Reisemedizin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Reisemedizin
Die Reisemedizin umfasst verschiedene Bereiche, wie zum Beispiel Vorsorge und Behandlung. Sie kommt bei Menschen zum Einsatz, die einen Urlaub in einem anderen Land planen oder bei Personen, welche das Ausland gerade verlassen haben. Vor allem bei Reisen in die Tropen sind im Vorhinein Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist die Reisemedizin?
Der Begriff Reisemedizin umfasst alle medizinischen Maßnahmen, die zur Prophylaxe, Diagnose und Therapie bei Erkrankungen verwendet werden, welche im Ausland entstehen. Reiseerkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen. Dabei lässt sich eine Parallele zu den immer häufiger stattfindenden Auslandsaufenthalten ziehen. Darüber hinaus wird der Urlaub heutzutage in weiter entfernten Regionen verbracht als es früher der Fall war. Insbesondere in tropischen und subtropischen Breitengraden erkranken viele Europäer.
In den meisten Fällen handelt es sich um eine harmlose Magen-Darm-Verstimmung. Aber auch ernsthaftere Beschwerden lassen sich nicht ausschließen. Einigen kann effektiv vorgebeugt werden, wie zum Beispiel durch eine Impfung oder das Tragen von angemessener Kleidung zum Schutz gegen Mückenstiche. Weiterhin kann ein spezifisches Verhalten dabei helfen, Infektionen zu vermeiden. In einigen Ländern existieren Pflichtimpfungen, ohne welche eine Einreise nicht möglich ist. Eine solche Vorschrift gibt es zum Beispiel in Ghana. Das westafrikanische Land kann nur von Menschen bereist werden, die eine Gelbfieberimpfung im internationalen Impfausweis nachweisen können. Damit gehört die Prävention ebenso zur Reisemedizin wie die Behandlung im Erkrankungsfall.
Die Reisemedizin ist in Deutschland kein eigenes Facharztgebiet, sondern ein Aufgabenfeld, das von Ärzten verschiedener Fächer wahrgenommen wird. Für die vertiefte Qualifikation gibt es zum einen die Zusatz-Weiterbildung Tropenmedizin, zum anderen ein Fortbildungszertifikat für die reisemedizinische Gesundheitsberatung, das über die Ärztekammern erworben wird. Fachlich getragen wird das Gebiet von wissenschaftlichen Gesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit. Für die Einschätzung eines konkreten Reiseziels stützen sich Beratende auf laufend aktualisierte Quellen: die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes, die Empfehlungen der Fachgesellschaften, die Angaben des Robert Koch-Instituts sowie die Lageberichte der Weltgesundheitsorganisation. Der Grund für diese Bindung an aktuelle Quellen liegt in der Natur der Sache, denn Ausbruchsgeschehen, Impfvorschriften und Einreisebestimmungen ändern sich, und eine Angabe von gestern kann heute überholt sein.
Der beste Zeitpunkt für eine Beratung liegt deutlich vor der Abreise. Manche Impfungen bestehen aus mehreren Teilimpfungen, die in Abständen gegeben werden, und ein Impfschutz baut sich erst nach einer gewissen Zeit auf. Wer erst kurz vor dem Abflug zum Arzt geht, kann unter Umständen nur noch einen Teil des möglichen Schutzes erreichen.
Welche Nachweise ein Staat bei der Einreise verlangen darf, ist international geregelt. Die Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation sehen ausdrücklich nur für die Gelbfieberimpfung vor, dass ein Land einen Nachweis zur Bedingung der Einreise machen kann; für die Kinderlähmung hat die Organisation darüber hinaus zeitweilige Empfehlungen ausgesprochen, denen einzelne Länder folgen. Davon zu unterscheiden sind nationale Vorgaben ohne Bezug zu diesen Vorschriften: Saudi-Arabien etwa verlangt von Pilgern einen Nachweis der Impfung gegen Meningokokken bestimmter Gruppen. Solche Anforderungen richten sich teils nach dem Wohnsitz des Reisenden, teils nach den Ländern, die er zuvor bereist hat; ein Zwischenstopp kann daher Vorschriften auslösen, die für die direkte Anreise nicht gälten.
Behandlungen & Therapien
So ist zum Beispiel eine Impfung gegen Gelbfieber in einigen Ländern nicht notwendig, während sie bei Reisen in andere Orte nicht fehlen sollte. Empfehlenswert sind vor allem Impfungen gegen Hepatitis A und B, Cholera, Influenza, Tollwut, Typhus, Kinderlähmung, Gelbfieber und Meningokokken. Die Impfung gegen Cholera wird heute allerdings nur noch in besonderen Situationen empfohlen, etwa bei Einsätzen in Ausbruchsgebieten oder Flüchtlingslagern. Welche Impfung letztendlich aber wirklich notwendig ist, entscheidet der Arzt. Einige Spritzen benötigen eine mehrfache Anwendung. Dementsprechend ist es wichtig, dass sich Reisende frühzeitig informieren, damit die Behandlung vor Antritt des Urlaubs abgeschlossen und der Impfschutz somit gewährleistet ist. Weiterhin gehört die Aufklärung zur Prophylaxe. Diese wird von einigen Tropenärzten angeboten, aber auch im Internet finden sich weitreichende Informationen.
Liegt der Urlaub in den Tropen, helfen lange Kleidungsstücke und ein Mückennetz über dem Bett gegen unangenehme Stiche, aus denen unter Umständen Krankheiten resultieren können. Obst und Gemüse sollte ausreichend abgewaschen oder geschält werden. Zum Waschen eignet sich dabei nur abgekochtes oder abgefülltes Wasser. Weiterhin ist das Leitungswasser nicht überall trinkbar. So können sich Bakterien oder andere Erreger in dem Wasser befinden. Im Zweifel sollte das Wasser vor dem Genuss abgekocht werden, damit es zu keiner Infektion kommt. Darüber hinaus befasst sich die Reisemedizin mit der Diagnostik und Behandlung von Personen, die gerade aus dem Ausland zurückgekehrt sind. Bei einigen tropischen Erkrankungen wie Malaria und Dengue-Fieber ist ein schnelles Handeln zum Erhalt der Gesundheit wichtig.
Damit die Beschwerden zügig eingeordnet werden, sollte ein Arzt mit entsprechendem Fachwissen aufgesucht werden. Hierfür eignen sich vor allem Tropenärzte. Weitere Erkrankungsrisiken auf Reisen sind veränderte klimatische Bedingungen, wie sie in großer Höhe oder bei einer starken Kälte vorliegen. Die Reisemedizin umfasst somit verschiedene Erkrankungen und Beschwerden. Neben Durchfallerkrankungen werden zum Beispiel Infektionen oder Parasiten behandelt.
Für die Gelbfieberimpfung gelten Besonderheiten, die keine andere Reiseimpfung kennt. Sie darf nur in staatlich zugelassenen Gelbfieberimpfstellen verabreicht und muss in einem international einheitlichen Ausweis eingetragen werden. Der Nachweis wird erst zehn Tage nach der Impfung gültig; wer zu spät impfen lässt, kann an der Grenze abgewiesen werden. Seit Juli 2016 sehen die Internationalen Gesundheitsvorschriften vor, dass ein einmal ausgestellter Nachweis lebenslang gilt und nicht mehr nach zehn Jahren erneuert werden muss. Einzelne Länder haben diese Änderung unterschiedlich schnell umgesetzt, weshalb der Eintrag in der von der Weltgesundheitsorganisation vorgesehenen Form erfolgen sollte.
Vor allen Reiseimpfungen steht der Blick auf den regulären Impfschutz. Wundstarrkrampf, Diphtherie, Kinderlähmung und Masern sind Erkrankungen, gegen die in Deutschland ohnehin geimpft wird, deren Auffrischung aber häufig übersehen wird; eine bevorstehende Reise ist ein guter Anlass, den Impfausweis durchzusehen und Lücken zu schließen. Die Kosten für Reiseimpfungen sind keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Viele Kassen erstatten sie jedoch als freiwillige Satzungsleistung, teils vollständig, teils bis zu einem Höchstbetrag. Wer aus beruflichen Gründen reist, hat einen anderen Weg: Für Tätigkeiten in tropischen und subtropischen Gebieten sieht das Arbeitsschutzrecht eine arbeitsmedizinische Vorsorge vor, in deren Rahmen der Arbeitgeber die erforderlichen Impfungen anzubieten und zu bezahlen hat.
Beim Schutz vor Mücken kommt es auf die Tageszeit an. Die Überträgerinnen der Malaria stechen vorwiegend in der Dämmerung und nachts; entsprechend wichtig sind das imprägnierte Moskitonetz über dem Bett, geschlossene Räume und lange Kleidung am Abend. Die Mücken, die Dengue-Fieber, das Zika-Virus und verwandte Erkrankungen übertragen, sind dagegen tagaktiv, sodass der Schutz auch tagsüber nötig ist. Je nach Reisegebiet kommt zur Expositionsprophylaxe eine vorbeugende Einnahme von Medikamenten hinzu, oder es wird ein Präparat für den Notfall mitgegeben, das bei Fieber ohne erreichbare ärztliche Hilfe angewendet werden kann. Welches Vorgehen infrage kommt, hängt vom Zielgebiet, von der Reiseart und von Vorerkrankungen ab und wird ärztlich festgelegt.
Nicht alle Gesundheitsrisiken einer Reise sind Infektionen. In der reisemedizinischen Literatur wird regelmäßig darauf hingewiesen, dass Unfälle, vor allem im Straßenverkehr, und Herz-Kreislauf-Ereignisse für Reisende insgesamt eine größere Rolle spielen als tropische Erreger. Hinzu kommen die Belastungen durch Hitze und starke Sonneneinstrahlung mit Sonnenbrand, Sonnenstich und Hitzschlag, die Höhenkrankheit beim zu raschen Aufstieg in große Höhen, das erhöhte Thromboserisiko auf langen Flügen und die Verschiebung des Tagesrhythmus beim Jetlag. Wer taucht, muss vor dem Rückflug eine Pause einhalten, weil der niedrigere Kabinendruck sonst eine Taucherkrankheit auslösen kann.
Ein eigener Beratungsanlass sind Reisende mit chronischen Erkrankungen. Bei Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie oder unter Immunsuppression ist zu klären, ob Reiseziel und geplante Aktivitäten zumutbar sind und wie die Behandlung unterwegs fortgeführt wird. Benötigte Medikamente gehören in ausreichender Menge ins Handgepäck, ergänzt um eine mehrsprachige ärztliche Bescheinigung über ihre Notwendigkeit. Für Betäubungsmittel ist innerhalb des Schengen-Raums eine besondere, von der zuständigen Gesundheitsbehörde beglaubigte Bescheinigung vorgesehen; für andere Ziele sollte vorab bei der Auslandsvertretung des Reiselandes nachgefragt werden. Zur Vorbereitung gehört schließlich der Versicherungsschutz: Innerhalb der Europäischen Union hilft die Europäische Krankenversicherungskarte, weltweit deckt die gesetzliche Krankenversicherung jedoch nicht alles ab, und einen Krankenrücktransport nach Deutschland bezahlt sie nicht. Dafür ist eine Auslandsreisekrankenversicherung gedacht.
Diagnose & Untersuchungsmethoden
Wenn sich Plasmodien in der Probe befinden, gilt die Erkrankung als diagnostiziert. Eine ähnliche Untersuchung hilft ebenfalls dabei, das Dengue-Fieber zu entdecken. Dieses wird normalerweise durch Mücken übertragen und äußert sich durch Fieber, Ausschlag und Schmerzen in den Gelenken, Muskeln, Kopf oder Gliedern. Der direkte Nachweis des Erregers gelingt dabei vor allem in den ersten Krankheitstagen. In dieser Zeit lassen sich das Erbgut des Virus und dessen Eiweiß NS1 im Blut nachweisen, danach wird der direkte Nachweis zunehmend schwierig. Etwa ab dem fünften bis achten Tag können in dem Blut des Patienten jedoch Antikörper gefunden werden, welche sich gegen den Erreger richten. Typhus lässt sich ebenfalls über eine Blutprobe nachweisen. Dabei können Veränderungen des Bluts offenbart werden, wie eine Reduktion der weißen Blutkörperchen.
Anders sieht es hingegen bei Beschwerden aus, die Magen oder Darm betreffen. Reisedurchfall ist kein seltenes Symptom im Urlaub. Hält dieser länger als 48 bis 72 Stunden an, sollte ein Arzt konsultiert werden. Eine Stuhlprobe kann dabei den Erreger der Beschwerden aufdecken. Bestenfalls handelt es sich um eine frische Probe. Reisedurchfall ist normalerweise unangenehm, bei einer ausreichenden Wasseraufnahme aber harmlos. Eine Stuhlprobe kann im Rahmen der Reisemedizin jedoch auch Cholera diagnostizieren. Deshalb ist es wichtig, dass der absolvierte Urlaub bei bestehenden Beschwerden dem Arzt gegenüber immer erwähnt wird.
Am Anfang jeder Abklärung nach einer Reise steht die Reiseanamnese. Der Arzt fragt nach dem genauen Reiseziel und den einzelnen Aufenthaltsorten, nach dem Zeitpunkt von Hin- und Rückreise, nach Impfungen und eingenommener Vorbeugung sowie nach Tätigkeiten, die ein bestimmtes Risiko mit sich bringen: Baden in Süßwasser, Kontakt mit Tieren, Höhlenbesuche, Aufenthalt in einfachen Unterkünften, ungeschützter Geschlechtsverkehr. Diese Angaben grenzen die infrage kommenden Erkrankungen oft stärker ein als die Beschwerden selbst.
Eine zweite Ordnungshilfe ist die Zeit. Jede Infektionskrankheit hat einen typischen Zeitraum zwischen Ansteckung und den ersten Beschwerden, und dieser Zeitraum schließt viele Möglichkeiten aus. Beschwerden, die noch am Urlaubsort begonnen haben, deuten auf etwas anderes hin als solche, die Wochen nach der Rückkehr auftreten. Eine wichtige Ausnahme betrifft die Malaria: Sie kann sich noch Monate nach dem Aufenthalt in einem Risikogebiet erstmals bemerkbar machen. Deshalb gilt für die Praxis der Grundsatz, dass jedes Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet so lange als Malariaverdacht behandelt wird, bis das Gegenteil belegt ist.
Der Nachweis der Plasmodien erfolgt klassisch durch die mikroskopische Untersuchung des Blutes in zwei Zubereitungen: einem Ausstrich, der die Bestimmung der Art erlaubt, und einer angereicherten Form, die auch geringe Erregerzahlen erfasst. Ergänzend gibt es Schnelltests, die auf Eiweiße der Erreger ansprechen. Ein einzelner negativer Befund schließt die Erkrankung nicht aus; bei fortbestehendem Verdacht wird die Untersuchung wiederholt. Je nach Verdachtsdiagnose kommen weitere Materialien hinzu: mehrere Stuhlproben an verschiedenen Tagen bei der Suche nach Parasiten, eine Urinuntersuchung bei Verdacht auf einen Saugwurmbefall nach Süßwasserkontakt, Abstriche von Wunden und Hautveränderungen, dazu Blutuntersuchungen auf Antikörper und bildgebende Verfahren.
Für einige der so festgestellten Erkrankungen bestehen Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz. Die Malaria etwa wird vom untersuchenden Labor ohne Namensnennung an das Robert Koch-Institut gemeldet, wodurch ein bundesweites Bild der eingeschleppten Fälle entsteht. Bei schweren oder unklaren Verläufen ist die Vorstellung in einem tropenmedizinischen Zentrum sinnvoll, das über Erfahrung mit seltenen Erregern und über die entsprechende Labordiagnostik verfügt. Für den Patienten ist dabei jede Einzelheit hilfreich, an die er sich erinnert: mitgebrachte Verpackungen von Medikamenten, Notizen zu Aufenthaltsorten und Daten sowie der Impfausweis ersparen dem Arzt Umwege und beschleunigen die Zuordnung der Beschwerden.
Quellen
- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
ISBN: 9783437216428
- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228
- Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
ISBN: 9783131585813
- Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
ISBN: 9783437238178
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
