Atosiban
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Atosiban zählt zur Gruppe der Tokolytika. Als Oxytocin-Antagonist hemmt es die Wehentätigkeit und wird zum Abwenden von Frühgeburten verordnet. Das verschreibungspflichtige Mittel wird als Injektion und als intravenöse Infusion gegeben.
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Was ist Atosiban?
Der Wehenhemmer Atosiban wird in der geburtshilflichen Medizin eingesetzt und soll eine während der Schwangerschaft drohende Frühgeburt abwenden helfen. Es handelt sich hierbei um einen Oxytocin-Antagonisten aus der Gruppe der Tokolytika, der die Wirkung der beiden Hormone Oxytocin und Vasopressin hemmt.
Die farblose, klare Flüssigkeit wird als Injektionslösung und intravenöse Infusion verabreicht. Atosiban wird in Durchstechflaschen unterschiedlicher Größe für die Injektion und für die Infusion angeboten.
Für die Gabe von Atosiban müssen klar bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Das verschreibungspflichtige Medikament darf nur unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal verwendet werden.
Pharmakologische Wirkung
Bei Atosiban handelt es sich um ein synthetisches Strukturanalogon des im Organismus vorhandenen Neuropeptids Oxytocin. Als kompetitiver Oxytocin-Antagonist wirkt das Arzneimittel an den Oxytocin-Rezeptoren im Myometrium.
Außerdem bindet es sich an den Vasopressin-V1a-Rezeptor und hemmt so die Wirkung von Vasopressin. Hierbei findet eine Inhibition der Ca2+-Ionen-Freisetzung aus intrazellulären Speichern im sarkoplasmatischen Retikulum statt.
Das Blockieren des Einströmens der Ca2+-Ionen in die Myometriumzelle hemmt den zur Uteruskontraktion benötigten intrazellulären Anstieg des Ca2+. Die Stärke der Hemmung der Uteruskontraktionen hängt von der verabreichten Atosiban-Dosis ab.
Nach den wie beschrieben erfolgten Bindungen des Atosiban und dessen wehenhemmender Wirkung erniedrigen sich folglich die Kontraktionsfrequenz sowie der Tonus der Uterusmuskulatur, der Uterus wird ruhiggestellt. Durch die empfohlene Dosis von Atosiban lässt sich eine Ruhigstellung des Uterus von bis zu zwölf Stunden erreichen.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Rund zwei Drittel aller Frühgeburten werden durch vorzeitige Wehen, verfrühten Blasensprung oder eine Zervixinsuffizienz verursacht. Atosiban wird bei vorzeitiger Wehentätigkeit eingesetzt.
Für die Gabe von Atosiban müssen bestimmte Kriterien vorliegen, und zwar: regelmäßige Kontraktionen des Uterus von mindestens 30 Sekunden Dauer und mit einer Häufigkeit von mindestens vier Wehen innerhalb von 30 Minuten; geöffneter Muttermund auf eine Weite von ein bis drei Zentimetern (null bis drei Zentimeter bei Erstgebärenden); Zervixverstreichung von mindestens 50 %; innerhalb der 24. bis 33. abgeschlossenen Schwangerschaftswoche; Schwangere über 18 Jahre; Fötus mit regulärer Herzfrequenz.
Atosiban ist verschreibungspflichtig und wird im Krankenhaus von einem Arzt, einer Hebamme oder weiterem medizinischen Fachpersonal verabreicht. Die Dosis legt der Arzt fest.
Das Medikament wird in drei aufeinanderfolgenden Schritten intravenös zugeführt: Die erste Injektion erfolgt langsam über einen Zeitraum von einer Minute in die Vene. Die empfohlene Dosis beträgt 6,75 mg in 0,9 ml. Anschließend läuft das Mittel als Dauerinfusion über einen Tropf für drei Stunden. Als stündliche Dosis werden 18 mg empfohlen. Eine verringerte Dosis Atosiban von empfohlenen 6 mg stündlich folgt für maximal 45 Stunden bzw. bis zum Nachlassen der Uteruskontraktionen. Pro Schwangerschaft sollte es zu nicht mehr als drei Behandlungswiederholungen kommen.
Atosiban ist bei bestimmten Erkrankungen beziehungsweise Zuständen kontraindiziert, wie in dieser Übersicht zu sehen: Allergie auf Medikamentenbestandteile; außerhalb der 24. bis 33. Schwangerschaftswoche; vorzeitiger Blasensprung nach der 30. Schwangerschaftswoche; irreguläre Herzfrequenz des Fötus; Vaginalblutungen; Eklampsie oder schwere Präeklampsie; Uterusinfektion; gelöste oder den Geburtskanal verdeckende Plazenta; verstorbener Fötus; riskantes Fortbestehen der Schwangerschaft.
Verabreichung & Dosierung
Atosiban ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von vorzeitigen Wehen bei schwangeren Frauen eingesetzt wird. Es wirkt als Antagonist an Oxytocin-Rezeptoren, was die Wehenaktivität vermindert. Bei der Verabreichung und Dosierung von Atosiban sind spezifische Richtlinien zu beachten, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten:
Dosierungsschema: Die Behandlung mit Atosiban folgt einem spezifischen Schema, das mit einer initialen intravenösen Bolusinjektion beginnt, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion. Die typische Startdosis ist ein Bolus von 6,75 mg, verabreicht über 1 Minute. Dies wird gefolgt von einer ersten Infusionsphase mit 18 mg Atosiban pro Stunde für 3 Stunden. Danach wird die Infusion auf eine Erhaltungsdosis von 6 mg pro Stunde für bis zu 45 Stunden reduziert.
Behandlungsdauer: Die maximale Behandlungsdauer mit Atosiban sollte 48 Stunden nicht überschreiten.
Überwachung: Während der Behandlung sollte die Mutter sorgfältig überwacht werden, insbesondere in Bezug auf Wehenaktivität, fötale Herzfrequenz und Anzeichen von Nebenwirkungen. Atosiban sollte unter stationären Bedingungen verabreicht werden, um eine angemessene Überwachung zu gewährleisten. Die Überwachung endet nicht mit der Geburt: Da Atosiban der Wirkung des Oxytocins entgegensteht, könnte es die Gebärmutter erschlaffen lassen und dadurch eine Blutung nach der Entbindung begünstigen. In den klinischen Prüfungen wurde eine unzureichende Zusammenziehung der Gebärmutter nach der Geburt zwar nicht beobachtet, der Blutverlust wird aber dennoch kontrolliert.
Stillen eines älteren Kindes: Wird während der Schwangerschaft noch ein älteres Geschwisterkind gestillt, sollte das Stillen für die Dauer der Behandlung unterbrochen werden. Beim Stillen schüttet der Körper Oxytocin aus – genau jenes Hormon, dessen Wirkung Atosiban blockieren soll. Die dadurch verstärkte Zusammenziehung der Gebärmutter kann die wehenhemmende Wirkung wieder aufheben. Geringe Mengen des Wirkstoffs gelangen aus dem Blut in die Muttermilch; eine Beeinträchtigung des Stillvermögens selbst wurde in den klinischen Prüfungen nicht beobachtet.
Nebenwirkungen: Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und gelegentlich allergische Reaktionen. Sollten diese auftreten, ist eine Anpassung der Therapie oder ein Abbruch der Behandlung zu erwägen.
Kontraindikationen: Atosiban ist bei Frauen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile sowie bei vorzeitigem Blasensprung nach der 30. Schwangerschaftswoche kontraindiziert. Bei schweren Leber- oder Nierenproblemen, bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei unkontrolliertem Bluthochdruck ist besondere Vorsicht geboten.
Die Anwendung von Atosiban sollte genau nach Vorgabe erfolgen und erfordert eine genaue Überwachung durch medizinisches Fachpersonal, um die Sicherheit für Mutter und Kind zu gewährleisten.
Risiken & Nebenwirkungen
Bei der Anwendung von Atosiban können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Beobachtet wurden Befindlichkeitsstörungen wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Hitzewallungen. Außerdem konnten eine erhöhte Herzschlagfrequenz, erniedrigter Blutdruck, erhöhte Blutzuckerwerte und Reaktionen an der Einstichstelle auftreten. Gelegentlich kam es zu Hautausschlag, Juckreiz, Fieber oder Schlaflosigkeit. Selten wurden allergische Reaktionen sowie Blutungen und eine Erschlaffung der Gebärmutter beschrieben.
Beim Neugeborenen ergaben die klinischen Prüfungen keine eigenen, dem Atosiban zuzuschreibenden Nebenwirkungen. Die beobachteten Auffälligkeiten lagen im Rahmen der üblichen Streuung und waren ähnlich häufig wie unter Scheinbehandlung und unter Betamimetika.
Seit der Markteinführung wurde über Atemnot und über Wasseransammlungen in der Lunge berichtet. Diese Meldungen betrafen vor allem zwei Situationen: die gleichzeitige Gabe weiterer wehenhemmender Arzneimittel wie Kalziumantagonisten und Betamimetika sowie Frauen, die mehr als ein Kind erwarten. Beides gilt ohnehin als Risiko für ein Lungenödem, weshalb Atosiban bei einer Mehrlingsschwangerschaft und bei einer Kombination mit anderen Wehenhemmern mit Vorsicht angewendet wird.
Die klinische Erfahrung ist zudem nicht in allen Konstellationen gleich groß. Zu Mehrlingsschwangerschaften und zu den frühesten Wochen des zugelassenen Zeitraums liegen wegen der geringen Zahl behandelter Frauen nur begrenzte Erfahrungen vor; der Nutzen ist für diese Gruppen nicht gesichert. Lässt sich ein vorzeitiger Blasensprung nicht ausschließen, wird der Gewinn durch das Hinauszögern der Geburt sorgfältig gegen das Risiko einer Infektion der Eihäute abgewogen.
Atosiban sollte nur nach einem ausführlichen ärztlichen Beratungsgespräch angewendet werden.
Kontraindikationen
Trotz seiner Nützlichkeit in bestimmten Situationen gibt es mehrere Gegenanzeigen sowie Umstände, die besondere Vorsicht erfordern. Zu ihnen gehören:
Überempfindlichkeit: Frauen, die bekannte Überempfindlichkeiten gegen Atosiban oder einen der Bestandteile des Medikaments haben, sollten Atosiban nicht verwenden.
Vorzeitiger Blasensprung nach der 30. Schwangerschaftswoche: Ist die Fruchtblase nach diesem Zeitpunkt bereits gesprungen, ist die Verwendung von Atosiban kontraindiziert. Die Gegenanzeige beginnt damit vor dem Ende des Zeitraums, für den der Wirkstoff überhaupt zugelassen ist.
Schwere Präeklampsie oder Eklampsie: Frauen mit schwerer Präeklampsie oder Eklampsie sollten Atosiban nicht erhalten, da das Risiko für Mutter und Fötus in diesen Fällen anders bewertet und behandelt werden muss.
Intrauteriner Fruchttod: Atosiban darf nicht angewendet werden, wenn der Fötus bereits verstorben ist, da es in diesem Fall keinen Nutzen bietet.
Schwere kardiovaskuläre Erkrankungen: Bei Frauen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Verwendung von Atosiban aufgrund des potenziellen Risikos für kardiale Ereignisse besonders sorgfältig abzuwägen.
Unkontrollierte Hypertonie: Bei unkontrolliertem Bluthochdruck ist Vorsicht geboten, da es möglicherweise zu einer Verschlechterung des Zustands führen kann.
Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen: Bei Frauen mit schweren Störungen der Leber- oder Nierenfunktion ist besondere Vorsicht geboten, da die Elimination des Medikaments beeinträchtigt sein könnte, was zu erhöhten Plasmakonzentrationen und potenziellen Toxizitäten führen kann. Als Gegenanzeigen im engeren Sinne führt die Fachinformation Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck allerdings nicht auf; für die Anwendung bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion liegen lediglich keine Erfahrungen vor.
Es ist wichtig, dass Ärzte eine umfassende Bewertung des Gesundheitszustands und der medizinischen Vorgeschichte der schwangeren Frau durchführen, bevor Atosiban verabreicht wird, um sicherzustellen, dass keine der oben genannten Kontraindikationen vorliegt.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Atosiban wird zur Behandlung vorzeitiger Wehen bei schwangeren Frauen eingesetzt und hat spezifische Interaktionen mit anderen Medikamenten, die bei der Verabreichung beachtet werden sollten. Allerdings sind die bekannten Arzneimittelinteraktionen von Atosiban im Vergleich zu anderen Medikamenten relativ begrenzt. Hier sind einige wichtige Aspekte zu den Interaktionen:
Magnesiumsulfat: Magnesiumsulfat wird häufig zur Behandlung vorzeitiger Wehen und zur Prävention von Eklampsie verwendet. Es gibt theoretische Bedenken, dass die gleichzeitige Anwendung von Atosiban und Magnesiumsulfat die Herz-Kreislauf-Effekte beider Medikamente verstärken könnte, was zu potenziellen Risiken für Mutter und Fötus führen kann. Untersuchungen zu Wechselwirkungen wurden allerdings nur mit Labetalol und Betametason durchgeführt; dort ergaben sich keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen. Zur Kombination mit Magnesiumsulfat liegen solche Untersuchungen nicht vor. Die Kombination sollte deshalb mit Vorsicht angewendet und die Patientin sorgfältig überwacht werden – zumal die gleichzeitige Gabe mehrerer wehenhemmender Arzneimittel als Risiko für eine Wasseransammlung in der Lunge gilt.
Betamimetika: Betamimetika wie Terbutalin werden ebenfalls zur Hemmung vorzeitiger Wehen verwendet; in Deutschland ist für diesen Zweck allerdings nur Fenoterol zugelassen. Die gleichzeitige Verwendung von Atosiban und Betamimetika ist nicht gut untersucht und könnte theoretisch zu unerwünschten kardiovaskulären Effekten führen. Daher sollte die Kombination dieser Medikamente mit Vorsicht erfolgen, und es ist ratsam, alternative Behandlungsoptionen zu erwägen.
Andere Medikamente: Da Atosiban nur in geringen Mengen über den Urin ausgeschieden wird und nicht stark an Plasmaproteine gebunden ist oder das Cytochrom P450-Enzymsystem in signifikanter Weise beeinflusst, sind andere direkte pharmakokinetische Wechselwirkungen mit Medikamenten, die durch diese Pfade metabolisiert werden, unwahrscheinlich.
Da die Datenlage zu Atosiban-Wechselwirkungen begrenzt ist, wird empfohlen, bei der Anwendung des Medikaments besonders aufmerksam zu sein und den klinischen Zustand der Patientin genau zu überwachen. Im Zweifelsfall sollte Rücksprache mit einem Facharzt gehalten werden, um das beste Vorgehen für die Patientin und das ungeborene Kind zu gewährleisten.
Alternative Behandlungsmethoden
Wenn Atosiban, ein Oxytocin-Rezeptor-Antagonist zur Behandlung vorzeitiger Wehen, nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, gibt es mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die in Betracht gezogen werden können:
Betamimetika (Beta-Agonisten): Diese Medikamente wie Ritodrin oder Terbutalin sind traditionelle Therapien zur Hemmung vorzeitiger Wehen. Sie wirken durch die Entspannung der glatten Muskulatur des Uterus. Allerdings können sie kardiovaskuläre Nebenwirkungen wie Herzklopfen oder Brustschmerzen verursachen und sollten daher mit Vorsicht verwendet werden. Die Anwendung dieser Wirkstoffgruppe bei vorzeitigen Wehen wurde 2013 europaweit eingeschränkt: Darreichungsformen zum Einnehmen und als Zäpfchen sind für geburtshilfliche Anwendungsgebiete nicht mehr zugelassen, die Gabe als Infusion ist auf einen kurzen Zeitraum unter fachärztlicher Überwachung begrenzt. In Deutschland ist Fenoterol das einzige für diesen Zweck zugelassene Betamimetikum.
Magnesiumsulfat: Magnesiumsulfat wird nicht nur zur Prävention der Eklampsie eingesetzt, sondern auch zur Behandlung vorzeitiger Wehen. Es wirkt als natürlicher Kalziumkanalblocker und hilft, die Muskeln des Uterus zu entspannen. Die Verwendung von Magnesiumsulfat erfordert sorgfältige Überwachung, da es das Risiko für Nebenwirkungen wie Hypotonie und Atemdepression erhöhen kann. Als Wehenhemmer wird Magnesiumsulfat nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr empfohlen; die Leitlinie der Fachgesellschaften sieht es stattdessen zur Neuroprotektion des ungeborenen Kindes bei sehr früh drohender Frühgeburt vor.
Prostaglandin-Synthesehemmer: Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) wie Indometacin können zur Behandlung vorzeitiger Wehen eingesetzt werden, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen, die eine Rolle bei der Auslösung von Wehen spielen. Die Anwendung von NSAIDs sollte jedoch aufgrund potenzieller Risiken für den Fötus zeitlich begrenzt sein, insbesondere in Bezug auf Auswirkungen auf das fetale Herz-Kreislauf-System.
Kalziumkanalblocker: Nifedipin, ein Kalziumkanalblocker, wird häufig verwendet, um die Kontraktion des Uterus zu hemmen. Es ist im Allgemeinen gut verträglich und kann eine wirksame Alternative für Patientinnen sein, die Atosiban nicht vertragen.
Progesteron: Obwohl nicht spezifisch für die akute Unterbrechung vorzeitiger Wehen, wird Progesteron oft präventiv bei Frauen mit einem hohen Risiko für Frühgeburten eingesetzt. Progesteron kann helfen, das Fortschreiten zu aktiven Wehen zu verzögern.
Ein Blick auf den Zulassungsstatus ordnet diese Aufzählung ein: In Deutschland sind zur Wehenhemmung allein Fenoterol und Atosiban zugelassen. Nifedipin und Indometacin werden also außerhalb ihres zugelassenen Anwendungsgebiets eingesetzt. Die Leitlinie der Fachgesellschaften empfiehlt gleichwohl, mit Blick auf Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofil bevorzugt Kalziumantagonisten, Oxytocinrezeptorantagonisten und Hemmer der Prostaglandinbildung zu verwenden – trotz der teilweise fehlenden Zulassung. Von der dauerhaften Infusion von Betamimetika und von Magnesiumsulfat rät sie zur Wehenhemmung dagegen ab, weil Betamimetika die höchste Rate an Nebenwirkungen bei der Mutter aufweisen und für Magnesiumsulfat eine wehenhemmende Wirksamkeit nicht belegt ist.
Im direkten Vergleich mit Nifedipin schneidet Atosiban bei der Wirksamkeit gleichwertig ab: Eine Zusammenschau mehrerer randomisierter Studien fand keine bedeutsamen Unterschiede darin, wie lange sich die Schwangerschaft verlängern ließ. Unterschiede zeigten sich bei der Verträglichkeit, wo Atosiban seltener zu Nebenwirkungen bei der Mutter führte, und beim Preis, der bei Atosiban deutlich höher liegt. Als Wehenhemmer der Wahl gilt Atosiban deshalb vor allem dann, wenn Gegenanzeigen gegen die anderen Mittel bestehen oder wenn die Schwangere bereits an einer Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet. Für Nifedipin ist ein starker Blutdruckabfall die wichtigste Gefahr, für Indometacin weist eine Auswertung von Beobachtungsstudien auf eine erhöhte Krankheitshäufigkeit beim Neugeborenen hin. Langfristige Nachteile für das Kind wurden weder für Atosiban noch für Nifedipin beobachtet.
Es ist wichtig, dass jede alternative Behandlung sorgfältig unter Berücksichtigung der individuellen Umstände und der Schwangerschaftsdauer der Patientin abgewogen wird. Eine engmaschige Überwachung und eine enge Zusammenarbeit mit Fachärzten für Geburtshilfe und Neonatologie sind entscheidend, um optimale Ergebnisse zu erzielen und die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
ISBN: 9783437210976
- Geisslinger, G., Menzel, S., Gudermann, T., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804736634
