Pferdespulwurm
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Bezeichnung des Pferdespulwurms steht für einen Spulwurm, der den Organismus eines Pferdes befallen hat. Jede Pferdeweide gilt als befallen, da die Eier eines Pferdespulwurms bis zu 10 Jahre lebensfähig bleiben, wodurch sie sich lange auf andere Pferde übertragen können.
Was ist der Pferdespulwurm?
Der Pferdespulwurm ist eine eigene Art, die den wissenschaftlichen Namen Parascaris equorum trägt. Andere Arten aus der Gruppe dieser Parasiten befallen den Menschen, Affen, aber auch Bären. Der Pferdespulwurm kommt ohne einen Zwischenwirt aus, das Pferd ist zugleich sein einziger Wirt. Werden seine Eier vom Menschen verschluckt, können die Larven zwar in den Körper eindringen und durch das Gewebe wandern, sich dort aber nicht zu geschlechtsreifen Würmern entwickeln. Beim Menschen wird die Spulwurminfektion fast immer von der Art Ascaris lumbricoides verursacht.
Der Pferdespulwurm ist außerordentlich fortpflanzungsstark, da die Weibchen bis zu 200.000 Eier pro Tag legen können, die 10 Jahre lebensfähig bleiben. Im Ei eines Pferdespulwurms befindet sich eine Larve, die unter günstigen Bedingungen schlüpft. Aus diesem Grund gilt jede Pferdeweide grundsätzlich als befallen, allerdings brechen Infektionen nur unter schlechten hygienischen Bedingungen im Pferdestall aus.
Der Pferdespulwurm kann beim Pferd Darm, Leber und Lunge schwer schädigen und zum Tod des Tieres führen, vor allem wenn das betroffene Pferd bereits vorher nicht gesund war.
Spulwürmer und damit auch der Pferdespulwurm gehören zu den Fadenwürmern, die sich vorwiegend in den Därmen ihres Wirts aufhalten und sich von dort aus in den ganzen Körper verbreiten.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Ein Fohlen hat zunächst keinen Kontakt mit dem Pferdespulwurm, bis es das erste Mal auf eine Weide kommt. Denn ab dann übertragen sich die Pferdespulwürmer von den älteren Tieren, die dort grasen, auf das Fohlen - es muss sich jedoch nicht zwingend infizieren, wenn das Immunsystem gesund ist. Da schon Fohlen grundsätzlich mit dem Pferdespulwurm in Berührung kommen, dringen allerdings doch recht häufig einzelne Würmer in den Organismus ein und durchwandern ihn. Gesunde Pferde entwickeln dadurch bis etwa zum zweiten Lebensjahr eine verlässliche Resistenz gegen den Pferdespulwurm, weshalb echte Infektionen ab diesem Lebensjahr immer seltener werden.
Entwurmungen sorgen für den abschließenden Schutz davor. Bei Fohlen und Jährlingen ist jedoch Vorsicht geboten. Lange Zeit wurden Pferde dabei nach festen Zeitplänen behandelt; wegen zunehmender Resistenzen des Pferdespulwurms wird heute eine gezielte Entwurmung nach vorheriger Kotuntersuchung bevorzugt. Im Durchschnitt ist davon auszugehen, dass die vielen Eier eines Spulwurms bis zu 4 Jahre infektiös bleiben. Das bedeutet, dass die Larven im Ei jederzeit schlüpfen und sich im Wirt zu erwachsenen Würmern entwickeln könnten. Beim Pferdespulwurm sind es sogar maximal 10 Jahre.
Diese Widerstandskraft hat das Ei des Pferdespulwurms deswegen, weil es drei Hüllen besitzt. Es ist damit optimal gegen große Trockenheit, chemische Substanzen und hohe Temperaturen geschützt.
Lange Zeit ging man davon aus, dass rund 22 % der menschlichen Weltbevölkerung mit Spulwürmern infiziert sind. Nach heutigen Schätzungen sind es etwa 800 Millionen Menschen und damit rund zehn Prozent; verursacht werden diese Infektionen durch die menschliche Art Ascaris lumbricoides. Todesfälle sind dagegen selten. Der weibliche Pferdespulwurm kann bis zu 40 cm lang und 5 mm breit werden, ein männlicher Wurm wird bis zu 25 cm lang und 3 mm breit. Optisch erinnern Pferdespulwürmer an einen Regenwurm.
Die Parasiten haben eine Lebenserwartung von etwa 1 1/2 Jahren pro Individuum. Sie können sich eigenständig bewegen und sind dazu in der Lage, die Wände von inneren Organen wie dem Dünndarm oder der Leber zu durchdringen, wobei sie das durchwanderte Gewebe schädigen können.
Krankheiten & Beschwerden
Erst zwei Monate nach dem Eindringen einer noch nicht geschlüpften Larve des Pferdespulwurms ist dieser im Kot nachzuweisen. Das bedeutet, dass beim Pferd mit dem ersten Auftreten des Hustens noch nichts im Kot nachweisbar ist.
Ein weiteres Risiko neben einer schweren Lungenentzündung ist eine Verstopfung im Dünndarm, wenn zu viele Pferdespulwürmer sich dort aufhalten. Es kann vor allem bei Pferden zu lebensbedrohlichen Darmverschlingungen und -verstopfungen kommen.
Adulte Pferdespulwürmer können weiterhin die Bauchspeicheldrüsengänge blockieren und zu Koliken führen, Mangelernährung nach sich ziehen oder durch biochemische Prozesse und Veränderungen im Körper ihres Wirts versuchen, diesen durch Körperöffnungen wie Mund oder Nase zu verlassen. Ein Beispiel hierfür ist eine Narkose.
Auf die Larven und die adulten Stadien des Pferdespulwurms sind heftige allergische Reaktionen möglich, die ihrerseits zum Tod des Wirts führen können. Weitere Komplikationen können sich durch die Entzündung der Lungen eines befallenen Wirts ergeben, so etwa zu hohes Fieber oder asthmaartige Hustenanfälle.
Einordnung und Verwandtschaft
Der Pferdespulwurm gehört zu den Fadenwürmern und dort in die Verwandtschaftsgruppe der Spulwürmer im engeren Sinne. Deren Vertreter ähneln einander stark: langgestreckte, drehrunde, weißlich bis gelblich gefärbte Würmer mit glatter Oberfläche, drei Lippen am Vorderende und ohne Haftorgane. Sie leben als erwachsene Tiere im Dünndarm ihres Wirts, halten sich dort durch eigene Bewegung gegen den Nahrungsstrom und ernähren sich vom Darminhalt.
Innerhalb dieser Gruppe ist jede Art auf eine Wirtsart oder eine kleine Gruppe von Wirtsarten festgelegt. Beim Menschen ist es Ascaris lumbricoides, beim Schwein eine nahe verwandte Art, bei Hund und Katze sind es Arten einer anderen Gattung, und beim Pferd ist es Parascaris equorum. Die große äußere Ähnlichkeit hat lange zu Verwechslungen geführt und ist einer der Gründe, warum in älteren Darstellungen häufig unterschiedslos vom „Spulwurm“ die Rede ist.
Beim Pferd kommt zudem eine zweite, äußerlich kaum unterscheidbare Art vor. Sie wurde erst dadurch als eigenständig erkannt, dass sich die beiden in der Zahl ihrer Chromosomen unterscheiden. Welche der beiden Arten in einem Bestand vorliegt, lässt sich am ausgewachsenen Wurm nicht ablesen; die Unterscheidung erfordert eine Untersuchung des Erbmaterials. In der Praxis wird deshalb meist nicht zwischen ihnen getrennt.
Das Ei und seine Entwicklung in der Umwelt
Die Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden, sind zunächst nicht ansteckend. In ihnen befindet sich lediglich eine Zelle, aus der sich die Larve erst noch entwickeln muss. Diese Entwicklung findet außerhalb des Wirts statt und benötigt Wärme, Feuchtigkeit und Sauerstoff; sie dauert je nach Witterung Wochen. Frischer Kot ist daher nicht unmittelbar gefährlich – gefährlich wird eine Weide oder eine Box erst dann, wenn der Kot dort liegen geblieben ist und die Eier Zeit zum Ausreifen hatten.
Ist die Larve im Ei fertig entwickelt, beginnt die lange Wartezeit, für die das Ei bemerkenswert gut ausgestattet ist. Die äußerste seiner Hüllen ist klebrig und sorgt dafür, dass die Eier an Boxenwänden, Trögen, Tränken, Zaunpfählen, Stiefeln, Schubkarren und Putzzeug haften bleiben. Die inneren Hüllen schließen das Ei nahezu dicht ab. Deshalb wirken die meisten gebräuchlichen Desinfektionsmittel auf die Eier kaum, obwohl sie Bakterien zuverlässig abtöten – ein Punkt, der in der Stallhygiene regelmäßig unterschätzt wird.
Was hilft, ist die mechanische Entfernung: auf der Weide das regelmäßige Absammeln des Kots, im Stall das gründliche Reinigen der Oberflächen. Heißes Wasser, Dampf und direkte Sonneneinstrahlung auf trockenem Untergrund setzen den Eiern ebenfalls zu, während Kälte und Frost ihnen wenig anhaben können. Weil die Eier über Jahre im Boden liegen bleiben, führt es zu einer stetigen Anreicherung, wenn dieselben Flächen dauerhaft und dicht belegt beweidet werden.
Der Mensch als Fehlwirt
Für den Menschen ist der Pferdespulwurm ein Beispiel für das, was in der Parasitenkunde als Fehlwirt bezeichnet wird. Ein Fehlwirt ist ein Lebewesen, in das ein Parasit zwar hineingelangen kann, in dem er seine Entwicklung jedoch nicht zu Ende führt. Der Zyklus bricht ab; der Parasit gelangt von dort aus nicht weiter und kann auch nicht weitergegeben werden.
Für den Betroffenen bedeutet das nicht zwangsläufig, dass nichts geschieht. Wandernde Larven können auf ihrem Weg durch das Gewebe Reaktionen hervorrufen, ohne dass sich jemals erwachsene Würmer im Darm einfinden. Bekannt ist das vor allem von den Spulwürmern von Hund und Katze, deren Larven beim Menschen durch Leber, Lunge und in seltenen Fällen bis in das Auge wandern können. Ein entsprechendes Krankheitsbild durch den Pferdespulwurm ist beim Menschen kaum beschrieben.
Für den Stallalltag heißt das: Der Pferdespulwurm ist in erster Linie ein Hygieneproblem des Bestands. Die Spulwurminfektion des Menschen, die weltweit sehr verbreitet ist, geht auf eine eigene Art zurück, die über verunreinigte Nahrung und verunreinigten Boden von Mensch zu Mensch weitergegeben wird und mit der Pferdehaltung nichts zu tun hat.
Nachweis und Entwurmung beim Pferd
Der übliche Nachweis erfolgt über die Untersuchung einer Kotprobe, in der die Eier unter dem Mikroskop gezählt werden. Die Eier des Pferdespulwurms sind rund, dickwandig und dunkel und dadurch von den Eiern anderer Pferdewürmer gut zu unterscheiden. Das Verfahren hat allerdings eine Lücke: Es findet nur Würmer, die bereits geschlechtsreif sind und Eier legen. Während der Wochen, in denen die Larven durch Leber und Lunge wandern, bleibt die Kotprobe unauffällig, obwohl gerade in dieser Zeit deutliche Beschwerden auftreten können.
Bei der Entwurmung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Umdenken vollzogen, das sich nicht auf das Pferd beschränkt. Der regelmäßige Einsatz nach festem Kalender hat bei mehreren Pferdewürmern dazu geführt, dass die Mittel an Wirkung verloren haben. Beim Pferdespulwurm betrifft das vor allem eine Wirkstoffgruppe, die lange als besonders zuverlässig galt und die in vielen Ländern nicht mehr so wirkt wie früher; andere Wirkstoffgruppen sind gegen ihn vielfach noch wirksam.
Weil für Pferde nur selten neue Wirkstoffe hinzukommen, richtet sich das Vorgehen heute darauf, den Einsatz zu begrenzen und die Belastung stattdessen über die Haltung zu senken: getrennte Weiden für Fohlen und Jungpferde, regelmäßiges Absammeln des Kots, ausreichend große Flächen sowie eine Nachbeweidung durch andere Tierarten, deren Würmer für Pferde nicht ansteckend sind und die die Eier gewissermaßen aus dem Verkehr ziehen.
Andere Würmer des Pferdes
Der Pferdespulwurm ist nicht der einzige Wurm, der Pferde befällt, und für erwachsene Tiere ist er nicht einmal der wichtigste. Ihn von den übrigen zu unterscheiden, ist deshalb von praktischer Bedeutung.
Die kleinen Palisadenwürmer sind heute die häufigsten Würmer erwachsener Pferde. Ihre Larven bohren sich in die Schleimhaut des Dickdarms ein und können dort über Monate ruhen. Werden sie später in großer Zahl zugleich wieder aktiv, entsteht ein schweres Krankheitsbild mit Durchfall und Gewichtsverlust.
Die großen Palisadenwürmer wandern ähnlich wie der Spulwurm im Körper; ihr Weg führt jedoch in die Arterien, die den Darm versorgen. Sie waren früher eine häufige Ursache schwerer Koliken und sind durch regelmäßige Entwurmungen selten geworden.
Pfriemenschwänze halten sich im Enddarm auf. Die Weibchen legen ihre Eier in einer klebrigen Masse rund um den After ab; das dadurch ausgelöste Jucken führt zum auffälligen Scheuern des Schweifs.
Bandwürmer des Pferdes siedeln sich bevorzugt am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm an und werden über kleine Milben aufgenommen, die auf der Weide leben. Anders als beim Spulwurm ist hier also ein Zwischenwirt beteiligt.
Hinzu kommen die Larven der Magendasselfliegen, die keine Würmer sind, sondern Fliegenlarven: Sie werden von den Pferden beim Belecken des Fells aufgenommen und heften sich in der Magenwand fest.
Bedeutung für die Forschung
Der Pferdespulwurm hat in der Geschichte der Biologie eine Rolle gespielt, die weit über die Tiermedizin hinausreicht. Seine Eizellen sind groß, gut zu beschaffen und enthalten nur sehr wenige Chromosomen – bei einer der beiden Arten ist es lediglich ein einziges Paar. Damit ließen sich Vorgänge im Zellkern unter dem Mikroskop verfolgen, die bei anderen Arten in der Vielzahl der Chromosomen untergehen.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde an diesem Material beobachtet, wie sich die Chromosomen bei der Befruchtung und bei den ersten Teilungen der Eizelle verhalten. Die Untersuchungen trugen wesentlich zu der Erkenntnis bei, dass Chromosomen keine beliebig austauschbaren Gebilde sind, sondern über die Zellteilungen hinweg ihre Eigenständigkeit behalten – eine der Grundlagen der späteren Vererbungslehre.
An demselben Wurm wurde außerdem ein Vorgang entdeckt, bei dem in den Zellen, aus denen später der Körper hervorgeht, Teile des Erbmaterials gezielt weggeworfen werden, während die Zellen, aus denen die Keimzellen entstehen, das vollständige Erbgut behalten. Dieses Phänomen galt lange als Kuriosität und ist inzwischen auch bei anderen Tiergruppen gefunden worden.
Quellen
- Mehlhorn, H.: Die Parasiten des Menschen.
ISBN: 9783662653142
- Lucius, R., Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten.
ISBN: 9783662548615
- Löscher, T. et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
ISBN: 9783437216428
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
ISBN: 9783642171574

