Polyarthrose

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Polyarthrose, eine Sonderform der Arthrose, ist ein multipler Knorpelschaden und die weltweit am häufigsten auftretende Gelenkerkrankung. In Deutschland sind etwa 5 Millionen Menschen betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Polyarthrose?

Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus den griechischen Worten für "viele" (-poly) und "Gelenk" (athron). Sie definiert einen multiplen Abbau von Gelenksubstanz, der den altersbedingten Gelenkverschleiß übersteigt. Dabei müssen mindestens drei verschiedene Gelenkarten betroffen sein, andernfalls handelt es sich um eine Arthrose.

Ein häufig auftretendes Beispiel ist die Fingergelenksarthrose. Als Symptome treten Schmerzen in den betroffenen Gelenken auf. Hier muss jedoch unterschieden werden zwischen Schmerzen vom nicht-entzündlichen Typ und Schmerzen vom entzündlichen Typ. Der nicht-entzündliche Schmerz tritt bei Belastung der betroffenen Stellen auf und verschwindet regulär in Ruhephasen.

Umgekehrt verhält es sich bei Schmerzen des entzündlichen Typs. Sie nehmen zu, wenn das Gelenk ruht. Dieser Fall wird als aktivierte Polyarthrose bezeichnet. Optisch bestimmen Verformungen und entzündliche Schwellungen das symptomatische Erscheinungsbild der Erkrankung. Begleitend ist das Auftreten einer Vermehrung von Gelenkschmiere möglich.

Die Folge ist eine eingeschränkte Beweglichkeit, die sich zu einer Funktionsuntauglichkeit ausweiten kann. Eine Morgensteifigkeit kann zusätzlich auftreten, weist bei intensivem Vorkommen allerdings eher auf eine rheumatische Erkrankung hin.

Ursachen

Die Gründe für eine Entstehung der Polyarthrose sind weitestgehend ungeklärt. Ob ihre Ursachen von einer erhöhten Belastung der Gelenkknorpel abhängen, ist umstritten. Möglich ist, dass verletzungsbedingte und angeborene Fehlstellungen der Gelenke, Dysplasien genannt, die Entwicklung einer Polyarthrose begünstigen können.

Sie verhindern eine optimale Verteilung des Gewichtes bei Bewegung, weil die dafür vorgesehene Ausbreitungsfläche minimiert ist. Die Last muss sich auf einen verkleinerten Berührungspunkt fokussieren. An dieser Stelle beschleunigt sie den Knorpelabrieb.

Andere Gründe einer unnatürlich hohen Belastung der Gelenke können Übergewicht und eine dauerhafte, gleichförmige Beanspruchung der betroffenen Körperteile sein. Eine genetisch bedingte Anfälligkeit gilt hingegen als erwiesen. Als weitere Begünstigungsfaktoren werden rheumatische Erkrankungen, Gicht, Hormondrüsenerkrankungen, Diabetes mellitus und die Bluterkrankheit vermutet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die ersten Anzeichen einer Polyarthrose treten meistens an den Fingergelenken auf. Dabei sind sowohl die End- und Mittelgelenke als auch die Daumensattelgelenke betroffen. Anfangs schmerzen sie nur bei ungewohnten Bewegungen, später tun sie bei jeder Bewegung weh und schließlich ist auch die Ruhestellung schmerzhaft.

Oft klagen Patienten darüber, dass die Finger knacken oder dass Reibegeräusche zu hören sind. Werden die Gelenke über einen längeren Zeitraum überlastet, können sie sich entzünden. Dann ist die entsprechende Region gerötet, fühlt sich warm an, schmerzt und ist geschwollen. Polyarthrose kann aber auch völlig ohne diese Anzeichen ablaufen.

Häufig werden die Finger steif und sind in ihrer Bewegungsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Im weiteren Verlauf ist ein Gelenkerguss möglich. Die Beschwerden breiten sich oftmals auch auf Muskulatur und Sehnen aus. Typisch für die Polyarthrose ist, dass die Symptome sich an vielen anderen Gelenken auch zeigen.

Die Zehengelenke können betroffen sein, aber auch große Gelenke wie die Hüft- und Kniegelenke. Seltener befällt die Krankheit die Schultergelenke und die Gelenke zwischen Schlüsselbein und Brustbein. In Ausnahmefällen können auch die kleinen Wirbelgelenke beteiligt sein. Die Grundgelenke der Finger und der Zehen, die Hand- und Ellbogengelenke sowie die Sprunggelenke sind bei dieser Krankheit in der Regel so gut wie nie betroffen.

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung Unterschied zwischen gesundem Gelenk, Arthritis und Arthrose. Klicken, um zu vergrößern.

Für eine Diagnose der Polyarthrose werden die betroffenen Körperstellen auf die typischen Schwellungen geprüft. Anschließend wird mithilfe eines bildgebenden Verfahrens eine Aufnahme der Gelenke gemacht. Auf Röntgenbildern ist eine Verschmälerung der Gelenkspalte sichtbar sowie andere Veränderungen, die auf eine Überbelastung hinweisen.

Dazu zählen kleine Zysten, die durch die vermehrte Ansammlung von Gelenkschmiere entstehen, Knochenverdichtungen und Risse. Die Knorpelabnutzung lässt sich hier noch nicht nachvollziehen. Dazu muss eine Kernspintomographie erfolgen. Diese macht arthritische Veränderungen frühzeitig sichtbar.

Eine Gelenkspiegelung, eine sogenannte Arthroskopie, kann alternativ angewandt werden, um das Gelenk zu sichten. Ihr Vorteil ist, dass sie gleichzeitig eine Behandlung des vorgefundenen Schadens ermöglicht. Eine aktivierte Arthrose ist grundsätzlich schwieriger zu diagnostizieren als eine nicht-entzündliche, weil sie starke Ähnlichkeiten zu anderen Krankheitsbildern aufweist.

Im Verlauf der Erkrankung ist die Entwicklung zu einer chronisch rheumatischen Ausprägung, zu einer rheumatoiden Arthritis, möglich und sollte unbedingt verhindert werden.

Komplikationen

Aufgrund der Polyarthrose leiden die Patienten an verschiedenen Beschwerden an den Gelenken. In der Regel kommt es dabei zu irreversiblen Schäden an den Knorpeln. Weiterhin führt die Polyarthrose zu starken Schmerzen an den Gelenken des Patienten. Dadurch treten verschiedene Einschränkungen im Alltag und auch Bewegungseinschränkungen beim Patienten auf.

Die Lebensqualität wird aufgrunddessen erheblich verringert und die Betroffenen sind dann nicht selten auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Vor allem bei hohen Belastungen treten dabei starke Schmerzen auf. Die Polyarthrose kann auch zu Wassereinlagerungen an verschiedenen Stellen des Körpers führen. Die Gelenke selbst knacken nicht selten und können auch angeschwollen sein. In vielen Fällen wirkt sich eine Polyarthrose auch sehr negativ auf die Psyche des Patienten aus, sodass es zu Depressionen oder zu anderen psychischen Beschwerden kommen kann.

Aufgrund der dauerhaften Schmerzen sind die Betroffenen nicht selten auch gereizt. In der Regel erfolgt die Behandlung der Polyarthrose mit Hilfe von Medikamenten. Komplikationen treten dabei nicht auf. Der Betroffene ist allerdings auf eine gesunde Lebensweise angewiesen, um weitere Beschwerden zu vermeiden. Die Lebenserwartung wird von der Polyarthrose in der Regel nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Probleme oder Einschränkungen der Gelenktätigkeit sollten mit einem Arzt abgeklärt werden. Treten die Beschwerden in unmittelbarem Zusammenhang mit einer körperlichen Überlastung oder starken Beanspruchung des Bewegungsapparates auf, benötigt der Betroffene im Normalfall ausreichend Ruhe und Schonung. Nach einem erholsamen Nachtschlaf oder einiger Zeit der Regenerierung lindern sich die Beschwerden, bis eine vollständige Genesung eintritt. Ein Arzt wird in diesen Fällen nicht benötigt, da kein besorgniserregender Zustand besteht. Halten die Unregelmäßigkeiten an oder nehmen sie hingegen an Intensität zu, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei einer Morgensteifheit, wiederholten Störungen der Bewegungsabläufe sowie Schmerzen in den Gelenken, wird eine Untersuchung zur Klärung der Ursache benötigt.

Können gewohnte sportliche Aktivitäten nicht mehr ausgeführt werden oder stellen sich Beeinträchtigungen bei der Bewältigung des Alltags ein, ist die Konsultation eines Arztes zu empfehlen. Schmerzmedikamente sollten grundsätzlich nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden, um eine weitere Verschlechterung der Gesundheit durch Nebenwirkungen zu vermeiden. Treten neben den körperlichen Beschwerden auch seelische oder emotionale Auffälligkeiten auf, sind die Veränderungen mit einem Arzt zu besprechen. Bei einer herabgesetzten Stimmung oder einer Neigung zu depressiven Phasen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ein Rückzugsverhalten, Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen sind weitere Hinweise einer gesundheitlichen Beeinträchtigung.

Behandlung & Therapie

Die Polyarthrose ist unheilbar. Der Knorpelabrieb kann nicht rückgängig gemacht werden. Deswegen erfolgt eine Behandlung der Symptome. Gegen die Schmerzen werden entzündungshemmende Schmerzmittel verordnet wie Ibuprofen oder Diclofenac. Auch eine Cortison enthaltende Salbe kann kurzfristige Linderung verschaffen.

Bei starken Schmerzen kann ein örtliches Anästhetikum oder ein Cortisonpräparat gespritzt werden. Außerdem können physische Therapiemaßnahmen zur Milderung der Beschwerden eingesetzt werden. Wärme- oder Kältebehandlungen und Kontrakturbehandlungen, bei denen die betroffenen Gelenke durch Zug stimuliert werden, können hilfreich sein. Eine Aktivierung durch schonende Bewegungen, die in einer Ergotherapie oder bei einfachen handwerklichen Tätigkeiten vollzogen werden, hat eine mobilisierende Wirkung.

Spezielle Schienen können die Gelenke stabilisieren und mögliche Fehlstellungen ausgleichen. Eine direkte Injektion von Hyaluronsäure ins betroffene Gelenk hat eine schmerzlindernde Wirkung. Aufgrund ihrer Zusammensetzung verbessert sie die Schmierfähigkeit der Flüssigkeit im Gelenk und bewirkt eine kurzzeitige Regenerationsphase. Zu den symptomatischen Therapiemöglichkeiten sollte eine Verminderung bis Vermeidung der Begünstigungsfaktoren für eine Polyarthrose erfolgen.

Dazu zählen eine Gewichtsreduktion und eine Entlastung der betroffenen Körperteile. Mit gelenkschonenden, sportlichen Aktivitäten kann zudem die Muskulatur gestärkt werden, was zusätzlich dem gesamten, körperlichen Wohlbefinden zuträglich ist. Sportarten, die die Gelenke in hohem Maße beanspruchen, sollten vermieden werden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer arthritischen Erkrankung kann eine schonend und regelmäßig durchgeführte Sportart beitragen. So werden einerseits die Muskeln gestärkt. Andererseits werden die Gelenke mobilisiert, was unterstützend auf die Funktion der Gallenflüssigkeit wirkt und den Stoffwechsel am Gelenk reguliert.

Eine gute Durchblutung der Gelenke sollte gewährleistet sein, z.B. durch regelmäßige Wärme- oder Kälteauflagen. Risikofaktoren wie Übergewicht und Überbelastung sollten minimiert werden. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, Unfälle zu vermeiden, die Gelenkverletzungen nach sich ziehen können.

Das können Sie selbst tun

Polyarthrose ist nicht heilbar, durch einige einfache Maßnahmen kann der Krankheitsverlauf aber günstig beeinflusst werden. Regelmäßige Bewegung wirkt dem Knorpelabbau entgegen, kräftige Muskeln stabilisieren zudem die Gelenke. Gut geeignet sind schonende Sportarten wie Radfahren, Nordic-Walking oder Schwimmen, auch Läufer müssen auf die Ausübung ihres Sports nicht verzichten: Sie sollten allerdings auf hochwertige Laufschuhe mit guter Dämpfung achten, wenig bergauf und bergab laufen und nach Möglichkeit Waldwege den asphaltierten Straßen vorziehen.

Auch im Alltag sind bequeme Schuhe hochhackigen vorzuziehen, bei fortgeschrittener Erkrankung können Einlagen oder ein Schuhhöhenausgleich Erleichterung bringen. Langes Stehen und schweres Tragen belastet die Gelenke und sollte weitgehend vermieden werden. Eine gesunde Ernährung hilft, Übergewicht abzubauen und kann Entzündungsreaktionen im Körper lindern. Günstig wirkt sich eine fettarme und vitaminreiche Ernährung aus, insbesondere tierische Fette sollten selten auf dem Speiseplan stehen. Lauch, Zwiebel und Knoblauch sowie viele Gewürze und Kräuter wirken entzündungshemmend, Obst, Gemüse, Salate, Kartoffeln, Naturreis und Magermilchprodukte tragen zur ausreichenden Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen bei.

Makrelen und Sardinen sind ebenso wie kaltgepresste Öle reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren, die Gefäße schützen und Gelenkentzündungen hemmen können. Zucker, gesättigte und gehärtete Fette sowie Zitrusfrüchte, Kaffee, Alkohol und schwarzer Tee sollten nur in Maßen genossen werden.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wessinghage, D., Leeb, I.: Ärztlicher Ratgeber: Arthrose. Wort & Bild, Baierbrunn 2004

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