Atropin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Atropin ist eine giftige Substanz aus der Gruppe der Alkaloide. In der Natur findet man es in Nachtschattengewächsen wie der Tollkirsche oder der Engelstrompete. Die unkontrollierte Einnahme von Atropin kann tödlich sein, trotzdem findet der Wirkstoff vielfältigen und wichtigen Einsatz auf dem Gebiet der Medizin.
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Was ist Atropin?
Neben seinem natürlichen Vorkommen in Nachtschattengewächsen wird das für medizinische Zwecke verwendete Atropin synthetisch hergestellt. Der Pharmazeut Philipp Lorenz Geiger gilt als Entdecker des Wirkstoffs.
Dieser wird eingeordnet in die Gruppe der Parasympatholytika, das sind Substanzen, die auf den Parasympathikus wirken. Der Parasympathikus ist ein Teil des menschlichen Nervensystems, der dafür verantwortlich ist, den Stoffwechsel zu regulieren, den Körper zu regenerieren und für Ruhe und Erholung im Körper zu sorgen.
Atropin hemmt diese Funktionen des Parasympathikus, wodurch die auf Ruhe und Erholung gerichteten Körperfunktionen zurücktreten.
Pharmakologische Wirkung
Der Wirkstoff Atropin hat Einfluss auf verschiedene Funktionen und Organe im Körper. Durch die blockierende Wirkung auf den Parasympathikus wird durch das Überwiegen des Sympathikus der Herzschlag beschleunigt.
Aus dem gleichen Grund erweitern sich die Bronchien in den Lungen, wodurch sich die Atmung verbessert. Die Einnahme von Atropin äußert sich zudem durch verminderte Speichel- und Schweißbildung. Eine starke Lichtempfindlichkeit und verminderte Sehfähigkeit treten zudem auf. Ebenso nimmt die Magen- und Darmtätigkeit ab.
Als Nebeneffekt lässt sich eine Erweiterung der Pupillen beobachten. All diese körperlichen Reaktionen sind auf die Blockade des Parasympathikus und das dadurch entstehende Überwiegen des Sympathikus zurückzuführen. Ist dies der Fall, schaltet der Körper auf „Angriff“, das bedeutet, dass eine erhöhte Handlungsbereitschaft entsteht, die normalerweise ihren Zweck in Gefahrenfällen erfüllt, um zu kämpfen oder zu fliehen.
Chemisch ist Atropin ein Gemisch aus zwei spiegelbildlichen Formen des Hyoscyamins. In den Nachtschattengewächsen liegt nur die eine dieser beiden Formen vor; sie wandelt sich bei der Aufbereitung teilweise in die andere um. Für die Wirkung auf den Parasympathikus ist im Wesentlichen die natürlich vorkommende Form verantwortlich, denn ihr Spiegelbild ist deutlich schwächer wirksam. Am Herzen hebt Atropin die bremsende Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin auf, sodass sowohl die Schlagfolge als auch die Überleitung der Erregung zwischen Vorhof und Kammer beschleunigt wird. Weitere Angriffspunkte sind die Speicheldrüsen, die Muskulatur und die Schleimproduktion von Magen, Darm und Bronchien, der Spannungszustand der Harnblase und am Auge die Pupille sowie die Fähigkeit, auf die Nähe scharfzustellen.
Nach einer Injektion unter die Haut oder in den Muskel wird Atropin rasch und vollständig aufgenommen. Der Körper scheidet es vor allem über die Nieren aus, etwa die Hälfte davon unverändert; der übrige Teil wird zuvor in der Leber umgebaut. Der Wirkstoff geht auf das ungeborene Kind über und tritt in geringen Mengen in die Muttermilch über. Durch eine Dialyse lässt er sich nicht aus dem Blut entfernen.
Medizinische Anwendung & Verwendung
In der Medizin hat man sich diese Wirkungen des Atropins zunutze gemacht. Bereits im 19. Jahrhundert verwendete man den Wirkstoff bei Asthmaerkrankungen. Der Lungenkrankheit, die zu akuter Atemnot führen kann, wurde durch die Bronchien erweiternden Eigenschaften des Atropins Abhilfe geschaffen. Wegen vielfältiger Nebenwirkungen verwendet die Medizin heute jedoch andere Mittel zur Behandlung der Krankheit.
Einen festen Platz hat das Atropin heutzutage in der Notfallmedizin. Leidet ein Patient unter einer zu niedrigen Herzfrequenz (einer sogenannten Bradykardie), wird das Mittel zur Erhöhung der Herzfrequenz eingesetzt. Patienten unter Narkose leiden aufgrund des Narkosemittels häufiger unter Bradykardien, sodass Atropin auch in der Anästhesie Einsatz findet.
Bei Krämpfen im Magen- und Darmtrakt kann Atropin hilfreich sein, die Anwendung zu diesem Zweck ist allerdings relativ selten. Zudem findet es Verwendung in der Augenheilkunde. Dabei dient es dazu, die Pupillen des Patienten zu erweitern, was für manche Untersuchungen und Diagnosen notwendig sein kann.
Am Auge reicht das Anwendungsgebiet über die reine Pupillenerweiterung hinaus. Atropin schaltet zugleich die Fähigkeit des Auges aus, auf die Nähe scharfzustellen. Genau das ist erwünscht, wenn die Sehschärfe bestimmt werden soll, ohne dass das Auge den Sehfehler durch eigene Anstrengung ausgleicht – ein Verfahren, das vor allem bei Kindern zum Einsatz kommt. Ebenso lassen sich damit Verkrampfungen dieser Scharfstellung bei Weitsichtigkeit lösen. Bei Entzündungen der Regenbogenhaut und des angrenzenden Strahlenkörpers stellen die Augentropfen diese Gewebe ruhig und können bereits entstandene Verklebungen zwischen Regenbogenhaut und Linse wieder sprengen. Schließlich dient Atropin der sogenannten Penalisation: Bei einer Schwachsichtigkeit wird das bessere Auge vorübergehend unscharf gestellt, damit das schwächere Auge zum Sehen genutzt wird, wenn ein Abkleben nicht möglich ist. Die Wirkung am Auge hält ausgesprochen lange an und kann sich über viele Tage erstrecken, weshalb in dieser Zeit mit unscharfem Sehen in der Nähe und mit erhöhter Blendempfindlichkeit zu rechnen ist.
Eine vergleichsweise junge Anwendung betrifft die Kurzsichtigkeit im Kindesalter. In sehr geringer Konzentration können Atropin-Augentropfen das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen. Für diesen Zweck ist inzwischen ein Fertigarzneimittel in der Europäischen Union zugelassen, das bei Kindern und Jugendlichen angewendet wird, deren Kurzsichtigkeit sich fortlaufend verschlechtert. Die Behandlung wird von einer Augenärztin oder einem Augenarzt eingeleitet und durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen begleitet. Hat sich die Kurzsichtigkeit in der Pubertät stabilisiert, wird geprüft, ob die Behandlung ausschleichend beendet werden kann.
Auch bei Inkontinenz oder bei einer Reizblase kann Atropin als Medikament verwendet werden. Sehr selten wird Atropin bei schmerzhaften Regelblutungen eingesetzt, denn es gibt neuere und effektivere Medikamente zur Behandlung dieser Problematik.
Verabreichung & Dosierung
Atropin, ein Alkaloid aus der Tollkirsche (Atropa belladonna), ist ein Anticholinergikum, das auf das parasympathische Nervensystem wirkt. Es blockiert die Wirkung von Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren, was verschiedene klinische Effekte hervorruft, darunter eine Pupillenerweiterung (Mydriasis), eine erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie) und eine Hemmung der Drüsensekretion.
Die Dosierung von Atropin variiert je nach Anwendungszweck:
Bradykardie: In Notfällen bei symptomatischer Bradykardie wird eine Dosierung von 0,5–1 mg intravenös empfohlen. Die Dosis kann alle 3–5 Minuten bis zu einer maximalen Gesamtdosis von 3 mg wiederholt werden.
Organophosphatvergiftung: Hierbei werden initial 2 mg intravenös verabreicht. Die Dosis wird alle 5–15 Minuten wiederholt, bis eine deutliche klinische Besserung erkennbar ist. Atropin wirkt dabei in therapeutischer Dosierung nur am muskarinischen Rezeptortyp: Es beendet die Sekretflut, die Verengung der Bronchien und den verlangsamten Herzschlag, nicht aber die Lähmung der Atemmuskulatur und nicht die Krampfanfälle. Deshalb werden zusätzlich ein Reaktivator der Acetylcholinesterase (Obidoxim) und bei Krämpfen Diazepam gegeben.
Augenheilkunde: Atropin wird als Augentropfen zur Pupillenerweiterung verwendet. Eine Konzentration von 0,5–1 % wird für die Mydriasis eingesetzt.
Vorsicht ist bei Patienten mit bestimmten Erkrankungen wie Engwinkelglaukom, Prostatavergrößerung und Herzerkrankungen geboten. Bei Kindern und älteren Menschen ist die Empfindlichkeit gegenüber Atropin erhöht, weshalb hier eine sorgfältige Dosisanpassung erforderlich ist. Nebenwirkungen können Mundtrockenheit, Hitzewallungen, Tachykardie und Verwirrtheit umfassen.
Besonders empfindlich auf die giftigen Wirkungen des Wirkstoffs reagieren Säuglinge und Kleinkinder in den ersten Lebensjahren, ältere Menschen sowie Patienten mit Down-Syndrom. In allen drei Gruppen ist deshalb eine besonders vorsichtige Dosierung geboten. Für das Down-Syndrom nennt die Fachinformation darüber hinaus, dass bereits niedrige Mengen eine starke Pupillenerweiterung und einen ausgeprägt beschleunigten Herzschlag hervorrufen können.
Ein eigener Warnhinweis gilt der Körpertemperatur. Atropin hemmt die Schweißbildung und beeinträchtigt damit die Fähigkeit des Körpers, sich durch Verdunstung abzukühlen. Bei fiebernden Patienten – vor allem bei Kindern – und bei hoher Umgebungstemperatur kann es dadurch rascher zu einer Überhitzung kommen. Bei Säuglingen und Kleinkindern tritt eine solche Überhitzung mitunter schon im üblichen Anwendungsbereich auf.
Am Herzen ist Zurückhaltung geboten, wenn kurz zuvor ein Herzinfarkt aufgetreten ist: In dieser Situation können unter Atropin Rhythmusstörungen bis hin zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern entstehen. Auch bei einer Herzschwäche, einer Verengung der Mitralklappe, Bluthochdruck und einer Überfunktion der Schilddrüse wird der Wirkstoff vorsichtig bemessen, weil ein zu schneller Herzschlag vermieden werden soll.
Schließlich beeinträchtigt Atropin auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Sehleistung und das Reaktionsvermögen. Die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen und Arbeiten ohne sicheren Halt können dadurch gefährdet sein; im Zusammenwirken mit Alkohol verstärkt sich dieser Effekt. Bei den Augentropfen kommt hinzu, dass die Sehstörung wegen der langen Wirkdauer weit über den Tag der Anwendung hinaus fortbestehen kann.
Risiken & Nebenwirkungen
Die Risiken und Nebenwirkungen von Atropin sind, verglichen mit seinem relativ beschränkten therapeutischen Einsatz, immens. Keinesfalls sollte der Wirkstoff ohne ärztlichen Rat eingenommen werden, denn es besteht akute Vergiftungs- und somit Lebensgefahr. Besonders die unkontrollierte Einnahme von Nachtschattengewächsen wie der Engelstrompete oder des Stechapfels als Rauschmittel macht das Risiko aufgrund der schwer zu berechnenden Dosis unkalkulierbar.
Neben Halluzinationen treten diverse Vergiftungserscheinungen auf. Diese äußern sich zunächst durch Hautrötungen und Herzrasen. Im Anschluss daran können Bewusstlosigkeit und Atemlähmungen folgen. Ab diesem Zeitpunkt ist der Zustand des Patienten unmittelbar lebensbedrohlich; ohne intensivmedizinische Behandlung tritt der Tod ein. Bei Toten durch Atropinmissbrauch stellte man Leberverfettungen und Hautblutungen fest, die im Zuge der Vergiftung auftreten. Kinder vertragen nur extrem niedrige Dosen Atropin.
Die Behandlung einer Überdosierung erfolgt durch die Entleerung des Magen- und Darmtraktes sowie durch künstliche Beatmung. Unter intensivmedizinischen Bedingungen werden dabei die Vitalfunktionen überwacht; als Gegenmittel steht Physostigmin zur Verfügung, Krampfanfälle werden mit Diazepam behandelt.
Patienten klagen bei der kontrollierten Einnahme von Atropin (also unter ärztlicher Aufsicht) häufig über Mundtrockenheit, Übelkeit und Erbrechen sowie Herzrasen. Weiterhin können Hautrötungen, extreme Unruhe und Appetitlosigkeit auftreten. Diese Nebenwirkungen ergeben sich überwiegend aus der hemmenden Wirkung des Atropins auf den Parasympathikus; Unruhe- und Erregungszustände zählt die Fachinformation dagegen zu den zentralnervösen Symptomen.
Kennzeichnend für Atropin ist, dass die Nebenwirkungen von der verabreichten Menge abhängen und gleitend ineinander übergehen. Kleine Mengen führen zunächst zu einer leichten Verlangsamung des Herzschlags und zu einem trockenen Mund. Steigt die Menge, kommen regelmäßig ein spürbar trockener Mund, eine trockene Haut infolge der gehemmten Schweißbildung, ein beschleunigter Herzschlag sowie Sehstörungen durch die weite Pupille und die gestörte Scharfstellung hinzu. Bei noch höherer Dosierung oder besonderer Empfindlichkeit verstärken sich diese Erscheinungen; hinzutreten können Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche und Störungen der Bewegungsabstimmung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, eine träge Darmbewegung, Schluckstörungen und Sodbrennen. Auf der Ebene des Nervensystems reicht das Spektrum von Sprachstörungen über Unruhe, Halluzinationen und Verwirrtheit bis zu Krämpfen, Delirien und Bewusstlosigkeit.
Am Auge kann Atropin einen Glaukomanfall auslösen, also einen plötzlichen und schmerzhaften Anstieg des Augeninnendrucks. Bei den Augentropfen gilt das nicht nur für das Engwinkelglaukom: Auch bei der weitaus häufigeren Form mit offenem Kammerwinkel kann der Druck steigen, und ein deutlicher Anstieg kann umgekehrt ein bislang unbemerktes Glaukom aufdecken. Eine Kontrolle des Augeninnendrucks ist deshalb vor allem bei mehrfacher Anwendung angezeigt.
Sehr selten beschrieben sind Beschwerden wie bei einer Angina Pectoris und ein starker Blutdruckanstieg bis hin zur Blutdruckkrise. Bei länger dauernder Behandlung kann sich als Folge der gehemmten Speichelbildung eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse entwickeln. Überempfindlichkeitsreaktionen zeigen sich als Bindehautentzündung, als Hautentzündung rund um das Auge, als Juckreiz oder als Hautausschlag und Quaddeln; sehr selten wurde ein anaphylaktischer Schock ausgelöst.
Kontraindikationen
Atropin, ein Anticholinergikum, hat verschiedene klinische Anwendungen, aber auch klare Kontraindikationen, bei denen seine Verwendung vermieden werden sollte. Zu den wichtigsten Kontraindikationen zählen:
Engwinkelglaukom: Atropin erhöht den Augeninnendruck durch Pupillenerweiterung (Mydriasis), was bei Personen mit Engwinkelglaukom eine akute Verschlechterung hervorrufen kann.
Prostatahypertrophie: Bei Patienten mit einer vergrößerten Prostata kann Atropin die Harnverhaltung verschlimmern, da es den Blasenmuskeltonus reduziert.
Tachykardie: Da Atropin die Herzfrequenz erhöht, kann es bei Patienten mit bereits bestehender Tachykardie oder anderen Herzerkrankungen zu einer Verschlimmerung der Symptome führen.
Myasthenia gravis: Atropin unterdrückt die über den Parasympathikus vermittelten Wirkungen der bei dieser Erkrankung eingesetzten Cholinesterasehemmer und kann dadurch Anzeichen einer Überdosierung verschleiern.
Obstruktion des Magen-Darm-Trakts: Atropin kann die Darmmotilität reduzieren, was bei Patienten mit Darmverschluss oder paralytischem Ileus kontraindiziert ist.
Fieber oder Hitzewellen: Atropin reduziert die Schweißproduktion, was bei Personen mit Fieber oder hitzebedingten Zuständen die Thermoregulation beeinträchtigen kann.
Weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neben der bereits bestehenden Tachykardie führt die Fachinformation eine Verengung der Herzkranzgefäße (Koronarstenose), tachykarde Herzrhythmusstörungen sowie eine Tachykardie bei Herzschwäche oder bei einer Überfunktion der Schilddrüse auf.
Megakolon und akutes Lungenödem: Auch krankhaft erweiterte Abschnitte des Dickdarms und eine akute Wasseransammlung in der Lunge zählen zu den Zuständen, bei denen Atropin nicht angewendet werden soll.
Schwangerschaft und Stillzeit: Atropin gelangt über den Mutterkuchen zum ungeborenen Kind und tritt in geringen Mengen in die Muttermilch über. In der Schwangerschaft darf es deshalb nur nach strengster Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden, unter anderem weil ein durch Atropin beschleunigter Herzschlag beim Ungeborenen einen verlangsamten Herzschlag verdecken kann – also gerade jenes Warnzeichen, an dem sich eine Gefährdung sonst erkennen ließe. Untersuchungen an einer größeren Zahl von Mutter-Kind-Paaren, die im ersten Schwangerschaftsdrittel mit Atropin behandelt wurden, ergaben keine Hinweise auf eine Schädigung des Ungeborenen.
Bei einer Vergiftung mit Parasympathomimetika, etwa mit Organophosphaten, gelten diese Gegenanzeigen nach der Fachinformation allerdings nur als relativ, weil die Gabe von Atropin dann lebensrettend ist.
Vor der Verschreibung von Atropin sollten diese Kontraindikationen sorgfältig berücksichtigt werden, um schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden. Die Anwendung bei Kindern und älteren Menschen erfordert besondere Vorsicht, da sie empfindlicher auf Atropin reagieren.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Atropin interagiert mit verschiedenen Medikamenten, die aufgrund ihrer Wirkmechanismen und Wirkungen beachtet werden sollten:
Anticholinerge Medikamente: Die Kombination mit anderen Anticholinergika (wie Scopolamin, Antihistaminika oder Antipsychotika) kann die anticholinergen Effekte verstärken. Dies erhöht das Risiko von Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt, Verwirrtheit und erhöhter Herzfrequenz.
Beta-Blocker: Atropin kann die Wirkung von Beta-Blockern auf die Herzfrequenz verändern. Bei gleichzeitiger Gabe können unvorhersehbare Herzrhythmusstörungen auftreten.
MAO-Hemmer: Monoaminoxidase-Hemmer (wie Phenelzin) können die Wirkung von Atropin verstärken, was zu einer erhöhten Herzfrequenz und Blutdruckkrisen führen kann.
Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (wie Amitriptylin) können die anticholinergen Wirkungen von Atropin potenzieren, was zu einer Erhöhung des Risikos für Nebenwirkungen führt.
Muskelrelaxanzien: Erst in sehr hoher Dosierung hemmt Atropin auch die Erregungsübertragung an der neuromuskulären Endplatte; die Fachinformation führt nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien nicht unter den Wechselwirkungen auf.
Sympathomimetika: Medikamente wie Adrenalin können bei gleichzeitiger Anwendung mit Atropin das Risiko für Tachykardie und Blutdruckanstieg erhöhen. Bei den Augentropfen lässt sich die pupillenerweiternde Wirkung durch solche Mittel gezielt verstärken.
Physostigmin und Pilocarpin: Diese beiden Wirkstoffe wirken Atropin unmittelbar entgegen. Die Wirkung des Atropins wird dadurch abgeschwächt oder ganz aufgehoben – und umgekehrt hebt Atropin die Wirkung dieser Mittel auf. Genau darauf beruht der Einsatz von Physostigmin als Gegenmittel bei einer Atropinvergiftung.
Cisaprid: Die gleichzeitige Anwendung von Atropin hebt die Wirkung dieses die Magen-Darm-Bewegung fördernden Mittels vollständig auf, denn Atropin verlangsamt gerade jene Darmtätigkeit, die Cisaprid anregen soll.
Arzneimittel mit veränderter Aufnahme im Darm: Weil Atropin die Bewegung des Darms verlangsamt, verweilen gleichzeitig eingenommene Arzneimittel länger im Verdauungstrakt. Digoxin und Nitrofurantoin werden dadurch verstärkt aufgenommen, Phenothiazine und Levodopa dagegen vermindert. Die Wirkung dieser Mittel kann sich also in beide Richtungen verschieben, ohne dass sich an ihrer Menge etwas ändert.
Bei der Verschreibung von Atropin ist es wichtig, eine gründliche Überprüfung der aktuellen Medikation des Patienten durchzuführen, um unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden. Eine enge Überwachung ist notwendig, wenn Atropin in Kombination mit den genannten Medikamenten eingesetzt wird.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn Atropin nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, stehen alternative Medikamente und Behandlungsmethoden zur Verfügung, abhängig von der Indikation:
Bradykardie: Bei Herzrhythmusstörungen, wie z. B. Bradykardie, können Alternativen wie Isoprenalin verwendet werden. Isoprenalin ist ein Sympathomimetikum, das die Herzfrequenz steigert und in Notfällen nützlich sein kann.
Organophosphatvergiftung: Neben Atropin wird auch Pralidoxim zur Behandlung von Organophosphatvergiftungen eingesetzt. Pralidoxim reaktiviert das durch die Organophosphate gehemmte Enzym Acetylcholinesterase und trägt so zur Entgiftung bei. In Deutschland wird dafür überwiegend Obidoxim verwendet.
Mydriasis: In der Augenheilkunde können andere Mydriatika wie Tropicamid oder Cyclopentolat eingesetzt werden, die eine kürzere Wirkdauer und weniger Nebenwirkungen haben.
Sekretionshemmung: Bei Patienten, die eine reduzierte Sekretion benötigen, wie z. B. vor einer Operation, können Glycopyrronium oder Scopolamin als Alternativen zu Atropin verwendet werden. Diese haben ähnliche anticholinerge Wirkungen, weisen jedoch unterschiedliche pharmakokinetische Profile auf.
Spasmen und Krämpfe: Bei Magen-Darm-Spasmen können andere krampflösende Medikamente wie Butylscopolamin eingesetzt werden, die weniger systemische Nebenwirkungen haben.
Die Wahl der Alternativen sollte auf einer sorgfältigen Bewertung der individuellen Patientenbedürfnisse und medizinischen Geschichte basieren. Dies gewährleistet eine wirksame und sichere Behandlung ohne die unerwünschten Wirkungen von Atropin.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Geisslinger, G., Menzel, S., Gudermann, T., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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- Zilker, T. R.: Klinische Toxikologie für die Intensivmedizin: Noxen, Symptome, Therapie, Analytik.
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- Ludewig, R., Regenthal, R., Köppel, C., et al.: Akute Vergiftungen und Arzneimittelüberdosierungen.
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- Larsen, R., Annecke, T.: Anästhesie.
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