Rubella-Virus
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Rubella-Virus befällt ausschließlich den Menschen und löst bei ihm die Röteln aus. Diese Kinderkrankheit ist stark ansteckend, führt mit ihrem Auftreten aber zu einer lebenslangen Immunität. Das Rubella-Virus (auch Röteln-Virus) verursacht charakteristische rote Hautflecken (Exantheme) im Gesicht und am Oberkörper sowie gegebenenfalls Fieber und Schwellungen der Lymphknoten. Der Erreger ist weltweit verbreitet.
In Ländern mit einer hohen Impfrate von mehr als 90 Prozent aller Kinder (wie beispielsweise in Deutschland) tritt die Krankheit jedoch kaum noch auf. Gefährlich ist das Rubella-Virus allerdings bei einer Infektion in der Schwangerschaft. Hier kann eine Rötelnembryofetopathie zu schweren Fehlbildungen des Kindes sowie Fehlgeburten führen. Weltweit wird die jährliche Zahl der Kinder, die mit einer Rötelnembryofetopathie zur Welt kommen, auf rund 100.000 geschätzt.
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Was ist das Rubella-Virus?
Rötelnviren gehören zur Gattung Rubivirus. Lange galten sie dort als einziger Vertreter; inzwischen sind weitere, bei Tieren gefundene Arten hinzugekommen. Ihre Familie waren lange Zeit die Togaviridae (Togaviren), deren Genom typischerweise eine Einzelstrang-RNA positiver Polarität darstellt. Seit 2018 führt die internationale Kommission für Virustaxonomie das Rötelnvirus jedoch in einer eigenen Familie, den Matonaviridae; sein Erbgut ist unverändert eine Einzelstrang-RNA positiver Polarität. Das Genom wird von einem zwanzigflächigen (ikosaedrischen) Kapsid umhüllt. Die drei strukturellen Proteine des Rubella-Virus werden von dem Kapsidprotein sowie den beiden Hüllproteinen (E1 und E2) gebildet.
Die Viruspartikel des Rubella-Virus weisen eine kugelförmige Gestalt auf. Sie werden von außen durch eine Lipidmembran, die Virushülle, geschützt. Die Struktur der Viren-Oberfläche ist uniform. Deshalb gibt es vom Rötelnvirus nur einen einzigen Serotyp.
Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion weitergegeben. Von den ungeschützten Personen, die engen Kontakt zu einem Erkrankten haben, steckt sich etwa die Hälfte an; Fachleute sprechen vom Kontagiositätsindex. Die Viren greifen bevorzugt die Schleimhäute der oberen Atemwege an und dringen dort in den Körper ein.
Im lymphatischen Gewebe kommt es zur ersten großen Vermehrung. Die Viren werden im Anschluss daran in die Blutbahnen ausgeschüttet. Während der kritischen Phase einer Schwangerschaft kann das Virus nun über den Mutterkuchen zum ungeborenen Kind gelangen. Die Inkubationszeit dauert grundsätzlich zwei bis drei Kalenderwochen. Der Erkrankte gilt eine Woche vor und nach den ersten Hautrötungen als Ansteckungsherd.
Wenn die Inkubationszeit vorüber ist, entstehen gewöhnlich im Gesicht und oft auch hinter den Ohren gerötete Flecken (Effloreszenzen), die zunächst noch vereinzelt angesiedelt sind. Später weiten sie sich auf den Oberkörper und die Extremitäten aus. Zwei bis drei Tage darauf bilden sich diese Flecken wieder zurück. Parallel zu diesem Krankheitsverlauf stellt sich Fieber bis etwa 39 °C ein. Es kann darüber hinaus zu Beschwerden in den oberen Luftwegen, Bindehautentzündungen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schwellungen der Lymphknoten am Kopf kommen.
Die vom Rubella-Virus ausgelösten Auffälligkeiten lassen sich leicht mit andersartigen Erkrankungen verwechseln, die ebenso Fieber und Hautausschläge herbeiführen. Dazu gehören Drei-Tage-Fieber, Masern und Scharlach. Bei etwa 50 Prozent der Röteln treten die typischen Symptome nicht auf. Darüber hinaus galt der Nachweis der Rötelnviren lange als nur in relativ aufwändigen Verfahren möglich, über deren Aussagekraft aus medizinischer Sicht größere Meinungsverschiedenheiten bestanden. Heute stehen mit dem Nachweis von Antikörpern im Blut und dem direkten Nachweis des Viruserbguts (PCR) zuverlässige Standardverfahren zur Verfügung.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Bisher konnte die Wissenschaft noch nicht eindeutig herausfinden, nach welchem chemischen Prinzip eine Rötelnembryofetopathie während der Schwangerschaft funktioniert. Bestimmte Versuche legen die Vermutung nahe, dass das Rubella-Virus eine abtötende Wirkung auf spezielle Zelltypen haben könnte. Das macht eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft so besonders riskant. Während der ersten acht Wochen führt der Übertritt des Rubella-Virus über den Mutterkuchen auf das ungeborene Kind sehr häufig zu Beeinträchtigungen des Embryos. In extremen Situationen kann es zu einer Fehlgeburt kommen. Auch gefährliche Frühgeburten treten immer wieder auf.
Krankheiten & Beschwerden
Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft schwächen sich die möglichen Folgen eines Rubella-Befalls ab. In Frage kommen Konsequenzen wie ein verringertes Blutplättchenaufkommen, Leber- und Herzmuskelentzündungen, verminderter Kopfumfang und reduziertes Körpergewicht bei der Geburt.
Säuglinge mit angeborener Röteln-Infektion sollten in den ersten sechs Lebensmonaten so weitgehend wie möglich isoliert werden. Bei ihnen werden aus Gründen der Sicherheit regelmäßig spezielle Untersuchungen im Nasenrachensekret und auch im Urin durchgeführt.
Im Klinikbereich werden Patienten mit Röteln grundsätzlich isoliert. Dagegen ist ein Ausschluss an Röteln erkrankter Personen in Gemeinschaftseinrichtungen nicht zwingend erforderlich. Jedoch ist die Erkrankung allgemein meldepflichtig.
Schwangeren steht eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen zur Verfügung, die jedoch im Zeitraum von drei Tagen nach einem mutmaßlichen Kontakt mit erkrankten oder infizierten Personen erfolgen sollte. Sicher vor einer Infektion schützen kann sie aber nicht. Die eigentliche Rötelnimpfung ist ein Lebendimpfstoff und wird deshalb nicht während der Schwangerschaft gegeben; sie steht in Deutschland nur noch als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zur Verfügung. Ein Antikörpertest auf das Rubella-Virus ermöglicht konkrete Maßnahmen, um spätere Schäden vom Baby abzuwenden.
Systematik und Namensgeschichte
Das Rubella-Virus ist der einzige Vertreter seiner Gattung, der beim Menschen eine Krankheit hervorruft. Seine frühere Zuordnung zu den Togaviridae beruhte vor allem auf dem ähnlichen Bauplan und dem ähnlichen Vermehrungsweg. Genauere Vergleiche des Erbguts zeigten jedoch, dass das Rötelnvirus mit den übrigen Mitgliedern jener Familie – etwa den durch Stechmücken übertragenen Alphaviren – nur entfernt verwandt ist. Es besitzt keinen Überträger aus dem Tierreich und wird ausschließlich von Mensch zu Mensch weitergegeben. Beides sprach dafür, ihm eine eigene Familie zuzuweisen.
Erst seit wenigen Jahren sind überhaupt nahe Verwandte des Rötelnvirus bekannt: Bei Fledermäusen in Afrika und bei Nagetieren in Europa wurden Viren gefunden, die dem Rötelnvirus im Aufbau des Erbguts stark ähneln. Sie befallen den Menschen nach heutigem Kenntnisstand nicht. Ihr Fund legt aber nahe, dass auch das Rötelnvirus ursprünglich aus dem Tierreich stammt und sich irgendwann dauerhaft an den Menschen angepasst hat.
Obwohl es nur einen einzigen Serotyp gibt – das Immunsystem erkennt also alle Rötelnviren gleichermaßen –, lassen sich anhand kleiner Unterschiede im Erbgut mehrere Genotypen voneinander abgrenzen. Für den Krankheitsverlauf und für den Impfschutz hat diese Unterscheidung keine Bedeutung. Gesundheitsbehörden nutzen sie jedoch, um bei einem Ausbruch nachzuvollziehen, aus welcher Weltregion das Virus eingeschleppt wurde und ob mehrere Erkrankungen tatsächlich zusammenhängen.
Der deutsche Name „Röteln“ ist eine Verkleinerungsform und beschreibt die kleinen roten Flecken des Ausschlags; der lateinische Name Rubella bedeutet nichts anderes. Im englischen Sprachraum ist die Krankheit bis heute auch als „German measles“ – deutsche Masern – bekannt. Der Grund dafür ist, dass deutschsprachige Ärzte im 18. Jahrhundert als Erste darauf beharrten, es handle sich weder um eine milde Form der Masern noch um eine Abart des Scharlachs, sondern um ein eigenständiges Krankheitsbild.
Nachweis und Diagnostik
Weil der Ausschlag sich leicht mit dem anderer fieberhafter Erkrankungen verwechseln lässt und ein erheblicher Teil der Infektionen ohne Ausschlag verläuft, ist die Diagnose allein nach dem äußeren Bild unsicher. Sicherheit gibt nur die Laboruntersuchung.
Am häufigsten wird nach Antikörpern im Blut gesucht. Antikörper der Klasse IgM erscheinen kurz nach Krankheitsbeginn und verschwinden nach einigen Wochen wieder; sie sprechen für eine frische Infektion. Antikörper der Klasse IgG bleiben lebenslang bestehen und belegen einen Schutz, gleich ob er durch eine durchgemachte Erkrankung oder durch die Impfung entstanden ist. IgM-Befunde sind allerdings störanfällig: Andere Virusinfektionen und bestimmte Bestandteile des Blutes können sie fälschlich auslösen. Gerade in der Schwangerschaft, wo an einem solchen Befund weitreichende Entscheidungen hängen, wird ein auffälliges Ergebnis deshalb mit einem zweiten Verfahren überprüft. Hilfreich ist dabei die Bestimmung der Bindungsstärke der IgG-Antikörper: Sie nimmt in den Monaten nach einer Infektion zu, sodass sich eine frische von einer länger zurückliegenden Infektion unterscheiden lässt.
Der direkte Nachweis des Viruserbguts mit der Polymerase-Kettenreaktion gelingt aus Rachenabstrichen, aus Urin und aus Fruchtwasser. Bei Verdacht auf eine Infektion des ungeborenen Kindes ist er das entscheidende Verfahren, denn eine Antikörperbestimmung beim Kind wird durch die von der Mutter übertragenen Antikörper verfälscht. Bei einem Neugeborenen mit Verdacht auf eine Rötelnembryofetopathie findet sich das Virus meist über längere Zeit in Rachensekret und Urin. Die Anzucht des Virus in einer Zellkultur ist möglich, aber langwierig und bleibt spezialisierten Laboratorien vorbehalten.
Widerstandsfähigkeit und Hygiene
Das Rubella-Virus trägt eine Hülle aus Fett und Eiweiß. Solche behüllten Viren sind außerhalb des Körpers empfindlich: Austrocknung, Wärme, Sonnenlicht und fettlösende Substanzen zerstören die Hülle, und ohne sie kann das Virus nicht mehr in eine Zelle eindringen. Gebräuchliche Desinfektionsmittel mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid“ erfassen den Erreger deshalb zuverlässig; ein besonders scharf wirkendes Mittel ist nicht erforderlich.
Praktisch bedeutet das: Über Gegenstände, Türklinken oder Textilien wird das Virus kaum weitergegeben, ebenso wenig über Lebensmittel oder Trinkwasser. Für eine Ansteckung braucht es den engen Kontakt zu einer infizierten Person, bei dem Tröpfchen aus den Atemwegen eingeatmet werden. Die üblichen Maßnahmen – Abstand, Händehygiene, in der Klinik die räumliche Trennung – zielen deshalb auf den direkten Kontakt und nicht auf die Umgebung.
Eine Ausnahme bilden Kinder, die bereits im Mutterleib infiziert wurden. Sie scheiden das Virus über Monate hinweg in großen Mengen aus, auch wenn sie äußerlich gesund wirken. Für empfängliches Personal und für Schwangere in ihrem Umfeld sind sie damit die weitaus wichtigere Ansteckungsquelle – daraus erklärt sich, warum bei diesen Säuglingen so lange nachkontrolliert wird.
Geschichte
Lange galten die Röteln als harmlose Kinderkrankheit ohne besondere Bedeutung. Das änderte sich durch eine Beobachtung des australischen Augenarztes Norman Gregg. Er stellte Anfang der 1940er Jahre fest, dass auffällig viele Säuglinge mit einer angeborenen Linsentrübung in seine Sprechstunde gebracht wurden und dass deren Mütter fast alle während einer kurz zuvor durchlaufenen Rötelnwelle erkrankt waren. Greggs Bericht war der erste Beleg dafür, dass eine Infektion der Mutter das ungeborene Kind schädigen kann – eine bis dahin kaum für möglich gehaltene Vorstellung.
Dass die Röteln durch einen filtrierbaren Erreger und damit durch ein Virus verursacht werden, war bereits zuvor gezeigt worden. Das Virus selbst ließ sich jedoch erst Anfang der 1960er Jahre in der Zellkultur vermehren; zwei amerikanische Arbeitsgruppen gelang dies unabhängig voneinander. Kurz darauf zog eine große Rötelnwelle über Nordamerika und Europa hinweg und hinterließ eine sehr große Zahl von Kindern mit bleibenden Schäden. Dieser Ausbruch gab der Impfstoffentwicklung den entscheidenden Anstoß: Ende der 1960er Jahre wurden die ersten Impfstoffe zugelassen, und der bis heute weltweit verwendete abgeschwächte Virusstamm wurde wenig später gewonnen. Er ist auch Bestandteil der Kombinationsimpfung.
Weil der Mensch der einzige Wirt des Virus ist und weil die Impfung einen langfristigen Schutz vermittelt, gelten die Röteln als grundsätzlich ausrottbar. Die Weltgesundheitsorganisation verfolgt dieses Ziel gemeinsam mit der Bekämpfung der Masern, mit denen die Rötelnimpfung ohnehin verbunden ist. In der Region Amerika wurde die einheimische Übertragung des Rötelnvirus bereits für unterbrochen erklärt. In Europa treten Röteln nur noch vereinzelt auf, überwiegend eingeschleppt aus Regionen mit niedriger Impfquote.
Meldepflicht und Vorsorge
In Deutschland sind sowohl der Verdacht auf eine Rötelnerkrankung und die Erkrankung selbst als auch der Nachweis des Erregers im Labor namentlich meldepflichtig; ausdrücklich eingeschlossen ist die angeborene Form. Die Meldungen laufen bei den Gesundheitsämtern zusammen. Sie dienen weniger dem einzelnen Erkrankten als der Frage, ob das Virus noch im Land umläuft – ein Nachweis, der für die angestrebte Ausrottung geführt werden muss.
Der zweite Baustein ist die Vorsorge bei Frauen. Weil die Gefahr nicht dem Erkrankten selbst, sondern dem ungeborenen Kind gilt, kommt es darauf an, dass Frauen bereits vor einer Schwangerschaft geschützt sind. In der Schwangerenvorsorge wird deshalb geprüft, ob ein Schutz besteht – heute in erster Linie anhand der Impfdokumentation, früher regelmäßig durch die Bestimmung der Antikörper. Fehlt der Nachweis, kann die Impfung während der Schwangerschaft nicht nachgeholt werden, weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt; sie wird dann nach der Entbindung empfohlen.
Ergänzend richtet sich die Aufmerksamkeit auf Beschäftigte, die beruflich mit Schwangeren, Säuglingen oder kleinen Kindern zu tun haben. Für sie ist ein belegter Schutz nicht nur Eigenschutz, sondern verhindert, dass sie den Erreger in ein besonders empfindliches Umfeld tragen. Der gleiche Gedanke steht hinter der Empfehlung, den Impfschutz bei allen nach dem Kindesalter zugewanderten Erwachsenen zu überprüfen, die aus Ländern ohne verbreitete Rötelnimpfung stammen.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Modrow, S., Falke, D., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
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- Doerr, H. W., Gerlich, W. H. (Hrsg.): Medizinische Virologie.
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- Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (Hrsg.): DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen.
ISBN: 9783132454408
- Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen.
ISBN: 9783642171574

