Thiabendazol

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 25. Juni 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Thiabendazol

Thiabendazol ist ein Wirkstoff mit einem breiten Anwendungsspektrum. Es gehört zur Wirkstoffgruppe der Benzimidazole und findet sowohl als Fungizid als auch als Anthelminthikum (Wurmmittel) Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Thiabendazol?

Thiabendazol ist ein Wirkstoff mit einem breiten Anwendungsspektrum. Er wird sowohl als Fungizid als auch als Anthelminthikum (Wurmmittel) eingesetzt.

Thiabendazol liegt als weißes, geruch- und geschmackloses Pulver vor. Es ist gut in Wasser und wenig in Alkohol löslich. Seine chemische Grundstruktur leitet sich vom Benzimidazol ab. Benzimidazol entsteht aus der Verschmelzung von Benzol mit Imidazol und dient als Ausgangsstoff zur Synthese der Benzimidazol-Derivate.

Thiabendazol ist ein Derivat von Benzimidazol. Dieses wurde früher noch in der Liste der Lebensmittelzusatzstoffe geführt, weil es als Konservierungsstoff für die Behandlung der Schalen von Zitrusfrüchten und Bananen zur Verhinderung von Schimmelbildung eingesetzt wurde.

Von dieser Liste musste es jedoch gestrichen und als Fungizid geführt werden, wobei sich an seinem diesbezüglichen Einsatz nichts geändert hat. In der Pharmakologie dient Thiabendazol als Wurmmittel zur Bekämpfung von Wurmbefall.

Pharmakologische Wirkung

Zur pharmakologischen Wirkung auf den menschlichen Körper liegen zum Teil widersprüchliche Informationen vor. Laut Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin ist die Toxizität von Thiabendazol gering.

In Tierversuchen wurde zwar eine krebserregende Wirkung festgestellt. Beim Menschen soll es jedoch keine Hinweise auf Krebs erzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Wirkungen geben. Jedenfalls wird Thiabendazol bei oraler Aufnahme schnell resorbiert und unterliegt innerhalb von 24 Stunden einer vollständigen Metabolisierung, wobei die Abbauprodukte über den Urin ausgeschieden werden.

Seine Wirkung als Antiwurmmittel und Fungizid verdankt es der Störung des Zellwachstums durch seine Wechselwirkung mit den Mikrotubuli der Zellen, wobei der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig aufgeklärt ist. Zu beachten sind auch die zwei unterschiedlichen Einsatzgebiete. Als Fungizid wird Thiabendazol in der Landwirtschaft verwendet.

Hier wirkt es als systemisches Fungizid für die Pflanze vorbeugend und heilend. Systemisch bedeutet, dass Thiabendazol über das Wassertransportsystem der Pflanzen überall hin transportiert wird und dabei seine fungizide Wirkung überall im Gesamtsystem entfaltet.

Thiabendazol kann sowohl das Pilzwachstum verhindern als auch vorhandene Pilze abtöten. Im menschlichen oder tierischen Organismus wird Thiabendazol jedoch nicht als Antimykotikum (Pilz abtötend) verwendet.

Medizinische Anwendung & Verwendung

In der Medizin und der Veterinärmedizin wird Thiabendazol hauptsächlich als Anthelminthikum (Wurmmittel) verwendet. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Strongyloidiasis. Bei der Strongyloidiasis handelt es sich um den Befall mit den Zwergfadenwürmern Strongyloides stercoralis.

Der Verlauf der Erkrankung kann sehr dramatisch sein. Die Larven des Parasits können durch die menschliche Haut über die Blutbahn zur Lunge gelangen. Von dort wandern sie über die Trachea in die Pharynx und gelangen dann durch Verschlucken in den Darm. Neben chronischer Bronchitis manifestieren sich Verdauungsprobleme.

Die Schwere der Erkrankung ist auch abhängig von der Stärke des Immunsystems. Die manifeste Erkrankung kann gut mit Thiabendazol behandelt werden. Weiterhin wird Thiabendazol beim Befall mit Fadenwürmern (Nematoden), wie bei der Trichinose, der Toxocariasis bei Hund und Katze oder bei anderen Wurmerkrankungen angewendet. Die Wirkung von Thiabendazol gegen Würmer basiert auf der Hemmung der Polymerisation des Tubulins der Parasiten.

Außerdem besteht ein Einfluss von Thiabendazol auf die T-Zellen des Immunsystems. Die Folgen der Abtötung der Parasiten und der daraus resultierenden Immunreaktionen machen ständige Nachuntersuchungen erforderlich. Durch Blut- und Stuhluntersuchungen können die Heilungserfolge dokumentiert werden.


Verabreichung & Dosierung

Bei der Verabreichung und Dosierung von Thiabendazol ist es wichtig, verschiedene Aspekte zu beachten, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten. Thiabendazol wird in der Regel oral eingenommen und kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Um Magenreizungen zu minimieren, wird jedoch empfohlen, es mit Nahrung oder Milch einzunehmen.

Die Dosierung hängt von der Art der Infektion und dem Körpergewicht des Patienten ab. Die übliche Dosis für Erwachsene und Kinder über zwei Jahren beträgt 25 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, aufgeteilt in zwei Dosen. Die maximale Tagesdosis sollte 3 Gramm nicht überschreiten. Bei einigen Infektionen kann eine Einzeldosis ausreichen, während bei anderen eine mehrtägige Behandlung erforderlich ist.

Bei Kindern unter zwei Jahren ist die Anwendung von Thiabendazol nicht empfohlen, es sei denn, es wird ausdrücklich von einem Arzt verordnet. Die Überwachung der Leberfunktion ist wichtig, da Thiabendazol Lebertoxizität verursachen kann. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind daher ratsam, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Patienten sollten während der Behandlung auf Anzeichen von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Hautausschlägen achten. Bei schwerwiegenden Reaktionen wie Gelbsucht oder schweren allergischen Reaktionen sollte die Behandlung sofort abgebrochen und ein Arzt konsultiert werden.

Thiabendazol kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, daher ist es wichtig, alle eingenommenen Medikamente dem Arzt mitzuteilen. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bei Schwangeren und Stillenden, da Thiabendazol in diesen Fällen nur nach sorgfältiger Abwägung der Risiken verabreicht werden sollte.

Risiken & Nebenwirkungen

Thiabendazol wird im Körper schnell abgebaut. Deshalb besteht die große Chance, dass langfristige Auswirkungen seines Einsatzes nicht auftreten. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin geht daher auch davon aus, dass die Toxizität von Thiabendazol gering ist.

Diese Aussage steht aber im Widerspruch zu Untersuchungen, wonach es ein krebserregendes Potenzial besitzt. Beim Einsatz von hohen Dosierungen kann es jedoch zu Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit und Nierenschäden kommen. Eine abschließende Beurteilung der Toxizität von Thiabendazol ist nach dem heutigen Kenntnisstand noch nicht möglich.

Akute Nebenwirkungen konnte man in einigen Fällen allerdings bei dessen Einsatz beobachten, wie Übelkeit, Schwindel und Mattigkeit. In seltenen Fällen ist es auch zu neurotoxischen Wirkungen, wie Depressionen, Angstzuständen, Benommenheit, Doppelsehen oder gar psychotischen Reaktionen gekommen.

Kontraindikationen

Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Thiabendazol umfassen verschiedene medizinische Zustände und Umstände, die eine Anwendung des Medikaments unsicher oder potenziell schädlich machen könnten. Eine der Hauptkontraindikationen ist eine bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegenüber Thiabendazol oder einem der Hilfsstoffe des Medikaments. Patienten, die auf ähnliche Substanzen allergisch reagieren, sollten Thiabendazol ebenfalls meiden.

Patienten mit Leberfunktionsstörungen oder Lebererkrankungen sollten Thiabendazol nicht einnehmen, da das Medikament hepatotoxisch wirken kann und die Leber zusätzlich belasten könnte. Regelmäßige Überwachung der Leberfunktion ist für alle Patienten während der Behandlung wichtig, aber insbesondere bei jenen mit bestehender Leberproblematik ist Vorsicht geboten.

Schwere Niereninsuffizienz stellt eine weitere Kontraindikation dar. Thiabendazol und seine Metaboliten werden hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann es daher zu einer Akkumulation des Medikaments im Körper kommen, was das Risiko von Nebenwirkungen erhöht.

Schwangere und stillende Frauen sollten Thiabendazol nur dann einnehmen, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken für den Fötus oder das gestillte Kind überwiegt. Tierstudien haben gezeigt, dass Thiabendazol teratogene Effekte haben kann, weshalb es während der Schwangerschaft nur unter strenger ärztlicher Aufsicht verabreicht werden sollte.

Auch bei Kindern unter zwei Jahren ist Thiabendazol kontraindiziert, da die Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe nicht ausreichend nachgewiesen sind. Vorsicht ist ebenfalls bei älteren Patienten geboten, da diese möglicherweise empfindlicher auf die Nebenwirkungen des Medikaments reagieren.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Thiabendazol kann mit verschiedenen anderen Medikamenten interagieren, was die Wirksamkeit oder Sicherheit der Therapie beeinflussen kann. Eine der wichtigsten Interaktionen besteht mit Antikoagulanzien wie Warfarin. Thiabendazol kann die Wirkung von Warfarin verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen. Daher sollten die Gerinnungsparameter engmaschig überwacht werden, und gegebenenfalls ist eine Anpassung der Warfarin-Dosis erforderlich.

Ein weiteres wichtiges Wechselwirkungspotenzial besteht mit Theophyllin. Thiabendazol kann den Metabolismus von Theophyllin hemmen, was zu erhöhten Theophyllin-Spiegeln im Blut und damit zu einem erhöhten Risiko von Nebenwirkungen führen kann. Patienten, die beide Medikamente einnehmen, sollten auf Anzeichen von Theophyllin-Toxizität überwacht werden, und es kann eine Dosisanpassung notwendig sein.

Thiabendazol kann auch die Absorption und Wirksamkeit anderer Medikamente beeinflussen. So kann es die Wirkung von oralen Kontrazeptiva verringern, was das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erhöht. Frauen, die Thiabendazol einnehmen und gleichzeitig orale Kontrazeptiva verwenden, sollten daher zusätzliche Verhütungsmethoden in Betracht ziehen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva wie Trizyklischen Antidepressiva oder Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmer) besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Bluthochdruck und Tachykardie. Eine sorgfältige Überwachung ist erforderlich, und es sollte eine mögliche Dosisanpassung in Betracht gezogen werden.

Patienten, die gleichzeitig alkoholhaltige Medikamente einnehmen oder regelmäßig Alkohol konsumieren, sollten darauf hingewiesen werden, dass Alkohol die hepatotoxischen Wirkungen von Thiabendazol verstärken kann. Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt ist essenziell, um mögliche Interaktionen frühzeitig zu erkennen und zu managen.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Thiabendazol nicht vertragen wird, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, die je nach Art der Parasiteninfektion ausgewählt werden können. Ein gängiger Ersatz ist Albendazol, ein Breitspektrum-Anthelminthikum, das bei einer Vielzahl von Wurminfektionen wie Strongyloidiasis, Hakenwurm- und Peitschenwurmbefall wirksam ist. Albendazol hemmt die Aufnahme von Glukose durch die Parasiten, was zu deren Tod führt.

Ein weiteres häufig verwendetes Medikament ist Mebendazol. Es wirkt ähnlich wie Albendazol und wird oft zur Behandlung von Infektionen durch Spulwürmer, Peitschenwürmer und Hakenwürmer eingesetzt. Mebendazol ist besonders nützlich bei der Behandlung von Mischinfektionen, da es ein breites Wirkspektrum hat.

Ivermectin ist ein weiteres alternatives Anthelminthikum, das vor allem bei der Behandlung von Strongyloidiasis und Onchozerkose (Flussblindheit) eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die neuromuskuläre Funktion der Parasiten stört, was zu deren Lähmung und Tod führt.

Pyrantel ist ebenfalls eine mögliche Alternative, besonders bei der Behandlung von Enterobiasis (Madenwurmbefall) und Hakenwurminfektionen. Es wirkt als neuromuskuläres Blockierungsmittel, das die Parasiten lähmt und deren Ausscheidung durch den Darm erleichtert.

In bestimmten Fällen können auch Kombinationstherapien in Betracht gezogen werden, um eine breitere Wirksamkeit zu erreichen und die Resistenzen zu minimieren. Es ist wichtig, die spezifische Infektion, den Gesundheitszustand des Patienten und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen, wenn eine alternative Behandlung gewählt wird. Ein Arzt sollte immer konsultiert werden, um die am besten geeignete Therapie zu bestimmen.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

Das könnte Sie auch interessieren