Etoricoxib
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Etoricoxib gehört als COX-2-Hemmer zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Dem Wirkstoff, der insbesondere als Entzündungshemmer und Schmerzmittel zum Einsatz kommt, werden magen- und darmschonendere Eigenschaften zugeschrieben als traditionellen nichtsteroidalen Entzündungshemmern.
Was ist Etoricoxib?
Etoricoxib (Summenformel: C18H15ClN2O2S) ist ein Arzneimittel aus der Wirkstoffgruppe der Coxibe bzw. COX-2-Inhibitoren, die durch ihre gezielte Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase 2 (COX-2) eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung entfalten.
COX-2-Inhibitoren gehören zu den nichtsteroidalen Entzündungshemmern NSAID (non-steroidal anti-inflammatory drug). Der Wirkstoff ist ein Dipyridylderivat, das über eine mit der Bindungstasche der COX-2 interagierende Methylsulfonylgruppe verfügt.
Die Substanz kommt vor allem im Rahmen der symptomatischen Therapie von Schwellungen und Schmerzen zum Einsatz, die bei degenerativ (durch Verschleiß) und/oder entzündlich-rheumatisch bedingten Gelenkerkrankungen auftreten. Etoricoxib wird in aller Regel in Tablettenform appliziert.
Pharmakologische Wirkung
Cyclooxygenase 2 stellt ein wichtiges Enzym bei der Biosynthese von Prostaglandinen dar, die Fieber sowie Entzündungsprozesse und Schmerzsymptome im Organismus auslösen. Zudem vermindert Etoricoxib die Bildung von Prostacyclin, einem ebenfalls über die Cyclooxygenase gebildeten Gewebshormon; die Bildung von Thromboxan in den Blutplättchen bleibt dagegen unbeeinflusst. Da Etoricoxib weder COX-1 (Cyclooxygenase 1) noch die Prostaglandinsynthese im Magen hemmt oder die Funktion der Blutplättchen beeinträchtigt, ist dessen Hemmwirkung sehr gezielt und selektiv.
So wird davon ausgegangen, dass durch die fehlende Inhibition des Schwesterenzyms COX-1, das an der Biosynthese der die Schleimhaut schützenden Prostaglandine im Magen partizipiert, eine Etoricoxib-Therapie zu weniger ausgeprägten Beeinträchtigungen des gastrointestinalen Traktes (Magen-Darm-Trakt) sowie zu weniger Manifestationen von Geschwüren und Blutungen als konventionelle nichtsteroidale Entzündungshemmer führt. Durch die Hemmung der COX-2 kann Etoricoxib allerdings Fieber sowie andere Anzeichen einer entzündlichen oder infektiösen Erkrankung verschleiern.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Etoricoxib wird vor allem zur Therapie von Schmerz- und Entzündungssymptomen appliziert, die im Rahmen von Gelenkerkrankungen wie Arthrose, bei aktiven Gichtanfällen (akute Gelenkentzündungen) sowie rheumatoider Arthritis auftreten.
Darüber hinaus kann eine Therapie mit Etoricoxib bei postoperativen Zahnschmerzen oder einem Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) indiziert sein. Die deutsche Zulassung umfasst die symptomatische Behandlung von Arthrose, rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans und akuter Gichtarthritis sowie die kurzzeitige Behandlung mäßig starker Schmerzen nach Zahnoperationen, jeweils ab 16 Jahren. Aufgrund der langen Halbwertzeit (etwa 22 Stunden) von Etoricoxib, genügt zumeist eine einmalige Applikation pro Tag, die in aller Regel oral in Form von Tabletten (30, 60, 90 bzw. 120 mg) erfolgt.
Da mit zunehmender Behandlungsdauer und/oder Dosierung das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte zunimmt, sollte bei einer Therapie mit Etoricoxib das Nutzen-Risiko-Verhältnis gründlich abgewogen und gegebenenfalls eine kürzestmögliche Therapie und geringstmögliche Dosierung gewählt werden. Zudem sind, insbesondere bei von Arthrose Betroffenen und bei pathologisch veränderten Leberfunktionswerten, regelmäßige Kontrollen auf Therapieerfolg und potenzielle Nebenwirkungen angezeigt.
Liegen Symptome für eine Leberfunktionsstörung und/oder anhaltend erhöhte Leberwerte vor, sollte eine Etoricoxib-Therapie beendet werden. Ebenso ist der Wirkstoff abzusetzen, wenn erste Anzeichen auf Schleimhautbeeinträchtigungen, Hautausschläge und/oder weitere Überempfindlichkeitsreaktionen vorliegen.
Risiken & Nebenwirkungen
Am häufigsten werden Schwindel und Kopfschmerzen, Ödeme, Bluthochdruck, Herzklopfen, Verdauungs- und Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Hautblutungen, Übelkeit, eine Erhöhung der Leberenzyme sowie grippeartige Erkrankungen als unerwünschte Nebenwirkungen beschrieben. Eine Therapie mit Etoricoxib ist zudem insbesondere bei Vorliegen einer Schwangerschaft, einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, bei aktiven Darm- und/oder Magengeschwüren, entzündlichen Erkrankungen des Darms, gastrointestinalen Blutungen, einer ausgeprägten Funktionsstörung der Leber, einer Nieren- oder Herzschwäche und bei einer koronaren Herzkrankheit kontraindiziert. Ausgeschlossen ist die Anwendung ebenso bei einem durch die Behandlung nicht ausreichend eingestellten Bluthochdruck, nach einem Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, in der Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren.
Darüber hinaus kann eine Etoricoxib-Therapie in Kombination mit Warfarin zu einer verlängerten Blutgerinnungszeit führen, während eine parallele Behandlung mit Acetylsalicylsäure Magengeschwüre und weitere Komplikationen hervorrufen kann. Die gleichzeitige Einnahme von Etoricoxib mit Tacrolimus und Ciclosporin kann zu einer Erhöhung der nierentoxischen Wirkung der beiden genannten Immunsuppressiva führen.
Ebenfalls sollte eine Therapie bei gleichzeitiger Einnahme von Ketoconazol (Antimykotikum), Rifampicin (Antibiotikum) sowie oral appliziertem Salbutamol und Minoxidil (Antihypertonikum) genau in Bezug auf das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden. Weitere Wechselwirkungen von Etoricoxib werden im Rahmen der gleichzeitigen Behandlung mit ACE-Hemmern, Diuretika, Lithium, Sartanen, Östrogenen, Methotrexat, Digoxin und Prednison beobachtet.
Häufigkeit der Nebenwirkungen
Die deutsche Fachinformation ordnet jede Nebenwirkung einer Häufigkeitsstufe zu. Als sehr häufig gilt eine Beschwerde, die mindestens einen von zehn Behandelten trifft; häufig bedeutet mindestens einen von hundert, gelegentlich mindestens einen von tausend, selten mindestens einen von zehntausend.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Fachinformation in der höchsten Stufe – sehr häufig – allein Bauchschmerzen aufführt. Das spricht nicht gegen die bessere Magen-Darm-Verträglichkeit: Die Häufigkeitsangaben der Tabelle stammen aus dem Vergleich mit einem Scheinmedikament, während sich der Vorteil auf den Vergleich mit herkömmlichen Entzündungshemmern bezieht. In dem großen Studienprogramm, das diesen Vergleich über Monate geführt hat, traten unerwünschte Wirkungen im Magen-Darm-Trakt unter Etoricoxib seltener auf. Eine Stufe darunter, als häufig, stehen unter anderem Schwindelgefühl und Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, Bluthochdruck, Herzklopfen und Rhythmusstörungen, eine Verkrampfung der Bronchien, zahlreiche Magen-Darm-Beschwerden von Verstopfung über Sodbrennen bis zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, ein Anstieg der Leberwerte, blaue Flecken, Müdigkeit und grippeartige Erkrankungen.
In der Stufe gelegentlich finden sich unter anderem Infekte der Atem- und Harnwege, Veränderungen des Blutbilds, Überempfindlichkeitsreaktionen, Appetit- und Gewichtsveränderungen, Angst, Depressionen und Konzentrationsstörungen, Geschmacksstörungen und Schlaflosigkeit, Sehstörungen, Tinnitus, Vorhofflimmern, eine dekompensierte Herzschwäche, Angina-pectoris-Beschwerden und der Herzinfarkt, Schlaganfall und vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns, Husten und Nasenbluten, Geschwüre im Magen-Darm-Trakt einschließlich Durchbrüchen und Blutungen, Hautveränderungen sowie eine Verschlechterung der Nierenwerte. Selten treten schwere allergische Reaktionen bis zum Schock, eine Leberentzündung, ein Leberversagen und schwere Hauterscheinungen wie das Stevens-Johnson-Syndrom auf.
Verabreichung & Dosierung
Etoricoxib wird als Filmtablette zum Einnehmen angewendet; die deutschen Fachinformationen führen keine andere Darreichungsform auf. Eine Mahlzeit verändert die aufgenommene Wirkstoffmenge nicht, sie verlangsamt lediglich die Aufnahme; in den klinischen Studien wurde der Wirkstoff deshalb ohne Rücksicht auf die Nahrungsaufnahme gegeben.
Welche Tablettenstärke gewählt wird, hängt vom Anwendungsgebiet ab, nicht vom Körpergewicht. Für jede Anwendung gilt der Grundsatz, die kleinste wirksame Menge über den kürzesten nötigen Zeitraum zu geben. Zur Behandlung akuter Schmerzen wird Etoricoxib nur während der akuten Beschwerdephase eingenommen; bei Arthrose, rheumatoider Arthritis und Spondylitis ankylosans handelt es sich dagegen um eine Dauerbehandlung, deren Notwendigkeit in regelmäßigen Abständen neu beurteilt wird.
Vor Beginn der Behandlung muss ein erhöhter Blutdruck eingestellt sein. In den ersten beiden Wochen nach Behandlungsbeginn und danach in regelmäßigen Abständen wird der Blutdruck kontrolliert; steigt er deutlich an, ist auf eine andere Therapie auszuweichen. Ähnliches gilt für die Leberwerte: Ein anhaltender Anstieg der Leberenzyme oder Beschwerden, die auf eine Leberfunktionsstörung hindeuten, führen zum Absetzen. Bei eingeschränkter Leberfunktion ist die zulässige Menge begrenzt, bei einer schweren Leberfunktionsstörung entfällt die Anwendung ganz.
Pharmakokinetik
Nach dem Schlucken wird Etoricoxib im Magen-Darm-Trakt gut aufgenommen; die absolute Bioverfügbarkeit liegt bei annähernd 100 Prozent. Das bedeutet, dass praktisch die gesamte eingenommene Menge in den Blutkreislauf gelangt – anders als bei vielen Wirkstoffen, die bereits bei der ersten Leberpassage zu einem großen Teil abgebaut werden. Der höchste Blutspiegel wird beim nüchternen Erwachsenen etwa eine Stunde nach der Einnahme erreicht.
Im Blut ist Etoricoxib zu rund 92 Prozent an Eiweiße des Blutplasmas gebunden. Nur der ungebundene Anteil kann in das Gewebe übertreten und dort wirken. Der Abbau erfolgt fast vollständig in der Leber; weniger als ein Prozent des Wirkstoffs erscheint unverändert im Urin. Am Abbau sind Enzyme der Cytochrom-P450-Familie beteiligt, allen voran CYP3A4. Aus diesem ersten Abbauschritt entsteht ein Zwischenprodukt, das weiter zu einer Säure umgewandelt wird; diese Hauptabbauprodukte hemmen die COX-2 nicht oder nur schwach und die COX-1 überhaupt nicht.
Ausgeschieden werden die Abbauprodukte überwiegend über die Nieren, zu einem kleineren Teil über den Stuhl. Die Ausscheidung des unveränderten Wirkstoffs spielt dabei kaum eine Rolle. Bei täglicher Einnahme stellt sich innerhalb einer Woche ein gleichbleibender Blutspiegel ein. Die lange Halbwertzeit ist der Grund dafür, dass eine einzige Gabe pro Tag genügt. Zwischen jüngeren und älteren Menschen sowie zwischen Männern und Frauen bestehen keine bedeutsamen Unterschiede im Verhalten des Wirkstoffs im Körper.
Kontraindikationen
Die deutsche Fachinformation führt eine Reihe von Umständen auf, unter denen Etoricoxib nicht angewendet werden darf. Sie lassen sich in vier Gruppen ordnen.
Überempfindlichkeit und Unverträglichkeit gegenüber Schmerzmitteln: Ausgeschlossen ist die Anwendung bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Ebenso ausgeschlossen sind Patienten, bei denen nach Acetylsalicylsäure oder anderen nichtsteroidalen Antirheumatika einschließlich weiterer COX-2-Hemmer eine Verkrampfung der Bronchien, ein akuter Schnupfen, eine Schwellung der Nasenschleimhaut, ein Angioödem, Nesselsucht oder allergieartige Reaktionen aufgetreten sind.
Erkrankungen des Verdauungstrakts: Ein aktives Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sowie eine aktive Blutung im Magen-Darm-Trakt schließen die Anwendung aus, ebenso entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Nicht angewendet werden darf Etoricoxib bei einer Herzschwäche, bei einer klinisch gesicherten koronaren Herzkrankheit, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit und bei Erkrankungen der Hirngefäße, wozu der durchgemachte Schlaganfall und die vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns zählen. Hinzu kommt ein Bluthochdruck, dessen Werte trotz Behandlung anhaltend zu hoch bleiben.
Eingeschränkte Organfunktion und besondere Lebensabschnitte: Eine schwere Funktionsstörung der Leber und eine stark verminderte Nierenleistung schließen die Anwendung aus. Dasselbe gilt für Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.
Von diesen Gegenanzeigen zu unterscheiden sind Umstände, die lediglich zur Vorsicht mahnen. Dazu gehören ein höheres Lebensalter, die gleichzeitige Einnahme anderer nichtsteroidaler Antirheumatika, frühere Magen-Darm-Geschwüre oder -Blutungen sowie eine Flüssigkeitsansammlung im Gewebe anderer Ursache. Auch eine ausgeprägte Austrocknung mahnt zur Zurückhaltung, weil die Nierendurchblutung unter einem COX-2-Hemmer abnehmen kann.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Blutgerinnungshemmer: Unter Warfarin verlängert Etoricoxib die Gerinnungszeit, gemessen als INR-Wert. Die Gerinnungswerte sind deshalb engmaschig zu überwachen, besonders in den ersten Tagen nach Beginn der Etoricoxib-Behandlung und nach jeder Änderung der Menge.
Acetylsalicylsäure: Die niedrig dosierte Acetylsalicylsäure, die zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall eingenommen wird, darf mit Etoricoxib kombiniert werden; deren gerinnungshemmende Wirkung bleibt dabei erhalten. Allerdings treten Magen-Darm-Geschwüre und andere Komplikationen unter der Kombination häufiger auf als unter Etoricoxib allein. Von einer Kombination mit höher dosierter Acetylsalicylsäure oder mit anderen nichtsteroidalen Antirheumatika wird abgeraten.
Blutdruckmittel und entwässernde Mittel: Nichtsteroidale Antirheumatika können die Wirkung von entwässernden Mitteln und Blutdruckmitteln abschwächen. In Verbindung mit ACE-Hemmern oder Sartanen kann sich die Nierenfunktion verschlechtern; besonders gefährdet sind ältere und ausgetrocknete Patienten. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine Kontrolle der Nierenwerte sind in dieser Kombination angezeigt.
Immunsuppressiva: Für Ciclosporin und Tacrolimus wurde die Kombination nicht eigens untersucht; nichtsteroidale Antirheumatika können die nierenschädigende Wirkung beider Stoffe jedoch verstärken, sodass die Nierenwerte zu überwachen sind.
Lithium: Nichtsteroidale Antirheumatika verringern die Ausscheidung von Lithium über die Nieren und erhöhen dadurch dessen Blutspiegel. Der Lithiumspiegel ist zu überwachen, solange beide Mittel gegeben werden, und auch dann noch, wenn das Schmerzmittel abgesetzt wird.
Methotrexat: In der höchsten Etoricoxib-Stärke wurde in einer von zwei Untersuchungen ein Anstieg des Methotrexat-Spiegels im Blut und eine verringerte Ausscheidung über die Nieren beobachtet. Auf Anzeichen einer Methotrexat-Überdosierung ist deshalb zu achten.
Hormonelle Verhütungsmittel und Hormonersatztherapie: Etoricoxib erhöht den Blutspiegel von Ethinylestradiol, dem Östrogenanteil vieler Antibabypillen. Das ist bei der Wahl des Verhütungsmittels zu bedenken, weil eine höhere Östrogenbelastung typische Nebenwirkungen begünstigen kann, etwa Blutgerinnsel in den Venen bei entsprechend gefährdeten Frauen. Auch bei einer Hormonersatztherapie mit konjugierten Östrogenen steigen die Hormonspiegel an.
Alternative Behandlungsmethoden
Kommt Etoricoxib nicht infrage, stehen mehrere andere Wege der Schmerz- und Entzündungsbehandlung offen. Die Auswahl richtet sich nach der Grunderkrankung, nach dem Zustand von Magen, Nieren und Herz sowie nach den übrigen eingenommenen Arzneimitteln.
Herkömmliche nichtsteroidale Antirheumatika: Diclofenac ist der Vergleichswirkstoff des großen MEDAL-Studienprogramms, in dem Etoricoxib über Monate gegen Diclofenac geprüft wurde; daneben stehen Ibuprofen und Naproxen zur Verfügung. Sie hemmen beide Formen der Cyclooxygenase. Anders als Etoricoxib greifen sie damit auch in die Bildung der Prostaglandine im Magen und in die Funktion der Blutplättchen ein.
Andere COX-2-Hemmer: Celecoxib gehört derselben Wirkstoffgruppe an wie Etoricoxib und kommt bei ähnlichen Beschwerdebildern zum Einsatz. Die Gruppe teilt die kardiovaskuläre Warnung; ein Wechsel innerhalb der Gruppe löst dieses Problem also nicht.
Paracetamol: Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, entzündungshemmende Eigenschaften besitzt es praktisch nicht. Für leichtere Beschwerden ist es eine magenschonende Möglichkeit, bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen reicht es allein meist nicht aus.
Nichtmedikamentöse Verfahren: Physiotherapie, Bewegungstherapie, Gewichtsabnahme bei Gelenkbelastung, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Gelenkschutz tragen bei Arthrose und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur Beschwerdelinderung bei und können den Bedarf an Schmerzmitteln verringern.
Geschichte & Einordnung
Die Coxibe wurden mit dem Ziel entwickelt, die entzündungshemmende Wirkung der nichtsteroidalen Antirheumatika von deren Magen-Darm-Nebenwirkungen zu trennen. Die Überlegung dahinter: Die Cyclooxygenase 1 sorgt in der Magenschleimhaut für schützende Prostaglandine, während die Cyclooxygenase 2 vor allem bei Entzündungen vermehrt gebildet wird. Ein Wirkstoff, der nur die zweite Form hemmt, sollte die Entzündung dämpfen, ohne den Magen zu schädigen.
Dieses Konzept ging nur zum Teil auf. Zwar trifft es zu, dass Etoricoxib die Prostaglandinbildung im Magen nicht hemmt und die Funktion der Blutplättchen unbeeinflusst lässt. Gleichzeitig zeigte sich jedoch ein Risiko für thrombotische Ereignisse, insbesondere für Herzinfarkt und Schlaganfall, das mit der Menge und der Dauer der Behandlung zunimmt. Die Fachinformation weist dieses Risiko der gesamten Klasse der selektiven COX-2-Hemmer zu und nennt dabei ausdrücklich den Herzinfarkt und den Schlaganfall.
Heute steht Etoricoxib deshalb nicht am Anfang der Schmerzbehandlung, sondern ist eine Möglichkeit für Patienten, bei denen der Magen-Darm-Trakt das größere und das Herz-Kreislauf-System das kleinere Problem darstellt. Für Menschen mit gesicherter koronarer Herzkrankheit, mit einer Herzschwäche, nach einem Schlaganfall oder mit nicht eingestelltem Bluthochdruck scheidet der Wirkstoff aus. Die Abwägung zwischen Magen und Herz ist damit die eigentliche Entscheidung, die vor jeder Verordnung steht.
Quellen
- Geber, C., Gierthmühlen, J., Klinger, R., Rittner, H. (Hrsg.): Praktische Schmerzmedizin.
ISBN: 9783662736074
- Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
ISBN: 9783437238840
- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804746541
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Herdegen, T. (Hrsg.): Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783132453470
