Stumme Myokardischämie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der stummen Myokardischämie handelt es sich um eine latent, also schleichend verlaufende Herzerkrankung. Eine frühzeitig eingeleitete medikamentöse Behandlung ermöglicht die Erkrankung in dem Maße zu beeinflussen, als dass von einer guten Lebensqualität ausgegangen werden kann. Im fortgeschrittenen Stadium ist über eine Operation nachzudenken. Eine Lebensweise mit viel Bewegung, gesunden Nahrungsmitteln und ohne Genussgifte kann vorbeugen.
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Was ist eine stumme Myokardischämie?
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Im Zusammenhang mit den koronaren Herzkrankheiten (KHK) wird die stumme Myokardischämie, auch bekannt unter dem Synonym asymptomatische Myokardischämie, bezüglich des Herzmuskels als eine klinisch nachweisbare Minderperfusion, die keine pektanginösen Symptome verursacht, bezeichnet. Mit pektanginösen Symptomen ist die Angina Pectoris (AP), auch bekannt unter Brustenge beziehungsweise Stenokardie, gemeint. Der Begriff Ischämie steht für eine Minderdurchblutung; der daraus folgende Sauerstoffmangel im Gewebe wird als Hypoxie bezeichnet.
Rein prognostisch sind die stummen Myokardischämien ungünstiger im Verlauf als die symptomatischen Ischämien. Zudem ist ihr Verlauf latent. Das heißt: Der Patient bemerkt auch bei einer Durchblutungsstörung den anfänglichen Verlauf nicht, weil er im Verborgenen abläuft. Dies hängt, so wird vermutet, mit einer extrem hohen Schmerzschwelle der betroffenen Patienten zusammen. Als wichtigere Ursache gilt heute jedoch eine Schädigung der schmerzleitenden Nerven des Herzens, wie sie vor allem bei einer diabetischen Neuropathie vorkommt. Somit entzieht sich der pathologische Befund zunächst jeglicher Wahrnehmung und Diagnosemöglichkeit.
Ursachen
Wie sich die genauen pathologischen Abläufe darstellen, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Als wichtigster Mechanismus gilt dabei die diabetische Neuropathie, die die schmerzleitenden Nerven des Herzens schädigt. Auch Sauerstoffmangel wird als Verursacher genannt. Dieser kann am Herzmuskel durch Stenosen (Gefäßverengungen), eine verminderte Sauerstoffsättigung und eine herabgesetzte Sauerstoffkapazität des Blutes sowie einen verminderten effektiven Perfusionsdruck (Durchströmungsdruck) in den Herzkranzgefäßen verursacht werden.
Zu den weiteren Ursachen gehören die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), diverse Fettstoffwechselstörungen, Adipositas (Fettleibigkeit) sowie unterschiedliche Stressfaktoren. Auch eine Niereninsuffizienz, genetische Bedingungen, der weit verbreitete Bewegungsmangel oder Rauchen können eine stumme Myokardischämie begünstigen. Je mehr Faktoren zutreffen, umso höher ist das Risiko zu erkranken.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Der pathologische Befund entzieht sich zunächst jeglicher Wahrnehmung und Diagnosemöglichkeit durch den Arzt und Patienten. Erst wenn ein Myokardinfarkt (Herzmuskelinfarkt) oder im schlimmsten Fall der plötzliche Herztod eintritt, macht sich diese Form der Koronaren Herzkrankheit bemerkbar. Dadurch wird leider häufig zu spät mit einer Behandlung durch den Kardiologen begonnen. Allerdings sind die Auswirkungen im EKG sehr gut nachweisbar.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Beginn einer stummen Myokardischämie ist wegen zunächst fehlender Symptomatik nur schwer zu diagnostizieren. Basierend auf einer hämodynamisch relevanten Koronarstenose ist eine Minderperfusion des Myokards zu beobachten. Daraus resultieren metabolische Veränderungen, die zu einer Veränderung der diastolischen und systolischen Funktion führen. Es kann zu Veränderungen im EKG und einer Symptomatik wie bei Angina Pectoris kommen.
Komplikationen
Die Betroffenen verlieren dabei direkt das Bewusstsein und können sich bei einem Sturz verletzen. Sollte nicht binnen kurzer Zeit ein Notarzt eintreffen, verstirbt der Patient in den meisten Fällen. Auch bei einer Behandlung kann es zu schwerwiegenden Beschwerden kommen, sodass Organe oder das Gehirn aufgrund des Infarkts dauerhaft geschädigt werden. Damit leiden viele Patienten an Lähmungen oder an anderen Einschränkungen im Alltag.
Zur Vorbeugung der Erkrankung können Medikamente eingenommen werden. Dabei können jedoch Nebenwirkungen auftreten, etwa eine erhöhte Blutungsneigung unter Gerinnungshemmern, weshalb die Behandlung ärztlich überwacht wird. Nach dem Infarkt sind verschiedene Therapien notwendig, um Behinderungen oder Lähmungen zu behandeln. In der Regel wird die Lebenserwartung des Betroffenen krankheitsbedingt verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Der Betroffene ist bei dieser Krankheit auf eine medizinische Behandlung angewiesen. In der Regel kann es bei dieser Krankheit nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen, sodass der Betroffene immer auf eine Untersuchung und auf eine Behandlung durch einen Arzt angewiesen ist. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es zu Beschwerden am Herzen kommt. In vielen Fällen wird die Krankheit leider erst sehr spät erkannt, wenn es schon zu einem Infarkt oder sogar zu einem Herztod gekommen ist. Daher sollte ein Arzt immer bei Herzbeschwerden aufgesucht werden.
Dabei kann es zu einer dauerhaften Müdigkeit, zu Schmerzen in der Brust oder zu einem starken Herzklopfen kommen. Treten solche Beschwerden auf, so sollte eine Untersuchung durch einen Arzt erfolgen. In der Regel kann diese Krankheit durch einen Kardiologen erkannt werden. Die weitere Behandlung hängt jedoch sehr stark vom Stadium der Erkrankung ab, sodass nicht immer eine vollständige Heilung möglich ist. In einem Notfall sollte dabei immer ein Notarzt gerufen werden.
Bei plötzlichem Druck, Brennen oder starkem Engegefühl in der Brust, bei Atemnot, kaltem Schweiß, plötzlicher Bewusstlosigkeit oder fehlender Atmung wird sofort über die Notrufnummer 112 der Rettungsdienst alarmiert. Bis dieser eintrifft, wird bei fehlender oder nur schnappender Atmung ohne Unterbrechung die Herzdruckmassage durchgeführt.
Behandlung & Therapie
Die medikamentöse Behandlung umfasst die Verabreichung von Blutgerinnungshemmern, um die Ablagerung von Thrombozyten und die Bildung von Thrombosen zu verhindern. Kalziumantagonisten sind wichtig, um die Herzkranzgefäße zu weiten und den Blutdruck zu senken; ACE-Hemmer senken den Blutdruck und entlasten das Herz.
Die Erweiterung der Herzkranzgefäße bewirken auch Nitrate. Auch Beta-Rezeptorenblocker senken den Blutdruck. Gleichzeitig verlangsamen sie den Herzschlag. Auch Statine, beispielsweise als Cholesterinsenker, gehören zur medikamentösen Behandlung.
Zu Anfang ist zur Diagnosestellung ein EKG, (Ruhe-EKG, Langzeit- und / oder Belastungs-EKG) auf dem Fahrradergometer sitzend oder liegend erforderlich, um eine Eingangsdiagnose zu erstellen. Auch mit einer Belastungs-Echokardiografie wird es möglich, Hinweise auf eine koronare Herzerkrankung und nicht funktionsfähige Herzmuskelanteile darzustellen. Die Möglichkeiten der Nuklearmedizin sind ebenfalls zielführend, um wichtige Informationen zu erhalten.
Dazu zählt die Herzkatheteruntersuchung mit einer detaillierten Darstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiografie). Es handelt sich hierbei um eine röntgenologische Kontrastdarstellung der Herzinnenräume sowie der großen Gefäßstämme aber auch der Herzkranzgefäße. Dafür wird über ein Blutgefäß ausgehend von der Leisten- oder Armarterie ein dünner Katheter in das Herz vorgeschoben.
Über diesen wird das für die Untersuchung benötigte Kontrastmittel oder Medikament zur Auflösung von Blutgerinnseln gespritzt. Auch Druck- und Sauerstoffsättigungsmessfühler können so in die Herzkammern sowie die großen Gefäße eingeführt werden. Um bestehende Engpässe zu dehnen (Dilatation, PTCA) können spezielle Katheter eingeführt werden, womit sich teilweise sogar Operationen an den Herzkranzgefäßen vermeiden lassen.
Andererseits können so Blutproben für die Blutgasanalysen entnommen werden. Diese Untersuchung ist erforderlich, um den vorliegenden Schweregrad einzuschätzen und eine optimale Therapie festlegen zu können. Besteht weiterhin keine eindeutige Diagnose, kann mit einem intravasalen Ultraschall (IVUS) und einer Bestimmung der koronaren Flussreserve eine größere Klarheit erreicht werden.
Es folgt die Messung des Perfusionsdrucks, indem vom Aortendruck der diastolische Ventrikeldruck subtrahiert wird. Auch die myokardiale Perfusionszintigrafie, die Stressechokardiografie aber auch die Magnetresonanztomografie sowie die Positronen-Emissions-Tomografie und die Radionuklidventrikulografie stehen für weiterführende Untersuchungen zum Erhalt einer definitiven Diagnose zur Verfügung.
Bei all diesen hoch technisierten Möglichkeiten darf nicht versäumt werden, die familiäre Belastung inklusive eventueller Risikofaktoren zu hinterfragen. Darüber hinaus könnte mit dem Marker Osteoprotegerin eine stumme Myokardischämie bei Diabetikern leichter diagnostiziert werden. Ein erhöhter Wert soll auf die Erkrankung hinweisen. Dieser Ansatz ist bislang Gegenstand der Forschung und gehört nicht zur Routinediagnostik.
Vorbeugung
Um das Herz gesund zu erhalten, sind mehrere Faktoren zu beachten. Die Ernährung sollte arm an Cholesterin und Zucker sein. Dafür reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Ballaststoffen. Bei der Auswahl an Fetten sollte auf ungesättigte Fettsäuren geachtet werden. Sehr gut sind native Öle wie Olivenöl, Leinöl und Rapsöl. Kokosöl besteht dagegen überwiegend aus gesättigten Fettsäuren und eignet sich dafür nicht.
Wichtig ist auch, Tag für Tag ausreichend zu trinken. 1,5 bis 2 Liter Wasser, Kräutertees oder ungesüßte Säfte sollten getrunken werden. Wichtig ist auch die tägliche Bewegung an der frischen Luft. Eine Stunde stramm spazieren gehen ist bereits ein guter Ansatz.
Sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Joggen, Ausdauertraining und Fahrradfahren versorgen den Körper vermehrt mit Sauerstoff. Raucher sollten sich überlegen, mit diesem Gesundheitsrisiko aufzuhören. Bei familiärer Vorbelastung sollte auch beim Kardiologen ein jährlicher Check-up erfolgen.
Nachsorge
Die stumme Myokardischämie ist eine langsam fortschreitende Krankheit. Bei einer früh einsetzenden Behandlung hat der Patient günstige Aussichten auf ein weitgehend beschwerdefreies Leben. In vielen Fällen wird die Diagnose spät gestellt, da die Symptome nicht ersichtlich sind und der Betroffene sich gesund fühlt. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist ein operativer Eingriff.
Die Nachsorge hängt vom Zeitpunkt der Diagnose und von der Therapieform ab. Stumme Myokardischämien können einen lebensbedrohlichen, nicht vorhersehbaren Verlauf annehmen. Bei einer plötzlichen Ohnmacht muss der Patient umgehend von einem Notarzt betreut werden. Rechtzeitige Maßnahmen begünstigen den Ausgang.
Bei einer rechtzeitig gestellten Diagnose zielt die Nachsorge auf den Erhalt der Lebensqualität ab. Die Krankheit soll aufgehalten und das Infarktrisiko gesenkt werden. Dafür werden dem Patienten unter anderem gerinnungshemmende und cholesterinsenkende Medikamente verordnet. Der Kardiologe kontrolliert den Behandlungserfolg. Die Nachsorge dauert über die Behandlung hinaus an.
Der Zustand des Betroffenen soll auch langfristig stabilisiert werden. Nach einer Operation verläuft die Nachsorge gezielter, da die Myokardischämie bereits weiter fortgeschritten ist und chirurgische Eingriffe den Patienten allgemein belasten. Die Ziele der Nachsorge sind dieselben wie bei der medikamentösen Therapie. Bei beiden Verläufen muss die Nachsorge langfristig angesetzt werden, um den Behandlungserfolg auch in Zukunft zu erhalten.
Das können Sie selbst tun
Die Ernährung des Betroffenen sollte möglichst arm an Zucker und Cholesterin sein. Dafür aber reich an den verschiedensten Vitaminen, unterschiedlichen Mineralstoffen und Spurenelementen sowie Ballaststoffen. Besonders sollte bei der Auswahl an Fetten beachtet werden, dass möglichst nur ungesättigte Fettsäuren in den Speiseplan eingebaut werden. Sehr gut eignen sich hierfür native Öle wie Olivenöl und Leinöl; Kokosöl ist dafür nicht geeignet, weil es vorwiegend gesättigte Fettsäuren enthält. Wichtig ist auch, dass Patienten jeden Tag genügend Wasser trinken. Mindestens 1,5 bis 2 Liter reines Wasser, ungesüßte Säfte oder Kräutertee sollten Betroffene zu sich nehmen.
Besonders wichtig ist vor allem das tägliche Ausüben von Bewegung, am besten draußen an der frischen Luft. Dabei kann eine Stunde strammes Spazierengehen bereits Wirkung zeigen. Sportliche Aktivitäten versorgen den Körper vermehrt mit Sauerstoff. Gut eignen sich Sportarten wie Joggen, Schwimmen, Fahrradfahren und gediegenes Ausdauertraining. Bei Übergewicht ist angeraten das Gewicht auf schonendem Wege auf Normalgewicht zu bringen, denn der Überschuss an Masse erschwert es dem Herzen seine Arbeit zu verrichten. Rauchern wird dringend angeraten, mit dem Rauchen aufzuhören.
Auch die Natur hält für Betroffene einige Helfer bereit. Vorrangig wird hier der Weißdorn eingesetzt. Er soll die Herzleistung verbessern und die Koronararterien erweitern. Dadurch verbessere sich die Sauerstoffversorgung im Blut. Ein Nutzen bei der koronaren Herzkrankheit ist für ihn allerdings nicht belegt; die vom Arzt verordnete Therapie ersetzt er nicht. Früher wurde zur Optimierung der Herzdurchblutung auch Bischofskraut eingesetzt. Davon wird heute abgeraten: Sein Inhaltsstoff Khellin kann die Leber schädigen und die Haut lichtempfindlich machen, und als Fertigarzneimittel spielt Bischofskraut in Deutschland heute praktisch keine Rolle mehr.
Quellen
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
ISBN: 9783132443471
- Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., et al. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
ISBN: 9783132452091
- Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
