Medizinische Mykologie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die medizinische Mykologie ist die angewandte Wissenschaft von den krankmachenden Pilzen. Humanpathogene Pilze verschiedener Gattungen und Arten stellen für den Organismus potentielle Krankheitserreger dar.
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Was ist die Medizinische Mykologie?
Die Mykologie ist als Lehre von den Pilzen ein Teilgebiet der Biologie; ihr auf den Menschen bezogener Zweig gehört zur medizinischen Mikrobiologie, zu der außerdem noch die Bakteriologie, die Virologie und die Parasitologie gehören. Speziell die medizinische Mykologie befasst sich ausschließlich mit den sogenannten humanpathogenen Pilzen. Pilze sind, im Gegensatz zu vielen pathogenen Bakterien, nur selten obligat pathogen. Zu den Ausnahmen zählen die primär pathogenen Erreger der endemischen Mykosen wie Histoplasma capsulatum, die auch bei Gesunden zu Erkrankungen führen können. Ihr krankmachendes Potential ist beim Immungesunden tendenziell als eher geringfügig anzusehen. Dennoch spielen die fakultativ pathogenen Pilze in Klinik und Praxis eine wichtige Rolle, denn Pilzinfektionen kommen auch in den westlichen Industrienationen gehäuft vor.
Ob ein Mensch aufgrund eines Pilzes Krankheitssymptome entwickelt, hängt in den meisten Fällen von dessen individuellem Immunstatus ab. Pathogene Pilze sind meist Opportunisten, sie führen also in der Regel nur dann zu einer Infektionskrankheit, der sogenannten Mykose, wenn die zelluläre Immunabwehr eines Menschen durch eine Grundkrankheit wie beispielsweise Krebs oder Aids derart geschwächt ist, dass Pilze sich ausbreiten und vermehren können. In Krankenhäusern sind Pilzinfektionen bei abwehrgeschwächten Patienten gefürchtet, weil sie schlecht therapierbar sind. Deshalb zählen Pilzerkrankungen im klinischen Bereich ebenso wie Infektionen mit multiresistenten Keimen wie MRSA zu den gefürchteten Krankenhausinfektionen.
Behandlungen & Therapien
Diese Applikationsform birgt weitaus weniger Risiken und Nebenwirkungen als eine systemische, intravenöse Applikation per Infusion. Generalisierte Pilzinfektionen bei immunsupprimierten Patienten sind auch heute noch nur sehr schwer therapeutisch beherrschbar, die Mortalitätsrate ist entsprechend hoch. Durch Pilze verursachte Krankheitsbilder werden auch mit dem Oberbegriff Mykopathie bezeichnet. Dazu gehört auch die Lebensmittelvergiftung durch den versehentlichen Genuss von Giftpilzen wie beispielsweise Knollenblätterpilzen.
Unbehandelt kann der Genuss von Giftpilzen zum Tode führen. Neben der klassischen Pilzvergiftung, auch als Myzetismus bezeichnet, können auch Vergiftungen durch mit Pilzgiften verunreinigte Lebensmittel auftreten. Diese sogenannten Mykotoxikosen entstehen dann, wenn Lebensmittel mit bestimmten Pilzgiften wie beispielsweise Aflatoxinen belastet sind. Solche Belastungen sind den Lebensmitteln nicht anzusehen oder anzuriechen. Viele Menschen reagieren zusätzlich auch allergisch auf einzelne Pilzbestandteile, die dadurch entstehenden Krankheitsbilder werden als Mykoallergosen bezeichnet.
Die medizinische Mykologie im engeren Sinne befasst sich jedoch ausschließlich mit den Mykosen, also den durch pathogene Mikropilze verursachten Erkrankungen im lebenden Gewebe. Normalerweise hindert ein intaktes Immunsystem Mikropilze am Wachstum, ist das Immunsystem aber geschwächt, dann kann es zu einem invasiven Wachstum und damit zur Pilzausbreitung im Gewebe mit entsprechenden Krankheitserscheinungen kommen. Die Mykosen werden in der medizinischen Nomenklatur nach ihrer Lokalisation eingeteilt. Die wichtigsten humanen Mykosen sind Schleimhautmykosen, Hautmykosen sowie Organmykosen und systemische Mykosen als schwerstes Krankheitsbild.
Diagnose & Untersuchungsmethoden
Dabei handelt es sich um Dermatophyten, Hefepilze und Schimmelpilze. Alle 3 Pilzgruppen können ähnliche Entzündungssymptome hervorrufen, sodass eine Differentialdiagnose nur im mykologischen Labor möglich ist. Zur wichtigsten erweiterten Diagnostik von Mykosen gehört die Nativmikroskopie. Es wird dazu Probenmaterial von verdächtigen Hautarealen entnommen und ohne weitere Aufbereitung direkt unter dem Lichtmikroskop untersucht. Üblicherweise wird das Material dabei mit Kalilauge aufgehellt, damit Pilzfäden im Hornmaterial sichtbar werden. Ein Pilzbefall der Haut zeigt sich lichtmikroskopisch durch die typischen Pilzfäden oder Sprosszellen.
Ob es sich um Dermatophyten, Hefen oder Schimmelpilze handelt, lässt sich im Nativpräparat allerdings noch nicht sicher unterscheiden. Es müssen sich daher weitere kulturelle Untersuchungsmethoden anschließen, um Gattung und Art eines Pilzes zweifelsfrei bestimmen zu können. Dazu wird das Probenmaterial auf einem Nährboden aufgebracht und in einem Brutschrank bebrütet; Temperatur und Dauer richten sich dabei nach dem vermuteten Erreger. Hefen wachsen bei etwa 37 Grad Celsius vergleichsweise rasch an. Dermatophyten wachsen deutlich langsamer; ihre Kulturen werden bei etwa 26 bis 28 Grad Celsius bebrütet und über mehrere Wochen beobachtet.
Selektive Pilznährböden wie der Glucoseagar nach Sabouraud enthalten auf humanpathogene Pilze abgestimmte Nährsubstrate, mit denen sich die Pilze aus dem Probenmaterial für die weitere Identifikation optimal vermehren können. Eine der häufigsten Pilzinfektionen des Menschen ist der Nagelpilz, die Onychomykose, meist verursacht durch Trichophyton, einen Vertreter der Gruppe der Dermatophyten. Häufigster nachgewiesener Pilz bei humanen Infektionen ist Candida albicans, ein Vertreter aus der Gruppe der Hefepilze. Humanpathogene Pilze sind sowohl nativ als auch in ihren Dauerformen, Sporen, ubiquitär verbreitet.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist daher stets möglich und auch durch beste Hygiene und Maßnahmen zur Desinfektion nicht immer sicher zu vermeiden. Die Übertragung erfolgt jedoch meist durch anhaftende Sporen an unbelebten Oberflächen wie beispielsweise Böden in Umkleideräumen oder Duschen. Zu den wichtigsten Wirkstoffen gegen humanpathogene Pilze, den Antimykotika, zählen lokal anwendbare Substanzen wie Ciclopiroxolamin oder das Azol Ketoconazol. In schweren Fällen mit systemischem Befall oder Organbefall kommen systemisch wirksame Antimykotika wie Fluconazol, Voriconazol oder Amphotericin B als Breitspektrumantimykotikum oral oder per Infusion zum Einsatz. Terbinafin und Griseofulvin werden dagegen bei ausgedehnten Haut- und Nagelpilzinfektionen oral gegeben; Griseofulvin spielt dabei heute nur noch eine untergeordnete Rolle.
Einteilung der Mykosen
Für die Praxis ist weniger die botanische Zuordnung eines Pilzes wichtig als die Frage, wie tief er in den Körper vorgedrungen ist. Danach werden die Mykosen gestaffelt.
Oberflächliche Mykosen bleiben auf die äußersten Hornschichten der Haut und auf die Haare beschränkt. Ein Beispiel ist die Kleienpilzflechte, die Pityriasis versicolor, bei der ein Hefepilz der normalen Hautflora zu scharf begrenzten hellen oder bräunlichen Flecken führt. Kutane Mykosen greifen die verhornte Haut, die Nägel und die Haare tiefer an; hierher gehören der Fußpilz und der Nagelpilz, die überwiegend von Dermatophyten verursacht werden. Schleimhautmykosen betreffen die Mundhöhle, die Speiseröhre oder den Genitalbereich und gehen meist von Hefen der Gattung Candida aus. Dazu zählen der Mundsoor beim Säugling, bei älteren Menschen mit Zahnersatz oder nach der Anwendung kortisonhaltiger Sprays sowie die Windeldermatitis des Säuglings.
Subkutane Mykosen sitzen im Unterhautgewebe und entstehen typischerweise dann, wenn Pilzsporen mit einer Verletzung in die Tiefe gelangen; in Mitteleuropa sind sie selten. Als schwerste Form gelten die systemischen oder invasiven Mykosen, bei denen der Erreger in die Blutbahn oder in innere Organe eindringt. Dazu gehören die invasive Candidose, die Aspergillose der Lunge und die Kryptokokkose, die vor allem die Hirnhäute befällt. Eine Sonderstellung nehmen die endemischen Mykosen wie die Histoplasmose ein: Ihre Erreger kommen nur in bestimmten Regionen der Erde vor und werden in Mitteleuropa meist bei Menschen gefunden, die sich dort aufgehalten haben.
Wer besonders gefährdet ist
Weil die meisten humanpathogenen Pilze Opportunisten sind, entscheidet weniger der Kontakt mit dem Erreger über eine Erkrankung als der Zustand der Abwehr. Ein besonders hohes Risiko für invasive Mykosen tragen Menschen mit einer stark verminderten Zahl neutrophiler Granulozyten, einer Neutropenie, wie sie unter einer Chemotherapie bei Leukämie und anderen Krebserkrankungen auftritt. Ebenfalls gefährdet sind Patientinnen und Patienten nach einer Organtransplantation oder einer Stammzelltransplantation, die dauerhaft Medikamente zur Immunsuppression einnehmen, sowie Menschen mit fortgeschrittener HIV-Infektion.
Auf Intensivstationen kommen weitere Umstände hinzu: eine längere Behandlung mit Breitbandantibiotika, die die bakterielle Begleitflora zurückdrängt, zentrale Venenkatheter und andere Zugänge als Eintrittspforte, künstliche Beatmung, große Bauchoperationen und die künstliche Ernährung. Aus diesem Zusammenspiel erklärt sich, warum Pilzinfektionen im Krankenhaus einen anderen Stellenwert haben als in der hausärztlichen Praxis.
Für die weitaus häufigeren oberflächlichen Mykosen sind die begünstigenden Umstände andere und alltäglicher: feuchtwarme Haut in den Zehenzwischenräumen, luftundurchlässiges Schuhwerk, Barfußlaufen in Schwimmbädern und Umkleiden, kleine Hautverletzungen, ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus sowie das höhere Lebensalter, in dem die Nägel langsamer wachsen und die Durchblutung nachlässt. Örtlich oder inhalativ angewendetes Kortison begünstigt einen Pilzbefall an der behandelten Stelle. Diese Formen sind hartnäckig und unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich; die Behandlung zielt darauf, die Ausbreitung und die Weitergabe an andere zu unterbinden.
Was ein Befund aussagt und was nicht
Der Nachweis eines Pilzes ist nicht gleichbedeutend mit einer Erkrankung. Hefen der Gattung Candida gehören bei vielen gesunden Menschen zur normalen Besiedelung von Mund, Darm und Scheide. Werden sie in Material gefunden, das nicht steril gewonnen wurde, etwa im Auswurf oder im Stuhl, ist das für sich genommen kein Krankheitsbeweis. Leitlinien zur Diagnostik invasiver Pilzinfektionen halten deshalb fest, dass der Nachweis von Hefepilzen im Sputum und in der bronchoalveolären Lavage so lange als Verunreinigung oder als Besiedelung zu werten ist, bis eine invasive Pilzerkrankung im Gewebe nachgewiesen wurde. Umgekehrt schließt ein unauffälliges Ergebnis eine Mykose nicht aus: Kulturen brauchen Zeit, sie können nach einer bereits begonnenen antimykotischen Behandlung stumm bleiben, und bei Schimmelpilzinfektionen fällt die Anzucht aus dem Blut häufig negativ aus.
Deshalb wird die Diagnostik gestuft und kombiniert. Neben Mikroskopie und Kultur wird entnommenes Gewebe feingeweblich untersucht, wobei Spezialfärbungen wie die Perjodsäure-Schiff-Reaktion, die Grocott-Methenamin-Silber-Färbung oder optische Aufheller die Pilzstrukturen sichtbar machen. Bei Risikopatienten kommen Antigennachweise hinzu, etwa der Galactomannan-Test auf Aspergillus im Blut oder der Antigentest auf Cryptococcus neoformans im Nervenwasser; ergänzend kann auf 1,3-beta-D-Glucane untersucht werden, einen Zellwandbaustein vieler Pilze. Molekularbiologische Verfahren weisen Erbmaterial des Erregers nach und werden gemeinsam mit den Antigentests beurteilt. Bildgebende Verfahren zeigen, wo im Körper ein Herd sitzt. Erst das Gesamtbild aus Beschwerden, Bildgebung und Labor führt zur Diagnose und damit zur Entscheidung über eine Behandlung.
Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln
Ein Teil der Schimmelpilze bildet Stoffwechselprodukte, die für den Menschen giftig sind. Zu den bekanntesten dieser Mykotoxine gehören die Aflatoxine, die von bestimmten Stämmen der Schimmelpilzarten Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus gebildet werden. Betroffen sind vor allem ölhaltige Samen und Nüsse wie Pistazien, Erdnüsse, Mandeln, Walnüsse und Haselnüsse, außerdem Getreide wie Reis und Mais, getrocknete Früchte, besonders Feigen, sowie Kräuter und Gewürze. Hauptzielorgan der Aflatoxine ist die Leber; die Internationale Agentur für Krebsforschung führt sie in ihrer höchsten Kategorie krebserzeugender Stoffe.
Für den Alltag ist eine Eigenschaft dieser Gifte entscheidend: Mit den Sinnen sind sie nicht zu erkennen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit formuliert das knapp – Mykotoxine kann man nicht sehen oder riechen. Sichtbar ist allenfalls der Pilzrasen, nicht das Gift, und der Rasen ist kein Maß für die Belastung: Bei den meisten Schimmelarten hat sich das Pilzgeflecht bereits unsichtbar in größere Bereiche des Lebensmittels ausgebreitet, sodass das Abschneiden der befallenen Stelle nicht genügt. Hinzu kommt, dass Mykotoxine fast alle hitze- und säurestabil sind: Kochen, Braten, Backen oder Einlegen in Säure zerstören sie nicht. Behörden raten daher, verschimmelte Lebensmittel nicht mehr zu verzehren, sondern zu entsorgen und sie dabei nicht offen stehen zu lassen. Die zulässigen Höchstgehalte in Lebensmitteln sind rechtlich geregelt und werden von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert.
Antimykotika und ihre Grenzen
Die Wirkstoffe gegen Pilze lassen sich in wenige Gruppen ordnen. Die Azole hemmen den Aufbau des Ergosterols, eines Bausteins der Pilzzellmembran, den menschliche Zellen nicht besitzen; zu ihnen zählen die weiter oben genannten Substanzen Ketoconazol, Fluconazol und Voriconazol. Polyene wie Amphotericin B lagern sich in die Membran ein und machen sie durchlässig. Allylamine wie Terbinafin greifen ebenfalls in die Ergosterolbildung ein, allerdings an anderer Stelle. Eine jüngere Gruppe, die Echinocandine, hemmt den Aufbau der Zellwand und wird bei schweren Candida-Infektionen eingesetzt.
Weil Pilze wie der Mensch echte Zellkerne und einen in vielem ähnlichen Stoffwechsel besitzen, ist die Zahl der Angriffspunkte klein, die sich treffen lassen, ohne den Wirt zu schädigen. Das erklärt, warum weit weniger Antimykotika als Antibiotika zur Verfügung stehen und warum unerwünschte Wirkungen bei der systemischen Anwendung eine größere Rolle spielen als bei der örtlichen. Azole werden zudem über dieselben Enzyme der Leber abgebaut wie zahlreiche andere Arzneimittel, sodass Wechselwirkungen zu beachten sind.
Hinzu kommt die Resistenzentwicklung. Das Robert Koch-Institut hat begonnen, Resistenzdaten zu Pilzen systematisch zu erfassen und auszuwerten; beobachtet werden dabei unter anderem mehrere Candida-Arten sowie Aspergillus fumigatus, deren Empfindlichkeit gegenüber Azolen und Echinocandinen sich unterschiedlich entwickelt. Die genaue Artbestimmung im Labor ist auch deshalb kein Selbstzweck: Manche Arten sind von vornherein weniger empfindlich gegenüber einzelnen Wirkstoffen, sodass die Wahl des Mittels davon abhängt, welche Art vorliegt.
Quellen
- Tietz, H.-J.: Mykosen.
ISBN: 9783931766498
- Hof, H., Schlüter, D.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132443198
- Suerbaum, S., Burchard, G. D., Kaufmann, S. H. E., et al. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I., Coors, E., Bahmer, F. A., et al.: Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446052
