Gastrokolischer Reflex

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der gastrokolische Reflex ist eine Reizantwort des Dickdarmes, die bei einer Reizung des Magens auftritt. Durch den gastrokolischen Reflex kontrahiert der Dickdarm und der Dickdarminhalt wird in Richtung Enddarm vorgeschoben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der gastrokolische Reflex?

Der gastrokolische Reflex ist eine Reizantwort des Dickdarmes, die bei einer Reizung des Magens auftritt.

Beim gastrokolischen Reflex reagiert der Dickdarm auf die Reizung des Magens und der oberen Verdauungsorgane. Die Bezeichnung Reflex ist eigentlich nicht ganz korrekt, da es sich vielmehr um eine Reizantwort des Dickdarms handelt. Ein tatsächlicher Reflex läuft deutlich schneller ab.

In der Regel wird der gastrokolische Reflex durch Nahrungsaufnahme ausgelöst und sorgt für sogenannte Massenbewegungen im Dickdarm. Diese bewegen den Darminhalt in Richtung Enddarm und sorgen schlussendlich für eine Darmentleerung.

Funktion & Aufgabe

Um den gastrokolischen Reflex verstehen zu können, sind Kenntnisse über den Verdauungsvorgang nötig. Der erste Aufschluss der Nahrung geschieht bereits im Mund. Hier wird die Nahrung durch die Zähne zerkleinert und durch Einspeicheln gleitfähig gemacht. Über die Speiseröhre (Ösophagus) gelangt der Speisebrei dann in den Magen.

Dort wird er für längere Zeit gesammelt. Die Magenschleimhaut enthält verschiedene Zelltypen, die alle bei der Verdauung eine wichtige Rolle spielen. Die Nebenzellen produzieren Schleim zum Schutz der Schleimhaut, die Belegzellen produzieren Salzsäure und den sogenannten Intrinsic-Faktor und die Hauptzellen produzieren Pepsinogene. Diese sind wichtig für die Eiweißverdauung.

Im Magen beginnt also die eigentliche Verdauung. Zudem wird dort der Speisebrei durchgemischt und durch den Magenausgang in den Dünndarm gedrückt. Im Dünndarm, vor allem im Zwölffingerdarm, finden die Kohlenhydrat-, die Eiweiß- und die Fettverdauung statt. Zudem wird dem Speisebrei hier Wasser entzogen. Bis zu 80 % Wasser, bestehend aus Verdauungssäften und Flüssigkeit aus der aufgenommen Nahrung, werden hier resorbiert.

Aus dem Dünndarm gelangt der Speisebrei dann in den Dickdarm. Der Dickdarm zeigt einen für den Magen-Darm-Trakt typischen Aufbau. Der innersten Schicht, einer Schleimhautschicht, liegt lockeres Bindegewebe auf. Es folgen eine Ringmuskelschicht und eine Längsmuskelschicht. Zwischen den Muskelschichten liegt ein Nervengeflecht. Dieses wird auch als Plexus myentericus bezeichnet. Der Plexus myentericus ist für die Muskeltätigkeit der Verdauungsorgane, insbesondere für die Muskeltätigkeit des Darms zuständig. Die Längsmuskelschicht des Darms ist zu drei Strängen, den sogenannten Tänien, verdickt. Die Ringmuskelschicht weist Einziehungen auf. Dort bildet die Darmwand Aussackungen. Diese Aussackungen werden als Haustren bezeichnet. Die für den Dickdarm charakteristischen Tänien und Haustren unterstützen die Peristaltik des Darms.

Beim Dickdarm unterscheidet man zwischen der nicht-propulsiven und der propulsiven Peristaltik. Die nicht-propulsive Peristaltik besteht aus ringförmigen Kontraktionen. Sie dient der Durchmischung des Speisebreis im Darm. Die propulsive Peristaltik ist gekennzeichnet durch eine Beteiligung der Längsmuskulatur. Sie dient dem Weitertransport des Darminhalts in Richtung Anus.

In der Wand von Mund, Speiseröhre und Magen befinden sich Dehnungsrezeptoren. Bei der Nahrungsaufnahme wird die Wand dieser Organe gedehnt und die Rezeptoren dadurch erregt. Diese Information wird nun zum einen über das vegetative Nervensystem und zum anderen über den Plexus myentericus zum Dickdarm weitergeleitet. Dieser reagiert mit starken Kontraktionen und einer vermehrten propulsiven Peristaltik. Dadurch wird der Speisebrei im Dickdarm immer weiter in Richtung Enddarm vorgeschoben.

Dort wird dann durch die Dehnung der Enddarmwand Stuhldrang ausgelöst und im Idealfall folgt eine Stuhlentleerung. Der gastrokolische Reflex sorgt also einfach gesagt dafür, dass im Dickdarm Platz gemacht wird für die Verdauung der neu aufgenommenen Nahrung.


Krankheiten & Beschwerden

Folglich kommt es bei einem gestörten gastrokolischen Reflex zu Verdauungsstörungen. Eine angeborene Störung des gastrokolischen Reflexes findet sich beim Jirásek-Zuelzer-Wilson-Syndrom. Den betroffenen Personen fehlen die Nervenzellen des Plexus myentericus in der Dickdarmwand. Dadurch zeigt sich eine Erweiterung des Darms. Diese wird auch als Megacolon bezeichnet. Zudem kann der Stuhl den Dickdarm nicht ordnungsgemäß passieren. Erkrankte Personen leiden bereits im Säuglingsalter unter einem aufgeblähten Bauch und weisen Probleme bei der Stuhlentleerung auf.

Charakteristisch ist ein verspätetes Absetzen des Mekoniums nach der Geburt. Das Mekonium, im Volksmund auch als Kindspech bekannt, ist der erste Stuhlgang des Säuglings. Die Diagnosestellung erfolgt mittels Röntgen und einer histologischen Untersuchung des Dickdarmgewebes. Häufig muss den Neugeborenen schon wenige Tage nach der Geburt ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Eventuell muss die Stuhlpassage operativ wieder hergestellt werden.

Eine ähnliche Erkrankung des Darms mit gestörtem gastrokolischem Reflex ist die Hirschsprung-Krankheit. Auch hier fehlen Nervenzellen im Bereich des Plexus myentericus. Zudem sind Nervenzellen, die für die Stimulation der Ringmuskulatur zuständig sind, vermehrt vorhanden. Dadurch kommt es zu einer permanenten Erregung der Ringmuskulatur bei gleichzeitiger nervaler Unterversorgung der Längsmuskulatur.

Die Ringmuskulatur zieht sich zusammen und engt den Darm ein. Es entsteht ein Darmverschluss. Durch den fehlenden gastrokolischen Reflex wird der Darminhalt nicht weitertransportiert. Der Darm kann nicht mehr entleert werden. Die Folge sind schwerste Verstopfungen. Durch den Kotstau erweitert sich der Darm und es kommt auch hier zum Megacolon. Ebenso wie beim Jirásek-Zuelzer-Wilson-Syndrom geht das Kindspech nicht oder sehr verspätet ab.

Auch ein verstärkter gastrokolischer Reflex kann Probleme bereiten. Insbesondere Neugeborene und Patienten mit Reizdarm sind von einem gesteigerten gastrokolischen Reflex betroffen. Normalerweise bewirkt der gastrokolische Reflex eine Stuhlentleerung innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach Nahrungsaufnahme. Bei einem gesteigerten gastrokolischen Reflex müssen die Betroffenen oft schon während des Essens auf die Toilette. Der verfrühte Stuhldrang wird dabei von heftigen Bauchkrämpfen begleitet. Oft kommt es zu Durchfällen. Neugeborene mit einem gesteigerten gastrokolischen Reflex verweigern aufgrund der äußerst schmerzhaften Darmkrämpfe häufig die Nahrung komplett.

Quellen

  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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