Rückenschmerzen bei Frauen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Trotz der Gleichberechtigung, besser gesagt wegen der Gleichberechtigung, darf man nicht vergessen, dass sich der weibliche Organismus und Körperbau von dem des Mannes wesentlich unterscheidet. Unser Beitrag über Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen bei Frauen soll dazu dienen, auf diese Unterschiede hinzuweisen, gerade weil die meisten Frauen im Beruf heute „ihren Mann stehen“ müssen.
Zusammenhang von Rückenschmerzen & Krankheiten
Wie oft hört man in den Sprechstunden von Allgemeinärzten, dass Rücken und Kreuz weh tun. Viele Frauen suchen allein aus diesem Grund einen Gynäkologen (Frauenarzt) auf. Immer wird es der Arzt begrüßen, wenn sie mit ihren Beschwerden zu ihm kommen, ehe sie durch Schmerztabletten, Einreibungen, unzweckmäßige Bäder und dergleichen ihre Leiden verschleppen oder selbst zu lindern versuchen. In erster Linie gilt es doch, ernsthafte Krankheitsprozesse auszuschließen und die Ursachen der Beschwerden zu ermitteln.
Doch Frauenärzte bestätigen, dass nur etwa die Hälfte aller Frauen, die über Kreuzschmerzen klagen, unterleibskrank sind. Nach heutigem Kenntnisstand ist der Anteil gynäkologischer Ursachen allerdings deutlich geringer; die weitaus meisten Rückenschmerzen sind unspezifisch und gehen von Muskeln, Bändern und Gelenken aus. Und was ist mit den übrigen, werden Sie fragen. Wenn Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen auftreten, muss in jedem Fall zunächst eine ärztliche Untersuchung durchgeführt und der Befund, dem wissenschaftlichen Stand unserer Untersuchungsmethoden gemäß, soweit geklärt werden, dass eine erfolgversprechende Behandlung eingeleitet werden kann. Kein Organ kann man als ein für sich existierendes Gebilde betrachten, zumindest nicht, was seine Funktionen und die Auswirkung eines Krankheitsprozesses auf den übrigen Körper anbelangt.
Rückenschmerzen als Symptom
Viele Erkrankungen, die sich im kleinen Becken abspielen, bewirken eine Reizung der Nerven. Je nach dem im Wesentlichen betroffenen Organ kann sich als erstes Symptom der Rückenschmerz bzw. Kreuzschmerz zeigen. Das gilt auch für die Erkrankungen einzelner Darmabschnitte oder Harnorgane sowie für entzündliche chronisch schädigende oder auch zerstörende Einwirkungen auf die Skelettanteile und die mit ihnen verbundenen Gewebe dieses Bereichs. Oft wird der Rückenschmerz von Frauen fehlgedeutet und den Unterleibsorganen zugeordnet. Es kann für den Arzt außerordentlich schwierig sein, die Ursache festzustellen.
Bei jungen Mädchen, die erst kurz im Berufsleben stehen, wird der Rückenschmerz irrigerweise zuweilen auf eine körperliche Umstellung zurückgeführt. Bei älteren Patienten mit normalem Magen-Darm-Befund wird er meist als Spondylose gedeutet, die ja auch oftmals vorliegt, ohne dass sie die Ursache für die Beschwerden zu sein braucht.
Im Allgemeinen ist das knöcherne Skelett der Frau weniger stark und kräftig ausgebildet als das des Mannes. Die Lendenwirbelsäule der Frau weist eine stärkere Krümmung nach vorn, eine sogenannte Lordose, auf.
Krankheiten mit diesem Symptom
Körperbau & Belastbarkeit bei Rückenschmerzen
Das knöcherne weibliche Becken hat eine breit auslaufende Form mit flachen Darmbeinschaufeln und niedrigen Schambeinfugen, wodurch ein weiter Beckenkanal entsteht.
Dieser spezifische Körperbau ist abgestimmt auf die besondere Leistung der Frau, nämlich auf Schwangerschaften und Geburten. Die anatomischen Gegebenheiten bedingen deshalb aber eine geringere Belastungsfähigkeit bei schweren körperlichen Arbeiten. Deshalb genießt in Deutschland die schwangere Frau entsprechenden gesetzlichen Schutz, der sich auch auf ihren Einsatz im Beruf erstreckt.
Unser Körper hat nicht allein das eigene Gewicht zu tragen, sondern muss darüber hinaus vielen Belastungen gewachsen sein. Die Lendenkreuzbeingegend hat als Auffangstütze des Körpers bei dessen verschiedensten Belastungen eine große Bedeutung. Die Bänder, die die einzelnen Knochenteile zusammenhalten, unterliegen bei der Frau, insbesondere im Bereich des kleinen Beckens, infolge hormoneller Einflüsse einer monatlich wechselnden Festigkeit.
In der Schwangerschaft sind die Gewebsverbindungen besonders aufgelockert. Bei der schwangeren Frau verstärkt sich auch durch Verlagerung des Körperschwerpunktes die ohnehin schon vorhandene Wirbelsäulenlordose in der Lendengegend. Um den Körper aufrecht zu halten, muss die Rückenmuskulatur stark angespannt werden. Diese ständige Muskelüberlastung führt sehr häufig zu Rückenschmerzen bzw. Kreuzschmerzen.
Rückenschmerzen vorbeugen
Relativ häufig klagen auch Menschen über Rückenschmerzen, die nach einer eingehenden Untersuchung und Beurteilung des Körperbaus als Muskelschmerzen gedeutet werden müssen. Vorwiegend sind davon schlanke, zarte junge Mädchen betroffen, bei denen die Muskulatur untrainiert ist. Auch Tätigkeiten, die eine gleichbleibende Arbeitshaltung erfordern, können zu Rückenschmerzen führen, wenn die Zwangshaltung die Leistungsfähigkeit der Muskulatur überschreitet.
Was kann man tun, um diese Rückenschmerzen zu beseitigen oder ihnen vorzubeugen? Jeder von uns weiß, dass ein gut durchtrainierter Körper eine kräftig entwickelte Muskulatur besitzt. Es gilt also, die konstitutionsmäßig schwach entwickelte oder in späteren Lebensjahren schwach gewordene Muskulatur zu kräftigen.
Durch gymnastische Übungen und leichten Fitness- bzw. Kraftsport wird nicht nur eine allgemeine Kräftigung der gesamten Körpermuskulatur erreicht, sondern auch eine bessere Durchblutung, was sich wiederum günstig auf die Ausscheidung nicht brauchbarer oder giftiger Stoffwechselprodukte auswirkt.
Sport & Gymnastik gegen Rückenschmerzen
Sie sollten daher versuchen, besonders die leistungsschwachen Muskelgruppen zu stärken. Das können Bauchmuskeln sein, falls sie schlaff geworden sind oder durch mehrfache Geburten ausgedehnt wurden.
Es können aber auch Muskelgruppen der Rückenmuskulatur oder des Beckenbodens gestärkt werden. Sind die Rückenschmerzen allerdings durch eine Zwangshaltung während der Arbeit verursacht worden, so gilt es, gerade diese angespannten Muskelgruppen zu entlasten.
Auch hier muss ein richtig durchgeführter Gesundheitssport bzw. Ausgleichsgymnastik einsetzen. Oft ist der Erfolg täglicher sportlicher Übungen erst nach Monaten spürbar. Sollten die Beschwerden auch dann noch anhalten, ist eine Beratung mit dem Arzt zu empfehlen.
Besonderes Augenmerk muss auf den Arbeitsplatz selbst gerichtet sein, der in vielen Firmen noch auf die Körperbauformen des Mannes abgestimmt ist. Das gilt beispielsweise für Bürostühle. Durchschnittlich ist die Frau um etwa 7 Prozent kleiner als der Mann. Bei einer unphysiologischen Sitzhaltung erreicht man mit den Füßen nicht den Boden. Es treten Durchblutungsstörungen der Oberschenkelmuskulatur auf und damit eine Reihe von Beschwerden, die sich durch eine einfache Umgestaltung des Arbeitsplatzes vermeiden ließen.
Das gleiche gilt für die Höhe des Schreibtisches, für den Griffbereich vieler Maschinen, für eine oft unzweckmäßige und unphysiologische Sichthöhe, die ständig eine leicht gebückte Zwangshaltung erfordert und vieles mehr.
Weitere Ursachen für Rückenschmerzen
Die Wirbelsäule wird zwar durch Bänder und Bandscheiben gestützt, aber zum größten Teil durch die Muskulatur getragen. Deshalb spielt die Muskelübermüdung eine besondere Rolle. Da Bauch- und Rückenmuskulatur während der Schwangerschaft stark beansprucht werden, ist es wichtig, die Muskeln gerade in dieser Zeit durch entsprechenden Ausgleichssport zu trainieren und somit den Rückenschmerzen entgegenzuwirken. Liegt aber eine Rektusdiastase vor, das heißt ein Auseinanderweichen der vorderen Bauchmuskulatur, so sind zusätzliche orthopädisch-chirurgische Maßnahmen erforderlich. Heute wird eine Rektusdiastase zunächst mit gezielter Physiotherapie behandelt; eine Operation kommt erst infrage, wenn diese nicht ausreicht.
Häufig werden Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen auch durch einen Hängeleib verursacht. Bei der Atmung entsteht normalerweise ein Sog, der die Organe und den Beckenboden mit erfasst. Beim Hängeleib bleibt die Last des Bauchinnenraums auf dem Beckenboden liegen, die Rückenmuskulatur wird geschwächt und der Beckenboden geschädigt, oder aber eine bestehende Schädigung wird verschlimmert. Rückenschmerzen bleiben dann nicht aus. Es kommt zu einer Ausgleichhaltung, wobei wiederum eine verstärkte Lendenwirbelsäulenlordose auftritt.
Wir sehen also, dass Rückenschmerzen sehr unterschiedliche Ursachen haben können. Zu einem großen Teil werden sie jedoch durch eine Erschlaffung der Bauchmuskulatur, Rückenmuskulatur und Beckenbodenmuskulatur oder durch falsche Arbeitshaltung ausgelöst. Hier haben es die Frauen selbst in der Hand, ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden durch Veränderungen am Arbeitsplatz und ausgleichende Bewegung und sportliche Betätigung wiederzuerlangen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Während der Schwangerschaft können Rückenleiden gehäuft aufgrund hormoneller Umstellungen und der zusätzlichen Gewichtsbelastung durch das ungeborene Kind auftreten. Gelegentliche Schmerzen sind nicht unnatürlich, bei intensivem Leidensdruck ist allerdings immer ein Arzt aufzusuchen. Akute Schmerzen springen meist auf die Behandlung mit Wärme, Salben oder Massagen an. Helfen alle Maßnahmen nicht, besteht die Gefahr einer Manifestierung der Symptome. Unnötiges Hinauszögern einer Untersuchung erschwert als Folge eine erfolgreiche Therapie.
Zusätzlich besteht der Verdacht einer schwerwiegenden Erkrankung oder Fehlstellung bei Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Extremitäten. Funktionelle Störungen bei der Blasen- oder Darmentleerung geben Hinweise auf einen Notfall. Häufig verbergen sich jedoch andere Gründe hinter den Rückenschmerzen. Als wichtige Indikatoren für eine medizinische Abklärung stehen ständig wiederkehrende Probleme im Wirbelsäulenbereich. Eine Verletzung oder Verengung eines Wirbelkanals kann dauerhaft die Nerven in Mitleidenschaft ziehen. Ist die Beweglichkeit von Betroffenen erheblich eingeschränkt und der Schmerz kaum zu ertragen, kann ein Bandscheibenvorfall vorliegen und bedarf dringender Abklärung.
Gleichzeitig gelten starke Schmerzen im Rückenbereich in Kombination mit anderen Krankheitssymptomen als potenziell gefährlich. Ein Auftreten mit Fieber oder auch starkem Gewichtsverlust ist ein ernstzunehmendes Alarmsignal und deutet möglicherweise auf einen entzündlichen Prozess an der Wirbelsäule hin. Auch eine Tumorerkrankung kann sich auf diese Weise äußern. Psychologische Dauerbelastung schlägt ebenfalls auf das Rückgrat.
Anhaltender Stress im Berufsleben und depressive Neigungen sorgen für eine unbewusst schädliche Körperhaltung beim Sitzen. Niedergeschlagenheit hat des Weiteren erheblichen Einfluss auf die Arbeit der eigenen Körperabwehr. Depressionen beeinflussen das Schmerzempfinden und fördern subjektiv den gefühlten Belastungsgrad betroffener Personen. Ein Arztbesuch zur Abklärung und Durchführung einer psychotherapeutischen Behandlung ist bei dauerhaft schlechter Stimmung prinzipiell auch ohne Rückenleiden angebracht.
Quellen
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443150
- Casser, H.-R., Hasenbring, M., Becker, A., Baron, R. (Hrsg.): Rückenschmerzen und Nackenschmerzen.
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- Krämer, R., Matussek, J., Theodoridis, T.: Bandscheibenbedingte Erkrankungen.
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- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
