Nagelbettentzündung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bereits kleine Blessuren können schon zu einem Eindringen von Bakterien und Pilzen durch die Nagelhaut, den Nagelfalz oder den Nagelwall in die Haut des Nagelbettes führen und so eine schmerzhafte Nagelbettentzündung (medizinisch auch Onychie oder Panaritium genannt) hervorrufen. Diese Infektion stellt eine der häufigsten Erkrankungen der Finger dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nagelbettentzündung?

Nagelbettentzuendung
Die Haut ist stark gerötet und das Gewebe schwillt an und schmerzt.
© Henrie – stock.adobe.com

Als Nagelbett wird das Gewebe am Finger bzw. Zeh bezeichnet, aus welchem der Nagel hervorwächst und von diesem bedeckt ist. Je nachdem, ob die zumeist bakterielle Infektion ausschließlich das Nagelbett selbst oder zusätzlich den so genannten Umlauf des Nagels befällt, unterscheidet man zwischen zwei Formen der Nagelentzündung:

Beim Panaritium paraunguale betrifft die Infektion den hinteren oder seitlichen Nagelwall. Es treten dadurch Schwellungen und Rötungen auf. Das Panaritium subunguale befindet sich unter dem Nagel. Hierbei kommt es zur Eiterung an der Nagelwurzel oder aber am freien Nagelrand.

Fachsprachlich lassen sich die beiden Formen genauer voneinander abgrenzen: Als Onychie bezeichnet man die Entzündung des Nagelbetts unter der Nagelplatte, als Paronychie dagegen die Entzündung von Nagelwall und Nagelfalz, also des Gewebes neben und über dem Nagel, die auch Nagelfalzentzündung genannt wird. Weil beide Formen häufig ineinander übergehen, werden die Begriffe umgangssprachlich meist gleichbedeutend verwendet.

Ursachen

Eine Nagelbettentzündung entsteht, wenn bestimmte Erreger, meist Staphylokokken, aber auch Pilze und Herpesviren, durch Eintrittsstellen in die Haut des Nagelbetts gelangen. Dabei können schon kleine Risse, die bei der Nagelpflege entstehen, eingewachsene Nägel, Schnittverletzungen sowie Reizungen der Haut als Pforte einer solchen Infektion dienen.

Im Bereich der Zehennägel können selbst zu enge Schuhe zu einer Verletzung führen. Daraus resultierende Nagelbettentzündungen können sowohl akut als auch chronisch verlaufen.

Die beiden Verlaufsformen haben dabei unterschiedliche Auslöser. Hinter der akuten Entzündung, die sich innerhalb weniger Tage nach einer kleinen Verletzung entwickelt, steckt meist das Bakterium Staphylococcus aureus. Bei der chronischen Form, die über Wochen bis Monate besteht und oft mehrere Nägel betrifft, steht dagegen meist der Hefepilz Candida im Vordergrund, begünstigt durch ständige Feuchtarbeit — etwa bei Reinigungskräften, Küchenpersonal, Bäckern oder Friseuren. Diese Unterscheidung ist für die Behandlung entscheidend, denn die chronische Form erfordert ein Antimykotikum und kein Antibiotikum.

Als besonders gefährdet gelten außerdem Menschen, die zu trockener Haut bzw. zu atopischem Ekzem (Neurodermitis) neigen, Personen, die regelmäßig mit aggressiven Reinigungsmitteln in Berührung kommen, die bestimmte Medikamente einnehmen, Diabetes haben, unter Durchblutungsstörungen leiden oder deren Immunsystem geschwächt ist.

Frauen sind jedoch häufiger betroffen als Männer, da sie durch Pediküre und Maniküre eher zu Verletzungen im Nagelbereich tendieren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Nagelbettentzündung äußert sich durch eine Reihe eindeutiger Symptome. Zunächst macht sich die Entzündung durch äußerliche Veränderungen im Nagelbereich bemerkbar: Die Haut ist stark gerötet und das Gewebe schwillt an und schmerzt. Der Schmerz wird meist als pochend oder stechend beschrieben. Durch die entzündungsbedingte Mehrdurchblutung kommt es außerdem zu einer Überwärmung der infizierten Hautstellen.

Die Haut fühlt sich dann auffällig heiß an und ist sehr berührungsempfindlich. Die entzündeten Stellen können außerdem nässen oder bläulich verfärbt sein. Nach einigen Tagen bildet sich an den seitlichen Rändern des Nagels Eiter. Diese Eiterstellen öffnen sich durch die ständige Belastung des Fingers immer wieder, woraus eine weitere Infektion resultieren kann. Begleitend zu der Nagelbettentzündung können Beschwerden wie Fieber und Unwohlsein auftreten; sie sprechen dafür, dass sich die Infektion über die Nagelumgebung hinaus ausbreitet, und gehören noch am selben Tag ärztlich abgeklärt.

Die Betroffenen bemerken oft auch eine Schwellung der Lymphknoten im Bereich von Ellenbeuge und Achseln. Chronische Entzündungen können dazu führen, dass sich der Nagel ablöst. Zudem kann sich die Entzündung auf die umliegenden Finger oder Zehen ausweiten. Dann kommt es zu schmerzhaften Schwellungen, welche die Bewegungsfreiheit einschränken und mit einem starken Unwohlsein verbunden sind. In schweren Fällen entwickelt sich eine chronische Knochenentzündung.

Diagnose & Verlauf

Charakteristisch für eine Nagelbettentzündung sind sowohl stark druckempfindliche Stellen als auch Rötungen und Schwellungen, welche zunehmend pochende Schmerzen bereiten.

Als erstes Anzeichen gilt jedoch eine Rötung der an den Nagel angrenzenden Hautpartie. Im Verlauf schwillt die Haut an und fühlt sich überwärmt an. Besonders in der Anfangsphase der Infektion kann es zudem zu Juckreiz kommen. Schließlich bilden sich Eiterherde an den Rändern des Nagelwalls oder unter dem Nagel aus.

Findet keine rechtzeitige Behandlung statt, kann sich diese Entzündung ausbreiten, sodass sie im Extremfall bis zu den Sehnenscheiden und dem Knochen vordringt. Auch Wachstumsstörungen des Nagels bis hin zur vollständigen Abstoßung sind möglich.

Die chronische Form der Nagelbettentzündung verläuft dabei oftmals weniger schmerzhaft als die akute, wobei von ihr meist mehrere Nägel gleichzeitig betroffen sind und sich diese am Nagelfalz bläulich oder rötlich verfärben können.

Je nach Ausprägungsgrad der Infektion kann der behandelnde Arzt einen Abstrich der betreffenden Hautstelle nehmen, um die Erreger genau bestimmen zu können. Handelt es sich vermutlich um eine chronische Nagelbettentzündung, sind ursächliche Erkrankungen oder Lebensgewohnheiten zu ermitteln.

Komplikationen

Komplikationen aufgrund einer Nagelbettentzündung sind nur selten zu befürchten. So heilen Entzündungen, die rechtzeitig erkannt und fachgerecht behandelt werden, in den meisten Fällen folgenlos ab. Mitunter können kleinere Verformungen zurückbleiben, was jedoch nur von kosmetischer Bedeutung ist. Folgeerscheinungen drohen dagegen, wenn die Therapie nicht frühzeitig einsetzt.

Zu den häufigsten Komplikationen der Nagelbettentzündung zählt deren Ausbreiten auf benachbarte Körperstrukturen. Dies sind vor allem die hinteren und seitlichen Hautabschnitte, die an den Nagel angrenzen. Im weiteren Verlauf kann sich die Entzündung so weit ausbreiten, dass sie auch den gesamten Zeh oder Finger betrifft. Eine Nagelbettentzündung breitet sich nicht nur seitwärts aus, sondern kann auch tiefer in den betroffenen Zeh oder Finger vordringen.

Im schlimmsten Fall arbeiten sich die auslösenden Bakterien bis zum Knochen vor und lösen Schädigungen an diesem aus. Als gefährdet gelten zudem die Lymphknoten. Diese können über die Lymphbahnen von den Bakterien erreicht werden. Bei einem Befall des Knochens muss umgehend eine medizinische Behandlung stattfinden, weil sonst dauerhafte Beeinträchtigungen drohen. Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit Antibiotika-Tabletten, die gegen die bakteriellen Erreger vorgehen. Bei einer bereits eingetretenen Knochenentzündung genügen Medikamente allerdings meist nicht: Der Herd muss zusätzlich operativ eröffnet und gereinigt werden.

Breiten sich die Keime in andere Körperregionen aus, drohen dadurch Folgeerkrankungen wie eine Arthritis in den Gelenken oder eine Knochenentzündung. Erreichen die Bakterien die Blutbahn, besteht die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis), die im Extremfall einen lebensbedrohlichen Verlauf nimmt. Bemerkbar macht sich diese Komplikation durch Fieberschübe.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Um eine Zunahme der Beschwerden sowie Komplikationen zu vermeiden, sollte bereits eine beginnende, leichte Nagelbettentzündung von einem Arzt abgeklärt werden. In Rücksprache mit dem Mediziner können Selbsthilfemaßnahmen oder medizinische Präparate eingesetzt und die Heilung gefördert werden. Spätestens, wenn Hausmittel wie Bäder oder Cremes keine Wirkung mehr zeigen, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Sollten die Schmerzen stärker werden oder von nässenden oder eitrigen Stellen begleitet werden, muss der Arzt informiert werden. Dasselbe gilt, wenn Fieber, Schwellungen oder Empfindungsstörungen auftreten.

Bestimmte Warnzeichen sprechen dafür, dass sich die Entzündung in tiefere Gewebeschichten ausbreitet, und dulden keinen Aufschub: heftiger, pochender Schmerz, eine Rötung, die sich streifenförmig zur Hand oder zum Arm hin ausbreitet, Schüttelfrost, geschwollene Lymphknoten in der Ellenbeuge oder Achsel sowie ein Finger, der sich nicht mehr richtig beugen und strecken lässt. In diesen Fällen ist noch am selben Tag ein Arzt oder außerhalb der Sprechzeiten eine Notaufnahme aufzusuchen. Kommen hohes Fieber, Verwirrtheit, schnelle Atmung oder Kreislaufschwäche hinzu, kann eine Blutvergiftung vorliegen — dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Eine bläuliche Verfärbung deutet auf eine fortgeschrittene Onychie hin, die sofort untersucht und behandelt werden muss. Wer unter einer chronischen Erkrankung wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen leidet, sollte in jedem Fall den zuständigen Arzt konsultieren. Bei Diabetes, arterieller Durchblutungsstörung oder geschwächter Abwehr — etwa unter einer Chemotherapie oder nach einer Organtransplantation — kann schon eine kleine Nagelentzündung rasch tief ins Gewebe vordringen, weil Wunden schlechter heilen und der Schmerz bei einer diabetischen Nervenschädigung als Warnsignal ausfällt. Betroffene aus diesen Gruppen warten deshalb nicht ab, sondern lassen jede Entzündung an Finger oder Zeh sofort ansehen. Mit einer Nagelbettentzündung kann zunächst der Hausarzt aufgesucht werden. Je nach Verdacht muss der Patient anschließend einen Hautarzt oder auch einen Chirurgen einschalten. Bei frühzeitiger Behandlung klingt eine Onychie nach einigen Tagen wieder ab, ohne dass weitere Komplikationen oder Spätfolgen zu erwarten sind.

Behandlung & Therapie

Als erste Maßnahmen bei einer sich ankündigenden Nagelbettentzündung können desinfizierende Lösungen oder Cremes eine rasche Heilung ermöglichen. Auch Bäder der betroffenen Finger/Zehen in Kamillentee versprechen oft einen Rückgang der Infektion.

Treten hingegen Rötungen, Schwellungen, Schmerzen, eventuell Funktionsbeeinträchtigungen und ein erwärmtes Gefühl auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Eine Therapie der Erkrankung ist stets vom Erreger abhängig. Je nachdem, ob die Entzündung durch Hefepilze, Bakterien oder Viren ausgelöst wurde und ob eine andere Krankheit als Auslöser einer chronischen Nagelbettentzündung in Frage kommt, werden verschiedene Arzneimittel eingesetzt.

Ist die Entzündung soweit fortgeschritten, dass Fieber auftritt und die Lymphknoten anschwellen, können auch Antibiotika verordnet werden. Bei einer Hefepilzinfektion werden zudem antifungale Salben verschrieben. Herpesviren hingegen lassen sich in Form von Virostatika, die als Salben aufgetragen werden, gut behandeln.

Da eine Nagelbettentzündung mit Schmerzen und einer Beeinträchtigung der Funktion des jeweiligen Fingers/Zehs einhergeht, kann häufig eine Ruhigstellung durch kleine Schienen oder Hochlagerung notwendig sein. Befindet sich die Nagelbettentzündung in einem noch weitergehenden Stadium, kann auch ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden. Hierbei eröffnet der Arzt unter Betäubung den Eiterherd, indem er den Nagel entweder ganz entfernt oder durch diesen einen Zugang legt. Der dort befindliche Eiter wird anschließend abgeleitet und die Wunde mit einem desinfizierenden Salbenverband versorgt. Diese Entlastung gehört zwingend in ärztliche Hand: Wer einen Eiterherd selbst aufsticht oder aufschneidet, verschleppt die Erreger in tiefere Schichten und riskiert, dass aus einer örtlichen Entzündung ein Abszess, eine Sehnenscheidenentzündung oder eine Knochenentzündung wird. Musste ein Nagel zur Eröffnung entfernt werden, wächst dieser in der Regel innerhalb von einigen Monaten nach.

Falls als Ausgang der Infektion ein gestörter Nagelwuchs, beispielsweise durch einen eingewachsenen Nagel, für die Entzündung verantwortlich ist, kann innerhalb einer Operation eine Verkleinerung des Nagels stattfinden. Da auch Fehlstellungen des Fußes zu Verletzungen und im Zuge dessen zur Erkrankung des Nagelbetts führen können, können ebenso orthopädische Einlagen verordnet werden.

In seltenen Fällen, die mit Wundheilungsstörungen und abgestorbenem Gewebe in Verbindung stehen, ist schlussendlich eine Amputation erforderlich, um den Fortgang der Infektion zu verhindern.


Aussicht & Prognose

Die große Mehrheit der akuten Nagelbettentzündungen verläuft komplikationsfrei und heilt binnen weniger Tage bis Wochen wieder vollständig aus, wenn sie früh und richtig behandelt wird. Eine ganz beginnende Rötung ohne Eiter kann dabei unter Schonung und antiseptischen Bädern abklingen. Hat sich dagegen bereits Eiter angesammelt, heilt die Entzündung nicht von selbst aus: Der Herd muss ärztlich eröffnet werden. In schwereren Fällen kann zusätzlich eine Behandlung mit Antibiotika nötig werden. Unterbleibt die Entlastung, kann es zur Ablösung des Nagels, schlimmstenfalls sogar zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung kommen.

Für einen positiven Verlauf der Heilung ist es notwendig, die Ursachen der Entzündung zu beheben. Sehr oft handelt es sich um Fehler bei der Nagelpflege, die zu kleinen Verletzungen führen, über die Bakterien ins Nagelbett eindringen. Größter Risikofaktor dabei ist die Entfernung der schützenden Nagelhaut, aber auch eingewachsene Nägel können eine Nagelbettentzündung verursachen. Daneben kommt der Kontakt mit ätzenden Reinigungssubstanzen als Ursache in Frage. Hier sind entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Beim Auftreten starker Schmerzen sollte ein Arzt konsultiert werden.

Ungünstiger ist die Prognose bei chronisch Erkrankten, die unter Neurodermitis oder Diabetes leiden, weil bei ihnen die schützende Hautbarriere gestört und die Abwehr an der entzündeten Stelle herabgesetzt ist. Durch die trockene Haut entstehen Risse, die sich entzünden können. Schwere Verläufe, bei denen die Entzündung auch auf die umliegenden Sehnen oder sogar den Knochen übergreifen kann, sind eher selten und normalerweise nur bei immungeschwächten Personen zu beobachten.

Vorbeugung

Vorbeugend ist darauf zu achten, dass Finger- und Fußnägel regelmäßig geschnitten werden, um einem Einwachsen oder Abbrechen entgegenzuwirken. Beim Feilen sollte niemals zu tief in den seitlichen Wall vorgegangen werden. Nagelhäutchen sollten zudem nicht mit der Schere entfernt werden, sondern mit einem abgerundeten Schieber. Am besten bleibt die Nagelhaut allerdings ganz unangetastet, denn sie dichtet den Spalt zwischen Nagelplatte und Haut gegen Erreger ab. Auch Nägelkauen und das Abziehen von Niednägeln sollten unterbleiben, weil dabei regelmäßig kleine Wunden am Nagelwall entstehen.

Regelmäßige Hand- und Fußbäder sowie Öle und Cremes halten die Haut geschmeidig und wirken eingerissener, trockener Haut entgegen. Bei Arbeiten im Garten oder mit Chemikalien sollten stets Handschuhe verwendet werden. Im Bereich der Füße ist auf einen gutsitzenden Schuh zu achten, der kein Druckgefühl erzeugt. Zusätzlich können spezielle Gymnastikübungen die Durchblutung anregen.

Nachsorge

Die Nagelbettentzündung kann durch konsequente Nachsorge eine nachhaltige Regeneration erfahren. Auch ein Rückfall kann durch die gezielte Nachsorge nicht selten verhindert werden. Ideal ist es in diesem Zusammenhang, wenn der Auslöser der Nagelbettentzündung bekannt ist.

Ist die Ursache eine übertriebene Nagelpflege, ist es Nachsorge und Prävention gleichzeitig, diese Gewohnheiten abzustellen. Scharfe Reinigungsprodukte und zu starkes Kürzen der Nägel beziehungsweise Schneiden der Nagelhaut sollten im Rahmen der Nachsorge unterbleiben. Auch Nagellack und Nagellackentferner haben Reizpotenzial, weswegen Patienten darauf verzichten sollten. Eingerissene Nägel können in der Fußpflege ebenso schonend wie professionell behandelt werden.

Wenn chemische Belastungen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, für die Nagelbettentzündung verantwortlich sind, ist dies ebenfalls ein wichtiges Thema bei der Nachsorge. Das Tragen von Handschuhen ist hier zum Beispiel eine Maßnahme, die das Entstehen von Entzündungen unter Umständen vermeiden kann. Das gilt auch für Gartenarbeiten, bei denen Erde im Bereich des Nagelbettes ebenfalls Entzündungen auslösen oder das Abheilen einer Entzündung verhindern kann.

Treten Entzündungen häufig auf, kann dies auch an einer Immunschwäche oder einer Diabetes-Erkrankung liegen. Nach Abklärung durch den Hausarzt ist es in der Nachsorge dann oft auch sinnvoll, die Abwehrkräfte des Betroffenen durch eine gesunde Ernährung, genügend Schlaf und eine ausreichende Trinkmenge wirksam und langfristig zu stärken.

Das können Sie selbst tun

Maßnahmen zur Bekämpfung einer Nagelbettentzündung können neben einer Behandlung durch Arzneimittel auch per Selbsthilfe erfolgen. Damit die schmerzhafte Entzündung an Finger- oder Fußnägeln den Alltag weniger beeinträchtigen kann, sollte sie zunächst hygienisch verbunden und dadurch geschützt werden. Damit wird zum einen die Schmerzempfindlichkeit gegen Berührungen oder Stöße reduziert. Zum anderen können damit auch weitere Verschmutzungen verhindert werden. Kleine Verletzungen, die ein Eindringen von Bakterien ermöglicht hatten, könnten sonst weiterhin eine Schwachstelle darstellen.

Handelt es sich um eine Nagelbettentzündung eines Zehs, sollte kein zu enges Schuhwerk getragen werden. Die beginnende Entzündung kann mit verschiedenen Möglichkeiten behandelt werden. Als Hausmittel werden Auflagen mit Nelkenöl oder Knoblauchsud empfohlen; ein Wirksamkeitsnachweis liegt dafür nicht vor, und ätherische Öle können die gereizte Haut zusätzlich reizen. Arnika-Zubereitungen gehören nicht auf entzündete oder offene Haut, weil sie dort häufig Kontaktekzeme auslösen. Der betroffene Fuß oder die betroffene Hand sollte außerdem mehrfach täglich in warmem Wasser gebadet werden. Dadurch weicht die Hornschicht auf und ermöglicht einen besseren Eiterabfluss. Badezusätze wie Kamille und Salz wirken zusätzlich entzündungshemmend.

Der von einer Nagelbettentzündung befallene Nagel kann ebenfalls in einem lauwarmen Tee aus Ringelblumenblüten und Rosmarin gebadet werden. Das Auflösen von zwei Esslöffeln Kernseifenflocken pro Liter Wasser stellt ein altes, bewährtes Hausmittel gegen ein entzündetes Nagelbett dar. Ebenso das nächtliche Einwirken von Wickeln mit Heilerde. Der Eiterungsprozess soll bei einer Nagelbettentzündung durch Silicea (Kieselsäure) gefördert werden; ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis dafür liegt allerdings nicht vor.

Für alle diese Hausmittel gilt dieselbe Grenze: Sie eignen sich für eine beginnende, gerötete Entzündung ohne Eiter. Hat sich bereits ein Eiterherd gebildet, darf dieser keinesfalls selbst mit Nadel, Schere oder Nagelknipser geöffnet werden — er muss ärztlich entlastet werden. Ebenso wenig sollte man auf eigene Faust an Nagelhaut oder Nagelrand herumschneiden. Bringen die Selbsthilfemaßnahmen innerhalb von zwei bis drei Tagen keine deutliche Besserung, nehmen die Schmerzen zu oder bildet sich Eiter, gehört die Entzündung in ärztliche Behandlung.

Quellen

  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
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  • Sauerbier, M., Eisenschenk, A., Krimmer, H., Langer, M. F. (Hrsg.): Die Handchirurgie.
    ISBN: 9783437236365
  • Dirschka, T., Oster-Schmidt, C., Hartwig, R. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie.
    ISBN: 9783437223037

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