Dermoidzyste
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Dermoidzyste wird ein mit Oberhautgewebe ausgekleideter Hohlraum bezeichnet. Sie zählt zu den reifen Teratomen und ist gutartig.
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Was ist eine Dermoidzyste?
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Bei der Dermoidzyste handelt es sich um einen Keimzelltumor. Keimzelltumore gehen von den Keimzellen aus. Das heißt, dass sie ihren Ursprung in den Eierstöcken der Frau oder den Hoden des Mannes haben. Keimzelltumore können sowohl gutartig als auch bösartig sein. Die gutartigen Tumore sind deutlich häufiger anzutreffen. Sie werden Dermoidzysten genannt.
Zu den typischen Merkmalen einer Dermoidzyste oder eines Dermoids gehört, dass sie mit komplett entwickeltem Gewebe wie Haut, Zähnen, Drüsenanteilen oder Haaren ausgestattet ist. In manchen Fällen besteht die Gefahr, dass aus einem gutartigen Teratom ein bösartiger Tumor hervorgeht. Besonders betroffen von Dermoidzysten sind Frauen, die sich im gebärfähigen Alter befinden.
Nicht selten bilden sich die Zysten auf beiden Seiten des Körpers. Unter den gutartigen Eierstocktumoren weisen die Dermoidzysten einen Anteil zwischen 10 und 20 Prozent auf.
Ursachen
Eine Dermoidzyste bildet sich aus Gewebe, bei dem im Rahmen der Embryonalentwicklung eine Versprengung erfolgte. Oftmals verfügen die Zysten über Gewebsanteile aus sämtlichen drei Keimblättern. Der Inhalt der Zyste ist ölig oder teigig. Häufig sind zudem Haare vorhanden.
Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass sich in der Dermoidzyste Knorpel, Knochen, Blut, Talg, Nägel, Zähne und sogar Schilddrüsengewebe befinden. Ebenso stellt neuroektodermales Gewebe wie Gliazellen keine Seltenheit dar. Ein Teratom geht aus einer Stammzelle hervor. Diese Zellen können sich zu ganz unterschiedlichen Zellen entwickeln. Die Stammzelle, von der ein Teratom wie eine Dermoidzyste gebildet wird, zählt zum Embryonal- oder Keimgewebe.
Es wird vermutet, dass die Teratome bereits vor der Geburt vorhanden und damit angeboren sind. Da sie jedoch lange Zeit keine Beschwerden hervorrufen, lassen sie sich erst spät feststellen. Wie bereits erwähnt, kommen die Dermoidzysten am häufigsten an den weiblichen Eierstöcken oder den männlichen Hoden vor. Mitunter zeigen sie sich jedoch auch an anderen Körperregionen. Häufige Sitze außerhalb der Keimdrüsen sind das Steißbein und, bei Kindern, der äußere Rand der Augenbraue.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Zu auffälligen Symptomen kommt es durch eine Dermoidzyste zunächst nicht. Erst wenn das Teratom eine bestimmte Größe erreicht, sind Vorwölbungen oder Bauchschmerzen möglich. Steigt der Druck auf die benachbarten Körperstellen an, drohen Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen. Erfolgt ein Kapselriss oder eine Stieldrehung des Teratoms, führt dies zu einem akuten Abdomen, das mit starken Bauchschmerzen einhergeht. Die Stieldrehung betrifft dabei ausschließlich Dermoidzysten am Eierstock, die an einem Gefäßstiel hängen; eine Zyste an Augenbraue, Steißbein oder Hoden kann sich nicht um die eigene Achse drehen.
Des Weiteren kann es zu Unregelmäßigkeiten beim weiblichen Zyklus und Menstruationsbeschwerden kommen. Außerdem nimmt der Leibesumfang zu und die betroffenen Personen leiden unter einem schlechten Allgemeinbefinden. Ebenso sind Auswirkungen auf andere Körperregionen denkbar. So zeigt sich in manchen Fällen eine Überfunktion der Schilddrüse.
Eine Dermoidzyste ist eigentlich gutartig. Mitunter geht aus ihr jedoch ein bösartiger Tumor hervor, was allerdings nur selten geschieht. So kommt es lediglich bei einem Prozent aller Fälle zu einer bösartigen Ausprägung. Genauso selten erfolgt bei Frauen das Auftreten eines Teratoms, das von Anfang an bösartig ist. Bei Männern nach der Pubertät verhalten sich Hodenteratome dagegen häufig bösartig, während sie im Kindesalter in der Regel gutartig bleiben.
Diagnose
Liegt der Verdacht auf die Entstehung einer Dermoidzyste vor, führt der Arzt zunächst ein Gespräch mit dem Patienten. Dabei erkundigt er sich nach dem Zeitpunkt, ab dem die Beschwerden aufgetreten sind. Anschließend tastet er im Rahmen einer körperlichen Untersuchung den Bauch ab. Ergänzend finden eine Röntgenuntersuchung sowie eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) am Bauch statt. Früher wurde dabei regelmäßig geröntgt, weil sich Zähne und Knochenanteile im Bild abzeichnen. Heute steht der Ultraschall an erster Stelle, bei unklarem Befund ergänzt durch die Magnetresonanztomografie.
Um festzustellen, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt, wird eine Gewebeprobe entnommen, deren mikroskopische Untersuchung in einem Labor erfolgt. Für die Entnahme der Gewebeprobe ist in der Regel ein operativer Eingriff erforderlich. In den meisten Fällen nimmt die Dermoidzyste einen günstigen Verlauf, weil sich das Teratom gut entfernen lässt.
Selbst für den Fall, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt, fällt die Prognose besser aus als bei anderen Tumorformen. So ist meist eine erfolgreiche Beseitigung möglich.
Komplikationen
Meistens wird eine Dermoidzyste erst spät diagnostiziert. Sie führt bei den Patientinnen zu Bauchschmerzen und Krämpfen im Unterbauch. Ebenso kann es zu Schwierigkeiten oder Beschwerden beim Wasserlassen und beim Stuhlgang kommen. Diese Tätigkeiten sind nicht selten mit einem brennenden Schmerz verbunden. Dadurch wird die Lebensqualität verringert.
In einigen Fällen trinken die Patienten weniger, um ein häufiges Wasserlassen zu verhindern, was zu einer Dehydrierung führt. Frauen können durch die Dermoidzyste an verstärkten Menstruationsbeschwerden leiden. Dazu zählen auch starke Stimmungsschwankungen, die sich negativ auf die Psyche auswirken können.
Im schlimmsten Falle kann aus der Dermoidzyste ein bösartiger Tumor entstehen, welcher entfernt werden muss. Die bösartigen Tumore treten dabei verstärkt bei Männern auf, Frauen leiden in der Regel fast ausschließlich an gutartigen Tumoren. Die Entfernung des Tumors findet operativ statt und führt zu keinen weiteren Komplikationen, wenn sich dieser nicht weit ausgebreitet oder anderes Gewebe befallen hat.
Nur wenn sich der Tumor als bösartig erweist, ist nach der Operation zusätzlich eine Chemotherapie notwendig; bei der gutartigen Dermoidzyste genügt die vollständige Entfernung. Je früher die Dermoidzyste entdeckt wird, desto geringer sind die Folgeschäden oder die Komplikationen. Bei einer erfolgreichen Entfernung wird die Lebenserwartung nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Beim Verdacht auf eine Dermoidzyste sollte zeitnah ein Arzt konsultiert werden. Die typischen Symptome treten in der Regel erst im späteren Stadium der Erkrankung auf. Deshalb muss bei Beschwerden umgehend reagiert werden. Wer beispielsweise stechende Bauchschmerzen verspürt oder plötzlich Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen hat, muss diese Symptome medizinisch abklären und gegebenenfalls behandeln lassen. Wenn Unregelmäßigkeiten beim weiblichen Zyklus bemerkt werden, kann dies ebenfalls auf eine Dermoidzyste hindeuten. Setzen dagegen plötzlich heftige, einseitige Unterbauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen ein, kann eine Stieldrehung vorliegen. Das ist ein gynäkologischer Notfall, der sofort im Krankenhaus abgeklärt werden muss, da der Eierstock sonst abstirbt. Grundsätzlich macht sich die Erkrankung durch eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome bemerkbar.
Es empfiehlt sich deshalb, gut auf die Signale des Körpers zu achten und bei Auffälligkeiten einen Termin beim Frauenarzt auszumachen. Spätestens, wenn eine Gewichtszunahme festgestellt wird, für die keine andere Ursache vorliegt, ist eine medizinische Erklärung anzuraten. Die Dermoidzyste ist in der Regel ungefährlich und kann komplikationsfrei behandelt werden. Bleibt sie allerdings unbehandelt, kann sich ein bösartiger Tumor bilden, welcher weitere Komplikationen nach sich zieht. Deshalb gilt: bei ersten Anzeichen einer Dermoidzyste einen Arzt konsultieren und die Ursache feststellen lassen.
Behandlung & Therapie
Bei Dermoidzysten wird grundsätzlich eine operative Entfernung empfohlen. Zu diesem Zweck findet zumeist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) statt. Hat sich das Teratom im Bauchraum angesiedelt, verabreicht der Arzt eine Vollnarkose. Ist keine Bauchspiegelung möglich, wird ein offener Bauchschnitt (Laparotomie) durchgeführt.
Da sich der Inhalt der Dermoidzyste in den Bauchraum ergießen kann, muss der Chirurg sehr behutsam bei der Operation vorgehen. Bei manchen Patientinnen ist es nötig, den kompletten Eierstock gemeinsam mit dem Teratom herauszuoperieren. Ebenso wie die gutartige Dermoidzyste wird auch ein bösartiges Teratom chirurgisch entfernt.
Findet der Chirurg während der Operation keine bösartigen Zellen, reicht die Entfernung des Tumors aus. Zeigen sich dagegen bösartige Zellen, muss eine Ausweitung des operativen Eingriffs auf benachbarte Lymphknotenstationen stattfinden. Darüber hinaus erfolgt zusätzlich eine Chemotherapie, bei der Cisplatin verabreicht wird. In den meisten Fällen ist die Chemotherapie sehr wirksam.
Eine Operation muss auch im Falle einer Hoden-Dermoidzyste vorgenommen werden, weil die Gefahr besteht, dass sich bösartiges Gewebe entwickelt. Der Eingriff sollte deshalb möglichst zeitnah erfolgen. Auch in diesem Fall kann im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie nötig sein. Ein chirurgischer Eingriff ist außerdem bei einer Dermoidzyste am Steißbein erforderlich. In den meisten Fällen führt die Behandlung zu einer vollständigen Genesung des Patienten.
Aussicht & Prognose
Die Dermoidzyste hat eine gute Prognose, sofern sie rechtzeitig erkannt, diagnostiziert und behandelt wird. Der Keimzelltumor wird im Normalfall in einer Vollnarkose entfernt. Anschließend ist bei einer guten Wundversorgung der Patient innerhalb kurzer Zeit beschwerdefrei.
Treten Komplikationen beim Eingriff oder in der anschließenden Heilungsphase auf, handelt es sich bei den meisten Patienten um eine Verzögerung des Heilungsprozesses. Selten kommt es durch eine unzureichende Wundversorgung zu einer Blutvergiftung. Tritt sie jedoch ein, besteht für den Patienten eine lebensgefährlicher Zustand. Ohne die Inanspruchnahme einer medizinischen Behandlung der Dermoidzyste erhöht sich das Risiko, dass die Zyste mutiert und zu einem bösartigen Tumor wird.
Eine Krebserkrankung kann immer einen tödlichen Verlauf haben. Daher ist die Prognose in diesen Situationen individuell zu stellen. In schweren Fällen lösen sich Krebszellen von der mutierten und damit bösartigen Zyste. Sie werden über das Blut an einen anderen Ort im Organismus transportiert und können dort die Bildung neuer Metastasen verursachen.
Trotz einer erfolgreichen Entfernung der Dermoidzyste kann es jederzeit im weiteren Verlauf zu einer Neubildung kommen. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen für die Aufrechterhaltung der Gesundheit unerlässlich. Haben sich neue Dermoidzysten gebildet, ist auch hier bei einer frühzeitigen Entfernung der Zysten eine gute Prognoseaussicht vorhanden.
Vorbeugung
Vorbeugende Maßnahmen gegen eine Dermoidzyste sind nicht bekannt. So ist das Teratom bereits angeboren.
Nachsorge
In den meisten Fällen stehen dem Betroffenen bei einer Dermoidzyste keine besonderen oder direkten Maßnahmen und Möglichkeiten der Nachsorge zur Verfügung. Dabei ist der Patient zuerst auf eine frühzeitige Erkennung angewiesen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder zu einer Verschlechterung der Beschwerden kommt. Erst nach einer umfassenden Diagnose kann eine weitere Behandlung durchgeführt werden, die die Beschwerden lindert.
Da es dabei auch nicht zu einer Selbstheilung kommen kann, steht im Vordergrund bei der Dermoidzyste die frühzeitige Erkennung der Krankheit. Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung ist bei der Dermoidzyste nicht erforderlich; die Zyste lässt sich allein durch eine Operation beseitigen.
Sollten Fragen auftreten, ist auf jeden Fall ein Arzt zu konsultieren. In aller Regel ist bei der Dermoidzyste ein operativer Eingriff notwendig. Nach dem Eingriff sollten sich die Betroffenen auf jeden Fall ausruhen und ihren Körper schonen. Von anstrengenden oder stressigen Tätigkeiten ist abzuraten, um den Körper nicht unnötig zu belasten. In der Regel kann die Dermoidzyste gut behandelt werden, sodass es nicht zu einer verringerten Lebenserwartung durch diese Krankheit kommt.
Das können Sie selbst tun
Erreicht das angeborene Teratom eine bestimmte Größe, verschlimmern sich die Symptome zunehmend. So wird die Lebensqualität der betroffenen Frauen deutlich eingeschränkt. Zumeist muss nun eine chirurgische Entfernung erfolgen. Dennoch können Betroffene einige Maßnahmen ergreifen, um die Beschwerden zu lindern.
Bei bestehenden Zyklusstörungen und Hormonschwankungen helfen Mönchspfeffer und Frauenmantel. Sie wirken ausgleichend auf den Hormonhaushalt. Die Homöopathie empfiehlt die Substanzen Apis mellifica und Lachesis. Vor der Eigenbehandlung sollte jedoch eine Beratung durch einen erfahrenen Homöopathen oder Heilpraktiker erfolgen. Mit der Bachblütentherapie lassen sich innere Unruhe und Anspannungszustände mildern.
Zu überprüfen wäre auch, ob eine Übersäuerung im Körper vorliegt. Diese kann für viele Beschwerden verantwortlich sein. Basenbäder und eine vitalstoffreiche Ernährung sowie die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit – vor allem stille Mineralwässer – können dem entgegenwirken. Weiterhin soll sich der Verzicht auf Fleisch als förderlich erweisen. Der Ernährung kommt generell eine besondere Bedeutung zu. Auf die Dermoidzyste selbst haben Ernährungsmaßnahmen und Heilfasten jedoch keinen Einfluss – das angeborene Teratom bildet sich dadurch nicht zurück, sondern lässt sich nur operativ entfernen.
Auch Massagen zur Anregung der Lymphe unterstützen den Körper bei der Selbstheilung. Akupunktur, Akupressur oder Fuß-Reflexzonen-Massagen vermögen Schmerzen sowie Unwohlsein und Ängste zu lindern. Zum Teil tritt auch eine Schilddrüsenüberfunktion auf. Diese sollte von einem Endokrinologen behandelt werden. Bei bestehenden Stimmungsschwankungen könnte die Aromatherapie eine Möglichkeit darstellen: Neroli, das Öl der Orangenblüte, wirkt stimmungsaufhellend und entspannend.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
ISBN: 9783132446045
- Cerroni, L., Garbe, C., Metze, D., Kutzner, H. (Hrsg.): Histopathologie der Haut.
ISBN: 9783662451328
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Duale Reihe Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Böcker, W. u. a. (Hrsg.): Lehrbuch Pathologie.
ISBN: 9783437171437
