Plazentitis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Plazentitis ist eine entzündliche, meist bakterielle Infektion der Plazenta. Sie tritt in der Humanmedizin fast immer gemeinsam mit einer Entzündung der Eihäute auf; für diese Kombination ist der Begriff Chorioamnionitis gebräuchlich. Die Erkrankung betrifft ausschließlich Schwangere und wird in den meisten Fällen vaginal übertragen, wobei eine verfrühte Ruptur der Fruchtblase ausgelöst wird, sodass die Infektion auf die fetalen Membranen übergehen kann. Infolgedessen kann es in frühen Stadien der Schwangerschaft zum Abort kommen; in späteren Stadien ist die vorzeitige Wehentätigkeit die häufigste Folge, weshalb die Plazentitis zu den wichtigsten Ursachen einer Frühgeburt zählt. Wie es dem Kind ergeht, hängt vor allem davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche es zur Welt kommt und wie rasch Mutter und Kind mit Antibiotika behandelt werden.
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Was ist Plazentitis?
Bei der Plazentitis kommt es zu einer entzündlichen Infektion der Plazenta. Diese Erkrankung betrifft zuweilen Frauen in der Schwangerschaft und kann in einen Abort des Embryos münden. So können mütterliche Krankheiten wie Syphilis, Toxoplasmose oder Röteln auf die Frucht übergreifen. Meist wird die auslösende Infektion einer Plazentitis vaginal übertragen.
Bei Erkrankungen wie der Syphilis ist aber auch eine Übertragung über das Blut bei intakten Fetalmembranen nicht auszuschließen. Als Ursache einer Fehl- oder Frühgeburt ist die Plazentitis auch in der Humanmedizin nach wie vor von Bedeutung; je früher in der Schwangerschaft eine Geburt einsetzt, desto häufiger findet sich eine solche Entzündung als Auslöser.
Ursachen
Mangelnde Hygiene spielt für die Infektion oft eine gesteigerte Rolle. Neben Streptokokken der Gruppe B sind Staphylokokken, Enterokokken, Bakterien der Gruppe Chlamydien und Listerien oder Colibakterien die am weitesten verbreiteten Erreger der Erkrankung. Vor allem Listerien erreichen über die Plazenta hinweg den Fötus. Die meisten anderen Bakterien sind dazu nicht in der Lage; sie steigen stattdessen von der Scheide her auf und erreichen das Kind erst, wenn die Eihäute betroffen sind. Ist die Plazenta infiziert, kann die Infektion daher auf den Fötus übergreifen, sie muss es aber nicht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome einer Plazentitis hängen sowohl vom Stadium der Schwangerschaft als auch vom Erregertyp ab. Bei einer Infektion mit Coxiella burnetii, dem Erreger des Q-Fiebers, kann die Betroffene zum Beispiel die Symptome einer Grippe und ein zuweilen starkes Schwächegefühl entwickeln.
Häufige Zeichen einer Plazentitis sind darüber hinaus Fieber, ein druckempfindlicher Bauch, ein beschleunigter Herzschlag von Mutter und Kind sowie übel riechender Ausfluss. Auch Schmerzen kommen begleitend dazu vor. Unter Umständen macht sich die Ruptur des Amnion in Form von Ausfluss bemerkbar. Da die Plazentitis aber verschiedene Gesichter haben kann und sich daher pauschal kaum etwas über die Symptome aussagen lässt, sollte jede Art des Missbefindens während der Schwangerschaft ärztlich abgeklärt werden.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Arzt stellt die Diagnose einer Plazentitis über die Anamnese und begleitende Laboruntersuchungen. Eine Plazentitis unterscheidet sich in ihrem Verlauf mit dem jeweiligen Erreger. Unter Umständen können schwere Entzündungen mit starkem Fieber und stark erhöhten CRP-Werten einher gehen. Je nach Stadium der Schwangerschaft kann die Infektion des Fötus einen Abort herbeiführen.
Kommt es nicht zu einem Abort, so setzt häufig vorzeitig die Wehentätigkeit ein, und das Kind wird zu früh geboren. Ob die Erreger dabei in seine Organe gelangt sind, lässt sich nach der Geburt durch Blutuntersuchungen klären. Ist das Kind infiziert, wird es unmittelbar nach der Geburt mit Antibiotika behandelt. Die meisten Kinder überstehen die Infektion damit; ihre Aussichten hängen vor allem davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche sie zur Welt kommen. Bei einer sehr frühen Geburt oder einer bereits fortgeschrittenen Blutvergiftung des Kindes kann die Erkrankung dagegen tödlich verlaufen oder bleibende Schäden hinterlassen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Plazentitis sollte in jedem Fall durch einen Arzt behandelt werden, da die Erkrankung zu einem Verlust des Kindes und damit zu einer Totgeburt oder zu einer Frühgeburt führen kann. Um diese Komplikationen zu vermeiden, sollte die Plazentitis immer frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Schon bei den ersten Anzeichen dieser Erkrankung ist ein Arzt aufzusuchen. In der Regel ist der Arzt dann aufzusuchen, wenn die Schwangere an starkem Fieber und an einem Schwächegefühl leidet. Die Beschwerden ähneln dabei stark den Beschwerden einer Grippe. Fieber in der Schwangerschaft ist immer sofort ärztlich abzuklären; darauf zu warten, ob es von allein wieder verschwindet, ist hier nicht angezeigt. Ebenfalls kann ein Ausfluss auf die Plazentitis hindeuten und sollte ebenfalls untersucht werden. Kommen Fieber und übel riechender Ausfluss zusammen oder geht Fruchtwasser ab, gehört die Schwangere umgehend in den Kreißsaal einer Klinik.
Die Diagnose und Behandlung der Plazentitis kann dabei durch einen Frauenarzt erfolgen. In Notfällen sollte das Krankenhaus aufgesucht werden. Wird die Erkrankung früh erkannt, lässt sie sich bei der Mutter meist mit Antibiotika beherrschen. Ein Restrisiko für eine vorzeitige Geburt und für eine Infektion des Kindes bleibt jedoch bestehen, sodass Mutter und Kind engmaschig überwacht werden müssen.
Behandlung & Therapie
Der Arzt entscheidet sich bei der Plazentitis abhängig vom Erregertyp und den Symptomen der Mutter für einen Therapieweg. Grundsätzlich ist die Gabe von Medikamenten während der Schwangerschaft eine heikle Angelegenheit. Da es sich bei der Plazentitis aber um eine ernst zu nehmende Erkrankung handelt, die neben dem Leben des Embryos auch die Mutter gefährdet, muss sich der Arzt in diesem Szenario meist trotzdem für eine medikamentöse Behandlung entscheiden.
In den meisten Fällen ist die Gabe von Antibiotika unerlässlich. Am häufigsten wird Ampicillin verwendet, meist in Kombination mit einem zweiten Antibiotikum; der Antibiotikatyp hängt letztlich aber ebenfalls vom Erreger im Einzelfall ab. Je nachdem, wie hoch der CRP-Wert der Mutter liegt und abhängig von der Höhe des eventuell begleitenden Fiebers muss der Arzt unter Umständen die Geburt einleiten. Die Entbindung ist bei einer Entzündung von Plazenta und Eihäuten zugleich die wirksamste Behandlung, weil sie den Infektionsherd beseitigt. Wie das Kind zur Welt kommt und wie gut seine Aussichten sind, hängt von der Schwangerschaftswoche ab; ist noch Zeit, wird zuvor die Lungenreife des Kindes mit Medikamenten gefördert.
Komplikationen
Die Mutter leidet aufgrund der Plazentitis an Schmerzen und an grippeähnlichen Beschwerden. Es kommt zu einer allgemeinen Schwäche und zu einer deutlich verringerten Belastbarkeit. Unbehandelt kann sich bei ihr eine Blutvergiftung entwickeln, außerdem drohen nach der Geburt eine Entzündung der Gebärmutter und eine verstärkte Nachblutung. Die Mutter ist deshalb auf die Gabe von Antibiotika angewiesen, mit denen sich die Infektion in den meisten Fällen beherrschen lässt.
Greift die auslösende Infektion auf das Kind über, kann es je nach Erreger und Zeitpunkt bleibende Schäden davontragen; Fehlbildungen entstehen vor allem bei einer frühen Infektion mit Röteln oder Toxoplasmose. Für weitere Schwangerschaften bleibt vor allem dann ein erhöhtes Risiko bestehen, wenn es zu einer Frühgeburt gekommen ist; die nächste Schwangerschaft sollte deshalb engmaschiger überwacht werden.
Vorbeugung
Es gibt verschiedene Richtlinien, um einer Plazentitis vorzubeugen. Eine Infektion mit Toxoplasmose kann zum Beispiel über den engen Kontakt mit Haustieren, so vor allem Katzen ausgelöst werden. Übertragen werden die Erreger dabei nicht über den Speichel, sondern über den Kot der Katze: Schwangere sollten das Katzenklo deshalb von jemand anderem reinigen lassen, es andernfalls täglich mit heißem Wasser säubern und dabei Handschuhe tragen. Die zweite und häufigere Ansteckungsquelle ist rohes oder nicht durchgegartes Fleisch. Allgemeine Hygiene ist so eine der besten Vorbeugemaßnahmen gegen Plazentitis.
Eine Listeriose wird dagegen fast immer über Lebensmittel übertragen. Schwangere sollten deshalb auf Rohmilch und Rohmilchkäse, auf Weichkäse und die Rinde von Käse, auf rohes oder nicht durchgegartes Fleisch, auf rohen Fisch und Räucherfisch sowie auf abgepackten Aufschnitt und vorgeschnittene Salate verzichten. Gemüse, Obst und Salat sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
Infektionen wie Röteln oder Pneumokokken lässt sich außerdem über Impfungen vorbeugen; die Rötelnimpfung ist allerdings ein Lebendimpfstoff und muss deshalb bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft erfolgen. Gegen B-Streptokokken gibt es keine Impfung. Die Fachgesellschaften empfehlen stattdessen einen Abstrich zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche; fällt er positiv aus, erhält die Mutter unter der Geburt vorbeugend Antibiotika. Grundsätzlich wird in der Schwangerschaft die regelmäßige Blutkontrolle über Laboruntersuchungen angeraten, damit etwaige Infektionen frühzeitig erkannt werden können. Bei einer unauffällig verlaufenden Schwangerschaft bleibt die Plazentitis ein seltenes Ereignis, sodass Schwangere nicht in Angst und Schrecken vor der Erkrankung leben müssen. Fieber, übel riechender Ausfluss oder ein vorzeitiger Blasensprung sollten aber stets ernst genommen und rasch abgeklärt werden.
Nachsorge
Bei der Plazentitis stehen Betroffenen meist nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Bei dieser Krankheit ist in erster Linie eine schnelle und vor allem eine sehr frühe Diagnose notwendig, um die Beschwerden der Erkrankung rechtzeitig zu lindern und diese einzuschränken. Dabei kann es in der Regel nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen, sodass Betroffene bei dieser Krankheit auf die Behandlung von einem Arzt angewiesen sind.
Häufig muss die Schwangerschaft vorzeitig beendet und das Kind entbunden werden, weil die Entbindung den Infektionsherd beseitigt. Betroffene sind nach einem solchen Eingriff auf eine intensive Förderung und Unterstützung durch die eigene Familie angewiesen, wobei vor allem liebevolle Gespräche notwendig sind, um die Entstehung von Depressionen und anderen psychischen Verstimmungen zu verhindern. Lässt sich die Schwangerschaft trotz der Plazentitis noch fortsetzen, sind die betroffenen Frauen in der Regel auf die Einnahme von Antibiotika angewiesen.
Dabei sollte immer eine regelmäßige Einnahme mit der richtigen Dosierung beachtet werden. Bei Unklarheiten oder bei Fragen sollte dabei zuerst ein Arzt kontaktiert werden. Alkohol ist in der Schwangerschaft ohnehin vollständig zu meiden; bei einzelnen Antibiotika wie Metronidazol kann er zusätzlich Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Der weitere Verlauf der Plazentitis hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab, sodass eine allgemeine Voraussage dabei in der Regel nicht möglich ist.
Das können Sie selbst tun
Bei dieser Erkrankung ist das Kind der werdenden Mutter gefährdet, was für die Patientin eine große Belastung bedeutet. Daher ist eine psychotherapeutische Begleitbetreuung unbedingt anzuraten. Auch die weiteren Familienmitglieder, die sich mit der Diagnose Plazentitis auseinandersetzen müssen, können in diese Therapie mit einbezogen werden. Auch wenn es oft nicht angeraten ist, während einer Schwangerschaft Medikamente einzunehmen, ist hier dem ärztlichen Rat unbedingt Folge zu leisten. Verschriebene Medikamente wie Antibiotika müssen verschreibungsgemäß eingenommen werden. Von dieser Compliance hängt nicht nur die Gesundheit der Patientin, sondern auch die ihres Kindes ab.
Der betroffenen Patientin ist viel Ruhe anzuraten; strenge Bettruhe gilt in der Schwangerschaft heute allerdings nicht mehr als sinnvoll, weil ihr Nutzen nicht belegt ist und sie das Risiko für Thrombosen erhöht. Bei hohem Fieber haben sich lauwarme Wadenwickel bewährt. Sie können die Temperatur schonend absenken. Eiskalte Wickel sind dagegen ungeeignet, weil sie Schüttelfrost auslösen können. Wadenwickel ersetzen bei einer Plazentitis allerdings keine Behandlung: Hohes Fieber in der Schwangerschaft gehört immer in ärztliche Hand. In dieser Schwangerschaftssituation ist eine gesunde Ernährung besonders empfehlenswert. Auf den Speiseplan der Patientin gehören viel frisches, gründlich gewaschenes Obst, Salat und Gemüse, dazu ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken, Vollkornbrot oder Leinsamen, durchgegartes mageres Fleisch und Hartkäse aus pasteurisierter Milch. Abgepackter Aufschnitt und Weichkäse sind dagegen zu meiden, weil sie mit Listerien belastet sein können. Auf Alkohol, Zucker und Süßigkeiten verzichtet die Patientin besser. Sie darf dafür viel Wasser, Tees oder verdünnte Säfte trinken.
Selbstverständlich sollte die betroffene Patientin nicht rauchen und sich keinem unnötigen Stress aussetzen. Meditationen, Atemübungen und Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind gut geeignet, die Patientin zur Ruhe zu bringen.
Quellen
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.-T. M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662450635
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
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- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
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