Kokzygodynie

Schmerzen der unteren Wirbelsäule kennzeichnen die Kokzygodynie bzw. die Steißbeinschmerzen. Häufig heilt die Erkrankung nach einigen Wochen. Medizinisch erfolgt meist eine Symptombehandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kokzygodynie?

Schmerzen am Steißbein sollten medizinisch untersucht werden.

Die Kokzygodynie wird gelegentlich auch als Steißbeinneuralgie bezeichnet. Damit ist die Kokzygodynie eine Erkrankung, die sich an der unteren Wirbelsäule in Höhe des Steißbeins (einige Wirbel, die verkümmert und miteinander verbunden sind) vor allem durch charakteristische Schmerzen äußert.

Die Schmerzen, die bei einer vorliegenden Kokzygodynie auftreten, sind häufig brennend, ziehend oder stechend. In der Regel treten die Schmerzen bei einer Kokzygodynie vor allem in sitzenden Positionen auf.

Entwicklungsgeschichtlich betrachtet ist das von der Kokzygodynie betroffene Steißbein ein rückgebildeter Teil des Schwanzskeletts. Die Bezeichnung der Kokzygodynie geht auf die Knochengruppe (Os coccygis) zurück, die bei der Erkrankung von Schmerzen betroffen ist.

Die Kokzygodynie ist eine Erkrankung, die relativ selten auftritt. Kommt es zu einer Kokzygodynie, so sind davon überwiegend Frauen betroffen.

Ursachen

Mögliche Ursachen einer Kokzygodynie sind vielfältig. Nicht immer kann die Kokzygodynie auf eine konkrete Ursache zurückgeführt werden. Häufig ist die Kokzygodynie Folge von Verletzungen, die bei Stürzen auf die Gesäßregion entstehen.

Aber auch durch anderweitige Belastungen kann eine Kokzygodynie hervorgerufen werden; beispielsweise durch langes Sitzen auf hartem Untergrund. Ursache einer Kokzygodynie können darüber hinaus auch andere zugrunde liegende Erkrankungen sein: Zu einer Kokzygodynie führen können beispielsweise sogenannte Lumbalgien (im Volksmund auch als Hexenschuss bezeichnet), Bandscheibenvorfälle oder Tumore in der Region des Steißbeins.

Verursacht werden kann eine Kokzygodynie außerdem durch gynäkologische Erkrankungen oder durch Fehlbildungen des Steißbeins. Des Weiteren können etwa Entbindungen oder operative Eingriffe eine Kokzygodynie begünstigen. In vielen Fällen liegen einer Kokzygodynie außerdem psychische Belastungen zugrunde.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Kokzygodynie äußert sich durch eindeutige Symptome. Charakteristisch für die Erkrankung ist ein brennender oder pochender Schmerz im Bereich des Steißbeins. Die Betroffenen verspüren oft ein starkes Ziehen oder ein Stechen, verbunden mit einer Überwärmung der betroffenen Körperstelle. Die Symptome beschränken sich nicht zwingend auf die Steißbein-Region, sondern können auch auf die obere Wirbelsäule und die Lendenregion ausstrahlen.

Die Schmerzen treten insbesondere beim Aufstehen und beim Sitzen auf. Oft sind die Schmerzen so stark, dass Aktivitäten wie Geschlechtsverkehr und Stuhlgang nicht mehr möglich sind. Daraus können weitere Symptome psychischer Art resultieren. Begleitend dazu können Allgemeinsymptome wie Unwohlsein und Fieber auftreten.

Zudem kann die andauernde Schonhaltung zu Fehlstellungen, Gelenk- und Knochenschmerzen, Verspannungen und Krämpfen führen. Die Krankheitszeichen klingen meist nach einiger Zeit wieder ab. In Einzelfällen können sich chronische Beschwerden einstellen. Mögliche Folgebeschwerden sind Koordinationsstörungen, Bewegungseinschränkungen, Durchblutungsstörungen und Nervenschmerzen.

Die jeweilige Grunderkrankung kann unter Umständen weitere unspezifische Symptome hervorrufen. Zu den typischen Komplikationen der Psyche zählen depressive Verstimmungen, Panikattacken und Reizbarkeit. Eine frühzeitige Behandlung der einzelnen Symptome und Beschwerden der Kokzygodynie vorausgesetzt, können die gesundheitlichen Probleme zuverlässig und schnell gelindert werden.

Diagnose & Verlauf

Um eine Kokzygodynie zu diagnostizieren, erfolgt meist zunächst ein umfassendes Arztgespräch. Diesem Gespräch folgt dann eine körperliche Untersuchung.

Ergibt sich in diesem Zusammenhang der Verdacht auf eine Kokzygodynie, kann dieser Verdacht durch verschiedene Verfahren bestätigt werden. Welches diagnostische Verfahren sinnvoll ist, hängt unter anderem von der vermuteten Ursache einer Kokzygodynie ab. Hilfreich kann beispielsweise die Durchführung einer MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) der Beckenregion sein. Auch das Ultraschallverfahren findet Anwendung zur Diagnose einer organisch bedingten Kokzygodynie.

Abhängig von der Ursache einer Kokzygodynie kann diese individuell sehr unterschiedlich verlaufen. In vielen Fällen dauert eine Kokzygodynie über einige Tage bis Wochen an, um dann wieder abzuklingen. Gelegentlich kann eine Kokzygodynie aber auch mehrere Jahre anhalten und sich schließlich chronisch entwickeln.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei einer Kokzygodynie auch ohne medizinische Behandlung zu einer Heilung der Krankheit. Die Schmerzen in der Wirbelsäule verschwinden dabei in den meisten Fällen von alleine wieder und es kommt zu keinen besonderen Komplikationen. Nicht selten leiden die Betroffenen an brennenden oder stechenden Schmerzen.

Diese Schmerzen können sich dabei aus dem Steißbein auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch in diesen zu erheblichen Beschwerden führen. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch die Kokzygodynie deutlich eingeschränkt und verringert. Ebenso kommt es dabei nicht selten zu Einschränkungen in der Bewegung und auch zu Koordinationsstörungen. Bestimmte Tätigkeiten oder die Ausübung von Sportarten ist für den Betroffenen dabei in der Regel nicht mehr möglich.

Durch diese Einschränkungen kommt es nicht selten zu psychischen Beschwerden oder zu anderen Verstimmungen und Depressionen. In den meisten Fällen findet die Behandlung selbst nur symptomatisch statt, sodass vor allem die Schmerzmittel mit Hilfe von Medikamenten oder durch verschiedene Therapien behandelt werden. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Die Lebenserwartung wird durch die Kokzygodynie in den meisten Fällen nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn im Bereich des Steißbeins ziehende, stechende oder brennende Schmerzen bemerkt werden, sollte damit schleunigst zum Hausarzt oder einem Sportmediziner gegangen werden. Treten die Beschwerden nach einem Unfall oder Sturz auf, empfiehlt sich ein sofortiger Arztbesuch. Weitere Warnzeichen, die unbedingt abgeklärt werden sollten, sind Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr sowie Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinsetzen. Werden diese Symptome bemerkt, liegt womöglich ein gesundheitliches Problem zugrunde, das behandelt werden muss.

Wer kürzlich eine Steißbeinprellung, einen Bandscheibenvorfall oder eine gynäkologische Erkrankung erlitten hat, ist besonders anfällig für die Entstehung einer Kokzygodynie. Auch Tumoren im Steißbein-Bereich sowie Hexenschuss und das Wurzelreizsyndrom gehören zu den Risikofaktoren, die rasch abgeklärt werden müssen. Betroffenen Personen sollten innerhalb einiger Tage den Hausarzt oder einen Orthopäden aufsuchen und die Symptome abklären lassen. Weitere Kontaktpersonen sind der Chiropraktiker und Fachärzte für die jeweiligen Beschwerden. Kinder, die über Schmerzen im Bereich des Steißbeins klagen, sollten einem Kinderarzt vorgestellt werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Kokzygodynie orientiert sich zunächst an den Ursachen, die der Erkrankung beim Einzelnen zugrunde liegen. In Fällen, in denen keine organische Ursachen für eine Kokzygodynie gefunden werden können, zentriert sich die medizinische Behandlung der Kokzygodynie in der Regel vor allem auf die Symptombekämpfung; die Bekämpfung der Schmerzen.

Begegnet werden kann den Schmerzen, die bei einer Kokzygodynie auftreten, beispielsweise mithilfe eines Lokalanästhetikums (eines Mittels zur lokalen Betäubung). Das Anästhetikum wird an der schmerzenden Körperstelle injiziert und behebt so im Rahmen seiner Wirkungsdauer die Schmerzen.

Maßnahmen, die schmerzlindernd wirken können, sind darüber hinaus beispielsweise gezielte Physiotherapien, die Akupunktur oder verschiedene Entspannungsverfahren. Hilfsmittel, die bei einer Kokzygodynie zur kurzfristigen Schmerzlinderung beitragen können, sind etwa Sitzkeile oder -ringe.

Liegen einer Kokzygodynie unter anderem psychische Faktoren zugrunde, so können individuelle Psychotherapien zur Bekämpfung der Schmerzen beitragen. Ist eine Kokzygodynie bei einem Betroffenen mit sehr ausgeprägten und kontinuierlichen Schmerzen verbunden, gibt es Möglichkeiten, über Katheter für eine längerfristige Versorgung mit anästhetischen bzw. schmerzlindernden Wirkstoffen zu sorgen.

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Aussicht & Prognose

Die Kokzygodynie kann grundsätzlich geheilt werden. Je nach Ursache der Beschwerden gestaltet sich der Behandlungsplan. Bei vielen Patienten kann eine Spontanheilung dokumentiert werden. Dies ist vor allem dann möglich, wenn es eine kurzfristige Überanstrengung gab und der Körper über seine Fähigkeit der Selbstheilung die Regenerierung erreichen kann. Liegen dauerhafte Belastungen der unteren Wirbelsäule vor, verschlechtert sich die Prognose. In diesen Fällen sind plötzliche anhaltende Rückbildungen eher unwahrscheinlich. Der Betroffene wird physiotherapeutischen Trainings unterzogen und muss seinen Alltag umstellen.

Für eine Verbesserung seiner Gesundheit ist eine Entlastung der betroffenen Region notwendig. Die Bewegungsabläufe sind langfristig zu verändern und an die Bedürfnisse des Organismus auszurichten. Durch die Optimierung der Belastungen und die Alltagsumgestaltung können langfristige Linderungen der Beschwerden erzielt werden. Andernfalls droht eine Zunahme der Schmerzen. Zudem können aufgrund der anhaltenden Beschwerden Folgeerkrankungen ausbrechen, die eine weitere Verschlechterung des Gesamtzustandes bewirken.

Besonders ungünstig ist die Prognose bei einer vorliegenden Tumorerkrankung. Es wird eine Krebstherapie benötigt und eine Entfernung des Tumors ist angezeigt. Die Behandlung und eine operativer Eingriff sind mit zahlreichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Es kommt zu einer Verschlechterung der Lebensqualität und starken psychischen Belastungen. Bei einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium droht dem Patienten das vorzeitige Ableben.

Vorbeugung

Um eine Kokzygodynie zu verhindern, kann es beispielsweise hilfreich sein, Verletzungen nach Stürzen auf das Steißbein zügig zu behandeln. Möglich ist das etwa mithilfe von schmerzlindernden Salben. Auch die Inanspruchnahme von Frühuntersuchungen auf Erkrankungen des Beckenbereichs, die zu einer Kokzygodynie beitragen können, kann zur Prävention der Kokzygodynie beitragen. Um zu verhindern, dass psychische Konflikte zu einer Kokzygodynie führen, können diese beispielsweise psychotherapeutisch aufgearbeitet werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Kokzygodynie stehen dem Betroffenen verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung. Die Erkrankung kann in der Regel einfach vermieden werden, indem Verletzungen oder Beschwerden am Steißbein sehr schnell untersucht und behandelt werden. Auch schmerzlindernde Salben oder Cremes können sich dabei positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Weiterhin sind auch regelmäßige Untersuchungen im Bereich des Beckens ratsam, vor allem dann, wenn es in diesem Bereich zu Beschwerden kommt.

Die Schmerzen der Kokzygodynie können durch verschiedene Therapien gelindert werden. Dabei eignen sich Akupunktur oder verschiedene Entspannungsübungen, wie zum Beispiel Yoga. Weiterhin können auch verschiedene Gegenstände, wie zum Beispiel Sitzkeile die Schmerzlinderung des Patienten fördern. Bei sehr starken Schmerzen oder akuten Notfällen sollten diese allerdings von einem Arzt untersucht und betäubt werden.

Sollte die Kokzygodynie zu psychischen Beschwerden führen, so können dabei Gespräche mit einem Psychologen oder mit einem Therapeuten helfen. Hierbei sind auch Gespräche und Kontakte mit anderen Betroffenen oder mit den engen Freuden oder der Familie sinnvoll. Andere Betroffene können dabei zu einem Informationsaustausch beitragen und eventuell Ratschläge zur Verringerung der Symptome geben.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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