Bartflechte (Tinea barbae)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Bartflechte (Tinea barbae)

Die Bartflechte, auch Tinea barbae oder Bartmykose genannt, ist eine männliche Hauterkrankung, die durch Pilze verursacht wird. Sie zeigt sich durch große rötliche Flecken, die im Krankheitsverlauf zu Pusteln werden können und vor allem an der Gesichtsbehaarung auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Bartflechte?

Bartflechte (Tinea barbae)
Die Ursache der Bartflechte sind Infektionen mit spezifischen Fadenpilzen, den Dermatophyten.
© David Pereiras – stock.adobe.com

Die Bartflechte, deren medizinischer Fachbegriff Tinea barbae ist, gehört zu den sogenannten Dermatophytosen. Hierunter werden Hauterkrankungen gefasst, die durch eine der 38 Arten der Dermatophyten, einer Fadenpilzart, verursacht werden.

Eine der häufigsten Formen dieser Erkrankung ist die Bartflechte, die nur bei Männern auftritt. Daneben gibt es ähnliche, durch diese Pilze verursachte Hautausschläge, die alle Säugetiere befallen können, beispielsweise die Kopfflechte oder die Gesichtsflechte.

Die Bartflechte betrifft in der Regel ältere Männer, Jungen und junge Männer sind selten betroffen. Das Vorhandensein und die Länge des Bartes spielen jedoch keine Rolle bei Krankheitsentstehung und -verlauf.

Typische Symptome der Bartflechte sind runde, schuppige, rötliche Flecken, die sich sehr schnell mit den Haarfollikeln am Haaransatz verbinden und dort sogenannte Furunkel oder Pusteln bilden. Furunkel sind tiefe, sehr schmerzhafte Entzündungen von Haarbalg und dem ihn umgebenden Gewebe, die sich mit Eiter füllen und bei ihrer Abheilung Narben hinterlassen.

Ursachen

Die Ursache der Bartflechte sind Infektionen mit spezifischen Fadenpilzen, den Dermatophyten. Die genauen Erreger heißen Trichophyton mentagrophytes, der bei Nagetieren vorkommt, oder Trichophyton verrucosum, dessen Hauptwirte Rinder sind. Seltener können auch Sprosspilze als Ursache ausgemacht werden. Ein sehr ähnliches Krankheitsbild rufen bakterielle Entzündungen der Barthaarbälge hervor, zumeist durch Staphylokokken; diese sogenannte Sycosis barbae ist jedoch keine Pilzerkrankung und wird mit Antibiotika behandelt.

Die Übertragung der Erreger und somit die Ansteckung erfolgt durch Kontakt mit den genannten Tierarten. Problematisch ist, dass die Pilzsporen nicht nur hochansteckend sind, sondern sich zudem auch noch über vier Jahre infektiös und resistent gegenüber jeglichen Umwelteinflüssen zeigen.

Um den Menschen anstecken zu können, müssen die Pilze die natürliche Hautflora und ihr spezifisches Immunsystem überwinden, um in Nägel, Hornschicht oder Haare eindringen zu können. Die folgenden Abläufe sind sehr komplex, führen jedoch zu den geschilderten Symptomen.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Bartflechte ist mit einem charakteristischen Erscheinungsbild verbunden. Typischerweise ist die Gesichtshaut gerötet und schmerzt oder juckt. Ein erstes Anzeichen sind kreisrunde rote Stellen in der Region des Bartes, an denen sich nässende Schuppen bilden können.

Im späteren Stadium gleicht die Erkrankung einer schweren Form von Akne: Die entzündeten Herde füllen sich mit Eiter und rufen einen starken Juckreiz hervor. Sollten sich die Pusteln nicht von selbst entleeren, bilden sich große Furunkel. Begleitend dazu können Fieber, Schüttelfrost und Kreislaufbeschwerden auftreten. Eine Bartflechte äußert sich außerdem durch einen unangenehmen Geruch.

Vor allen mit dem Fortschreiten der Erkrankung kommt es im Bereich des Ausschlags zu einem leicht fauligen Duft. Des Weiteren kann es zu Abszessen, narbigen Hautveränderungen und Blutungen kommen. Bei einem schweren Verlauf fällt das Barthaar an der betroffenen Stelle aus, was zu den charakteristischen lichten Flecken führt.

Liegt der Bartflechte eine ernste Infektionskrankheit zugrunde, kann sich die Entzündung auf weitere Körperregionen ausbreiten. Dann kommt es im Verlauf der Erkrankung am Hals, am Nacken und schließlich im Oberkörper und an den Armen zu Rötungen und Entzündungen. Bei fehlender Behandlung können sich ernste Herz-Kreislauf-Beschwerden und andere Komplikationen einstellen.

Diagnose & Verlauf

Stellt ein Mann auffällige Flecken an sich fest, so sollte er sich einen Termin bei einem Dermatologen besorgen. Wichtig ist, schon bei der Terminvereinbarung den Ausschlag möglichst genau zu schildern, um einen möglichst zeitnahen Termin zu bekommen.

Für den Hautarzt sind Form, Aussehen und Ort des Ausschlags schon ein typisches Indiz auf Bartflechte und er kann auf Verdacht eine allgemeine Behandlung einleiten. Die genaue Diagnose und damit die ursachenbezogene Behandlung darf jedoch erst gestellt werden, wenn nach einem Abstrich und der Laboranalyse der Haut der Erreger einwandfrei identifiziert wurde.

Differenzialdiagnostisch sind Lupus erythematodes, eine Autoimmunerkrankung, andere Hautpilzerkrankungen, Schuppenflechte und Ekzeme auszuschließen.

Werden die rötlichen Flecken nicht oder unzureichend behandelt, so entwickeln sie sich zu eitergefüllten Furunkeln und, sollte weiterhin eine Behandlung ausbleiben, zu großen Abszessen. Diese können mit einer Lymphknotenschwellung und Fieber einhergehen. Auch die Chronifizierung der Bartflechte ist eine mögliche Komplikation des unbehandelten Verlaufs.

Komplikationen

Die Bartflechte, die meist von dem Fadenpilz Trichophyton mentagrophytes oder Trichophyton verrucosum hervorgerufen wird, kann unbehandelt zu erheblichen Komplikationen führen. Nach dem Anfangsstadium der Pilzinfektion bilden sich typischerweise auf der Gesichtshaut in den Bereichen mit Bartwuchs Pusteln, die sich mit Eiter füllen. Wenn die Eiterpusteln nicht aufplatzen und nicht mechanisch eröffnet werden, entstehen tief reichende, schmerzhafte Furunkel.

Mehrere Furunkel können sich zu Karbunkeln zusammenschließen und letztlich Abszesse verursachen, die auch von Fieber begleitet sein können. Bei Nichtbeachtung einer Grundhygiene bieten Furunkel, Karbunkel und Abszesse das Einfallstor für Infektionen mit anderen Keimen. Als weitere Komplikation kann sich deshalb eine Art Superinfektion ausbilden, die von verschiedensten Keimen verursacht werden kann.

Bei weiterer Nichtbehandlung der Erkrankung besteht die Gefahr, dass die Entzündungen chronisch werden und nur schwer behandelbar sind. Falls sich keine Superinfektion einstellt, heilt die Bartflechte normalerweise nach mehreren Monaten von selbst aus. Allerdings hinterlassen die ausgeheilten Furunkel, Karbunkel und Abszesse Narben, die ein kosmetisches Problem darstellen können.

Falls der Erreger der beginnenden Bartflechte einwandfrei diagnostiziert werden kann, stehen breitbandige und zum Teil auch erregerspezifische Antimykotika zur äußeren und inneren Anwendung zur Verfügung. Die oben beschriebenen Komplikationen bleiben bei einer fachgerechten und gezielten Behandlung weitestgehend aus. Die Bartlänge selbst hat keinen Einfluss auf die Erscheinungsformen der Bartflechte.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Auftreten von Bartflechte sollte in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden. Die Beschwerden können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch dort zu verschiedenen Beschwerden führen. Dabei sollte bei dauerhaften Rötungen der Haut oder beim Auftreten von Pusteln in der Region des Bartes ein Doktor aufgesucht werden. Auch bei Schwellungen der Lymphknoten oder bei hohem Fieber können die Beschwerden auf Bartflechte hinweisen, sodass eine Untersuchung bei einem Arzt sinnvoll ist. Nicht selten kommt es weiterhin auch zu anderen Erkrankungen der Haut oder zu Schuppenflechten.

In der Regel kann bei Bartflechten direkt ein Hautarzt aufgesucht werden. In akuten Notfällen oder bei einem starken Juckreiz oder bei Schmerzen kann auch das Krankenhaus aufgesucht werden. In der Regel wird die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Die Beschwerden werden dabei relativ gut eingedämmt. Vor allem eine gründliche Rasur des Bartes unterstützt die Behandlung, ersetzt sie jedoch nicht. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch diese Beschwerde nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Zwar heilt die Bartflechte häufig nach mehreren Monaten von selbst aus, da dies jedoch nicht ohne Abszessbildung vonstatten geht, sind hiermit Schmerzen und große Narben verbunden.

Aus diesem Grund ist Betroffenen eine fachärztliche Behandlung anzuraten. Zudem sollte eine Chronifizierung verhindert werden. Ein wichtiger erster Behandlungsschritt ist die gründliche Rasur des betroffenen Bereiches.

Die weitere Therapie richtet sich nach den festgestellten Erregern und der Schwere der Erkrankung. Bartpilzflechten werden äußerlich mit Antimykotika oder desinfizierenden Cremes behandelt. Da der Pilz bis in die Haarfollikel hineinreicht, genügt eine rein äußerliche Behandlung jedoch in aller Regel nicht: Zusätzlich werden Antimykotika wie Terbinafin oder Itraconazol über mehrere Wochen eingenommen.

Aussicht & Prognose

Die Bartflechte lässt unterschiedliche Prognosen zu, die abhängig vom Betroffenen, seiner Hygiene und der Art der Behandlung sind. So kann eine frühzeitig erkannte Bartflechte, die sich noch nicht im Stadium der Abszess- und Furunkelbildung befindet, gut medikamentös behandelt werden. Ein völliges Ausheilen ist zu erwarten und es sind bei früher Erkennung keine Folgeschäden zu erwarten.

Unbehandelt heilt die Tinea barbae ebenfalls aus. Dies bedeutet für den Betroffenen aber auch, dass sich erst Pusteln bilden, später dann Furunkel und Abszesse. Dies kann aufgrund der enormen Hautschädigungen Zweitinfektionen mit anderen Erregern ermöglichen, wodurch eine gefährliche Superinfektion möglich wird.

Die Reihe an darauf folgenden Komplikationen ist lang und umfasst unter anderem eine dauerhafte Entstellung des Gesichtes durch Gewebeschädigungen. Außerdem gehen Haarwurzeln - und damit der Bartwuchs - an betroffenen Stellen häufig verloren, wenn der Pilz nicht medikamentös behandelt wird.

Außerdem kann ein Voranschreiten der Pilzinfektionen zu geschwollenen Lymphknoten und Fieber führen.

Die Behandlung einer Bartflechte ist umso erfolgreicher, je gewissenhafter sie durchgeführt wird. Empfohlen wird zur besseren Erreichbarkeit des Pilzes und zur besseren Hautregeneration, dass vorhandener Bart abrasiert wird. Je besser das Gesicht im Zuge der Behandlung gepflegt wird, desto besser kann sich auch die Haut regenerieren.

Ein einmaliger Befall durch eine Bartmykose führt beim Betroffenen nicht zu einer Immunität. Der Hauttyp, verschiedene Krankheiten und die Lebensumstände sind maßgeblich an der Wahrscheinlichkeit einer Wiedererkrankung beteiligt.


Vorbeugung

Antimykotika sind sehr wirksame Medikamente gegen Pilze, sofern sie richtig eingesetzt und auf den Krankheitserreger ausgerichtet werden. Sie werden als Creme oder Salbe aufgetragen und bei Befall der Haarfollikel zusätzlich als Tablette eingenommen.

Es gibt aufgrund der Langlebigkeit der Erreger keine sicheren Präventivmaßnahmen, wenn der Kontakt mit erkrankten Tieren nicht ausgeschlossen werden kann.

Erkrankte sollten jedoch strenge Hygienemaßnahmen einhalten, um eine wiederkehrende Ansteckung zu vermeiden. Benutzte Rasierapparate sollten nach jeder Nutzung desinfiziert werden, Handtücher und Waschlappen müssen regelmäßig heiß gewaschen oder idealerweise ausgekocht werden.

Nachsorge

Nachsorgebehandlungen oder Nachsorgeuntersuchungen sind bei einer völlig austherapierten oder von allein ausgeheilten Bartflechte nicht vonnöten. Bei allein ausgeheilter Bartflechte ist davon auszugehen, dass kein Rezidiv mehr besteht. Auch bei mit Antimykotika behandelter Tinea barbae wird davon ausgegangen, dass eine mehrwöchige Behandlung auch die letzten Spuren des Pilzes beseitigt.

Die einzige Ausnahme stellen besonders gravierende Pilzbefälle dar, bei welchen nicht auszuschließen ist, dass die Sporen sich auch außerhalb des Halses und der Bartregion aufhalten. Hier wird auch bei völligem Abklingen der Symptome in der Regel die Einnahme von systemischen Antimykotika empfohlen. Dies wird meist über einige Wochen fortgesetzt und sollte aufgrund der Belastung der Leber mit Blutwertuntersuchungen kombiniert werden.

Die eventuell entstehenden Narben, die durch den Pilz verursacht werden, benötigen keine Nachsorge. Sie stellen lediglich ein kosmetisches Problem dar. Zudem gilt für Menschen, die einen intensiven Kontakt mit Felltieren haben (also etwa für Landwirte), dass ihre Tiere auf einen Pilzbefall untersucht werden sollten. Dies liegt daran, dass gerade haarige Tiere den Pilz besonders oft übertragen. Entsprechend gehört es zur Nachsorge (und auch zur Prophylaxe einer weiteren Infektion), dass der Bestand überprüft und gegebenenfalls therapiert wird.

Das können Sie selbst tun

Bartflechten lassen sich in Rücksprache mit einem Arzt selbstständig behandeln. Begleitend zur ärztlich verordneten Therapie wird die betroffene Stelle mehrmals täglich mit pilztötenden Salben, Lotionen und Cremes versorgt. Bis die Entzündung abgeklungen ist, sollte außerdem auf eine Nassrasur verzichtet werden. Es empfiehlt sich, Trockenrasierer zu verwenden und generell auf eine ausreichende Hygiene zu achten. Um eine erneute Entzündung zu verhindern, sollten auch die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten hinterfragt und gegebenenfalls umgestellt werden.

Zuvor muss allerdings die Ursache der Bartflechte ermittelt werden. Begünstigend wirkt mitunter eine geschwächte Immunabwehr, die sich neben einer gesunden Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung auch durch eine Darmsanierung oder Eigenbluttherapie behandeln lässt. Heilkräuter wie die Taigawurzel haben ebenfalls einen positiven Effekt auf das körpereigene Abwehrsystem.

Gegen die eigentliche Entzündung hilft Ringelblumensalbe oder -tinktur aus der Apotheke. Alternativ können Tees oder Kompressen aus Zinnkraut verwendet werden. Aus der Homöopathie bieten sich etwa die Schüssler Salze Nr. 1 „Calcium fluoratum“, Nr. 11 „Silicea“ und Nr. 12 „Calcium sulfuricum“ an. Günstige Alternativen aus dem Haushalt sind unter anderem Essig und Teebaumöl.

Quellen

  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Fritsch, P., Schwarz, T.: Dermatologie Venerologie.
    ISBN: 9783662536469
  • Dirschka, T., Oster-Schmidt, C., Hartwig, R. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie.
    ISBN: 9783437223037
  • Altmeyer, P., Paech, V.: Dermatologische Differenzialdiagnose.
    ISBN: 9783642348303

Das könnte Sie auch interessieren