Heriditäres non-polypöses kolorektales Karzinom (Lynch-Syndrom)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Heriditäres non-polypöses kolorektales Karzinom (Lynch-Syndrom)

Als hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom (Lynch-Syndrom) wird eine Dickdarmkrebsart bezeichnet, die hauptsächlich auf Erbfaktoren beruht und – anders als andere erbliche Darmkrebsformen – nicht mit einer Vielzahl von Polypen in der Darmschleimhaut einhergeht. Die Krankheit, die synonym auch als Lynch-Syndrom nach dem US-amerikanischen Arzt Henry T. Lynch bezeichnet wird, stellt die häufigste Form vererbbarer Darmkrebserkrankungen dar. Als Verursacher wurden mutierte Gene identifiziert, die am Reparaturmechanismus fehlerhaft replizierter DNA-Sequenzen beteiligt sind, die sogenannten Mismatch-Reparaturgene.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein hereditäres non-polypöses kolorektales Karzinom?

Heriditaeres non polypoeses kolorektales Karzinom
Das HNPCC verursacht im Frühstadium kaum Beschwerden und Symptome. Die ersten Anzeichen wie Blut im Stuhl sind unspezifisch und können verschiedene Ursachen haben.
© bilderzwerg – stock.adobe.com

Das hereditäre non-polypöse kolorektale Karzinom (HNPCC), auch nach dem US-amerikanischen Arzt Henry T. Lynch als Lynch-Syndrom bezeichnet, ist ein Dickdarmkrebs, der auf bereits identifizierten Genmutationen beruht und autosomal dominant vererbt wird. Das bedeutet, dass der oder die Gendefekte nicht auf den beiden Geschlechtschromosomen X oder Y liegen und dass bereits ein mutiertes Allel eines Gens (heterozygot) die Krankheit verursachen kann.

Im Fall des Lynch-Syndroms sind etwa 75 Prozent der heterozygoten Träger der mutierten Gene von der Krankheit betroffen. Kinder von Eltern, von denen entweder der Vater oder die Mutter Träger der Genmutationen sind, werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ebenfalls heterozygoter Träger der Genmutationen. Etwa 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus polypösem Gewebe über das Stadium benigner Adenome.

Im Gegensatz dazu entstehen die Tumoren des Lynch-Syndroms zwar ebenfalls aus Polypen der Darmschleimhaut, jedoch nur aus einzelnen, die sich sehr viel schneller als üblich bösartig verändern. Eine Polyposis, also der Befall des Darms mit Hunderten von Polypen wie bei der familiären adenomatösen Polyposis, fehlt – daher der Zusatz „non-polypös“. Die Entstehung der Tumoren des Lynch-Syndroms wird auf einen Funktionsverlust des Reparaturmechanismus für fehlerhaft replizierte DNA-Sequenzen zurückgeführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich neben der Erkrankung an HNPCC noch weitere Krebserkrankungen des Darms oder anderer Organe einstellen, ist gegenüber nicht an HNPCC erkrankten Personen stark erhöht.

Ursachen

Das HNPCC wird durch einen Defekt im Reparaturmechanismus fehlerhaft replizierter DNA-Sequenzen verursacht. Der Reparaturmechanismus verhindert normalerweise, dass replizierte DNA-Stücke mit falsch besetzten Nukleinbasen weiter verwendet werden. An dem Mechanismus sind Reparaturproteine beteiligt, die von sogenannten Tumorsuppressorgenen kodiert werden.

Es sind Mutationen mehrerer Suppressorgene bekannt, von denen fast immer die Gene mlh1 auf Chromosom 3 und msh2 auf Chromosom 2 betroffen sind. Daneben spielen die Gene msh6 und pms2 eine Rolle; seltener führt eine Veränderung des Gens EPCAM dazu, dass msh2 stillgelegt wird. Zusammengefasst werden diese Gene als Mismatch-Reparaturgene bezeichnet. Bei einem Ausfall der Reparaturproteine kumulieren Zellmutationen bei der Bildung neuer Zellen, so dass sich fehlerhafte Zellen in Klonen anhäufen, die sich weitestgehend autonom verhalten und nicht mehr auf die üblichen Wachstumsbegrenzer reagieren. Sie bilden typischerweise die Keimzelle eines malignen Tumors.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das HNPCC verursacht im Frühstadium kaum Beschwerden und Symptome. Die ersten Anzeichen wie Blut im Stuhl sind unspezifisch und können verschiedene Ursachen haben. Bei fortschreitender Krankheit wechseln sich Phasen von Verstopfung und Durchfall ab. Allmählich gesellen sich Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme und Zeichen einer Blutarmut (Anämie) als typische Begleiterscheinungen dazu.

Falls auch Lymphknoten des Mesenteriums, der Haltebänder der Därme, mit Schwellungen und Druckempfindlichkeit reagieren, kann es bereits zu einer Metastasierung eines HNPCC gekommen sein. Eine Abgrenzung zwischen einem non-polypösen HNPCC und einem mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit viel häufigeren Darmkrebs, der sich aus Polypen der Darmschleimhaut entwickelt, ist im Frühstadium anhand der unspezifischen Symptome nicht ohne weiteres erkennbar. Erst gezielt eingesetzte differenzierte Diagnoseverfahren schaffen die notwendige Klarheit.

Das erhöhte Krebsrisiko betrifft beim Lynch-Syndrom nicht nur den Darm. Bei Frauen ist das Risiko für Krebs der Gebärmutterschleimhaut nahezu ebenso hoch wie das für Darmkrebs; entsprechend gehören Blutungen außerhalb der Regel oder nach den Wechseljahren zu den wichtigen Warnzeichen. Häufiger als in der übrigen Bevölkerung treten außerdem Tumoren der Eierstöcke, des Magens, des Dünndarms, der ableitenden Harnwege und der Gallenwege auf. Blut im Urin ist deshalb ebenfalls abklärungsbedürftig. Treten zusätzlich Talgdrüsentumoren der Haut auf, spricht man von einem Muir-Torre-Syndrom.

Diagnose & Verlauf

Die Ursachen für eine HNPCC-Erkrankung sind rein genetischer Natur, so dass in Verbindung mit dem autosomalen dominanten Erbgang der Krankheit die familiäre Statistik bezüglich HNPCC-Erkrankungen für Diagnosezwecke bemüht wird. Zur Vereinheitlichung des Aussagewertes statistischer Parameter wurden Anfang der 1990er Jahre die sogenannten Amsterdam-I-Kriterien und 1999 die erweiterten Amsterdam-II-Kriterien eingeführt.

Dabei können mit den Amsterdam-I-Kriterien ausschließlich kolorektale HNPCC und mit den Amsterdam-II-Kriterien zusätzlich Karzinome der Gebärmutterschleimhaut, des Dünndarms sowie der ableitenden Harnwege erfasst werden. Die erste Bedingung der Amsterdam-Kriterien ist, dass bei mindestens drei Familienangehörigen, von denen einer ein Verwandter 1. Grades der beiden anderen Familienmitglieder sein muss, eine HNPCC-Erkrankung gesichert nachgewiesen wird.

Die 2. Bedingung ist erfüllt, wenn die Erkrankungen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Generationen auftraten. Als dritte Bedingung wurde festgelegt, dass bei einem der Betroffenen die Erkrankung im Alter von unter 50 Jahren auftrat. Falls die familiären Verhältnisse beziehungsweise die Krankheitsvorgänge nicht bekannt sind, wurden 2004 zur Beurteilung die revidierten Bethesda-Kriterien eingeführt, von denen jeweils ein Kriterium erfüllt sein muss, um den Verdacht auf HNPCC zu begründen.

Nach Feststellung des Verdachts auf HNPCC stehen eine Reihe von diagnostischen Möglichkeiten zur Verfügung zur Erhärtung oder Verwerfung des Verdachts. Einerseits sind die Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben und deren feingewebliche Untersuchung zielführend, ergänzt um Ultraschalluntersuchungen, und andererseits molekulargenetische Untersuchungen, die Hinweise auf Vorliegen mutierter Suppressorgene liefern können.

Lange Zeit stützte sich die Suche nach dem Lynch-Syndrom allein auf die Amsterdam- und die Bethesda-Kriterien, also auf die Familiengeschichte. Heute wird stattdessen jeder neu festgestellte Darmkrebs routinemäßig daraufhin untersucht, ob im Tumorgewebe die Mismatch-Reparatur ausgefallen ist beziehungsweise eine sogenannte Mikrosatelliteninstabilität vorliegt. Dadurch werden auch Betroffene gefunden, bei denen die Familiengeschichte unauffällig ist. Bestätigt sich der Verdacht, schließt sich eine humangenetische Beratung mit einer Blutuntersuchung an, die auch den Angehörigen offensteht. Der Verlauf der Krankheit ist – unbehandelt – schwerwiegend.

Komplikationen

Beim Lynch-Syndrom handelt es sich um eine schwerwiegende Krankheit. Diese kann unbehandelt zum Tode führen und ist auch mit einer Behandlung in vielen Fällen mit einer Verringerung der Lebenserwartung verbunden. In den meisten Fällen kommt es durch das Lynch-Syndrom in erster Linie zu einem blutigen Stuhlgang. Dieser kann bei vielen Menschen eine Panikattacke auslösen.

Weiterhin leiden die Patienten an Durchfall und Verstopfung und damit an einer Verringerung der Lebensqualität. Es kommt zu einem Gewichtsverlust und oft zu starken Bauchschmerzen und zu einer Anämie. Bei starkem Blutverlust können die Betroffenen das Bewusstsein verlieren und in seltenen Fällen sogar in ein Koma fallen. Es treten Schwellungen und Schmerzen auf. Ohne Behandlung entwickelt sich aus den Vorstufen ein Darmkrebs, der im weiteren Verlauf Metastasen bildet.

In der Regel können Krebserkrankungen nur dann gut behandelt werden, wenn eine frühzeitige Diagnose erfolgt. Nicht selten leiden die Betroffenen neben den physischen Beschwerden auch an Depressionen und anderen psychischen Verstimmungen. Ebenso können auch die Angehörigen des Patienten von diesen Verstimmungen betroffen sein. Der beim Lynch-Syndrom entstandene Tumor kann durch einen operativen Eingriff entfernt werden. Allerdings hängt der weitere Krankheitsverlauf von der Diagnose und der Ausbreitung des Tumors ab, sodass ein positiver Krankheitsverlauf nicht in jedem Fall vorausgesagt werden kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei wiederholt auftretendem Blut im Stuhl oder im Urin besteht Anlass zur Besorgnis. Ein Arztbesuch ist notwendig, um die Ursachen abklären zu lassen. Kommt es zu Auffälligkeiten bei der Verdauung, sollte eine Untersuchung der Beschwerden erfolgen. Bei Durchfall oder Verstopfung ist ein Arzt zu konsultieren, um eine Behandlung einleiten zu können. Stellt sich eine Gewichtsabnahme des Betroffenen ein, kann es zu einer Unterversorgung des Organismus kommen. Es ist daher ratsam, diese rechtzeitig ärztlich untersuchen zu lassen.

Bei anhaltenden sowie regelmäßig wiederkehrenden Bauchschmerzen oder Unterleibsbeschwerden ist eine Konsultation bei einem Arzt nötig. Kommt es zu Schwellungen, Wucherungen oder Hautauffälligkeiten, ist ein Arztbesuch ebenfalls notwendig. Bei einer Zunahme vorhandener Beschwerden oder dem Auftreten neuer Symptome gilt dies als ungewöhnlich und sollte untersucht werden. Stellen sich Schmerzen ein oder kommt es zu einer Druckempfindlichkeit, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei Schwindel, einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Übelkeit und Erbrechen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Leidet der Betroffene unter einer Abnahme der Leistungsfähigkeit, Teilnahmslosigkeit oder Schwäche, sollte dieser gesundheitliche Zustand mit einem Arzt besprochen werden. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme sowie Aufmerksamkeitsdefizite sind Beschwerden, die auf schwerwiegende Beeinträchtigungen hinweisen können. Daher ist ein Arztbesuch zu empfehlen, sobald der Betroffene diese Unregelmäßigkeiten über mehrere Wochen erlebt.

Wurde in der Familie ein Lynch-Syndrom festgestellt, sollten sich auch beschwerdefreie Angehörige humangenetisch beraten lassen und an dem Vorsorgeprogramm teilnehmen. Sie sollten damit nicht warten, bis Beschwerden auftreten, denn gerade die frühzeitige Untersuchung des beschwerdefreien Darms rettet hier Leben.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des hereditären non-polypösen kolorektalen Karzinoms besteht in erster Linie in seiner operativen Entfernung. Eine Behandlung, die den zugrunde liegenden Gendefekt beheben könnte, existiert nicht. Es ist daher im Sinne einer hohen Erfolgsquote von großem Wert, wenn ein aufgetretenes HNPCC möglichst früh erkannt und entfernt wird. In einigen Fällen kann es notwendig sein, vor der Operation eine mit Chemotherapie kombinierte Bestrahlung des erkrankten Gewebes durchzuführen.

Bei fortgeschrittenen Tumoren wird die Operation durch eine Chemotherapie ergänzt. Weil den Tumoren des Lynch-Syndroms die Mismatch-Reparatur fehlt und sie deshalb eine hohe Mikrosatelliteninstabilität aufweisen, sprechen sie außerdem besonders gut auf eine Immuntherapie mit sogenannten Immuncheckpoint-Hemmern wie Pembrolizumab an. Diese Behandlung hat die Aussichten bei fortgeschrittener Erkrankung seit etwa 2017 deutlich verbessert und wird dort heute der klassischen Chemotherapie vorgezogen.

Aussicht & Prognose

Bei frühzeitiger Behandlung des hereditären non-polypösen kolorektalen Karzinoms, auch Lynch-Syndrom genannt, besteht eine gute Prognose bezüglich der Heilung. Da es sich jedoch um ein erblich bedingtes erhöhtes Risiko für Darmkrebs und andere Krebsformen handelt, sollten beim Patienten ständige Nachuntersuchungen bei ausgeheiltem Darmkrebs und Vorsorgeuntersuchungen für andere Krebsarten stattfinden.

Wenn der Tumor noch begrenzt ist und sich keine Metastasen gebildet haben, muss nach seiner vollständigen operativen Entfernung keine Chemotherapie durchgeführt werden. Unter Einhaltung ständiger Nachsorge und Vorsorge kann eine normale Lebenserwartung angenommen werden.

Nicht alle Patienten mit diesem Gendefekt erkranken im Laufe des Lebens an Krebs. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch. So wurde festgestellt, dass bis zu einem Alter von 80 Jahren 80 Prozent aller betroffenen Personen an einem Darmkrebs erkranken. Neuere Untersuchungen ergeben allerdings deutlich niedrigere Werte, die stark davon abhängen, welches Gen betroffen ist: Bei Veränderungen von msh6 oder pms2 ist das Darmkrebsrisiko wesentlich geringer als bei mlh1 oder msh2.

Wenn sich bereits Metastasen entwickelt haben oder parallel zum Darmkrebs noch andere Organe von einem Tumor betroffen sind, verschlechtert sich die Prognose oft drastisch. Parallele Tumoren, die jeweils noch keine Metastasen gebildet haben, können unabhängig voneinander therapiert und wieder vollständig geheilt werden.

Nach Ausbildung von Metastasen kann durch verschiedene Therapiemaßnahmen wie Chemotherapie oder Bestrahlung versucht werden, das Krebswachstum zu verzögern und das Leben des Patienten zu verlängern. Zur Erhöhung der Lebensqualität in schweren Fällen trägt neben den bekannten Behandlungsmöglichkeiten oft auch die psychologische Betreuung des Patienten bei.


Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung eines HNPCC sind nicht existent, weil die Hauptursache in Tumorsuppressorgenen liegt, die durch Mutationen ihrer Fähigkeiten zur Reparatur fehlerhaft kopierter DNA-Sequenzen weitestgehend verlieren. Darüber hinaus kann auch eine das Immunsystem unterstützende Lebensweise als bedingte Vorsorgemaßnahme betrachtet werden.

Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen für Personen, die aufgrund ihrer familiären Geschichte oder aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen zu dem gefährdeten Personenkreis gehören, bestehen in der regelmäßigen Wahrnehmung von Krebsvorsorge wie Darmspiegelung und anderen Maßnahmen der Früherkennung.

Empfohlen wird dabei eine Darmspiegelung einmal jährlich ab dem 25. Lebensjahr, also deutlich früher und häufiger als die allgemeine Darmkrebsvorsorge, die erst ab dem 50. Lebensjahr beginnt. Der Grund dafür ist, dass sich die wenigen Polypen beim Lynch-Syndrom schon in jungen Jahren und sehr rasch zu Krebs entwickeln können. Frauen sollten zusätzlich jährlich eine gynäkologische Untersuchung mit Ultraschall und gegebenenfalls einer Gewebeprobe aus der Gebärmutterschleimhaut wahrnehmen; je nach Familiengeschichte kommt eine regelmäßige Magenspiegelung hinzu. Durch dieses Vorsorgeprogramm lässt sich die Sterblichkeit erheblich senken – es ist der wichtigste Punkt im Umgang mit der Erkrankung.

Nachsorge

Die Nachsorge des hereditären non-polypösen kolorektalen Karzinoms beginnt mit den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Diese sollen sicherstellen, dass der ausgeheilte Darmkrebs nicht erneut auftritt. Wenn es sich um einen begrenzten Tumor ohne Metastasen handelt, der komplett entfernt werden konnte, sind diese Nachuntersuchungen ebenso wichtig. Abhängig vom Schweregrad des individuellen Falles kann eine psychologische Betreuung sinnvoll sein.

Diese kann im Rahmen der Vorbeugung sowie bei der Nachbehandlung stattfinden. Für eine gute Lebensqualität ist es wichtig, sich an die medizinischen Ratschläge der Mediziner zu halten. Um das Immunsystem zu unterstützen, ist eine gesunde Lebensweise unverzichtbar. Dazu gehört vor allem eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung, oft in Kombination mit dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel.

Wenn die molekulargenetischen Untersuchungen darauf hinweisen, dass das Gefährdungspotenzial recht hoch ist, steht die Krebsvorsorge klar im Vordergrund. Patienten, die wegen ihrer familiären Voraussetzungen gefährdet sind, sollten regelmäßig eine Darmspiegelung und weitere Früherkennungsmaßnahmen durchführen lassen.

Bei akuten Beschwerden gibt es zudem Hausmittel und Selbsthilfe-Tipps für den Alltag. Leichte Kost und Schmerzmittel auf natürlicher Basis reduzieren die auftretenden Bauchschmerzen. Wenn es nach einer Operation zu Schwellungen kommt, kann ein kühlender Wickel Linderung verschaffen. Zudem sollten die Patienten auf ihren Arzt hören und sich schonen. Neu auftretende oder anhaltende Bauchschmerzen dürfen dabei allerdings nicht in Eigenregie behandelt, sondern müssen ärztlich abgeklärt werden.

Das können Sie selbst tun

Das Lynch-Syndrom bedarf in jedem Fall einer ärztlichen Therapie. Die akuten Beschwerden des Lynch-Syndroms können durch eine Reihe von Hausmitteln und Selbsthilfe-Maßnahmen gelindert werden.

Durchfall lässt sich durch eine Umstellung der Ernährung reduzieren, während bei Bauchschmerzen natürliche Schmerzmittel eingenommen werden können. Bei Schwellungen nach der Operation empfehlen sich kühlende Umschläge. Nachdem das Karzinom operativ entfernt wurde, muss sich der Patient schonen und ansonsten die Vorgaben des Arztes einhalten. Meist wird eine individuelle Diät empfohlen, die sich aus Schonkost, salzarmen Speisen und dem Verzicht auf Kaffee, Alkohol und andere Genussmittel zusammensetzt.

Die Genesung kann unterstützt werden, indem die Stelle des Eingriffs besonders sorgfältig gepflegt wird. Vor allem in den ersten Tagen kann es zu Blutungen und Schwellungen kommen. Auf die frische Operationswunde selbst gehören dabei keine Salben; pflanzliche Mittel wie Ringelblumensalbe oder Arnika kommen erst nach Rücksprache mit dem Arzt und erst bei verheilter Wunde infrage. Wer das Lynch-Syndrom trägt, gibt die Genveränderung mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an jedes Kind weiter. Sinnvoll ist deshalb eine humangenetische Beratung der ganzen Familie. Die genetische Untersuchung der Kinder erfolgt in der Regel erst im jungen Erwachsenenalter, weil die Vorsorge ohnehin erst ab dem 25. Lebensjahr beginnt.

Quellen

  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Referenz Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405004
  • Schaaf, C. P., Zschocke, J.: Basiswissen Humangenetik.
    ISBN: 9783662561461
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Herold, A., Lehur, P.-A., Matzel, K. E., O'Connell, P. R. (Hrsg.): Coloproctology.
    ISBN: 9783662532089

Das könnte Sie auch interessieren