Mumpsvirus
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Was ist das Mumpsvirus?
Erstmals vermehrt und strukturiert wurde das Mumpsvirus im Jahr 1945 in bebrüteten Hühnereiern. Das Mumpsvirus ist von einer lipidhaltigen Hülle umgeben. Es ist ein Einzelstrang-RNA-Virus mit spiralförmigem Kapsid. Die lipidhaltige Hülle führt zu einer besonderen Empfindlichkeit des Virus gegenüber milden Seifen sowie Austrocknung. Früher wurde der Erreger als Paramyxovirus parotitis geführt; nach der heute gültigen Systematik wird er als Art Orthorubulavirus parotitidis zur Gattung Orthorubulavirus innerhalb der Familie der Paramyxoviridae gestellt.
Bisher wurden einige genetisch leicht abweichende Subtypen des Mumpsvirus gefunden, doch hat dies für die Erkrankung und serologische Reaktion keine Bedeutung. Mehrere natürliche und gezüchtete Stämme des Mumpsvirus kommen in abgeschwächter Form als Lebendimpfstoff zum Einsatz.
Vor Einführung der Impfung brach die Mumpsinfektion beinahe ausschließlich im Kindesalter aus; sie führt in aller Regel zu lebenslanger Immunität gegenüber der Erkrankung. Jedoch muss eine einmalige Impfung nicht für alle Zeit vor Mumps schützen.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Die Virusinfektion Mumps zeichnet sich durch eine schmerzhafte Schwellung der Speicheldrüsen am Ohr aus. Aufgrund einer Ansammlung von Flüssigkeit seitlich der Ohrläppchen stehen die Ohren scheinbar ab und die Backen im Gesicht wirken wie aufgeblasen.
Vor Einführung der Impfung waren von der Erkrankung am häufigsten Kinder zwischen zwei und 15 Jahren betroffen. Seitdem aber flächendeckend gegen Mumps geimpft wird, ist die Zahl der Erkrankungen in Deutschland stark rückläufig. Zugleich hat sich das Erkrankungsalter verschoben: Gemeldete Erkrankungen und Ausbrüche betreffen heute überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Die Infektionen können das komplette Jahr über auftreten, konzentrieren sich aber meist auf den Winter und das Frühjahr. Gemeldet werden in Deutschland heute nur noch wenige hundert Erkrankungen im Jahr.
Mumps wird durch Tröpfcheninfektion, unmittelbaren Schleimhautkontakt oder gelegentlich auch Speichel an Kinderspielzeug übertragen. Das Virus kann auch im Harn und in der Muttermilch enthalten sein.
Krankheiten & Beschwerden
Die Erkrankung ist zumeist, aber nicht immer, mit Fieber verbunden. Die Entzündung der Ohrspeicheldrüse bei Mumps beginnt oft einseitig und weitet sich dann unter Umständen auf beide Seiten aus. Kinder melden die charakteristischen Schmerzen beim Kauen, in den Ohren und beim Drehen des Kopfes.
Die Entzündung der Ohrspeicheldrüse greift unter Umständen auf weitere Speicheldrüsen über. In seltenen Fällen kann davon auch die Bauchspeicheldrüse betroffen sein. Die Folgen davon sind Erbrechen und sehr fetthaltige Durchfälle. Von sich aus geht Mumps aber kaum mit größeren Komplikationen einher, vor allem im Kindesalter nicht. In höherem Alter können die Symptome schwerer sein. Nach sieben bis zehn Tagen schwächt sich die Krankheit meistens von allein ab und verschwindet dann bald.
Weitreichende Folgen können eintreten, wenn Mumpsviren wandern und teilweise weit entfernte Organe und Organsysteme befallen. In nicht wenigen Fällen verschlimmert sich Mumps außerdem zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Dies ist häufiger im Erwachsenenalter zu beobachten. Die Infektion kann sich noch weiter auf den Gleichgewichtsnerv erstrecken. Bei diesem Fortschreiten drohen Innenohrschwerhörigkeit oder sogar Taubheit.
Weiterhin kommt es unter Umständen zu Entzündungen des Hodens, auch hier meist im Erwachsenenalter. Diese sehr schmerzhafte Erkrankung kann drei bis vier Tage andauern und zu auffälligen Schwellungen des Hodens führen. Beidseitiges Auftreten führt im Ernstfall zu Unfruchtbarkeit.
Mädchen und Frauen leiden bei einem Übergreifen der Mumpsviren in seltenen Fällen unter Eierstock-Entzündungen, die sich jedoch oft nach einer Woche nicht mehr bemerkbar machen. Betroffen sind dabei fast ausschließlich Frauen nach der Pubertät. Sehr selten führt das Mumpsvirus zu Folgeerkrankungen wie Enzephalitis, Entzündungen der Schilddrüse, der Iris, des Herzmuskels und der Nieren.
Dem Mumpsvirus ist nicht mit einer speziellen antiviralen Behandlung beizukommen. Im Mittelpunkt der Therapie stehen schmerzlindernde und fiebersenkende Maßnahmen. Je nach Befinden tun dem Patienten die Anwendung von Wärme- oder Kältekompressen gut. Gegen die geschwollenen Halspartien helfen ebenso leichte Schmerzmittel.
Da das Kauen schmerzhaft ist, wird die Nahrungsaufnahme in der akuten Phase häufig als beschwerlich empfunden. Säurereiche Speisen und Getränke (beispielsweise Fruchtsäfte) verstärken möglicherweise die Schmerzen und werden deshalb vorübergehend besser gemieden.
Die weitgehend sehr wirksame Impfung gegen das Mumpsvirus führt, da es sich um einen spezifischen Lebendimpfstoff handelt, in manchen Fällen zu Krankheitserscheinungen (schließlich wird der Körper gezielt mit dem abgeschwächten Virus infiziert), jedoch in leichter und schnell vorübergehender Form. Das Gebiet rund um die Injektionsstelle kann sich leicht röten, anschwellen und etwas weh tun. In Deutschland steht der Mumpsimpfstoff heute nur noch als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zur Verfügung; einen Einzelimpfstoff gegen Mumps gibt es nicht mehr.
Bau und Vermehrung
Das Mumpsvirus gehört zur Familie der Paramyxoviridae und teilt deren kennzeichnenden Aufbau. Die Viruspartikel haben keine feste Gestalt, sondern sind unregelmäßig geformt. Im Inneren liegt das Erbgut, ein einzelner RNA-Strang, der von Eiweißbausteinen wie eine Perlenkette umhüllt und zu einer Spirale aufgewunden ist. Anders als bei den Picornaviren kann die Wirtszelle diesen Strang nicht unmittelbar ablesen; er ist gewissermaßen spiegelbildlich geschrieben. Das Virus muss deshalb ein eigenes Ableseenzym mitbringen, das es in jedem Partikel mitführt.
In der Fetthülle stecken zwei Eiweiße, die für die Infektion entscheidend sind. Das erste dient zugleich der Anheftung und der Ablösung: Es bindet an Zuckerstrukturen auf der Oberfläche der Wirtszelle und spaltet diese beim Verlassen der Zelle wieder ab, damit die neuen Partikel nicht an der verbrauchten Zelle hängen bleiben. Das zweite bewirkt die Verschmelzung der Virushülle mit der Zellmembran. Es kann darüber hinaus benachbarte Zellen miteinander verschmelzen lassen, sodass große vielkernige Gebilde entstehen – eine Veränderung, an der sich eine Infektion in der Zellkultur erkennen lässt. Ein weiteres, kleines Hüllprotein greift in die Abwehrreaktion der Zelle ein; da sein Bauplan besonders veränderlich ist, dient gerade dieser Erbgutabschnitt zur Unterscheidung der Genotypen.
Die gesamte Vermehrung läuft außerhalb des Zellkerns ab. Die fertigen Partikel schnüren sich an der Zellmembran nach außen ab und nehmen dabei ein Stück davon als Hülle mit. Vom nahe verwandten Masernvirus unterscheidet sich das Mumpsvirus unter anderem darin, dass sein Anheftungseiweiß die genannte Zucker spaltende Wirkung besitzt, die dem Masernvirus fehlt.
Ein Serotyp, viele Genotypen
Die Unterscheidung zwischen Serotyp und Genotyp führt bei diesem Erreger leicht zu Missverständnissen. Der Serotyp beschreibt, wie das Immunsystem das Virus wahrnimmt: Antikörper gegen einen beliebigen Mumpsstamm erkennen auch alle übrigen. In diesem Sinn gibt es weltweit nur eine einzige Form. Der Genotyp beschreibt dagegen die Feinunterschiede im Erbgut. Sie sind für die Abwehr ohne Bedeutung, verraten aber die Herkunft eines Virus. Wird bei einem Ausbruch ein bestimmter Genotyp gefunden, lässt sich daraus ablesen, aus welcher Weltregion der Erreger eingeschleppt worden ist und ob mehrere Erkrankungen zusammenhängen. Für die Überwachung von Impfprogrammen ist diese Feinbestimmung deshalb ein wichtiges Hilfsmittel.
Der Weg des Virus durch den Körper
Die Erreger gelangen über die Schleimhäute von Nase und Mund in den Körper und vermehren sich zunächst in den Zellen der oberen Atemwege und in den zugehörigen Lymphknoten. Von dort aus gelangen sie über die Blutbahn in den gesamten Organismus. Die Entzündung der Ohrspeicheldrüse entsteht also nicht dadurch, dass sich das Virus vom Mund aus über den Speichelgang in die Drüse hineinarbeitet, sondern dadurch, dass es mit dem Blut dorthin gebracht wird.
Aus diesem Weg erklärt sich vieles am Krankheitsbild. Weil das Virus alle Organe zugleich erreichen kann, treten Beteiligungen von Hoden, Bauchspeicheldrüse oder Hirnhäuten nicht als späte Fortsetzung einer örtlichen Entzündung auf, sondern können auch ohne jede Schwellung der Speicheldrüsen und sogar als erstes Zeichen der Erkrankung auftreten. Und weil das Virus schon im Speichel vorhanden ist, bevor die Schwellung sichtbar wird, ist eine erkrankte Person bereits ansteckend, ehe irgendjemand die Krankheit erkennen kann. Dieser Umstand macht Mumps in Gemeinschaftseinrichtungen schwer beherrschbar.
Nachweis und Diagnostik
Eine beidseitige, schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen bei einem ungeimpften Kind gilt seit jeher als so kennzeichnend, dass die Diagnose am Krankenbett gestellt wurde. Verlässlich ist dieses Vorgehen heute nicht mehr. Zum einen kommen ähnliche Schwellungen auch bei anderen Virusinfektionen, bei bakteriellen Entzündungen der Drüse und bei einem Speichelstein vor. Zum anderen sind Erkrankungen selten geworden, sodass hinter einem typischen Bild inzwischen häufiger eine andere Ursache steckt als Mumps.
Für die Bestätigung wird deshalb der Erreger selbst gesucht. Am ergiebigsten ist ein Abstrich aus der Wangenschleimhaut in Höhe der Mündung des Speichelgangs, der möglichst früh nach Beginn der Schwellung entnommen wird; geeignet sind ferner Urin und, bei Beteiligung des Nervensystems, das Nervenwasser. Untersucht wird das Material mit der Polymerase-Kettenreaktion. Ergänzend lassen sich Antikörper im Blut bestimmen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Bei Geimpften, die trotz Impfung erkranken, fehlen die frühen Antikörper der Klasse M häufig, und die langfristigen Antikörper sind ohnehin bereits vorhanden. Ein unauffälliger Blutbefund schließt eine Mumpserkrankung bei ihnen daher nicht aus. Bei einer Beteiligung der Speicheldrüsen ist überdies die Konzentration eines stärkehaltige Nahrung spaltenden Enzyms im Blut erhöht; da dieses Enzym sowohl aus den Speicheldrüsen als auch aus der Bauchspeicheldrüse stammen kann, ist zur Unterscheidung eine zweite Laborgröße erforderlich.
Die Impfstoffe und ihre Geschichte
Der weltweit am häufigsten verwendete Impfvirusstamm trägt den Namen Jeryl Lynn. Er stammt aus dem Jahr 1963 und wurde von dem Impfstoffforscher Maurice Hilleman aus dem Rachen seiner an Mumps erkrankten Tochter gewonnen, deren Vornamen er trägt. Nach schrittweiser Abschwächung in Zellkulturen wurde daraus 1967 ein zugelassener Impfstoff; wenige Jahre später wurde er mit den Impfviren gegen Masern und Röteln zur bekannten Dreifachimpfung zusammengeführt.
Daneben sind im Lauf der Zeit weitere Stämme entwickelt worden, deren Geschichte lehrreich ist. Ein in Japan gewonnener Stamm wurde in mehreren Ländern wieder zurückgezogen, weil er häufiger als andere eine harmlos verlaufende, aber beunruhigende Reizung der Hirnhäute auslöste. Ein in der Schweiz entwickelter Stamm erwies sich nach seiner Einführung als zu schwach: Unter den mit ihm Geimpften traten weiterhin Erkrankungen auf, sodass er nicht mehr empfohlen wurde. In Osteuropa und in Teilen Asiens sind bis heute andere Stämme in Gebrauch als in Westeuropa.
Dass Ausbrüche auch unter Geimpften vorkommen, ist gut belegt und betrifft vor allem junge Erwachsene, die auf engem Raum zusammenleben, etwa in Studentenwohnheimen, Internaten oder militärischen Einrichtungen. Als Ursachen gelten ein über die Jahre nachlassender Schutz und die dort besonders dichte Ansteckungsgelegenheit; diskutiert wird zusätzlich, ob die heute vorherrschenden Genotypen dem Impfstamm weniger ähneln als früher. Belegt ist, dass Erkrankungen bei Geimpften milder verlaufen und Komplikationen seltener auftreten als bei Ungeimpften.
Widerstandsfähigkeit und Meldepflicht
Die Fetthülle macht das Mumpsvirus empfindlich. Außerhalb des Körpers überdauert es nur kurz; Austrocknung, Wärme, Seifen und die üblichen alkoholischen Händedesinfektionsmittel zerstören es zuverlässig. Darin unterscheidet es sich deutlich von den unbehüllten Viren wie dem Poliovirus, die alkoholischen Mitteln standhalten. Praktisch bedeutet das, dass die Übertragung fast immer unmittelbar von Mensch zu Mensch erfolgt und Gegenstände nur dann eine Rolle spielen, wenn frischer Speichel auf ihnen haftet.
In Deutschland besteht seit 2013 bundesweit eine Meldepflicht: Bereits der Verdacht auf eine Mumpserkrankung sowie die Erkrankung und der Tod daran sind der zuständigen Behörde namentlich zu melden, ebenso vom Labor der Nachweis des Erregers. Zuvor galt dies nur in einem Teil der Bundesländer, weshalb ältere Angaben zur Häufigkeit nur eingeschränkt vergleichbar sind. Erkrankte dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen bis zum Abklingen der Ansteckungsgefahr nicht besuchen.
Geschichte und Namen
Die Erkrankung ist seit der Antike bekannt; bereits in der hippokratischen Überlieferung findet sich die Beschreibung einer Epidemie mit Schwellungen unterhalb der Ohren, die bei manchen Erkrankten von einer schmerzhaften Schwellung der Hoden begleitet wurde. Der Zusammenhang zwischen Ohrspeicheldrüsenschwellung und Hodenentzündung war damit schon früh erfasst. Am Ende des 18. Jahrhunderts beschrieb ein schottischer Arzt die Erkrankung erneut zusammenhängend.
Dass ein Virus die Ursache ist, wiesen 1934 zwei amerikanische Forscher nach, indem sie Speichel Erkrankter filtrierten, sodass Bakterien zurückgehalten wurden, und mit dem Filtrat Affen ansteckten. Die deutschen Namen der Krankheit spielen auf ihr Aussehen an: "Ziegenpeter" und "Bauernwetzel" beziehen sich auf die aufgeblähten Wangen, die englische Bezeichnung "mumps" geht auf ein altes Wort für Grimassenschneiden zurück. Vor Einführung der Impfung zählte das Mumpsvirus zu den häufigsten Ursachen einer nichteitrigen Hirnhautentzündung im Kindesalter und zu den häufigsten Ursachen einer einseitig erworbenen Schwerhörigkeit bei Kindern.
Quellen
- Modrow, S., Falke, D., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
ISBN: 9783662617809
- Doerr, H. W., Gerlich, W. H. (Hrsg.): Medizinische Virologie.
ISBN: 9783131139627
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
ISBN: 9783642171574
- Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (Hrsg.): DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen.
ISBN: 9783132454408

