Virales hämorrhagisches Fieber

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 12. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das virale hämorrhagische Fieber ist ein Sammelbegriff für viral bedingte Erkrankungen, die mit hohem Fieber und inneren Blutungen einhergehen. Für diese Erkrankungen sind vier verschiedene Gruppen von Viren verantwortlich, die aber miteinander in verwandtschaftlicher Beziehung stehen. Derzeit kann ein ausgebrochenes virales hämorrhagisches Fieber noch nicht kausal behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein virales hämorrhagisches Fieber?

Alle Erreger für ein virales hämorrhagisches Fieber wurden ursprünglich vom Tier auf den Menschen übertragen. Träger dieser Viren sind vor allen Affen, Nagetiere, Fledermäuse und auch Haustiere.
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Virales hämorrhagisches Fieber bezeichnet eine Gruppe von virusbedingten Infektionskrankheiten, deren Hauptsymptom sich als Kombination aus hohem Fieber mit starken inneren Blutungen äußert. Zu dieser Gruppe von Krankheiten gehören im engeren Sinne sehr schwere, hochansteckende und lebensbedrohliche Infektionen. Im weiteren Sinne werden auch mildere Erkrankungsformen dazu gerechnet, bei denen der Übertragungsweg nicht direkt, sondern über Vektoren erfolgt.

Es gibt vier Gruppen von Erregern, die ein virales hämorrhagisches Fieber auslösen können. Dazu zählen unter anderem die Familien der Arenaviridae, der Bunyaviridae, der Filoviridae und der Flaviviridae. Diese Virusfamilien sind teilweise miteinander verwandt. Bei allen entsprechenden Erregern handelt es sich um RNA-Viren. Die Arenaviridae sind unter anderem für die Auslösung des Lassafiebers und andere hämorrhagische Fieber verantwortlich.

Überträger sind in den meisten Fällen Nagetiere. Bunyaviridae werden wiederum hauptsächlich durch Insekten wie Moskitos, Stechmücken, Sandmücken oder anderen übertragen. Sie lösen verschiedene Formen des Hanta-Fiebers sowie das Rifttalfieber (RVF) oder das Krim-Kongo-Fieber (CCHF) aus. Die Filoviridae verursachen Ebola oder das Marburgfieber. Gelbfieber, Dengue-Fieber, Wests-Nil-Fieber, Kyasanur-Wald-Fieber oder das Omsker Fieber (OHF) werden durch die Familie der Flaviviridae hervorgerufen.

Ursachen

Alle Erreger für ein virales hämorrhagisches Fieber wurden ursprünglich vom Tier auf den Menschen übertragen. Es handelt sich um sogenannte Zoonosen. Träger dieser Viren sind vor allen Affen, Nagetiere, Fledermäuse und auch Haustiere. Die Tiere selber erkranken nicht am hämorrhagischen Fieber, weil ihr Immunsystem auf diese Viren angepasst ist. Der Mensch ist jedoch ein Fehlwirt und kommt erstmalig mit den Erregern in Berührung.

Daher ergeben sich heftige Abwehrreaktionen, die zu hohem Fieber und Zerstörung der Blutgefäße führen können. Es gibt jedoch auch Infektionen, die stumm verlaufen. Als Überträger vom Tier zum Menschen kommen häufig Insekten wie Mücken oder Zecken infrage. Aber auch der Verzehr infizierter Tiere führt oft zu einer Infektion. Auch beim Kontakt mit infiziertem Tierkot oder Urin kann die Erkrankung ausgelöst werden.

Das gilt vor allem für das Lassa-Fieber. Manches hämorrhagische Fieber kann auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Das erfolgt unter anderem über Tröpfcheninfektion, Stuhl, Urin, Erbrochenes, Schweiß oder auch Blutkontakte. Je höher die Viruslast eines Patienten ist, desto höher ist auch die Infektiosität.

Die hohe Infektiosität führt unter anderem dazu, dass viele Neuinfektionen im Krankenhaus auftreten. Daher sind höchste Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Infizierte Personen müssen streng isoliert werden, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Obwohl es sich um verschiedene Erkrankungen und Erreger handelt, sind allen Infektionen hohes Fieber, innere Blutungen sowie Nieren- und Leberfunktionsstörungen mit Ödemen gemeinsam. Die Blutungen entstehen durch sogenannte capillary leakage (Zerstörung von kapillaren Blutgefäßen). Dabei treten dauernd blaue Flecken auf. Stuhl und Urin sind häufig blutig.

Es kann zu Kreislaufzusammenbrüchen, Schockzuständen, Krämpfen oder gar Lähmungserscheinungen kommen. Die Prognose der Erkrankung verschlechtert sich durch starke Blutungen und entzündliche Erkrankungen der Hirnhaut oder des Hirns. Wenn der Patient die Erkrankung übersteht, leidet er häufig an neurologischen Folgeerscheinungen wie Hörminderung.

Nicht alle Infektionen führen jedoch zu einem hämorrhagischen Fieber. Es gibt sogar Patienten, die asymptomatisch sind. Auch innerhalb einer spezifischen Infektion sind durchaus auch unterschiedliche Krankheitsverläufe möglich. Erkrankungen wie Ebola oder das Marburgfieber zeigen jedoch fast immer die Symptome eines hämorrhagischen Fiebers. Bis zu 90 Prozent der Betroffenen überstehen diese Infektionen nicht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Untersuchung eines viralen hämorrhagischen Fiebers muss unter Hochsicherheitsbedingungen durchgeführt werden, um eine Übertragung der Erreger zu vermeiden. Das Virus kann im Blut, Urin oder Speichel diagnostiziert werden. Zunächst müssen Differenzialdiagnosen gegen Malaria und bakterielle Infektionen erfolgen. Durch die eindeutige Bestimmung des Virus kann die entsprechende Erkrankung diagnostiziert werden.

Komplikationen

Abhängig von der Art und Schwere der Erkrankung, kann ein virales hämorrhagisches Fieber verschiedene Komplikationen hervorrufen. Gemeinsam haben die verschiedenen Erkrankungen und Erreger hohes Fieber, Nieren- und Leberfunktionsstörungen sowie innere Blutungen. Werden innere Blutungen nicht umgehend gestoppt, kann der Blutverlust eine Blutarmut mit Mangelerscheinungen und Schockgefahr hervorrufen.

Bei einem schweren Verlauf kann das Fieber lebensbedrohliche Folgen haben, zum Beispiel kann es zu Herz-Rhythmus-Störungen und Kreislaufversagen kommen. Auch Krämpfe und Lähmungserscheinungen sind bei einem schweren Verlauf nicht auszuschließen. Tritt eine entzündliche Erkrankung der Hirnhaut auf, kann dies eine Blutvergiftung zur Folge haben. Daraus kann ein septischer Schock und akutes Kreislaufversagen resultieren.

Weiterhin kann es zu Organversagen, Hirnabszessen und neurologischen Schäden kommen. Ein virales hämorrhagisches Fieber ist meist auch mit Folgeerscheinungen wie Hörminderung und neurologischen Ausfallerscheinungen verbunden. Die Behandlung verläuft normalerweise ohne Zwischenfälle.

Allerdings können fiebersenkende Medikamente Nebenwirkungen hervorrufen und beispielsweise zu Kreislaufbeschwerden führen. Wird eine Infusion gelegt, um den Flüssigkeits- und Nährstoffhaushalt zu regulieren, treten mitunter Entzündungen an der Einstichstelle auf. In Einzelfällen reagiert der Patient allergisch auf die verwendeten Materialien und Stoffe.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Anhaltendes oder zunehmendes Fieber ist grundsätzlich eine Beschwerde, die ärztlich abgeklärt werden muss. Eine stark erhöhte Körpertemperatur kann als Warnsignal des Organismus verstanden werden. Da in einer Vielzahl der Fälle Ansteckungsgefahr besteht, müssen zu dem Vorkehrungen getroffen werden, damit Menschen aus der näheren Umgebung nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Kommt es zu einem Gefühl der inneren Schwäche, einer inneren Trockenheit sowie einer Hitzeentwicklung, benötigt der Betroffene umgehend medizinische Hilfe. Bei einem Zusammenbruch des Kreislaufs, einem Schockzustand oder starken Krämpfen muss ein Krankenhaus aufgesucht werden. In akuten Fällen ist ein Rettungsdienst unverzüglich zu alarmieren. Bis zu dessen Ankunft sind Maßnahmen der Ersten Hilfe zu ergreifen, um das Überleben des Betroffenen zu sichern.

Störungen des Hörens oder des Sehens sowie eine mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit sind Warnsignale des Organismus. Kommt es zu einer Desorientierung, besteht akuter Handlungsbedarf. Einschränkungen der Mobilität, Schmerzen sowie Lähmungserscheinungen und Muskelbeschwerden müssen untersucht und behandelt werden. Veränderungen des Hautbildes und die Entstehung von blauen Flecken sind weitere Beschwerden, die bei einem Arztbesuch besprochen werden müssen. Bei plötzlichen Blutungen beim Toilettengang, Appetitlosigkeit und Anzeichen einer Verwirrtheit benötigt der Betroffene eine medizinische Versorgung. Da sich der Betroffene bei dem viralen hämorrhagischen Fieber in einer lebensgefährlichen Situation befindet, ist es notwendig, das anwesende Personen schnellstmöglich reagieren.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Behandlung von viralem hämorrhagischen Fieber ist zurzeit noch nicht möglich. Es kann lediglich eine symptomatische Therapie durchgeführt werden. Diese Therapie besteht in fiebersenkenden Maßnahmen, weitgehender intensivmedizinischer Betreuung und Regulierung des Glykose-, Wasser- und Elektrolythaushaltes.

Wichtig ist dabei auch der Schutz des Krankenhauspersonals vor einer Infektion. Sicherheitsmaßnahmen und Isolation des Patienten sind während der Behandlung zwingend notwendig. Gegen Hanta- und Adenoviren wirkt auch der virostatische Wirkstoff Ribavirin. Allerdings gilt das nur für das Anfangsstadium der jeweiligen Infektion. Die anderen Viren sprechen auf den Wirkstoff nicht an.


Vorbeugung

Die Vorbeugung vor einem viralen hämorrhagischen Fieber besteht vor allen in Maßnahmen zum Schutz vor übertragenden Insekten. Auch der Verzehr von rohem Fleisch in Infektionsgebieten sollte unterlassen werden. Des Weiteren müssen die hygienischen Grundregeln zwingend eingehalten werden. Körperkontakte mit erkrankten Personen sind unbedingt zu vermeiden werden.

Besonders das medizinische Personal muss sich durch Schutzkleidung und Atemschutzmasken vor einer Ansteckung schützen. Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Deutschland besteht bei Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber generell Meldepflicht, um entsprechende Quarantänemaßnahmen zu ergreifen. So ist eine Isolierung betroffener Patienten zwingend vorgeschrieben. Gegen das Gelbfieber gibt es bereits einen Impfstoff. Zur Vorbeugung vor anderen Erkrankungen mit viralem hämorrhagischen Fieber wird derzeit intensiv an Impfstoffen geforscht.

Zu den viralen hämorrhagischen Fiebern (VHF) zählen Tropenkrankheiten wie Ebola, Gelbfieber, Denguefieber oder Marburgfieber. Sie gehen mit inneren und äußeren Blutungen einher. Die Prognose ist für jedes Fieber unterschiedlich. Einige verlaufen gutartig und heilen meistens folgenlos aus, andere gelten als lebensbedrohlich. Bei Ebola kann die Mortalitätsrate bis zu 90 Prozent betragen. Jedes virale hämorrhagische Fieber muss medizinisch behandelt werden, zudem sind die Erkrankungen in Deutschland meldepflichtig. Eine Nachsorge ist nötig, um den Zustand des Patienten zu stabilisieren und Folgeschäden zu vermeiden.

Nachsorge

Bei viralen hämorrhagischen Fiebern müssen die Vitalfunktionen des Patienten engmaschig kontrolliert werden. Diese Maßnahmen haben bei der Behandlung Priorität. Gegen Schmerzen schaffen entsprechende Medikamente Abhilfe, bei einem hohen Bluterverlust sind Transfusionen notwendig. Zudem werden fiebersenkende Mittel verabreicht.

Auch nach abgeschlossener Versorgung führt ein Arzt (im Idealfall ein Tropenmediziner) die Nachsorge weiter. Sie wird erst zu dem Zeitpunkt eingestellt, an dem der Patient nicht mehr infektiös ist. Sollten sich die Symptome verschlimmern oder bricht das Fieber unerwartet wieder aus, setzen Behandlung und Nachsorge erneut ein. Konnte der Patient erfolgreich behandelt werden und gilt nicht mehr als ansteckend, beendet der Arzt die Therapie. Bleiben Schäden der inneren Organe zurück, ist die Nachsorge langfristig angesetzt und kann über Jahre hinweg andauern.

Das können Sie selbst tun

Das virale hämorrhagische Fieber bedarf einer sofortigen ärztlichen Behandlung. Sollten die Beschwerden während einer Reise in die Risikogebiete auftreten, muss die Reise abgebrochen werden. Nach Möglichkeit sollte ein deutscher Arzt aufgesucht werden, der die Erkrankung entsprechend behandeln kann.

Die symptomatische Therapie wird durch Schonung, eine Umstellung der Ernährung und die Beobachtung der Symptome unterstützt. Wichtig ist zunächst die Aufnahme von viel Flüssigkeit, um einer Dehydration vorzubeugen. Die Ernährung setzt sich aus Schonkost wie Zwieback oder Hühnerbrühe zusammen. Reizende Speisen sowie Genussmittel wie Alkohol oder Nikotin müssen unbedingt vermieden werden. Wichtig ist außerdem viel Schonung und Bettruhe. Das Fieber kann mit Wadenwickeln, Eisbeuteln und anderen bekannten Hausmitteln gesenkt werden. Bei Schüttelfrost und hohem Fieber sind kühlende Anwendungen zu vermeiden.

Erkrankte Säuglinge oder Kleinkinder dürfen ebenfalls nicht selbstständig behandelt werden. Der Aufenthalt in einer Kinderklinik ist erforderlich, um eine effektive Behandlung des viralen hämorrhagischen Fiebers zu ermöglichen. Sollte die Körpertemperatur weiter ansteigen, muss der Arzt informiert werden. Bei einem positiven Verlauf gilt es, das Fieber langsam auszukurieren. Begleitend dazu sind regelmäßige Arztbesuche angezeigt.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Modrow, S., Falke, D.: Molekulare Virologie. Springer Spektrum, Berlin 2010
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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