Pudendusblock
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der Pudendusblock ist ein Verfahren der Lokalanästhesie, das bei drohendem Dammriss oder indiziertem Dammschnitt während des Geburtsvorgangs angewandt wird. Die Schmerzen der werdenden Mutter sollen durch die Blockade des sensiblen Nervus pudendus gelindert werden. Mittlerweile kommt statt der Pudendusblockade meist die Periduralanästhesie zum Einsatz.
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Was ist der Pudendusblock?
Der Nervus pudendus entspringt dem Plexus sacralis und enthält Spinalnerven der Rückenmarksegmente S2 bis S4. Damit führt er somatomotorische sowie allgemein-somatosensible Fasern, die Schmerzsignale ins zentrale Nervensystem leiten. Klinische Relevanz kann der Nerv während des Geburtsvorgangs erlangen. Mit dem sogenannten Pudendusblock oder der Pudendusanästhesie blockieren Geburtshelfer die schmerzleitenden Bahnen am Nervus pudendus.
Die Blockade kommt vor allem in der Austreibungsphase zum Einsatz und lindert die Schmerzen, die bei der Durchführung des Dammschnittes oder bei Dammrissen im Bereich des äußeren Geburtskanals oder der Vulva-Damm-Region auftreten. Beim Pudendusblock handelt es sich demnach um ein Verfahren der Anästhesie, das vorwiegend für die Geburtshilfe eine Rolle spielt und Gebärenden den natürlichen Geburtsvorgang erleichtert. Die medizinische Literatur nutzt den Ausdruck der Pudendusblockade synonym zur Bezeichnung Pudendusblock.
Nach seinem Austritt aus dem Plexus sacralis verlässt der Nervus pudendus das kleine Becken, zieht dicht am Sitzbeinstachel vorbei und tritt anschließend wieder in das Becken ein. Auf seinem weiteren Weg verläuft er in einer Bindegewebsspalte an der Innenseite des Sitzbeins, dem sogenannten Pudenduskanal. Von dort gibt er nacheinander drei Äste ab: einen zum unteren Abschnitt des Enddarms und zum äußeren Schließmuskel, einen zum Damm und zu den äußeren Geschlechtsteilen sowie einen letzten, der die Klitoris beziehungsweise beim Mann den Penisrücken versorgt. Aus diesem Verlauf ergibt sich, welches Gebiet ein Pudendusblock erreicht und welches nicht.
Denn die Blockade betrifft ausschließlich den äußeren Abschnitt des Geburtsweges. Die Schmerzen der Wehen entstehen dagegen an der Gebärmutter und am Muttermund; sie werden über andere Bahnen weitergeleitet, die an höher gelegenen Rückenmarksegmenten eintreten. Ein Pudendusblock kann sie deshalb nicht ausschalten. Für das Aufklärungsgespräch ist dieser Unterschied wesentlich, weil er die Erwartung bestimmt, mit der eine Gebärende in das Verfahren geht.
Über die Geburtshilfe hinaus wird der Pudendusblock gelegentlich bei kleineren Eingriffen im Damm- und Analbereich angewandt, etwa bei der Versorgung von Hämorrhoiden oder von Einrissen und Abszessen in dieser Region. In der Schmerzmedizin dient dasselbe Vorgehen der Abklärung: Lässt sich ein anhaltender Schmerz im Versorgungsgebiet des Nerven durch eine gezielte Blockade vorübergehend beseitigen, spricht das dafür, dass der Nerv selbst die Quelle der Beschwerden ist. Die Bezeichnung Pudendusblock meint in diesen Fällen dieselbe Technik bei anderer Zielsetzung.
Im Deutschen wird der Nervus pudendus auch als Schamnerv bezeichnet; der Name geht auf das lateinische Wort für Scham zurück und verweist auf sein Versorgungsgebiet. Entsprechend findet sich in der älteren geburtshilflichen Literatur gelegentlich der Ausdruck Schamnervenblockade für dasselbe Verfahren.
Funktion, Wirkung & Ziele
Um der Gebärenden starke Schmerzen zu ersparen, kann statt des Pudendusblocks bei den genannten Indikationen auch eine Periduralanästhesie Verwendung finden. In der jüngsten Vergangenheit hat die Periduralanästhesie den Pudendusblock daher weitestgehend ersetzt, obgleich der Block bis ins vorausgegangene Jahrhundert regelmäßig zum Einsatz gekommen ist. Die Schmerzleitung des Nervus pudendus wird im Rahmen des Pudendusblocks gehemmt. Schmerzempfindungen im Bereich des Damms, in der Scheidenregion und dem Beckenbodenbereich können das zentrale Nervensystem der Gebärenden damit nicht mehr erreichen.
Obgleich die Schmerzen von den Nozizeptoren in den genannten Bereichen registriert und in bioelektrische Erregung umgewandelt werden, treten sie durch die Blockade der afferenten (ins zentrale Nervensystem aufsteigenden) Leitungsbahnen nicht ins Bewusstsein der Gebärenden über. Trotz der Anästhesie lässt der Pressdrang der werdenden Mutter nicht nach. Die Wehenschmerzen halten während der Betäubung an. Der Sitzbeinstachel dient als Bezugspunkt für den Nervus pudendus. Die anatomische Struktur lässt sich durch Palpation des Vaginalbereichs ertasten.
Der Arzt oder Geburtshelfer setzt im Bereich des Sitzbeinstachels mit einer langen Kanüle ein örtliches Betäubungsmittel an mehreren seitlich gelegenen Stellen der Vagina. Die Applikation erfolgt jeweils rechts und links in die Wand der Scheide. Minuten nach der Applikation setzt die Betäubung ein. Der Ausgang der Scheide, die Schamlippen sowie der Damm sind bei einsetzender Betäubung weitestgehend schmerzunempfindlich. Prinzipiell hält die Wirkung des Pudendusblocks für rund eine Stunde an. In dieser Stunde nimmt der Arzt nicht nur den Dammschnitt, sondern auch die Naht des Dammschnitts vor.
Vor der Anlage wird die Gebärende über Ablauf, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt; bekannte Unverträglichkeiten gegen örtliche Betäubungsmittel und Störungen der Blutgerinnung sind zu erfragen. Der Eingriff erfolgt unter sauberen Bedingungen. Um Verletzungen der Scheidenwand und des kindlichen Kopfes zu vermeiden, wird die lange Kanüle in einer Führungshülse vorgeschoben, aus der nur die Spitze herausragt: Die tastende Hand führt die Hülse zum Sitzbeinstachel, und erst dort wird die Nadel ausgefahren. Vor jeder Injektion wird der Spritzenkolben zurückgezogen, um zu prüfen, ob die Spitze in einem Gefäß liegt – lässt sich Blut ansaugen, wird die Nadel neu angesetzt. Da der Nerv beidseits verläuft, muss auch beidseits eingespritzt werden; eine nur einseitig angelegte Blockade betäubt lediglich die entsprechende Hälfte.
Die Anlage übernimmt in der Regel die Ärztin oder der Arzt der geburtshilflichen Abteilung, seltener eine Anästhesistin oder ein Anästhesist. Eine eigene anästhesiologische Bereitschaft wird dafür nicht benötigt, und darin liegt einer der Vorzüge des Verfahrens: Es lässt sich ohne besondere Vorbereitung und auch dann noch durchführen, wenn die Geburt bereits so weit fortgeschritten ist, dass für den Aufbau einer Periduralanästhesie keine Zeit mehr bliebe. Die Wirkung setzt innerhalb weniger Minuten ein. Anders als bei rückenmarksnahen Verfahren bleiben Kraft und Beweglichkeit der Beine vollständig erhalten, sodass die Gebärende sich weiter aufrichten und die Position wechseln kann; eine fortlaufende Überwachung des Blutdrucks ist nicht im selben Umfang erforderlich.
Nach dem Abklingen der Betäubung kehrt die Empfindung im Damm- und Scheidenbereich zurück, und Wundschmerzen im Bereich des Schnittes oder des Risses werden erneut spürbar; sie werden gegebenenfalls auf anderem Weg behandelt. Da die Beweglichkeit zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt war, hängt das Aufstehen nach der Geburt nicht vom Nachlassen der Betäubung ab. Ein vorübergehendes Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet und eine kurzzeitig erschwerte Entleerung der Harnblase kommen vor und bilden sich in aller Regel von selbst zurück.
Historisch gehört der Pudendusblock zu den älteren geburtshilflichen Betäubungsverfahren. Er wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt und in der Mitte des Jahrhunderts in der heute üblichen Form über die Scheide angelegt. In einer Zeit, in der rückenmarksnahe Verfahren aufwendig und nicht überall verfügbar waren, bot er eine einfache Möglichkeit, den schmerzhaftesten Abschnitt der Geburt erträglicher zu machen. Mit der breiten Verfügbarkeit der Periduralanästhesie hat sich seine Rolle verschoben: Er ist heute weniger Regelverfahren als Rückfallmöglichkeit für Lagen, in denen etwas anderes nicht in Betracht kommt.
Der Ablauf aus Sicht der Gebärenden ist überschaubar. Sie liegt für die Anlage in der bei der Geburt üblichen Rückenlage mit angewinkelten Beinen; das Tasten und das Einführen der Führungshülse werden meist als Druck empfunden, der Einstich selbst als kurzer Stich. Weil die Betäubung allein das äußere Gebiet erfasst, bleiben Wehentätigkeit und Pressdrang unverändert, sodass die Mitarbeit in der Austreibungsphase nicht beeinträchtigt wird. Auch das Kind wird durch das Verfahren in seiner Anpassung nach der Geburt in aller Regel nicht beeinflusst, sofern es nicht zu einem versehentlichen Übertritt größerer Wirkstoffmengen in die Blutbahn kommt. Muss nach der Geburt ein Schnitt oder ein Riss versorgt werden, schließt sich die Naht unmittelbar an und nutzt dieselbe Betäubung.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Dieses Vorgehen schaltet die Schmerzleitung auf zentrale Art und Weise aus und blockiert alle Nerven, die durch den Periduralraum verlaufen. Die Periduralanästhesie hat den Pudendusblock aus unterschiedlichen Gründen verdrängt. Einer der wichtigsten Gründe ist die Unzuverlässigkeit des Blocks. Die meisten Frauen berichten nach einem Pudendusblock zwar von einer Linderung der Schmerzen, wollen aber keine völlige Schmerzfreiheit erlebt haben. Darüber hinaus zeigt die Pudendusblockade bei einem Großteil aller Gebärenden nur auf einer einzigen Seite Wirkung oder wirkt im Extremfall überhaupt nicht.
Die Risiken und Nebenwirkungen von Pudendusblock und Periduralanästhesie sind nicht dieselben; gemeinsam ist beiden das Risiko der eingesetzten örtlichen Betäubungsmittel. Grundsätzlich sind Lokalanästhesien mit einem wesentlich geringeren Risiko verbunden als Vollnarkosen. Die eingesetzten Medikamente wirken nur innerhalb eines limitierten Bereichs und treten nicht in den gesamten Körper über. Wenn allerdings größere Mengen der Wirkstoffe ins Blutkreislaufsystem übertreten, kann sich ein systemischer Effekt einstellen. Wird versehentlich eine Ader oder eine stark durchblutete Region getroffen, so ist ein Übertritt in die Blutbahnen wahrscheinlich.
Als Komplikationen können sich in diesem Fall Krampfanfälle sowie schwere Herzrhythmusstörungen einstellen, die während des Geburtsvorgangs nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kind betreffen können. Eine künstliche Beatmung der Gebärenden und im Extremfall ein Notfallkaiserschnitt können bei systemischen Effekten von lokalen Betäubungsmitteln zur Rettung von Mutter und Kind erforderlich werden. Darüber hinaus treten als Komplikationen von Lokalanästhetika zuweilen allergische Reaktionen ein. Diese seltenen Nebenwirkungen manifestieren sich beispielsweise in Form von Juckreiz oder Hautrötungen.
Im Extremfall tritt Atemnot oder sogar Kreislaufversagen ein. Die Einstichstelle kann sich nach der Applikation des Anästhetikums außerdem entzünden. Infektionen sind beim heutigen Stand der westlichen Medizin zwar selten, aber noch immer nicht vollends auszuschließen. Besonders bei der Periduralanästhesie sinkt der Blutdruck der Patientin häufig ab. Mittlerweile können Vorabinfusionen diesem Blutdruckabfall vorbeugen. Da das ungeborene Kind sowohl beim Pudendusblock als auch bei der Periduralanästhesie über die Nabelschnur mit dem lokalen Anästhetikum in Kontakt geraten kann, müssen Nutzen und Risiken vor der Applikation unbedingt abgewogen werden.
Gegen die Anlage sprechen eine bekannte Allergie gegen das vorgesehene Betäubungsmittel, eine Entzündung im Bereich der Einstichstelle und eine ausgeprägte Störung der Blutgerinnung. Auch die Ablehnung durch die Gebärende ist ein Ausschlussgrund: Wie jeder Eingriff setzt der Pudendusblock deren Einwilligung voraus. Da diese im Verlauf einer Geburt unter Wehen einzuholen wäre, sollte über die in Frage kommenden Betäubungsverfahren möglichst schon in der Schwangerschaft gesprochen werden.
Zu den Risiken, die sich unmittelbar aus der Technik ergeben, gehört die Verletzung von Gewebe durch die lange Kanüle. Möglich sind ein Bluterguss in der Scheidenwand, eine Verletzung des Enddarms bei zu tiefem Vorschieben und, sehr selten, eine Infektion, die sich in das Gewebe hinter dem Becken ausbreitet. Beschrieben ist ferner die direkte Verletzung des Nerven, die vorübergehende Missempfindungen im Versorgungsgebiet hinterlassen kann. Weil die Anlage in der Austreibungsphase erfolgt, besteht zudem die Gefahr, den kindlichen Kopf zu treffen; die Führungshülse und das Vorgehen unter tastender Kontrolle sollen genau dies verhindern.
Wie zuverlässig die Blockade gelingt, hängt stark von der Erfahrung der ausführenden Person ab. Da das Verfahren seltener angewandt wird als früher, sammelt sich diese Erfahrung heute schwerer an, was die bereits genannte Unzuverlässigkeit mit erklärt. In Häusern, in denen rund um die Uhr eine anästhesiologische Versorgung bereitsteht, wird deshalb überwiegend die Periduralanästhesie gewählt, während der Pudendusblock dort seinen Platz behält, wo diese nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung steht.
Als Alternativen stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Bei einem begrenzten Dammschnitt genügt häufig die örtliche Betäubung unmittelbar im Bereich des Schnittes. Für ausgedehntere Eingriffe und für eine operative Entbindung kommen rückenmarksnahe Verfahren in Betracht, neben der Periduralanästhesie auch die Spinalanästhesie, die rascher wirkt, dafür aber zeitlich begrenzt ist. Daneben werden systemisch wirkende Schmerzmittel eingesetzt sowie nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Wärme, Wasser, Positionswechsel und Atemtechniken, die den Bedarf an Betäubung senken können. Welches Vorgehen geeignet ist, richtet sich nach dem Geburtsverlauf, nach der Dringlichkeit und nach den Wünschen der Gebärenden; die Hebamme und das geburtshilfliche Team besprechen dies gemeinsam mit ihr.
Einzuordnen sind die genannten Risiken vor dem Hintergrund, dass schwere Zwischenfälle bei örtlichen Betäubungsverfahren insgesamt selten sind. Der weitaus häufigste unerwünschte Ausgang eines Pudendusblocks ist keine Komplikation, sondern die unzureichende Wirkung, die dann eine zusätzliche örtliche Betäubung oder ein anderes Verfahren erforderlich macht. Für das Aufklärungsgespräch folgt daraus zweierlei: Der Gebärenden sollte bekannt sein, dass vollständige Schmerzfreiheit nicht zugesichert werden kann, und ebenso, dass sich bei unzureichender Wirkung nachbessern lässt. Beide Auskünfte wiegen schwerer als die Aufzählung seltener Ereignisse, weil sie das betreffen, was mit einiger Wahrscheinlichkeit tatsächlich eintritt.
Quellen
- Meier, G., Büttner, J. (Hrsg.): Atlas der peripheren Regionalanästhesie.
ISBN: 9783132420038
- Larsen, R.: Anästhesie.
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- Rossaint, R., Werner, C., Zwißler, B. (Hrsg.): Die Anästhesiologie.
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- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
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- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
