Venenthrombose
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Thrombosen sind nicht nur eine besonders schmerzhafte Angelegenheit, sie können zudem die Gesundheit des Betroffenen stark einschränken. Gefährlich ist aber nicht lediglich die Venenthrombose an sich, sie birgt gleichzeitig das Risiko einer Lungenembolie, welche ohne zügige Behandlung tödlich endet.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist eine Venenthrombose?
Bei einer Thrombose handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, welche durch eventuelle sich anschließende Komplikationen tödlich enden kann. Eine Thrombose entsteht meistens in Venen, also den Adern, welche zum Herzen hinführen.
Arterien, die das Blut vom Herzen wegleiten, sind nur selten betroffen. Generell kann es aber in allen Gefäßen zum Auftreten von Thrombosen kommen. Besonders gefährdet sind jedoch tiefe Beinvenen.
Das Blut des Betroffenen verklumpt und ein ungehinderter Blutstrom ist nicht mehr möglich. Stattdessen können die Klumpen von dem Blutstrom weitergetragen werden, wobei sie Lungengefäße verstopfen und das Leben des Betroffenen ernsthaft bedrohen.
Ursachen
Bewegungsmangel, Übergewicht, Tabakkonsum, geringe Flüssigkeitsaufnahme und Verletzungen sowie Bettlägerigkeit und bestimmte Medikamente können die Entstehung einer Venenthrombose zudem begünstigen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Thrombosen können in jeder Region des Körpers auftreten. Je nach Lage bleiben die Symptome sehr milde oder verursachen lebensbedrohliche Komplikationen. In vielen Fällen verursachen winzige Gerinnsel keine ernsthaften Beschwerden. Zeigen sich dennoch charakteristische Merkmale, ist höchste Vorsicht geboten.
Typisch sind ungewöhnliche Spannungsgefühle in den Gliedmaßen, die teils schmerzhaft wirken. Leichte Schwellungen an Extremitäten und Hervortreten oberflächlicher Venen durch den Blutrückstau lassen sich des Weiteren beobachten. In dem betroffenen Bereich entsteht ein ausgeprägtes Wärmegefühl. Ein klarer Unterschied zu anderen Regionen lässt sich von Betroffenen durch bloßes Handauflegen wahrnehmen.
Aufgrund von Sauerstoffmangel kommt es zu einer Verfärbung der umgebenden Hautpartien. Rötliche oder blaue Zonen mit einer glänzenden Oberfläche gelten als ernstzunehmendes Warnzeichen einer Venenthrombose. Druckschmerzen an der Innenseite des Fußes, auch Payr-Zeichen genannt, sowie Wadenschmerzen beim Beugen des Fußes (Homans-Zeichen) deuten auf einen Venenverschluss des Beins hin.
Nicht immer äußern sich Blutgerinnsel in so deutlichem Ausmaß. Daher ist die Abwesenheit dieser Symptome nicht als Ausschlusskriterium anzusehen. Ein dringender Notfall entsteht bei rasch auftretender Atemnot mit begleitenden Brustschmerzen. Möglicherweise liegt eine Lungenembolie vor. Starkes Herzklopfen und Schwindelgefühle bis zur Ohnmacht sind die Folge. Die enorme Belastung erhöht das Risiko eines Herzversagens. Aber auch in anderen Bereichen sind Thrombosen extrem gefährlich. Eine sofortige Benachrichtigung des Rettungsdienstes über den Notruf 112 bleibt unter solchen Umständen unausweichlich.
Diagnose & Verlauf
Thrombosen basieren auf der Entstehung einer Blutgerinnung. Die Blutgerinnung ist ein natürlicher Vorgang des Körpers, mit dem er diesen zu schützen versucht. Um eine Verblutung nach Verletzungen zu vermeiden, sorgt der Körper dafür, dass das Blut gerinnt.
Dieses verklumpt und schließt die Wunde. Bei einer Thrombose besteht keine Wunde, welche versorgt werden müsste, es kommt jedoch dennoch zu einer Blutgerinnung, ohne dass ein Blutgefäß verletzt ist. Die sich bildenden Klumpen hindern den Blutstrom daran, gleichmäßig zu fließen und es entsteht die Gefahr einer Lungenembolie. Bei der venösen Thrombose kommen meist drei Umstände zusammen: ein verlangsamter Blutfluss, eine Schädigung der Gefäßinnenwand und eine veränderte Zusammensetzung des Blutes mit erhöhter Gerinnungsneigung. Mediziner fassen sie als Virchow-Trias zusammen.
Anders verhält es sich in den Schlagadern. Dort setzen sich Blutfett, Kalk und Bindegewebe an der Gefäßwand ab und bilden ein Hindernis. Bricht die Ablagerung, welche Plaque genannt wird, auf, reagiert der Körper mit einer Gerinnungsreaktion, das Gefäß wird verschlossen. Dieser Vorgang führt bei arteriellen Thrombosen zum Herzinfarkt. Bei Venenthrombosen kann es dagegen passieren, dass sich das Gerinnsel löst, vom Blut weitergetragen wird und während des Verlaufes andere Gefäße verstopft.
Früher stützte sich die Diagnose vor allem auf Tastbefunde am Bein wie das Homans- oder das Payr-Zeichen. Heute schätzt der Arzt die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose zunächst anhand eines standardisierten Fragebogens ein und sichert den Verdacht mit einer Ultraschalluntersuchung der Venen, der Kompressionssonographie. Eine Blutuntersuchung auf sogenannte D-Dimere hilft dabei vor allem, eine Thrombose auszuschließen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei einer Venenthrombose muss immer eine Behandlung durch einen Arzt erfolgen. Es kann bei dieser Krankheit in der Regel nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen, sodass eine Behandlung durch einen Arzt immer notwendig ist. Je früher dabei ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist meist auch der weitere Verlauf dieser Erkrankung. Der Betroffene sollte daher schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Venenthrombose einen Arzt kontaktieren und eine Behandlung einleiten.
Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es zu starken Schmerzen in den Beinen kommt. Die Beine selbst fühlen sich häufig sehr schwer an, sodass der Betroffene auch an Einschränkungen in seiner Bewegung leidet. Schwillt ein Bein innerhalb kurzer Zeit an, wird warm und schmerzt, spricht das für eine Venenthrombose; das gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt und nicht erst dann, wenn die Schwellung über längere Zeit bestehen bleibt. In vielen Fällen färben sich die Beine blau oder rot. Die Venenthrombose kann von einem Allgemeinarzt oder von einem Internisten erkannt und behandelt werden. Der weitere Verlauf hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab, sodass eine allgemeine Voraussage nicht möglich ist. Eventuell ist durch diese Krankheit auch die Lebenserwartung des Betroffenen eingeschränkt.
Setzen dagegen plötzlich Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen oder eine Ohnmacht ein, ist das kein Fall für einen Praxistermin: Betroffene oder Anwesende wählen dann sofort den Notruf 112, weil eine Lungenembolie vorliegen kann. Für Beschwerden ohne Lebensgefahr ist außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117 erreichbar.
Behandlung & Therapie
Betroffene, die unter einer Venenthrombose leiden, sollten sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung geben. Vorrangiges Ziel der Therapie ist es, ein Weiterwachsen des Blutgerinnsels und eine Lungenembolie zu verhindern und den Blutfluss im betroffenen Gefäß wiederherzustellen. Das bestehende Gerinnsel aufzulösen, ist dagegen nur in besonderen Fällen das Mittel der Wahl.
Die Wiederherstellung des Blutflusses wird Thrombolyse genannt. Um den Erfolg der Thrombolyse gewährleisten zu können, ist es wichtig, die Behandlung frühzeitig anzusetzen, sie ist nur innerhalb der ersten Stadien einer Venenthrombose wirksam. Medikamente zur Durchführung einer Thrombolyse sind zum Beispiel Alteplase oder Urokinase. Davon zu unterscheiden ist Heparin: Es gehört zu den Gerinnungshemmern und löst ein bestehendes Gerinnsel nicht auf, sondern verhindert, dass es weiter wächst und die gesamte Vene verstopft. Die Thrombolyse wird bei der tiefen Beinvenenthrombose heute nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt, etwa bei sehr ausgedehnten Becken- und Beinvenenthrombosen, weil sie mit einem erheblichen Blutungsrisiko verbunden ist. In der Regel besteht die Behandlung stattdessen aus einer Gerinnungshemmung und einer Kompressionstherapie.
Ist die Thrombose bereits vollständig ausgebildet, kommt eine Thrombolyse nicht mehr in Betracht. Dann besteht die Möglichkeit, das Blutgerinnsel operativ zu entfernen; auch dieser Eingriff bleibt schweren Verläufen vorbehalten. Die betroffene Stelle wird geöffnet, die Verklumpungen operativ entnommen. Ist die Fläche des betroffenen Gefäßes zu groß, wird ein Ballonkatheter angewendet. Bei diesem wird ein Katheter mit einem kleinen Ballon in die Vene eingeführt und nach dem Erreichen der Gefäßverstopfung aufgeblasen. Zieht der Arzt den Katheter nun zurück in Richtung der Öffnungsstelle, kann er das geronnene Blut an der Schnittstelle entfernen und somit den weiteren ungehinderten Blutverlauf wiederherstellen.
Bei einer weiteren Behandlungsart wird die Vene geöffnet und das verklumpte Blut durch leichten Druck aus der Vene gedrückt. Weitläufiges Ziel einer Thrombosebehandlung ist es nicht nur, das geronnene Blut zu entfernen, sondern ebenfalls zu verhindern, dass der dazu geführte Vorgang nochmal einsetzt. Dafür erhält der Patient für mindestens drei Monate gerinnungshemmende Medikamente. Lange Zeit waren das die Vitamin-K-Antagonisten, zu denen Phenprocoumon gehört; weil sie erst nach einigen Tagen wirken, wurde zu Beginn zusätzlich Heparin gespritzt. Heute werden meist direkte orale Gerinnungshemmer bevorzugt, die von Anfang an wirken und keine regelmäßige Kontrolle der Gerinnungswerte erfordern. Zudem wird Betroffenen geraten, Kompressionsstrümpfe zu tragen, die nach einer tiefen Beinvenenthrombose in der Regel ein bis zwei Jahre lang nötig sind, um einem postthrombotischen Syndrom vorzubeugen.
Vorbeugung
Thrombosen lassen sich durch regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung vorbeugen. Übergewicht und Diabetes sollten behandelt werden.
Ebenfalls hilfreich kann es sein, die Gliedmaßen im Wechsel warm und kalt abzuduschen, wodurch die Durchblutung gefördert wird. Es sollte auf Tabak, die Antibabypille sowie langes Stehen und Sitzen verzichtet werden. Eine hohe Flüssigkeitsaufnahme in Form von Wasser sowie ungesüßten Tees kann ebenfalls vorbeugend wirken.
Nachsorge
Nach der Behandlung einer Venenthrombose sollte der Patient auf eine ausgewogene Ernährung achten. Meist wird keine spezielle Diät empfohlen. Er sollte aber auf eine ausreichende Menge an Gemüse und Obst achten, um eine angemessene Menge an Vitaminen und Ballaststoffen zu sich zu nehmen. Auch eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln, welche als Quelle für Kohlenhydrate dienen, ist hierbei wichtig.
Zu beachten ist, dass die Zufuhr von Vitamin K möglichst gleichmäßig bleibt. Das ist vor allem wichtig, wenn der Patient Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten einnimmt: Schwankt die Zufuhr stark, schwankt auch die Wirkung dieser Medikamente. Grünes Gemüse muss deshalb nicht gemieden werden, sollte aber nicht in stark wechselnden Mengen auf dem Speiseplan stehen. Vitaminpräparate mit Vitamin K nimmt der Patient nur nach Rücksprache mit seinem Arzt ein; größere Umstellungen der Ernährung bespricht er ebenfalls mit ihm. Neben der Ernährung spielt auch die Bewegung eine wesentliche Rolle. Sport oder regelmäßige Bewegung in Form von Spaziergängen sind ratsam.
Am besten eignen sich hierbei Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Wandern. Bei Leistungssportlern sollte allerdings die Intensität an Sport mit dem Arzt abgesprochen werden. Durch die regelmäßige Bewegung kommt es zu einer verbesserten Funktion des Kreislaufes und der Blutgefäße. Bei einer Thrombose der tiefliegenden Bein- und Beckenvenen wurde früher unmittelbar nach der Behandlung Bettruhe verordnet. Nach heutigem Kenntnisstand gilt das nicht mehr: Unter ausreichender Gerinnungshemmung und mit Kompressionsstrümpfen werden Betroffene frühzeitig wieder mobilisiert, weil Bettruhe das Risiko einer Lungenembolie nicht senkt.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Venenthrombose können Betroffene selbst zur Besserung beitragen. Wichtiger als der Verzicht auf einzelne Nahrungsmittel sind dabei eine ausgewogene Ernährung und eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme, weil ein verlangsamter und eingedickter Blutfluss die Bildung von Gerinnseln begünstigt. Mit Alkohol sollten Betroffene zurückhaltend umgehen, weil er die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente beeinflussen kann. Falls Betroffene Übergewicht haben, sollten sie kalorienreduziert essen, bis das Normalgewicht wieder erreicht wurde.
Auch gibt es derzeit Studien darüber, dass die Einnahme von Folsäure und Vitamin B durch ihre senkende Wirkung auf den Homocysteinspiegel das Risiko der Venenthrombose vermindern kann. Diese Hoffnung hat sich in späteren Untersuchungen allerdings nicht bestätigt: Zwar senken Folsäure und B-Vitamine den Homocysteinspiegel, ein geringeres Thromboserisiko ließ sich dadurch jedoch nicht belegen. Bei einer frischen Thrombose darf das betroffene Bein nicht massiert oder kräftig eingerieben werden, weil sich dabei ein Gerinnsel lösen kann. Erst außerhalb der akuten Phase und nach ärztlicher Freigabe kommen als Hausmittel Einreibungen mit Franzbranntwein und Kälteanwendungen in Betracht. Diese sind beispielsweise das Wassertreten, Taulaufen oder im Winter Schneegehen. Auch kalte Güsse mehrmals täglich sowie die kalte Ganzkörperwaschung mit einfachem Wasser oder auch mit Essigwasser, helfen die Beschwerden zu lindern. Sehr gut eignet sich auch morgens nach dem Aufstehen ein kaltes Fußbad mit einer Dauer von circa 2 Minuten.
Zu all dem sollte ein regelmäßiges aktives Gefäßtraining stattfinden. Dies kann durch Sport und Bewegung erreicht werden und ist die billigste und einfachste Behandlung einer Venenthrombose. Besonders vor dem Schlafengehen sollten die Beine etwas Bewegung bekommen. Dafür eignet sich am besten ein gemütlicher Spaziergang.
Quellen
- Hirsch, T., Schick, K., Stücker, M. (Hrsg.): Referenz Phlebologie.
ISBN: 9783132455634
- Hoffmann, U., Weiss, N., Czihal, M., Mühlberg, K. S. (Hrsg.): Klinische Angiologie.
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- Pötzsch, B., Madlener, K. (Hrsg.): Hämostaseologie.
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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