Fieberkrampf

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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In Verbindung mit hohem Fieber kann besonders bei kleinen Kindern ein Fieberkrampf auftreten. Ein Fieberkrampf geht mit ähnlichen Erscheinungen wie bei einem epileptischen Anfall einher und kann zur Bewusstlosigkeit der betroffenen Kinder führen. In den meisten Fällen sind Fieberkrämpfe harmlos.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Fieberkrampf?

Fieberkrampf
Ein einfacher Fieberkrampf verläuft in der Regel unkompliziert. Zu den typischen Anzeichen zählen Muskelzuckungen, verdrehte Augen und Kreislaufbeschwerden.
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Ein Fieberkrampf tritt meist in Zusammenhang mit hohem Fieber auf. Betroffen sind rund vier Prozent der kleinen Kinder. Am häufigsten treten Fieberkrämpfe im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auf. Die Ursache des Fiebers ist für das Auftreten eines Krampfes nicht von Bedeutung und kann ganz harmlos sein.

Bei einem Fieberkrampf treten ähnliche Symptome wie bei einem epileptischen Anfall auf. Der Körper versteift sich, neben der Verkrampfung von Armen und Beinen werden die Augen verdreht und das Kind verliert das Bewusstsein. Die Ursachen für das Auftreten von Fieberkrämpfen sind noch nicht eindeutig geklärt.

Jedoch scheint es eine angeborene Veranlagung für die Krampfanfälle zu geben. Häufig treten Fieberkrämpfe bei plötzlich einsetzendem und schnell ansteigendem Fieber auf. Grundsätzlich kann aber in jeder Fieberphase ein Fieberkrampf einsetzen.

Ursachen

Die Ursachen für das Auftreten eines Fieberkrampfes sind noch nicht vollständig von der Medizin erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass ein Fieberkrampf durch eine Abwehrreaktion des Körpers entstehen kann. Bestimmte Abwehrzellen schütten bei Krankheit Botenstoffe aus, die zu Fieber führen.

Gleichzeitig bewirken sie für kurze Zeit auch eine Veränderung des Stoffwechsels im Gehirn. Diese Stoffwechselveränderung kann einen Fieberkrampf verursachen. Für das Auftreten der Krämpfe scheint es eine erbliche Veranlagung zu geben. Manche Kinder bekommen auch Fieberkrämpfe nach der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln.

Dennoch sollten auch Kinder mit der Neigung zu Fieberkrämpfen diese Impfung erhalten, denn die Impfung führt weitaus seltener zu einem Fieberkrampf als die Krankheiten selber. Auch ernsthafte Erkrankungen, wie eine Hirnhautentzündung, können einen Fieberkrampf auslösen.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Je nachdem, ob es sich bei der Erkrankung um einen einfachen oder einen komplizierten Fieberkrampf handelt, können eine Reihe von unterschiedlichen Symptome auftreten. Ein einfacher Fieberkrampf verläuft in der Regel unkompliziert. Zu den typischen Anzeichen zählen Muskelzuckungen, verdrehte Augen und Kreislaufbeschwerden. Begleitend können Herzrasen und Schwindel auftreten; die Bewusstlosigkeit während des Anfalls entsteht jedoch durch die Krampfaktivität im Gehirn und nicht durch einen Kreislaufschock.

Betroffene Kinder wirken meist verschlafen und müde, oft erwecken sie den Eindruck, sich in einem Dämmerzustand zu befinden. Ein einfacher Krampfanfall kann am gesamten Körper auftreten und dauert meist nur wenige Sekunden bis Minuten an. Ein komplizierter Fieberkrampf äußert sich durch Zuckungen und Krämpfe, die meist örtlich begrenzt sind. Er dauert oft mehrere Minuten an und stellt eine enorme Belastung für die betroffenen Kinder dar.

Mitunter treten komplizierte Fieberkrämpfe mehrmals pro Tag auf und rufen bei dem Erkrankten Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Verwirrtheit hervor. Begleitend dazu kommt es zu den typischen Fiebersymptomen: Schweißausbrüche, Herz-Kreislauf-Beschwerden und ein starkes Krankheitsgefühl. Auch ernste Komplikationen sind nicht auszuschließen. Für die Eltern ist ein Fieberkrampf ein sehr beängstigendes Erlebnis; bei ihnen kann die Sorge vor einem erneuten Anfall bis hin zu Panikattacken und Ängsten reichen.

Diagnose & Verlauf

Bei einem Fieberkrampf stellt der Arzt seine Diagnose in erster Linie aufgrund der Krankengeschichte des Kindes und der von den Eltern beobachteten Symptome während des Krampfes. In der Regel dauert ein Fieberkrampf weniger als 10 Minuten und ist nicht gefährlich.

Bei länger anhaltenden, komplizierten Anfällen wird die Gehirnaktivität des Kindes durch ein EEG untersucht. Wird die Untersuchung direkt während eines Krampfanfalls durchgeführt, sind die Werte im EEG verändert und zeigen die typischen Werte eines den ganzen Körper betreffenden Krampfanfalls. Nach einem harmlosen Fieberkrampf sind jedoch alle Werte wieder normal.

Zeigen sich auch nach dem Anfall veränderte Messwerte oder dauert der Krampf länger als 10 Minuten, ist die Abklärung der dafür verantwortlichen Ursachen ratsam, da auch ernsthafte Erkrankungen, wie eine Hirnhautentzündung einen Fieberkrampf verursachen können. In 90 Prozent der Fälle nimmt ein Fieberkrampf jedoch einen harmlosen Verlauf.

Komplikationen

Fieberkrämpfe verlaufen meistens ohne schwere Komplikationen. Bedenklich sind Fieberkrämpfe, die länger als zehn bis fünfzehn Minuten andauern. Womöglich liegt eine gefährliche Infektion oder eine Vergiftung zugrunde, welche im Verlauf unter anderem Sprachstörungen oder Lähmungen hervorrufen kann.

Liegt den Beschwerden eine Meningitis zugrunde, kann es in der Folge zu schweren Hirnstörungen, Organerkrankungen und schließlich zum Organversagen und dem Tod des Patienten kommen. Bei etwa drei bis vier von hundert Kindern mit Fieberkrampf tritt später eine Epilepsie auf; nach einem einfachen Fieberkrampf ist das Risiko mit ein bis zwei Prozent noch geringer. Der Fieberkrampf ist dabei nicht die Ursache der Epilepsie, sondern ein Hinweis auf eine bereits bestehende Veranlagung. Selten kann es auch zum HHE-Syndrom mit Halbseitenanfällen und epileptischen Reaktionen kommen.

Außerdem steigt in Folge der Epilepsie oder der Krämpfe selbst das Unfallrisiko. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann das zugrunde liegende Fieber zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust führen, sodass auf ausreichendes Trinken zu achten ist. Ein einfacher Fieberkrampf selbst hinterlässt dagegen keine bleibenden körperlichen oder geistigen Schäden.

Bei rechtzeitiger Behandlung bergen die verordneten Medikamente gewisse Risiken. So können krampflösende Arzneimittel Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Blutdruckabfall, Wassereinlagerungen und Verstopfung auslösen. Bei Allergikern besteht die Gefahr eines allergischen Schocks. Ein Fieberkrampf sollte aufgrund der möglichen Komplikationen in jedem Fall von einem Arzt abgeklärt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Fieberkrampf ist in aller Regel harmlos, kann aber Zeichen einer ernsten Erkrankung sein und sollte aus diesem Grund immer von einem Arzt untersucht werden. Vor allem der erste Fieberkrampf eines Kindes muss ärztlich abgeklärt werden. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an hohem Fieber und an Krämpfen in den Muskeln leidet. Dabei können verschiedene Muskeln betroffen sein, sodass eine gewöhnliche Bewegung des Betroffenen häufig nicht möglich ist. Sollte der Betroffene durch den Fieberkrampf das Bewusstsein verlieren, so muss ein Notarzt gerufen oder das Krankenhaus aufgesucht werden.

Während des Krampfes darf das Kind nicht festgehalten werden, und es darf ihm auch nichts in den Mund gesteckt werden. Wichtig ist, das Kind vor Verletzungen zu schützen, auf die Uhr zu sehen und den Verlauf des Krampfes zu beobachten. Der Notruf 112 ist zu wählen, wenn der Krampf länger als fünf Minuten dauert oder wenn es der erste Krampf des Kindes ist. Erst nach dem Krampf wird das noch nicht wache Kind in die stabile Seitenlage gebracht. Auch das Verdrehen der Augen kann auf einen Fieberkrampf hindeuten und sollte untersucht werden. Häufig dauern diese Krämpfe nur einige Minuten an und sind ungefährlich. Ein Besuch beim Arzt ist dann notwendig, wenn die Krämpfe länger als zehn Minuten andauern und häufiger auftreten. Die Behandlung kann in einem Krankenhaus oder durch einen Allgemeinarzt oder Kinderarzt erfolgen. In den meisten Fällen kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf durch die Einnahme von Medikamenten.

Behandlung & Therapie

In den meisten Fällen endet ein Fieberkrampf ohne Behandlung von selbst. Dann besteht die Therapie darin, das Fieber durch fiebersenkende Mittel zu senken. Ein bereits laufender Krampf lässt sich durch eine Fiebersenkung allerdings nicht beenden.

Bei einem bestehenden Fieberkrampf sollte in erster Linie dafür gesorgt werden, dass sich das krampfende Kind nicht verletzen kann.

Dauert der Fieberkrampf länger als drei bis fünf Minuten an, können ärztlich verordnete krampflösende Mittel, wie Diazepam, gegeben werden. Bei einem länger anhaltenden Krampf sollte der Notarzt gerufen werden. Bei Kindern, die häufiger unter Fieberkrämpfen leiden, erhalten die Eltern in der Regel ein solches Notfallmedikament für zu Hause.

Eine vorbeugende Dauerbehandlung mit krampflösenden Medikamenten wird dagegen nicht empfohlen, da ihre Nebenwirkungen den möglichen Nutzen überwiegen.

Aussicht & Prognose

Da einem Fieberkrampf eine spontane Entladung cerebraler Neuronen zugrunde liegt, ist die Angst einer sich ausbildenden Epilepsie begründet, da es auch hier zu einer Spontanentladung im Gehirn kommt. Jedoch ist die Prognose nach einem Fieberkrampf gut.

Etwa jedes dritte Kind kann im Laufe seines kindlichen Lebens weitere Fieberkrämpfe erleiden, da die Reaktion im Gehirn auf Temperaturerhöhung ein komplexes und nicht änderbares Muster während bestimmter Entwicklungsprozesse ist. Jeder Fieberkrampf sollte zwingend von einem Mediziner beurteilt werden, da nicht nur die Ursache, wie eine Meningitis, sondern auch Komplikationen, etwa eine Platzwunde, abgeklärt und gegebenenfalls versorgt werden müssen.

Nach einem einfachen Fieberkrampf entwickelt nur etwa eines von hundert Kindern im weiteren Leben eine Epilepsie. Hierbei spielen jedoch wichtige Einflussfaktoren eine entscheidende Rolle. Fieberkrämpfe bei Säuglingen, Epilepsieerkrankungen in der nahen Familie sowie eine allgemein auffällige geistige Entwicklung sind Kriterien, welche die Ausprägung einer Epilepsie begünstigen können.

Im Allgemeinen können Fieberkrämpfe nicht verhindert werden, jedoch ist es ratsam, Temperaturanstiege nur bis 38,5 Grad Celsius zu tolerieren und dann zu behandeln. Eine Fiebersenkung verbessert allerdings vor allem das Befinden des Kindes; einem erneuten Fieberkrampf beugt sie nach heutigem Kenntnisstand nicht zuverlässig vor. Die prophylaktische Gabe antikonvulsiver Medikamente ist nicht ratsam, da die Nebenwirkungen nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen.


Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen das Auftreten eines Fieberkrampfes sollten immer ergriffen werden, sofern ein erhöhtes Risiko besteht. Dies kann der Fall sein, wenn das Kind schon einmal einen Fieberkrampf erlitten hat. Aber auch wenn in der Familie Fieberkrämpfe aufgetreten sind, sollten vorbeugende Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Lange wurde empfohlen, in diesen Fällen jedes auftretende Fieber sofort mit fiebersenkenden Medikamenten zu behandeln, bei Kindern meist mit Hilfe von Fieberzäpfchen. Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich ein Fieberkrampf dadurch jedoch nicht verhindern; Fiebersenker werden vor allem gegeben, um dem Kind das Fieber erträglicher zu machen. Auch ein vorbeugend verabreichtes Antiepileptikum wird wegen seiner Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen. Sinnvoll ist stattdessen, dass die Eltern für den Notfall ein ärztlich verordnetes krampflösendes Mittel zu Hause haben und wissen, wie sie sich während eines Krampfes verhalten.

Nachsorge

Ein Fieberkrampf sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Ein einfacher Fieberkrampf hinterlässt zwar keine bleibenden Schäden; gefährlich ist jedoch eine möglicherweise dahinterstehende Erkrankung wie eine Hirnhautentzündung, die unbehandelt einen schweren Verlauf nehmen kann. Im Vordergrund steht deshalb immer die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Grunderkrankung.

Die Maßnahmen der Nachsorge richten sich dabei in der Regel immer nach der Behandlung der Grunderkrankung, die für den Fieberkrampf verantwortlich ist. Vor allem bei Kindern ist dabei eine sofortige Behandlung durch einen Arzt notwendig. Die Behandlung selbst erfolgt dabei mit Hilfe von Medikamenten, die das Fieber senken können. Diese Medikamente sollten nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden, damit die Beschwerden gelindert werden.

Sollte das Fieber auch nach einigen Tagen noch immer anhalten oder ein weiterer Krampf auftreten, muss auf jeden Fall ein Arzt erneut aufgesucht werden. Bei schwerwiegenden Beschwerden kann dabei auch direkt ein Krankenhaus aufgesucht oder ein Notarzt gerufen werden. Im Allgemeinen sollte sich der Betroffene bei einem Fieberkrampf ausruhen und seinen Körper schonen.

Das können Sie selbst tun

Tritt ein Fieberkrampf erstmalig auf, sollte der Notarzt eingeschaltet werden. Meistens klingen die Symptome allerdings von allein wieder ab. Wichtig ist, den Betroffenen vor Verletzungen (z.B. durch scharfe Kanten oder Ecken) zu schützen und nach Möglichkeit zu beruhigen. Festhalten darf man das krampfende Kind nicht, und es darf ihm auch nichts in den Mund gesteckt werden. Erbricht der Betroffene oder ist er nach dem Krampf noch nicht wieder wach, wird er in die stabile Seitenlage gebracht. In weniger schweren Fällen genügt sanftes Hochlagern auf dem Bett oder einer weichen Decke. Am besten wird auch die Kleidung gelockert. Wadenwickel kommen erst nach dem Krampf in Betracht und nur dann, wenn die Beine des Kindes warm sind; bei kalten Füßen sind sie ungeeignet.

Nach dem Krampf kann Kindern ein Fieberzäpfchen (Paracetamol oder Ibuprofen) gegeben werden; einen laufenden Krampf beendet das Zäpfchen nicht. Während des Krampfes darf dem Kind nichts eingeflößt oder in den Mund gegeben werden. Erwachsene können fiebersenkende Medikamente einnehmen. Während des Krampfes sollte außerdem auf die Dauer und auf ernste Symptome geachtet und spätestens nach fünf Minuten der Notruf 112 gewählt werden. Normalerweise geht der Fieberkrampf jedoch innerhalb weniger Minuten wieder zurück.

Nach dem Fieberkrampf gilt: im Abstand von zwei bis drei Stunden die Körpertemperatur messen und auf erste Anzeichen eines erneuten Krampfes achten. Der Betroffene sollte außerdem viel Wasser trinken und sich schonen. Nach der Erholungsphase sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei regelmäßigen Fieberkrämpfen kann der Arzt vorsorglich ein krampflösendes Mittel verschreiben, welches im Notfall angewendet werden kann.

Quellen

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    ISBN: 9783837416558
  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
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  • Abel, M., Gerstl, L., Böhmer, J. J. (Hrsg.): Pädiatrische Neurologie - Neuropädiatrie.
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  • Schmitt, F. C. (Hrsg.): Epileptische Anfälle und Epilepsien im Erwachsenenalter.
    ISBN: 9783662591970
  • Meyer, S. (Hrsg.): Duale Reihe Pädiatrie.
    ISBN: 9783132446212

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