Rückenmarksinfarkt

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein Rückenmarksinfarkt beruht auf einem nicht ausreichenden Blutzufluss und einer darauf beruhenden Unterversorgung mit Sauerstoff und Glukose. Die Folge sind Lähmungserscheinungen, Schmerzen sowie ein gestörtes Temperatur- und Schmerzempfinden. Die Behandlung richtet sich gegen die zugrunde liegende Erkrankung und erfolgt darüber hinaus symptomatisch und rehabilitativ.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Rückenmarksinfarkt?

Rueckenmarksinfarkt
Wer kurz davor steht, einen Rückenmarksinfarkt (Spinalis anterior Syndrom) zu erleiden, verspürt mit einem ringförmig ausstrahlenden Engegefühl einen plötzlichen Schmerz im Rücken.
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Durch einen nicht mehr ausreichenden Blutzufluss durch Einengungen oder Verschlüsse kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Glukose, weil nicht mehr ausreichend arterielles Blut zugeführt wird. Diese Minderversorgung führt im Ergebnis zu einem sogenannten Rückenmarksinfarkt, auch Ischämische Myelopathie genannt.

Dabei ist zu bedenken, dass durch die teilweise niedrige Kollateralversorgung der A. spinalis anterior bestimmte Segmente im Rückenmark besonders anfällig für Ischämien sind. Besonders anfällig sind die Brustmarksegmente Th2 bis Th4. Häufiger als durch intrinsische Störungen der Spinalarterien kommt es durch Schädigungen an einer extravertebralen, also zuführenden Arterie, oder der Aorta zu einem Rückenmarksinfarkt.

Kurz gesagt: Wird die Durchblutung des Rückenmarks durch ein verstopftes Gefäß oder ein Blutgerinnsel gestoppt, kommt es zum gefürchteten spinalen Schock. Schon der geringste Verdacht auf einen Rückenmarksinfarkt ist neurologisch beziehungsweise neurochirurgisch umgehend zu behandeln. Die Folgen dieser Erkrankung können das gesamte weitere Leben negativ beeinflussen. Im schlimmsten Fall endet der Rückenmarksinfarkt tödlich.

Ursachen

Eine Aortendissektion sowie eine Polyarteriitis nodosa können für einen Rückenmarksinfarkt verantwortlich sein. Auch Diabetiker sind von neurologischen Ausfällen durch einen Infarkt im Rückenmark häufig betroffen. Ebenso sind ältere Menschen gefährdet. In jungen Jahren tritt diese Symptomatik eher selten auf.

Durch Arteriosklerose oder eine Embolie kann die Blutversorgung der ventral (bauchseitig) gelegenen Arteria spinalis anterior und der dorsal (rückenseitig) gelegenen Arteria spinalis posterior eingeschränkt werden. Da die beiden Arteriae spinales posteriores paarweise angelegt und gut über Kollateralen versorgt sind, ist hier die Ursache seltener zu finden. Die fibrokartilaginären Embolien aus den Bandscheiben gelten als Besonderheit und finden sich eher bei jungen und sportlichen Patienten.

Allerdings können auch Schwangere betroffen sein. Nicht zu vergessen sind die Gefäßmissbildungen wie eine arterio-venöse Duralfistel. Auch sie kann zum Infarkt im Rückenmarkskanal führen. Viel häufiger kommt es durch Verlegungen der Arterien, die durch Tumore, Aortenaneurysmen oder Aortendissektionen entstehen, zu einem Rückenmarksinfarkt.

Die Beteiligung der spinalen Gefäße im Zusammenhang mit einer Vaskulitis ist außerdem als Ursache in Betracht zu ziehen. Eher ungewöhnlich als auslösender Faktor gelten eine Thrombose und eine Polyarteriitis (Vaskulitis der mittelgroßen Arterien).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wer kurz davor steht, einen Rückenmarksinfarkt (Spinalis anterior Syndrom) zu erleiden, verspürt mit einem ringförmig ausstrahlenden Engegefühl einen plötzlichen Schmerz im Rücken. Darauf folgen innerhalb von wenigen Minuten nicht nur sensible Ausfälle. Es kommt vielmehr auch zu segmentalen Lähmungserscheinungen beidseits.

Hinzu kommt, dass die Schmerz- und Temperaturwahrnehmung signifikant gestört ist. Diese Symptome basieren auf einer fehlenden oder unzureichenden Durchblutung, die dazu führt, dass das Rückenmark keine Signale aus dem Gehirn mehr weiterleiten kann. Dagegen bleiben der Lage- und Vibrationssinn sowie die Möglichkeit, leichte Berührungen wahrzunehmen, relativ gut erhalten.

Handelt es sich um einen kleinen Infarkt, und betrifft er nur das am weitesten von den versorgenden Gefäßen entfernt liegende Gewebe im Inneren des Rückenmarks, kann es sich auch um ein zentrales Rückenmarkssyndrom handeln. Neurologische Defizite können sich dann bereits in den nächsten Tagen zurückbilden. Wegen der variablen Lage der Arteria radicularis magna ist ein solcher Infarkt als Komplikation bei einer Operation an der Aorta im Thorax bekannt und gefürchtet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose erfolgt durch eine MRT-Untersuchung. Dabei können in Verbindung mit einer Liquoruntersuchung auch andere Erkrankungen mit einer ähnlich verlaufenden Symptomatik ausgeschlossen werden. Dazu gehören die akute Querschnittsmyelitis, eine Rückenmarkskompression und unterschiedliche demyelinisierende Erkrankungen. Eine Diagnose mittels MRT ermöglicht in den meisten Fällen auch das Erkennen von Läsionen.

Der weitere Verlauf hängt maßgeblich davon ab, wo der Rückenmarksinfarkt stattgefunden hat. Je weiter er nach oben zum Halsmark abläuft, umso mehr Körperfunktionen sind betroffen und fallen aus. Zu den klinischen Erscheinungsbildern gehören, immer in Abhängigkeit der betroffenen Arterien, das „Arteria-spinalis-anterior-Syndrom“ sowie das „Arteria-spinalis-posterior-Syndrom“. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Gefühlsstörungen, Schmerzen und Lähmungen, die in der Regel plötzlich auftreten.

Komplikationen

Ein Rückenmarksinfarkt ist ein Notfall und stellt eine Komplikation verschiedener Gefäßkrankheiten wie Aortenaneurysmen, Arteriosklerose oder andere dar. Wenn die Behandlung rechtzeitig einsetzt, bestehen gute Heilungschancen. Das ist immer möglich, wenn das Rückenmark noch nicht vollständig geschädigt ist. Ansonsten kommt es zu dauerhaften Schädigungen bis zur Querschnittslähmung. Die Behandlung orientiert sich an der zugrunde liegenden Erkrankung.

So müssen unter anderem Notoperationen an der verletzten oder verstopften Arterie ausgeführt werden, um eine Blutung zu stoppen oder die Unterversorgung mit Blut bei einer Ischämie zu beheben. Dann folgt eine symptomatische Behandlung. Der Heilungsprozess erfolgt je nach Schädigung des Rückenmarks. Nur bei einem kleineren Teil der Patienten bildet sich die Symptomatik vollständig zurück.

Bei der Mehrzahl ist das Rückenmark bereits so stark geschädigt, dass eine vollständige Heilung nicht mehr möglich ist und Lähmungen, Gefühlsstörungen sowie Blasen- und Mastdarmstörungen dauerhaft zurückbleiben. Der Verlauf eines Rückenmarksinfarkts ist auch von den betroffenen Blutgefäßen abhängig. So ist das sogenannte Arteria-spinalis-anterior-Syndrom durch einen schwierigen und komplizierten Verlauf gekennzeichnet.

Dieses Syndrom wird durch eine Durchblutungsstörung der Arteria spinalis anterior hervorgerufen. Es kommt zu einem spinalen Schock mit einer unvollständigen Lähmung beider Beine, welche für mehrere Monate anhält. Die Schmerzen und Taubheitsgefühle sind meist gürtelförmig. Des Weiteren kommen Mastdarm- und Blasenstörungen hinzu. Als Komplikation drohen schwere Druckgeschwüre der Haut, die bis zur Nekrose führen können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die gefürchtete ischämische Myelopathie kann zu Lähmungserscheinungen, einem signifikant gestörten Temperatur- und Schmerzempfinden sowie zu starken, ringförmig ausstrahlenden Schmerzen im Rücken führen. Da die Ursache in einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Rückenmarks liegt, besteht akute Gefahr. Es ist umgehend ärztliche Hilfe zu holen. Tritt der Rückenmarksinfarkt als Folge einer Operation am Thorax auf, ist der Patient bereits in ärztlicher Hand.

Der spinale Schock, der durch ein blockiertes Gefäß entstehen kann, ist umgehend behandlungsbedürftig. Er kann unbehandelt dramatische Folgen haben, die zeitlebens die Lebensqualität mindern oder zum Tode führen. Der Patient sollte umgehend einem Neurologen vorgestellt oder in die Neurochirurgie überstellt werden. Es handelt sich bei einem Rückenmarksinfarkt um einen potenziell tödlich ausgehenden Vorfall, der wegen der schweren Folgen keine Zeitverzögerung erlaubt.

Typisch für den Rückenmarksinfarkt - auch als Spinalis anterior Syndrom bekannt - ist ein starker Rückenschmerz, der mit einem ringförmigen Gefühl der Enge einhergeht. Unmittelbar danach kommt es zu Sensitivitätsausfällen und beiderseits auftretenden Lähmungserscheinungen.

Außerdem kann eine signifikante Wahrnehmungsstörung in Sachen Schmerz oder Temperatur diagnostiziert werden. Der Notarzt sollte sofort benachrichtigt werden, da das geschädigte Rückenmark keine Signalweiterleitung mehr leisten kann. Zu unterscheiden sind kleine und große Rückenmarksinfarkte. Bei einem zentralen Rückenmarkssyndrom können sich die neurologischen Ausfälle nach einigen Tagen zurückbilden.

Eine plötzlich einsetzende Lähmung der Beine oder Arme, ein gürtelförmiger Rückenschmerz mit Taubheitsgefühl oder eine unvermittelt auftretende Blasen- und Mastdarmstörung sind immer ein Notfall, bei dem Minuten zählen. In diesem Fall ist ohne Umweg über eine Arztpraxis sofort über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren, denn nur in den ersten Stunden lässt sich ein bleibender Schaden noch begrenzen.

Behandlung & Therapie

Der beste therapeutische Erfolg stellt sich natürlich ein, wenn das Rückenmark nicht vollständig zerstört wurde und nur seine Funktion eingestellt hat. Mit einer gezielten mehrwöchigen Bewegungstherapie kann eine Regeneration erzielt werden. Ist bekannt, dass eine Aortendissektion oder eine Polyarteriitis nodosa als Auslöser vorliegen, gilt es in erster Linie, diese Grunderkrankungen zu behandeln. Eine symptomatische Behandlung ist in den meisten Fällen angesagt.

Sind im MRT Raumforderungen zu erkennen, muss umgehend eine operative Dekompression eingeleitet werden. Eine sich anschließende Behandlung erfolgt in den meisten Fällen symptomatisch. Sie kann sich aber auch an den Behandlungsmaßnahmen, die bei einer Querschnittsläsion üblich sind, orientieren.

Primär steht die Sicherstellung noch vorhandener beziehungsweise die Wiederherstellung der Vitalfunktionen. Erfahrene und spezialisierte Physiotherapeuten und Ergotherapeuten sind hierfür die kompetenten Ansprechpartner. Spezielle krankengymnastische Übungen werden angewendet, um noch vorhandene Reste an Beweglichkeit zu erhalten und gegebenenfalls zu verbessern.

Auch die TENS-Behandlung sowie Fußreflexzonenbehandlungen haben sich bewährt. Auf diese Weise kann auch den gefürchteten Muskelverkürzungen und Versteifungen entgegengewirkt werden. Nicht selten sitzen die Patienten zu Beginn einer solchen Therapie im Rollstuhl oder benötigen Gehhilfen wie ein oder zwei Gehstöcke beziehungsweise einen Rollator.

Begleitend erfolgen in regelmäßigen Abständen neurologische Kontrolluntersuchungen. Diese sind erforderlich, um sekundäre Folgeschäden möglichst zu vermeiden. Parallel dazu gilt es, die zugrunde liegende Erkrankung weiter zu behandeln.


Vorbeugung

Da der Rückenmarksinfarkt ein Gefäßereignis ist, besteht die wichtigste vorbeugende Maßnahme darin, die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen zu behandeln. Dazu gehören ein gut eingestellter Bluthochdruck, die Behandlung eines Diabetes mellitus und erhöhter Blutfettwerte sowie der Verzicht auf das Rauchen. Ein bekanntes Aortenaneurysma gehört regelmäßig ärztlich kontrolliert.

Unterstützend wirkt kontinuierlich ausgeübter, altersgerechter Sport. Schwimmen, Bodenturnen (Gymnastik) und leichte angepasste Kraftübungen sind in diesem Zusammenhang zu empfehlen.

Nachsorge

Betroffene müssen sich nach einem Rückenmarksinfarkt sofort Rehabilitations-Maßnahmen unterziehen. Durch die spezielle Therapie lässt sich die Beweglichkeit oft deutlich verbessern, eine vollständige Wiederherstellung gelingt jedoch nur selten. Betroffene sollten Zuhause zur Besserung regelmäßig Krankengymnastik und ergotherapeutische Übungen durchführen. Außerdem sollte auf jede Art von Stress und Belastung verzichtet werden.

Betroffene brauchen vor allem in den ersten Wochen ausreichend Ruhe und Schonung. Schmerzen sollten nach Absprache mit dem behandelnden Arzt mit geeigneten Medikamenten behandelt werden; beruhigende Tees können den Schlaf unterstützen. Außerdem sollte die Ernährung nach dem Rückenmarksinfarkt umgestellt und somit angepasst werden. Betroffene sollten sich sehr gesund ernähren und viel Obst und Gemüse zu sich nehmen.

Außerdem sollte die Nahrung sehr vitaminreich sein. Sollten Betroffene süchtig nach Alkohol oder Zigaretten sein, empfiehlt es sich, sich mit einer Suchtberatung in Verbindung zu setzen. Das Konsumieren solcher Mittel ist zu unterlassen, da es sonst wieder zu einem Rückenmarksinfarkt kommen kann.

Bleiben nach dem Rückenmarksinfarkt Lähmungen zurück, sind Betroffene auf einen Rollstuhl oder auf Krücken angewiesen. In diesem Fall wird die Hilfe und Unterstützung von Familie und Angehörigen benötigt, da Betroffene sich kaum bewegen können. Außerdem wird auch die Hilfe von Angehörigen bei alltäglichen Aufgaben benötigt.

Das können Sie selbst tun

Nach einem Rückenmarksinfarkt muss frühzeitig mit den Rehabilitations-Maßnahmen begonnen werden. Durch eine entsprechende Therapie wird die Muskulatur gekräftigt und die verbliebene Beweglichkeit so gut wie möglich erhalten. Bestandteil der Behandlung sind krankengymnastische und ergotherapeutische Übungen, welche die Betroffenen zu Hause selbst durchführen können. Begleitend dazu sollte jedoch auch auf ausreichend Schonung geachtet werden. Insbesondere in den ersten Tagen und Wochen nach einem Infarkt benötigt der Rücken Ruhe.

Mittel aus der Homöopathie können den Verlauf eines Rückenmarksinfarkts dagegen nicht beeinflussen; ein Wirksamkeitsnachweis dafür fehlt, und sie ersetzen keine ärztliche Behandlung. Die Schmerztherapie gehört in ärztliche Hand; ergänzend können beruhigende Tees mit den Extrakten der Kamille oder Melisse den Schlaf unterstützen. Des Weiteren sollte nach einem Rückenmarksinfarkt die Ernährung angepasst werden. Die zugrunde liegende Durchblutungsstörung des Rückenmarks geht meist auf eine Erkrankung der Hauptschlagader oder eine Gefäßverkalkung zurück, deren Fortschreiten sich durch eine gesunde Lebensweise bremsen lässt. Dementsprechend ist nach dem medizinischen Notfall eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse wichtig. Raucher und alkoholkranke Menschen setzen sich am besten mit einer Suchtberatung in Verbindung. Die Auslöser müssen behoben werden, denn ansonsten kann es zu erneuten Infarkten kommen.

Bleiben nach dem Infarkt Lähmungen zurück, ist ein normales Bewegen meist nicht möglich. Der Patient ist auf Krücken oder einen Rollstuhl angewiesen, die es frühzeitig zu organisieren gilt. Zudem benötigt er die Hilfe von Angehörigen und Freunden, die in der schweren Zeit unterstützend beistehen sollten. Welche Begleitmaßnahmen im Detail sinnvoll sind, muss der zuständige Arzt entscheiden.

Quellen

  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
    ISBN: 9783662468913
  • Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
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  • Diener, H.-C., Steinmetz, H., Kastrup, O. (Hrsg.): Referenz Neurologie.
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  • Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
    ISBN: 9783132430358

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