Chloramphenicol

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Chloramphenicol ist ein Breitbandantibiotikum, das aufgrund der möglichen schweren Nebenwirkungen nur noch als Reserveantibiotikum bei schweren, anders nicht zu beherrschenden bakteriellen Infektionen angewendet wird. Es kann eine aplastische Anämie auslösen, die lebensbedrohlich ist. In Deutschland ist Chloramphenicol nur noch in einer Augensalbe als Fertigarzneimittel im Handel; die Abschnitte dieses Artikels zur innerlichen Anwendung betreffen daher den Gebrauch außerhalb Deutschlands sowie die frühere Anwendung im Inland.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Chloramphenicol?

Chloramphenicol
Chloramphenicol wird aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils nur als Reserveantibiotikum eingesetzt, wenn andere Therapieoptionen entweder nicht zur Verfügung stehen oder versagt haben.
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Chloramphenicol ist ein Breitbandantibiotikum, das, aufgrund der Möglichkeit einer aplastischen Anämie als auftretender Nebenwirkung, nur noch als Reserveantibiotikum zum Einsatz kommt. Es wurde 1947 erstmals aus dem Bakterium Streptomyces venezuelae gewonnen. Heute wird es nur noch vollsynthetisch hergestellt.

Unter der Behandlung mit Chloramphenicol kann eine lebensbedrohliche aplastische Anämie auftreten. Aus diesem Grund wird es nicht breit eingesetzt, sondern findet nur als Reserveantibiotikum bei anders nicht zu beherrschenden bakteriellen Infektionen Einsatz. Prinzipiell besitzt es jedoch ein breites Wirkspektrum gegen grampositive und gramnegative Bakterien.

Auch bei der örtlichen Anwendung sind systemische Nebenwirkungen möglich; Zulassungen zur örtlichen Anwendung bestehen gleichwohl nach wie vor, etwa in Hautarzneien, Augen- und Ohrentropfen und Augensalben. In Deutschland ist davon nur noch eine Augensalbe auf dem Markt. Es ist allerdings zu beachten, dass das Auftreten systemischer Nebenwirkungen bei topischer Behandlung sehr gering ist. Somit sollte immer eine individuelle Abwägung stattfinden. Die Risiken der topischen Anwendung des Chloramphenicols werden in der Fachwelt kontrovers diskutiert.

In der Veterinärmedizin wird Chloramphenicol gegen die Chytridiomykose, eine Pilzerkrankung bei Amphibien, eingesetzt. Es ist also auch gegen den Chytridpilz (einen Pilz) wirksam.

Pharmakologische Wirkung

Chloramphenicol verhindert die Translation der mRNA in eine Kette von Aminosäuren. Es ist somit ein sog. Translationshemmer. Dazu bindet es an die große Untereinheit des bakteriellen Ribosoms und unterbindet dort die Verknüpfung der Aminosäuren zu einer Eiweißkette. Dies führt zur Hemmung des Aufbaus bakterieller Eiweiße und somit auch zur Hemmung des Wachstums und der Vermehrung der Bakterien. Chloramphenicol ist somit ein bakteriostatisches Antibiotikum.

Es ist gut gewebegängig, auch durch die Plazenta (Mutterkuchen) und die Muttermilch. Bei oraler Applikation beträgt die Bioverfügbarkeit 80%, bei intramuskulärer Injektion 70%. Die Plasmaproteinbindung beträgt zwischen 50 und 60%, die Plasmahalbwertszeit liegt bei 1,5 bis 3,5 Stunden. Bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen verlängert sich die Plasmahalbwertszeit, was in der Dosierung zu berücksichtigen ist. Die Metabolisierung erfolgt hepatisch, fast ausschließlich über die Glucuronidierung. Die Elimination erfolgt anschließend renal.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Chloramphenicol wird aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils nur als Reserveantibiotikum eingesetzt, wenn andere Therapieoptionen entweder nicht zur Verfügung stehen oder versagt haben. Die Hauptindikationen sind somit schwere, nicht anders zu beherrschende bakterielle Infektionen. Zu diesen Indikationen des Chloramphenicols zählen Typhus, Paratyphus, Ruhr, Diphtherie und Rickettsiosen. Diese Anwendungsgebiete betreffen die innerliche Behandlung, für die es in Deutschland kein Fertigarzneimittel mehr gibt.

Neben den genannten Indikationen kann Chloramphenicol aufgrund der guten Liquorgängigkeit als Reserveantibiotikum bei einer durch Pneumokokken oder Haemophilus influenzae verursachten Meningitis eingesetzt werden.

Topisch wird Chloramphenicol zur Behandlung der Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und zur Behandlung von Hornhautinfektionen eingesetzt. Auch bei einer Blepharitis (Entzündung der Augenlider) kommt Chloramphenicol zum Einsatz. Weiterhin wird es bei Infektionen der Haut und bei Ekzemen eingesetzt.


Verabreichung & Dosierung

Soweit dieser Abschnitt die Einnahme und die Infusion beschreibt, betrifft er Darreichungsformen, die in Deutschland nicht mehr als Fertigarzneimittel erhältlich sind. Bei der Verabreichung von Chloramphenicol ist besondere Vorsicht geboten, da es sich um ein stark wirksames Antibiotikum handelt, das schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen kann. Chloramphenicol wird in verschiedenen Formen verabreicht, darunter oral, intravenös oder topisch. Die genaue Dosierung hängt von der Art und Schwere der Infektion sowie vom Alter, Gewicht und Gesundheitszustand des Patienten ab.

Die übliche orale oder intravenöse Dosierung für Erwachsene beträgt in der Regel 50 mg/kg Körpergewicht pro Tag, aufgeteilt in 4 Dosen. Bei schweren Infektionen kann die Dosierung auf bis zu 100 mg/kg Körpergewicht pro Tag erhöht werden. Die Dauer der Therapie variiert je nach Infektion, beträgt aber in der Regel 7 bis 14 Tage.

Besondere Vorsicht ist bei Neugeborenen geboten, da sie ein erhöhtes Risiko für das sogenannte "Gray-Syndrom" haben, eine potenziell tödliche Nebenwirkung, die durch eine Akkumulation des Medikaments entsteht. Für Neugeborene und Säuglinge ist daher eine reduzierte Dosis und eine sorgfältige Überwachung erforderlich.

Wegen des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen, wie aplastischer Anämie, sollte Chloramphenicol nur bei schweren bakteriellen Infektionen eingesetzt werden, wenn weniger toxische Alternativen nicht verfügbar sind. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind während der Therapie notwendig, um Anzeichen einer Knochenmarksuppression frühzeitig zu erkennen.

Risiken & Nebenwirkungen

Die schwerste mögliche Nebenwirkung des Chloramphenicols ist die sog. aplastische Anämie. Sie tritt selten auf, ist jedoch lebensbedrohlich. Bei der aplastischen Anämie kommt es zu einer Schädigung des Knochenmarks, die dazu führt, dass kaum noch Blutzellen im Knochenmark produziert werden. Die aplastische Anämie kann auch noch Wochen und Monate nach der Therapie mit Chloramphenicol auftreten. Anzeichen dieser Anämie sind extreme Müdigkeit, Blutungen und eventuell schwere Infektionen. Sie tritt unabhängig von der Höhe der Dosis auf und ist auch nach örtlicher Anwendung am Auge beschrieben worden, wenn auch sehr selten. Davon zu unterscheiden ist eine zweite Form der Knochenmarkschädigung: eine dosisabhängige Hemmung der Blutbildung, die bei hohen Wirkstoffspiegeln auftritt und sich nach dem Absetzen des Medikaments wieder zurückbildet. Die Blutbildkontrollen während der Behandlung erfassen vor allem diese zweite Form.

Weitere Nebenwirkungen sind bei der lokalen Anwendung allergische Reaktionen, die sich durch Juckreiz, eine Hautrötung, Hautreizungen und Schwellungen äußern können. Bei systemischer Anwendung kann bei Neugeborenen das Gray-Syndrom auftreten. Weiterhin ist die Herxheimer-Reaktion eine mögliche Nebenwirkung.

Es ist zu beachten, dass Chloramphenicol mit Antikoagulantien, Methotrexat und Sulfonylharnstoffen interagiert. Es kommt hierbei zu einer Wirkungsverstärkung. Barbiturate und Phenytoin führen zu einer verminderten Wirksamkeit des Chloramphenicols. Bei Einnahme oraler Kontrazeptiva (z.B. der "Anti-Baby-Pille") ist darauf zu achten, dass Chloramphenicol die Wirksamkeit des Präparats beeinträchtigt. Es sollte also zusätzlich verhütet werden.

Bei Neugeborenen ist Chloramphenicol kontraindiziert. Weiterhin bestehen Kontraindikationen bei schwerer Leberinsuffizienz, Schwangerschaft und während der Stillzeit.

Präparate, die Chloramphenicol enthalten, sind verschreibungspflichtig. Bei Lebensmittel liefernden Tieren darf Chloramphenicol in der EU nicht angewendet werden.

Kontraindikationen

Chloramphenicol ist aufgrund seiner potenziell schweren Nebenwirkungen nur bei bestimmten Infektionen angezeigt, wenn sicherere Alternativen nicht wirksam sind. Eine der wichtigsten Kontraindikationen ist eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Chloramphenicol selbst oder einen seiner Bestandteile. Patienten mit einer solchen Vorgeschichte sollten das Medikament nicht erhalten.

Eine weitere bedeutende Kontraindikation betrifft Patienten mit einer bestehenden Knochenmarksschädigung oder einer Vorgeschichte von aplastischer Anämie, da Chloramphenicol das Risiko einer Knochenmarksuppression erheblich erhöht. Menschen mit bereits beeinträchtigter Knochenmarksfunktion sollten daher dieses Antibiotikum meiden.

Auch Neugeborene, insbesondere Frühgeborene, sollten Chloramphenicol nicht erhalten, da sie ein erhöhtes Risiko für das gefährliche "Gray-Syndrom" haben. Dieses Syndrom ist gekennzeichnet durch Atemprobleme, Zyanose (bläuliche Verfärbung der Haut) und Kreislaufkollaps, und kann tödlich verlaufen.

Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz müssen ebenfalls mit Vorsicht behandelt werden, da diese Organe entscheidend für die Ausscheidung des Medikaments sind. Eine eingeschränkte Funktion kann zu einer Akkumulation und erhöhtem Risiko für Toxizität führen. Bei Schwangeren und stillenden Frauen ist Chloramphenicol ebenfalls kontraindiziert, da es die Plazenta und Muttermilch durchqueren und das ungeborene oder neugeborene Kind schädigen kann.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Chloramphenicol weist mehrere wichtige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf, die bei seiner Verwendung beachtet werden müssen. Eine der bedeutendsten Interaktionen betrifft Arzneimittel, die ebenfalls eine Knochenmarksuppression verursachen können, wie z.B. Zytostatika (Chemotherapeutika) oder bestimmte antiretrovirale Medikamente. Wenn Chloramphenicol zusammen mit solchen Medikamenten verabreicht wird, kann das Risiko einer schweren Knochenmarksschädigung stark erhöht sein.

Chloramphenicol hemmt außerdem die Enzyme des Cytochrom-P450-Systems in der Leber, insbesondere CYP2C19. Dies kann zu einer Verlängerung der Halbwertszeit und verstärkten Wirkungen von Medikamenten führen, die über diesen Weg metabolisiert werden, wie z.B. Phenytoin, Warfarin und orale Hypoglykämika. Bei gleichzeitiger Anwendung von Chloramphenicol und Warfarin kann es beispielsweise zu einer verstärkten Blutgerinnungshemmung kommen, was das Risiko von Blutungen erhöht.

Ein weiteres wichtiges Beispiel ist die Wechselwirkung mit Rifampicin, einem Antibiotikum, das die Wirkung von Chloramphenicol durch Enzyminduktion abschwächen kann, was zu einer verringerten Wirksamkeit führt. Auch die gleichzeitige Anwendung von Penicillin oder Cephalosporinen sollte vermieden werden, da Chloramphenicol die bakterizide Wirkung dieser Antibiotika antagonisieren kann.

Zusätzlich kann Chloramphenicol bei gleichzeitiger Gabe mit oralen Kontrazeptiva deren Wirksamkeit verringern, was das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erhöht.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Chloramphenicol aufgrund von Unverträglichkeit oder Kontraindikationen nicht eingesetzt werden kann, stehen mehrere alternative Antibiotika zur Verfügung, die je nach Art der Infektion und dem Erreger ausgewählt werden. Bei bakteriellen Infektionen, die Chloramphenicol erfordern, wie z.B. Typhus oder bestimmte Formen der bakteriellen Meningitis, können andere Breitbandantibiotika als Alternativen dienen.

Für Typhus können Antibiotika wie Ciprofloxacin oder Azithromycin eingesetzt werden, die bei empfindlichen Erregern ähnliche Wirksamkeit zeigen. In Fällen von bakterieller Meningitis, bei denen Chloramphenicol als Reserveantibiotikum verwendet würde, können Antibiotika wie Ceftriaxon oder Meropenem eine geeignete Alternative darstellen.

Für Patienten mit Atemwegsinfektionen, bei denen Chloramphenicol in Erwägung gezogen wird, sind Makrolide wie Erythromycin oder Clarithromycin eine mögliche Alternative, da sie ebenfalls gegen viele bakterielle Erreger wirksam sind.

Bei Augenerkrankungen, für die Chloramphenicol lokal verwendet wird, können alternative Augentropfen mit Tobramycin oder Fusidinsäure eingesetzt werden, je nach Empfindlichkeit des Erregers.

Da Chloramphenicol oft als Reserveantibiotikum bei schweren Infektionen verwendet wird, sollte vor dem Wechsel auf ein alternatives Antibiotikum immer ein Empfindlichkeitstest durchgeführt werden, um die beste therapeutische Option zu gewährleisten.

Das heute erhältliche Präparat

In Deutschland ist Chloramphenicol nur noch in einem einzigen Fertigarzneimittel im Handel, einer Augensalbe. Sie wird bei schweren Infektionen der Bindehaut und der Hornhaut eingesetzt, deren Erreger gegen Chloramphenicol empfindlich sind. In der amtlichen Gliederung der Arzneimittel nach Wirkstoffgruppen ist der Stoff dementsprechend unter den Mitteln für das Auge eingeordnet – eine Einordnung, die den Bedeutungswandel des Stoffes genauer abbildet als jede Beschreibung seines Wirkspektrums.

Daneben führen die Verzeichnisse eine Reihe von Einträgen, die keine Fertigarzneimittel sind, sondern Ausgangsstoffe: Chloramphenicol als Substanz, in mikronisierter Form und als Salz der Bernsteinsäure. Diese Formen sind für die Herstellung in der Apotheke und für gewerbliche Zwecke bestimmt. Das Salz der Bernsteinsäure ist die wasserlösliche Form, die früher für die Gabe in die Vene verwendet wurde.

Der Wirkmechanismus im Einzelnen

Chloramphenicol ist fettlöslich und kann deshalb die Zellmembran der Bakterien durchdringen. Innerhalb der Zelle bindet es umkehrbar an ein bestimmtes Eiweiß der großen Untereinheit des bakteriellen Ribosoms. Dadurch wird die Übertragung von Aminosäuren auf die wachsende Eiweißkette verhindert – vermutlich, indem die Tätigkeit desjenigen Enzyms unterdrückt wird, das die Verknüpfung der Aminosäuren vermittelt. Die Folge ist, dass keine Peptidbindungen mehr geknüpft werden und die Eiweißherstellung zum Erliegen kommt.

Die Bindung ist umkehrbar; Chloramphenicol tötet die Bakterien nicht ab, sondern hindert sie an der Vermehrung. In den Fachinformationen anderer Antibiotika ist dazu eine Wechselwirkung vermerkt: Die Fachinformation des Beta-Lactam-Antibiotikums Ceftriaxon beschreibt Chloramphenicol ausdrücklich als dessen Gegenspieler im Reagenzglas und hält zugleich fest, dass die Bedeutung dieses Befundes für die Behandlung am Menschen unbekannt ist.

Zur Verteilung im Körper hält die Wirkstoffmonografie fest, dass Chloramphenicol nach der Einnahme über den Mund schnell und nahezu vollständig aufgenommen wird und auch nach der Spritze in den Muskel gut in den Kreislauf gelangt. Nach der Anwendung am Auge ist eine geringe Aufnahme in den Kreislauf möglich. Die schwerwiegendste Nebenwirkung ist gleichwohl auch für diese Anwendungsform beschrieben worden: Die Wirkstoffmonografie hält ausdrücklich fest, dass sie trotz der sehr geringen am Auge angewendeten Mengen auftreten kann und nicht von der Menge abhängt. Der Abbau erfolgt fast vollständig in der Leber durch Kopplung an Glucuronsäure. Die Verweildauer im Körper hängt stark vom Alter und vom Zustand der Leber und der Nieren ab: Bei eingeschränkter Leberfunktion ist sie deutlich verlängert, und bei Neugeborenen in den ersten Lebenstagen ist sie um ein Vielfaches länger als bei Erwachsenen und zugleich sehr unterschiedlich, besonders bei geringem Geburtsgewicht. Darin liegt die Anreicherung begründet, die im Abschnitt zur Verabreichung als Ursache des Grauen Syndroms genannt wird, und damit auch die Gegenanzeige für Neugeborene.

Stellung im heutigen Behandlungsablauf

Der Bedeutungswandel des Chloramphenicols lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: Der Stoff wirkt gegen eine große Zahl von Erregern, und er wird gleichwohl kaum noch eingesetzt – nach der Wirkstoffmonografie wegen des Risikos einer Schädigung des Knochenmarks. Die Wirkstoffmonografie formuliert es so, dass Chloramphenicol wegen der schwerwiegenden Nebenwirkungen – ausdrücklich genannt ist die Knochenmarkgiftigkeit einschließlich der aplastischen Anämie – gewöhnlich der Behandlung schwerer und lebensbedrohlicher Infektionen vorbehalten bleibt, und nennt als Beispiel das Typhusfieber.

Damit ist zugleich erklärt, warum sich die Bedeutung des Wirkstoffs zwischen den Jahrzehnten und zwischen den Weltregionen so stark unterscheidet. Dort, wo bessere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, ist Chloramphenicol aus der Behandlung verschwunden; wo sie fehlen, ist es ein preiswertes, breit wirksames und über den Mund einnehmbares Antibiotikum geblieben. Die Aussagen dieses Artikels zur inneren Anwendung beschreiben deshalb keinen historischen Zustand schlechthin, sondern einen, der in Deutschland vorbei und anderswo gegenwärtig ist.

Für die Anwendung am Auge gilt diese Einschränkung nicht. Hier ist Chloramphenicol in Deutschland weiterhin verfügbar, und die Wirkstoffmonografie beschreibt das Anwendungsgebiet im Präsens: schwere Infektionen der Bindehaut und der Hornhaut durch Erreger, die gegen den Wirkstoff empfindlich sind. Auch für diese Anwendungsform bleibt die schwerste Nebenwirkung jedoch beschrieben – wenn auch sehr selten –, weshalb auch die örtliche Behandlung am Auge eine Abwägung erfordert und nicht als harmlose Randanwendung gelten kann.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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