Bariumsulfat

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bariumsulfat ist ein schwerlösliches bis unlösliches Sulfatsalz, das aus dem Erdalkalimetall Barium gewonnen wird. In natürlichen Beständen kommt es als Baryt vor. Als Pulver leuchtet Bariumsulfat in weißer Farbe. Es wird als Füllung in Kunststoffen für die Produktion von Farben und medizinisch als röntgenpositives Kontrastmittel eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bariumsulfat?

Bariumsulfat
Bariumsulfat ist ein schwerlösliches bis unlösliches Sulfatsalz, das aus dem Erdalkalimetall Barium gewonnen wird. In natürlichen Beständen kommt es als Baryt vor.

Bariumsulfat ist eine Substanz mit einer hohen Undurchlässigkeit für Röntgenstrahlen. Daher wird es in der Radiologie als schwerlösliche Suspension in Form röntgenpositiver Kontrastmittel verwendet. Es wird nicht absorbiert und eignet sich zur Darstellung des Verdauungstraktes. Anschließend wird das Mittel unverändert als weißer Stuhlgang wieder ausgeschieden.

Verabreicht wird Bariumsulfat als Ösophagus-Breischluck, um physiologische Informationen zu gewinnen. Es gelangt in oraler Form über die Speiseröhre in den Magen und wird anschließend über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden. Eine weitere Möglichkeit ist die rektale Einführung für die Gewinnung morphologischer Informationen.

Pharmakologische Wirkung

Die in der Röntgendiagnostik eingesetzten Bariumsulfat-Suspensionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Viskosität, Teilchengröße und Konzentration. Neben Bariumsulfat kommen Isotonisierungsmittel wie Sorbitol sowie Verdickungs- und Dispersionsmittel zum Einsatz, um eine Flockulation (Flockung) zu vermeiden.

Das Kontrastmittel wird häufig in Kombination mit Methylzellulose-Gelen und Kohlenstoffdioxid verwendet, um eine Aufblähung des Gastrointestinaltraktes durch Lufteinbringung herbeizuführen. Diese gleichzeitige Anwendung zweier Mittel wird als Doppelkontrastmethode bezeichnet. Auf diese Weise wird eine bessere Darstellung der Darmschleimhaut in Reliefform erreicht, da das Kontrastmittel alleine lediglich zu einer dünnen Beschichtung auf der Darmoberfläche führt.

Kontrastmittel werden eingesetzt, um mit der Röntgenuntersuchung Organe darzustellen, die nur einen geringen Dichteunterschied zu den umliegenden Organsystemen und Geweben aufweisen. So sind die Mediziner in der Lage, pathologische Prozesse und gesundes Gewebe zu unterscheiden.

Da Bariumsulfat-Suspensionen nicht wasser- und fettlöslich sind, werden sie vom Körper nicht aufgenommen und unverändert ausgeschieden. Lösliche Bariumverbindungen sind dagegen giftig; die Unbedenklichkeit von Bariumsulfat beruht allein darauf, dass es sich im Körper praktisch nicht löst.

Streng genommen hat Bariumsulfat gar keine pharmakologische Wirkung im üblichen Sinn. Es greift in keinen Vorgang des Körpers ein, sondern wirkt rein physikalisch: Es schluckt Röntgenstrahlen, und genau das macht es auf dem Bild sichtbar. Arzneimittelrechtlich gilt es deshalb als Diagnostikum und nicht als Heilmittel. Unter den Bedingungen des Körpers verhält es sich chemisch gleichgültig, es wird aus dem Magen-Darm-Trakt nicht aufgenommen und ist in dieser Form praktisch unlöslich und ungiftig. Die toxikologische Prüfung ergab dementsprechend keinen Hinweis auf eine Wirkung im übrigen Körper.

Durch den Verdauungskanal wandert die Suspension ähnlich wie der Speisebrei. Magen und Dünndarm passiert sie im Lauf einiger Stunden, wobei die Zeiten stark schwanken und unter anderem von der Menge, der Art des Kontrastmittels und dem vegetativen Zustand des Untersuchten abhängen; wird nach der Kontrastmahlzeit wieder gegessen, beschleunigt das die Entleerung. Der Dickdarm braucht dagegen deutlich länger – von einem Tag bis zu mehreren. Diese lange Verweildauer ist der Grund, warum röntgendichte Reste noch tagelang auf Aufnahmen zu sehen sein können.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Kontrastmittel können unerwünschte Nebenwirkungen haben, die sich in verschiedenen Organen und der Haut manifestieren. Ist eine Röntgenuntersuchung mittels Kontrastmittel indiziert, bestehen grundsätzlich strengere Anforderungen als bei einer therapeutischen Vergabe von Medikamenten. Moderne Röntgenkontrastmittel durchlaufen langjährige Verträglichkeitsstudien, bevor sie von den Zulassungsbehörden zugelassen werden. Ärzte sind zudem verpflichtet, ihre Patienten über die möglichen Risiken aufzuklären.

Durch Kontrastmitteleinsatz gewinnen die Mediziner zusätzliche Informationen, die sie ohne bildgebende Verfahren und Einsatz dieser Mittel nicht erhalten würden. Die Zusatzinformationen werden in zwei Kategorien eingeteilt: morphologische (strukturelle) und physiologische (funktionelle) Informationen. Eine typische Untersuchung für erstere ist die Doppelkontrastdarstellung des Dickdarms durch rektale Instillation (tropfenweise Verabreichung) einer Bariumsuspension. Durch anschließende Lufteinbringung in den Darm wird das Darm-Lumen (lichte Weite) durch die Füllung und den Negativkontrast sichtbar. Dies entsteht durch die hohe Durchlässigkeit der Luft für die Röntgenstrahlung. Morphologische Veränderungen wie Polypen, Verengungen, Entzündungen und Aussackungen werden sichtbar.

Funktionelle Informationen werden durch die Vergabe eines Breischlucks gewonnen. So können die Mediziner Beweglichkeitsstörungen der Speiseröhre feststellen. Durch die hohe weiße Leuchtkraft ist das untersuchte Organ oder Gewebe deutlich von den umliegenden Organ- und Gewebestrukturen zu unterscheiden, die auf dem Röntgenbild dunkel bleiben.

Die Patienten müssen für die Untersuchung nüchtern sein, das heißt, sie dürfen mehrere Stunden zuvor nichts essen und trinken. In den meisten Fällen wird diese Kontrastdarstellung morgens durchgeführt, wenn der Patient noch nicht gefrühstückt hat, so dass er nur für kurze Zeit auf die Nahrungsaufnahme verzichten muss.


Verabreichung & Dosierung

Bariumsulfat ist ein Diagnostikum und nicht zur Injektion bestimmt. Verabreicht wird es entweder zum Trinken, über eine Sonde unmittelbar in den Darm oder – bei den dafür bestimmten Zubereitungen – als Einlauf über den Enddarm. Die orale Gabe dient der Darstellung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm, die Gabe über eine Duodenalsonde der gezielten Darstellung des Dünndarms und der Einlauf der Darstellung des Dickdarms.

Wie viel Kontrastmittel zum Einsatz kommt und in welcher Form, lässt sich nicht allgemein festlegen. Menge, Verdünnung und Art der Verabreichung richten sich nach der Untersuchungstechnik, nach der vermuteten Erkrankung und nach den individuellen Verhältnissen des Untersuchten. Für die Schleimhautdarstellung wird die Suspension unverdünnt eingenommen, für eine pralle Füllung des Magens mit Trinkwasser verdünnt.

Die Zubereitung selbst folgt festen Regeln. Das Trinkwasser wird unmittelbar vor der Anwendung zugesetzt und die Mischung kräftig durchgerührt; anschließend ruht sie, bis die Luftblasen verschwunden sind, weil eingeschlagene Luft die Aufnahme stören würde. Soll die Suspension körperwarm verabreicht werden, wird erwärmtes Trinkwasser verwendet – allerdings darf es nicht zu heiß sein, weil einzelne Hilfsstoffe temperaturempfindlich sind. Vor der Gabe wird die Temperatur kontrolliert.

Bei Kindern bestimmt der Arzt die Menge nach Alter und Körpergewicht und nach den Besonderheiten der kinderradiologischen Diagnostik. Für ältere Menschen gibt es keine gesonderten Empfehlungen zur Menge; hier zählen vor allem die Gegenanzeigen und Warnhinweise. Bei Kleinkindern und bei alten Menschen mit mehreren Vorerkrankungen, besonders des Herz-Kreislauf-Systems, wird die Notwendigkeit der Untersuchung besonders streng geprüft, weil bereits die Vorbereitung eine erhebliche Belastung darstellen kann.

Die Anwendung erfolgt nur unter ärztlicher Aufsicht. Radiologische Einrichtungen halten dafür geschultes Personal vor, das Überempfindlichkeitsreaktionen erkennen und behandeln kann, denn bei einer Aspiration, einem Übertritt in ein Gefäß oder einer Perforation ist sofortiges fachärztliches Eingreifen erforderlich. Nach der Untersuchung bleiben die Untersuchten noch eine Weile unter Beobachtung, weil Kreislaufreaktionen bis hin zur Ohnmacht und Herzrhythmusstörungen auftreten können und sich nicht vorhersagen lassen.

Ebenso wichtig ist, was nach der Untersuchung geschieht. Empfohlen werden eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr vor und einige Tage nach der Untersuchung sowie Bewegung, damit das Kontrastmittel den Darm zügig wieder verlässt. Bei bestehender Verstopfung kommen zusätzlich Abführmittel in Betracht, und die Betroffenen werden besonders aufmerksam beobachtet.

Risiken & Nebenwirkungen

Der behandelnde Arzt muss vor Einsatz dieses Röntgenkontrastmittels eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen, da es zu gravierenden Fremdkörperreaktionen kommen kann, wenn die Bariumsulfat-Suspension an die falsche Stelle gelangt.

Der Einsatz ist kontraindiziert, wenn eine Perforation im Bereich von Magen und Darm vorliegt oder die Gefahr einer Aspiration (Eindringen in die Atemwege) des Kontrastmittels besteht. Dies ist zum Beispiel bei Fisteln oder einem perforierten Ulcus in Form eines tiefliegenden Substanzdefektes der Fall. Im Falle dieser fehlerhaften Vergabe gelangt das Kontrastmittel in die peritonealen Organe, zum Beispiel in die Leber, Milz, Magen, Grimmdarm, Gebärmutter oder die Ovarien (Eierstock). Gelangt Bariumsulfat in die freie Bauchhöhle, können lebensbedrohliche Komplikationen auftreten. Bereits der Verdacht auf eine Perforation gilt deshalb als Gegenanzeige. Ebenso wird Bariumsulfat bei einem Darmverschluss (Ileus) nicht verabreicht, weil es sich vor dem Hindernis eindickt und die Passage zusätzlich blockieren kann.

Im Fall einer Irrigoskopie (Dickdarmröntgen) ist eine Röntgenuntersuchung erst 14 Tage nach der durchgeführten Biopsie durchzuführen. Eine nicht indizierte intraperitoneale Vergabe kann zum Tod des Patienten führen. Das Gegenteil von „peritoneal“ ist „retroperitoneal“. Primär retroperitoneal befinden sich alle Organe, die hinter der Bauchhöhle liegen, wie Harnleiter und Nieren. Sekundär retroperitoneal sind die Organe, die mit der dorsalen Bauchwand verbunden sind. Zu diesen Organen gehören Duodenum (Dünndarm im Anschluss an den Magen), Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Colon ascendens und descendens (aufsteigender und absteigender Dickdarm).

Was bei einer Aspiration geschieht, erklärt sich aus der Unlöslichkeit des Stoffes: Gelangt Bariumsulfat in die Atemwege, kann es dort nicht abgebaut werden. Schon kleine Mengen können eine Entzündung der Atemwege und eine Lungenentzündung nach sich ziehen. In der Nebenwirkungstabelle der Fachinformation stehen die Aspirationspneumonie und eine bindegewebige Vernarbung der Lunge. Besonders gefährdet sind Menschen mit Schluckstörungen oder herabgesetzter Aufmerksamkeit, Neugeborene, alte Menschen und Betroffene nach einem Schlaganfall. Auch Erbrechen nach dem Trinken der Suspension kann dazu führen, dass Kontrastmittel in die Luftröhre gerät und eine Aspirationspneumonitis auslöst, also eine Entzündung des Lungengewebes durch den Fremdkörperreiz. Bei Säuglingen, denen die Suspension über ein Fläschchen gegeben wird, kann eine solche Aspiration im schlimmsten Fall zum Herz- und Atemstillstand führen.

Ein zweites Risiko entsteht am anderen Ende des Verdauungskanals. Dickt Bariumsulfat zusammen mit dem Stuhl ein, können sich harte Klumpen bilden, die als Barolithen bezeichnet werden. Sie bleiben oft unbemerkt, können aber Bauchschmerzen, eine Blinddarmentzündung, einen Darmverschluss oder einen Durchbruch der Darmwand nach sich ziehen. Das Risiko ist erhöht bei vorbestehender Verstopfung, gestörter Magenentleerung, Verengungen und Aussackungen des Dickdarms, bei einer trägen Darmbewegung, gestörtem Salzhaushalt, Flüssigkeitsmangel und ballaststoffarmer Ernährung. In Aussackungen des Dickdarms kann zurückgehaltenes Bariumsulfat außerdem entzündliche Prozesse unterhalten. Gelangt das Kontrastmittel dagegen in den Raum hinter dem Bauchfell oder in den Mittelfellraum, treten zunächst häufig kaum Beschwerden auf – ein verzögert einsetzender Kreislaufschock durch bakterielle Giftstoffe kann sich jedoch Stunden später einstellen und endet oft tödlich. Beim seltenen Übertritt in ein Blutgefäß drohen eine Verschleppung in Lunge und Kreislauf, eine Störung der Blutgerinnung, eine Blutvergiftung und ein anhaltend schwerer Blutdruckabfall.

Weniger gefährliche Nebenwirkungen, deren Häufigkeit sich aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen lässt, sind Verstopfung, Schweißausbrüche, Schwäche, Magenkrämpfe, Juckreize, Nesselsucht oder Hautrötungen. Auch Atem- oder Schluckbeschwerden, Heiserkeit und vorübergehende Verwirrtheitszustände sind möglich.

Kontraindikationen

Die Gegenanzeigen für bariumsulfathaltige Kontrastmittel folgen im Kern demselben Gedanken: Der Stoff darf den Verdauungskanal nicht verlassen. Überall dort, wo die Wand des Verdauungstraktes undicht sein könnte, ist die Anwendung deshalb ausgeschlossen.

Dazu zählt neben der bereits genannten bestätigten oder vermuteten Perforation und dem Verschluss auch eine angeborene Unterbrechung des Verdauungsrohrs (Atresie) einschließlich einer Verengung des Magenausgangs. Ebenso ausgeschlossen ist die Anwendung beim Verdacht auf eine Bauchfellentzündung, beim Verdacht auf Fisteln im Verdauungstrakt sowie bei nachgewiesenen Verbindungen zwischen Speiseröhre und Luftröhre oder zu den Bronchien. Dasselbe gilt für Darmfisteln, die eine Verbindung zum Mittelfellraum, zum Brustfellraum oder zur Bauchhöhle haben.

Eine zweite Gruppe von Gegenanzeigen betrifft eine geschädigte oder frisch verletzte Darmwand: frische Verletzungen und Verätzungen von Speiseröhre, Magen und Darm, Blutungen im Verdauungstrakt, eine Minderdurchblutung der Darmwand, eine schwere Darmentzündung des Neugeborenen sowie eine nach einer Operation undicht gewordene Naht.

Hinzu kommen zeitliche Sperren. Im Umfeld eines Eingriffs an Speiseröhre, Magen oder Darm – unmittelbar davor und für eine Weile danach – wird kein Bariumsulfat verabreicht; das schließt endoskopische Abtragungen und Gewebeentnahmen mit Verödung ausdrücklich ein. Auch während und für einige Wochen nach einer Strahlentherapie von Hals, Brustkorb oder Bauchraum bleibt das Kontrastmittel außen vor. Schließlich schließt eine bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen einen der Hilfsstoffe die Anwendung aus; die zur Konservierung eingesetzten Ester der 4-Hydroxybenzoesäure können Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, mitunter erst mit zeitlicher Verzögerung.

Keine Gegenanzeigen, aber Gründe für besondere Zurückhaltung sind Zustände mit erhöhter Perforationsgefahr: hochgradige Verengungen, Fisteln, Krebserkrankungen des Verdauungstraktes, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Aussackungen des Dickdarms samt ihrer Entzündung sowie Erkrankungen durch Parasiten. Bei einem bestehenden Asthma können sich die Beschwerden unter der Anwendung verstärken, sodass Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abzuwägen sind.

Für die Schwangerschaft liegen keine Daten zur Anwendung von Bariumsulfat vor; Röntgenuntersuchungen des Magen-Darm-Traktes werden bei Schwangeren ohnehin grundsätzlich vermieden. In der Stillzeit spricht dagegen nichts gegen die Anwendung, da kein Grund zu der Annahme besteht, dass Bariumsulfat in die Muttermilch übergeht.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Weil Bariumsulfat nicht in den Körper aufgenommen wird, sind Wechselwirkungen im gewohnten Sinn – also ein Zusammentreffen zweier Wirkstoffe im Blut – nicht zu erwarten. Die Berührungspunkte liegen woanders.

Zum einen kann sich ein gleichzeitig eingenommenes Arzneimittel an die Teilchen der Suspension anlagern. Es steht dem Körper dann nicht mehr vollständig zur Verfügung und wirkt schwächer als beabsichtigt. Von einer gleichzeitigen Einnahme wird deshalb abgeraten, und besondere Aufmerksamkeit gilt Arzneimitteln, bei denen schon kleine Abweichungen der aufgenommenen Menge spürbar sind.

Zum anderen wirkt sich auf die Passage aus, was die Darmbewegung dämpft. Wird die Peristaltik durch Medikamente oder aus anderen Gründen gebremst, kann die Suspension eindicken und die Passage behindern. Dieselbe Richtung schlagen die Empfehlungen zur Flüssigkeitszufuhr und Bewegung nach der Untersuchung ein.

Ein dritter Punkt betrifft nicht Arzneimittel, sondern andere Untersuchungen. Weil Bariumsulfat den Körper nur langsam verlässt, bleiben röntgendichte Rückstände zurück. Sie können in den folgenden Tagen die Beurteilung anderer bildgebender Verfahren stören, etwa einer Darstellung der Harnwege oder einer Computertomographie. Die Reihenfolge mehrerer Untersuchungen ist deshalb keine Nebensache.

Alternative Behandlungsmethoden

Die wichtigste Alternative sind wasserlösliche, jodhaltige Kontrastmittel auf der Basis von Amidotrizoat. Sie kommen überall dort zum Zuge, wo Bariumsulfat unbefriedigende Ergebnisse liefert, unerwünscht oder geradezu ausgeschlossen ist. Die Fachinformation eines solchen Präparats nennt dafür ausdrücklich den Verdacht auf eine röntgenologisch nicht nachweisbare Perforation oder auf eine undichte Verbindungsnaht, die drohende Perforation bei einem Geschwür oder einer Aussackung, den Zustand nach einer Magen- oder Darmentfernung, den Verdacht auf eine teilweise oder vollständige Verengung, akute Blutungen, ein krankhaft erweitertes Kolon sowie die Darstellung von Fremdkörpern, Geschwülsten und Fisteln.

Der Grund für diesen Rollenwechsel liegt im unterschiedlichen Verhalten der beiden Stoffe außerhalb des Darms. Tritt ein jodhaltiges Kontrastmittel durch ein Leck in die Bauchhöhle aus, wird es über das Bauchfell aufgenommen, gelangt in den Blutkreislauf und wird über die Nieren ausgeschieden. Bariumsulfat bleibt dagegen liegen und löst genau jene Fremdkörperreaktion aus, die den Eingriff so gefährlich macht.

Umgekehrt ist Bariumsulfat für andere Fragestellungen nicht zu ersetzen. Für die Beurteilung von Schleimhauterkrankungen und für Einfach- wie Doppelkontrastverfahren bleibt es das Mittel der Wahl, weil jodhaltige Lösungen die Schleimhaut nicht gleichmäßig genug überziehen. Beide Substanzen schließen einander auch nicht aus: Sie lassen sich kombinieren, und in Kombination beschleunigt das jodhaltige Mittel die Magen-Darm-Passage.

Jenseits des Röntgenbildes stehen weitere Wege offen. Bei der Computertomographie des Bauchraums lässt sich der Darm mit einem verdünnten jodhaltigen Kontrastmittel markieren, was Fehldeutungen seltener macht und die Abgrenzung des Darms gegenüber den Nachbarorganen erleichtert; für dieselbe Aufgabe gibt es auch eigens für die Computertomographie entwickelte Bariumsulfat-Zubereitungen. Und wo es nicht um die Form, sondern um die Oberfläche geht, tritt die Spiegelung an die Stelle des Kontrastmittels: Sie zeigt die Schleimhaut unmittelbar und erlaubt zugleich die Entnahme von Gewebeproben.

Quellen

  • Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J. (Hrsg.): Duale Reihe Radiologie.
    ISBN: 9783132444621
  • Kauffmann, G., Sauer, R., Weber, W. (Hrsg.): Radiologie.
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  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Menzel, S., Gudermann, T., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804736634

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