Toxoplasmen (Toxoplasma gondii)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Unter Toxoplasmen werden parasitäre Einzeller verstanden, deren Endwirt Katzen bilden. Der einzige bekannte Vertreter der Toxoplasmen ist Toxoplasma gondii.
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Was sind Toxoplasmen?
Toxoplasmen tragen auch die Bezeichnung Toxoplasma gondii. So bildet diese Spezies die einzige Art der Gattung. Das bogenförmige Protozoon führt eine parasitäre Lebensweise und nutzt Katzen als Endwirte. Als Zwischenwirte können auch andere Säugetiere, Vögel oder der Mensch dienen. Die Toxoplasmen sind verwandt mit dem Plasmodium, das die Malaria verursacht.
Toxoplasma gondii ist in der Lage, sich in den menschlichen Zellen zu vermehren. So finden sich in etwa einem Drittel aller Menschen Antikörper gegen Toxoplasmen. Zu einer Erkrankung durch die Einzeller wie die Toxoplasmose kommt es jedoch nur selten. Diese Infektionskrankheit gilt grundsätzlich als harmlos. Risiken bestehen allerdings für schwangere Frauen, deren ungeborene Kinder und Menschen, bei denen eine Schwächung des Immunsystems vorliegt.
Die Entdeckung von Toxoplasma gondii als Parasit erfolgte 1907 in Tunesien. Die Entdecker des Einzellers, Manceaux und Nicolle, gaben ihm den Namen Toxoplasma aufgrund seiner besonderen Form, die einem Halbmond ähnelte.
Als Krankheitserreger beim Menschen wurden die Toxoplasmen jedoch erst viele Jahre später identifiziert. 1948 gelang Albert Sabin (1906-1993) die Entwicklung eines serologischen Tests, der die Bezeichnung Dye-Test erhielt und mit Antikörpern funktionierte. Dadurch stellte sich die weltweite Verbreitung der Toxoplasmen im menschlichen Körper heraus. Allein in Deutschland kommen in 50 Prozent aller Bundesbürger Toxoplasmen vor. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter und beträgt bei Menschen über 50 rund 70 Prozent.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Im Anschluss an die gelungene Ansiedelung können sich die Toxoplasmen durch ungeschlechtliche Zweiteilung vermehren. Dadurch kommt es zur Bildung der Tachyzoiten. Da sich das Abwehrsystem gegen die Parasiten zur Wehr setzt, erfolgt oft die Entstehung von Zysten, die dem Einzeller Schutz gewähren. Die Zysten zeigen sich in erster Linie in der Muskulatur von Herz und Skelett, in der Augennetzhaut, dem Gehirn und der Wand der Gebärmutter. In den Zysten kommen wiederum tausende von Einzelparasiten vor, die dort ohne Schaden überleben können. Solange das Immunsystem intakt ist, verursachen sie keine gesundheitlichen Probleme. Bei einer ausgeprägten Abwehrschwäche können die Erreger aus den Zysten jedoch wieder aktiv werden und dann eine Erkrankung auslösen.
Eine geschlechtliche Vermehrung der Toxoplasmen ist ausschließlich im Darm von Katzen oder ähnlichen Tieren möglich, die den Endwirt der Parasiten darstellen. Dabei findet die Bildung von Oozysten (Parasiteneiern) statt, die sich durch Katzenkot weiterverbreiten. Die Oozysten können sich binnen zwei bis vier Tagen weiterentwickeln und werden dadurch für andere Tiere und den Menschen infektiös. Dieser Zustand hält mehrere Monate an. Ist die Umgebung feucht, besteht das Infektionsrisiko sogar bis zu fünf Jahre.
Die durchschnittliche Größe der Oozysten liegt bei etwa 11 Mikrometer. In den Oozysten sind zwei Sporozysten sowie jeweils vier Sporozoiten enthalten. Frost überstehen die Parasiten gut, Hitze bekommt ihnen allerdings weniger. Das Ausschlüpfen der Sporozoiten erfolgt dann in einem Zwischenwirt.
Eine Übertragung auf den Menschen kann durch den Verzehr von rohem oder nicht genügend erhitztem Hackfleisch, in dem sich Gewebezysten befinden, erfolgen. Als riskant gilt zudem Fleisch von Wild, Schweinen, Ziegen und Schafen sowie von Rohwurst. Außerdem kommen die Toxoplasmen mitunter in rohem Obst und Gemüse vor, das nicht gewaschen wurde. Weiterhin kann sich der Mensch durch den Katzenkot, der im Katzenstreu, im Garten oder in einem Sandkasten vorkommt, mit dem Erreger infizieren.
Krankheiten & Beschwerden
Bei Nagetieren rufen die Toxoplasmen sogar Verhaltensänderungen hervor. Die befallenen Tiere haben zum Beispiel keine natürliche Scheu mehr vor Katzengeruch, was den Lebenszyklus der Parasiten schließt. Selbst nach einer Heilung der Toxoplasma-Infektion empfinden Mäuse keine Scheu mehr vor Katzengeruch. Auch beim Menschen stehen eventuelle Verhaltensänderungen, die durch die Toxoplasmen hervorgerufen werden, in der Diskussion.
Für schwangere Frauen gilt eine Infektion mit Toxoplasma gondii als riskant. Dies gilt besonders dann, wenn es sich um eine Erstinfektion handelt, die zu einer Störung der Entwicklung des ungeborenen Kindes führen kann. In Deutschland muss die kongenitale Form der Toxoplasmose sogar gemeldet werden. Um eine Infektion mit Toxoplasmen zu vermeiden, ist es für Schwangere empfehlenswert, kein unzureichend durchgebratenes Fleisch zu konsumieren. Außerdem sollten Gartenarbeiten und Kontakte mit Katzenklos unterbleiben sowie die Hände regelmäßig vor den Mahlzeiten gewaschen werden.
Wirksam bekämpfen lassen sich die Toxoplasmen in der Schwangerschaft mit Wirkstoffen, die den Folsäurestoffwechsel des Erregers blockieren, kombiniert mit Antibiotika. Als hilfreich gilt eine Kombination von Sulfonamiden mit Pyrimethamin, wodurch die Parasiten abgetötet werden. Spiramycin wird dagegen in der Frühschwangerschaft allein gegeben, weil Pyrimethamin in den ersten Schwangerschaftswochen nicht eingesetzt wird. Eine zugelassene Impfung gegen Toxoplasmen gibt es bislang nicht.
Systematik und Bau
Toxoplasma gondii gehört zu den Sporentierchen, einer großen Gruppe ausschließlich parasitisch lebender Einzeller. Ihr gemeinsames Kennzeichen ist ein Bündel von Zellbestandteilen am Vorderende der Zelle, der sogenannte Apikalkomplex. Er ist ein Werkzeug zum Eindringen in fremde Zellen und hat der Gruppe ihren wissenschaftlichen Namen gegeben. Zu ihr zählen neben dem Erreger der Malaria auch die Erreger der Kokzidiose bei Nutztieren sowie einige Durchfallerreger des Menschen.
Der Apikalkomplex enthält mehrere Arten von Drüsenbläschen, deren Inhalt der Parasit beim Kontakt mit einer Wirtszelle ausschüttet. Er heftet sich damit fest an die Zelloberfläche, drückt sich aktiv durch die Zellmembran und stülpt sie dabei so ein, dass er im Inneren der Zelle in einem eigenen Bläschen zu liegen kommt. Diese Hülle ist entscheidend für sein Überleben, denn sie wird von der Wirtszelle nicht wie ein Nahrungsbläschen behandelt und deshalb nicht mit Verdauungsenzymen beschickt. Der Parasit sitzt so mitten in der Zelle und ist dennoch von deren Abbauapparat abgeschirmt. Anders als viele Bakterien bildet Toxoplasma gondii keine Gifte, die Gewebe unmittelbar zerstören; der Schaden entsteht dadurch, dass befallene Zellen beim Freiwerden neuer Parasiten zugrunde gehen, und durch die Entzündung, mit der der Körper darauf antwortet.
Bemerkenswert ist die geringe Wirtsspezifität des Erregers. Während viele Parasiten auf eine einzige Wirtsart oder auf wenige nahe verwandte Arten angewiesen sind, kann dieser Einzeller offenbar in nahezu jedem warmblütigen Tier als Zwischenwirt leben. Diese Anspruchslosigkeit ist die Grundlage seiner weltweiten Verbreitung. Sie erlaubt ihm, auch ohne Beteiligung des Endwirts von einem Zwischenwirt zum nächsten zu gelangen — etwa dann, wenn ein Raubtier ein befallenes Beutetier frisst.
Die Stadien des Erregers
Toxoplasma gondii tritt in drei Erscheinungsformen auf, die sich in Aussehen, Vermehrungsgeschwindigkeit und Widerstandsfähigkeit deutlich unterscheiden. Die schnell teilungsfähige Form, der Tachyzoit, tritt bei frischer Infektion auf und trägt deren Ausbreitung im Körper; ihr Name leitet sich vom griechischen Wort für „schnell“ ab. Die Zweiteilung dieser Form verläuft ungewöhnlich: Im Inneren der Mutterzelle bilden sich zwei Tochterzellen heran, die die Mutterzelle beim Auswachsen aufzehren.
Setzt sich die Abwehr des Wirts durch, schaltet der Parasit auf eine langsame Form um, den Bradyzoiten, dessen Name entsprechend „langsam“ bedeutet. Bradyzoiten sind die Bewohner der Gewebezysten. Sie teilen sich kaum noch, verbrauchen wenig und geben nach außen so wenig preis, dass das Immunsystem sie nicht mehr erreicht. Der Umbau ist in beide Richtungen möglich: Lässt die Abwehr nach, entstehen aus Bradyzoiten wieder Tachyzoiten. Dieser Wechsel erklärt, weshalb eine einmal durchgemachte Infektion lebenslang bestehen bleibt und weshalb sie bei später auftretender Abwehrschwäche erneut Beschwerden verursachen kann.
Die dritte Form, der Sporozoit, entsteht ausschließlich außerhalb eines Wirts, nämlich bei der Reifung der Oozysten. Diese Reifung benötigt Sauerstoff und Feuchtigkeit und läuft deshalb erst ab, nachdem die Oozysten den Darm des Endwirts verlassen haben. Frisch ausgeschiedener Katzenkot ist aus diesem Grund noch nicht ansteckend; die Gefahr geht von älterem Kot und von Böden aus, in die er gelangt ist. Für die Übertragung auf den Menschen bedeutet das, dass nicht die Nähe zum Tier selbst das Risiko trägt, sondern der Umgang mit dem Kot und mit verunreinigter Erde.
Der Endwirt Katze
Dass ausgerechnet Katzen die einzigen Tiere sind, in denen sich Toxoplasma gondii geschlechtlich vermehren kann, wurde erst in den 1960er-Jahren erkannt. Bis dahin war der Übertragungsweg unklar geblieben, obwohl die weltweite Verbreitung des Erregers längst bekannt war. Die im Darm der Katze ablaufenden Vermehrungsschritte erwiesen sich dann als denen anderer Sporentierchen so ähnlich, dass sich Toxoplasma gondii daraufhin überhaupt erst zuverlässig in seine Verwandtschaftsgruppe einordnen ließ.
Der Ablauf im Endwirt unterscheidet sich grundlegend von dem im Zwischenwirt. Nimmt eine Katze mit einem Beutetier Gewebezysten auf, befallen die freigesetzten Parasiten die Zellen der Darmschleimhaut. Dort durchlaufen sie zunächst mehrere ungeschlechtliche Vermehrungsschritte und bilden anschließend männliche und weibliche Geschlechtsformen aus. Aus deren Verschmelzung geht die Oozyste hervor, die mit dem Kot ausgeschieden wird. Der Darm der Katze ist damit der einzige Ort, an dem sich das Erbmaterial verschiedener Toxoplasma-Linien neu mischen kann — alle übrigen Vermehrungsschritte des Erregers verlaufen ungeschlechtlich und erzeugen nur Nachkommen mit unverändertem Erbgut.
Für den Umgang mit Hauskatzen ist ein weiterer Umstand von Bedeutung: Katzen scheiden Oozysten in aller Regel nur ein einziges Mal im Leben aus, nämlich in den Wochen nach ihrer ersten Ansteckung, und danach allenfalls in Ausnahmefällen. Eine Katze, die seit Jahren im Haushalt lebt, ist deshalb meist keine Ansteckungsquelle mehr. Das größte Risiko geht von jungen Freigängerkatzen aus, die sich beim Jagen erstmals anstecken. Tiere, die ausschließlich in der Wohnung gehalten und mit erhitztem Fertigfutter ernährt werden, kommen mit dem Erreger dagegen meist gar nicht erst in Berührung.
Angeborene Toxoplasmose
Als konnatale oder angeborene Toxoplasmose wird die Form bezeichnet, bei der der Erreger während der Schwangerschaft über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergeht. Voraussetzung dafür ist fast immer eine Erstinfektion der Mutter in dieser Zeit. Hat eine Frau die Infektion bereits vorher durchgemacht, schützen die vorhandenen Antikörper das Kind in aller Regel; der Nachweis einer früher durchgemachten Infektion ist für die Betroffene daher eine beruhigende Nachricht.
Wie oft der Erreger die Plazenta überwindet und wie schwer die Folgen ausfallen, hängt vom Zeitpunkt ab — und zwar gegenläufig. Je später in der Schwangerschaft sich die Mutter ansteckt, desto wahrscheinlicher wird die Übertragung, weil die Plazenta dann durchlässiger und stärker durchblutet ist. Je früher die Ansteckung dagegen erfolgt, desto schwerer sind die Schäden, weil dann noch unfertige Anlagen von Gehirn und Auge getroffen werden. Die schwersten Verläufe gehen also aus den seltensten Übertragungen hervor.
Das klassische Bild der früh erworbenen Form umfasst einen Wasserkopf, Verkalkungen im Gehirn und eine Entzündung von Netzhaut und Aderhaut. Vollständig ausgeprägt ist dieses Bild allerdings selten. Die große Mehrzahl der betroffenen Kinder kommt ohne erkennbare Auffälligkeiten zur Welt. Bei einem Teil von ihnen zeigen sich erst im Lauf der Kindheit oder im Jugendalter Folgen, meist Entzündungsherde an der Netzhaut, die zu Sehstörungen führen können. Diese späte Manifestation ist der Grund, weshalb ein unauffälliger Befund nach der Geburt keine endgültige Entwarnung bedeutet und betroffene Kinder augenärztlich weiterbetreut werden.
Wie mit diesem Risiko umgegangen wird, ist von Land zu Land verschieden. In einigen Ländern werden Schwangere planmäßig und wiederholt auf Antikörper untersucht, um Erstinfektionen früh zu erkennen; in anderen beschränkt man sich auf Untersuchungen bei begründetem Verdacht. Hintergrund dieser Unterschiede ist, dass sich der Nutzen einer flächendeckenden Reihenuntersuchung bislang nicht eindeutig belegen ließ.
Toxoplasmose bei geschwächter Abwehr
Die zweite Gruppe, für die der Erreger gefährlich werden kann, sind Menschen mit stark geschwächter Immunabwehr. Bei ihnen entsteht die Erkrankung meist nicht durch eine frische Ansteckung, sondern durch das Wiederaufflammen einer alten, längst vergessenen Infektion: Die in den Gewebezysten ruhenden Erreger werden wieder aktiv, sobald die Kontrolle durch das Immunsystem nachlässt. Betroffen sind vor allem Menschen mit fortgeschrittener HIV-Infektion, Empfänger von Spenderorganen nach einer Organtransplantation und Patienten, deren Abwehr im Rahmen einer Chemotherapie oder einer dauerhaften Behandlung mit abwehrunterdrückenden Medikamenten herabgesetzt ist.
Am häufigsten betrifft die Reaktivierung das Gehirn. Dort entstehen umschriebene Entzündungsherde, die sich durch Kopfschmerzen, Wesensänderungen, Lähmungserscheinungen oder Krampfanfälle bemerkbar machen können. Bei Menschen mit ausgeprägter Immunsuppression gehörte diese Form der Toxoplasmose lange zu den häufigsten Ursachen von Herdbefunden im Gehirn überhaupt; seit die HIV-Infektion wirksam behandelt werden kann, ist sie dort, wo diese Medikamente verfügbar sind, deutlich seltener geworden. Eine zweite, seltenere Verlaufsform betrifft das Auge und äußert sich als wiederkehrende Entzündung der Netzhaut. Sie kommt auch bei Menschen mit intakter Abwehr vor und ist nicht in jedem Fall Folge einer angeborenen Infektion.
Bei Organübertragungen spielt zudem eine Rolle, ob Spender und Empfänger den Erreger bereits in sich tragen. Erhält ein Mensch ohne vorherige Infektion ein Organ, in dessen Gewebe Zysten liegen, kann er sich auf diesem Weg erstmals anstecken — und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem seine Abwehr durch Medikamente ohnehin herabgesetzt ist. Der Erregerstatus beider Seiten wird deshalb vor einer Transplantation bestimmt.
Nachweis und Diagnostik
Weil sich der Erreger nach der ersten Ansteckung in Zysten zurückzieht und im Blut nicht mehr frei vorkommt, spielt sein unmittelbarer Nachweis in der Routine kaum eine Rolle. Die Diagnose stützt sich in aller Regel auf Antikörper. Untersucht wird dabei nicht nur, ob Antikörper vorhanden sind, sondern auch, welcher Klasse sie angehören: Die einen treten früh nach der Ansteckung auf und verschwinden später wieder, die anderen bleiben lebenslang nachweisbar und zeigen eine irgendwann durchgemachte Infektion an.
Diese einfache Zuordnung reicht in der Schwangerschaft jedoch nicht aus, weil die früh auftretenden Antikörper bei manchen Menschen ungewöhnlich lange bestehen bleiben und dann eine frische Infektion vortäuschen. Für solche Fälle wurde ein Zusatzverfahren entwickelt, das misst, wie fest die Antikörper an den Erreger binden. Diese Bindungsstärke nimmt in den Monaten nach der Ansteckung zu, sodass sich aus ihr abschätzen lässt, wie lange die Infektion zurückliegt — eine Auskunft, von der abhängt, ob die Ansteckung überhaupt in die Schwangerschaft fällt.
Wo der Antikörpernachweis nicht weiterhilft, treten andere Verfahren an seine Stelle. Beim ungeborenen Kind und bei Menschen mit geschwächter Abwehr, deren Körper womöglich keine ausreichenden Antikörper mehr bildet, wird das Erbmaterial des Erregers unmittelbar gesucht — im Fruchtwasser, das durch eine Fruchtwasseruntersuchung gewonnen wird, im Nervenwasser oder in Gewebeproben. Beim ungeborenen Kind ergänzt die Ultraschalluntersuchung das Bild, weil sich Verkalkungen und eine Erweiterung der Hirnkammern damit erkennen lassen. Bei Verdacht auf einen Befall des Gehirns liefern bildgebende Verfahren die entscheidenden Hinweise, weil die Entzündungsherde dort eine kennzeichnende Gestalt haben.
Bedeutung in der Tierhaltung
Für die Landwirtschaft ist Toxoplasma gondii vor allem als Ursache von Fehlgeburten bei Schafen und Ziegen von Bedeutung. Steckt sich ein Mutterschaf während der Trächtigkeit erstmals an, kann das Lamm absterben oder lebensschwach zur Welt kommen; in Beständen mit vielen erstmals trächtigen Tieren kann das erhebliche Verluste bedeuten. In die Bestände gelangt der Erreger über Futter und Einstreu, die mit Katzenkot verunreinigt sind.
Für die Übertragung auf den Menschen ist entscheidend, wie stark das Fleisch belastet ist, und das fällt je nach Tierart und Haltungsform sehr unterschiedlich aus. Gewebezysten finden sich vor allem in der Muskulatur von Schweinen, Schafen und Ziegen sowie in Wildfleisch, während sie bei Rindern selten sind. Freilandhaltung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Tiere mit dem Erreger in Berührung kommen. Die übliche Fleischbeschau erkennt Gewebezysten nicht, weil sie mit bloßem Auge unsichtbar sind; sie bietet gegen diesen Erreger also keinen Schutz.
Zuverlässig unschädlich gemacht werden die Gewebezysten durch Durcherhitzen und durch tiefes Gefrieren über mehrere Tage — anders als die weit widerstandsfähigeren Oozysten aus dem Katzenkot, denen Frost wenig anhaben kann. Pökeln, Räuchern und kurzes Anbraten reichen dagegen nicht sicher aus, weshalb Rohwurst und kurzgebratenes Fleisch als die wichtigsten Übertragungswege über Lebensmittel gelten. Auch außerhalb der Nutztierhaltung hat der Erreger Folgen: Über abgeschwemmten Boden gelangen Oozysten in Flüsse und ins Meer, wo sie bei Meeressäugern zu tödlich verlaufenden Erkrankungen führen können. Ein Erreger, dessen geschlechtliche Vermehrung an eine einzige Tierfamilie an Land gebunden ist, reicht damit bis in die Küstengewässer hinein.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Mehlhorn, H.: Die Parasiten des Menschen.
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- Lucius, R., Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten.
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- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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- Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
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