BK-Virus

Das BK-Virus ist ein Polyomavirus. Diese beschreiben eine Gruppe von nackten Viruspartikeln mit einem DNA-Genom. Das Virus kommt auf der ganzen Welt vor und nahezu jeder Mensch hat sich mit dem Virus angesteckt, da es meist schon im Kindesalter übertragen wird und ein Leben lang persistiert. Das Virus ist der Auslöser der Polyomavirus-Nephropathie, kurz PVN.

Was ist das BK-Virus?

Das BK-Virus (kurz: HPyV-1) ist ein Virus, der auf der ganzen Welt vorkommt. Es gehört zur Familie der Polyomaviridae, sowie zu der Gattung Polyomavirus. Das Humane Polyomavirus 1 ist ein Synonym für das BK-Virus. Der Erreger wird wahrscheinlich im Kindesalter übertragen und gelangt dann anschließend in die Niere oder das Zentralen Nervensystem (ZNS), wo er schließlich das Leben lang persistiert.

Während seiner Persistenz kann sich das Virus vermehren. Dies geschieht aber nur, wenn der menschliche Körper unter einer Schwäche des Immunsystems leidet, wie es zum Beispiel bei AIDS oder auch einer Schwangerschaft der Fall ist. Deshalb wird das BK-Virus auch als opportunistischer Erreger bezeichnet.

Beim BK-Virus handelt es sich um einen nackten Viruspartikel, was heißt, dass es von keiner Lipidhülle umgeben ist. Darum ist der Erreger um einiges stabiler und resistenter gegen verschiedene Umwelteinflüsse als mit einer Lipidhülle umgebene Viren. Das Genom, das das Virus in sich trägt, ist eine doppelsträngige DNA.

Der Erreger wurde das erste Mal 1971 im Urin eines Patienten gefunden, dem eine Niere transplantiert wurde. Seine Initialien waren B. K., weswegen das Virus nach ihm benannt wurde.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Das BK-Virus kommt auf der gesamten Welt vor. Circa 75 Prozent der Weltbevölkerung tragen das Virus in sich. Anscheinend wird der Erreger im Kindesalter über Schmierinfektion mit Urin, Tröpfcheninfektion oder über verseuchtes Trinkwasser übertragen und bleibt ein Leben lang im Menschen persistent. Wird der Körper infiziert, so verbreitet sich das Virus in die Niere oder das Zentrale Nervensystem.

Bei einer ersten Infektion verläuft die Ansteckung durch das Virus bei gesunden Menschen ohne Symptome. Wird das Immunsystem des Menschen jedoch geschwächt, so kann es dazu kommen, dass der Erreger reaktiviert wird und sich vermehrt. Gehäuft wird eine Virusvermehrung auch bei einer Therapie mit Immunsuppressiva nach einer Nierentransplantation beobachtet. Eine BK-Nephropathie tritt dabei bei circa 5 Prozent der Nierentransplantierten auf, ungefähr 8 bis 13 Monate nach der Transplantation. Bei Vermehrung kommt es auch zu einer erhöhten Ansteckungsgefahr, da dann der Erreger vermehrt mit dem Urin ausgeschieden wird.

Das BK-Virus trägt keine Lipidhülle, damit wird das Virus resistenter gegenüber verschiedenen Umwelteinflüssen. Eine alleinige Desinfektion reicht zum Beispiel nicht aus, um das Anstecken mit dem Virus zu verhindern. Dazu bedarf es spezielle Desinfektionsmittel.

Das BK-Virus besitzt eine doppelsträngige DNA. Nur wenige Viren sind dabei unbehüllte DNA-Viren. Zu ihnen gehören noch die Adenoviren, das Humane Papillomavirus, sowie das zweite humanmedizinisch relevante Polyomavirus, das JC-Virus.

Die DNA kann in zwei Abschnitte untergliedert werden. Ein Abschnitt beinhaltet den nicht kodierenden Teil, der die Kontrollregion, die Vermehrung und Synthese der Viruspartikel reguliert. Der andere Abschnitt enthält den kodierenden Anteil der DNA. Dieser beinhaltet die viralen Proteine, wie die viralen Kapsidproteinen VP1, VP2, VP3 und ein sogenanntes Agnoprotein. Das Virusgenom wird von einem ikosaedrisch geformten Kapsid umgeben. Dabei handelt es sich um eine Proteinhülle, die die Virusform bildet sowie das Virus schützt. Das Kapsid ist aus den sogenannten Kapsomeren aufgebaut, diese wiederum sind aus den Kapsidproteinen VP1, VP2 oder VP3 aufgebaut.

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Krankheiten & Beschwerden

Das BK-Virus ist vor allem für die sogenannte Polyomavirus-Nephropathie verantwortlich. Dabei handelt es sich um eine Nierenerkrankung, die gehäuft nach Nierentransplantationen auftritt. Das Virus ist mit einer Durchseuchungsrate von fast 75 Prozent bei fast jedem Menschen vorhanden. Es persistiert in den Epithelzellen der Niere und vermehrt sich, wenn es zu einer Schwächung des Immunsystems kommt.

Diese Schwächung wird vor allem durch therapeutische Immunsuppression mittels Tacrolimus oder Mycophenolsäure hervorgerufen, welche typischerweise für eine Behandlung nach einer Nierentransplantation verwendet werden. Dabei werden die Epithelzellen geschädigt und gehen verloren. Der Erreger wird vermehrt mit dem Urin ausgeschieden, welcher andere Menschen mit dem Virus infizieren kann.

Es kommt zudem zu einer Entzündungsreaktion, die mit einer reduzierten Organfunktion einhergehen kann. Die Polyoma-assoziierte Nephropathie (PVN) manifestiert sich damit als tubulointerstitielle Nephritis, also als eine Entzündung der Niere. Zu Beginn der PVN, die bei 5 Prozent der Patienten nach einer Nierentransplantation auftritt, kommt es zunächst zu keinen Beschwerden. Wird das Blut untersucht, so können jedoch erhöhte Werte des Kreatinins auftreten, welche eine Verschlechterung der Nierenfunktion andeuten. In einigen Fällen kommt es zur Verengung des Harnleiters, infolgedessen kommt es zum Harnstau.

Wenn auch selten kann dennoch eine Entzündung der Harnblase auftreten. Weitere unspezifische Symptome sind Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen, sowie Flankenschmerzen. Im schlimmsten Fall kommt es zur Transplantatabstoßung.

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 21. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Elly kommentierte am 05.10.2017

Seit 20 Jahren leide ich, 39 Jahre alt, an einer aggressiven Form von Rheumatoider Arthritis. Da keines der üblichen Medikamente angeschlagen hat, bekam ich zuletzt die sogenannten Biologicals als Infusion und zusätzlich 15mg MTX einmal die Woche. Vor 14 Jahren mussten bereits beide Hüftgelenke durch künstliche Teps ersetzt werden. Eine Hüftpfanne musste letztes Jahr gewechselt werden. Da die alte so stark verrutscht war, musste das Loch im Knochen mit Fremdknochsubstanz aufgefüllt werden. Da ich nach der OP wieder Probleme beim Pipi machen hatte, bekam ich für anderthalb Tage einen Katheter. Nach sieben Tagen Entlassung, nach zwei Tagen zuhause fing ich beim Toilettengang an aus der Harnröhre zu bluten und es schmerzte auch sehr. Dann begann das Martyrium. Kein Arzt konnte je etwas im Urin nachweisen. Keine Blasenspiegelung hat eine Aufklärung herbeigeführt. Meine Blasenentzündung wurde immer schlimmer. Für die Ärzte war ich ein Rätsel. Das ganze zog sich jetzt über anderthalb Jahre hin. Es ging den ganzen Tag und die ganze Nacht alle fünf bis 15 Minuten auf Toilette. Irgendwann machte sich dann auch die rechte Niere bemerkbar und ich bekam starke Flankenschmerzen. Dann wieder ins Krankenhaus. Die Ärzte waren sehr erstaunt, dass ich mit dieser Blase überhaupt noch laufen konnte. Dann wieder Blasenspiegelung. Es wurden überall Proben genommen. Der rechte Harnleiter war auch stark entzündet, so dass dadurch die Niere gestaucht wurde. Ich bekam einen Dauerkatheter. Bekam dann Fieber und meine Blut- und Leberwerte wurden von Tag zu Tag schlechter. Keine der Proben aus der letzten Blasenspiegelung ergab irgendeinen Befund. Als ich kurz vor der Sepsis stand schickten mich die Urologen per Krankentransport zur Medizinischen Hochschule nach Hannover. Dort stellte man schnell fest, dass ich keine Immunglobuline mehr im Blut hatte. Diese wurden mir dann dort per Infusion wieder zugeführt. Dann hatten die Ärzte dort nur auf Verdacht nach dem BK Virus geforscht und siehe da, das war der Auslöser des ganzen Übels. Den Ärzten, von denen ich vorher behandelt wurde, war dieses Virus nicht einmal bekannt. Das heißt, darauf wird auch in keinem Labor getestet. In Hannover wurde mir auch mitgeteilt, das mein Fall so wohl noch nicht vorgekommen ist, da dieses Virus ja sonst nach einer Nierentransplantation, nach einer Chemo oder wenn man Aids hat, ausbrechen kann. Dies war alles nicht der Fall bei mir. Vielleicht hilft diese Niederschrift weiter im Umgang mit dem BK Virus.