Plazentainsuffizienz

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Plazentainsuffizienz bezeichnet man eine Mangelfunktion des Mutterkuchens (Plazenta), der für die Ernährung des Ungeborenen wichtig ist. Die Plazenta wird dabei nicht ausreichend durchblutet, sodass der Stoffaustausch zwischen Fetus und Mutterkuchen nicht richtig funktioniert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Plazentainsuffizienz?

Plazentainsuffizienz
Eine akute Plazentainsuffizienz kündigt sich meist nicht durch Beschwerden der Mutter an. Sie tritt plötzlich auf, am häufigsten unter der Geburt, gelegentlich aber auch schon davor.
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Die Plazenta ist für das Ungeborene von großer Bedeutung, da durch sie Nährstoffe und Sauerstoff vom Kreislauf der Mutter in den des Kindes gelangen können. Außerdem werden im Mutterkuchen Hormone gebildet, darunter beispielsweise Gestagene, Östrogene beziehungsweise das humane Chorion-Gonadotropin (hCG).

Darüber hinaus sorgt der Mutterkuchen für den Abtransport von Abfallprodukten und hält Giftstoffe vom Ungeborenen fern. Die Plazentaschranke ist also eine Art Filter, mit dem der Fötus geschützt werden kann. Wenn die Plazenta diese Funktionen nicht erfüllen kann, so wird von einer Plazentainsuffizienz gesprochen.

Ursachen

Eine akute Plazentainsuffizienz tritt dann auf, wenn der Blutfluss im kindlichen oder mütterlichen Anteil des Mutterkuchens vermindert wird. Mögliche Ursachen dafür können Blutdruckabfall oder ein Wehensturm im Zuge der Geburt sein. Aber auch das so genannte Vena-Cava-Kompressionssyndrom (eine Kreislaufstörung der Mutter, da die Gebärmutter in Rückenlage Druck auf die untere Hohlvene ausübt) oder eine vorzeitige Lösung der Plazenta können eine Plazentainsuffizienz hervorrufen. In manchen Fällen sind auch Nabelschnurprobleme wie Knotenbildung, Vorfall oder Umschlingung ursächlich.

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz wird das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, sodass Lebensgefahr besteht. Ein verlangsamtes Wachstum des Ungeborenen ist umgekehrt die Folge einer chronischen Plazentainsuffizienz; dieser liegt meistens eine Grunderkrankung seitens der Mutter wie Bluthochdruck, Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Anämie zugrunde. Aber auch Umstände, die für eine Schwangerschaft spezifisch sind, können eine chronische Plazentainsuffizienz hervorrufen.

Dazu zählen beispielsweise die Präeklampsie (veraltet auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet) oder die Rhesus-Inkompatibilität. Des Weiteren können auch Nikotin beziehungsweise Alkohol während der Schwangerschaft zu einer chronischen Plazentainsuffizienz führen. Weitere Faktoren, die eine chronische Plazentainsuffizienz begünstigen können, sind außerdem eine geringe Gewichtszunahme bei der Mutter während der Schwangerschaft, vor allem wenn diese schon vor der Schwangerschaft einen niedrigen Body-Mass-Index aufweist. Auch eine geringe Körperhöhe der Mutter sowie Drogenabusus während der Schwangerschaft und andere genetisch bedingte Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine akute Plazentainsuffizienz kündigt sich meist nicht durch Beschwerden der Mutter an. Sie tritt plötzlich auf, am häufigsten unter der Geburt, gelegentlich aber auch schon davor. Das Kind wird dadurch unterversorgt und der Herzschlag verlangsamt sich. Bei der Mutter kann es zu Krämpfen und Blutungen kommen. Ein weiteres Warnzeichen können nachlassende oder nur noch selten auftretende Kindsbewegungen sein. Sie sind ein Alarmsignal und müssen umgehend abgeklärt werden – auch nachts und am Wochenende und ohne den nächsten Vorsorgetermin abzuwarten. Anlaufstelle ist dann der Kreißsaal einer geburtshilflichen Klinik.

Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz wächst das Kind sehr langsam und die Fruchtwassermenge ist verringert. Das noch ungeborene Kind reagiert auf die Mangelversorgung auf vielfältige Art und Weise. Dazu zählen folgende Veränderungen:

  • metabolisch: die Glukoneogenese sowie das Lactat steigen an, die Insulinausschüttung und die Transportfähigkeit für Aminosäuren nehmen ab.
  • endokrin: Anstieg von Glukagon und Abnahme von Cholesterin
  • vaskulär: Der fetale Blutfluss wird umverteilt, was zu einem Anstieg des Blutflusses im Gehirn, in der Nebenniere sowie in den Koronargefäßen führt; die Durchblutung von Leber, Nieren und Darm nimmt dagegen ab. Fachleute sprechen von einem Brain-sparing-Effekt.
  • biophysikalisch: Die Maturation ist verzögert und die Herzfrequenz verändert sich. Die körperliche Aktivität nimmt ab.
  • hämatologisch: Veränderungen im Immunsystem treten auf, vor allem fällt die Anzahl der B-Lymphozyten und der T-Helfer-Zellen ab.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Liegt beispielsweise bei der Mutter ein Diabetes mellitus vor, so kann das verminderte Größenwachstum des Kindes mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Darüber hinaus kann der Arzt mittels Dopplersonographie die Blutströmungsgeschwindigkeit messen und so einen Hinweis auf eine eventuelle Plazentainsuffizienz erhalten. Manchmal wird die Mutter bei einer chronischen Plazentainsuffizienz auch ins Krankenhaus eingewiesen, damit das Baby überwacht und bei eventuellen Problemen auch sofort behandelt werden kann.

Für die Diagnose einer chronischen Plazentainsuffizienz werden außerdem Kriterien herangezogen wie die fetale Bewegungsaktivität und die fetale Herzfrequenz, Oxytocin-Belastungstest (OBT) und Amnioskopie. Auch die Fruchtwasserfarbe, Clifford-Rating und bildgebende Verfahren (Sonographie, MRT), um postpartal eine Hirnläsion nachweisen zu können. Der Oxytocin-Belastungstest und die Amnioskopie gelten heute allerdings als überholt und werden kaum noch eingesetzt; die Überwachung stützt sich stattdessen auf CTG, Ultraschall und Doppler-Sonographie.

Komplikationen

Durch die Plazentainsuffizienz kann es zu schwerwiegenden Beschwerden und Komplikationen bei der Schwangerschaft oder bei der Geburt kommen. Häufig fällt die chronische Form erst im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen auf, weil das Kind zu langsam wächst. Bei der akuten Form kann es bei der Mutter zu starken Blutungen und zu Krämpfen kommen; die chronische Form verursacht bei ihr dagegen meist keine Beschwerden.

Blutungen und Krämpfe führen zu starken Schmerzen und nicht selten zu einer Reizbarkeit der Betroffenen. Auch eine innere Unruhe oder Angstgefühle können aufgrund der Plazentainsuffizienz auftreten und damit die Lebensqualität erheblich verringern. Die Menge an Fruchtwasser ist verringert, sodass das Kind an einer deutlichen Unterversorgung leidet. Dadurch kann das Kind im schlimmsten Fall bleibende Schäden durch den Sauerstoffmangel davontragen.

Im schlimmsten Fall erleidet die Betroffene eine Totgeburt oder das Kind verstirbt kurz nach der Geburt. Die Patientinnen und ihre Angehörigen sind aus diesem Grund nicht selten auf eine psychologische Behandlung angewiesen. In der Regel muss bei einer Plazentainsuffizienz die Geburt frühzeitig eingeleitet werden. Dabei kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen. Möglicherweise wird auch das Leben der Mutter aufgrund der frühzeitigen Geburt in Gefahr gebracht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine akute Plazentainsuffizienz äußert sich durch Blutungen und Krämpfe. Wenn diese und andere ungewöhnliche Symptome auftreten, sollte ein Frauenarzt aufgesucht werden. Die akute Form ist ein Notfall, bei dem für das Kind nur Minuten bleiben: Bei starken Blutungen, anhaltenden Bauchschmerzen oder plötzlich ausbleibenden Kindsbewegungen ist deshalb sofort der Rettungsdienst unter der Nummer 112 zu rufen. Der Gynäkologe kann das Leiden anhand einer Ultraschalluntersuchung feststellen und weitere Maßnahmen einleiten. Droht eine Frühgeburt, muss die Patientin umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Bis zur Geburt des Frühchens ist dann eine enge ärztliche Überwachung angezeigt, damit auf etwaige Komplikationen schnell reagiert werden kann. Mütter, bei denen während der Schwangerschaft eine Plazentainsuffizienz aufgetreten ist, müssen zudem weitere Nachsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

Auch das Kind muss von dem Kinderarzt und einem Neurologen ausführlich untersucht werden. Eine chronische Plazentainsuffizienz ruft keine eindeutigen Symptome hervor. Wenn das Leiden im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge festgestellt wird, empfehlen sich regelmäßige Arztbesuche. Sollten die Behandlungsmaßnahmen nicht die erwünschte Wirkung zeigen, muss der Arzt darüber informiert werden. Je nach vermuteter Ursache kann ein Kardiologe oder ein Ernährungsberater in die Behandlung involviert werden. Viele Patientinnen benötigen zudem therapeutische Unterstützung.

Behandlung & Therapie

Tritt eine akute Plazentainsuffizienz auf, sind sofortige Notfallmaßnahmen erforderlich. Dazu zählen beispielsweise eine Zangen- oder Saugglockengeburt oder eine Kaiserschnittentbindung. Löst sich die Plazenta vorzeitig, so wird die Geburt ebenfalls verfrüht eingeleitet. Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz wird das Befinden des Ungeborenen regelmäßig durch CTG (Kardiotokographie), Ultraschall-Untersuchungen und Doppler-Messungen der Blutströmung überprüft. Lange Zeit wurde dabei zusätzlich strenge Bettruhe verordnet. Nach heutigem Kenntnisstand ist deren Nutzen nicht belegt, und sie kann das Risiko für Thrombosen erhöhen; empfohlen wird stattdessen körperliche Schonung bei fortlaufender Überwachung. Eine direkte Behandlung der eingeschränkten Funktion des Mutterkuchens ist allerdings nicht möglich.

Behandelt werden aber sehr wohl die Ursachen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Allerdings kann das Kind auf Grund einer mangelnden Sauerstoffversorgung starke Schädigungen erleiden. Bei einer extremen Unterversorgung ist es daher notwendig, die Geburt vor dem Geburtstermin einzuleiten. Ist das Ungeborene noch nicht geburtsreif, so kann die Lungenreife mit entsprechenden Medikamenten beschleunigt werden. Wenn das Baby zwar klein ist, sich aber trotzdem weiterentwickelt, so sollten die Ursachen der chronischen Plazentainsuffizienz behoben werden, sonst besteht jedoch kein dringender Handlungsbedarf. Engmaschige Kontrollen mit CTG und Doppler-Ultraschall bleiben in diesem Fall dennoch notwendig, weil sich der Zustand des Kindes innerhalb weniger Tage verschlechtern kann.


Vorbeugung

Wenn die Mutter an Diabetes oder Bluthochdruck leidet, so kann eine eingeschränkte Plazentafunktion mit Hilfe intensiver Untersuchungen erkannt und behandelt werden. Darüber hinaus sollten schwangere Frauen auch auf Zigaretten verzichten, da so das Risiko für ein Versagen des Mutterkuchens erheblich verringert werden kann.

Nachsorge

In den meisten Fällen stehen Betroffenen bei einer Plazentainsuffizienz keine besonderen und direkten Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei ist in erster Linie eine schnelle und vor allem eine sehr frühzeitige Diagnose und anschließende Behandlung der Erkrankung notwendig, um weitere Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Allerdings kann die Plazentainsuffizienz in vielen Fällen nicht vollständig geheilt werden, sodass das Kind mitunter verstirbt.

Eine frühe Diagnose wirkt sich daher in der Regel sehr positiv auf den weiteren Verlauf dieser Erkrankung aus. In vielen Fällen wird das Kind per Kaiserschnitt zur Welt geholt. Dabei sollte sich die Mutter nach dem Eingriff auf jeden Fall ausruhen und sich schonen. Von Anstrengungen oder körperlichen und stressigen Tätigkeiten ist abzusehen.

In vielen Fällen ist bei der Plazentainsuffizienz die Unterstützung und die Pflege durch die eigene Familie und Freunde sehr wichtig. Dadurch kann die Entstehung von Depressionen und anderen psychischen Beschwerden verhindert werden. Nicht immer ist ein Eingriff notwendig, sodass die Plazentainsuffizienz bei einer gewöhnlichen Entwicklung des Kindes nicht immer behandelt werden muss.

Das können Sie selbst tun

Eine Plazentainsuffizienz führt dazu, dass das Kind im Mutterleib nicht mehr ausreichend versorgt werden kann. Mütter, die in der Schwangerschaft Nikotin konsumieren, riskieren, dass die Plazenta frühzeitig während der 40 Schwangerschaftswochen so verkalkt, dass das Baby nicht mehr genügend versorgt wird. Entsprechend ist es im Bereich der Selbsthilfe dringend anzuraten, das Rauchen in der Schwangerschaft sofort aufzugeben. Mütter, die trotz bekannter Risiken rauchen, sollten dies dem Arzt keinesfalls verheimlichen, sondern ihr Laster offen ansprechen.

Mithilfe spezieller Ultraschalluntersuchungen kann der Arzt bei der Vorsorge feststellen, wie es um die Versorgung des Kindes bestellt ist. Wichtig im Alltag ist also, dass Mütter alle Vorsorgetermine wahrnehmen und bekannte Risiken wie Nikotin auch ansprechen, damit der Gynäkologe hier besonders auf die Versorgung über die Plazenta achten kann.

Abgesehen von Risiken wie Rauchen ist eine Plazentainsuffizienz oft ein überraschender Befund, der in keinem Zusammenhang mit dem Lebensstil der Mutter oder bekannten anderen Erkrankungen steht. Entsprechend können Betroffene eine Plazentainsuffizienz auch nicht selbst therapieren. Ist die Insuffizienz der Plazenta einmal sicher festgestellt worden, gilt es, engmaschige Kontrollen durchzuführen. Wird dabei festgestellt, dass das Baby im Bauch unterversorgt ist, kann eine Therapie nur darin bestehen, die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden und das Kind zu entbinden.

Quellen

  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.-T. M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
    ISBN: 9783662450635
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
    ISBN: 9783437210976
  • Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
    ISBN: 9783662635056
  • Hübler, A., Jorch, G., Härtel, C. (Hrsg.): Neonatologie.
    ISBN: 9783132452336

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