Lebermetastasen


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 21. Oktober 2018
Kategorie: Krankheiten

Lebermetastasen sind Absiedlungen bzw. Tochtergeschwulste von bösartigen Tumoren, welche sich in anderen Teilen des Körpers befinden. Damit grenzt sich der Begriff von einem Leberkarzinom ab, welches unmittelbar als Krebsgeschwulst in der Leber entsteht.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Lebermetastasen?

Mit dem Begriff Lebermetastasen werden Lebertumore beschrieben, welche Absiedlungen von anderen Tumoren im Organismus sind. Häufig entwickeln sie sich aufgrund eines Darmkrebses. Die bösartigen Krebszellen gelangen über die Lymph- oder Blutgefäße in das Organ, vermehren sich und lassen Lebermetastasen entstehen.

Bei den meisten Krebserkrankungen in der Leber handelt es sich um einen sekundären Leberkrebs. Ein anderer Krebsherd im Körper, der primäre Krebs, hat gestreut und somit einen Krebsbefall der Leber erzeugt. Abgesehen von Tumoren im Darm können auch andere Krebsarten für diese Entwicklung verantwortlich sein.

Dazu gehören der Magen- oder Darmkrebs, Brustkrebs und Lungenkrebs. Hat der ursächliche Krebs Metastasen in der Leber gebildet, befindet sich die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium. Wie der weitere Verlauf der Erkrankung Lebermetastasen verläuft, hängt entscheidend von der primären Krebsgeschwulst ab.

Ursachen

Die Ursachen für Lebermetastasen sind unterschiedlich. Häufig besitzt der Betroffene bereits eine Krebsgeschwulst im Darm, welche so den sekundären Leberkrebs durch das Streuen von Metastasen auslöst.

Die klassischen Merkmale für bösartige Tumorgeschwulste sind eine Ausbreitung auf andere Gewebe und Organe sowie die Entwicklung von Metastasen. Tochtergeschwulste in der Leber sind Lebermetastasen. Knapp 45% aller Krebszellen in der Leber sind Lebermetastasen.

Meistens begründen sie sich in primären Tumoren im Magen-Darm-Trakt zu denen Darmkrebs, Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs gehören. Vereinzelt können auch andere bösartige Tumore wie Eierstockkrebs, Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Schilddrüsenkrebs, Gebärmutterkrebs, bösartiger Hautkrebs und Brustkrebs die Ursache für Lebermetastasen sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu Beginn der Erkrankung treten meist noch keine gesundheitlichen Probleme auf. Erst mit dem Wachstum der Lebermetastasen stellen sich Beschwerden ein, wie zum Beispiel Übelkeit und Appetitlosigkeit oder der charakteristische Druckschmerz im rechten Oberbauch. Unter dem Rippenbogen kann gelegentlich eine tastbare Schwellung bemerkt werden.

Diese fühlt sich auffällig hart an und schmerzt bei Berührung. Begleitend dazu können allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber und Müdigkeit auftreten. Die Betroffenen verlieren meist an Gewicht und haben in den späteren Stadien der Krankheit ein kränkliches Aussehen, das sich unter anderem durch eine blasse Haut und eingefallene Augenhöhlen äußert.

Infolge der Tumoren kann es zudem zu einem Gallenstau kommen. Dieser äußert sich durch typische Symptome einer Gelbsucht, kann jedoch auch zu einem starken Krankheitsgefühl führen. Im schwersten Fall rufen Lebermetastasen ernste Funktionsstörungen der Leber hervor, woraus in letzter Konsequenz ein Organversagen resultieren kann. Die Symptome von Lebermetastasen entwickeln sich meist schleichend und können im Verlauf von Monaten oder Jahren auftreten. Erfolgt keine Behandlung, führen die Beschwerden zu Ausfallerscheinungen im gesamten Körper und schließlich zum Tod des Erkrankten.

Diagnose & Verlauf

Besteht ein Verdacht auf Lebermetastasen, werden bei dem Betroffenen diverse Untersuchungen durchgeführt. Häufig führen diese Metastasen zu Leberschädigungen, welche durch einen Leberfunktionstest bzw. eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden können.

Weitere diagnostische Methoden zur Aufspürung der Krebsgeschwulst sind der Ultraschall, ein CT sowie eine Kernspintomografie der Leber. Eine Biopsie bzw. eine Untersuchung des Feingewebes kann die Diagnose bestätigen. Wenn nicht bekannt ist, woher die Geschwulst stammt, werden weitere Untersuchungen des Organismus durchgeführt. Dabei kann es sich beispielsweise um eine Darmspiegelung handeln, da Darmkrebs die häufigste Ursache für Lebermetastasen ist.

Der weitere Verlauf der Krankheit und die Lebenserwartung stehen in Abhängigkeit zur Grunderkrankung. Außerdem ist es entscheidend, wie stark die Leber bereits von Metastasen durchsetzt ist. Einzelne Absiedlungen können durch einen Chirurg leicht entfernt werden, sodass sie die beste Prognose aufweisen. Die Heilungschancen nehmen mit einer größeren Ausdehnung der Lebermetastasen rapide ab.

Komplikationen

In der Regel führen die Lebermetastasen zum Tod des Patienten. Eine Behandlung ist in diesem Fall nur noch eingeschränkt möglich, sodass die Lebenserwartung des Betroffenen durch die Erkrankung deutlich verringert und eingeschränkt wird. Die Patienten leiden dabei in erster Linie an einer starken Appetitlosigkeit und damit auch an einem deutlichen Gewichtsverlust.

Ebenso kommt es nicht selten zu Erbrechen und zu einer dauerhaften Übelkeit. Durch die Appetitlosigkeit treten auch verschiedene Mangelerscheinungen auf, die sich negativ auf die Gesundheit des Patienten auswirken. Die Leberbeschwerden führen dabei in der Regel zu einer Gelbsucht und zu starken Bauchschmerzen. In der Nacht führen die Lebermetastasen in den meisten Fällen auch zu Schweißausbrüchen und damit zu einer deutlichen Verringerung der Lebensqualität des Betroffenen.

In vielen Fällen ist bei Lebermetastasen keine Behandlung mehr möglich. Die Betroffenen erleiden dabei den Tod. Der Verlauf hängt auch stark von der primären Krebserkrankung ab, weshalb dieser im allgemeinen nicht vorausgesagt werden kann. Weiterhin sind viele Patienten auch auf eine Chemotherapie angewiesen, die in der Regel mit Nebenwirkungen verbunden ist.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Schmerzen im Oberkörper, die sich auf Höhe des Magens oder im Bereich der Rippen befinden, sowie Schwellungen sollten von einem Arzt untersucht werden. Insbesondere Veränderungen im rechten Bereich des Oberbauchs sind einem Arzt vorzustellen. Breiten sich Schmerzen aus oder nehmen sie an Intensität zu, wird ein Arzt benötigt. Stellt sich eine Appetitlosigkeit ein, kommt es zu einer ungewollten Gewichtsabnahme oder verringert sich das gewohnte Leistungsniveau, gelten die Veränderungen als besorgniserregend. Gelbfärbungen im Gesicht, in den Augen oder auf der Haut sind einem Arzt vorzustellen. Die Auffälligkeiten des Hautbildes weisen auf eine Störung der Lebertätigkeit hin, die untersucht werden sollte.

Eine erhöhte Müdigkeit, innere Schwäche, ein allgemeines Unwohlsein sowie Apathie gelten als Anzeichen für eine vorliegende Erkrankung. Ein Arztbesuch sollte erfolgen, sobald die Beschwerden über mehrere Wochen anhalten oder zunehmen. Eine Veränderung der üblichen Gedächtnisleistung, Auffälligkeiten der Stimmung und Schlafstörungen sind mit einem Arzt zu besprechen. Da Patienten mit Lebermetastasen ohne eine frühzeitige Behandlung einen tödlichen Krankheitsverlauf haben können, ist schnellstmöglich ein Arztbesuch bei den ersten Unregelmäßigkeiten zu empfehlen. Darüber hinaus sollte jeder Erwachsene an angebotenen ärztlichen Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, damit im Krankheitsfall eine Früherkennung und schnelle Diagnosestellung ermöglicht wird.

Behandlung & Therapie

Wie sich die Therapie der Lebermetastasen gestaltet, ist abhängig von der Anzahl der Absiedlungen. Prinzipiell gibt es unterschiedliche Therapieansätze. Die kurative Behandlung verfolgt eine Heilung der Erkrankung. Sind die Chancen darauf aussichtslos, wird eine palliative Therapie in Betracht gezogen. Diese soll die Beschwerden lindern und die Lebensqualität erhöhen.

Einzelne Metastasen können per Operation entfernt werden. Bei diesem chirurgischen Eingriff entfernt der Arzt die Lebermetastasen aus dem Gewebe des Organs vollständig. Manchmal ist auch die Entfernung eines Teils der Leber erforderlich. Existieren in dem Organ nur wenige Leberherde können alternativ oder zusätzlich zur Operation auch sogenannte lokale Therapieverfahren eingesetzt werden. Diese ermöglichen eine direkte und gezielte Bekämpfung des bösartigen Gewebes.

Ferner wird dadurch das gesunde Gewebe, welches die Geschwulst umgibt, in großen Teilen geschont. Zu den Methoden der lokalen Therapieverfahren gehört die Kryotherapie, die auch unter dem Begriff Vereisung bekannt ist. Weitere Verfahren sind die interstitielle Laserkoagulation, die perkutane Ethanol-Injektion sowie die Radio-Frequenz-Ablation. Wurde sich für eine palliative Behandlung entschieden, war keine Operation aufgrund der großen Streuung mehr möglich. Eine Chemotherapie bei Lebermetastasen kann sich jedoch als lebensverlängernd erweisen.

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Aussicht & Prognose

Lebermetastasen haben im Normalfall einen ungünstigen Krankheitsverlauf und damit auch eine schlechte Prognose. Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, desto schlechter die Aussichten auf eine Genesung. Ohne eine medizinische Behandlung breiten sich die Krebszellen im Organismus über das Blutsystem weiter aus. Es kommt zu einer Bildung weiterer Metastasen und damit zu einer Ausbreitung der Krebserkrankung.

Im weiteren Verlauf stellt sich ein multiples Organversagen und damit der vorzeitige Tod ein. Können die Metastasen in der Leber vollständig operativ entfernt werden, verbessert sich die Prognose. Hat die Krebserkrankung im Organismus nicht weiter gestreut, ist dies ebenfalls ein erfreulicher Umstand für die weitere Entwicklung.

Die Krebstherapie ist mit zahlreichen Risiken und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Dennoch stellt sie derzeit die beste Möglichkeit dar, um die Lebermetastasen erfolgreich zu bewältigen. Ist die Leber bereits sehr stark von Metastasen befallen, kann unter gewissen Umständen eine Organtransplantation helfen. Ist das Immunsystem des Patienten stabil und haben sich keine weiteren Metastasen im menschlichen Körper entwickelt, kann ein Spenderorgan erheblich zu der Aussicht auf eine Heilung beitragen. Verläuft der schwierige operative Eingriff ohne Komplikationen und nimmt der Körper die neue Leber gut an, kann dies zu einer Genesung des Patienten führen.

Vorbeugung

Es existieren keine besonderen Maßnahmen zur Vorbeugung von Lebermetastasen. Im Allgemeinen kann das Risiko an einer Krebsgeschwulst zu erkranken durch eine gesunde Lebensweise gesenkt werden. Dazu gehören eine fettarme, vielseitige Ernährung sowie ein Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Die persönliche Körperabwehr kann ferner durch eine regelmäßige körperliche Betätigung gestärkt werden, was die Chance an Lebermetastasen zu erkranken verringert.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit Lebermetastasen leiden bereits seit längerem unter einer Krebserkrankung. In den meisten Fällen befinden sie sich in einer Krebstherapie und sind gesundheitlich stark angeschlagen. Im Alltag ist es für diese Patienten besonders wichtig, den Lebensmut nicht zu verlieren. Sie sollten sich täglich überwinden, um soweit wie möglich verschiedenen Tätigkeiten ganz nach ihren individuellen körperlichen Möglichkeiten nachzugehen.

Motivationsfördernde Maßnahmen sind bedeutungsvoll und sollten angewendet werden. Neben einem mentalen Coaching helfen Verfahren wie Yoga oder Meditation. Diese stärken den emotionalen Zustand des Patienten und helfen beim Stressabbau. Zusätzlich ist eine gute Ernährung von besonderer Bedeutung. Vitaminreich und ausgewogen sollten die Mahlzeiten sein, da durch den geschwächten körperlichen Zustand schneller Krankheitserreger in den Organismus gelangen können. Das Immunsystem kann über die Lebensmittelzufuhr unterstützt werden, um genügend Abwehrkräfte zur Verfügung zu haben.

Zur Stärkung des Wohlbefindens helfen Freizeitaktivitäten. Gemeinsam mit Freunden oder Verwandten sollte ein enger Austausch stattfinden, damit eine Teilhabe am sozialen Leben gewährleistet wird. Zum Abbau von Ängsten oder zur Ablenkung der eigenen Situationen sind Gespräche mit anderen Menschen wichtig und hilfreich. In Selbsthilfegruppen oder im direkten Kontakt mit anderen Erkrankten können offene Fragen geklärt werden oder Tipps zur Verbesserung der Lebensqualität gegeben werden.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

nata_scha kommentierte am 18.06.2013

Meine Mutter hat Brustkrebs, und seit ein paar Tagen wurde uns gesagt, dass sie schon Metastasen in Leber, Lungen und Knochen hat, obwohl sie vor 1 Monat noch keine gehabt hat. Wie kann das sein? Und was kann man machen? Wie kann ich ihr helfen? Unsere Ärzte (aus der Ukraine) sehen keine Chance mehr, und möchten sie nicht mehr behandeln. Wie kann ich ihr helfen? Welche Medikamenten gibt, die die Lebermetastasen schädigen könnten und andere auch? Vielen Dank für Ihre Antwort!

sweti kommentierte am 11.05.2014

Hallo. Meine Mutter hat auch Brustkrebs und Metastasen überall, auch in der Leber. Sie nimmt bis zu sechs Vitamin C, Selen E und MSM am Tag. Jetzt, nach vier Monaten, sind ihre Leberwerte wieder in Ordnung.

Susanne kommentierte am 26.06.2016

Nach einem Mammakarzinom vor 19 Jahren sind bei mir nach 14 Jahren Knochenmetastasen und jetzt fünf Jahre später Lebermetastasen aufgetreten. Welche Behandlungsmethoden könnten mein Leben verlängern? Ich interessiere mich auch für alternative Methoden. Zurzeit nehme ich Mariendistelsaft aus dem Reformhaus ein, ebenso Bärlapptee, auch nehme ich täglich Aloe Vera-Saft ein und fühle mich ganz gut dabei.