Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie befasst sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter. Mithilfe medizinischer und psychologischer Verfahren soll die psychische Gesundheit der Patienten wiederhergestellt und erhalten werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kinder- & Jugendpsychiatrie & -psychotherapie?

Kinder  und Jugendpsychiatrie und  psychotherapie
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie befasst sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet. Sie befasst sich mit der Erforschung, der Diagnose und Therapie psychischer Erkrankungen und sozialer Auffälligkeiten bei Heranwachsenden. Auch die Prävention psychischer Krankheiten gehört zu ihren Kernaufgaben.

Um diese Ziele zu erreichen, wird in der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Praxis auf Erkenntnisse aus der Medizin, Biologie und Psychologie zurückgegriffen. Diese werden zur Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen, zur Intervention bei auffälligem Sozialverhalten und zur Rehabilitation bei Suchterkrankungen herangezogen.

Als Kinder und Jugendliche gelten hier Jungen und Mädchen sowie Heranwachsende bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. In Ausnahmefällen können Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten auch ältere Jugendliche behandeln. Die Behandler haben entweder ein Medizinstudium mit anschließender Facharztweiterbildung in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik absolviert oder den Weg über die Psychotherapieausbildung genommen: Nach dem bis 2020 geltenden Psychotherapeutengesetz setzte diese ein Studium der Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik voraus, seit der Reform von 2020 führt ein eigener Studiengang Psychotherapie zur Approbation. Entsprechend ist zwischen einer Behandlung durch einen Arzt und durch einen Psychotherapeuten zu unterscheiden.

Behandlungen & Therapien

Die Grundlage der Diagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie bilden zwei internationale Manuale. Das sind Kataloge bekannter Krankheitsbilder, die eine Klassifikation, Definition und Kurzbeschreibung dieser Krankheiten enthalten. Es handelt sich um den ICD (englische Abkürzung für „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“) sowie den DSM (englische Abkürzung für „Diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen“). So umfangreich sie im Bereich psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind, so vielfältig ist das Behandlungsspektrum dieser Fachrichtung.

In dieses Spektrum fallen zunächst Intelligenzminderungen und Zustände der Demenz, die bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten können. Diese können mit Entwicklungsstörungen wie Lese- und Rechtschreibstörungen sowie Rechenstörungen zusammenhängen, während umgekehrt von einer Legasthenie bzw. Dyskalkulie nicht auf verminderte Intelligenz geschlossen werden kann. Auch motorische Störungen können psychische bzw. psychiatrische Ursachen haben.

Auf dem Gebiet der hyperkinetischen Störungen ist insbesondere die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu nennen, über deren Häufigkeit und Behandlung in der Fachwelt diskutiert wird. Allein in Deutschland ist sie im Jahr 2011 bei über 600.000 Kindern und Jugendlichen diagnostiziert worden; häufig wird sie auch medikamentös behandelt.

Auch Tics können im Kindes- und Jugendalter auftreten sowie typische Verhaltensauffälligkeiten, die mit selbstverletzendem Verhalten einhergehen können. Bei einem gestörten Sprachverhalten arbeiten Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten mit Logopäden und Sprachheilpädagogen zusammen.

Weitere Erkrankungen sind der Autismus sowie Wahrnehmungs- und Kommunikationsstörungen. Auch Schizophrenie kann im Kindesalter auftreten und muss psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelt werden. Zu den affektiven Störungen gehören neben der Depression manische und bipolare Störungen. Ähnlich gravierend können Persönlichkeitsstörungen, Störungen des Sozial- sowie des Sexualverhaltens sein.

Im Kindes- und Jugendalter können Angst- und Zwangsstörungen sowie Belastungsstörungen auftreten. Diese können, müssen aber nicht mit traumatischen Erlebnissen verbunden sein. Ihre Ursache herauszufinden und sie zu beheben gehört ebenfalls zu den Aufgaben von Psychiatern und Psychotherapeuten, die sich auf diese Altersgruppe spezialisiert haben. Ein weiteres Problem, mit dem sich Praktiker häufig konfrontiert sehen, sind Essstörungen wie Anorexie und Bulimie, aber auch Adipositas. Ebenfalls häufig treten in diesem Alter Suchterkrankungen auf.


Wann eine Vorstellung sinnvoll ist

Kinder und Jugendliche verändern sich ständig, und vieles, was Eltern beunruhigt, gehört zur Entwicklung. Die Frage lautet deshalb selten, ob ein Verhalten ungewöhnlich ist, sondern ob es Dauer, Ausmaß und Folgen hat. Als Anhaltspunkte gelten eine Veränderung, die über Wochen anhält, ein deutlicher Leidensdruck beim Kind selbst, und eine Beeinträchtigung in mehreren Lebensbereichen zugleich — also nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule oder im Umgang mit Gleichaltrigen.

Häufige Anlässe sind anhaltender Rückzug, ein plötzlicher Leistungsabfall, Schulvermeidung, ausgeprägte Angst, starke Reizbarkeit oder Aggression, auffälliges Essverhalten mit Gewichtsverlust, Schlafstörungen über längere Zeit sowie Hinweise auf den Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen. Ein Notfall liegt vor, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher sich selbst verletzt, von Selbsttötungsabsichten spricht oder andere gefährdet; in diesem Fall ist keine Wartezeit hinzunehmen, sondern unmittelbar eine Klinik oder der ärztliche Notdienst aufzusuchen.

Der Weg in die Kinder- und Jugendpsychiatrie führt selten direkt. Meist steht am Anfang der Kinderarzt, der körperliche Ursachen abklärt und weiterverweist. Auch Beratungsstellen, Schulpsychologinnen und -psychologen, das Jugendamt oder Lehrkräfte regen eine Vorstellung an. Für Familien ist die Hürde oft hoch, weil das Wort Psychiatrie mit Vorstellungen belegt ist, die mit der heutigen Versorgung von Kindern wenig zu tun haben; der weitaus größte Teil der Behandlungen findet ambulant statt.

Von der Anmeldung bis zur Behandlung

Nach der Anmeldung folgt in der Regel ein ausführliches Erstgespräch. Erhoben werden die Vorgeschichte, der Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt, die frühe Entwicklung, körperliche Erkrankungen, die Familiensituation und die Situation in Kindergarten oder Schule. Kinder und Jugendliche werden dabei sowohl gemeinsam mit den Eltern als auch allein gesprochen — Jugendliche schildern manches nur ohne die Eltern im Raum, während jüngere Kinder auf deren Anwesenheit angewiesen sind.

Weil sich Kinder in verschiedenen Umgebungen verschieden verhalten, werden nach Absprache mit den Sorgeberechtigten weitere Auskünfte eingeholt, etwa von der Schule, dem Kindergarten oder mitbehandelnden Ärztinnen und Ärzten. Diese Fremdanamnese ist kein Beiwerk: Erst der Vergleich zeigt, ob ein Problem an eine bestimmte Umgebung gebunden ist oder überall besteht.

Anders als in der reinen Psychologie gehört zur kinder- und jugendpsychiatrischen Abklärung immer auch die körperliche Seite. Untersucht werden allgemeiner und neurologischer Befund, häufig ergänzt durch Laborwerte. Je nach Fragestellung kommen eine Ableitung der Hirnströme oder bildgebende Verfahren hinzu, und zwar in erster Linie, um körperliche Ursachen auszuschließen: Anfallsleiden, Störungen der Schilddrüse, Seh- und Hörstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten können sich als seelische Auffälligkeit äußern. Hinzu treten testpsychologische Verfahren zur Intelligenz, zur Aufmerksamkeit, zur Sprache und zum Leistungsstand sowie Fragebögen für Eltern und Lehrkräfte.

Aus alldem entsteht ein Gesamtbild, das in einem Rückmeldegespräch erläutert wird. Erst dann werden Behandlungsziele vereinbart. Die Einwilligung erteilen die Sorgeberechtigten; das Kind wird seinem Alter entsprechend einbezogen, und bei Jugendlichen hängt der Erfolg praktisch davon ab, dass sie der Behandlung zustimmen. Vereinbart wird auch, was von den Gesprächsinhalten an die Eltern weitergegeben wird — ohne diese Klärung entsteht kein Vertrauen.

Ambulant, teilstationär oder stationär

Die Versorgung ist gestuft. Den größten Teil übernehmen Praxen und Institutsambulanzen an Kliniken, in denen Kinder in regelmäßigen Abständen kommen und weiter zu Hause leben. Reicht das nicht aus, steht die Tagesklinik zur Verfügung: Das Kind verbringt den Tag in der Einrichtung, wird dort behandelt und beschult und schläft zu Hause. Diese Form eignet sich, wenn eine intensive Behandlung nötig ist, die Familie aber tragfähig bleibt und der Alltag nicht abbrechen soll.

Eine vollstationäre Aufnahme kommt bei schweren Krankheitsbildern, bei Gefährdung oder dann in Betracht, wenn eine Behandlung im gewohnten Umfeld erkennbar nicht gelingt. Auf den Stationen arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Pflegekräfte, Sozialarbeit, Ergotherapie, Physiotherapie und Lehrkräfte der Klinikschule zusammen; der geregelte Tagesablauf ist selbst Teil der Behandlung. Aufgenommen wird im Regelfall mit Zustimmung der Sorgeberechtigten und des Kindes. Eine Unterbringung gegen den Willen des Kindes ist nur unter engen Voraussetzungen und mit Beteiligung eines Gerichts möglich; sie bleibt die Ausnahme und ist an den Schutz vor erheblicher Gefahr gebunden.

Nach einer stationären Behandlung endet die Betreuung nicht. Üblich sind eine ambulante Weiterbehandlung, die Vorbereitung der Rückkehr in Schule und Familie und, wenn nötig, ergänzende Hilfen der Jugendhilfe.

Diagnose & Untersuchungsmethoden

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist interdisziplinär ausgerichtet. Das heißt, dass hier wissenschaftliches Wissen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenfließt, verschiedene diagnostische und therapeutische Ansätze nebeneinander bestehen, einander ergänzen und in Konkurrenz zueinander treten können. Die Grundlage der Diagnostik im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie bilden das Anamnese-Gespräch, die medizinische Untersuchung sowie psychologische Testverfahren.

Unter der Anamnese ist die Vorgeschichte der Erkrankung zu verstehen. Da Kinder und Jugendliche oft nicht in der Lage sind, diese zu schildern, spielen die Bezugspersonen eine entscheidende Rolle. Im Zuge der Anamnese wird nicht nur der Anlass der Untersuchung festgestellt, der Arzt oder Psychologe formuliert auch die Fragestellung für die weiteren Untersuchungsschritte, die für die Auswahl der medizinischen und psychologischen Testverfahren entscheidend sind. Die medizinische Untersuchung kann je nach Verlauf des Anamnesegesprächs auf unterschiedliche Verfahren zurückgreifen. Die körperliche Untersuchung durch den Arzt und die Feststellung der Laborwerte des Patienten sind nur der erste Schritt, auch bildgebende Verfahren wie die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie können zum Einsatz kommen.

Wenn eine Diagnose feststeht, stehen Kinder- und Jugendpsychiatern und -psychotherapeuten unterschiedliche Behandlungswege offen, etwa eine medikamentöse Behandlung, tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische Verfahren. Die Behandlung mit Psychopharmaka kann nur durch den Arzt erfolgen. Häufig eingesetzt werden Medikamente aus der Gruppe der Stimulanzien, Antidepressiva und Neuroleptika. Die Pharmakotherapie stellt selten die einzige Maßnahme dar, sie wird durch gesprächsbasierte und verhaltensbezogene Verfahren ergänzt.

Zudem sind in diesem Bereich systemisch-familienbezogene Herangehensweisen von großer Bedeutung. Dabei rückt nicht nur das betroffene Kind oder der Jugendliche in den Mittelpunkt. Vielmehr wird sein Verhalten innerhalb der familiären Konstellation, im schulischen und privaten Zusammenhang betrachtet. Die Therapie von Kindern und Jugendlichen kann stationär, in spezialisierten psychiatrischen Kliniken, oder ambulant erfolgen. Die Rechtsgrundlage der Arbeit von Kinder- und Jugendpsychiatern und -psychotherapeuten ist unter anderem im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG, Achtes Buch Sozialgesetzbuch) sowie in den Psychisch-Kranken-Gesetzen (PsychKG) der Bundesländer festgeschrieben.

Medikamente: Möglichkeiten und Grenzen

Die Verordnung von Psychopharmaka ist der Punkt, an dem sich die ärztliche Zuständigkeit am deutlichsten von der psychologischen unterscheidet, und zugleich der umstrittenste Teil des Fachs. Sie ist an eine gestellte Diagnose, an eine Abwägung von erwartetem Nutzen und möglichen Schäden und an die Einwilligung nach Aufklärung gebunden. In aller Regel ist sie nicht die erste und nie die einzige Maßnahme, sondern ergänzt gesprächsbasierte und verhaltensbezogene Verfahren sowie Veränderungen im Umfeld des Kindes.

Eine Besonderheit des Kindes- und Jugendalters besteht darin, dass viele Wirkstoffe für diese Altersgruppe nicht eigens zugelassen sind, weil Studien an Kindern seltener durchgeführt wurden. Ihr Einsatz erfolgt dann außerhalb der Zulassung, was zusätzliche Aufklärung, eine besonders sorgfältige Begründung und eine engmaschige Kontrolle verlangt. Kontrolliert werden dabei nicht nur die erwünschte Wirkung, sondern auch Wachstum, Gewicht, Kreislauf und, je nach Wirkstoffgruppe, Laborwerte.

Zu den in diesem Bereich verwendeten Wirkstoffgruppen zählen unter anderem Stimulanzien, Antidepressiva und Neuroleptika. Über Häufigkeit und Angemessenheit ihrer Verordnung im Kindesalter wird fachlich und öffentlich gestritten. Unbestritten ist, dass Medikamente weder eine ungünstige Lebenssituation ändern noch Fertigkeiten vermitteln können; sie können bestenfalls einen Zustand so weit bessern, dass andere Maßnahmen überhaupt greifen. Über das Absetzen wird ebenso ärztlich entschieden wie über den Beginn, denn ein abruptes Beenden kann eigene Beschwerden hervorrufen.

Zusammenarbeit mit Familie, Schule und Jugendhilfe

Kinder und Jugendliche leben in Zusammenhängen, die sie nicht selbst gewählt haben. Eine Behandlung, die nur am Kind ansetzt, greift deshalb häufig zu kurz. Elterngespräche gehören fest zum Vorgehen, teils als Beratung, teils als eigenständige Arbeit an Erziehungsfragen, Belastungen oder eigenen Erkrankungen der Eltern, die auf das Kind zurückwirken. Auch Geschwister werden einbezogen, wenn es sinnvoll ist.

Die Schule ist der zweite große Bezugsraum. Rückmeldungen von Lehrkräften fließen in Diagnostik und Verlaufsbeurteilung ein, und umgekehrt kann die Schule Anpassungen vornehmen, die eine Behandlung erst wirksam werden lassen — von der Sitzordnung über die Gestaltung von Prüfungen bis zur schrittweisen Wiedereingliederung nach einer längeren Abwesenheit. Für Kinder mit einer Legasthenie, einer Dyskalkulie oder einer Aufmerksamkeitsstörung ist diese Abstimmung oft entscheidender als jede einzelne Sitzung.

Der dritte Beteiligte ist die Jugendhilfe. Sie stellt Hilfen bereit, die außerhalb des medizinischen Systems liegen: Beratung, ambulante Familienhilfe, Betreuung in Tagesgruppen oder, in schweren Fällen, eine Unterbringung außerhalb der Familie. Medizinische Behandlung und Jugendhilfe verfolgen unterschiedliche Aufträge und unterliegen unterschiedlichen Regeln, weshalb die Abstimmung untereinander aufwendig ist und in der Praxis nicht immer gelingt. Für die betroffene Familie ist gerade sie jedoch häufig der entscheidende Faktor.

Abgrenzung zu benachbarten Fächern und Berufen

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie grenzt an mehrere Gebiete, die für Außenstehende schwer zu unterscheiden sind. Von der Kinderpsychologie und der Klinischen Psychologie trennt sie die ärztliche Zuständigkeit: Nur Ärztinnen und Ärzte können körperliche Untersuchungen und Laborbefunde selbst bewerten, Medikamente verordnen und eine stationäre Aufnahme veranlassen. Psychologinnen und Psychologen wiederum bringen Diagnostik, Testverfahren und psychotherapeutische Behandlung ein; in Kliniken und Ambulanzen arbeiten beide Berufsgruppen im selben Team.

Zur Pädiatrie verläuft die Grenze entlang der Fragestellung, nicht des Alters: Die Kinderheilkunde behandelt körperliche Erkrankungen und ist meist die erste Anlaufstelle, die Kinder- und Jugendpsychiatrie übernimmt, wenn seelische Erkrankungen im Vordergrund stehen. Überschneidungen gibt es bei Krankheitsbildern mit körperlichen und seelischen Anteilen, etwa bei Essstörungen, bei anhaltenden Schmerzen ohne fassbaren Befund oder bei Bettnässen. Bei Störungen des Nervensystems, die sich im Verhalten zeigen, kommt die Neuropädiatrie hinzu, bei Folgen von Hirnschädigungen die Klinische Neuropsychologie.

Von der Erwachsenenpsychiatrie unterscheidet sich das Fach nicht nur durch die Altersgruppe. Krankheitsbilder zeigen sich bei Kindern anders, die Entwicklung liefert den Maßstab für die Beurteilung, und die Bezugspersonen sind stets Teil der Behandlung. Deshalb genügt es nicht, Verfahren aus der Erwachsenenmedizin zu verkleinern.

Übergang ins Erwachsenenalter

Mit dem Erwachsenwerden endet die Zuständigkeit des Fachs, während die Erkrankung häufig fortbesteht. Der Wechsel fällt zeitlich mit anderen Umbrüchen zusammen — Schulabschluss, Ausbildung oder Studium, Auszug aus dem Elternhaus, Übernahme der eigenen Angelegenheiten. Zugleich verändert sich die Rolle der Eltern grundlegend: Was zuvor selbstverständlich mit ihnen besprochen wurde, unterliegt nun der Entscheidung des jungen Erwachsenen.

Gerade in dieser Phase brechen Behandlungen häufig ab. Fachlich wird der Übergang deshalb als eigene Aufgabe verstanden: Er wird frühzeitig angesprochen, die weiterbehandelnde Stelle wird gemeinsam gesucht, Befunde und bisheriger Verlauf werden weitergegeben, und wo es möglich ist, überschneiden sich alte und neue Betreuung für eine Weile. Für Jugendliche selbst bedeutet der Übergang auch, Verantwortung für die eigene Behandlung zu übernehmen — zu wissen, welche Diagnose gestellt wurde, welche Mittel sie einnehmen und woran sie eine Verschlechterung erkennen.

Quellen

  • Remschmidt, H., Becker, K. (Hrsg.): Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132411227
  • Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132432673
  • Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen.
    ISBN: 9783801732172
  • Siegler, R., Saffran, J., Gershoff, E., et al.: Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter.
    ISBN: 9783662627716
  • Hoyer, J., Knappe, S. (Hrsg.): Klinische Psychologie & Psychotherapie.
    ISBN: 9783662618134

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