Thermosonde

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Thermosonde ist ein medizinisches Hilfsmittel zur Verödung von peripheren Nerven. Bei diesem Vorgang wird die Spitze der Sonde kontrolliert erhitzt. Der Eingriff wird unter sterilen Bedingungen meist ambulant vorgenommen, Hauptindikation sind chronische Schmerzen an der Wirbelsäule.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Thermosonde?

Die Thermosondentherapie ist ein in der Schmerztherapie, in der Orthopädie und in der Neurochirurgie etabliertes minimal invasives Operationsverfahren. Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten und wird von erfahrenen Ärzten auch ohne intraoperative Röntgenkontrolle durchgeführt. Eine gezielte, zuverlässige und vor allem auch komplikationsarme Denervierung ohne Röntgendurchleuchtung ist jedoch nicht möglich. Für die exakte Platzierung der Sonde ist Millimeterarbeit gefragt und eine Sichtkontrolle mittels Röntgendurchleuchtung (C-Bogen) istin mehreren Ebenen erforderlich.

Die Thermosonde arbeitet mit Hitze zur Verödung von peripheren Nervenfasern an der Lendenwirbelsäule, die für die Auslösung chronischer Schmerzen und Verspannungen der Muskulatur verantwortlich sein können. Die verödeten Nervenstränge können sich jedoch mit der Zeit wieder regenerieren und damit erneut zu schmerzhaften Verspannungen, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen führen.

Daher ist es bei chronischen Schmerzpatienten nicht selten, dass der Eingriff, im Abstand vom einigen Monaten, mehrmals durchgeführt wird. Lassen die Schmerzen durch die Behandlung mit der Thermosonde nicht nach, dann sind die peripheren Nerven an der Wirbelsäule auch nicht die Schmerzursache. Das medizinische Verfahren, welches mithilfe der Thermosonde an der Wirbelsäule durchgeführt wird, heißt Thermokoagulation. Es beschreibt eine Verödung von Nerven durch die Einwirkung von Hitze. Da bei diesem Vorgang Eiweiß denaturiert, spricht man auch von Koagulation.

Formen, Arten & Typen

Medizinische Thermosonden entsprechen prinzipiell der gleichen Bauart, denn sie sind allesamt ausgerichtet auf die Verödung feinster Nervenendigungen an der Wirbelsäule. Es gibt Thermosonden, welche für den mehrfachen Gebrauch geeignet und damit wiederverwendbar sind. Zu diesem Zweck wird die Spitze der Sonde, zumeist aus Stahl bestehend, vor jeder weiteren Verwendung sterilisiert. Die Sterilisation als Vorgang zur Vernichtung sämtlicher Keime und Bakterien muss streng nach den Vorgaben des Herstellers erfolgen.

Daneben gibt es auch Einwegsonden, die nach einer einmaligen Anwendung an einem Patienten verworfen werden. Praxen, in denen täglich eine Vielzahl von Behandlungen mit der Thermosonde durchgeführt wird, verwenden in der Regel Einmalsonden. Mehrfachsonden sind in der Anschaffung deutlich teurer und kommen heute seltener zum Einsatz. Welche Art einer Sonde ein Behandler bevorzugt, ist individuell und auch von der Indikation abhängig.

Aufbau & Funktionsweise

Thermosonden für die sichere und unschädliche Läsion von peripheren Nerven weisen in der Regel eine Gesamtlänge von 50 Millimetern auf. Zu jeder Sonde gehören ein passender Generator sowie ein spezielles Adapter Kabel, über das die Sonde mit dem Generator verbunden ist. Über einen Regler kann der Arzt die benötigte Hitze an der Spitze der Thermosonde genau einstellen und auch während des Eingriffs genau modifizieren. Denn sobald ein Nerv verödet wurde, führt dies zu einem leichten Rückgang der Temperatur in der Sondenspitze.

"An der Lendenwirbelsäule werden Sondenlängen von 80 Millimetern und mehr benötigt, wobei in jedem Fall die aktive erhitzbare Sondenspitze nur eine Länge von 5-10 Millimetern aufweist. Die Dauer des Eingriffes hängt von der Anzahl der zu behandelnden Wirbelsegmente ab. Da in einer Sitzung üblicherweise zwei bis drei Segmente (4-6 Wirbelgelenke) behandelt werden, ist mit einer Zeitdauer des Eingriffes von mindestens 30-45 Minuten zu rechnen. Eine Sedierung durch einen Anästhesisten ist bei den meisten Patienten nicht nötig und wäre sogar von Nachteil, da eine stetige Kommunikation mit dem wachen Patienten erfolgen sollte. Die lokale Betäubung reicht in der Regel völlig aus. Bei korrekter Anwendung durch einen erfahrenen Spezialisten, ist die Wirkdauer bei der Mehrzahl der Patienten deutlich länger. Eineinhalb Jahre oder mehr sind keine Seltenheit." (Quelle: Dr. med. Thomas Beckert, orthopaedie-chiemsee.de)

Die eigentliche Behandlung geschieht dadurch, dass die aufgeheizte Spitze einen vom Arzt ausgesuchten peripheren Nerven kurz und gezielt berührt. Das Eiweiß der Nervenspitze gerinnt sofort, diesen Vorgang bezeichnet man als Koagulation. Der Nerv ist damit unschädlich gemacht, eine Weiterleitung von Schmerzinformationen durch den behandelten Nerv kann somit nicht mehr erfolgen.

Die Spitze einer Thermosonde wird in der Regel auf ein Minimum von 70°C, besser 80°-85°C aufgeheizt. Diese Temperatur wird aber nicht als Schmerz verspürt, weil vor der Erhitzung eine örtliche Betäubung erfolgt. In einer Therapiesitzung können einzelne Nervenstränge auch mehrfach verödet werden.


Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Der medizinische und gesundheitliche Nutzen der Sondenverödung wird bei chronischen Schmerzpatienten als außerordentlich hoch eingestuft. Oft steht die Behandlung mit der Thermosonde am Ende einer ganzen Reihe von konservativen Maßnahmen zur Schmerzbekämpfung. Dadurch, das die Thermosondenbehandlung minimal invasiv ist, gilt sie als besonders risikoarm und schonend.

Die Behandlung wird in Bauchlage durchgeführt, in der Regel unter Anwesenheit eines AnästhesistenIn, der für die Sedierung des Patienten während des Eingriffs verantwortlich ist. Eine Vollnarkose ist nicht erforderlich und nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen gerechtfertigt.

Der medizinische Nutzen ist nicht zuletzt auch darin begründet, dass durch die Anwendung der Thermosonde eine risikoreiche Versteifungsoperation von Segmenten der Wirbelsäule in vielen Fällen vermieden werden kann. Hauptursache von chronischen Schmerzen an der Wirbelsäule sind Abnutzungserscheinungen wie Arthrose, die dann auch zur Degeneration von Bandscheiben führen können. Die Behandlung mit der Thermosonde beseitigt also nicht direkt die Schmerzursache, also beispielsweise die Arthrose, sondern unterbricht durch Verödung der Nerven die Schmerzweiterleitung.

Dies führt bei den meisten Patienten nach dem Eingriff zu einer signifikanten Schmerzverringerung, wenn nicht gar zur völligen Schmerzfreiheit. Wenn die schmerzauslösenden Nervenfasern durch vorhergehende Diagnostik genau bekannt sind, kann der Einsatz der Thermosonde auch unter Bildgebung erfolgen. Dann wäre bei einer Computertomografie als Röntgenkontrolle die zusätzliche Gabe eines Kontrastmittels erforderlich.

Nach dem Eingriff müssen Patienten überwacht werden, können dann allerdings umgehend nach Hause entlassen werden. Auch eine umfangreiche Schonung am Tag des Eingriffs ist nicht erforderlich, sodass in der Regel ganz normalen Alltagstätigkeiten ohne Einschränkung nachgegangen werden kann.

Obwohl eine Behandlung mit der Hitzesonde zur Thermokoagulation sehr oft bei älteren Menschen durchgeführt wird, eignet sie sich grundsätzlich für jede Altersgruppe. Besonders Patienten mit chronischen Beschwerden profitieren von dem Verfahren.

Neben dem altersbedingten Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke können mit der Thermosonde auch knöcherne Veränderungen in der Hals- oder Brustwirbelsäule, etwa als Folge von Unfällen oder vorangegangen Operationen, erfolgreich therapiert werden.

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