Amöben
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Amöben gehören zu den Einzellern. Einige Amöben sind pathogen und können beim Menschen schwere Krankheiten hervorrufen.
Was sind Amöben?
Amöben sind, anders als häufig behauptet, keine Verwandtschaftsgruppe, sondern vielmehr eine Lebensform. Alle Amöben sind Einzeller. Ihre Körperform ist nicht fest. Sie können Scheinfüßchen, sogenannte Pseudopodien, ausbilden und dadurch ihre Körpergestalt schnell ändern. Die Lebewesen sind zwischen 0,1 und 0,8 Millimeter groß; die krankmachenden Arten sind mit 10 bis 60 Mikrometern deutlich kleiner und nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Die meisten Amöben sind nackt und ernähren sich durch Phagozytose. Einige Amöben sind jedoch auch beschalt und können Photosynthese betreiben.
Die kleinen Einzeller sind in der Regel durchsichtig. Durch die transparente äußere Haut ist das körnige Zellinnere sichtbar. Dieses Endoplasma pulsiert und enthält viele kleine Blasen. Der Zellkern ist hingegen eher schlecht zu erkennen. Die kleinen Füßchen dienen den Amöben zur Fortbewegung und zur Nahrungsaufnahme. Sie fangen Bakterien und andere einzellige Lebewesen mit ihren Füßchen, umschließen diese innerhalb von sogenannten Nahrungsvakuolen und verdauen sie schlussendlich. Dieser Vorgang wird als Phagozytose bezeichnet. Die Fortpflanzung der Amöben geschieht auf asexuellem Weg durch Teilung.
Einige Amöben sind potenzielle Krankheitserreger für den Menschen. Die bekanntesten Erkrankungen, die durch Amöben hervorgerufen werden, sind die Amöbenruhr und die Meningoenzephalitis. Ferner enthalten viele Amöben Bakterien, die beim Menschen Infektionskrankheiten hervorrufen können. Eine solche Krankheit ist die Legionellose, die durch Legionellen verursacht wird.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Auch die Amöbenart Entamoeba histolytica, der Erreger der Amöbenruhr, ist weltweit verbreitet. Besonders in Ländern und Gebieten mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen finden sich die Einzeller. Menschen stecken sich über den Kontakt mit kontaminiertem Abwasser oder verschmutztem Trinkwasser an. Insbesondere nach Katastrophen und bei Mangel an reinem Trinkwasser steigt die Anzahl der Infektionen mit der Amöbenruhr an. Doch auch ungeschältes Obst und Gemüse, Eis und Eiswürfel sind in subtropischen und tropischen Gebieten wie Bangladesch, Indonesien, Thailand und Indien häufig mit Amöben verseucht. Zu beachten ist in diesem Rahmen, dass eine herkömmliche Trinkwasserentkeimung mit Chlor die Einzeller nicht abtötet. Zuverlässig frei von Amöben wird Wasser durch Abkochen oder durch einen ausreichend feinporigen Filter.
Die Amöbenenzephalitis wird hingegen von anderen Amöbenarten hervorgerufen. Dazu gehören zum Beispiel Acanthamoeba, Balamuthia oder Naegleria fowleri. Diese werden unter dem Begriff freilebende Amöben oder Wasseramöben zusammengefasst. Während Akanthamöben hauptsächlich in Schlamm, an Gewässerrändern und in Biofilmen vertreten sind, leben Balamuthia-Amöben auch in Staub und Erde. Akanthamöben besiedeln zudem häufig den Nasen-Rachen-Raum des Menschen.
Naegleria fowleri bevorzugt Süßgewässer als Lebensraum. Dabei findet sich der Erreger immer häufiger auch in gemäßigten Klimazonen. Die Amöben dringen beim Baden über das Riechepithel in den menschlichen Körper ein und gelangen dann über den Riechnerv (Nervus olfactorius) in das Zentralnervensystem und somit ins Gehirn.
Krankheiten & Beschwerden
Für diese Symptome, die nach einer Inkubationszeit von ein bis sieben Tagen auftreten, ist eine Entzündung mit Geschwürbildung im Dickdarm verantwortlich. Durch die geschädigte Darmschleimhaut kann der Erreger Entamoeba histolytica ins Blut übertreten. Vom Blut gelangt die Amöbenart dann in die Leber und in andere innere Organe. Dort können die Einzeller das ansässige Gewebe zerstören und so eine schwere Geschwürsbildung hervorrufen. Die Folge sind innere Blutungen. Falls die Amöbenruhr nicht rechtzeitig erkannt wird, kann sie tödlich enden. Die Behandlung erfolgt mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Nitroimidazole, die gegen Einzeller wirken, ergänzt um ein nur im Darm wirksames Mittel gegen die Zysten. Bei einer rechtzeitigen Einnahme heilt die Krankheit schnell aus. Bei Abszessen in inneren Organen kann jedoch auch eine Operation erforderlich sein.
Die primäre Amöben-Meningoenzephalitis betrifft überwiegend Kinder. Sie beginnt plötzlich und heftig aus voller Gesundheit heraus. Die Patienten leiden unter hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Nackenschmerzen. Auffällig ist die Nackensteife. Rasch kommt es zu Wahrnehmungsveränderungen und einer Einschränkung der Körperkontrolle. Die primäre Amöben-Meningoenzephalitis endet fast immer innerhalb von ein bis zwei Wochen tödlich. Bisher gibt es nur wenige Patienten, die die Erkrankung bei einer frühzeitigen Therapie überlebt haben.
Die granulomatöse Amöbenenzephalitis tritt fast nur bei Patienten mit Immundefiziten auf. So findet sich die Erkrankung beispielsweise häufiger bei AIDS-Patienten. Eine Ausnahme bildet der Erreger Balamuthia mandrillaris. Er infiziert auch Menschen mit einem gesunden Immunsystem. Die granulomatöse Form der Amöbenenzephalitis beginnt schleichend mit Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und leichter Nackensteife. Die Patienten werden lethargisch, klagen über Gedächtnisstörungen und sind in ihrem Bewusstsein getrübt. Später entwickeln sie Symptome wie Krampfanfälle und halbseitige Lähmungen oder fallen ins Koma.
Die granulomatöse Amöbenenzephalitis verläuft über wenige Tage bis hin zu mehreren Monaten und endet, ebenso wie die primäre Amöben-Meningoenzephalitis, meist tödlich. Einige Patienten konnten jedoch mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Die Behandlung muss über mehrere Jahre erfolgen.
Systematik und Verwandtschaft
Weil „Amöbe“ eine Lebensform und keine Abstammungsgemeinschaft bezeichnet, verteilen sich die kriechenden Einzeller über mehrere weit voneinander entfernte Äste im Stammbaum der Lebewesen mit Zellkern. Am formenreichsten ist dabei die Gruppe der Amoebozoa. Zu ihr zählen sowohl die klassischen Süßwasseramöben der Gattung Amoeba als auch die medizinisch bedeutsamen Gattungen Entamoeba, Acanthamoeba und Balamuthia. Naegleria fowleri steht den Amoebozoa dagegen nur entfernt nahe: Der Erreger wird zu den Heterolobosea gestellt, einer Gruppe, deren Vertreter zwischen einer kriechenden und einer begeißelten Gestalt hin- und herwechseln können. Zwei Erreger mit derselben groben Körperform können biologisch also sehr verschieden sein – ein Grund dafür, dass sich die von ihnen ausgelösten Krankheitsbilder so stark unterscheiden.
Innerhalb der Gattung Entamoeba ist die Unterscheidung der Arten besonders folgenreich. Neben dem krankmachenden Entamoeba histolytica lebt der unter dem Lichtmikroskop nicht von ihm zu unterscheidende Entamoeba dispar im menschlichen Darm, ohne Beschwerden auszulösen; auch Entamoeba moshkovskii wird regelmäßig gefunden und gilt als weitgehend harmlos. Der Artname histolytica bedeutet sinngemäß „gewebeauflösend“ und benennt genau die Eigenschaft, die diesen Erreger von seinen Verwandten trennt. Auf den Zoologen Fritz Schaudinn geht die Abgrenzung von der ungefährlichen Darmamöbe Entamoeba coli zurück. Dass unter dem Namen histolytica lange Zeit gleich mehrere Arten zusammengefasst wurden, ließ sich erst mit biochemischen und später mit molekularbiologischen Verfahren zeigen. Für die Beurteilung eines mikroskopischen Befundes ist das entscheidend: Der bloße Nachweis von Entamoeba-Zysten im Stuhl beweist noch keine Erkrankung.
Bau, Stadien und Lebenszyklus
Amöben treten in der Regel in zwei Erscheinungsformen auf. Die aktive, bewegliche und sich teilende Form heißt Trophozoit; sie nimmt Nahrung auf und ist empfindlich gegenüber Austrocknung und Magensäure. Die zweite Form ist die Zystenform: Der Einzeller rundet sich ab, gibt Wasser ab und umgibt sich mit einer widerstandsfähigen Hülle. In diesem Ruhezustand findet praktisch kein Stoffwechsel statt, dafür übersteht die Zelle Wochen bis Monate außerhalb eines Wirtes. Für die Übertragung über den Verdauungsweg sind nur die Zysten von Bedeutung – sie passieren den Magen unbeschadet, während Trophozoiten dort zugrunde gehen. Im Dünndarm platzt die Hülle auf, und aus einer Zyste gehen mehrere junge Trophozoiten hervor.
Naegleria fowleri besitzt darüber hinaus eine dritte Gestalt: eine begeißelte Schwimmform, in die der Einzeller bei plötzlichem Nährstoffmangel übergeht und aus der er später wieder in die kriechende Form zurückkehrt. Im menschlichen Gehirn werden allerdings nur Trophozoiten gefunden; der Erreger verkapselt sich dort nicht. Akanthamöben bilden dagegen auch im menschlichen Gewebe Zysten aus, was ihre Behandlung erheblich erschwert.
Der Zellbau ist bei den krankmachenden Arten unterschiedlich stark vereinfacht. Entamoeba histolytica besitzt keine ausgebildeten Mitochondrien, sondern nur deren stark zurückgebildete Reste. Der Einzeller gewinnt seine Energie deshalb ohne Sauerstoff – passend zum sauerstoffarmen Milieu des Dickdarms. Freilebende Amöben wie Acanthamoeba verfügen dagegen über einen vollständigen sauerstoffabhängigen Stoffwechsel. Die Fortbewegung erfolgt bei allen Formen über das Ausstrecken und Zurückziehen von Pseudopodien, deren Gestalt für die Bestimmung mit herangezogen wird: Akanthamöben tragen feine, dornartige Fortsätze, denen die Gattung ihren Namen verdankt.
Krankheitsentstehung
Dass aus einer Besiedlung eine Erkrankung wird, hängt bei Entamoeba histolytica an einer Kette von Schritten. Zuerst heftet sich der Trophozoit mit einem an der Zelloberfläche sitzenden Eiweiß an Zuckerstrukturen der Darmschleimhaut an. Ohne diese Anheftung bleibt der Erreger im Darminhalt und wird ausgeschieden. Ist der Kontakt hergestellt, gibt die Amöbe porenbildende Peptide ab, die Löcher in die Zellmembranen der Darmzellen reißen, sowie Eiweiß spaltende Enzyme, die den Zellverband und die schützende Schleimschicht auflösen. Auf diese Weise entstehen die typischen kragenknopfförmigen Geschwüre der Darmwand. Der Erreger kann angegriffene Zellen zudem stückweise aufnehmen. Beide Vorgänge erklären, warum die Amöbenruhr mit Gewebezerfall und Blutbeimengungen einhergeht, während die harmlose Schwesterart trotz gleichen Aussehens keine dieser Werkzeuge in wirksamer Form besitzt.
Bei den freilebenden Amöben liegt der Fall anders: Sie sind nicht auf den Menschen angewiesen, sondern gelangen zufällig in den Körper. Naegleria fowleri dringt beim Eintauchen des Kopfes in warmes Süßwasser über die Riechschleimhaut ein und zerstört auf ihrem Weg entlang des Riechnervs unmittelbar Nervengewebe. Die außerordentlich heftige Entzündungsreaktion des Körpers trägt zum raschen Verlauf entscheidend bei. Akanthamöben und Balamuthia gelangen dagegen meist über kleine Hautverletzungen oder die Lunge in den Körper und erreichen das Zentralnervensystem über die Blutbahn – ein langsamerer Weg, der zum schleichenden Beginn der granulomatösen Form passt.
Amöben als Erreger von Hornhautentzündungen
Neben den Erkrankungen des Darms und des Gehirns verursachen Akanthamöben eine eigene, seltene Form der Hornhautentzündung am Auge, die Akanthamöben-Keratitis. Betroffen sind ganz überwiegend Menschen, die Kontaktlinsen tragen. Als begünstigend gilt vor allem der Kontakt der Linsen mit Leitungswasser: das Ausspülen des Behälters unter dem Wasserhahn, das Aufbewahren in Wasser statt in Pflegelösung sowie Schwimmen und Duschen mit eingesetzten Linsen. Die Amöben siedeln sich zunächst in Biofilmen des Aufbewahrungsbehälters an und gelangen von dort auf die Hornhaut.
Kennzeichnend ist ein für den sichtbaren Befund ungewöhnlich starker Augenschmerz, dazu Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss und ein Fremdkörpergefühl. Weil die Beschwerden anfangs denen einer gewöhnlichen Bindehaut- oder Hornhautentzündung ähneln, wird die Ursache häufig erst spät erkannt. Unbehandelt kann die Erkrankung bis zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Behandelt wird über lange Zeiträume mit antiseptisch wirkenden Augentropfen; in fortgeschrittenen Fällen kann eine Hornhauttransplantation nötig werden. Vorbeugend gilt die konsequente Trennung von Kontaktlinsen und Leitungswasser als wirksamste Maßnahme.
Nachweis und Diagnostik
Der klassische Weg zum Nachweis einer Darmamöbiasis führt über die Stuhluntersuchung. Unter dem Mikroskop lassen sich Zysten und – in frischem, noch warmem Material – bewegliche Trophozoiten erkennen. Als beweisend für die krankmachende Art gilt der Fund von Trophozoiten, die rote Blutkörperchen aufgenommen haben. Da Entamoeba histolytica und die harmlose Entamoeba dispar im Bild identisch aussehen, ist für eine sichere Zuordnung ein Antigennachweis oder ein molekularbiologisches Verfahren wie die Polymerase-Kettenreaktion erforderlich. Weil die Ausscheidung schwankt, werden üblicherweise mehrere Stuhlproben von verschiedenen Tagen untersucht.
Hat der Erreger den Darm verlassen und sich in der Leber angesiedelt, versagt die Stuhluntersuchung häufig. Hier führen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie zur Darstellung der Abszesshöhle, und der Nachweis von Antikörpern im Blut stützt die Diagnose; solche Antikörper bleiben allerdings noch lange nach einer durchgemachten Infektion nachweisbar und sind in Regionen mit häufigem Erregerkontakt entsprechend schwer zu deuten. Bei einer Beteiligung des Darms kann zusätzlich eine Darmspiegelung mit Gewebeentnahme die typischen Geschwüre sichtbar machen.
Beim Verdacht auf eine Amöbenerkrankung des Gehirns wird der Nervenwasserbefund untersucht: In der Lumbalpunktion gewonnenes Material zeigt bei der primären Form mitunter bewegliche Amöben unter dem Mikroskop. Freilebende Amöben lassen sich auf nährstofffreien Nährplatten anzüchten, die mit abgetöteten Bakterien beschickt sind – die Amöben fressen sich dort sichtbare Spuren in den Bakterienrasen. Ergänzend kommen molekularbiologische Verfahren zum Einsatz, die auch die Art bestimmen können.
Widerstandsfähigkeit und Hygiene
Die Widerstandsfähigkeit der Zystenform bestimmt, welche Schutzmaßnahmen greifen. Zysten überstehen die üblichen Konzentrationen von Chlor, wie sie zur Aufbereitung von Trinkwasser oder in Schwimmbädern verwendet werden; eine Desinfektion des Wassers allein bietet daher keinen verlässlichen Schutz. Zuverlässig wirken dagegen ausreichendes Abkochen sowie geeignete Filter mit hinreichend feiner Porenweite. In Gebieten mit unsicherer Wasserversorgung gelten deshalb dieselben Regeln wie bei anderen über Fäkalien übertragenen Erregern: abgekochtes oder sicher aufbereitetes Wasser, kein Eis unklarer Herkunft, kein ungeschältes Rohobst und kein ungewaschener Rohkostsalat. Die Hygiene der Hände nach dem Toilettengang unterbricht die Weitergabe von Mensch zu Mensch.
Für die freilebenden Amöben gelten andere Überlegungen. Naegleria fowleri vermehrt sich bevorzugt in warmem Süßwasser; das Risiko wird mit dem Eindringen von Wasser in die Nase in Verbindung gebracht, nicht mit dem Verschlucken. Auch das Ausspülen der Nasenhöhle mit unbehandeltem Leitungswasser gilt als möglicher Übertragungsweg, weshalb für eine Nasenspülung abgekochtes oder steriles Wasser empfohlen wird. Akanthamöben siedeln in Biofilmen von Leitungen, Duschköpfen, Klimaanlagen und Kontaktlinsenbehältern; hier ist die regelmäßige Reinigung und der Austausch der Behältnisse die wirksamste Maßnahme.
Bedeutung außerhalb der Krankheitslehre
Amöben spielen im Boden und in Gewässern eine wichtige Rolle als Bakterienfresser. Indem sie Bakterienbestände kurz halten und deren Nährstoffe wieder freisetzen, greifen sie in den Stoffkreislauf ein und tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. In der biologischen Abwasserreinigung gehören sie zu den Organismen, deren Zusammensetzung Rückschlüsse auf den Zustand der Anlage zulässt.
Medizinisch bedeutsam ist eine weitere Eigenschaft: Manche Bakterien werden von Amöben zwar aufgenommen, aber nicht verdaut. Sie vermehren sich stattdessen im Inneren der Amöbe und nutzen diese als Schutzraum und Transportmittel. Am besten untersucht ist dieser Zusammenhang bei den Legionellen, den Erregern der Legionellose: In Biofilmen von Wasserleitungen und Kühlanlagen vermehren sie sich in Amöben und sind dort auch gegen Desinfektionsmaßnahmen besser geschützt als frei im Wasser. Die Bekämpfung der Amöben ist daher ein Teil der Legionellenvorsorge. Ähnliche Beziehungen sind für weitere Umweltbakterien beschrieben worden, weshalb Amöben mitunter als „Trainingslager“ bezeichnet werden, in dem Bakterien Eigenschaften erwerben, die ihnen später auch das Überleben in menschlichen Fresszellen ermöglichen.
Schließlich dienen Amöben der Forschung als Modellorganismen. Die im Boden lebende Art Dictyostelium discoideum wechselt bei Nahrungsmangel von der einzelligen Lebensweise in einen vielzelligen Verband, aus dem ein Fruchtkörper hervorgeht. An diesem Wechsel lassen sich grundlegende Fragen der Zellbewegung, der Verständigung zwischen Zellen und der Phagozytose untersuchen – Vorgänge, die auch für das Verständnis der menschlichen Abwehrzellen von Bedeutung sind.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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- Lucius, R., Loos-Frank, B., Lane, R.P.: Biologie von Parasiten.
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- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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