine Abschwächung des Gerinnungshemmers möglich. Nicht angewendet werden darf Probenecid zusammen mit Antibiotika aus der Betalaktam-Gruppe, wenn zugleich eine Nierenfunktionsstörung bekannt ist. Gerade die Verstärkung dieser Antibiotika beruht darauf, dass ihre Ausscheidung über die Niere gebremst wird; arbeitet die Niere ohnehin schlecht, können die Spiegel unkontrolliert ansteigen. Erhalten Patienten das Zellgift Cisplatin, kann dessen harnsäuresteigernde Wirkung eine Anpassung der Probenecid-Dosis erforderlich machen. Allopurinol und Probenecid ergänzen sich dagegen nach heutigem Kenntnisstand in ihrer Wirkung, obwohl Probenecid die Ausscheidung des wirksamen Abbauprodukts von Allopurinol beschleunigt.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Probenecid nicht vertragen wird, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, insbesondere zur Behandlung der Gicht.

Zur Behandlung von Gicht kann Allopurinol eine geeignete Alternative sein. Es wirkt, indem es die Bildung von Harnsäure hemmt, und wird häufig zur langfristigen Senkung des Harnsäurespiegels im Blut eingesetzt. Febuxostat ist ein weiterer Wirkstoff, der ähnlich wie Allopurinol wirkt, aber eine andere chemische Struktur hat und bei Patienten eingesetzt werden kann, die Allopurinol nicht vertragen.

Für die Verstärkung von Antibiotika, die in Deutschland ohnehin nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten von Probenecid gehört, gibt es keinen anderen Wirkstoff mit genau demselben Wirkmechanismus. In solchen Fällen kann die Dosierung des Antibiotikums angepasst werden, um therapeutische Konzentrationen im Blut zu erreichen. Bei bestimmten Infektionen kann auch die Auswahl eines anderen Antibiotikums mit einem geeigneteren Wirkprofil erwogen werden.

Bei Gicht können zudem nichtmedikamentöse Ansätze eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören Ernährungsumstellungen wie eine purinarme Diät, ein erhöhter Wasserkonsum und eine Gewichtsabnahme. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Harnsäurespiegel zu senken und Gichtanfällen vorzubeugen.

Insgesamt sollten alternative Behandlungsmethoden immer in Absprache mit einem Arzt gewählt werden, um sicherzustellen, dass sie für die jeweilige Indikation und den Patienten geeignet sind.

Behandlungsbeginn, Ernährung und Alkohol

Eine Behandlung mit Probenecid wird nicht während eines akuten Gichtanfalls begonnen, sondern erst, wenn dieser abgeklungen ist. Tritt ein Anfall im Verlauf einer laufenden Behandlung auf, wird der Wirkstoff in unveränderter Menge weitergegeben und der Anfall zusätzlich behandelt, etwa mit Colchicin.

Zu Beginn scheidet der Körper besonders viel Harnsäure aus. Dabei besteht die Gefahr, dass die Harnsäure in der Niere und in den ableitenden Harnwegen auskristallisiert und Steine bildet. Dem wird auf drei Wegen begegnet: mit einer einschleichenden Steigerung der Menge, mit reichlicher Flüssigkeitszufuhr und mit einer Neutralisierung des Harns, die die Löslichkeit der Harnsäure verbessert. Wird der Harn mit basisch wirkenden Mitteln behandelt, ist zugleich der Säure-Basen-Haushalt im Auge zu behalten. Blut im Urin, Nierenkoliken und Schmerzen in der Flanke können Hinweise auf Steine sein.

Die Ernährung spielt bei der Behandlung eine eigene Rolle. Lebensmittel mit hohem Gehalt an Purinen, darunter Innereien wie Bries, Niere, Hirn, Leber, Herz und Zunge sowie Fleischextrakt, sollten gemieden werden. Alkohol ist aus zwei Gründen ungünstig: Er kann die Wirkung von Probenecid vermindern, und Bier liefert darüber hinaus Guanosin, das den Harnsäurespiegel stark ansteigen lässt. Auch ein Aufguss aus Mädesüßblüten schwächt die harnsäuretreibende Wirkung ab; die Fachinformation führt ihn zusammen mit den Salicylaten auf.

Zwei weitere Punkte betreffen die Sicherheit. Probenecid hemmt die Ausscheidung von Anabolika über die Niere. Seine Verwendung zu Dopingzwecken kann deshalb schwere Gesundheitsschäden nach sich ziehen. Und bei der Bestimmung von Zucker im Urin nach der Kupferreduktionsmethode kann der Wirkstoff falsch positive Ergebnisse hervorrufen; ein Verdacht auf Zucker im Urin ist daher mit einem Verfahren zu bestätigen, das gezielt Glukose nachweist.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Hettenkofer, H.-J., Schneider, M., Braun, J. (Hrsg.): Rheumatologie.
    ISBN: 9783136578063
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062

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