Geschlechtsumwandlung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Transsexuelle Menschen leben oft mit dem starken Wunsch, in ihrem empfundenen Geschlecht zu leben und darin anerkannt zu sein. Zu diesem Zweck dient dann auch eine Geschlechtsumwandlung, die mit hormonellen oder auch chirurgischen Möglichkeiten die äußerliche Annäherung an das empfundene Geschlecht ermöglicht. Auch intersexuelle Menschen können sich für eine geschlechtsangleichende Operation entscheiden, um das eigene Geschlecht besser definieren zu können.
Was ist die Geschlechtsumwandlung?
Unter einer Geschlechtsumwandlung wird begrifflich die Umwandlung eines biologischen Geschlechtes durch hormonelle und operative Maßnahmen verstanden. Durch diese Eingriffe werden die körperlichen Geschlechtsmerkmale an das empfundene Geschlecht angeglichen. Warum manche Menschen eine von ihrem Körper abweichende Identität fühlen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig erklärt.
Nach einigen Hypothesen wird den Hormonen eine tragende Rolle bei der Ausbildung der Geschlechtsidentität zugewiesen. Bereits im Mutterleib sollen Geschlechtshormone die spätere Geschlechtsidentität prägen. Wenn diese Hormone entgegen dem herausgebildeten Körpergeschlecht wirken, so wäre die spätere Identifizierung mit dem anderen Geschlecht schon frühzeitig angelegt. Menschen fühlen sich dann in einem ihnen fremden Körper gefangen. Diese Gefühle führen bei einigen von ihnen zu operativen und hormonellen Geschlechtsumwandlungen, so dass sie im Ergebnis nach äußeren Merkmalen in ihrem gewünschten Geschlecht leben.
Diese Geschlechtsumwandlungen führen zur Unfruchtbarkeit. Trotzdem suchen immer mehr Menschen nach Möglichkeiten, das von ihnen empfundene Missverhältnis zwischen ihrem Körper und ihrem gefühlten Geschlecht zu beseitigen. Mit zunehmender Erfahrung auf dem Gebiet der Geschlechtsumwandlung stehen diesen Menschen heute mehr Behandlungsmöglichkeiten offen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Jedoch fällt die individuelle Wirkung der Hormone bei jedem Patienten anders aus. Bei Mann-zur-Frau Umwandlungen werden weibliche Hormone dem männlichen Körper zugeführt. Durch diese Östrogene kommt es zu einer Abnahme der Libido und das Brustwachstum wird eingeleitet. Die endgültige Brustgröße kann nicht von der Menge der eingenommenen Hormone beeinflusst werden. Sie hängt von der persönlichen Veranlagung ab. Auch kommt es zu einer weiblichen Fettverteilung, wobei dem natürlich durch den männlichen Knochenbau Grenzen gesetzt sind. Die Stimmlage verändert sich nicht, eine höhere Stimme kann nur durch Stimmtraining erreicht werden.
Noch vorhandene männliche Hormone können durch ein Antiandrogen gehemmt werden. Auch nach der Hodenentfernung müssen weiterhin Östrogene in ärztlich festgelegter Dosierung eingenommen werden. Führt die Hormontherapie nur zu relativ kleinen Brüsten, so kann operativ eine Brustvergrößerung durchgeführt werden. Die Grundoperation ist jedoch bei den Mann-zur-Frau Umwandlungen die Formung einer Vagina aus der Penishaut. Mit der Penisinversions-Methode werden ein Teil der Eichel und entsprechende Blutgefäße entfernt und als neue Klitoris wieder eingenäht. Die Harnröhre wird gekürzt. Hoden und Schwellkörper am Penisschaft entfernt man komplett.
Der Hodensack dient dazu, die Schamlippen zu formen. Die Operation der Geschlechtsumwandlung bezieht sich nur auf äußere Merkmale. Innere Geschlechtsorgane können nicht umgewandelt werden. Es gibt auch kombinierte Methoden, wobei die Klitoris auch aus der Eichel, Nerven und Gefäßen des Penisrückens gebildet wird. Jedoch wird das komplette Material verwendet, um die weiblichen Geschlechtsmerkmale zu formen. So kann eine tiefere Scheide erreicht werden. Ist der Adamsapfel im Hals sehr groß, so kann er durch einen kleinen chirurgischen Eingriff verkleinert werden.
Weiterhin gibt es plastisch- chirurgische Eingriffe, die die optische Wirkung als Frau noch verbessern. Dazu gehören Gesichtsoperationen, welche die Nase schmaler gestalten oder die Wangenknochen anheben. Hüften können mit Einlagen gepolstert werden. Auch kann es zur Entfernung der unteren Rippen kommen, um die Taille schmaler zu halten. Bei Frau-zu-Mann Umwandlungen bewirkt das Hormon Testosteron im Verlauf der Behandlung eine deutliche Vermännlichung.
Der Haarwuchs verstärkt sich und die Stimme wird deutlich dunkler. Genitalien so aufzubauen, dass sie männlich erscheinen, ist ein komplizierter Prozess. Zunächst werden zumeist die weiblichen Geschlechtsorgane (Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke) entfernt, da für die dauerhafte Hormonbehandlung ein erhöhtes Krebsrisiko angenommen wird. Gegebenenfalls kann aus den Schamlippen ein Hodensack geformt werden. Aus eigenem Gewebe wird ein Penoid geformt und die Harnröhre bis an die Spitze verlängert. Es gibt mittlerweile verschiedene Methoden, um eine penisähnliche Muskulatur aufzubauen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Auch die Hormonbehandlungen können nicht zu vernachlässigende Nebenwirkungen bergen und sogar gegenteilige Wirkungen erzielen. Antiandrogene können zu Antriebsminderungen, Müdigkeit und Osteoporose führen. Östrogene können die Leber nachhaltig belasten. Zu hohe Dosierungen der Hormongaben können sich nachteilig auf die physische Gesundheit des Körpers auswirken. Dazu kommen die psychischen Belastungen einer Geschlechtsumwandlung.
Hormone wirken auch auf die Psyche und die Gefahr psychischer Erkrankungen, wie beispielsweise Depressionen, ist nicht gering. Die vollzogene Geschlechtsumwandlung kann auch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, wodurch die Psyche des Betroffenen schwer belastet wird.
Begriff und heutige Bezeichnung
Das Wort „Geschlechtsumwandlung“ stammt aus einer älteren Sprachschicht und wird heute im medizinischen Zusammenhang kaum noch verwendet. Üblich sind stattdessen Begriffe wie geschlechtsangleichende Behandlung, geschlechtsangleichende Operation oder – für den gesamten Prozess – Transition. Der Grund für den Wechsel liegt weniger in der Höflichkeit als in der Sache: Es wird kein Geschlecht „umgewandelt“, sondern der Körper wird dem Geschlecht angeglichen, in dem der betreffende Mensch lebt und sich empfindet. Auch die Rede vom „falschen Körper“ gilt vielen Betroffenen als unzutreffende Verkürzung.
Ebenso wichtig ist, dass es den einen Weg nicht gibt. Manche trans Menschen wünschen sich alle verfügbaren körperlichen Maßnahmen, andere nur eine Hormontherapie, wieder andere ausschließlich eine Änderung von Vornamen und Personenstand und gar keine körperliche Behandlung. Eine Behandlung ist keine Voraussetzung dafür, dass die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen ernst genommen wird. Der medizinische Teil der Transition ist damit ein Angebot und keine Pflichtstrecke.
Ablauf und Voraussetzungen
Geschlechtsangleichende Maßnahmen werden nicht auf Zuruf begonnen. Am Anfang steht in aller Regel eine ausführliche Diagnostik und Beratung, meist durch Fachleute aus Psychiatrie und Psychotherapie, die auf dieses Feld spezialisiert sind. Geklärt wird dabei, wie beständig der Wunsch ist, welche Maßnahmen überhaupt gewünscht werden, welche Erwartungen mit ihnen verbunden sind und ob weitere Erkrankungen vorliegen, die zuerst behandelt werden sollten. Die Beratung dient ausdrücklich nicht dazu, den Wunsch in Frage zu stellen, sondern eine tragfähige Entscheidung vorzubereiten.
Die Behandlung selbst ist ein Zusammenspiel mehrerer Fachgebiete. Für die Hormonbehandlung ist die Endokrinologie zuständig, für Eingriffe an den Geschlechtsorganen je nach Ausgangslage die Urologie oder die Gynäkologie, für angleichende Eingriffe an Gesicht, Brust oder Körperform die Plastische Chirurgie. Hinzu kommen häufig Logopädie und psychosoziale Begleitung. Vor größeren Operationen stehen die üblichen Voruntersuchungen: Blutbild und Gerinnungswerte, Kontrolle von Schilddrüse und Stoffwechsel, ein Gespräch über Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente sowie die Aufklärung über den Eingriff.
Üblich ist ein schrittweises Vorgehen. Viele Menschen leben zunächst im gewünschten Geschlecht, beginnen dann die Hormonbehandlung und entscheiden erst danach über Operationen. Da einzelne Wirkungen der Hormone und alle operativen Schritte dauerhaft sind, ist die Reihenfolge kein bürokratisches Hindernis, sondern gibt Zeit für eine Entscheidung, die sich später nicht ohne Weiteres zurücknehmen lässt. Wer sich Kinder wünscht, sollte vor Beginn der Hormonbehandlung über Möglichkeiten des Erhalts von Ei- oder Samenzellen sprechen, da die Behandlung zur Unfruchtbarkeit führt.
Weitere angleichende Maßnahmen
Neben Hormonen und Operationen an den Geschlechtsorganen spielen Maßnahmen eine Rolle, die im Alltag oft mehr bewirken als der eigentliche Eingriff. Die Stimme ist dafür das deutlichste Beispiel: Testosteron senkt die Stimmlage dauerhaft, Östrogene tun dies umgekehrt nicht. Eine höhere und als weiblich wahrgenommene Stimme wird deshalb vor allem durch Stimmtherapie erarbeitet, bei der es nicht nur um die Tonhöhe, sondern auch um Klang, Betonung und Sprechweise geht. Stimmverändernde Operationen am Kehlkopf gibt es ebenfalls; sie werden meist erst erwogen, wenn die Übungsbehandlung nicht ausreicht.
Ein zweites Feld ist die dauerhafte Haarentfernung im Gesicht und am Körper. Sie erfolgt mit Laser- oder Lichtverfahren oder mit der Nadelepilation, bei der einzelne Haarwurzeln elektrisch verödet werden. Beide Wege brauchen viele Sitzungen über einen längeren Zeitraum. Für eine Operation, bei der Haut aus dem Genitalbereich verwendet wird, ist die vorherige Haarentfernung an der Entnahmestelle in vielen Fällen sogar Voraussetzung, weil sonst später Haare im neu gebildeten Bereich wachsen können.
Hinzu kommen Maßnahmen, die keinen Eingriff erfordern: angepasste Kleidung, Hilfsmittel zum Abbinden oder Auspolstern, Perücken oder Haarersatz sowie eine Änderung von Frisur und Körperhaltung. Sie werden häufig unterschätzt, sind aber sofort verfügbar und lassen sich jederzeit rückgängig machen.
Heilung und Nachsorge
Nach einer geschlechtsangleichenden Operation folgt ein stationärer Aufenthalt, dessen Dauer vom Umfang des Eingriffs abhängt. In der ersten Zeit stehen Wundheilung, Schmerzbehandlung und die Vorbeugung von Komplikationen im Vordergrund. Weil größere Eingriffe im Beckenbereich mit längerer Bettruhe einhergehen, gehört die Vorbeugung einer Thrombose zum Standard. Ein Blasenkatheter für die ersten Tage ist bei Eingriffen an der Harnröhre üblich; Beschwerden beim Wasserlassen und Harnwegsinfektionen kommen in der Heilungsphase vor.
Ist eine Neovagina angelegt worden, gehört das regelmäßige Weiten mit dafür vorgesehenen Hilfsmitteln dauerhaft zur Nachsorge, da sich das Gewebe sonst zusammenzieht. Wie das im Einzelnen geschieht, legt die behandelnde Klinik fest und übt es mit den Patientinnen ein. Auch die Beckenbodenmuskulatur wird in die Nachbehandlung einbezogen; Übungen für den Beckenboden werden angeleitet und nicht in Eigenregie begonnen.
Die Hormonbehandlung wird nach der Entfernung der Keimdrüsen lebenslang fortgeführt und ärztlich überwacht. Kontrolliert werden dabei unter anderem Hormonspiegel, Leber- und Blutfettwerte sowie das Blutbild. Da Geschlechtshormone den Knochenstoffwechsel beeinflussen, gehört auch die Frage der Knochendichte und einer möglichen Osteoporose in die langfristige Betreuung. Wichtig bleibt außerdem, dass Vorsorgeuntersuchungen für alle noch vorhandenen Organe weitergeführt werden – unabhängig davon, welcher Personenstand eingetragen ist.
Bis das endgültige Ergebnis eines Eingriffs beurteilt werden kann, vergehen Monate. Schwellungen bilden sich langsam zurück, Narben verblassen erst mit der Zeit, und wie empfindsam das umgestaltete Gewebe wird, zeigt sich ebenfalls erst im Verlauf. Korrektureingriffe, die die Form oder das Aussehen nachbessern, gehören bei größeren Operationen zum eingeplanten Verlauf und sind kein Zeichen für ein misslungenes Ergebnis. Ein Vorgespräch, das realistisch beschreibt, was erreichbar ist und was nicht, erspart spätere Enttäuschungen.
Begleitung und Beratung
Der körperliche Teil einer Transition ist selten der schwierigste. Reaktionen von Familie, Freundeskreis, Arbeitsplatz und Behörden, die Dauer der einzelnen Schritte und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper belasten viele Menschen erheblich. Eine psychotherapeutische oder psychosoziale Begleitung über den gesamten Zeitraum wird deshalb regelmäßig empfohlen – nicht als Prüfinstanz, sondern als Unterstützung. Der Austausch mit anderen Betroffenen und mit Beratungsstellen, die auf trans und intergeschlechtliche Menschen spezialisiert sind, hat für viele einen ebenso großen Stellenwert; sie kennen die praktischen Fragen von der Antragstellung bis zum Umgang mit dem Arbeitgeber.
Angehörige stehen dabei häufig unbeachtet daneben. Partnerinnen und Partner, Eltern und Kinder erleben die Veränderung mit und haben eigene Fragen; auch für sie gibt es Beratungsangebote.
Kosten und Kostenübernahme
Geschlechtsangleichende Behandlungen können in Deutschland von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, sofern eine entsprechende Indikation gestellt und ein Antrag bewilligt wurde. Verlangt werden dafür in der Regel Stellungnahmen der behandelnden Fachleute; über den Antrag wird im Einzelfall entschieden, häufig unter Einschaltung des Medizinischen Dienstes. Die Bearbeitung kann sich hinziehen, und ablehnende Bescheide sind nicht selten Gegenstand von Widerspruchsverfahren.
Nicht alle Maßnahmen werden gleich behandelt. Während die Hormonbehandlung und Eingriffe an den Geschlechtsorganen den Kern des Leistungsanspruchs bilden, gelten Maßnahmen wie die Angleichung von Gesichtszügen, Eingriffe am Kehlkopf oder die dauerhafte Haarentfernung je nach Einzelfall als gesondert zu begründen. Es empfiehlt sich daher, die Kostenfrage vor Beginn einer Behandlung zu klären, statt sie nachträglich aufzuwerfen.
Abgrenzung: trans und intergeschlechtlich
Der Artikel behandelt beide Gruppen gemeinsam, ihre Ausgangslage ist jedoch verschieden. Trans Menschen haben einen körperlich eindeutigen Befund, empfinden ihre Geschlechtszugehörigkeit aber anders. Bei intergeschlechtlichen Menschen sind dagegen die körperlichen Geschlechtsmerkmale selbst nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zuzuordnen; die Intersexualität umfasst dabei sehr unterschiedliche Ausprägungen, von denen manche erst in der Pubertät oder bei Kinderwunsch auffallen.
Für die Behandlung folgt daraus ein Unterschied im Zeitpunkt: Bei trans Menschen entscheidet die erwachsene Person selbst über angleichende Maßnahmen. Bei intergeschlechtlichen Kindern wurden solche Eingriffe früher oft im Säuglings- oder Kleinkindalter vorgenommen, also zu einem Zeitpunkt, an dem das Kind nicht einwilligen konnte. Diese Praxis wird seit vielen Jahren kritisiert; Betroffenenverbände fordern, nicht dringliche Eingriffe aufzuschieben, bis die betroffene Person selbst entscheiden kann. Medizinisch notwendige Eingriffe, etwa zur Sicherung des Harnabflusses, bleiben davon unberührt.
Quellen
- Beier, K. M., Bosinski, H. A. G., Loewit, K.: Sexualmedizin.
ISBN: 9783437180781
- Hautmann, R., Gschwend, J. E. (Hrsg.): Urologie.
ISBN: 9783642343186
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783131253446
- Senf, W., Broda, M., Voos, D., Neher, M. (Hrsg.): Praxis der Psychotherapie.
ISBN: 9783132420793
- Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen.
ISBN: 9783801732172
