Colchicin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Colchicin stellt den am längsten bekannten Wirkstoff zur Therapie von akuten Gichtanfällen dar. Das starke Spindelgift wird aus den Knollen und Samen der Herbstzeitlosen gewonnen.
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Was ist Colchicin?
Als Colchicin wird ein toxischer Wirkstoff aus der Gruppe der Tropolon-Alkaloide (natürlich vorkommende Verbindungen) bezeichnet, der vor allem aus den Samen und Knollen der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) extrahiert wird.
Colchicin kommt in erster Linie zur Vorbeugung und Therapie von akuten Gichtanfällen zum Einsatz. Der Wirkstoff verfügt über schmerzstillende und entzündungshemmende Eigenschaften, indem er als Spindelgift in die Mitose (Zellkernteilung) eingreift.
Colchicin selbst liegt als bitter schmeckendes, gelb-weißliches, amorphes oder kristallines und wasserlösliches Pulver vor, das sich unter Einwirkung von Licht dunkel verfärbt. Colchicin wird zum größten Teil über Galle und Stuhl ausgeschieden, ein kleinerer Teil über die Nieren; dabei unterliegt es einem enterohepatischen Kreislauf.
Pharmakologische Wirkung
Colchicin besitzt eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung, indem es bei einem akuten Gichtanfall die entzündlichen Prozesse in den Gelenken unterbindet und somit die Schmerzen minimiert.
Hierbei reduziert der Wirkstoff die Schmerzsymptomatik auf indirektem Weg. Bei einem akuten Gichtanfall liegt eine erhöhte Konzentration an Urat (Harnsäurekristallen) vor, die von den Makrophagen (Fresszellen) des Immunsystems phagozytiert (aufgenommen) werden. Dabei setzen diese Fresszellen Entzündungsmediatoren (entzündungsfördernde Substanzen) frei, wodurch die Schmerzen im Verlauf der Anfälle bedingt werden. Colchicin greift in diese Wirkungskette ein, indem es die Makrophagen daran hindert, die Harnsäurekristalle aufzunehmen, so dass weniger Entzündungsmediatoren freigesetzt werden. Vollständig geklärt ist der Wirkmechanismus nicht. Nach heutigem Kenntnisstand stört Colchicin darüber hinaus den Zusammenbau des Inflammasoms, eines Eiweißkomplexes in neutrophilen Granulozyten und Monozyten, der den Entzündungsbotenstoff Interleukin-1β aktiviert.
Der Wirkstoff beeinflusst anders als Urikosurika (fördern Harnsäureausscheidung) oder Urikostatika (hemmen die Harnsäurebildung) dabei nicht die Konzentration von Harnsäure im Blut. Zudem beeinträchtigt Colchicin als Zell- und Spindelgift die Mitose (Zellkernteilung) und hemmt den Aufbau der Mikrotubuli, einem wichtigen Bestandteil des Zytoskeletts von Eukaryonten, in den Zellen, indem es an das Protein Tubulin (Hauptbestandteil der Mikrotubuli) anbindet und so die Ausbildung des Spindelfaserapparates unterbindet.
Aufgrund dieser toxischen Wirkung wird der Einsatz von Colchicin mit einer Reihe von Nebenwirkungen assoziiert. So kann beispielsweise infolge der Mitosehemmung durch das Colchicin die Zellerneuerung der Epithelien des Dünndarms beeinträchtigt sein, weshalb sich gastrointestinale Beschwerden (Diarrhoe) manifestieren können. Entsprechend sollte im Rahmen einer Colchicin-Therapie in jedem Fall die geringstmögliche Dosierung zur Anwendung kommen.
Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung
Nach der Einnahme wird Colchicin rasch und nahezu vollständig aus dem Darm aufgenommen. Die höchsten Blutspiegel stellen sich üblicherweise nach 30 bis 120 Minuten ein. An Eiweiße im Blut gebunden sind etwa 30 Prozent des Wirkstoffs; der übrige Anteil steht dem Gewebe zur Verfügung. Colchicin reichert sich dabei bevorzugt in den weißen Blutkörperchen an, also genau in den Zellen, deren Wanderung und Aktivierung es hemmt.
Zwischen dem Erreichen des höchsten Blutspiegels und dem Einsetzen der spürbaren Wirkung liegt eine deutliche Spanne. Die Wirkung tritt etwa zwölf Stunden nach der Einnahme ein und ist nach ein bis zwei Tagen am stärksten. Die Fachinformationen führen diese Verzögerung nicht auf einen bestimmten Vorgang zurück; den Wirkmechanismus von Colchicin bei der Gicht bezeichnen sie ausdrücklich als noch nicht vollständig bekannt.
Ein Teil des Wirkstoffs wird in der Leber umgebaut; den Hauptweg der Ausscheidung bildet die Wanderung über Galle und Darm. Für den Umbau in der Leber ist das Isoenzym CYP3A4 zuständig, für den Weitertransport aus den Zellen das Protein P-Glykoprotein. Beide Eigenschaften machen Colchicin für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln besonders anfällig. Bei Störungen der Nieren- oder Leberfunktion ist die Gefahr einer Vergiftung zusätzlich erhöht; solche Patienten gelten in den deutschen Fachinformationen ausdrücklich als besonders gefährdet.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Colchicin wird in erster Linie zur Therapie und Vorbeugung von akuten Gichtanfällen eingesetzt. Darüber hinaus lassen sich in der Literatur weitere Einsatzgebiete wie das familiäre Mittelmeerfieber (rekurrente Polyserositis), Morbus Behçet (chronische Vaskulitis) oder rezidivierende Perikarditis (Herzbeutelentzündung) finden.
Homöopathische Aufbereitungen des Wirkstoffes können zudem zur äußerlichen Therapie bei akuten Gelenkbeschwerden im Rahmen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, Gelenkergüssen, gastrointestinalen Entzündungen oder Sehnenscheidenentzündungen zur Anwendung kommen. In aller Regel wird Colchicin in Tablettenform oder als Lösung oral appliziert. Zur Therapie eines akuten Gichtanfalls kommt bei einem Erwachsenen anfänglich 1 mg zum Einsatz, gefolgt von weiteren Einzelgaben zu 0,5 mg über den Tag verteilt. Die Behandlung wird beendet, sobald der Anfall abgeklungen ist; treten Durchfall oder Erbrechen auf, muss Colchicin sofort abgesetzt werden, da dies erste Anzeichen einer Vergiftung sein können.
Die Gesamtmenge je Behandlungszyklus ist dabei eng begrenzt, und ein neuer Zyklus darf erst nach einer Behandlungspause begonnen werden. Zur Vorbeugung von akuten Gichtanfällen kann Colchicin in niedriger Dosierung appliziert werden, wobei diese vorbeugende Behandlung auf die Einleitungsphase einer harnsäuresenkenden Therapie begrenzt bleibt.
Beendet wird die Behandlung eines akuten Anfalls ferner dann, wenn nach einigen Tagen keine Besserung eingetreten ist. Für Kinder und Jugendliche liegen keine Daten zur Langzeitsicherheit vor; in dieser Altersgruppe kommt Colchicin vor allem beim familiären Mittelmeerfieber infrage. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion wird die verordnete Menge herabgesetzt, und die Behandelten werden sorgfältig auf Anzeichen einer Unverträglichkeit hin beobachtet.
Ein weiteres Anwendungsgebiet hat sich außerhalb Europas entwickelt. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde hat im Juni 2023 ein Colchicin-Präparat in niedriger Stärke eigens dafür zugelassen, bei Erwachsenen mit gesicherter Arterienverkalkung oder mit mehreren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Eingriffe an den Herzkranzgefäßen und Tod aus Herz-Kreislauf-Ursache zu senken. Die deutschen Fachinformationen zu Colchicin-Tabletten führen dieses Anwendungsgebiet nicht auf; sie nennen den akuten Gichtanfall, dessen Vorbeugung während der Einleitung einer harnsäuresenkenden Behandlung und das familiäre Mittelmeerfieber.
Zudem kann eine tägliche Einnahme von Colchicin den Fieberschüben des familiären Mittelmeerfiebers und einer Amyloidose vorbeugen. Die letale Dosis schwankt stark; bei Erwachsenen liegt sie allgemein bei etwa 20 mg. Todesfälle sind aber bereits nach deutlich geringeren Mengen aufgetreten.
Verabreichung & Dosierung
Bei der Verabreichung und Dosierung von Colchicin ist besondere Vorsicht geboten, da es ein potenziell starkes Medikament ist, das insbesondere zur Behandlung akuter Gichtanfälle und seltenerer Erkrankungen wie familiärem Mittelmeerfieber eingesetzt wird. Die Dosierung sollte individuell angepasst werden, abhängig von der Schwere der Erkrankung und dem Zustand des Patienten.
Bei akuten Gichtanfällen wird üblicherweise mit einer höheren Anfangsdosis begonnen, der nach kurzer Zeit eine kleinere Nachdosis folgt. Bei Langzeittherapien, beispielsweise zur Gichtprophylaxe, wird eine niedrigere tägliche Dosis empfohlen.
Da Colchicin eine enge therapeutische Breite hat, können leicht Überdosierungen auftreten, die zu schweren Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und sogar Organversagen führen können. Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sollte die Dosierung reduziert oder das Medikament vermieden werden, da diese Bedingungen die Ausscheidung des Medikaments beeinträchtigen können.
Es ist auch wichtig, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen, insbesondere mit Medikamenten, die die Aktivität von CYP3A4-Enzymen beeinflussen, da dies das Risiko einer Colchicin-Toxizität erhöhen kann.
Risiken & Nebenwirkungen
Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen einer Colchicin-Therapie sind Diarrhoe (Durchfall), Emesis (Erbrechen), Übelkeit sowie Bauchschmerzen.
Beobachtet wurden zudem Beeinträchtigungen der Muskelfunktion (u.a. Muskelschwäche), Nierenschädigungen und Hautbeschwerden (Pruritus, Hautbrennen). Hohe Dosierungen führen in einigen Fällen zu Veränderungen des Blutbilds, Anämie, Haarausfall und/oder einem beeinträchtigten Nagelwachstum. Eine Therapie mit Colchicin ist bei Vorliegen einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, einer Schwangerschaft, schwer eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sowie bei Veränderungen des Blutbildes kontraindiziert. Bei Erkrankungen des gastrointestinalen Traktes und bei Beeinträchtigungen des Herzkreislaufs ist dagegen besondere Vorsicht geboten. Schwere Schädigungen des Knochenmarks können allmählich oder ganz plötzlich eintreten, weshalb regelmäßige Kontrollen des Blutbilds unerlässlich sind.
Wie gut die einzelnen unerwünschten Wirkungen mit Zahlen belegt sind, ist sehr unterschiedlich. Die deutschen Fachinformationen ordnen allein die Beschwerden des Magen-Darm-Trakts einer Häufigkeitsstufe zu: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gelten dort als häufig, treten also bei mindestens einem von 100, aber weniger als einem von zehn Behandelten auf. Für alle übrigen dort genannten Wirkungen lautet die Angabe „nicht bekannt“, das heißt, die Häufigkeit lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen. Zu dieser zweiten Gruppe gehören die Knochenmarkdepression mit Agranulozytose und aplastischer Anämie, ein Mangel an Vitamin B12, Schädigungen der peripheren Nerven, Schmerzen im Rachen- und Kehlkopfbereich, eine Lebertoxizität, Haarausfall und Hautausschlag, eine Muskelerkrankung bis hin zum Zerfall von Muskelgewebe sowie Störungen der Regelblutung und eine verminderte Zahl oder das Fehlen von Samenzellen.
Der Vitamin-B12-Mangel verdient bei längerer Anwendung besondere Aufmerksamkeit. Colchicin verändert die Funktion der Darmschleimhaut; dadurch kann die Aufnahme von Cyanocobalamin gestört werden. Diese Störung bildet sich nach dem Absetzen wieder zurück.
Für das Knochenmark nennen die deutschen Fachinformationen Warnzeichen, bei denen die Behandlung sofort abzubrechen und das Blut vollständig zu untersuchen ist: Fieber, eine Entzündung der Mundschleimhaut, Halsschmerzen oder anhaltende Blutungen. Treten punktförmige Hautblutungen auf, ist das Blutbild umgehend zu kontrollieren. Vor allem die aplastische Anämie ist dabei mit einer hohen Sterblichkeit verbunden.
Für die Anwendung beim akuten Gichtanfall und zu dessen Vorbeugung gilt eine Empfehlung zur Empfängnisverhütung für beide Geschlechter; beim familiären Mittelmeerfieber wägt die Fachinformation stattdessen Nutzen und Risiko gegeneinander ab, weil auch die unbehandelte Erkrankung die Fruchtbarkeit und eine Schwangerschaft beeinträchtigen kann. Wegen der Möglichkeit, dass Colchicin die Samenzellen schädigt, sollen männliche Patienten während der Behandlung und noch für eine geraume Zeit danach kein Kind zeugen; tritt in diesem Zeitraum dennoch eine Schwangerschaft ein, wird eine genetische Beratung empfohlen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter reicht die Empfehlung zur zuverlässigen Verhütung ebenfalls über das Ende der Behandlung hinaus.
Da Colchicin durch das Isoenzym CYP3A4 metabolisiert (abgebaut) und vom Multidrug-Resistance-Protein 1 (MDR1 bzw. P-gp) transportiert wird, müssen bei einer Therapie mit dem Wirkstoff zahlreiche relevante Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln berücksichtigt werden. So kann eine parallele Therapie mit CYP3A4- (u.a. Ciclosporin, Makrolide) oder P-gp-Inhibitoren (u.a. Ranolazin) einen Anstieg der Plasmakonzentration sowie ausgeprägte Vergiftungen bedingen.
Kontraindikationen
Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Colchicin umfassen bestimmte gesundheitliche Bedingungen und Medikamentenwechselwirkungen, die die Sicherheit des Medikaments beeinträchtigen könnten. Bei Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz ist Colchicin kontraindiziert; sie sind einem besonderen Toxizitätsrisiko ausgesetzt. Auch bei Patienten, die starke CYP3A4-Hemmer oder P-Glykoprotein-Inhibitoren einnehmen (z. B. bestimmte Antibiotika oder Antimykotika), ist Vorsicht geboten, da diese die Colchicin-Konzentration erhöhen können. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist eine solche Kombination nach Möglichkeit ganz zu vermeiden, denn nach gleichzeitiger Einnahme sind Vergiftungen bis hin zu Todesfällen aufgetreten.
Weiterhin ist Colchicin bei Patienten mit bekannten Überempfindlichkeitsreaktionen gegen den Wirkstoff kontraindiziert. Bei Gicht soll Colchicin in der Schwangerschaft nicht angewendet werden und kommt nur infrage, wenn andere Mittel ausscheiden; Frauen im gebärfähigen Alter benötigen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütung. Bei Gicht soll Colchicin auch in der Stillzeit nicht angewendet werden; bei familiärem Mittelmeerfieber ist abzuwägen, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird. Auch Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen, wie Geschwüren oder schweren Entzündungen, sollten das Medikament mit Vorsicht anwenden, da Colchicin gastrointestinale Nebenwirkungen verstärken kann.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Colchicin kann Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten aufweisen, insbesondere mit denen, die die CYP3A4-Enzyme und P-Glykoprotein beeinflussen. Medikamente wie Makrolid-Antibiotika (z. B. Clarithromycin), Kalziumkanalblocker (z. B. Verapamil) und Antimykotika (z. B. Ketoconazol) hemmen das CYP3A4-Enzym und können den Colchicin-Spiegel erhöhen, was das Risiko für Toxizität erhöht. Auch Statine und Fibrate, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, können in Kombination mit Colchicin das Risiko für Muskelschäden (Rhabdomyolyse) erhöhen.
Nicht nur Arzneimittel kommen als Gegenspieler in Betracht. Grapefruitsaft kann die Colchicin-Spiegel im Blut erhöhen und sollte deshalb nicht zusammen mit dem Wirkstoff eingenommen werden. Für Azithromycin ist berichtet worden, dass die gleichzeitige Anwendung zu erhöhten Colchicin-Spiegeln führt; während und nach einer solchen Behandlung sind eine klinische Nachuntersuchung und gegebenenfalls eine Kontrolle der Blutspiegel erforderlich. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion soll die gleichzeitige Anwendung von Hemmstoffen des P-Glykoproteins oder von starken CYP3A4-Hemmstoffen vermieden werden; bei normaler Nieren- und Leberfunktion kann stattdessen eine Anpassung der Colchicin-Menge nötig werden.
Es ist wichtig, bei der Einnahme von Colchicin die gleichzeitige Einnahme solcher Medikamente zu vermeiden oder die Dosierung anzupassen, um schwere Nebenwirkungen zu verhindern. Mit Clarithromycin darf Colchicin gar nicht kombiniert werden; nach gleichzeitiger Einnahme sind Vergiftungen beschrieben worden, die zum Teil tödlich verliefen.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn Colchicin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen nicht verwendet werden kann, stehen bei der Behandlung von Gicht oder verwandten Erkrankungen verschiedene alternative Optionen zur Verfügung.
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac sind eine gängige Alternative zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Diese Medikamente wirken durch die Hemmung von Entzündungsmediatoren, was zu einer schnellen Linderung der Symptome führen kann. Allerdings sind NSAR bei Patienten mit Magen-Darm-Problemen oder Niereninsuffizienz mit Vorsicht einzusetzen.
Corticosteroide wie Prednison werden ebenfalls häufig als Alternative zu Colchicin eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und können sowohl oral als auch intraartikulär (direkt ins Gelenk) verabreicht werden. Diese Medikamente werden oft bei akuten Gichtanfällen verwendet, insbesondere wenn andere Mittel kontraindiziert sind.
Interleukin-1-Hemmer wie Anakinra oder Canakinumab stellen eine weitere Option dar. Sie greifen gezielt in den Entzündungsprozess ein, indem sie das Zytokin Interleukin-1 blockieren, das eine zentrale Rolle bei der Entzündung während eines Gichtanfalls spielt. Diese Medikamente sind jedoch in der Regel teurer und kommen meist bei therapieresistenten Fällen zum Einsatz.
Darüber hinaus können Lebensstiländerungen, wie eine purinarme Ernährung und eine gute Hydration, unterstützend wirken, um die Häufigkeit und Schwere von Gichtanfällen zu reduzieren.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804746541
- Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Marquardt, H., Schäfer, S. G., Barth, H. (Hrsg.): Toxikologie.
ISBN: 9783804736573
