Imatinib

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 12. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Imatinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der vor allem zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie eingesetzt wird. Er erzielt in der Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie gute Ergebnisse bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Auch eine Anwendung bei anderen malignen Erkrankungen ist möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Imatinib?

Imatinib
Imatinib wirkt inhibierend (hemmend) auf die Aktivität der Tyrosinkinase und unterdrückt damit die pathologisch gesteigerte Vermehrung der mutierten Blutstammzellen.
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Imatinib (Handelsname Glivec®) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren, der zur Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie, zur Behandlung maligner Tumore des Gastrointestinaltraktes sowie zur Behandlung weiterer maligner Erkrankungen eingesetzt wird. Die chemische Summenformel des Imatinibs lautet C29H31N7O.

Mittlerweile gilt die Behandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren als Standardtherapie. Die 5-Jahres-Überlebensrate unter einer Imatinib-Behandlung liegt bei über 90%.

Die Nachbeobachtungszeit von mit Imatinib behandelten Patienten liegt mittlerweile bei über 10 Jahren, das "mittlere Überleben" ließ sich bisher noch nicht festmachen. Dies lässt darauf schließen, dass es sehr deutlich über dem mittleren Überleben der vorher genutzten Therapien (mit Hydroxycarbamid und Interferon) liegt.

Pharmakologische Wirkung

Die chronisch myeloische Leukämie wird durch das sog. Philadelphia-Chromosom, eine genetische Veränderung, ausgelöst. Beim Philadelphia-Chromosom liegt eine Translokation genetischen Materials des Chromosoms 9 und des Chromosoms 22 vor. Durch diese Translokation "verschmilzt" das Gen für das natürliche Enzym Tyrosinkinase ABL auf Chromosom 9 mit dem Fragment des BCR-Gens auf Chromosom 22.

Die dadurch mutierten Zellen produzieren statt der Tyrosinkinase ABL ein sog. Fusionsprotein BCR-ABL. BCR-ABL ist im Vergleich mit ABL eine stärker aktive Tyrosinkinase. Diese BCR-ABL führt zur unkontrollierten Vermehrung weißer Blutkörperchen (Leukozyten) und ist maßgeblich an der Entstehung einer chronisch myeloischen Leukämie beteiligt.

Imatinib wirkt inhibierend (hemmend) auf die Aktivität der Tyrosinkinase und unterdrückt damit die pathologisch gesteigerte Vermehrung der mutierten Blutstammzellen. Der Stoff wird oral in Form einer Tablette appliziert; arzneilich wird Imatinibmesilat, ein Salz, verwendet. Das Ziel der Behandlung liegt in einer möglichst weitgehenden Reduzierung des pathologischen Zellklons.

Bei über 95% der mit Imatinib behandelten Patienten, die an einer chronisch myeloischen Leukämie erkrankt waren, wird eine Normalisierung des Blutbildes erreicht.

Nach dem Schlucken gelangt Imatinib nahezu vollständig in den Blutkreislauf. Eine fettreiche Mahlzeit setzt die Geschwindigkeit der Aufnahme nur geringfügig herab. Im Blut ist der Wirkstoff zum weitaus größten Teil an Eiweiße gebunden, vor allem an Albumin und an das sogenannte alpha-saure Glykoprotein; an Lipoproteine bindet er nur in geringem Maß. Abgebaut wird er in der Leber, und zwar überwiegend durch das Enzym CYP3A4. Dabei entsteht ein Hauptabbauprodukt, das im Reagenzglas ähnlich wirkt wie der unveränderte Wirkstoff, im Blut aber in weit geringerer Menge vorliegt. Die Verweildauer im Blut ist lang genug, dass eine einmal tägliche Einnahme genügt. Ausgeschieden werden Wirkstoff und Abbauprodukte zum größeren Teil über den Stuhl und zum kleineren über den Urin.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Der Stoff kommt vor allem in der Therapie der chronisch myeloischen Leukämie zum Einsatz. Er ist allerdings auch gegen eine Reihe weiterer Krebserkrankungen wirksam. So ist er auch bei der akuten lymphatischen Leukämie, beim hypereosinophilen Syndrom, beim Dermatofibrosarcoma protuberans (einem bösartigen Hauttumor), bei malignen Tumoren des Gastrointestinaltraktes, bei aggressiver Mastozytose und bei bestimmten myeloproliferativen Erkrankungen indiziert. Für die aggressive systemische Mastozytose besteht allerdings nur in den Vereinigten Staaten eine Zulassung; die europäische Zulassung des Originalpräparats führt dieses Anwendungsgebiet nicht auf.

Die europäische Zulassung benennt die Anwendungsgebiete im Einzelnen. Bei neu festgestellter Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie ist Imatinib für Erwachsene und Kinder vorgesehen, sofern eine Knochenmarktransplantation als erste Behandlungsmöglichkeit nicht in Betracht gezogen wird; ebenso in der chronischen Phase nach dem Versagen einer Interferon-alpha-Therapie, in der akzelerierten Phase und in der Blastenkrise. Bei neu festgestellter Philadelphia-Chromosom-positiver akuter lymphatischer Leukämie wird der Wirkstoff bei Erwachsenen und Kindern mit einer Chemotherapie kombiniert; bei wiederaufgetretener oder auf die Behandlung nicht ansprechender Erkrankung kommt er bei Erwachsenen als alleiniges Mittel zum Einsatz. Hinzu treten myelodysplastische und myeloproliferative Erkrankungen mit bestimmten Umlagerungen des Gens für den Blutplättchen-Wachstumsfaktor-Rezeptor sowie das fortgeschrittene hypereosinophile Syndrom und die chronische eosinophile Leukämie mit einer bestimmten Genumlagerung.

Bei den gastrointestinalen Stromatumoren unterscheidet die Zulassung zwei Lagen. Die eine ist die Behandlung nicht operabler oder bereits gestreuter Tumoren, die den Rezeptor c-Kit tragen. Die andere ist die unterstützende Behandlung nach der operativen Entfernung eines solchen Tumors, wenn ein bedeutsames Risiko eines Rückfalls besteht; bei niedrigem oder sehr niedrigem Rückfallrisiko soll diese Behandlung unterbleiben. Beim Dermatofibrosarcoma protuberans gilt die Zulassung für Erwachsene mit einem nicht operabel zu entfernenden Tumor sowie für wiederaufgetretene oder gestreute Fälle, die für eine Operation nicht in Frage kommen.

Bei der chronischen myeloischen Leukämie, einer neoplastischen Erkrankung des blutbildenden Systems, treten vermehrt unreife Formen von Leukozyten im Blut auf, was auf die pathologisch gesteigerte Vermehrung der Leukozyten im Blut und im blutbildenden Knochenmark zurückzuführen ist.

Die chronische myeloische Leukämie resultiert aus einer (genetischen) Störung der im Knochenmark vorzufindenden hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen. Aus diesem Grund zählt die chronische myeloische Leukämie zu den myeloproliferativen Neoplasien. Die Ursache der Erkrankung ist die Veränderung und anschließende Vermehrung einer einzigen multipotenten hämatopoetischen Vorläuferzelle. Diese Veränderung ist in fast allen Fällen auf das bereits beschriebene Philadelphia-Chromosom zurückzuführen.

Durch die neuartigen Medikamente aus der Gruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren, zu denen auch Imatinib zählt, ist die Prognose der chronischen myeloischen Leukämie deutlich verbessert worden. Die Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren stellt eine gut wirksame und verhältnismäßig nebenwirkungsarme Option der Behandlung dar und gilt als zielgerichtete Therapie (targeted therapy).

Die Überlebensrate hat sich durch die Einführung von Tyrosinkinase-Inhibitoren stark erhöht. Als es noch keine Therapiemöglichkeiten für die chronische myeloische Leukämie gab, lag die mittlere Überlebenszeit der Patienten zwischen drei und vier Jahren.

Die chronische myeloische Leukämie war die Erkrankung mit der schlechtesten Prognose aus dem Formenkreis der myeloproliferativen Neoplasien. Durch die Einführung von Hydroxycarbamid, einem Zytostatikum, wurde diese mittlere Überlebenszeit auf viereinhalb Jahre erhöht. Interferon führte zu einer weiteren Erhöhung der mittleren Überlebenszeit auf ca. fünfeinhalb Jahre.


Verabreichung & Dosierung

Imatinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der vor allem zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) und gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) eingesetzt wird. Die Verabreichung erfolgt oral in Form von Filmtabletten, die mit einer Mahlzeit und ausreichend Wasser eingenommen werden sollten, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu minimieren.

Die empfohlene Dosierung hängt von der Indikation und dem Krankheitsstadium ab. Bei CML beträgt die Standarddosis für Erwachsene 400 mg bis 600 mg pro Tag, während bei GIST oft eine Dosis von 400 mg täglich verordnet wird. In bestimmten Fällen, wie bei Krankheitsprogression oder unzureichendem Ansprechen, kann die Dosis auf bis zu 800 mg pro Tag erhöht werden, die dann auf zwei Einnahmen (morgens und abends) aufgeteilt werden sollte.

Bei Kindern wird die Dosierung nach Körperoberfläche berechnet, üblicherweise 340 mg/m² pro Tag; bei schweren Nebenwirkungen kann auf 260 mg/m² reduziert werden. Eine Dosisanpassung ist bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion erforderlich: Imatinib wird überwiegend über die Leber verstoffwechselt, und bei eingeschränkter Nierenfunktion fällt die Wirkstoffkonzentration im Blut höher aus als bei normaler Nierenfunktion.

Regelmäßige Blutbildkontrollen sind notwendig, um Nebenwirkungen wie Neutropenie oder Thrombozytopenie frühzeitig zu erkennen. Auch Leber- und Nierenwerte sollten regelmäßig überprüft werden. Bei starken Nebenwirkungen kann eine Dosisreduktion oder ein vorübergehendes Absetzen erforderlich sein.

Risiken & Nebenwirkungen

Die Verträglichkeit des Imatinibs ist allgemein gut. Es kann jedoch zu Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Ödemen, Gewichtszunahme, Muskelkrämpfen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Hautausschlag, Knochenschmerzen und Veränderungen im Blutbild kommen.

Kontraindiziert ist Imatinib nur bei einer Überempfindlichkeit oder Unverträglichkeit gegenüber Imatinib.

Bei gleichzeitiger Einnahme hoher Dosen von Imatinib und Paracetamol ist Vorsicht geboten, da Imatinib im Laborversuch die Glucuronidierung (Bindung an die Glucuronsäure während der Metabolisierung) des Paracetamols hemmt. Des Weiteren werden bestimmte Untereinheiten des Cytochroms P450 beeinflusst, was zu Interaktionen mit weiteren Arzneistoffen führen kann.

Eine für den Alltag bedeutsame Nebenwirkung ist die Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe. Bei einem kleinen Teil der Patienten mit neu festgestellter chronischer myeloischer Leukämie trat sie in schwerer Form auf, etwa als Pleuraerguss, als Ödem an der Körperoberfläche, als Lungenödem oder als Bauchwassersucht. Deshalb wird dringend empfohlen, das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren; eine unerwartete rasche Gewichtszunahme ist sorgfältig abzuklären und, soweit nötig, zu behandeln. In Studien traten diese Ereignisse bei älteren Menschen und bei Patienten mit einer Herzerkrankung in der Vorgeschichte häufiger auf.

Berichtet wurden ferner Leberschäden bis hin zu Leberversagen und zum Absterben von Lebergewebe. Wird Imatinib mit hoch dosierten Chemotherapieschemata verbunden, treten schwerwiegende Leberreaktionen vermehrt auf. Ein besonderes Risiko besteht für Menschen, die das Hepatitis-B-Virus dauerhaft in sich tragen: Nach der Gabe von BCR-ABL-Hemmern ist die Infektion bei ihnen wieder aufgeflammt, in Einzelfällen mit akutem Leberversagen oder einer besonders schweren Leberentzündung. Vor Behandlungsbeginn wird deshalb auf eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus untersucht.

Unter der Behandlung besteht ein Risiko für Lichtschäden der Haut. Direktes Sonnenlicht soll gemieden oder auf ein Mindestmaß beschränkt werden; empfohlen werden schützende Kleidung und ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Bei Kindern und Jugendlichen vor der Pubertät gibt es Berichte über eine Verzögerung des Wachstums, weshalb das Wachstum während der Behandlung eng überwacht werden soll. Eine langfristige Behandlung kann außerdem mit einer bedeutsamen Verschlechterung der Nierenfunktion einhergehen; diese wird vor Beginn bestimmt und während der Therapie engmaschig verfolgt. Bei Patienten, denen die Schilddrüse entfernt wurde und die ein Schilddrüsenhormon als Ersatz einnehmen, sind Unterfunktionen der Schilddrüse beschrieben worden.

Weil zu Behandlungsbeginn sehr viele Krebszellen zugleich zerfallen können (Tumorlysesyndrom), sollen ein bedeutsamer Flüssigkeitsmangel ausgeglichen und hohe Harnsäurewerte behandelt werden, bevor die Therapie beginnt.

Kontraindikationen

Imatinib ist kontraindiziert bei Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe. Eine allergische Reaktion kann sich in Form von Hautausschlag, Juckreiz, Atembeschwerden oder anaphylaktischem Schock äußern und erfordert ein sofortiges Absetzen des Medikaments.

Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz sollten Imatinib nur mit äußerster Vorsicht erhalten, da der Wirkstoff hauptsächlich in der Leber metabolisiert wird. Eine eingeschränkte Leberfunktion erhöht das Risiko für Leberschäden, sodass Blutbild und Leberwerte besonders sorgfältig überwacht werden müssen. Auch bei schwerer Niereninsuffizienz ist die Anwendung problematisch, da die Wirkstoffkonzentration im Blut dann erhöht sein kann.

Da Imatinib das Blutbild beeinflusst und zu Neutropenie oder Thrombozytopenie führen kann, ist bei Patienten mit einer bereits vorbestehenden schweren oder unbehandelten Myelosuppression – einer Hemmung der Blutbildung im Knochenmark – besondere Vorsicht geboten. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind essenziell, um das Risiko einer schweren Zytopenie zu minimieren. Wie oft es dazu kommt, hängt dabei wahrscheinlich vom Stadium der Erkrankung ab: In der akzelerierten Phase der chronischen myeloischen Leukämie und in der Blastenkrise traten solche Zytopenien häufiger auf als in der chronischen Phase.

Eine Schwangerschaft stellt eine relative Kontraindikation dar, da Imatinib fetotoxische Wirkungen zeigen kann. Frauen im gebärfähigen Alter müssen über die Notwendigkeit einer zuverlässigen Verhütung während der Behandlung und über deren Ende hinaus aufgeklärt werden. Während der Stillzeit darf Imatinib nicht angewendet werden, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und die Folgen für das Kind nicht bekannt sind.

Vorsicht ist zudem bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder schweren kardiovaskulären Erkrankungen geboten, da Imatinib Flüssigkeitsretention und Ödeme begünstigen kann, was die kardiale Belastung erhöht.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Imatinib wird hauptsächlich über das Cytochrom-P450-Enzymsystem in der Leber metabolisiert, insbesondere durch CYP3A4. Daher kann es mit Medikamenten interagieren, die dieses Enzym hemmen oder induzieren.

CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol, Itraconazol, Erythromycin und Clarithromycin können den Abbau von Imatinib verlangsamen und die Wirkstoffkonzentration im Blut erhöhen, was das Risiko von Nebenwirkungen wie Myelosuppression oder Leberschäden steigert. Umgekehrt führen CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut zu einem schnelleren Abbau von Imatinib und können dessen therapeutische Wirkung verringern.

Die gleichzeitige Anwendung mit Paracetamol kann das Risiko hepatotoxischer Effekte erhöhen, weshalb eine Kombination nur mit Vorsicht erfolgen sollte. Patienten, die Antikoagulanzien benötigen, sollen wegen des unter Imatinib erhöhten Blutungsrisikos Heparin statt eines Cumarin-Abkömmlings wie Warfarin erhalten.

Auch die Kombination mit anderen myelosuppressiven Medikamenten, wie bestimmten Zytostatika oder Immunsuppressiva, kann das Risiko einer schweren Neutropenie oder Thrombozytopenie erhöhen. Bei Patienten, die Antihypertensiva oder Diuretika einnehmen, besteht eine erhöhte Gefahr von Flüssigkeitsretention und Ödemen.

Da Imatinib zudem die Plasmaspiegel von Substraten des P-Glykoproteins beeinflussen kann, ist Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Digoxin oder Ciclosporin. Eine individuelle Dosisanpassung kann in vielen Fällen erforderlich sein, um unerwünschte Wechselwirkungen zu minimieren.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Imatinib nicht vertragen wird oder nicht ausreichend wirksam ist, stehen verschiedene alternative Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) zur Verfügung. Dazu gehören Dasatinib, Nilotinib, Bosutinib und Ponatinib, die insbesondere bei der Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) oder gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) eingesetzt werden. Diese Substanzen haben unterschiedliche Wirkspektren und Resistenzprofile, sodass eine Umstellung auf einen anderen TKI je nach Mutation oder Nebenwirkungsprofil sinnvoll sein kann.

Dasatinib ist eine Alternative für Patienten mit CML im chronischen oder fortgeschrittenen Stadium und wirkt auch bei einigen Imatinib-resistenten Mutationen. Nilotinib eignet sich ebenfalls für CML-Patienten und hat eine stärkere Bindung an das BCR-ABL-Protein als Imatinib. Bosutinib wird oft als Zweit- oder Drittlinientherapie eingesetzt, wenn andere TKI nicht vertragen werden oder unwirksam sind. Ponatinib wird insbesondere bei T315I-mutierten CML-Fällen angewendet, da diese Mutation oft Resistenzen gegen andere TKI zeigt.

Bei gastrointestinalen Stromatumoren kann bei Imatinib-Unverträglichkeit auf Sunitinib oder Regorafenib umgestellt werden. Falls keine TKI infrage kommen, kann eine Chemotherapie in Einzelfällen erwogen werden. Zusätzlich können weitergehende Maßnahmen wie Knochenmarktransplantationen oder experimentelle Therapien in klinischen Studien eine Option sein.

Quellen

  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das blaue Buch – Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Kreuzer, K.-A. (Hrsg.): Referenz Hämatologie.
    ISBN: 9783132400535
  • Eucker, J., Scholz, C. W. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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