Clarithromycin

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei dem medizinischen Wirkstoff Clarithromycin handelt es sich um ein Makrolidantibiotikum. Das Mittel dient in erster Linie zur Therapie von bakteriellen Atemwegsinfektionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Clarithromycin?

Clarithromycin
Bei dem medizinischen Wirkstoff Clarithromycin handelt es sich um ein Makrolidantibiotikum. Das Mittel dient in erster Linie zur Therapie von bakteriellen Atemwegsinfektionen.

Clarithromycin gehört der Wirkstoffgruppe der Makrolidantibiotika an. Es bewirkt eine Hemmung der Translokation und stört die Proteinsynthese der Bakterien, wodurch es seine bakteriostatische Wirksamkeit erzielt. Eine typische Eigenschaft der Makrolide ist, dass sie intrazellulär wirken und zu den Breitbandantibiotika zählen.

Die Entwicklung von Clarithromycin fand in den 1970er Jahren durch den japanischen Konzern Taisho Pharmaceutical statt. Als Vorbild für das Präparat diente das Antibiotikum Erythromycin. Im Jahr 1980 konnte das Medikament schließlich patentiert werden. Bis zur Vermarktung in Japan dauerte es allerdings noch bis 1991. Noch im gleichen Jahr kam das Mittel auch in den USA auf den Markt. Im weiteren Verlauf schloss sich die Zulassung auf der ganzen Welt an. Der Patentschutz von Clarithromycin endete in Europa 2004. Danach wurden zahlreiche Generika mit dem Makrolidantibiotikum herausgebracht.

Der Wirkstoff ist in Deutschland verschreibungspflichtig und in zahlreichen Zubereitungen verfügbar. Zugelassen sind die Filmtabletten bei Infektionen, die durch empfindliche Erreger verursacht werden und einer Behandlung über den Mund zugänglich sind. Die Fachinformation fasst sie in drei Gruppen: Infektionen der Atemwege, darunter die akute und die chronische Bronchitis, die Lungenentzündung und die sogenannte atypische Lungenentzündung durch Mykoplasmen; Infektionen im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich, darunter die Mandelentzündung, die Rachenentzündung und die Nasennebenhöhlenentzündung; sowie Infektionen der Haut, darunter die Eiterflechte, die Wundrose, schwere Entzündungen der Haarfollikel und Wundinfektionen. Andere in Deutschland angebotene Clarithromycin-Filmtabletten haben ein enger gefasstes Anwendungsgebiet: Sie sind nur vorgesehen, wenn eine Überempfindlichkeit gegen Beta-Lactam-Antibiotika besteht oder diese aus anderen Gründen nicht geeignet sind.

Pharmakologische Wirkung

Clarithromycin verfügt über die Eigenschaft, die Vermehrung der Bakterien zu bremsen. Zu diesem Zweck dringt der Wirkstoff in die Bakterienzellen ein. Dort sorgt er dafür, dass die Keime keine Proteine (Eiweiße) mehr produzieren können. Diese Hemmung des Bakterienwachstums bewirkt letztlich, dass das menschliche Abwehrsystem die von den Bakterien hervorgerufene Infektion zurückdrängt.

Im Unterschied zu Erythromycin kann Clarithromycin seine Wirkung gegen noch mehr Bakterien entfalten. So wirkt es sowohl gegen luftatmende (aerobe) als auch gegen nicht-luftatmende (anaerobe) Stämme von gramnegativen und grampositiven Bakterien. Ferner ist das Antibiotikum stabil gegen Magensäure und kann daher im Magen nicht zerfallen. Weil es außerdem gewebegängiger ist, lässt sich ein effektiveres Erreichen der Zielorte ermöglichen. Aus diesem Grund erreicht Clarithromycin bei gleicher Dosierung einen besseren Wirkeffekt als Erythromycin. In den meisten Geweben liegt die Wirkstoffkonzentration ein Mehrfaches über der im Blut; allein in das Zentralnervensystem dringt Clarithromycin nur unzureichend ein.

Die Aufnahme von Clarithromycin in den menschlichen Darm findet schon nach kurzer Zeit statt. Von dort aus gelangt das Makrolidantibiotikum ins Blut. Zum Teil erfolgt die Verstoffwechslung des Medikaments in der Leber.

Die Hälfte des aufgenommenen Clarithromycins hat den Körper nach etwa vier Stunden wieder verlassen. Insgesamt gelangt das Antibiotikum zu 75 Prozent über den Stuhl und zu 25 Prozent über den Urin aus dem Organismus.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zum Einsatz kommt Clarithromycin gegen Infektionen mit Bakterien, die empfindlich auf Makrolidantibiotika reagieren. Dabei lässt sich das Mittel gegen Atemwegsinfektionen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung, Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Rachenentzündungen, Mandelentzündungen, Wundinfektionen, eine Wundrose und Haarfollikelentzündungen darreichen.

Weitere Indikationen sind Abszesse, eine Eiterflechte (Impetigo) sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, die von dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht werden. Dabei kommt das Mittel gemeinsam mit Metronidazol, Amoxicillin oder Omeprazol zur Anwendung. Für den ersten Behandlungsversuch empfiehlt die deutsche Leitlinie zur Helicobacter-pylori-Infektion allerdings vorrangig eine Bismut-haltige Vierfachtherapie; eine Clarithromycin-haltige Dreifachtherapie wird dafür wegen der Resistenzlage in Deutschland nicht mehr empfohlen.

Darüber hinaus findet Clarithromycin Verwendung, wenn eigentlich effizientere Antibiotika nicht verabreicht werden können, etwa weil der Patient unverträglich auf sie reagiert. Das gilt auch für eine Resistenz der Erreger gegenüber dem anderen Antibiotikum. Zumeist ist dies bei mittelschweren Hautinfektionen oder einer von Streptokokken hervorgerufenen Mandelentzündung der Fall.

Die Verabreichung von Clarithromycin findet in der Regel durch Tabletten statt. Bei Bedarf lässt sich das Antibiotikum aber auch in Form von Infusionen oder Injektionen darreichen, falls die Patienten Schwierigkeiten beim Schlucken haben. Alternativ kann Clarithromycin zudem als Saft oder Granulat eingenommen werden. Weiterhin gibt es Retardtabletten, bei deren Anwendung der Wirkstoff langsamer freigesetzt wird. Dabei braucht der Patient das Medikament nur ein Mal am Tag einzunehmen.

Die Dauer der Clarithromycin-Behandlung beträgt gewöhnlich 6 bis 14 Tage, je nach Ausmaß der Erkrankung. Die empfohlene Dosis liegt bei zwei Mal 250 Milligramm Clarithromycin pro Tag. Bei Bedarf kann die Dosis vom Arzt allerdings auch auf das Doppelte gesteigert werden. Bessern sich die Beschwerden, muss Clarithromycin dennoch bis zum Ende der vorgeschriebenen Therapie eingenommen werden, um möglichen Rückfällen entgegenzuwirken.


Risiken & Nebenwirkungen

Bei einigen Patienten kann es durch die Einnahme von Clarithromycin zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören hauptsächlich vorübergehende Verfärbungen der Zunge, Störungen des Geruchssinns, Geschmacksstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden wie Magendruck, Blähungen oder Bauchschmerzen, Kopfschmerzen sowie ein Pilzbefall im Mund.

Als gelegentliche Nebeneffekte gelten zeitweiliger Hörverlust, Tinnitus, Nesselsucht, Juckreiz, Hautausschläge, Gelenkschwellungen, Schwellungen im Gesicht, Störungen der Leberfunktion, Gelbsucht (Ikterus) und Gallenstau. Auch Krampfanfälle sind beschrieben; wie häufig sie auftreten, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen.

Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich sind darauf zurückzuführen, dass auch nützliche Darmbakterien von Clarithromycin beeinträchtigt werden. Dadurch kann es zu Verdauungsproblemen kommen.

Von der Anwendung Clarithromycins ist abzusehen, wenn der Patient unter einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Makrolidantibiotika leidet. Nicht gestattet ist zudem die Einnahme des Mittels im Falle eines niedrigen Kaliumspiegels. Ansonsten besteht die Gefahr von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. Gleiches gilt für eine verlangsamte Erregungsrückbildung am Herzen.

Auch in der Schwangerschaft darf Clarithromycin nur mit Erlaubnis des Arztes eingenommen werden. Denn es ließ sich die Unbedenklichkeit des Antibiotikums in der Schwangerschaft noch nicht bestätigen. In der Stillzeit kann das Mittel in die Muttermilch und damit in den Körper des Babys übergehen, was bei ihm mitunter Durchfall oder eine Darmentzündung zur Folge hat.

Clarithromycin hemmt in der Leber das Enzym CYP3A4, über das viele Arzneistoffe abgebaut werden. Es zählt zu den starken Hemmstoffen dieses Enzyms. Wird ein solcher Arzneistoff gleichzeitig eingenommen, reichert er sich im Blut an, und seine Wirkungen wie seine Nebenwirkungen fallen stärker aus. Clarithromycin darf daher nicht zusammen mit Astemizol, Cisaprid, Domperidon, Pimozid und Terfenadin gegeben werden, da sonst lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen drohen, ebenso wenig mit Mutterkornalkaloiden wie Ergotamin oder Dihydroergotamin, mit Midazolam zum Einnehmen, mit Colchicin, mit Ticagrelor, Ivabradin, Ranolazin und Lomitapid. Auch die Cholesterinsenker Simvastatin und Lovastatin sind ausgeschlossen, da gemeinsam mit Clarithromycin ein schwerer Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) auftreten kann.

Diese Eigenschaft gilt nicht für alle Makrolide gleichermaßen: Azithromycin greift kaum in dieses Enzymsystem ein, sodass die Wechselwirkungen, die Clarithromycin und Erythromycin über diesen Abbauweg auslösen, dort nicht zu erwarten sind. Andere Vorsichtsmaßnahmen gelten dagegen auch für Azithromycin: Von der Kombination mit Mutterkornalkaloiden wird ebenfalls abgeraten, und zusammen mit Arzneimitteln, die die Erregungsrückbildung am Herzen verzögern, soll es nicht angewendet werden.

Die gleichzeitige Einnahme von weiteren Makrolidantibiotika und Clarithromycin führt dazu, dass der Wirkstoff in seiner Aktivität gehemmt wird. Darüber hinaus sprechen die Bakterien oftmals nicht mehr auf die eingenommenen Antibiotika an und werden resistent gegen Clarithromycin.

Auf eine Kreuzresistenz ist dabei nicht nur gegenüber anderen Makroliden zu achten, sondern auch gegenüber Lincomycin und Clindamycin; die gleichzeitige Gabe mehrerer Präparate aus diesem Kreis ist deshalb nicht zu empfehlen.

Über die bereits genannten unerwünschten Wirkungen hinaus verdienen drei Gruppen besondere Beachtung. Die erste betrifft die Leber. Berichtet wurden Leberfunktionsstörungen einschließlich erhöhter Leberenzymwerte sowie Schädigungen der Leberzellen und eine Leberentzündung mit Gallestau, mit oder ohne Gelbsucht. Diese Störungen können schwer ausfallen, bilden sich aber in der Regel zurück. In Einzelfällen wurde über ein tödlich verlaufendes Leberversagen berichtet, das meist mit schweren Grunderkrankungen oder mit weiteren leberschädigenden Arzneimitteln in Zusammenhang stand. Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Gelbsucht, dunkler Urin, Juckreiz oder ein druckempfindlicher Bauch verlangen den sofortigen Abbruch der Behandlung.

Die zweite Gruppe betrifft schwere Überempfindlichkeits- und Hautreaktionen. Neben der Anaphylaxie sind die akute generalisierte exanthematische Pustulose, das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse und das Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen beschrieben. Auch hier ist die Behandlung unverzüglich abzubrechen.

Die dritte Gruppe betrifft den Darm. Wie unter nahezu allen antibakteriellen Arzneimitteln wurde über eine pseudomembranöse Kolitis berichtet, die von leicht bis lebensbedrohlich verlaufen kann. Ursache ist eine Veränderung der normalen Darmflora, die ein übermäßiges Wachstum des Bakteriums Clostridioides difficile begünstigt. Bemerkenswert ist der zeitliche Abstand: Ein solcher Durchfall kann noch Wochen nach dem Ende der Behandlung auftreten, weshalb bei Durchfällen nach einer zurückliegenden Antibiotikabehandlung zu fragen ist.

Verabreichung & Dosierung

Clarithromycin wird bei den Filmtabletten in gleichmäßigen Abständen über den Tag verteilt eingenommen, damit der Wirkstoffspiegel möglichst gleichmäßig bleibt. Bei Nasennebenhöhlenentzündungen und bei schwereren Verlaufsformen von Atemwegsinfektionen sieht die Fachinformation eine höhere Einzelmenge vor als bei den übrigen Anwendungsgebieten. Bei einer mittelschweren bis schweren Einschränkung der Nierenfunktion ist die Menge zu verringern; diese Behandlung soll nur unter genauer ärztlicher Beobachtung erfolgen.

Die Filmtabletten sind für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Für jüngere Kinder stehen die flüssigen Zubereitungen zur Verfügung, deren Menge sich nach dem Körpergewicht richtet.

Bei einer im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündung soll Clarithromycin nicht allein, sondern zusammen mit weiteren geeigneten Antibiotika gegeben werden. Für die Anwendungsgebiete insgesamt gilt der Vorbehalt der Fachinformation, dass die offiziellen Richtlinien zur sachgemäßen Anwendung antibakterieller Wirkstoffe zu berücksichtigen sind.

Kontraindikationen

Die Gegenanzeigen des Clarithromycins zerfallen in drei Gruppen. Die erste ist die Überempfindlichkeit gegenüber Makrolid-Antibiotika oder gegenüber einem sonstigen Bestandteil des Arzneimittels.

Die zweite und weitaus umfangreichste Gruppe umfasst Arzneimittel, die nicht gleichzeitig eingenommen werden dürfen. Ausgeschlossen ist die gleichzeitige Einnahme mit Ticagrelor, Ivabradin und Ranolazin, mit den bereits genannten Wirkstoffen Astemizol, Cisaprid, Domperidon, Pimozid und Terfenadin, mit Mutterkornalkaloiden, mit Midazolam zum Einnehmen, mit Lomitapid, mit Colchicin sowie mit jenen Cholesterinsenkern aus der Gruppe der Statine, die weitgehend über das Enzym CYP3A4 abgebaut werden. Bei Colchicin liegen Berichte über Vergiftungen nach gleichzeitiger Einnahme vor, insbesondere bei älteren Menschen und bei eingeschränkter Nierenfunktion; einige davon verliefen tödlich.

Die dritte Gruppe betrifft Eigenschaften der behandelten Person. Clarithromycin darf nicht angewendet werden bei einer angeborenen oder nachgewiesenen erworbenen Verlängerung der QT-Zeit sowie bei ventrikulären Herzrhythmusstörungen in der Vorgeschichte. Ebenso ausgeschlossen ist die Anwendung bei einem Mangel an Kalium oder Magnesium im Blut; die Fachinformation nennt dafür ausdrücklich das Risiko einer Verlängerung der QT-Zeit. Schließlich darf der Wirkstoff nicht eingenommen werden, wenn eine schwere Leberschwäche mit einer eingeschränkten Nierenfunktion zusammentrifft.

Von den Gegenanzeigen zu unterscheiden sind die Umstände, die Vorsicht verlangen. Dazu zählen die koronare Herzkrankheit, eine schwere Herzschwäche, Reizleitungsstörungen und ein deutlich verlangsamter Herzschlag sowie die gleichzeitige Einnahme weiterer Arzneimittel, die die QT-Zeit verlängern, ohne ausdrücklich verboten zu sein. Untersuchungen zum Risiko unerwünschter Ereignisse am Herz-Kreislauf-System unter Makroliden haben unterschiedliche Ergebnisse erbracht; einige Beobachtungsstudien fanden ein seltenes, kurzzeitiges Risiko für Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkte. Vorsicht gilt ferner bei eingeschränkter Leberfunktion, bei der die Leberwerte sorgfältig zu überwachen sind, sowie bei schwerer Nierenschwäche. Eine besondere Stellung nehmen zwei Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Triazolobenzodiazepine ein: Während Midazolam zum Einnehmen ausdrücklich ausgeschlossen ist, verlangt die gleichzeitige Anwendung von Triazolam sowie von Midazolam in die Vene oder über die Mundschleimhaut lediglich Vorsicht. Die Darreichungsform entscheidet hier also darüber, ob eine Gegenanzeige oder ein Warnhinweis vorliegt.

Alternative Behandlungsmethoden

Welcher Wirkstoff an die Stelle des Clarithromycins treten kann, hängt vom Anlass ab. Geht es um eine Unverträglichkeit gegen die Stoffgruppe, scheiden die übrigen Makrolide aus, und wegen der möglichen Kreuzresistenz kommen auch Lincomycin und Clindamycin nur eingeschränkt in Betracht. Geht es dagegen allein um die Wechselwirkungen, ist Azithromycin die naheliegende Wahl, weil es in das Enzymsystem der Leber kaum eingreift.

Bei Infektionen der Haut und der Weichteile von leichtem bis mäßigem Schweregrad ist ein Makrolid ohnehin nicht die erste Wahl. Diese Infektionen werden meist durch Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes ausgelöst, die gegen Makrolide unempfindlich sein können; deshalb sind Empfindlichkeitsprüfungen angezeigt. Können Beta-Lactam-Antibiotika wegen einer Allergie nicht angewendet werden, kann Clindamycin das Mittel der ersten Wahl sein. Makrolide kommen in diesem Bereich nur noch bei bestimmten Erregern, bei der Akne und bei der Wundrose in Betracht sowie dann, wenn kein Penicillin gegeben werden kann.

Bei Atemwegsinfektionen bleibt Clarithromycin dagegen ein gebräuchliches Mittel, vor allem bei der sogenannten atypischen Lungenentzündung durch Mykoplasmen, die auf Beta-Lactam-Antibiotika nicht anspricht. Bei der Beseitigung von Helicobacter pylori ist der Wirkstoff dagegen aus dem ersten Behandlungsversuch verdrängt worden; hier steht heute eine Vierfachkombination im Vordergrund.

Wie bei jedem Antibiotikum gilt schließlich, dass ein erheblicher Teil der Atemwegsinfektionen durch Viren verursacht wird. Gegen sie ist Clarithromycin wirkungslos, und seine Anwendung brächte allein die Nebenwirkungen und den Beitrag zur Entstehung unempfindlicher Erreger mit sich. Auch die Anwendung gegen Helicobacter pylori kann zur Auswahl unempfindlicher Erreger führen; gerade diese Entwicklung hat in Deutschland dazu geführt, dass die Clarithromycin-haltige Dreifachkombination für den ersten Behandlungsversuch nicht mehr empfohlen wird. Die Resistenzlage ist damit kein Nebenaspekt des Wirkstoffs, sondern bestimmt seinen heutigen Stellenwert unmittelbar mit.


Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228
  • Brodt, H.-R., Simon, C. (Hrsg.): Infektionstherapie.
    ISBN: 9783132423435
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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