Neutropenie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Neutropenie wird eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten im Blut bezeichnet. Neutrophile Granulozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen, sodass es bei einer Neutropenie zu schweren Allgemeinerkrankungen kommen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neutropenie?

Neutropenie
An einer Neutropenie Erkrankte sind anfälliger für Infekte und fühlen sich müde, abgeschlagen und schwach. Sie leiden unter Fieber, gelegentlich auch in Kombination mit Schüttelfrost.
© Sonja Birkelbach – stock.adobe.com

Die neutrophilen Granulozyten, kurz auch als Neutrophile bezeichnet, sind die häufigsten weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Die spezialisierten Immunzellen sind Teil der angeborenen Immunabwehr. Sie dienen der Erkennung und der Eliminierung von pathogenen Mikroorganismen. Die Neutrophilen können die Mikroorganismen aufnehmen und verdauen. Sie fungieren dabei als Phagozyten.

Des Weiteren enthalten ihre Granulavesikel verschiedene Stoffe, die Bakterien und andere Erreger zerstören können. Ferner können die neutrophilen Granulozyten die sogenannten NETs (Neutrophile Extracellular Traps) bilden. Es handelt sich dabei um Chromatinstrukturen, die Mikroorganismen binden und somit unschädlich machen können. Diese Funktionen sind bei der Neutropenie aufgrund des Mangels an neutrophilen Granulozyten nur noch eingeschränkt möglich.

Normalerweise beinhaltet ein Mikroliter Blut 1800 bis 8000 Neutrophile. Von einer Neutropenie sprechen Ärzte bei Erwachsenen, wenn weniger als 1500 Neutrophile pro Mikroliter Blut vorhanden sind; zwischen 1000 und 1500 liegt eine leichte Form vor. Bei 500 bis 1000 Neutrophilen pro Mikroliter Blut liegt eine moderate Neutropenie vor. Schwere Neutropenien beginnen bei einer Neutrophilenzahl unter 500 pro Mikroliter Blut. Fällt die Zahl der Neutrophilen praktisch auf null, wird dies als Agranulozytose bezeichnet; sie ist die schwerste Form der Neutropenie.

Das Gegenstück zur Neutropenie ist die Neutrophilie, bei der die Zahl der neutrophilen Granulozyten über dem Normbereich liegt. Beide Begriffe unterscheiden sich nur um wenige Buchstaben, bezeichnen aber genau entgegengesetzte Befunde.

Ursachen

Die mit Abstand häufigste Ursache einer Neutropenie ist heute die Chemotherapie bei einer Krebserkrankung: Die Zytostatika schädigen das Knochenmark vorübergehend mit, sodass die Zahl der Neutrophilen etwa sieben bis vierzehn Tage nach der Gabe ihren tiefsten Punkt erreicht. Daneben kann die Ursache einer Neutropenie auf unterschiedlichen Ebenen liegen. Zum einen kann eine verminderte Bildung von Granulozyten für die Neutropenie verantwortlich sein. Wichtigste Ursache für eine solche Bildungsstörung ist eine Schädigung des Knochenmarks. Dabei kann das Knochenmark durch Chemikalien, giftige Pflanzen oder durch Arzneimittel wie Diuretika, Griseofulvin, Chemotherapeutika, Antibiotika, Chloramphenicol oder Sulfonamide geschädigt werden.

Auch Infektionen können Knochenmarksschädigungen hervorrufen. Zu Knochenmarksschädigungen kommt es zum Beispiel nach Infektionen mit Parvoviren, mit dem Epstein-Barr-Virus oder mit dem HI-Virus. Auch immunbedingte oder neoplastische Knochenmarksschädigungen können eine Neutropenie bedingen. Neoplasien, die mit einer Schädigung des Knochenmarks einhergehen, sind zum Beispiel Leukämien oder Myelofibrosen.

Auch ein erhöhter Verbrauch der Granulozyten kann zu einer Neutropenie führen. Neutrophile Granulozyten werden insbesondere bei akuten Entzündungen verbraucht. Übersteigt der Bedarf die Produktionskapazitäten des Knochenmarks, kommt es zu einer Abnahme der Neutrophilen im Blut. Dabei tritt kurzzeitig eine sogenannte Linksverschiebung auf, bei der über einen bestimmten Zeitraum vermehrt unreife Neutrophile und ihre Vorläuferzellen freigesetzt werden.

Eine Neutropenie aufgrund eines erhöhten Verbrauchs tritt vor allem bei sehr schweren Erkrankungen wie Sepsis, schwerer Lungenentzündung oder Peritonitis auf. Eine sogenannte Dysgranulopoese kann ebenfalls eine Neutropenie hervorrufen. Bei der Dysgranulopoese ist die Bildung der neutrophilen Granulozyten gestört. Die Ursache kann im Entwicklungszyklus der Immunzellen oder in einer reduzierten Freisetzung liegen.

Einer Dysgranulopoese können akute myeloische Leukämien, AIDS oder Myelodysplasien zugrunde liegen. Eine akute aber nur vorübergehende Neutropenie kann durch eine Verlagerung der neutrophilen Granulozyten aus dem zirkulierenden Blut an die Gefäßwände, den sogenannten Randpool, ausgelöst werden.

Auslöser für eine solche Verlagerung sind Endotoxine oder eine Anaphylaxie im Rahmen einer schweren allergischen Reaktion. Angeborene Neutropenien treten nur selten auf. Beispiele für solche angeborenen Neutropenien sind das Kostmann-Syndrom und die Glykogenose Typ 1b.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Mangel an neutrophilen Leukozyten verursacht zunächst keine Symptome. Die betroffenen Personen sind allerdings deutlich infektanfälliger, da durch den Mangel das Immunsystem nur eingeschränkt funktioniert. Bei einer schweren Neutropenie kann es somit zu lebensbedrohlichen Infektionen kommen.

Zudem fühlen sich die Patienten müde, abgeschlagen und schwach. Sie leiden unter Fieber, gelegentlich auch in Kombination mit Schüttelfrost. Charakteristisch für eine Neutropenie sind schmerzhafte Geschwüre an der Mundschleimhaut oder am Zahnfleisch. Sie entstehen, weil die Abwehrzellen fehlen, die die normale Mundflora in Schach halten. Daneben tritt häufig ein Mundsoor auf, eine Pilzinfektion mit Candida, die sich durch abwischbare weißliche Beläge zeigt.

Zu beachten ist, dass die üblichen Entzündungszeichen bei einer schweren Neutropenie weitgehend fehlen können: Eiter, Rötung und Schwellung entstehen erst durch die eingewanderten Granulozyten. Fieber ist deshalb bei Betroffenen mit schwerer Neutropenie oft das einzige Zeichen einer bereits schweren Infektion und darf niemals als harmlos abgetan werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei einer vermehrten Infektanfälligkeit entsteht schnell der Verdacht auf einen Mangel an Leukozyten. Wenn der Arzt eine Neutropenie vermutet, wird er eine Blutprobe im Labor untersuchen lassen. Im Differenzialblutbild werden die einzelnen Blutzellen gezählt. Bei einer Neutropenie zeigt sich im Blutbild ein deutlicher Mangel an neutrophilen Granulozyten. In schweren Fällen existieren weniger als 500 Neutrophile pro Mikroliter Blut. Normal sind Zahlen zwischen 1800 und 8000.

Steht die Diagnose Neutropenie, muss möglichst schnell die Ursache ausfindig gemacht werden. Hinweise auf die Ursprungserkrankung liefern die Anamnese und die klinische Untersuchung. Weitere Symptome wie Schwäche, Atemnot, Knochenschmerzen oder ein Druckgefühl im Bauch können auf eine Leukämie hinweisen.

Möglicherweise lässt sich sogar eine vergrößerte Milz tasten. Um eine Bildungsstörung im Knochenmark als Ursache auszuschließen, kann aus dem Beckenknochen eine Knochenmarksbiopsie entnommen werden.

Komplikationen

Eine Neutropenie birgt ein hohes Risiko für schwere bakterielle Infektionen, weil die Immunabwehr aufgrund der reduzierten Anzahl der neutrophilen Granulozyten deutlich herabgesetzt ist. Für Virusinfektionen ist allein der Mangel an neutrophilen Granulozyten dagegen kaum bedeutsam; sie werden vor allem von anderen Abwehrzellen kontrolliert. Wer die Neutropenie im Rahmen einer Chemotherapie entwickelt, ist allerdings auch für Virusinfektionen anfälliger, weil die Behandlung das Immunsystem insgesamt schwächt – häufig sind dann Reaktivierungen von Lippenherpes oder Gürtelrose. Deutlich erhöht ist daneben das Risiko für Pilzinfektionen, etwa mit Candida oder mit dem Schimmelpilz Aspergillus; sie treten vor allem dann auf, wenn eine schwere Neutropenie länger als eine Woche anhält. Es handelt sich um ein Krankheitsbild, welches neben angeborenen Ursachen oftmals wiederum eine Komplikation einer zugrunde liegenden Erkrankung darstellt.

Des Weiteren kann es auch eine Folge der Einnahme bestimmter Medikamente oder von bestimmten Behandlungsmethoden sein. Diese Risikofaktoren können sogar zum vollständigen Verlust der neutrophilen Granulozyten mit verheerenden Auswirkungen führen. Die vollständige Abwesenheit der entsprechenden Granulozyten, auch als Agranulozytose bezeichnet, ist von einem sehr schweren Krankheitsbild mit Schüttelfrost, Fieber und stark erhöhter Herzfrequenz gekennzeichnet. Dieses wird durch eine regelrechte Invasion des Körpers mit Bakterien hervorgerufen.

Mit dem Fehlen der neutrophilen Granulozyten fehlt auch die Erstabwehr des Körpers gegen diese Eindringlinge. Neben dem Fieber und Schüttelfrost kommt es zum Absterben der Schleimhäute im Pharynx (Rachen), in den Tonsillen (Mandeln) und gar im Anal- sowie Genitalbereich. Begleitet wird das Ganze durch lokale Lymphknotenschwellungen. Im Mundbereich entstehen schmerzhafte Aphthen in Form einer Stomatitis aphthosa.

Im Rahmen der Agranulozytose kann es wiederum zu einer lebensgefährlichen Sepsis kommen. Zur Rettung des Lebens der Patienten sind neben dem Einsatz von Breitbandantibiotika strenger Infektionsschutz und das Absetzen auslösender Medikamente erforderlich. Über das Absetzen entscheidet dabei ausschließlich der behandelnde Arzt: Wer ein verordnetes Medikament auf eigene Faust weglässt, riskiert, dass die Grunderkrankung außer Kontrolle gerät. Umgekehrt sollten Betroffene bei einer neu aufgetretenen Neutropenie ungefragt alle eingenommenen Präparate offenlegen, auch rezeptfreie Schmerz- und Schilddrüsenmittel, weil diese als Auslöser in Frage kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Fieber bei einer bekannten Neutropenie ist ein medizinischer Notfall. Wer eine schwere Neutropenie hat – etwa während einer Chemotherapie – und eine Temperatur von einmalig 38,3 Grad Celsius oder von 38,0 Grad Celsius über mehr als eine Stunde misst, muss sofort und ohne abzuwarten die behandelnde Klinik ansprechen. Diese sogenannte febrile Neutropenie erfordert die Gabe von Antibiotika über die Vene innerhalb der ersten Stunde, weil sich sonst binnen weniger Stunden eine tödlich verlaufende Sepsis entwickeln kann. Ein Termin beim Hausarzt am nächsten Tag ist dafür nicht ausreichend.

Kommen Schüttelfrost, ein abfallender Blutdruck, Benommenheit oder Verwirrtheit, schnelle Atmung oder eine marmorierte Haut hinzu, sind das Zeichen einer beginnenden Blutvergiftung. Dann ist unverzüglich der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 zu alarmieren.

Unterhalb dieser Notfallschwelle gilt: Medizinischer Rat ist insbesondere bei Beschwerden gefragt, die scheinbar grundlos auftreten und mit einem körperlichen Unwohlsein verbunden sind. In diesen Fällen liegt womöglich eine Neutropenie zugrunde, die unbehandelt weitere körperliche Probleme bedingen kann. Wer den Hausarzt oder eine Notaufnahme aufsucht, sollte dabei unaufgefordert auf die bekannte Neutropenie hinweisen, damit die Dringlichkeit richtig eingeschätzt wird. Personen, die in Verbindung mit einer Chemo- oder Strahlentherapie unter den genannten Beschwerden leiden, sollten den zuständigen Arzt informieren.

Auch Menschen mit einer Immunstörung gehören zu den Risikogruppen und konsultieren am besten zügig den Hausarzt. Der Mediziner kann die Neutropenie diagnostizieren und eine Behandlung einleiten. Ebenso sollten Menschen, die dauerhaft Medikamente einnehmen, die das Knochenmark schädigen können, ärztlichen Rat einholen. Neben der Hausarztpraxis ist ein Internist oder ein auf Blutkrankheiten spezialisierter Onkologe der richtige Ansprechpartner. Kinder werden beim Auftreten der erwähnten Symptome am besten dem Kinderarzt vorgestellt.

Behandlung & Therapie

Die Therapie ist von der Grunderkrankung abhängig. Zur symptomatischen Behandlung erhalten die Patienten Granulozyten-koloniestimulierende Faktoren (G-CSF). G-CSF ist ein Peptidhormon, das die Bildung von Granulozyten anregt. Der Arzneistoff wird entweder aus E. coli oder aus CHO-Zellen hergestellt.

Die großen Krebsfachgesellschaften empfehlen eine vorbeugende Behandlung mit G-CSF, wenn das Risiko einer febrilen Neutropenie, also einer Neutropenie mit Fieber, durch das geplante Chemotherapieschema bei 20 Prozent oder darüber liegt. Bei einem Risiko zwischen 10 und 20 Prozent wird individuell entschieden, etwa anhand des Alters und der Begleiterkrankungen. Ergänzend gehört zur Behandlung einer bereits eingetretenen febrilen Neutropenie die umgehende Gabe von Breitbandantibiotika über die Vene, noch bevor der Erreger bekannt ist. Eventuell kann eine Umkehrisolierung erforderlich sein. Bei der Umkehrisolierung werden Menschen mit einem schwachen Immunsystem isoliert. Der Aufenthalt in speziellen Isolierstationen in Krankenhäusern soll die Patienten vor Infektionserkrankungen schützen.

Auf den Isolierstationen gibt es Schleusen vor den Patientenzimmern. Personal und Besucher dürfen die Zimmer nur mit Schutz und nach bestimmten Desinfektionsmaßnahmen betreten. Unabhängig von der symptomatischen Therapie muss eine ursächliche Therapie erfolgen. Liegt der Neutropenie eine schwere Infektionskrankheit zugrunde, so werden sich die Blutwerte nach dem Abklingen der Infektion wieder normalisieren. Erkrankungen des Knochenmarks erfordern hingegen eine spezielle Behandlung.


Aussicht & Prognose

Entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf und damit für die Prognosestellung ist die Klärung der Ursache bei der Neutropenie. Häufig erfolgt eine Feststellung des gesundheitlichen Zustandes erst nach einem längeren Zeitraum. Die Patienten leiden zumeist an einer erhöhten Infektanfälligkeit, sodass die eigentliche Diagnosestellung der Neutropenie meist sehr spät stattfindet. Anders liegt der Fall bei Patienten unter einer Chemotherapie: Bei ihnen wird das Blutbild engmaschig kontrolliert, sodass die Neutropenie frühzeitig auffällt und rechtzeitig gegengesteuert werden kann.

Je frühzeitiger die Ursache ermittelt werden kann, desto besser ist der weitere Verlauf. Eine spezielle Therapie ist notwendig, um den Patienten bestmöglich zu behandeln. Durch eine medikamentöse Therapie kann eine erhebliche Linderung der Beschwerden erfolgen. Zudem ist in einigen Fällen eine Knochenmarktransplantation notwendig, um eine Verbesserung des allgemeinen gesundheitlichen Zustandes zu erzielen.

Eine vollständige Genesung wird bei vielen Patienten trotz aller Bemühungen nicht erreicht. Die Behandlung ist mit zahlreichen Komplikationen verbunden, sodass eine Heilung nicht immer gegeben ist. Der Patient benötigt eine Langzeitbehandlung sowie regelmäßige medizinische Kontrollen, damit der Organismus bestmöglich unterstützt wird.

Diese ungünstige Einschätzung gilt allerdings vor allem für angeborene Neutropenien und für solche infolge einer Erkrankung des Knochenmarks. Die weitaus häufigeren Formen verlaufen deutlich günstiger: Eine Neutropenie nach einer Chemotherapie bildet sich in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen nach dem Behandlungszyklus von selbst zurück, und eine durch ein Medikament ausgelöste Neutropenie erholt sich meist innerhalb weniger Wochen, nachdem der Auslöser abgesetzt wurde.

Da die Erkrankung mit einer Reihe von Beeinträchtigungen verbunden ist, stellt sie eine immense Belastung für den Patienten sowie dessen Angehörigen dar. Der Alltag muss den körperlichen Gegebenheiten angepasst werden. Dies führt häufig dazu, dass der Betroffene langfristig über ein vermindertes Wohlbefinden berichtet und psychische Folgestörungen möglich sind. Oft sind Aufenthalte in isolierten Stationen notwendig, um Verbesserungen zu erzielen.

Vorbeugung

Den meisten Neutropenien lässt sich nicht vorbeugen. Wenn bei der Chemotherapie ein erhöhtes Risiko besteht, kann präventiv G-CSF verabreicht werden.

Nachsorge

In den meisten Fällen sind die Maßnahmen und die Möglichkeiten der Nachsorge bei der Neutropenie deutlich eingeschränkt. Aus diesem Grund sollte der Betroffene schon bei den ersten Anzeichen und Beschwerden der Erkrankung sofort einen Arzt aufsuchen, um das weitere Auftreten von anderen Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Je nach Ursache kann sich eine Neutropenie durchaus von selbst zurückbilden, etwa nach dem Abklingen einer Infektion oder nach dem ärztlich angeordneten Absetzen eines auslösenden Medikaments. Die Ursache muss aber in jedem Fall ärztlich geklärt werden, weil sich dahinter auch eine schwere Erkrankung des Knochenmarks verbergen kann.

Die meisten Patienten sind während der Behandlung auf regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt angewiesen, um den Verlauf des Blutbildes zu überwachen und Infektionen früh zu erkennen. Dabei sollte sich der Betroffene bei der Neutropenie gegen verschiedene Infektionen besonders gut schützen. Dazu gehören sorgfältige Händehygiene, das Meiden von Menschenansammlungen und von Personen mit Infekten sowie der Verzicht auf rohe Lebensmittel während der Phase mit sehr niedrigen Werten. Häufig ist dabei auch die Pflege und die Unterstützung durch die eigene Familie sehr wichtig, wodurch die Entstehung von Depressionen und andere psychische Verstimmungen gelindert werden kann.

In der Phase mit sehr niedrigen Werten sollte sich der Patient ausruhen und schonen, wobei von größeren Anstrengungen abzusehen ist, um den Körper nicht unnötig zu belasten. Eine dauerhafte Schonung ist damit nicht gemeint: Nach der Erholung des Blutbildes ist moderate Bewegung ausdrücklich sinnvoll. Die Neutropenie kann dabei in einigen Fällen auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringern. Weitere Maßnahmen einer Nachsorge stehen dem Patienten dabei in der Regel nicht zur Verfügung.

Quellen

  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J. (Hrsg.): Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Kreuzer, K.-A. (Hrsg.): Referenz Hämatologie.
    ISBN: 9783132400535
  • Andreesen, R., Heimpel, H. (Hrsg.): Klinische Hämatologie.
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  • Haferlach, T., Diem, H., Engels, K., et al. (Hrsg.): Taschenatlas Hämatologie.
    ISBN: 9783132460348
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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