Ketoconazol
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 12. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Ketoconazol wird ein medizinischer Wirkstoff bezeichnet, der gegen Pilzerkrankungen auf der Haut zum Einsatz gelangt. Außerdem findet die Substanz in Anti-Schuppen-Shampoos Verwendung.
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Was ist Ketoconazol?
Ketoconazol zählt zu den Arzneistoffen, die der Gruppe der Imidazole entstammen. Das Mittel dient zur Behandlung und Vorbeugung von Pilzerkrankungen, die durch Dermatophyten (Hautpilze) sowie Hefepilze entstehen.
Die Entwicklung von Ketoconazol fand in den späten 1970er Jahren durch das belgische Arzneimittelunternehmen Janssen Pharmaceutica statt. Zu Beginn der 1980er Jahre kam das Präparat schließlich auf den Markt. Dabei fiel es als Antimykotikum auf, das sich erstmals oral anwenden ließ.
Bei Ketoconazol handelt es sich um ein Imidazolderivat, das zur Gruppe der Azol-Fungizide zählt.
Diese Zuordnung trennt Ketoconazol von den Azol-Antimykotika, die heute zum Einnehmen verwendet werden. Maßgeblich ist ein Ring im Molekül: Ketoconazol trägt einen Imidazolring mit zwei Stickstoffatomen, die später entwickelten Vertreter einen Triazolring mit drei und zählen deshalb zu den Triazolen. Dahinter steht zugleich eine zeitliche Abfolge, denn Ketoconazol war das erste Azol, das sich einnehmen ließ. Zu den späteren Vertretern gehören unter anderem Fluconazol und Itraconazol, die bei der innerlichen Behandlung von Pilzerkrankungen als besser wirksam und besser verträglich gelten. Durch Ketoconazol kann das Wachstum von Fadenpilzen wie Dermatophyten und Hefepilzen wie Candida albicans gebremst werden. Bei einigen Candida-albicans-Stämmen besteht mittlerweile allerdings eine Resistenz gegen Ketoconazol.
Pharmakologische Wirkung
Der Unterschied zwischen beiden Anwendungsarten liegt darin, wie viel Wirkstoff in den Körper gelangt. Wird Ketoconazol bei Erwachsenen auf die Haut aufgetragen, ist im Blut kein Wirkstoff messbar; die Aufnahme in den Körper bleibt bei diesen Zubereitungen sehr gering. Als Tablette eingenommen, verteilt sich der Stoff dagegen über den Blutkreislauf im ganzen Organismus. Auf diesem Unterschied beruht die Trennung, die sich durch die Beurteilung des Wirkstoffs zieht: Die Warnungen vor Leberschäden gelten den Tabletten, nicht den Cremes, Lösungen und Shampoos.
Gegen das Cushing-Syndrom darf Ketoconazol seit einigen Jahren als Ausnahme-Medikament bei Erwachsenen sowie Jugendlichen über 12 Jahren eingesetzt werden. Die europäische Zulassung für ein eigens dafür bestimmtes Präparat wurde am 19. November 2014 erteilt; sie gilt für das körpereigen verursachte (endogene) Cushing-Syndrom. Im Rahmen des Cushing-Syndroms wird von der Nebenniere ein Übermaß an körpereigenem Cortisol hergestellt. Durch Ketoconazol lassen sich die Aktivitäten einer bestimmten Enzymgruppe innerhalb der Nebennieren, die wichtig für die Cortisol-Bildung ist, hemmen. Auf diese Weise kann der Wirkstoff den Cortisol-Spiegel im Organismus absenken.
Für dieses Anwendungsgebiet ist Ketoconazol einer anderen Arzneimittelgruppe zugeordnet als für die Pilzbehandlung. Es gilt dort nicht als Antimykotikum, sondern als Hemmstoff der Steroidbildung. Die Hemmung setzt an mehreren Schritten an: Betroffen ist in erster Linie ein Enzym, das für die Herstellung des Cortisols gebraucht wird; hinzu kommen weitere Schritte und, bei höherer Dosierung, ein Enzym am Beginn des Stoffwechselwegs. Da dieselben Enzyme auch an der Bildung von Aldosteron und von Androgenen beteiligt sind, sinkt deren Herstellung ebenfalls. Neben der Wirkung auf die Nebenniere kann Ketoconazol bei einem Teil der Betroffenen zusätzlich unmittelbar auf die Zellen des Tumors wirken, von dem die Erkrankung ausgeht.
Die Behandlung des Cushing-Syndroms liegt in den Händen einer Fachärztin oder eines Facharztes für Endokrinologie oder für Innere Medizin. Die verabreichte Menge wird daran ausgerichtet, den Cortisol-Spiegel wieder in den Normbereich zu bringen, weshalb während der Behandlung laufend Laborwerte erhoben werden. Fällt die Leistung der Nebennierenrinde dabei zu weit ab, wird die Menge verringert oder die Behandlung vorübergehend ausgesetzt; zusätzlich kann ein Kortisonpräparat gegeben werden, bis die Nebennierenrindeninsuffizienz behoben ist.
Die Erfahrungen zu diesem Anwendungsgebiet stammen aus rückblickenden Untersuchungen, aus Auswertungen von Patientendaten und aus Einzelfallberichten; mehr als 800 Behandelte sind darin erfasst. Bei etwa der Hälfte ließ sich der Wert des freien Cortisols im Urin normalisieren. Ketoconazol wurde dabei sowohl allein als auch zusammen mit anderen Arzneimitteln angewendet, etwa bei schwererem Verlauf oder wenn ein einzelner Wirkstoff nicht ausreichte.
Die Leberwerte spielen bei diesem Anwendungsgebiet eine besondere Rolle. Vor Beginn der Behandlung werden die Leberenzymwerte und das Bilirubin bestimmt; liegen die Enzymwerte mehr als doppelt so hoch wie die Obergrenze des Normbereichs, wird die Behandlung nicht begonnen. Während der Behandlung wird in kurzen Abständen nachgemessen, anfangs häufiger als später und erneut häufiger, wenn die Menge erhöht wurde. Steigen die Werte deutlich an, wird die Behandlung abgebrochen und wegen des Risikos eines schweren Leberschadens nicht wieder aufgenommen. Zu den Warnzeichen, bei denen Behandelte sich sofort melden sollen, zählen Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, eine Gelbsucht, Bauchschmerzen und dunkel gefärbter Urin.
Die Wirkungsweise von Ketoconazol basiert darauf, dass der Arzneistoff die Ergosterolproduktion der Krankheitserreger verringert. Bei Ergosterol handelt es sich um den wichtigsten Bestandteil der Zellmembran der Pilze. Dabei werden Enzyme gehemmt, die vom Cytochrom P450 abhängig sind.
Enzyme desselben Systems stehen bei beiden Anwendungsgebieten des Wirkstoffs im Mittelpunkt. In der Pilzzelle sind es die Cytochrom-P450-abhängigen Enzyme, die für die Herstellung des Ergosterols gebraucht werden. Im menschlichen Körper ist Ketoconazol ebenfalls ein Hemmstoff von Cytochrom-P450-Enzymen; auf dieser Eigenschaft beruht seine starke Hemmung der Cortisolbildung in der Nebenniere.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Zur Anwendung kommt Ketoconazol bei der Therapie von Pilzerkrankungen. Als besonders sinnvoll gilt der Einsatz des Arzneistoffes bei Menschen, die von Autoimmunerkrankungen oder Erkrankungen des Immunsystems, wie AIDS, betroffen sind. Diese Einschätzung stammt allerdings aus der Zeit, in der Ketoconazol noch in Tablettenform gegen Pilzerkrankungen verordnet wurde. In Europa beschränkt sich der Einsatz gegen Pilzerkrankungen heute auf äußerlich aufzutragende Zubereitungen.
Auch gegen die seborrhoische Dermatitis wird Ketoconazol in Form von Lösungen und Cremes verabreicht. Bei der seborrhoischen Dermatitis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Haut, die mit starker Schuppenbildung einhergeht. In den meisten Fällen ist die Kopfhaut von dieser Pilzinfektion betroffen. Eine weitere Pilzerkrankung, die sich äußerlich mit Ketoconazol therapieren lässt, ist die Kleienpilzflechte. Diese entsteht durch den Hefepilz Malassezia furfur.
Welche Pilzerkrankungen die Creme behandelt, hängt vom Präparat ab: Eine deutsche Fachinformation führt als Anwendungsgebiete Pilzerkrankungen der Haut auf, darunter den Fußpilz, den Pilzbefall der Leistengegend und des Rumpfes, Erkrankungen durch Mikrosporum-Arten sowie Hefepilzerkrankungen der Haut; eine andere nennt das seborrhoische Ekzem und die Kleienpilzflechte. Die Creme ist für Erwachsene bestimmt; für Kinder und Jugendliche sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt. Aufgetragen wird sie auf die erkrankte Haut und die umgebende Hautfläche und anschließend einmassiert, bis sie eingezogen ist. Wie lange behandelt wird, richtet sich nach der Art der Pilzerkrankung; um einen Rückfall zu vermeiden, wird die Behandlung über das Verschwinden der Beschwerden hinaus noch einige Tage fortgeführt. Gehen die Beschwerden nicht zurück, ist ärztlicher Rat angezeigt.
Soll die Creme eine längere Behandlung mit einem kortisonhaltigen Mittel auf der Haut ablösen, empfehlen die Fachinformationen ein schrittweises Vorgehen. Um ein Wiederaufflammen der Beschwerden nach dem Absetzen zu vermeiden, wird das milde Kortisonpräparat zunächst morgens weiter aufgetragen und langsam ausgeschlichen, während die Ketoconazol-Creme abends zum Einsatz kommt.
In früheren Jahren fand Ketoconazol auch in Tablettenform Verwendung bei Pilzerkrankungen auf der Haut, Hefepilzbefall in Mund- und Rachenraum sowie Hefepilzinfektionen auf Haut und Schleimhaut. Das Mittel wurde immer dann innerlich eingenommen, wenn eine lokale Therapie erfolglos blieb. Da Ketoconazol die Leber jedoch stark in Mitleidenschaft ziehen kann, darf das Mittel in der Regel innerlich nicht mehr verabreicht werden. Nur zur Behandlung des Cushing-Syndroms besteht eine Ausnahme. Jedoch muss der Arzt die Leberwerte der Patienten regelmäßig überprüfen.
Eine weitere Anwendungsform von Ketoconazol stellen Anti-Schuppen-Shampoos dar. Dabei lässt sich das Mittel unterschiedlich stark dosieren. Erfolgt nach seinem Einsatz ein gründliches Ausspülen, ist das Ketoconazol-Shampoo wie ein herkömmliches Shampoo verwendbar. Nicht zu empfehlen ist der Einsatz des Shampoos während der Schwangerschaft. Die Fehlbildungen, die in Tierversuchen bei hohen Dosierungen beobachtet wurden, betreffen allerdings die Gabe in den Körper und nicht das Auftragen auf die Haut. Bei Ketoconazol besteht Apothekenpflicht. Die Tabletten unterliegen außerdem in mehreren Ländern der Rezeptpflicht. In Deutschland ist die äußerliche Anwendung nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung ausdrücklich von der Verschreibungspflicht ausgenommen, sodass Cremes, Lösungen und Shampoos in der Apotheke frei erhältlich sind.
Risiken & Nebenwirkungen
Bei äußerlicher Anwendung sollte Ketoconazol nicht mit den Augen in Berührung kommen. In der Schwangerschaft muss selbst bei einer lokalen Anwendung unbedingt Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Als sinnvoller gilt der Einsatz von Anti-Pilzmitteln wie Clotrimazol oder Nystatin. In der Stillzeit ist die äußerliche Anwendung dagegen möglich. Der Wirkstoff geht zwar in die Muttermilch über, nach dem Auftragen auf die Haut ist er im Blut jedoch nicht nachweisbar. Aufgetragen werden sollte das Mittel in dieser Zeit lediglich nicht im Brustbereich, damit der Säugling nicht mit behandelten Hautstellen in Berührung kommt.
Für die Schwangerschaft treffen die deutschen Fachinformationen der Ketoconazol-Creme eine ähnliche Unterscheidung. Sie schließen die Anwendung nicht aus, sondern halten fest, dass die Creme nach einer Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden darf; bekannte Risiken einer Anwendung auf der Haut in dieser Zeit führen sie nicht auf. Die Fruchtschädigungen, die in Tierversuchen beobachtet wurden, betreffen die Gabe in den Körper. Erfahrungen mit der Anwendung bei Schwangeren liegen allerdings kaum vor, und der Wirkstoff geht durch den Mutterkuchen hindurch.
Bei der Behandlung des Cushing-Syndroms entsteht ein eigenes Risiko aus der beabsichtigten Wirkung selbst: Wird der Cortisol-Spiegel zu weit abgesenkt, kommt es zu einer Unterfunktion der Nebennierenrinde. Auf deren Anzeichen wird während der Behandlung geachtet. Ein Gegenmittel für Ketoconazol ist nicht bekannt. Bei einer versehentlich zu hohen Einnahme beschränkt sich das Vorgehen auf unterstützende Maßnahmen; zeigen sich Anzeichen einer Nebennierenrindenschwäche, wird zusätzlich ein Kortisonpräparat gegeben, und Blutdruck sowie Wasser- und Salzhaushalt werden über mehrere Tage überwacht.
Die Anwendung von Ketoconazol kann mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein. Dazu gehören bei innerlicher Anwendung Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Juckreiz. Gelegentlich zeigen sich auch Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Durchfall, Haarausfall, eine Vergrößerung der Brust, Hautausschlag sowie das Ansteigen der Leberwerte.
Im Falle von äußerlicher Anwendung weist Ketoconazol nur selten störende Nebenwirkungen auf. Dabei kann es sich um Juckreiz, Brennen, Hautrötungen, Verfettung oder Austrocknung der Haare, Haarausfall sowie allergische Hautreaktionen handeln.
Die Verträglichkeit der Creme wurde in 30 klinischen Studien an 1.079 Teilnehmern untersucht. Als häufigste unerwünschte Wirkungen traten dabei Juckreiz, ein Brennen und eine Rötung an der Stelle des Auftragens auf. Hinzu kommen mögliche Hautreizungen durch einzelne Hilfsstoffe der Zubereitung: Propylenglycol kann die Haut reizen, Stearyl- und Cetylalkohol können örtlich begrenzte Reizungen hervorrufen, und Polysorbate können allergische Reaktionen auslösen.
Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bei der gleichzeitigen Einnahme von Ketoconazol im Bereich des Möglichen. So wird die Wirksamkeit des Mittels durch Indinavir, Ritonavir, Erythromycin und Clarithromycin verstärkt, während sie sich durch Carbamazepin, Isoniazid, Phenobarbital, Rifabutin, Rifampicin sowie Phenytoin verringert.
Die Beeinflussung geht auch in die andere Richtung. Ketoconazol zählt zu den starken Hemmstoffen des Enzyms CYP3A4, über das zahlreiche Arzneistoffe abgebaut werden; deren Spiegel im Blut kann dadurch ansteigen. Daraus ergibt sich für die Tabletten eine lange Liste von Wirkstoffen, die nicht gleichzeitig eingenommen werden dürfen. Zu ihnen gehören mehrere Statine, bei denen das Risiko einer Schädigung der Skelettmuskulatur bis hin zur Rhabdomyolyse steigt, Wirkstoffe, die ihrerseits die QT-Zeit des Herzens verlängern können, Mutterkornalkaloide wegen der Gefahr von Gefäßkrämpfen, bestimmte Beruhigungs- und Schlafmittel wegen einer verlängerten oder verstärkten Dämpfung samt möglicher Atemschwäche sowie einzelne Gerinnungshemmer wegen des erhöhten Blutungsrisikos. Für die Creme gilt das nicht: Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind für sie bislang nicht bekannt.
Aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen auf die Leber empfahl die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) im Juli 2013, die Zulassungen für Ketoconazol zum Einnehmen als Mittel gegen Pilzinfektionen ruhen zu lassen; die Europäische Kommission setzte diese Empfehlung im Oktober 2013 europaweit um. Ausschlaggebend war, dass Häufigkeit und Schwere der Leberschäden unter oralem Ketoconazol höher lagen als bei anderen Antimykotika. Zubereitungen zum Auftragen auf die Haut sind von dieser Entscheidung nicht betroffen, weil aus ihnen nur sehr geringe Mengen des Wirkstoffs in den Körper gelangen. Die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) beschränkte sich dagegen auf Warnhinweise und eine Einengung der Anwendungsgebiete.
Quellen
- Ackermann, G. (Hrsg.): Antibiotika und Antimykotika.
ISBN: 9783804729407
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
ISBN: 9783132446045
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132423558
- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804746541
