Clofazimin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der rote Farbstoff Clofazimin wird als Arzneimittel in der Humanmedizin angewandt, um eine Lepraerkrankung zu therapieren. Hierzu eignet sich der Wirkstoff aufgrund seiner bakteriziden Eigenschaften. Off-Label, d. h. außerhalb des Zulassungsbereichs, besteht zudem ein Anwendungsgebiet zur Behandlung von massiven Erkrankungen der Haut. Über die Lepra hinaus gehört Clofazimin zu den Wirkstoffen, die die Weltgesundheitsorganisation gegen die multiresistente Tuberkulose empfiehlt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Clofazimin?

Clofazimin
In Frankreich und anderen Ländern, in denen eine Zulassung besteht, wird Clofazimin vorrangig zur Behandlung von Lepra eingesetzt. Der Wirkstoff wird zur oralen Einnahme als Filmtablette verschrieben und unterliegt der Apotheken- und Verschreibungspflicht.
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Bei Clofazimin handelt es sich um einen roten Farbstoff. Dieser wird aufgrund seiner bakterien-abtötenden Wirkung (bakterizide Eigenschaften) zur Behandlung von Lepra eingesetzt. Daneben besteht ein zulassungsüberschreitendes Anwendungsfeld des Medikaments. Dieses wird nämlich außerhalb des von den öffentlich-rechtlich legitimierten Zulassungsbehörden genehmigten Bereichs verwendet (sogenannter off-Label-Use), um schwere Hautkrankheiten zu behandeln.

Gemäß dem festgesetzten Anwendungsgebiet soll die Anwendung von Clofazimin zusammen mit anderen Lepra-Arzneien erfolgen, um die Ausbildung von Resistenzen zu unterbinden. Zu diesen Arzneien gehören etwa Dapson oder Rifampicin.

In der Chemie und Pharmakologie wird Clofazimin mit der Summenformel C 27 – H 22 – Cl 2 – N 4 beschrieben. Das entspricht etwa einer molaren Masse von 473,39 g/mol. In der Literatur wird berichtet, dass die chemischen Eigenschaften von Clofazimin denen der kationisch amphiphilen Medikamente (CAD) stark ähneln.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Die genaue Wirkung von Clofazimin auf den menschlichen Körper ist bisher nicht gänzlich geklärt. In der Wissenschaft wurden verschiedene Ansätze entwickelt, um die bakteriziden Effekte des roten Farbstoffs zu erklären. Eines dieser Erklärungsmodelle begreift Clofazimin als funktionellen Inhibitor der sauren Sphingomyelinase (englisch: Functional Inhibitor of Acid SphingoMyelinAse, kurz: FIASMA); danach bewirkt Clofazimin eine Hemmung des Enzyms saure Sphingomyelinase. Auch gilt der rote Farbstoff unstrittig als zumindest leicht bakterizid.

Vom Wirkmechanismus abgesehen kann Clofazimin als gut erforscht angesehen werden. Der Schmelzpunkt des bei Zimmertemperatur als rotbraunes Pulver vorliegenden Stoffes liegt bei ca. 212 Grad Celsius.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Clofazimin ist innerhalb der Europäischen Union nur noch in Frankreich zugelassen. Hier wird der Wirkstoff unter dem Handelsnamen Lamprene® vertrieben. In der Bundesrepublik Deutschland konnte dieses Präparat bis zum Jahr 2005 von Apotheken aus dem Ausland importiert werden. Seit einigen Gesetzesänderungen, die u. a. zum Verlust der Zulassung führten, ist Clofazimin nur noch über die WHO zu beziehen. In Ausnahmefällen ist auch der direkte Bezug vom Hersteller möglich.

In Frankreich und anderen Ländern, in denen eine Zulassung besteht, wird Clofazimin vorrangig zur Behandlung von Lepra eingesetzt. Der Wirkstoff wird zur oralen Einnahme als Filmtablette verschrieben und unterliegt der Apotheken- und Verschreibungspflicht. Ein Bezug ist deshalb nur nach vorheriger ärztlicher Verordnung in einer staatlich lizensierten Apotheke möglich.

Eine Indikation von Clofazimin besteht zur Behandlung von Lepra. Hierbei erfolgt die Therapie allerdings stets zusammen mit anderen Medikamenten wie Rifampicin oder Dapson.

Off-Label ist zudem eine Vergabe als Medikament zur Behandlung von massiven Erkrankungen der Haut möglich. Zu diesen zählen u. a. granulomatöse Mykosen und das Melkersson-Rosenthal-Syndrom.

Über die Lepra hinaus ist Clofazimin Bestandteil der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Kombinationsschemata gegen die multiresistente Tuberkulose, wo es zu den Wirkstoffen der Gruppe B zählt.

Der Aufbau der Lepra-Behandlung folgt dabei einem festen Muster, das die Produktinformation für die einzelnen Formen der Erkrankung unterschiedlich ausgestaltet. Bei der lepromatösen, also der bakterienreichen Form wird Clofazimin zusammen mit zwei weiteren Lepra-Arzneimitteln gegeben; an diese Kombinationsbehandlung schließt sich eine Behandlung mit einem einzelnen geeigneten Mittel an. Ist der Erreger gegen Dapson unempfindlich, tritt an die Stelle der beiden Begleitmittel mindestens ein anderes, und die anschließende Einzelbehandlung erfolgt mit Clofazimin selbst. Eine dritte Ausgestaltung gilt für die lepromatöse Lepra, die durch ein Erythema nodosum leprosum erschwert ist, eine entzündliche Abwehrreaktion im Verlauf der Erkrankung: Hier wird Clofazimin neben der Grundbehandlung und, soweit angezeigt, neben Kortikosteroiden eingesetzt, und die zugeführte Menge wird nach dem Abklingen der Reaktion so rasch wie möglich wieder verringert.

Allen drei Ausgestaltungen gemeinsam ist, dass die Behandlung nicht mit Clofazimin allein beginnt. Die Produktinformation hält ausdrücklich fest, dass der Wirkstoff zur Anfangsbehandlung nur als Teil einer Kombination angewendet werden soll, und begründet das mit der Verhinderung einer Unempfindlichkeit des Erregers – derselbe Grund, der auch für die Kombination mit Dapson und Rifampicin genannt wird. Die anschließende Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff ist davon zu unterscheiden; sie setzt die Kombinationsbehandlung voraus.


Verabreichung & Dosierung

Bei der Verabreichung und Dosierung von Clofazimin, einem Antibiotikum, das hauptsächlich zur Behandlung von Lepra und bestimmten mykobakteriellen Infektionen eingesetzt wird, sind mehrere wichtige Aspekte zu beachten. Die Dosierung von Clofazimin variiert je nach Art und Schwere der Infektion sowie individuellen Patientenfaktoren. Für die Behandlung von Lepra beträgt die übliche Dosis für Erwachsene 50 bis 100 mg pro Tag, oft in Kombination mit anderen Antibiotika wie Rifampicin und Dapson, um die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern.

Clofazimin sollte zu den Mahlzeiten eingenommen werden, um die Absorption zu verbessern und gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen zu minimieren. Es ist wichtig, die Tabletten im Ganzen mit Wasser zu schlucken und nicht zu zerbrechen oder zu zerkauen.

Bei der Langzeitanwendung von Clofazimin können Nebenwirkungen auftreten, die überwacht werden müssen. Eine häufige Nebenwirkung ist die Verfärbung der Haut, Augen und Körperflüssigkeiten, die rotbraun bis schwarz sein kann. Sie bildet sich nach dem Absetzen zurück, jedoch nur langsam: In einem 2025 veröffentlichten Fallbericht war die Verfärbung 14 Monate nach dem Absetzen noch nicht vollständig verschwunden. Der körperlichen Gesundheit schaden die Verfärbungen nicht; sie werden von Betroffenen jedoch als stark belastend erlebt und gelten in der Lepratherapie als eigenständiges Hindernis für die Behandlung.

Patienten sollten regelmäßig auf mögliche Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden, trockene Haut und Juckreiz überwacht werden. In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie einem Darmverschluss (Ileus) kommen, was eine sofortige medizinische Intervention erfordert.

Darüber hinaus ist die regelmäßige Überwachung der Leberfunktion und Blutbildkontrollen wichtig, da Clofazimin in seltenen Fällen hepatotoxisch wirken kann und Blutbildveränderungen hervorrufen kann.

Die Compliance des Patienten ist entscheidend für den Therapieerfolg, daher sollten Patienten ausführlich über die Wichtigkeit der regelmäßigen Einnahme und das Management von Nebenwirkungen informiert werden.

Risiken & Nebenwirkungen

Clofazimin kann auch bei vollständig ordnungsgemäßer Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Das gilt jedoch auch für andere Medikamente. Eine Anwendung hat zwingend zu unterbleiben, wenn eine Unverträglichkeit bzw. Allergie gegen den Wirkstoff bekannt ist.

Laut Literatur konnte in zahlreichen Studien bewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Clofazimin und der Entstehung von Hautverfärbungen besteht. Bei vielen Probanden kam es vor allem an lichtexponierten Stellen zur verstärkten Ausbildung von roten oder braun-schwarzen Stellen. Darüber hinaus können auch Verfärbungen des Stuhlgangs, des Urins, des Auswurfs (Sputum) oder der Haare auftreten. Auch über Verfärbungen des Schweißes wurde berichtet.

Ferner kann es nach der Einnahme von Clofazimin zu Verhornungsstörungen der Haut (in der Fachwelt: Ichthyosis) kommen.

Weitere Nebenwirkungen sind Störungen des Magen-Darm-Traktes, die sich vorrangig in Durchfall (Diarrhoe), Bauch- oder Magenschmerzen, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit äußern. Auch die Ausbildung einer pathologisch erhöhten Lichtempfindlichkeit (Photosensitivität) ist eine potenziell in Betracht zu ziehende Nebenwirkung.

Kontraindikationen

Clofazimin, ein Antibiotikum zur Behandlung von Lepra und bestimmten mykobakteriellen Infektionen, hat mehrere Kontraindikationen, die bei der Verschreibung und Anwendung berücksichtigt werden müssen. Eine der Hauptkontraindikationen ist eine bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Clofazimin oder einen der Inhaltsstoffe des Medikaments. Patienten, die auf Clofazimin allergisch reagieren, sollten es nicht einnehmen. Diese Überempfindlichkeit ist zugleich die einzige eigentliche Gegenanzeige; die übrigen im Folgenden genannten Punkte sind Warnhinweise, die besondere Vorsicht und Überwachung erfordern, eine Behandlung aber nicht von vornherein ausschließen.

Patienten mit schwerwiegenden Magen-Darm-Erkrankungen sollten Clofazimin ebenfalls vermeiden. Da das Medikament gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen verursachen kann, besteht bei Patienten mit bestehenden Magen-Darm-Problemen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Eine weitere wichtige Kontraindikation betrifft Patienten mit schweren Lebererkrankungen. Clofazimin kann hepatotoxisch wirken und die Leberfunktion beeinträchtigen. Daher sollte bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion eine alternative Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Bei schwangeren Frauen und stillenden Müttern ist Clofazimin nur mit Vorsicht anzuwenden. Die Sicherheit von Clofazimin während der Schwangerschaft ist nicht vollständig geklärt, und es besteht das Potenzial für fetale Risiken. Auch während der Stillzeit kann Clofazimin in die Muttermilch übergehen und das gestillte Kind beeinträchtigen.

Patienten mit bestehenden schweren Hauterkrankungen sollten ebenfalls Vorsicht walten lassen, da Clofazimin zu Hautverfärbungen und trockener Haut führen kann. Diese kosmetischen Effekte können bei Patienten mit Hauterkrankungen besonders problematisch sein.

Bei der Anwendung von Clofazimin müssen zudem mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden, die die Wirksamkeit oder Sicherheit beeinträchtigen könnten. Eine sorgfältige Anamnese und medizinische Überwachung sind daher entscheidend, um die Eignung von Clofazimin für den jeweiligen Patienten zu beurteilen.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Clofazimin kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, was die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung beeinflussen kann. Eine bedeutende Interaktion besteht mit Medikamenten, die die gastrointestinale Motilität beeinflussen. Da Clofazimin gastrointestinale Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen und Durchfall verursachen kann, sollten Medikamente, die die Magen-Darm-Motilität weiter beeinflussen, mit Vorsicht verwendet werden.

Eine weitere wichtige Interaktion besteht mit anderen Medikamenten, die ebenfalls eine QT-Verlängerung verursachen können. Clofazimin kann das QT-Intervall im EKG verlängern, was das Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen erhöht. Daher sollten Medikamente wie Antiarrhythmika (z.B. Amiodaron), bestimmte Antipsychotika (z.B. Haloperidol) und einige Makrolid-Antibiotika (z.B. Erythromycin), die ebenfalls das QT-Intervall verlängern können, vermieden oder nur unter strenger Überwachung gleichzeitig mit Clofazimin angewendet werden.

Clofazimin kann auch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, die über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert werden. Obwohl Clofazimin kein starker Inhibitor oder Induktor dieser Enzyme ist, kann es die Plasmaspiegel von Medikamenten, die über den gleichen Stoffwechselweg abgebaut werden, verändern.

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Rifampicin, einem häufig verwendeten Medikament zur Behandlung von Lepra, sollte die mögliche gegenseitige Beeinflussung der Pharmakokinetik beachtet werden. Die Beeinflussung ist dabei vor allem für die umgekehrte Richtung beschrieben: Untersuchungen an Leprapatienten zeigten, dass Clofazimin die Aufnahme von Rifampicin verlangsamt und den höchsten Blutspiegel später eintreten lässt, während die insgesamt aufgenommene Menge unverändert blieb. Dass Rifampicin seinerseits den Abbau von Clofazimin beschleunigt, ließ sich nicht bestätigen.

Antazida, die zur Neutralisierung von Magensäure verwendet werden, können die Absorption von Clofazimin im Darm verringern. Zwischen der Einnahme von Antazida und Clofazimin sollte deshalb ein zeitlicher Abstand liegen.

Schließlich sollte die gleichzeitige Anwendung von Clofazimin mit anderen Medikamenten, die Photosensibilität erhöhen, vermieden werden, da Clofazimin selbst die Hautempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht erhöhen kann. Patienten sollten darüber informiert werden, Sonnenschutzmaßnahmen zu ergreifen und übermäßige Sonnenexposition zu vermeiden.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Clofazimin nicht vertragen wird, stehen mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, abhängig von der spezifischen Indikation. Bei der Behandlung von Lepra sind andere Antibiotika wie Rifampicin und Dapson häufige Alternativen. Rifampicin ist besonders wirksam und wird oft in Kombinationstherapien verwendet, um die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern. Dapson ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Mehrfachtherapie gegen Lepra und kann als Alternative oder Ergänzung zu Clofazimin eingesetzt werden.

Für Patienten mit Mykobakterieninfektionen, die nicht auf Lepra zurückzuführen sind, gibt es verschiedene andere Antibiotika, die in Betracht gezogen werden können. Ethambutol und Clarithromycin sind häufig verwendete Alternativen. Ethambutol wird oft in Kombination mit anderen antimikrobiellen Mitteln verwendet, um eine umfassendere Wirkung zu erzielen. Clarithromycin ist ein Makrolid-Antibiotikum, das ebenfalls wirksam gegen bestimmte mykobakterielle Infektionen ist.

Bei der Behandlung von Haut- und Weichteilinfektionen, die durch atypische Mykobakterien verursacht werden, können auch Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin in Betracht gezogen werden. Diese Antibiotika bieten eine breite antibakterielle Abdeckung und sind oft gut verträglich.

Neben antibiotischen Behandlungen können in einigen Fällen auch chirurgische Eingriffe erforderlich sein, um infiziertes Gewebe zu entfernen oder Abszesse zu drainieren. Dies ist insbesondere bei schweren oder komplizierten Infektionen der Fall.

Für Patienten mit entzündlichen Erkrankungen, die nicht durch bakterielle Infektionen verursacht werden, können Immunsuppressiva oder Biologika eine Alternative darstellen. Methotrexat und Azathioprin sind Beispiele für Immunsuppressiva, während TNF-Inhibitoren und Interleukin-Inhibitoren als Biologika verwendet werden können.

Die Auswahl der alternativen Behandlung sollte stets in enger Absprache mit einem Facharzt erfolgen, um die bestmögliche Therapie für den jeweiligen Patienten sicherzustellen.

Überwachung während der Behandlung

Die Produktinformation des Präparates verlangt über die allgemeine ärztliche Beobachtung hinaus zwei gezielte Kontrollen.

Die erste betrifft das Herz. Unter Clofazimin sind Fälle von Torsade de Pointes, einer besonderen Form der Herzrhythmusstörung, zusammen mit einer Verlängerung des QT-Intervalls berichtet worden, und zwar bei Behandelten, die höhere Tagesmengen erhielten oder die gleichzeitig andere QT-verlängernde Arzneimittel einnahmen. Ausdrücklich genannt ist dabei Bedaquilin, ein Wirkstoff, der ebenfalls gegen die multiresistente Tuberkulose eingesetzt wird. Für diese Kombination verlangt die Produktinformation Kontrollen des Herzstromkurvenbildes und nennt zwei Abbruchgründe: eine klinisch bedeutsame Herzrhythmusstörung aus den Herzkammern und das Überschreiten eines festgelegten Schwellenwertes für das gemessene QT-Intervall. Tritt eine Ohnmacht auf, ist ebenfalls ein Herzstromkurvenbild aufzuzeichnen. Die QT-Verlängerung ist damit nicht nur eine Frage der Wechselwirkungen, sondern eine eigenständige Vorsichtsmaßnahme.

Die zweite Kontrolle betrifft die seelische Verfassung. Die Hautverfärbung, die unter Clofazimin bei der weit überwiegenden Mehrheit der Behandelten auftritt, hat nach den Angaben der Produktinformation zu Depressionen und zu Selbsttötungen geführt. Die Behandelten sind deshalb über die zu erwartende Verfärbung aufzuklären und während der Behandlung auf Anzeichen einer Depression oder auf Selbsttötungsgedanken zu beobachten. Damit kann eine Nebenwirkung, die der körperlichen Gesundheit nicht schadet, mittelbar schwerwiegende Folgen haben.

Ablagerung im Gewebe

Der Grund für einen großen Teil der beschriebenen Nebenwirkungen liegt darin, dass sich Clofazimin in Form von Kristallen in verschiedenen Organen ablagert. Die Produktinformation nennt die Lymphknoten des Bauchraums, bestimmte Fresszellen in der Schleimhaut des Darms, die Milz und die Leber.

Die Ablagerung in der Darmschleimhaut kann zu einem Verschluss des Darms führen, der unter Umständen eine Bauchoperation erforderlich macht; berichtet worden sind ferner ein Milzinfarkt, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Todesfälle. Klagt ein Behandelter über Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, sind deshalb Untersuchungen einzuleiten und die zugeführte Menge zu verringern, das Zeitintervall zwischen den Gaben zu verlängern oder die Behandlung abzubrechen. Höhere Tagesmengen sollen nur über einen möglichst kurzen Zeitraum und nur unter enger ärztlicher Überwachung gegeben werden.

Auch am Auge lagern sich Kristalle ab. Beschrieben sind eine Pigmentierung der Bindehaut und der Hornhaut, eine Verschlechterung des Sehvermögens sowie Trockenheit, Brennen, Jucken und Reizung; seltener ist eine Veränderung der Stelle des schärfsten Sehens. Die Produktinformation führt die Pigmentierung an Bindehaut und Hornhaut ausdrücklich auf Ablagerungen von Clofazimin-Kristallen zurück.

Schwangerschaft, Stillzeit und Verhütung

Zur Anwendung bei Schwangeren liegen keine Daten vor, die eine Beurteilung des Risikos erlauben würden. In Tierversuchen an Mäusen zeigten sich eine verzögerte Verknöcherung des Schädels, vermehrte Fehl- und Totgeburten sowie ein beeinträchtigtes Überleben der Neugeborenen. Die wenigen berichteten Anwendungen beim Menschen zeigen, dass die Haut der Neugeborenen von Müttern, die während der Schwangerschaft Clofazimin erhalten hatten, bei der Geburt verfärbt war; nach den vorliegenden Beobachtungen verblasste die Verfärbung im ersten Lebensjahr allmählich.

Aus diesen Befunden folgen mehrere Vorgaben: Vor Beginn der Behandlung ist bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Schwangerschaftstest durchzuführen. Während der Behandlung und für einen in der Produktinformation festgelegten Zeitraum danach ist eine zuverlässige Verhütung erforderlich – diese Vorgabe richtet sich ausdrücklich an Frauen und an Männer gleichermaßen. Clofazimin geht in die Muttermilch über; bei gestillten Neugeborenen ist eine Hautverfärbung beobachtet worden.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten, bei eingeschränkter Leberfunktion soll die Anwendung vermieden werden. Für Menschen mit einer HIV-Infektion ist nach den Angaben der Produktinformation keine Anpassung der zugeführten Menge erforderlich.

Quellen

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    ISBN: 9783437216428
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    ISBN: 9783437223228
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