Gelenkpunktion
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei einer Gelenkpunktion wird die Höhle eines Gelenks mit einer Nadel eröffnet. Sie dient zum Einbringen von Arzneimitteln oder zum Absaugen von Flüssigkeit.
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Was ist die Gelenkpunktion?
Als Gelenkpunktion wird ein medizinisches Verfahren bezeichnet, in dessen Rahmen der behandelnde Arzt die Gelenkkapsel mit einer Kanüle durchsticht. Auf diese Weise erhält der Mediziner Zugang zur Gelenkhöhle. Sinn der Gelenkpunktion ist das Einbringen von medizinischen Stoffen oder das Absaugen von Flüssigkeit aus dem Gelenk.
Prinzipiell ist es möglich, sämtliche größeren Gelenke zu punktieren. Zu den häufigsten Gelenkpunktionen zählen die Kniegelenks-, die Facettengelenks- sowie die Hüftgelenkspunktion.
Funktion, Wirkung & Ziele
Dabei kann es sich um einen frischen Meniskusschaden oder einen Knorpelschaden im Knie handeln. Des Weiteren treten oft Erkrankungen des Gelenks aufgrund von Rheuma, Infektionen oder Gicht auf. Es wird zwischen unblutigen und blutigen Ergüssen unterschieden. So ist eine Vermischung zwischen Gelenkflüssigkeit und Blut möglich. Bei einem gesunden Gelenk ist das Punktat dagegen zähflüssig und klar. Durch eine Gelenkpunktion ist der Arzt in der Lage, Veränderungen festzustellen. In einem Labor erfolgt im Anschluss an die Punktion eine genauere Analyse der Gelenkflüssigkeit.
Bei der Durchführung einer Gelenkpunktion ist zwischen einer diagnostischen und einer therapeutischen Anwendung zu unterscheiden. Im Rahmen einer diagnostischen Punktion lässt sich die mögliche Ursache für einen Gelenkerguss oder eine Schwellung des Gelenks feststellen. So ermittelt der Arzt dabei, ob eine Entzündung vorliegt oder sich eine Blutung im Gelenk befindet.
So können Blutspuren auf eine Kapsel-Band-Verletzung oder eine Verletzung mit Knochenbeteiligung hinweisen. Ist das Punktat trüb-gelblich, gilt dies als Indiz für eine rheumatische Erkrankung. Im Falle einer trüb-dünnflüssigen Konsistenz kann eine eitrige Gelenkinfektion vorliegen. Bei einer farblosen Gelenkflüssigkeit besteht oftmals ein Knorpel- oder Meniskusschaden. Eine himbeerrote Färbung des Punktats galt lange als Hinweis auf eine Syphilis (Lues). Nach heutigem Kenntnisstand ist ein solcher Befund eine Rarität und in jedem Fall weiter abzuklären.
Ebenfalls von Bedeutung ist die therapeutische Gelenkpunktion. Diese kommt in erster Linie bei ausgeprägten Gelenkergüssen zur Anwendung. Mit ihrer Hilfe lassen sich Schmerzen rasch lindern und das Gelenk entlasten. Überaus wichtig ist die Punktion zudem, wenn der Patient unter einem Bluterguss in einem Gelenk leidet. Dann wird eine größere Menge an Blut abpunktiert, weil es sonst zu Knorpelschäden kommen kann, die wiederum zu einer schmerzhaften Entzündung innerhalb des Gelenks führen können.
Im Falle einer bereits bestehenden Gelenkentzündung gilt eine ausschließliche Therapie mit Punktionen nicht als sinnvoll. So fällt der positive Effekt der Entlastung bei diesem Verfahren zu kurz aus. Aus diesem Grund kann der Arzt zusätzlich Kortison in das erkrankte Gelenk spritzen. Damit sollen die Entzündung und die dadurch verursachten Schmerzen gedämpft werden. Allerdings darf dabei keine bakterielle Infektion vorliegen.
Im Rahmen der Punktion können auch weitere Medikamente wie Hyaluronsäure, Schmerzmittel oder Kontrastmittel gespritzt werden. So wird ein Kontrastmittel beispielsweise vor einer Computertomographie (CT) oder einer Kernspintomographie (MRT) verabreicht. Dadurch erhält der Arzt die Möglichkeit für eine bessere Beurteilung des Gelenks.
Wichtig ist bei einer Gelenkpunktion, auf Keimfreiheit zu achten. So sollte die Punktion am besten in einem OP-Bereich stattfinden. Vor der Durchführung der medizinischen Behandlung erfolgt die gründliche Desinfektion des zu behandelnden Gelenks. Außerdem wird es zum Schutz mit sterilen Tüchern versehen. Für das Abdecken der Punktionsstelle benutzt der Arzt, der OP-Schutzkleidung trägt, ein Schlitztuch. Zur Anwendung kommen Kanülen, die je nach Bedarf über unterschiedliche Längen und Durchmesser verfügen.
In den meisten Fällen liegt der Patient bei einer Gelenkpunktion auf dem Rücken. Die Durchführung der Punktion findet je nach Gelenk und Fragestellung unter Ultraschallkontrolle statt. Dabei wird eine Kanüle in das Gelenk eingeführt, über die der Arzt entweder Flüssigkeit absaugt oder ein Arzneimittel injiziert.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Schwerwiegende Komplikationen sind bei einer Gelenkpunktion selten, ausgeschlossen sind sie jedoch nicht. Bei manchen Patienten ist allerdings das Auftreten von Blutungen oder Verletzungen der Gelenkstrukturen im Bereich des Möglichen. Ebenso können allergische Reaktionen auftreten. Dies geschieht zumeist, wenn der Patient im Rahmen der Punktion bestimmte Arzneimittel erhält. Als typische Anzeichen gelten Hautausschlag, Juckreiz sowie eine Schwellung. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Kreislaufversagen kommen, in dessen Folge auch Organe wie die Nieren Schaden nehmen können.
Wird nicht auf ausreichende Keimfreiheit geachtet, besteht das Risiko einer Gelenkinfektion. Im Falle einer fachgerechten und sterilen Durchführung fällt diese Gefahr jedoch nur gering aus. Weiterhin sind Beeinträchtigungen von Blutgefäßen und Nerven denkbar. Außerdem besteht die Möglichkeit einer mechanischen Schädigung des Gelenks durch die eindringende Kanüle. Der Einsatz der Kanüle kann auch zum Eindringen von Bakterien in das Gelenk führen, was eine Infektion zur Folge haben kann.
Gegenanzeigen für eine Gelenkpunktion sind nur wenige bekannt. So darf sie nicht erfolgen, wenn an der Einstichstelle Hautverletzungen, Hautkrankheiten oder eine Infektion auftreten. Eine weitere mögliche Kontraindikation stellt ein massives Verändern der Blutgerinnung dar.
Vorbereitung & Nachsorge
Vor einer Gelenkpunktion steht ein Gespräch, in dem Anlass, Ablauf und mögliche Komplikationen erklärt werden. Wichtig sind dabei drei Fragen: ob gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden, ob Allergien gegen Betäubungsmittel, Kontrastmittel oder Desinfektionsmittel bekannt sind und ob Anzeichen einer Infektion vorliegen. Ob ein Gerinnungshemmer vor dem Eingriff pausiert wird, entscheidet allein die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt — bei einem dringenden Verdacht auf einen bakteriellen Gelenkinfekt wird ohnehin nicht abgewartet, weil die Punktion dann selbst die entscheidende Maßnahme ist. Eine vorausgehende Bildgebung, etwa eine Röntgenaufnahme, ein Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie, hilft, die geeignete Einstichstelle festzulegen. Nüchtern muss man für eine Punktion in örtlicher Betäubung nicht sein.
Für den Eingriff selbst wird das Gelenk so gelagert, dass sich der Gelenkspalt öffnet und die Gelenkkapsel entspannt ist — am Knie etwa in leichter Beugung. Die Einstichstelle wird markiert; die Zugangswege sind für jedes Gelenk festgelegt und so gewählt, dass größere Nerven und Blutgefäße gemieden werden. Das gewonnene Punktat wird noch im Behandlungsraum in vorbereitete Röhrchen gefüllt, weil einige Untersuchungen zeitnah erfolgen müssen.
Im Anschluss wird die Einstichstelle kurz komprimiert und steril verbunden. Das behandelte Gelenk sollte für den Rest des Tages geschont werden; sportliche Belastung und schwere körperliche Arbeit sind zunächst zu vermeiden. Eine Kühlung kann Schwellung und Schmerz mindern. Ein leichter Druckschmerz an der Einstichstelle über ein bis zwei Tage ist üblich. Anders zu bewerten sind zunehmender Ruheschmerz, Rötung, Überwärmung, erneute Schwellung und Fieber — diese Zeichen sprechen für einen Gelenkinfekt und verlangen eine sofortige Wiedervorstellung. Nach einer Injektion von Kortison ist eine vorübergehende Schmerzverstärkung in den ersten Stunden bekannt; sie klingt von selbst ab, lässt sich vom beginnenden Infekt aber nicht sicher unterscheiden und sollte deshalb im Zweifel ärztlich beurteilt werden.
Wie sich die Punktion anfühlt, beschreiben Patienten unterschiedlich. Der Einstich durch die Haut wird meist als kurzer, kräftiger Stich empfunden, das Vorschieben der Kanüle bis in die Gelenkhöhle eher als Druck. Wird ein prall gefülltes Gelenk entlastet, empfinden viele das Nachlassen der Spannung unmittelbar als Erleichterung. Die Punktion selbst nimmt nur wenige Augenblicke in Anspruch; der Termin dauert vor allem wegen Aufklärung, Lagerung und steriler Vorbereitung länger.
Bildet sich der Erguss nach der Punktion erneut, ist das kein Zeichen für einen misslungenen Eingriff, sondern ein Hinweis darauf, dass die zugrunde liegende Ursache fortbesteht. Wiederholtes Absaugen entlastet zwar jedes Mal, behandelt aber die Ursache nicht. Kehrt ein Erguss immer wieder, richtet sich die Aufmerksamkeit deshalb auf die auslösende Erkrankung oder auf eine mechanische Schädigung im Gelenk, die einer eigenen Behandlung bedarf.
Die einzelnen Gelenke
Grundsätzlich lässt sich jedes größere Gelenk punktieren, die praktischen Bedingungen unterscheiden sich jedoch erheblich. Das Kniegelenk ist am leichtesten zugänglich: Es liegt oberflächlich, seine Kapsel reicht weit nach oben über die Kniescheibe hinaus, und schon geringe Flüssigkeitsmengen lassen sich dort tasten. Es ist deshalb das mit Abstand am häufigsten punktierte Gelenk.
Das Schultergelenk wird von kräftigen Muskeln und Sehnen umgeben; hier muss der Zugangsweg sorgfältig gewählt werden, um die Sehnenmanschette nicht zu verletzen. Beim Handgelenk und beim Sprunggelenk sind die Gelenkspalten schmal, sodass feine Kanülen verwendet und die Gelenke in eine Stellung gebracht werden, in der sich der Spalt öffnet. Das Ellenbogengelenk ist gut zugänglich, doch verlaufen dort Nerven oberflächlich, was die Wahl der Einstichstelle bestimmt.
Eine Sonderstellung nimmt das Hüftgelenk ein. Es liegt tief unter kräftiger Muskulatur, sodass ein Erguss von außen kaum zu tasten ist; die Punktion erfolgt daher regelmäßig unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle. Dasselbe gilt für die kleinen Wirbelgelenke der Wirbelsäule, die Facettengelenke: Ihre Punktion dient meist nicht der Gewinnung von Flüssigkeit, sondern dem gezielten Einbringen eines Medikaments, und sie ist ohne bildgebende Führung nicht sinnvoll durchführbar.
Wer den Eingriff vornimmt, richtet sich nach dem Anlass. Punktiert wird in der Orthopädie und Unfallchirurgie, in der Rheumatologie, in der Inneren Medizin und im Rahmen der Notfallversorgung. Der Rahmen reicht von der Praxis über die Ambulanz bis zum Operationssaal; entscheidend ist nicht der Ort, sondern die Einhaltung der sterilen Bedingungen. Bei Kindern und bei sehr ängstlichen Patienten kann eine zusätzliche Beruhigung sinnvoll sein. Unabhängig vom Gelenk gilt: Je genauer die Einstichstelle im Vorfeld bestimmt wird, desto seltener sind wiederholte Einstiche nötig und desto geringer fällt die Belastung für den Betroffenen aus.
Was der Befund bedeutet
Die gewonnene Gelenkflüssigkeit wird zunächst mit bloßem Auge beurteilt: Farbe, Trübung und Zähigkeit geben bereits eine erste Richtung vor. Im Labor folgen die Bestimmung der Zellzahl und die Unterscheidung der Zellarten, die mikroskopische Suche nach Kristallen im Polarisationsmikroskop, ein Färbepräparat zum direkten Erregernachweis sowie das Anlegen einer Kultur. Kristalle aus Harnsäure weisen auf einen Gichtanfall hin, Kalziumpyrophosphat-Kristalle auf eine Pseudogicht.
Grob lassen sich die Befunde in drei Gruppen ordnen. Ein klares, zähflüssiges und zellarmes Punktat spricht für eine nicht entzündliche Ursache, etwa eine Arthrose oder eine mechanische Überlastung. Je zellreicher und trüber die Flüssigkeit ist und je stärker ihre Zähigkeit abnimmt, desto eher liegt ein entzündliches Geschehen vor — von der rheumatoiden Arthritis über die reaktive Arthritis bis zum bakteriellen Infekt. Blutiges Punktat schließlich weist auf eine Verletzung von Kapsel, Band, Knorpel oder Knochen hin. Zeigen sich in einem blutigen Punktat zusätzlich Fetttröpfchen, spricht das für eine Verbindung zum Knochenmark und damit für einen gelenknahen Knochenbruch.
Für die Bewertung sind zwei Einschränkungen wesentlich. Erstens schließt ein unauffälliges Punktat eine Erkrankung nicht sicher aus; die Untersuchung wird immer zusammen mit Beschwerdebild, körperlicher Untersuchung, Blutwerten und Bildgebung gelesen. Zweitens schließt der Nachweis von Kristallen eine gleichzeitige bakterielle Infektion nicht aus — beides kann nebeneinander bestehen. Der eitrige Gelenkinfekt gilt als Notfall: Er wird nicht beobachtet, sondern rasch behandelt, weil der Knorpel innerhalb kurzer Zeit dauerhaft Schaden nehmen kann. Wurden vor der Punktion bereits Antibiotika gegeben, kann die Kultur trotz vorhandener Erreger ohne Wachstum bleiben; dieser Umstand muss bei der Beurteilung mitbedacht werden.
Abgrenzung zu ähnlichen Verfahren
Von der Gelenkpunktion zu unterscheiden ist die reine Injektion in ein Gelenk, bei der ein Medikament eingebracht, aber keine Flüssigkeit gewonnen wird. Der Weg ins Gelenk ist derselbe, das Ziel ein anderes: Hier geht es nicht um eine Aussage über die Gelenkflüssigkeit, sondern allein um die Behandlung.
Deutlich aufwendiger ist die Arthroskopie, die Gelenkspiegelung. Sie erlaubt die direkte Sicht auf Knorpel, Meniskus und Bänder und im selben Eingriff auch eine operative Behandlung, erfordert dafür aber in der Regel eine Narkose und einen operativen Rahmen. Sie ist der Punktion daher nicht überlegen, sondern für andere Fragestellungen gedacht; bei einem eitrigen Gelenkinfekt kann sie sich an die Punktion anschließen, um das Gelenk gründlich zu spülen.
Die bildgebenden Verfahren beantworten wiederum andere Fragen. Der Ultraschall zeigt zuverlässig, ob überhaupt ein Erguss vorliegt und wie groß er ist, und er führt die Nadel während der Punktion — über die Zusammensetzung der Flüssigkeit sagt er nichts. Die Magnetresonanztomographie stellt Knorpel-, Band- und Meniskusschäden dar, die Computertomographie und das Röntgenbild vor allem knöcherne Veränderungen. Wird ein Kontrastmittel in das Gelenk gegeben und anschließend ein Schnittbild angefertigt, lassen sich feine Strukturen besser abgrenzen.
Der entscheidende Punkt bleibt: Nur die Punktion liefert Material für die Laboruntersuchung. Bei Verdacht auf einen bakteriellen Gelenkinfekt oder auf eine kristallbedingte Entzündung ist sie deshalb durch kein bildgebendes Verfahren zu ersetzen.
Typische & häufige Gelenkserkrankungen
Quellen
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443136
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
ISBN: 9783132443471
