Salmonella Typhi

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Bakterium Salmonella Typhi verursacht die Infektionskrankheit Typhus. Es ist ein pathogenes Enterobakterium, das mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Erkrankung führt. Ausreichend ist bereits eine Infektionsdosis von 100 bis 1000 Erregern. Die Erkrankungsrate wächst mit der Erregerzahl. Die Infektion kommt in erster Linie über den Menschen zustande.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Salmonella Typhi?

Salmonella Typhi
Salmonella Typhi gehört zur stäbchenförmigen Bakterien-Gattung der Salmonellen und diese wiederum zur Familie der Enterobakterien. Salmonellen sind vielfach aktiv beweglich und bilden meistens keine Sporen.
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Salmonella Typhi ist ein pathogenes Bakterium. Es kann durch bereits Erkrankte oder sogenannte Dauerausscheider übertragen werden. Dabei handelt es sich um Erkrankte, bei denen das Bakterium mindestens zehn Wochen nachgewiesen werden kann. Ebenso wird Typhus unter Umständen durch den Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel wie beispielsweise gedüngtes Obst und Gemüse, Muscheln sowie Austern ausgelöst. Auch unsauberes Wasser und Fliegenkot kommen als Überträger in Frage.

Salmonella Typhi befällt ausschließlich den Menschen und hat eine Inkubationszeit von sieben bis zwanzig Tagen. Eine Infektion mit diesem Erreger ist meldepflichtig. Wenn es mit der Nahrung aufgenommen worden ist, kommt das Bakterium über die Lymphbahnen in den Blutkreislauf. So kann der Erreger in alle Organe wandern (System-Erkrankung). Wird Typhus nicht behandelt, ist die Krankheit sehr gefährlich und kann tödlich enden.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Salmonella Typhi gehört zur stäbchenförmigen Bakterien-Gattung der Salmonellen und diese wiederum zur Familie der Enterobakterien. Salmonellen sind vielfach aktiv beweglich und bilden meistens keine Sporen. Streng systematisch handelt es sich bei Salmonella Typhi nicht um eine eigene Art, sondern um ein Serovar der Art Salmonella enterica. Ihre Verbreitung ist weltweit. Viele Salmonellen-Typen kommen auch in wechsel- und gleichwarmen Tieren sowie speziellen Habitaten fern von Lebewesen vor. Sehr oft erfolgt die Infektion über verunreinigtes oder abgestandenes Wasser sowie Lebensmittel.

Salmonellen bevölkern besonders Eier und Geflügelfleisch. Erkrankungen, die durch Salmonellen hervorgerufen werden (Salmonellosen), sind in Deutschland allgemein meldepflichtig. Die Fallzahlen gingen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurück. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung scheidet Salmonellen aus, ohne selbst erkrankt zu sein. Weltweit wurde die Zahl der Typhusfälle lange mit jährlich etwa 16 Millionen angegeben. Betroffen sind fast ausschließlich Menschen in den Entwicklungsländern. In diesem Zusammenhang wurde von jährlich etwa 500.000 Todesopfern ausgegangen. Neuere Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation gehen von rund neun Millionen Erkrankungen und etwa 110.000 Todesfällen im Jahr aus.

Salmonellen können unter relativ extremen Bedingungen mehrere Wochen lang überleben. In getrockneten Exkrementen sind sie mehr als zweieinhalb Jahre nachweisbar. Vor allem starkes Sonnenlicht und große Hitze führen zu ihrem Absterben. Das Erhitzen von Lebensmitteln auf 75 °C über eine Zeitspanne von mindestens zehn Minuten kann Infektionen durch Salmonellen relativ sicher unterbinden. Einfrieren von Lebensmitteln führt generell nicht zum Abtöten der Bakterien. Geeignete Desinfektionsmittel können die Erreger wiederum in wenigen Minuten vernichten.

Salmonella Typhi ist sowohl in gemäßigten als auch subtropischen Gebieten verbreitet. Unter den nicht behandelten Erkrankten bleiben schätzungsweise zehn Prozent für längere Zeit Dauerausscheider. Sie führen bis zu drei Monate lang Typhuserreger mit der Stuhl- oder Urinentleerung ab. Dies kann sogar über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr geschehen, wenn die Bakterien in der Gallenblase und den Gallenwegen verharren. Die Existenz von Gallensteinen kann diese Dauerausscheidungen noch begünstigen. Viele der Dauerausscheider weisen nicht die typischen Krankheitszeichen auf, können andere Personen aber sehr leicht anstecken.


Krankheiten & Beschwerden

In der 1. Woche einer Typhus-Erkrankung, dem sogenannten Stadium incrementi, treten Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber auf. Dieses kann bis zu einem Wert von 41°C ansteigen. Der Herzschlag kann auf weniger als 60 Schläge pro Minute sinken (Bradykardie). Die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut fällt unter Umständen deutlich unter das Normalmaß. Oft gesellt sich eine Verstopfung hinzu. Der Stuhlgang erfolgt während dieser Zeit seltener.

Im darauffolgenden Stadium acmes (2. bis 3. Woche) gelangt der Erreger über die Blutbahn in weitere Organe. Zum Beispiel kann sich die Milz vergrößern (Splenomegalie). Auf der Haut bilden sich die kleinfleckigen, roten Roseolen, im Darm die charakteristischen, schwellenden Typhome.

Salmonella Typhi kann dann im Stuhl nachgewiesen werden. Das Fieber bewegt sich in dieser Phase gleichmäßig bei etwa 40 °C. Die Häufigkeit der Stuhlgänge nimmt deutlich zu, die Konsistenz wird breiartig. Den Patienten ergreift eine permanente Benommenheit.

In der 4. bis 5. Woche schließt sich das Stadium decrementi an, in dem die Krankheitssymptome gewöhnlich abnehmen. Jedoch sind Blutungen im Verdauungstrakt sowie schwere Entzündungen des Bauchfells möglich, die entschlossenes ärztliches Handeln erfordern.

Eine Typhusinfektion wird gewöhnlich mit Antibiotika behandelt. Dazu werden Proben von Stuhl- und Blutentnahmen ausgewertet, um Resistenzen des Erregers gegen die üblicherweise verwendeten antibiotischen Mittel auszuschließen. Die beste Prophylaxe vor Salmonella Typhi ist eine aufmerksame und gründliche Hygiene.

Es empfiehlt sich, bei jeder Reise in tropische und subtropische Gebiete streng den Verzicht auf fragwürdig zubereitete Speisen und Leitungswasser einzuhalten. Impfprogramme gegen Typhus sind seit Jahrzehnten bewährt und werden sowohl mit Lebend- als auch mit Totimpfstoffen realisiert. Für den Lebendimpfstoff kommen Salmonella-Typhi-Bakterien zum Einsatz, die eine nicht-krankheitserregende Wirkung haben und das Immunsystem zur Produktion von Antikörpern animieren. Das Mittel ist gut verträglich und gibt wirksamen Schutz in Endemiegebieten für ungefähr ein Jahr. Für wiederholte Reisen wird zu einer Auffrischimpfung nach einem Jahr geraten. Der Totimpfstoff besteht in den meisten Fällen aus einem Polysaccharid, das gleichfalls die Antikörper-Bildung steuert. Hier ist sogar ein Schutz vor Typhus für drei Jahre zu erwarten.

Systematik und Benennung

Der Name Salmonella Typhi ist älter als die heutige Einteilung und wird beibehalten, weil er sich eingebürgert hat. Streng genommen bezeichnet er kein eigenes Lebewesen, sondern eine Variante innerhalb der Art Salmonella enterica, genauer innerhalb ihrer Unterart Salmonella enterica subsp. enterica. Solche Varianten heißen Serovare. Sie werden nicht nach ihrem Erbgut unterschieden, sondern danach, welche Oberflächenmerkmale sie tragen und an welche Antikörper sich diese binden.

Grundlage dieser Einteilung ist das nach seinen Urhebern benannte Kauffmann-White-Schema. Es ordnet jedem Serovar eine Merkmalsformel zu, die sich aus drei Arten von Oberflächenstrukturen zusammensetzt: den Bestandteilen der äußeren Zellhülle, den Eiweißen der Geißeln und – bei manchen Serovaren – einer zusätzlichen Hülle, die den Erreger nach außen abschirmt. Diese dritte Struktur heißt bei Salmonella Typhi Vi-Antigen; das Kürzel steht für Virulenz und weist darauf hin, dass die Hülle zur Krankheitsfähigkeit des Erregers beiträgt.

Aus der Schreibweise lässt sich die Einordnung ablesen: Art und Unterart werden kursiv gesetzt, der Serovarname dagegen aufrecht und mit großem Anfangsbuchstaben. Das Serovar Typhi steht dem Erreger des Paratyphus näher als den Serovaren, die eine gewöhnliche Lebensmittelvergiftung auslösen – nicht in der Verwandtschaft, sondern in der Art, wie es sich im Körper verhält.

Ungewöhnlich ist an Salmonella Typhi, dass es sich im Laufe seiner Entwicklung auf einen einzigen Wirt festgelegt hat. Andere Serovare kommen bei vielen Tierarten vor; dieses hier ist auf den Menschen beschränkt. Damit ist auch der Umkehrschluss zulässig: Wo Typhus auftritt, führt die Spur immer zu einem Menschen zurück, nie zu einem Tierbestand.

Bau und Stoffwechsel

Wie alle Enterobakterien ist Salmonella Typhi ein gramnegatives Stäbchen mit einer inneren und einer äußeren Membran. In der äußeren Membran sitzen fettartige Zuckerverbindungen, die dem Erreger seine Oberflächenmerkmale geben und beim Zerfall des Bakteriums im Körper eine heftige Entzündungsreaktion auslösen können. Rings um die Zelle sitzen zahlreiche Geißeln, mit denen sich der Erreger fortbewegt. Dauerformen bildet er nicht – überstehen kann er ungünstige Bedingungen nur als normale Zelle.

Der Stoffwechsel ist fakultativ anaerob: Salmonella Typhi wächst mit Sauerstoff ebenso wie ohne ihn und kann deshalb sowohl außerhalb des Körpers als auch im sauerstoffarmen Darminneren leben. Anspruchsvoll ist der Erreger nicht; er wächst auf einfachen Nährböden und bei Körpertemperatur besonders gut. Traubenzucker verwertet er, Milchzucker dagegen nicht – eine Eigenschaft, die im Labor zur Unterscheidung von anderen Darmbakterien genutzt wird.

Zwei Besonderheiten unterscheiden Salmonella Typhi im Reagenzglas von den Serovaren der Lebensmittelvergiftung. Zum einen entsteht beim Abbau von Zucker kein Gas, während die enteritischen Serovare Gasbläschen im Nährboden bilden. Zum anderen bildet Salmonella Typhi nur wenig Schwefelwasserstoff, jenes Gas, das die enteritischen Salmonellen auf den gebräuchlichen Nährböden schwarz erscheinen lässt. Beide Eigenschaften sind für die Erkennung im Labor wichtig, weil eine schwach ausgeprägte Reaktion sonst übersehen werden kann.

Bemerkenswert ist schließlich die Widerstandsfähigkeit gegenüber Gallenflüssigkeit. Für die meisten Bakterien wirkt Galle wie ein Waschmittel und zerstört ihre Hüllen; Salmonella Typhi übersteht sie und kann deshalb in der Gallenblase und den Gallenwegen überdauern.

Wie die Erkrankung entsteht

Der Weg des Erregers beginnt im Magen. Die Magensäure tötet einen Großteil der aufgenommenen Bakterien ab; was ihr entgeht, erreicht den Dünndarm. Fettreiche Speisen und alles, was die Säure verdünnt oder abpuffert, verbessern die Überlebenschancen des Erregers – deshalb genügen bei manchen Lebensmitteln geringere Keimzahlen für eine Ansteckung als bei anderen.

Im Dünndarm heftet sich der Erreger an bestimmte Zellen der Schleimhaut, die über den Ansammlungen von Abwehrgewebe in der Darmwand liegen. Diese Zellen haben die Aufgabe, Proben aus dem Darminhalt an das Immunsystem weiterzureichen – Salmonella Typhi nutzt sie als Eingangstür. Auf der anderen Seite wird der Erreger von Fresszellen aufgenommen, den Makrophagen. Was für andere Bakterien das Ende wäre, ist für ihn der Anfang: Er überlebt im Inneren der Fresszelle und lässt sich in ihr durch den Körper tragen.

Über die Lymphwege gelangt der Erreger in die Leber, die Milz und das Knochenmark und vermehrt sich dort in Ruhe. Erst wenn er von dort in großer Zahl ins Blut übertritt, beginnt die Erkrankung mit dem weiter oben beschriebenen Fieber. Das erklärt die für Typhus kennzeichnende lange Inkubationszeit: Zwischen der Aufnahme und den ersten Beschwerden liegt eine stille Phase, in der sich der Erreger im Inneren des Körpers vermehrt.

Die Vi-Hülle spielt dabei eine doppelte Rolle. Sie schirmt die Oberflächenmerkmale des Erregers gegen das Komplementsystem und die Abwehrzellen ab und dämpft zugleich die Entzündungsreaktion im Darm. Deshalb fehlt beim Typhus zu Beginn der heftige Durchfall, den man von einer Lebensmittelvergiftung kennt – die weiter oben genannte anfängliche Verstopfung ist gerade Ausdruck dieser gedämpften Darmreaktion. Erst später, wenn das Abwehrgewebe der Darmwand anschwillt und aufbricht, kommt es zu den Durchfällen und zu der gefürchteten Gefahr von Blutungen und Durchbruch der Darmwand.

Ein weiterer Umstand hat Folgen für die Bekämpfung: Ein Teil der Erreger zieht sich in die Gallenwege zurück, wo Antibiotika sie schlechter erreichen. Von dort gelangen sie mit der Galle wieder in den Darm und werden ausgeschieden. Darauf beruht das weiter oben geschilderte Dauerausscheidertum.

Nachweis im Labor

Welche Probe aussagekräftig ist, hängt davon ab, wie lange die Erkrankung schon besteht. In der ersten Woche ist der Erreger vor allem im Blut zu finden, weil er sich zu dieser Zeit im Inneren des Körpers vermehrt und über die Blutbahn verteilt. Im Stuhl ist er anfangs oft noch nicht nachweisbar; dort gelingt der Nachweis erst später, wenn die Erreger über die Galle in den Darm zurückkehren. Auch im Urin können sie in fortgeschrittenem Stadium erscheinen. Am zuverlässigsten – und zugleich am belastendsten für den Patienten – ist die Untersuchung von Knochenmark, weil sich der Erreger dort besonders zahlreich aufhält und auch dann noch gefunden wird, wenn bereits Antibiotika gegeben wurden.

Für die Anzucht werden Nährböden verwendet, die Begleitbakterien des Darms zurückhalten und Salmonellen wachsen lassen. Verdächtige Kolonien werden anschließend über ihre Stoffwechselleistungen und über ihre Oberflächenmerkmale bestätigt. Die Zuordnung zum Serovar Typhi erfolgt mit Antikörpern gegen die Zellhülle, die Geißeln und das Vi-Antigen. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Vi-Hülle die darunterliegenden Merkmale verdecken kann; sie muss dann erst durch Erhitzen entfernt werden, bevor sich der Erreger einordnen lässt.

Hinzugekommen sind Verfahren, die ohne Anzucht auskommen oder sie abkürzen. Die Massenspektrometrie ordnet einen gewachsenen Keim anhand seines Eiweißmusters innerhalb kurzer Zeit zu; molekularbiologische Verfahren weisen Erbgutabschnitte des Erregers unmittelbar in der Probe nach. Für die Aufklärung von Ausbrüchen wird zunehmend das gesamte Erbgut entschlüsselt, weil sich damit selbst nah verwandte Stämme unterscheiden und Infektionsketten zurückverfolgen lassen.

Der älteste Nachweis ist der nach seinem Urheber benannte Widal-Test, bei dem im Blut nach Antikörpern gegen den Erreger gesucht wird. Er ist einfach und billig, aber unzuverlässig: Er reagiert auch nach durchgemachten Infektionen mit anderen Salmonellen und nach einer Impfung, während er im Frühstadium noch negativ bleiben kann. Als alleinige Grundlage einer Diagnose gilt er deshalb heute als überholt.

Resistenzlage

Über Jahrzehnte war Typhus mit wenigen, gut verfügbaren Antibiotika zu behandeln; Chloramphenicol war das erste Mittel, das den Verlauf entscheidend verkürzte. Später traten Stämme auf, die gegen dieses Mittel und gegen weitere lange bewährte Wirkstoffe wie Ampicillin und Cotrimoxazol zugleich unempfindlich waren. Man bezeichnet sie als mehrfach resistent. Die Behandlung wich daraufhin auf andere Wirkstoffgruppen aus.

Auch dort ist die Wirksamkeit nicht ungefährdet geblieben. In den Hauptverbreitungsgebieten Süd- und Südostasiens sind Stämme verbreitet, bei denen die zuvor verlässlichen Mittel aus der Gruppe der Chinolone nur noch eingeschränkt anschlagen. Hinzugekommen sind Stämme, die darüber hinaus gegen weitere Wirkstoffgruppen unempfindlich sind und die Auswahl auf wenige Mittel einengen. Solche Erreger werden über Reisende auch in Länder eingeschleppt, in denen Typhus sonst nicht vorkommt.

Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens ist die weiter oben genannte Untersuchung auf Resistenzen keine Formsache, sondern entscheidet über die Wahl des Mittels; die Herkunft der Erkrankung ist dabei ein wichtiger Hinweis. Zweitens gewinnt die Vorbeugung an Gewicht: Je schwieriger die Behandlung wird, desto mehr hängt von sauberem Wasser, sicheren Lebensmitteln und dem Impfschutz für Reisende und für die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten ab.

Geschichte

Der Typhus galt lange nicht als eigene Krankheit, sondern wurde mit anderen fieberhaften Erkrankungen in einen Topf geworfen; das Fleckfieber trägt den verwandten Namen Flecktyphus noch heute. Erst im 19. Jahrhundert wurde er als eigenständiges Krankheitsbild abgegrenzt. Den Erreger beschrieb der deutsche Pathologe Karl Joseph Eberth im Gewebe von Verstorbenen; die Reinkultur gelang wenig später Georg Gaffky, einem Mitarbeiter Robert Kochs. In der älteren Literatur begegnet der Erreger deshalb auch als Eberth-Gaffky-Bakterium.

Kurz vor der Jahrhundertwende folgten zwei Entwicklungen, die den Umgang mit der Krankheit veränderten: der nach Georges-Fernand Widal benannte Bluttest und die ersten Impfversuche mit abgetöteten Erregern, an denen unter anderem der britische Arzt Almroth Wright beteiligt war. Vor allem für Soldaten war das bedeutsam, denn in den Kriegen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts starben regelmäßig mehr Männer an Typhus und ähnlichen Lagerkrankheiten als an Waffeneinwirkung.

Den größten Anteil am Rückgang der Erkrankung in Europa und Nordamerika hatte jedoch nicht die Medizin, sondern der Bau von Wasserleitungen und Abwassersystemen. Wo Trinkwasser sicher von Abwasser getrennt und aufbereitet wird, verliert ein Erreger, der über den Stuhl ausgeschieden und mit dem Wasser wieder aufgenommen wird, seinen wichtigsten Verbreitungsweg. Genau deshalb ist Typhus heute vor allem dort verbreitet, wo diese Trennung fehlt.

Wie folgenreich ein einzelner Dauerausscheider sein kann, zeigt der bekannteste Fall der Medizingeschichte: die als "Typhoid Mary" bekannt gewordene Köchin Mary Mallon, die im New York des frühen 20. Jahrhunderts in wechselnden Haushalten arbeitete. Sie war selbst gesund, schied den Erreger aber dauerhaft aus und löste in mehreren Haushalten Erkrankungen aus. Die Zusammenhänge wurden erst von einem Ingenieur aufgedeckt, der den Ausbrüchen nachging. Mallon bestritt zeitlebens, ansteckend zu sein, arbeitete nach einer ersten Zwangsunterbringung unter falschem Namen erneut als Köchin und verbrachte den Rest ihres Lebens auf einer Insel vor der Stadt in Absonderung. Ihr Fall gilt bis heute als Lehrstück über gesunde Ausscheider, über den Widerstreit zwischen dem Schutz der Allgemeinheit und den Rechten des Einzelnen – und über den Umstand, dass gerade Menschen ohne Krankheitszeichen die Erreger am weitesten tragen.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132447936
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
    ISBN: 9783642171574
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228

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