Dapson
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Dapson handelt es sich um einen Wirkstoff der Gruppe der Sulfone. Die Substanz hat antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkungen. Dapson wird vorrangig in Tablettenform verabreicht und kommt zum Einsatz, um Rheuma, Akne, blasenbildende Hauterkrankungen, entzündliche Hauterkrankungen sowie Lepra zu bekämpfen.
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Was ist Dapson?
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Dapson ist ein Arzneistoff, der entzündungshemmend und antibakteriell wirkt. Die Substanz gehört zur Gruppe der Sulfone. Aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkungen wird es auch den Antirheumatika zugerechnet. Der medizinische Wirkstoff wurde zum ersten Mal im Jahre 1908 in Deutschland synthetisiert und von I. G. Farben 1934 patentiert.
Das weiße (manchmal auch gelblich weiße) Pulver wird häufig in Tablettenform eingesetzt und wird dazu genutzt, rheumatische Erkrankungen zu behandeln. Behandelt werden damit außerdem Lepra und entzündliche Hautkrankheiten; vorbeugend wird es gegen Pneumocystis-Pneumonien bei Patienten, die HIV-positiv sind, verabreicht.
Neben der Bezeichnung Dapson werden auch die Synonyme Diphenason, Diaminodiphenylsulfon, DDS und Dapsonum verwendet, um die Substanz zu beschreiben. Die chemische Summenformel des Arzneistoffes ist C12-H12-N2-O2-S, was einer molaren Masse von 248,3 g/mol entspricht.
Während in Europa ausschließlich eine Zulassung in Tablettenform besteht, darf es in den USA auch als Gel eingesetzt werden. Hier wird es zur Behandlung von Akne verwendet.
Pharmakologische Wirkung
Dapson wirkt unmittelbar auf die Folsäuresynthese von Bakterien ein. Hierdurch entsteht eine antimetabolitische Hemmung der Folsäuresynthese, welche schließlich das Wachstum der betroffenen Bakterien hemmt. Dapson ist chemisch ein Sulfon und kein Sulfonamid, greift aber wie die Sulfonamide in die Bildung der Folsäure der Bakterien ein. Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide sind in der Regel auch gegen Sulfone und damit gegen Dapson überempfindlich. Da es seit der erstmaligen Verabreichung von Dapson zu diversen Entwicklungen von Resistenzen gegen die Arznei kam, wird der Wirkstoff vorrangig in einer Kombinationstherapie eingesetzt. Patienten nehmen deshalb in der Regel zusätzlich Präparate zu sich, die Clofazimin oder Rifampicin enthalten.
Wie die Auflistung von Dapson in der Europäischen Verordnung (EU) Nr. 37/2010 ergibt, darf die Substanz nicht bei Tieren verwendet werden, die in der Europäischen Union zu Lebensmitteln verarbeitet werden.
Genauer beschrieben greift Dapson wie die Sulfonamide in die Bildung der Dihydrofolsäure ein: Es verdrängt die para-Aminobenzoesäure aus der Bindungsstelle des Enzyms Dihydropteroat-Synthetase. Bei Parasiten werden mindestens zwei Angriffspunkte angenommen. Zum einen wird Dapson anstelle der para-Aminobenzoesäure eingebaut, sodass ein unbrauchbares Zwischenprodukt entsteht; zum anderen wird das genannte Enzym gehemmt. In der Folge können weitere Systeme gestört werden, etwa die Dihydrofolat-Reduktase, die aus der für die Erreger unbrauchbaren Dihydrofolsäure die Tetrahydrofolsäure herstellt. Fehlt die Tetrahydrofolsäure, kommt der Aufbau von RNA und DNA zum Erliegen. Gegen Mycobacterium leprae ist Dapson hoch wirksam.
Die entzündungshemmende Wirkung besteht unabhängig von der antibakteriellen. Für die Dermatitis herpetiformis Duhring und für einen Teil der rheumatischen Erkrankungen ist eine örtliche Ansammlung bestimmter weißer Blutkörperchen kennzeichnend, die hochgiftige Sauerstoffverbindungen freisetzen und damit Gewebe schädigen können. Dapson hemmt diesen Vorgang sowie die daran beteiligte Kette aus Myeloperoxidase, Wasserstoffsuperoxid und Halogenverbindungen. Beschrieben sind daneben eine Hemmung mehrerer lysosomaler Enzymsysteme, eine Hemmung des alternativen Wegs der Komplementaktivierung und eine Hemmung der Bindung von Leukotrien B4 an seine Rezeptoren. Außerdem kann Dapson reaktive Sauerstoffzwischenprodukte abfangen. An Entzündungsmodellen bei Versuchstieren zeigte der Wirkstoff auch schmerzstillende und fiebersenkende Eigenschaften.
Wie eine Resistenz von Mycobacterium leprae gegen Dapson entsteht, ist nicht vollständig geklärt; angenommen werden Mutationen im Gen folP1, das die Bauanleitung für die Dihydropteroat-Synthetase trägt. Im Allgemeinen ist der Lepraerreger heute gegenüber Dapson empfindlich, doch werden in Regionen mit hoher Krankheitslast Resistenzen beobachtet, und zwar sowohl bei unbehandelten Stämmen als auch bei Rückfällen. Resistenzen infolge einer alleinigen Behandlung mit Dapson sind verbreitet, weshalb der Wirkstoff gegen Lepra mit anderen wirksamen Arzneimitteln kombiniert wird. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt dafür die Verbindung von Dapson mit Clofazimin und Rifampicin.
Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung
Nach dem Schlucken wird Dapson aus dem Darm fast vollständig aufgenommen; die höchsten Blutspiegel werden binnen weniger Stunden erreicht. An die Eiweiße des Blutes ist der Wirkstoff in hohem Maß gebunden. Er verteilt sich gut in Organe und Gewebe, wo ähnliche Konzentrationen erreicht werden wie im Blutserum, und dringt sogar in das Innere der Fresszellen ein.
In der Leber wird Dapson acetyliert. Dabei gibt es, wie bei Isoniazid und den Sulfonamiden, erblich festgelegte schnelle und langsame Acetylierer; das Hauptabbauprodukt ist Monoacetyl-Dapson. Für Wirkungen und Nebenwirkungen ist diese Unterscheidung nach bisherigem Kenntnisstand ohne erkennbare Bedeutung. Der zweite wichtige Abbauweg ist eine Hydroxylierung: Es wird angenommen, dass das dabei entstehende Dapson-Monohydroxylamin für die Nebenwirkungen am Blut verantwortlich ist.
Die biologische Halbwertszeit ist verhältnismäßig lang und schwankt von Mensch zu Mensch erheblich. Nach einer Langzeitbehandlung lässt sich der Wirkstoff noch mehrere Wochen nach der letzten Einnahme nachweisen. Als Erklärungen gelten die hohe Bindung an Bluteiweiße und ein enterohepatischer Kreislauf, bei dem ein Teil des mit der Galle in den Darm abgegebenen Wirkstoffs dort wieder aufgenommen wird. Zu einer bedeutsamen Anreicherung im Körper kommt es dennoch nicht. Ausgeschieden wird Dapson zum weitaus größten Teil über die Nieren, in erheblichem Umfang in Form von Abbauprodukten, und nur zu einem kleinen Teil mit dem Stuhl. In der Muttermilch ist der Wirkstoff nachgewiesen worden.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Dapson hat aufgrund seines weiten Wirksamkeitsspektrums ein sehr breites Anwendungsfeld in der Humanmedizin. In der Europäischen Union besteht eine Zulassung ausschließlich zur Vergabe in Tablettenform. Es besteht eine Indikation zur Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen sowie solchen, die Blasen bilden. Auch bei chronischen rheumatischen Erkrankungen der Gelenke (Gelenkrheumatismus), bei Lepra und bei der Pneumocystis-Pneumonie (einer durch den Pilz Pneumocystis jirovecii verursachten Lungenentzündung) wird Dapson angewendet. Das zugelassene Anwendungsgebiet des in Deutschland erhältlichen Präparats umfasst blasenbildende Hauterkrankungen wie die Dermatitis herpetiformis Duhring, die Basisbehandlung des chronischen Gelenkrheumatismus und die Lepra. Malaria und die Pneumocystis-Pneumonie gehören nicht dazu; bei der Pneumocystis-Pneumonie gilt Dapson als Ausweichmittel für Patienten, welche die Standardbehandlung mit Cotrimoxazol nicht vertragen; bei einer Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide kommt Dapson dafür allerdings nicht in Betracht.
Mit dem medizinischen Fachbegriff der Indikation wird umschrieben, dass eine Verabreichung zu Therapiezwecken aus ärztlicher Sicht angezeigt ist. Zur Bekämpfung von Pneumocystis-Pneumonie wird Dapson vorrangig bei Patienten, die HIV-positiv sind, eingesetzt. Bei der Behandlung von Lepraerkrankungen wird Dapson stets mit anderen Medikamenten kombiniert.
In den Vereinigten Staaten von Amerika besteht darüber hinaus eine Zulassung zur Verabreichung als Gel. Dieses wird lokal auf die Haut aufgetragen, um eine Akne vulgaris zu behandeln. Ferner werden in der medizinischen Fachliteratur weitere Anwendungsgebiete beschrieben, für die keine Zulassung besteht; eine Anwendung außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets erfordert eine eigene ärztliche Abwägung.
Risiken & Nebenwirkungen
Darüber hinaus ist besondere Vorsicht bei der Einnahme von Dapson erforderlich, wenn ein erblich bedingter Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase besteht, eine Blutarmut vorliegt, die Lippen oder die Fingernägel sich bläulich verfärben, Hautausschläge auftreten oder eine Schwangerschaft besteht. Dasselbe gilt bei einem Mangel an Methämoglobin-Reduktase und beim Vorliegen von Hämoglobin M; in diesen Fällen ist das Risiko unerwünschter Wirkungen deutlich erhöht, weshalb die Anwendung von Dapson zu vermeiden ist. Während der Stillzeit ist es zwingend erforderlich, abzustillen.
Dapson führt zur Bildung von Methämoglobin, einer Form des roten Blutfarbstoffs, die keinen Sauerstoff mehr binden kann. Sichtbares Zeichen ist eine bläuliche Verfärbung von Lippen und Fingernägeln; sie tritt bereits in einem noch ungefährlichen Bereich auf und lässt die Veränderung deshalb früh bemerken. Bei einer Langzeitbehandlung muss ein mäßig erhöhter Methämoglobingehalt des Blutes gegebenenfalls in Kauf genommen werden, bei schwerer und hartnäckiger Methämoglobinämie kann dagegen ein Abbruch der Behandlung nötig werden.
Ferner bestehen Wechselwirkungen mit Omeprazol (Medikament, welches die Bildung von Magensäure hemmt), Trimethoprim (antibakterielles Präparat), Rifampicin (Tuberkulosemedikament), Pyrimethamin (Malariamedikament) sowie Ursodeoxycholsäure (Präparat zum Auflösen von Gallensteinen).
Sofern diese Medikamente eingenommen werden, ist der behandelnde Arzt umgehend zu informieren. Während einer Therapie mit Dapson kann es häufig (bei 1 bis 10 Behandelten von 100) zu Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder Übelkeit kommen.
Bläuliche Verfärbungen der Haut, das sichtbare Zeichen der Methämoglobinbildung, gehören ebenfalls zu den häufigen unerwünschten Wirkungen. Eine hämolytische Anämie, also eine Blutarmut durch vorzeitigen Zerfall der roten Blutkörperchen, wird der Häufigkeitsstufe gelegentlich zugeordnet. Vor allem bei schlecht ernährten Patienten kann sich ein Dapson-Syndrom herausbilden. Dabei handelt es sich um eine nicht von der Menge des Wirkstoffs abhängige Überempfindlichkeitsreaktion, die nach mehreren Wochen der Behandlung auftreten kann und mit Ausschlag, Fieber, Krankheitsgefühl, Gelbsucht, Lymphknotenschwellung und verstärkter Methämoglobinbildung einhergeht. Wird Dapson dann nicht sofort abgesetzt, kann sie in eine großflächige Ablösung der Haut, eine Leberentzündung oder eine Psychose übergehen.
Selten kam es zum Schwund der weißen Blutkörperchen (Agranulozytose). Beim Auftreten von Nebenwirkungen ist umgehend der behandelnde Arzt zu informieren. Die Anweisungen sollten dringend beachtet werden.
Weitere unerwünschte Wirkungen
Das Spektrum der unerwünschten Wirkungen ist breit. Am Blut zählen dazu eine Vermehrung der Blutplättchen und der Schwund der weißen Blutkörperchen. Die Zerstörung roter Blutkörperchen hängt von der Menge des Wirkstoffs ab; der dadurch bedingte Abfall des Blutfarbstoffs prägt sich vor allem in den ersten Behandlungswochen aus und nähert sich danach wieder dem Ausgangswert. Die das rote Blutbild betreffenden Nebenwirkungen sind bei Kindern und bei älteren Patienten oft stärker ausgeprägt, weshalb das rote und das weiße Blutbild regelmäßig kontrolliert werden.
Am Nervensystem kann eine Schädigung der Bewegungsnerven an Armen und Beinen auftreten. Im Rahmen der Lepra selbst kommt ebenfalls eine Nervenschädigung vor, die für sich genommen kein Grund zum Absetzen ist. An der Psyche sind Schlaflosigkeit und Psychosen beschrieben. Der Magen-Darm-Trakt kann mit Appetitlosigkeit, Erbrechen und einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung reagieren; Kopfschmerzen und Magenbeschwerden treten typischerweise zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden im weiteren Verlauf meist wieder.
An der Haut kommen neben Ausschlägen eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und Juckreiz vor, daneben ein fleckig-knotiger Ausschlag, eine großflächige Ablösung der Haut und schwere Hautreaktionen wie die toxisch-epidermale Nekrolyse und das Stevens-Johnson-Syndrom; auch ortsgebundene Arzneimittelausschläge, die bei erneuter Einnahme an derselben Hautstelle wiederkehren, sind beschrieben. Treten unter der Behandlung Hautausschläge auf, ist umgehend ärztlicher Rat einzuholen, weil daraus schwere Verlaufsformen entstehen können; das Mittel wird dann sofort abgesetzt. An den Atemwegen ist eine besondere Form der Lungenentzündung mit vermehrten eosinophilen weißen Blutkörperchen möglich, an der Leber eine Leberentzündung mit Gelbsucht sowie ein Anstieg der Leberwerte. Beschrieben sind außerdem ein beschleunigter Herzschlag, ein ausgeprägter Mangel an Albumin im Blut und falsch-niedrige Langzeitblutzuckerwerte, die bei Diabetikern eine bessere Stoffwechsellage vortäuschen können, als sie tatsächlich vorliegt.
Bläuliche Verfärbungen von Lippen und Fingernägeln sowie eine erschwerte Atmung sind die beiden Warnzeichen einer zu starken Methämoglobinbildung, die umgehend gemeldet werden sollten. Sulfone und Sulfonamide einschließlich Dapson können außerdem eine Porphyrie auslösen oder verstärken. Wird das Dapson-Syndrom nicht rechtzeitig erkannt und der Wirkstoff nicht sofort abgesetzt, sind Todesfälle berichtet worden; die meisten Betroffenen benötigen eine über mehrere Wochen laufende Behandlung mit Steroiden, was vermutlich mit der langen Verweildauer des Wirkstoffs im Körper zusammenhängt.
Besondere Vorsicht ist außerdem bei Erkrankungen des Herzens und der Lunge geboten. Liegt der Blutfarbstoffwert von vornherein niedrig, wird Dapson nach Möglichkeit nicht angewendet; sinkt er unter der Behandlung weiter ab, sind häufige Kontrollen und gegebenenfalls ein Abbruch zu erwägen. Menschen mit der seltenen erblichen Galactose-Unverträglichkeit, mit vollständigem Lactase-Mangel oder mit Glucose-Galactose-Malabsorption sollten das Präparat nicht einnehmen, weil es Lactose enthält.
Weitere Wechselwirkungen
Vor einer Schluckimpfung gegen Typhus sollte die Behandlung mit Dapson einige Wochen zurückliegen, weil sich unter gleichzeitiger Gabe ein Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase zeigen kann und weil Dapson die Wirksamkeit des Impfstoffs herabsetzen kann. Probenecid kann die Ausscheidung von Dapson hemmen. Rifabutin beschleunigt sie deutlich, und auch Rifampicin kann die biologische Halbwertszeit verkürzen; Hinweise auf therapeutische Folgen gibt es dafür bislang nicht. Umgekehrt verstärkt Dapson die Wirkung von Isoniazid und Protionamid.
Eine eigene Gruppe bilden Stoffe, die selbst Methämoglobin bilden und das Enzym hemmen, das Methämoglobin wieder in Hämoglobin zurückverwandelt. Dazu gehören Nitrate, Nitrite, Sulfonamide, Nitroglycerin, Natriumnitroprussid, Stickstoffmonoxid und örtliche Betäubungsmittel wie Prilocain. Vor einem Eingriff unter örtlicher Betäubung sollte der Arzt deshalb über die Einnahme von Dapson unterrichtet werden, und der Methämoglobingehalt des Blutes sollte vorher bestimmt werden. Bei AIDS-Patienten, die zusätzlich Zidovudin erhalten, werden die Blutwerte unter einer Langzeitbehandlung besonders sorgfältig überwacht; Fluconazol senkte in einer Studie bei HIV-Infizierten die Bildung des giftigen Abbauprodukts Hydroxylamin-Dapson.
Überdosierung
Das Bild einer Dapson-Vergiftung ist gut bekannt. Beobachtet wurden Atemnot, Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen, eine bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, ein beschleunigter Herzschlag, Methämoglobinämie und Sulfhämoglobinämie, eine Zerstörung roter Blutkörperchen, Blut im Urin, Nierenversagen, neurologische und psychiatrische Störungen, Erblindung und Koma. Genaue Angaben zu tödlichen Mengen liegen nicht vor; die berichteten Einzelfälle liegen weit auseinander. In einem Einzelfall wurde eine nicht rückbildungsfähige Netzhautschädigung mit Schwund des Sehnervs beobachtet.
Ob der Magen gespült wird, um die weitere Aufnahme zu unterbrechen, wird im Einzelfall nach Abwägung von Nutzen und Risiko entschieden. Aktivkohle und über mehrere Tage ein Abführmittel können die Aufnahme vermindern und den enterohepatischen Kreislauf unterbrechen. Eine Infusionsbehandlung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, harntreibenden Mitteln und Natriumhydrogencarbonat beschleunigt die Ausscheidung und beugt einem Nierenversagen vor. Gegen die Methämoglobinämie kommen Methylenblau und Vitamin C infrage; bei einem Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase ist Methylenblau allerdings unwirksam und wird deshalb nicht angewendet. Bei besonders schweren Vergiftungen werden frühzeitig eine Blutwäsche oder eine Hämoperfusion eingesetzt, daneben die Übertragung von roten Blutkörperchen oder ein Blutaustausch sowie eine Behandlung mit Sauerstoff oder eine künstliche Beatmung unter Kontrolle des Sauerstoffdrucks. Eine neurologische und eine augenärztliche Mitbetreuung gehören dazu.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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- Dirschka, T., Oster-Schmidt, C., Schmitz, L. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie.
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- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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- Brodt, H.-R., Simon, C. (Hrsg.): Infektionstherapie.
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