Proktoskopie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Proktoskopie wird eine Spiegelung des Enddarms bezeichnet. Dabei erfolgt das Einbringen eines speziellen Endoskops in den Analkanal. Die Untersuchung zählt neben der Betrachtung der Afterregion und dem Austasten mit dem Finger zu den Basisuntersuchungen der Proktologie.
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Was ist die Proktoskopie?
Bei einer Proktoskopie handelt es sich um eine invasive Untersuchungsmethode des Analkanals (Canalis analis) sowie des unteren Rektumabschnitts. Das Verfahren trägt auch die Bezeichnungen Enddarmspiegelung, Analkanalspiegelung oder Anoskopie.
Der Arzt betrachtet mithilfe eines Endoskops den After und den unteren Abschnitt des Mastdarms. Zu diesem Zweck führt er das Proktoskop in den After des Patienten ein. Die Proktoskopie ist hilfreich zur Diagnostik von proktologischen Erkrankungen. Darüber hinaus können auch therapeutische Maßnahmen mit ihr durchgeführt werden.
Die Bezeichnung Proktoskopie setzt sich aus den griechischen Wörtern „proktos“ für After und „skopein“ für betrachten zusammen. Im deutschen Sprachgebrauch werden Proktoskopie und Anoskopie meist gleichbedeutend gebraucht. Im engeren Sinne ist das Anoskop das kürzere Instrument, das nur den Analkanal darstellt, während das Proktoskop etwas weiter reicht und den Übergang zum Mastdarm mit erfasst. Starre Rohre zur Betrachtung des Afters sind bereits aus der Antike überliefert; die Proktoskopie gehört damit zu den ältesten endoskopischen Untersuchungen überhaupt.
Durchgeführt wird sie von Ärzten mit proktologischer Erfahrung. Dazu gehören Fachärzte für Chirurgie und Viszeralchirurgie ebenso wie Gastroenterologen, außerdem Urologen, Gynäkologen und niedergelassene Ärzte, die sich entsprechend fortgebildet haben. In Deutschland kann nach einer abgeschlossenen Facharztweiterbildung die Zusatzbezeichnung Proktologie erworben werden. Die benötigte Ausstattung ist überschaubar: ein Untersuchungsstuhl oder eine Liege, ein Instrumentensatz in verschiedenen Größen, eine Kaltlichtquelle und Gleitmittel. Anders als bei der Darmspiegelung sind weder ein Aufwachraum noch eine Überwachung des Kreislaufs erforderlich, weil die Untersuchung in aller Regel ohne Betäubung auskommt. Sie kann deshalb unmittelbar im Anschluss an das Erstgespräch stattfinden.
Für das Verständnis der Untersuchung ist die Abgrenzung zu den Nachbarverfahren wichtig, die dieselbe Körperregion betreffen, aber unterschiedlich weit reichen. Die Proktoskopie beurteilt den Analkanal und die unmittelbar angrenzende Schleimhaut. Die Rektoskopie stellt den Mastdarm auf ganzer Länge dar, die Rektosigmoidoskopie zusätzlich den daran anschließenden letzten Dickdarmabschnitt. Die Darmspiegelung erfasst darüber hinaus den gesamten Dickdarm. Die Verfahren konkurrieren daher nicht miteinander, sondern ergänzen einander, und häufig werden Proktoskopie und Rektoskopie in derselben Sitzung nacheinander durchgeführt. Ein unauffälliger proktoskopischer Befund sagt nichts über weiter oben gelegene Abschnitte aus – ein Punkt, der für die Abklärung von Blutungen entscheidend ist.
Funktion, Wirkung & Ziele
Als hilfreich gilt eine Enddarmspiegelung im Falle eines Hämorrhoidalleidens. Dabei treten bei den betroffenen Personen vergrößerte Hämorrhoiden auf. Als Hämorrhoiden werden Aftergefäße bezeichnet, die bei jedem Menschen vorkommen. Tritt ihre Vergrößerung ein, macht sich dies durch unangenehme Beschwerden wie Schmerzen, Blutungen und Juckreiz bemerkbar. Insbesondere bei inneren Hämorrhoiden ist mit einer Proktoskopie ein deutlich besserer Nachweis möglich als bei einer digitalen Untersuchung des Mastdarms. Ermöglicht werden die Untersuchungsresultate durch das Vorhandensein einer Vorderöffnung am Proktoskop.
Mit dieser Öffnung lassen sich die Hämorrhoiden in den inneren Bereich des Endoskops verschieben. Die Proktoskopie dient bei Hämorrhoidalbeschwerden aber nicht nur zur Diagnostik, sondern kann auch zur Verlaufskontrolle sowie zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Ebenfalls sinnvoll ist eine Analkanalspiegelung im Falle von Fisteln, einem Abszess, einem Analexzem oder einer Fissur am After. Da sich im Rahmen einer Proktoskopie zudem ein Tumor am Anus feststellen lässt, zählt das Untersuchungsverfahren zur Krebsfrüherkennung.
Als weitere Einsatzgebiete kommen eine Kryptitis (Entzündung der Analkrypten), eine Proktitis (Mastdarmwand- und Analkanalentzündung), eine Papillitis (Entzündung der Analpapillen), eine Periproktitis (Entzündung von Mastdarm- und Aftergewebe) sowie Polypen in Betracht.
Im Rahmen einer Proktoskopie benutzt der Proktologe ein starres Proktoskop aus Metall oder aus Kunststoff. Das Instrument hat die Form eines Rohrs und erreicht eine Länge zwischen 10 und 15 Zentimetern. Der variable Durchmesser beträgt bei der Untersuchung von erwachsenen Patienten 1,5 bis 2,0 Zentimeter. Weiter oben gelegene Darmabschnitte lassen sich mit dem Proktoskop nicht beurteilen; dafür kommen die Rektoskopie oder die Rektosigmoidoskopie infrage. Die Enddarmspiegelung findet entweder in Steinschnittlage, Knie-Ellenbogenlage oder Linksseitenposition statt. Der Arzt tastet den Analkanal zunächst mit einem Finger aus und führt das Proktoskop anschließend blind ein. Gleichzeitig erfolgt die Abdeckung des Rohrs durch einen Konus, der auf der Innenseite liegt. Der Patient sitzt oder liegt derweil auf einem Spezialstuhl. Damit sich das Endoskop besser vorwärts bewegen kann, kommt ein Gleitgel zum Einsatz. Hat der Proktologe das Instrument vollständig eingeführt, entfernt er den Konus. Danach betrachtet er den Analkanal, während er das Rohr allmählich nach außen bewegt. Für eine bessere Optik setzt der Arzt eine Lichtquelle ein, bei der es sich um eine spezielle Kaltlichtleuchte handelt.
Vor der Analkanalspiegelung ist das Entleeren des Mastdarms durch den Patienten erforderlich. Dies erfolgt zumeist auf natürliche Weise. Führt diese nicht zum Erfolg, wird dem Patienten rund 60 Minuten vor Untersuchungsbeginn ein Abführmittel verabreicht. Dabei handelt es sich in der Regel um ein Zäpfchen oder ein Klistier. Mit diesem Medikament ist eine Entleerung des Darms innerhalb von 15 bis 30 Minuten möglich. Weiterer Vorbereitungen für die Proktoskopie bedarf es nicht. In manchen Fällen findet die Analkanalspiegelung auch ohne vorherige Darmreinigung statt, weil die untersuchenden Ärzte Irritationen der Darmschleimhaut vermeiden wollen. Eine Betäubung ist normalerweise nicht nötig. Manchen Patienten wird stattdessen ein Beruhigungsmittel verabreicht.
Eine Proktoskopie nimmt nur fünf bis zehn Minuten in Anspruch. Bei Bedarf kann mit dem Proktoskop auch eine Gewebeprobe entnommen werden, deren genauere Untersuchung in einem Labor erfolgt. Aber auch therapeutische Maßnahmen sind im Rahmen einer Enddarmspiegelung möglich. Dazu gehören das Veröden von Hämorrhoiden, was als Sklerosierung bezeichnet wird, sowie eine Ligatur (Abbindung) der Blutzufuhr.
Eingebettet ist die Proktoskopie stets in einen festen Untersuchungsgang. An dessen Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Der Arzt erfragt darin Art und Dauer der Beschwerden, das Stuhlverhalten, aufgetretene Blutungen und deren Farbe sowie Juckreiz, Nässen oder Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang. Wichtig sind außerdem Vorerkrankungen, frühere Eingriffe am Enddarm, Krebserkrankungen in der Familie und die Frage nach gerinnungshemmenden Medikamenten. Erst danach beginnt die körperliche Untersuchung, und zwar in einer festen Reihenfolge: Betrachtung der Afterregion, Austasten mit dem Finger und schließlich die Spiegelung. Die ersten beiden Schritte liefern bereits einen erheblichen Teil der Information; die Proktoskopie ergänzt sie um das, was der Finger nicht erfassen kann.
Beim Hämorrhoidalleiden wird dieser Zugewinn besonders deutlich. Vergrößerte Hämorrhoiden werden nach ihrem Ausmaß in vier Grade eingeteilt. Knoten des ersten Grades treten nicht nach außen und sind mit dem tastenden Finger nicht zu spüren, weil sie weich sind und dem Druck nachgeben; sichtbar werden sie erst bei der Spiegelung. Genau deshalb gilt die Proktoskopie hier als das entscheidende Untersuchungsverfahren. Höhergradige Befunde lassen sich zwar auch von außen beurteilen, doch erst die Spiegelung zeigt, wie weit die Schleimhaut verändert ist und ob zusätzlich eine Entzündung vorliegt.
Auch die übrigen Befunde der Region werden auf diesem Weg erkannt oder ausgeschlossen. Dazu gehören eine Analfissur, die Innenöffnung einer Analfistel, ein Analekzem, Hautfalten am Afterrand, Feigwarzen als Folge einer Infektion mit humanen Papillomviren, ein Analprolaps sowie Veränderungen, die auf ein Analkarzinom verdächtig sind. Bei Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa dient die Untersuchung der Beurteilung der Schleimhaut und der häufig begleitenden Veränderungen rund um den After. Bei Stuhlinkontinenz gehört sie zur Ursachensuche, ebenso bei anhaltender Obstipation oder unklarem Durchfall.
Ein Befund am After erklärt jedoch nicht automatisch alle Beschwerden. Blut im Stuhl darf nicht vorschnell auf sichtbare Hämorrhoiden zurückgeführt werden, denn eine Blutungsquelle weiter oben im Darm bliebe dabei unentdeckt. Bei entsprechendem Alter, bei anhaltenden oder wiederkehrenden Blutungen und bei Veränderungen der Stuhlgewohnheiten schließt sich deshalb eine Darmspiegelung an. Die Proktoskopie ersetzt die Vorsorgeuntersuchung auf Darmkrebs nicht.
Wird die Untersuchung wegen Beschwerden veranlasst, handelt es sich um eine ärztliche Leistung, die bei bestehender Indikation zur Krankenbehandlung gehört. Ein stationärer Aufenthalt ist nicht erforderlich; die Spiegelung findet in der Praxis oder in der Ambulanz statt, und die Untersuchten können anschließend nach Hause gehen. Nur wenn ein Beruhigungsmittel gegeben wurde oder wenn zusätzlich ein Eingriff geplant ist, verlängert sich der Aufenthalt entsprechend.
Der therapeutische Teil bildet das zweite große Anwendungsgebiet. Bei der Verödung wird über das eingeführte Rohr ein Mittel in das vergrößerte Gefäßpolster eingebracht, das dort eine Vernarbung auslöst und den Knoten schrumpfen lässt. Bei der Gummiringligatur wird die Schleimhaut oberhalb des Knotens angesaugt und mit einem kleinen elastischen Ring abgebunden; das abgebundene Gewebe stirbt ab und löst sich nach einigen Tagen von selbst. Beide Verfahren werden üblicherweise auf mehrere Sitzungen verteilt und im Verlauf proktoskopisch kontrolliert. Auch das Abtragen kleiner Veränderungen und die Entnahme von Gewebeproben erfolgen über dasselbe Instrument. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, bleibt die operative Behandlung, für die andere Zugangswege gewählt werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Blutungen im Rahmen einer Enddarmspiegelung gelten auch als Hinweis auf eine Entzündung oder einen Tumor, da sie sich nur sehr selten zeigen. Die Blutungen werden dann durch Vorschädigungen der Darmwandstruktur hervorgerufen. Treten Schmerzen beim Einführen des Proktoskops in den Anus auf, deutet dies auf einen Riss in der Schleimhaut des Afters hin. In der Regel empfinden die untersuchten Personen die Proktoskopie zwar als unangenehm, jedoch nicht als schmerzhaft. Eine mögliche Kontraindikation für eine Proktoskopie bildet eine erhöhte Blutungsneigung der untersuchten Person. Leidet der Patient unter einem niedrigen Quick-Wert, besteht bei einer unstillbaren Blutung sogar Lebensgefahr. Heute wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes in der Regel als INR-Wert angegeben; ein hoher INR-Wert entspricht dabei einem niedrigen Quick-Wert.
Nach der Untersuchung sind besondere Verhaltensregeln in der Regel nicht nötig. Die Untersuchten können unmittelbar essen, sich bewegen und ihrer Arbeit nachgehen. Wurde ein Abführzäpfchen oder ein Klistier verwendet, kann der Stuhlgang für den Rest des Tages unregelmäßig sein. Wurde ein Beruhigungsmittel gegeben, entfällt für diesen Tag die aktive Teilnahme am Straßenverkehr ebenso wie das Bedienen von Maschinen; in diesem Fall sollte eine Begleitperson den Heimweg übernehmen. Nach einer Verödung oder einer Gummiringligatur sind ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im After für einige Tage üblich, ebenso eine geringe Blutauflagerung auf dem Stuhl.
Ärztlich abgeklärt werden sollten dagegen eine anhaltende oder starke Blutung, Fieber, zunehmende Schmerzen, eine Schwellung der Afterregion sowie Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Solche Beschwerden sind selten, sie können aber auf eine Nachblutung oder eine Infektion hinweisen und lassen sich früh gut behandeln.
Nicht in jeder Situation ist eine Proktoskopie sinnvoll. Bei einer frisch eingerissenen, sehr schmerzhaften Analfissur verkrampft der Schließmuskel so stark, dass das Einführen des Instruments kaum möglich und für die Betroffenen sehr unangenehm ist; die Spiegelung wird dann verschoben, bis die Beschwerden nachgelassen haben, oder in einer kurzen Narkose durchgeführt. Dasselbe gilt für eine hochgradige Verengung des Analkanals und für eine akut entzündete, druckschmerzhafte Thrombose am Afterrand. Auch eine schwere Entzündung des Mastdarms kann ein Grund sein, zunächst zu behandeln und erst danach zu spiegeln.
Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte dies vor dem Termin ansprechen. Für die reine Betrachtung sind sie meist unproblematisch; ist eine Gewebeentnahme oder eine Behandlung von Hämorrhoiden vorgesehen, entscheidet der behandelnde Arzt über das weitere Vorgehen. Eigenmächtig abgesetzt werden sollten solche Medikamente nicht. Eine Strahlenbelastung entsteht bei der Proktoskopie nicht, und auch in der Schwangerschaft ist sie bei entsprechender Fragestellung möglich – Hämorrhoidalbeschwerden treten in dieser Zeit besonders häufig auf.
Ein Infektionsrisiko durch das Instrument selbst besteht bei ordnungsgemäßer Aufbereitung nicht. Starre Proktoskope aus Metall werden nach jedem Gebrauch gereinigt, desinfiziert und sterilisiert; daneben sind Einmalinstrumente aus Kunststoff verbreitet, die nach der Untersuchung verworfen werden. Die Kaltlichtquelle wird von außen aufgesetzt und berührt die Schleimhaut nicht. Wer unsicher ist, kann in der Praxis nachfragen, welches Instrument verwendet und wie es aufbereitet wird.
Der häufigste Grund, aus dem eine Proktoskopie unterbleibt, ist kein medizinischer: Viele Betroffene schieben den Arztbesuch aus Scham über Monate oder Jahre hinaus. Dadurch werden gut behandelbare Veränderungen unnötig lange ertragen, und im ungünstigen Fall verzögert sich die Erkennung eines Tumors. Eine ruhige Aufklärung über den Ablauf, die kurze Dauer und die Möglichkeit, die Untersuchung jederzeit zu unterbrechen, nimmt einem großen Teil der Betroffenen die Anspannung.
Quellen
- Ommer, A., Mölle, B.-H. (Hrsg.): Chirurgische Proktologie.
ISBN: 9783662685099
- Stoll, M.: Repetitorium Proktologie.
ISBN: 9783662708576
- Herold, A., Schiedeck, T. (Hrsg.): Manual der Koloproktologie.
ISBN: 9783111331270
- Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405233
- Gottschalk, U., Maeting, S., Kahl, S. (Hrsg.): Arbeitsplatzbuch Endoskopie.
ISBN: 9783132459588
