Tazaroten

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. März 2025
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Tazaroten

Bei dem Wirkstoff Tazaroten handelt es sich um ein Retinoid. Das Arzneimittel kommt in der Regel äußerlich zur Anwendung. Dabei wird es in der Form von Gel oder Salbe zur Therapie von Psoriasis (Schuppenflechte) des Plaque-Typs lokal aufgetragen. Das Medikament wird gleichermaßen als Tazaroten oder Tazarot bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Tazaroten?

Der Wirkstoff kommt in erster Linie im Rahmen der Behandlung von leichter bis mittlerer Plaque-Psoriasis zum Einsatz.

Das Arzneimittel Tazaroten ist ein Retinoid, das über rezeptorselektive und topische Eigenschaften verfügt. Dabei handelt es sich um eine spezielle Art von Retinoiden, die einer neuen pharmakologischen Generation angehören.

Der Wirkstoff kommt in erster Linie im Rahmen der Behandlung von leichter bis mittlerer Plaque-Psoriasis zum Einsatz. Der Stoff wird nach der Aufnahme über die Haut in relativ kurzer Zeit in einen Metaboliten namens Tazarotensäure verstoffwechselt. Hierbei besteht jedoch keine große Ähnlichkeit in der Struktur zu dem Vitamin A oder anderen Retinoiden, die bisher in der Therapie zum Einsatz kamen. Dazu gehören zum Beispiel auch Acitretin, Isotretinoin und Etretinat.

Dennoch wird der Wirkstoff Tazaroten zu Retinoiden mit einer sogenannten Ethin-Struktur gezählt. Grundsätzlich ist Tazaroten sensibel für Sauerstoff und sonstige Oxidationsmittel sowie Licht und Substanzen, die alkalisch reagieren.

Pharmakologische Wirkung

Das Medikament Tazaroten wirkt in erster Linie dadurch, dass es die Bildung und das Wachstum von Zellen beeinflusst. Darüber hinaus verfügt die Substanz auch über entzündungshemmende Effekte. Jedoch ist der exakte Mechanismus der Wirkung von Tazaroten nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung noch nicht vollständig bekannt.

Das Medikament Tazaroten schließt an den sogenannten Retinoic Acid Receptor an und setzt eine Modifikation von Genexpressionen in Gang. Der Wirkstoff nimmt auch Einfluss auf die Differenzierung von Zellen. Im Rahmen der Behandlung ist deshalb darauf zu achten, dass die Patienten direkte und intensive UV-Strahlung vermeiden. Grundsätzlich ist das Medikament in Deutschland sowohl apotheken- als auch verschreibungspflichtig.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Das Medikament Tazaroten eignet sich für die Therapie diverser Erkrankungen, jedoch kommt es hauptsächlich zur Behandlung von Psoriasis zum Einsatz. Für diesen Zweck existieren Gelzubereitungen mit verschiedenen Konzentrationen des Wirkstoffs. Diese sind für die topische Therapie von kleinflächiger, leichter bis mittelschwerer Psoriasis vom Plaque-Typus vorgesehen.

Zunächst ist gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die individuell angemessene Konzentration des Wirkstoffs im Gel zu bestimmen. Gele mit höheren Konzentrationen verursachen öfter Reizungen der Haut als niedriger dosierte Präparate. So sind zum Beispiel gerötete Hautstellen oder Juckreiz möglich. Jedoch ist die Wirkung entsprechend der höheren Dosis stärker und stellt sich auch rascher ein.

Vor dem Auftragen des Gels ist sicherzustellen, dass die betroffenen Hautstellen trocken sind. Wird das Gel im Anschluss an eine Dusche aufgetragen, ist die Haut gründlich abzutrocknen. Im überwiegenden Teil der Fälle wird das Tazaroten-Gel einmal am Tag vor dem Schlafengehen aufgetragen. Wichtig ist dabei, dass lediglich eine dünne Schicht auf die Haut aufgebracht wird. Auch ist darauf zu achten, dass ausschließlich die psoriatischen Hautstellen mit dem Gel benetzt werden. Damit werden Irritationen gesunder oder entzündeter Haut vermieden.

Das Gel darf nicht mit den Augen in Kontakt kommen, zudem ist nach dem Auftragen des Medikaments das Händewaschen nötig. Leiden die betroffenen Patienten an Psoriasis im Bereich der Hände, ist besonders darauf zu achten, dass das Gel nicht in das Gesicht oder die Augen gelangt. Geschieht dies doch, sind die Augen umgehend mit einer großen Menge kalten Wassers auszuspülen und gegebenenfalls ein Arzt zu konsultieren.


Verabreichung & Dosierung

Tazaroten ist ein topisches Retinoid, das zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Psoriasis, Akne und bestimmten Formen der Hautalterung eingesetzt wird. Es wird in Form von Gel oder Creme mit Konzentrationen von 0,05 % oder 0,1 % verabreicht. Die Anwendung erfolgt einmal täglich, vorzugsweise abends, da Retinoide die Haut lichtempfindlicher machen.

Vor der Anwendung sollte die Haut gründlich gereinigt und getrocknet werden. Eine erbsengroße Menge reicht für das gesamte Gesicht oder betroffene Hautareale aus. Der Kontakt mit Augen, Mund, Nasenschleimhaut sowie offenen Wunden sollte vermieden werden, da Tazaroten stark reizend wirken kann. Bei empfindlicher Haut oder anfänglicher Anwendung kann eine Eingewöhnungsphase sinnvoll sein, indem das Produkt zunächst jeden zweiten Tag aufgetragen wird.

Während der Behandlung kann es zu Nebenwirkungen wie Rötung, Trockenheit, Brennen oder Schuppenbildung kommen. Daher wird empfohlen, eine Feuchtigkeitspflege ohne reizende Inhaltsstoffe zu verwenden. Zudem sollte eine hohe Sonnenschutzmaßnahme (LSF 30 oder höher) beachtet werden, da Tazaroten die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlen macht.

Die Dosierung darf nicht eigenständig erhöht werden, da dies das Risiko für Hautirritationen und Nebenwirkungen erhöht. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist Tazaroten kontraindiziert, da es potenziell teratogen wirken kann.

Risiken & Nebenwirkungen

Im Rahmen der Therapie mit dem Medikament Tazaroten sind eine Vielzahl von unerwünschten Nebenwirkungen und Beschwerden möglich. Diese unterscheiden sich von Patient zu Patient und variieren je nach Einzelfall. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Brennen auf der Haut sowie gerötete Haustellen, Juckreiz und lokal begrenzte Reizungen.

Darüber hinaus stellen Ausschläge auf der Haut, Schuppungen, Kontaktdermatitis, Schmerzen sowie ein verschlechterter Zustand der Psoriasis weitere mögliche Nebenwirkungen dar. Außerdem treten mitunter Entzündungen auf der Haut sowie trockene Hautstellen auf.

Während der Behandlung mit einem Tazaroten-Gel sind diverse Interaktionen mit anderen Mitteln zu beachten. So empfiehlt sich der Verzicht auf Arzneistoffe, die die Haut reizen und austrocknen. Von einer zeitgleichen Anwendung mit Tazaroten ist daher abzusehen.

Zudem existieren einige Kontraindikation, bei denen das Medikament Tazaroten nicht verwendet werden darf. Dazu zählen zum Beispiel bekannte Unverträglichkeiten gegenüber dem Stoff Tazaroten sowie Psoriasis exfoliativa und Psoriasis pustulosa. Auch sollte das Medikament nicht im Bereich des Gesichts oder auf der Kopfhaut aufgetragen werden.

Die Therapie mit Tazaroten dauert maximal zwölf Wochen an, wobei nicht mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche mit dem Gel behandelt werden. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist von einer Behandlung mit dem Medikament Tazaroten abzusehen.

Im Anschluss an die orale Einnahme zeigt das Arzneimittel Tazaroten eine teratogene Wirkung. In Tierversuchen hat sich gezeigt, dass nach der dermalen Anwendung Veränderungen am Skelett von Föten aufgetreten sind. Treten während der Therapie mit dem Medikament Tazaroten entsprechende Nebenwirkungen oder andere Beschwerden auf, ist umgehend der behandelnde Arzt oder im Notfall ein Apotheker zu konsultieren.

Kontraindikationen

Tazaroten darf nicht bei bestimmten Patientengruppen angewendet werden, da es in einigen Fällen zu erheblichen gesundheitlichen Risiken oder Nebenwirkungen führen kann. Die wichtigste Kontraindikation betrifft Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch, da Tazaroten als teratogen gilt, also das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind erhöhen kann. Auch während der Stillzeit sollte die Anwendung vermieden werden, da nicht ausreichend untersucht ist, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht.

Patienten mit Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Retinoide oder einen der Inhaltsstoffe des Präparats sollten Tazaroten nicht verwenden, da dies zu schweren Hautreaktionen führen kann. Auch bei Hauterkrankungen mit starker Irritation, Ekzemen, Rosazea oder Sonnenbrand ist die Anwendung kontraindiziert, da Tazaroten die Haut weiter reizen und die Symptome verstärken kann.

Eine weitere Kontraindikation betrifft Patienten mit einer Neigung zu übermäßiger Sonnenexposition oder UV-Therapie, da Retinoide die Lichtempfindlichkeit der Haut stark erhöhen. Personen mit schweren Hauttrockenheiten oder offenen Wunden sollten ebenfalls vorsichtig sein, da Tazaroten die Hautbarriere weiter schwächen kann. Zudem wird es nicht empfohlen, das Medikament zusammen mit anderen reizenden oder exfolierenden Produkten wie Benzoylperoxid oder Alpha-Hydroxysäuren zu verwenden, da dies das Risiko für Hautirritationen erhöht.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Tazaroten kann mit verschiedenen Medikamenten und topischen Behandlungen interagieren, insbesondere mit Wirkstoffen, die die Haut reizen oder die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen erhöhen. Eine gleichzeitige Anwendung mit anderen topischen Retinoiden oder Peeling-Wirkstoffen wie Benzoylperoxid, Salicylsäure oder Alpha-Hydroxysäuren (AHA) kann die Haut stark austrocknen und zu Reizungen, Rötungen und Schuppung führen. Daher sollte bei der Kombination mit solchen Substanzen ein schrittweises Vorgehen oder eine abwechselnde Anwendung in Betracht gezogen werden.

Medikamente, die die Haut lichtempfindlicher machen, wie Tetracycline, Fluorchinolone oder Sulfonamide, können das Risiko für Sonnenbrand und Hautschäden in Kombination mit Tazaroten erhöhen. Patienten, die solche Medikamente einnehmen, sollten verstärkt auf Sonnenschutzmaßnahmen achten und direkte UV-Exposition vermeiden.

Auch die gleichzeitige Anwendung von Glukokortikoiden oder immunsuppressiven Wirkstoffen, die das Immunsystem beeinflussen, kann die Hautempfindlichkeit verstärken oder die Wirkung von Tazaroten verändern. Zudem kann die Kombination mit Vitamin-A-Präparaten oder systemischen Retinoiden wie Isotretinoin das Risiko für Vitamin-A-Überdosierung und toxische Nebenwirkungen erhöhen, weshalb diese Kombination vermieden werden sollte.

Bei der Anwendung von Tazaroten mit stark austrocknenden oder alkoholhaltigen Hautpflegeprodukten, adstringierenden Mitteln oder Seifen kann es zu verstärkter Hautirritation kommen. Daher ist eine milde, feuchtigkeitsspendende Hautpflege während der Behandlung zu empfehlen.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Tazaroten nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, stehen verschiedene alternative Wirkstoffe und Behandlungsmethoden zur Verfügung, die je nach Indikation – sei es Akne, Psoriasis oder Hautverjüngung – eingesetzt werden können.

Für die Behandlung von Akne können alternative topische Retinoide wie Adapalen oder Tretinoin eine Option sein, da sie häufig besser vertragen werden. Falls Retinoide generell problematisch sind, können Benzoylperoxid, Azelainsäure oder Salicylsäure als entzündungshemmende und antibakterielle Wirkstoffe eingesetzt werden. Diese regulieren die Talgproduktion, befreien die Poren und reduzieren Unreinheiten, ohne die intensive Hautreizung von Tazaroten zu verursachen.

Bei Psoriasis kann die Verwendung von Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol oder milden Kortikosteroiden eine gute Alternative sein. Auch Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus oder Pimecrolimus sind eine Option, insbesondere für empfindliche Hautbereiche. In schweren Fällen kann eine Lichttherapie (Phototherapie mit UVB-Strahlen) als nicht-medikamentöse Alternative genutzt werden.

Wenn Tazaroten zur Hautverjüngung oder gegen Hyperpigmentierung eingesetzt wurde, bieten sich Niacinamid, Peptide, Bakuchiol oder milde Fruchtsäuren (AHAs) als sanftere Alternativen an. Bakuchiol gilt als pflanzlicher Retinoid-Ersatz mit ähnlicher Wirkung, jedoch ohne die starke Reizung. Eine konsequente Hautpflege mit Antioxidantien wie Vitamin C kann zusätzlich helfen, das Hautbild zu verbessern.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

Das könnte Sie auch interessieren

Close menu