Neuroradiologie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Neuroradiologie
Die Neuroradiologie macht neurologische Strukturen im menschlichen Körper durch die bildgebenden Verfahren der Sonographie (Ultraschall), Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar. Sie ist ein Teilgebiet der Radiologie.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist die Neuroradiologie?
Neuroradiologen sind Fachärzte innerhalb der Radiologie, die sich zusätzlich auf die Neuroradiologie spezialisiert haben. Erworben wird diese Zusatzqualifikation im Rahmen der ärztlichen Weiterbildung, die an von der zuständigen Landesärztekammer zugelassenen Weiterbildungsstätten und unter der Verantwortung eines dort tätigen, von der Kammer dazu befugten Arztes abgeleistet wird. Da dafür eine entsprechend ausgestattete neuroradiologische Abteilung erforderlich ist, kommen vor allem größere Kliniken infrage. Dieses Fachgebiet beschäftigt sich mit der neuroradiologischen Diagnostik von Veränderungen und Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems unter Anwendung des Strahlenschutzes.
Dazu verwenden die Mediziner bildgebende Diagnoseverfahren. Bildgebende Verfahren (Ultraschall, Röntgen, Tomographie) liefern Bilder aus dem Inneren eines Körperteils. Darüber hinaus stehen diesem Fachgebiet interventionelle Methoden zur Beseitigung festgestellter Erkrankungen zur Verfügung.
Von den Nachbarfächern unterscheidet sich die Neuroradiologie vor allem durch ihren Gegenstand: Während die Neurologie Erkrankungen des Nervensystems klinisch untersucht und behandelt und die Neurochirurgie sie operativ angeht, liefert die Neuroradiologie das Bild, auf dem beide ihre Entscheidungen aufbauen - und greift zunehmend auch selbst über Katheter und Nadeln ein. Zur allgemeinen Radiologie verhält sie sich wie ein Ausschnitt zum Ganzen: dieselben Geräte, aber eigene Untersuchungsprotokolle, eigene Fragestellungen und eine Befundung, die auf die anatomischen Feinheiten des Nervensystems zugeschnitten ist.
Der Zuständigkeitsbereich reicht dabei weiter, als der Wortbestandteil „Neuro“ zunächst vermuten lässt. Er umfasst das Gehirn und seine Häute, das Rückenmark und den Wirbelkanal, die knöcherne Wirbelsäule mit den Bandscheiben, die Schädelbasis mit den Hirnnerven, die hirnversorgenden Gefäße vom Brustkorb bis in die feinsten Arterien des Gehirns sowie die Weichteile von Kopf und Hals. Auch periphere Nerven lassen sich mit hochauflösenden Verfahren darstellen.
Fachlich ruht die Neuroradiologie auf zwei Standbeinen. Die diagnostische Neuroradiologie erhebt Befunde und beantwortet die Frage, mit der ein Patient überwiesen wurde. Die interventionelle Neuroradiologie behandelt: Sie nutzt dieselben Bildgeräte, um über feine Katheter oder Nadeln unmittelbar am Krankheitsherd zu arbeiten, ohne den Schädel oder den Wirbelkanal operativ zu eröffnen. Beide Bereiche greifen ineinander, denn die Entscheidung für einen Eingriff fällt stets auf der Grundlage der vorangegangenen Bildgebung.
Im Krankenhausalltag arbeitet die Neuroradiologie selten für sich allein. Ihre Befunde werden in gemeinsamen Besprechungen vorgestellt, in denen Neurologen, Neurochirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten und Pathologen über das weitere Vorgehen beraten. Weil die Verfahren aufwendig und die Geräte teuer sind, finden sich vollständig ausgestattete neuroradiologische Abteilungen vor allem an großen Häusern. Kleinere Kliniken schließen sich häufig Netzwerken an, in denen Aufnahmen elektronisch übermittelt und aus der Ferne mitbeurteilt werden - für die Notfallmedizin und die Versorgung von Schlaganfallpatienten in der Fläche ist das von erheblicher Bedeutung.
Behandlungen & Therapien
Viele verschiedene Erkrankungen können mittels der Neuroradiologie erkannt und behandelt werden. Leidet der Patient an Rückenschmerzen, werden unter lokaler Betäubung durch kleine Nadeln schmerzstillende Medikamente in die Wirbelsäule gespritzt. Aneurysmen (Gefäßaussackungen, die zu einer Gehirnblutung führen können) werden neurochirurgisch (operative Ausschaltung durch Clipping) oder endovaskulär (Verschluss durch Katheter mit Platinspiralen) behandelt. Bei einem Schlaganfall wird die gestörte Durchblutung des Gehirns beseitigt. Aus der Leiste wird über einen Katheter ein Stent gesetzt, um die Blutgefäße zu weiten oder ein Blutgerinnsel zu beseitigen.
Die interventionelle Neuroradiologie hat sich damit von einer bloßen Ergänzung zur Operation zu einem eigenständigen Behandlungsweg entwickelt. Der Zugang erfolgt in aller Regel über eine Arterie in der Leiste, seltener über das Handgelenk. Von dort schiebt der Arzt einen dünnen Führungskatheter unter Röntgendurchleuchtung bis in die hirnversorgenden Gefäße vor und arbeitet anschließend mit noch feineren Mikrokathetern und Mikrodrähten weiter, die bis in kleinste Äste reichen.
Bei einem Aneurysma kann der Hohlraum der Gefäßaussackung von innen mit Platinspiralen ausgefüllt werden, sodass sich das Blut darin nicht mehr bewegt und die geschwächte Wand entlastet wird. Bei breitbasigen Aussackungen kommen zusätzlich Gitterröhrchen zum Einsatz, die den Blutstrom an der Aussackung vorbeilenken. Gefäßmissbildungen, bei denen Arterien und Venen ohne zwischengeschaltetes Kapillarbett unmittelbar miteinander verbunden sind, lassen sich durch das Einbringen flüssiger oder fester Verschlussmaterialien schrittweise ausschalten. Auch stark durchblutete Tumoren werden mitunter vor einer geplanten Operation gezielt von ihrer Blutzufuhr abgeschnitten, um den späteren Eingriff blutärmer und übersichtlicher zu machen.
Beim Verschluss einer großen Hirnarterie steht die Wiedereröffnung des Gefäßes im Vordergrund. Dabei wird das Gerinnsel entweder mit einem gitterartigen Instrument gefasst und herausgezogen oder über einen weitlumigen Katheter abgesaugt; häufig werden beide Techniken miteinander verbunden. Ob ein solcher Eingriff sinnvoll ist, hängt nicht allein von der seit dem Beschwerdebeginn vergangenen Zeit ab, sondern auch davon, ob die Bildgebung noch Hirngewebe zeigt, das zwar minderdurchblutet, aber noch nicht untergegangen ist. Weil jede Verzögerung Gewebe kostet, halten Kliniken mit dieser Aufgabe rund um die Uhr ein eingespieltes Team bereit.
An der Wirbelsäule bewegt sich die Neuroradiologie in einem anderen Feld. Hier werden unter Bildkontrolle entzündungshemmende und schmerzstillende Mittel unmittelbar an eine gereizte Nervenwurzel oder an ein Wirbelgelenk gebracht, etwa bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose. Bei eingebrochenen Wirbeln lässt sich über eine Hohlnadel Knochenzement einbringen, um den betroffenen Abschnitt zu stabilisieren. Ebenso werden Gewebeproben aus Wirbeln oder aus schwer zugänglichen Bereichen des Kopfes bildgesteuert entnommen, wenn eine offene Entnahme zu aufwendig oder zu riskant wäre.
Ob im Einzelfall ein Kathetereingriff oder eine offene Operation der bessere Weg ist, entscheidet der Neuroradiologe nicht allein. Lage, Form und Ausdehnung der Veränderung, das Alter und die Begleiterkrankungen des Patienten sowie die Erfahrung des behandelnden Hauses fließen in eine gemeinsame Abwägung ein, die im Gespräch zwischen den beteiligten Fachrichtungen getroffen wird.
Die Neuroradiologen erkennen Schlaganfälle, Tumore (Onkologie), Epilepsien, Parkinson, Demenzerkrankungen (Alzheimer), Multiple Sklerose, Hirnblutungen, Ödeme, Gefäßverschlüsse, Gefäßmissbildungen, hämodynamisch relevante Gefäßstenosen (Arteria carotis interna, Halsschlagader), Thrombosen und kleinste Gewebeveränderungen. Wichtig ist die moderne Neuroradiologie bei der Früherkennung von Demenzerkrankungen, denn nicht alle Gedächtnisstörungen sind auf ein demenzielles Syndrom wie Alzheimer zurückzuführen. So kann die Neuroradiologie Demenzerkrankungen schon im Frühstadium erkennen, denn im Gegensatz zu einem Schlaganfall, bei dem innerhalb weniger Minuten das Gewebe des Gehirns nicht mehr durchblutet wird und untergeht, baut sich eine Demenz schleichend auf und wird oft zu spät erkannt.
Einzelne Gehirnregionen verändern sich negativ durch Amyloid-Plaques (Eiweißablagerungen), durch die die Nervenzellen über einen langen Zeitraum absterben. Außerdem bilden sich Neurofibrillen (Faden-Strukturen), die die Hirnaktivität stören. Die üblichen bildgebenden Verfahren machen diese Vorgänge zwar nicht sichtbar, lassen jedoch ihre Folgen wie den Schwund von Hirngewebe erkennen. Nur mit speziellen nuklearmedizinischen Untersuchungen wie der Positronen-Emissions-Tomographie lassen sich die Eiweißablagerungen selbst darstellen. Liegt ein verdächtiges Krankheitsmuster vor, liefert die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ergänzende Hinweise. Die Diagnose einer Demenz stützt sich immer auf das Gesamtbild aus ärztlicher Untersuchung, neuropsychologischen Tests, Bildgebung und Laborbefunden.
Diagnose & Untersuchungsmethoden
- Röntgenuntersuchungen
- Schädel-CT (CCT)
- CT-Angiographie (Kopf und Hals)
- computertomographische Untersuchung vom Felsenbein
- virtuelle Otoskopie (Endoskopie des Mittelohrs)
- CT-Perfusion (Schlaganfälle)
- kernspintomographische Untersuchungen
- Diffusionsbildgebung (Bestimmung der Molekularbewegung von Wassermolekülen)
- funktionelle Magnetresonanztomographie (Messung von Änderungen der Gewebedurchblutung der Hirnregionen)
- Perfusionsbildgebung (Quantifizierung und Darstellung der Durchblutung von Geweben und Organen)
- Magnetresonanzspektroskopie (Messung der Gewebezusammensetzung)
- Diffusion Tensor Imaging (Messung der Diffusionsbewegung von Wassermolekülen im Körpergewebe)
- Traktografie (nicht-invasive Untersuchungsmethode des Gehirns),
- Angiographie
- Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
- Myelographie (radiologische Kontrastdarstellung des Spinalkanals und der Wirbelsäule)
- Pneumoenzephalographie (Darstellung der Liquorräume des Gehirns).
Die Pneumoenzephalographie wird heute nicht mehr angewendet; sie wurde durch Computertomographie und Magnetresonanztomographie vollständig abgelöst.
Während der Untersuchung durch diese bildgebenden Verfahren kann der Patient parallel therapiert werden, wenn ein Katheter ins Gehirn eingeführt wird, um Aneurysmen (Gefäßaussackungen) zu verschließen oder verschlossene Blutgefäße zu öffnen. Auch können mittels Nadeln Medikamente an die zu behandelnde Stelle (z. B. Wirbelsäule) gespritzt werden. Neben diesen klassischen Diagnosemöglichkeiten sind interventionelle Maßnahmen zur Beseitigung krankhafter Zustände möglich: Erweiterung von Gefäßstenosen, Rekanalisation von Gefäßverschlüssen (Thrombosen), Verschluss von Gefäßmissbildungen und Aneurysmen.
Ein Patient wird immer dann zum Neuroradiologen geschickt, wenn es wichtig ist, zu verstehen, was im Gehirn passiert. Hat der Patient eine Blutung im Gehirn oder einen Schlaganfall erlitten, oder besteht der Verdacht auf Parkinson, MS oder einen Hirntumor? Der Neuroradiologe findet mithilfe der bildgebenden Verfahren heraus, welche Erkrankung vorliegt. Auch in akuten Verletzungsfällen, zum Beispiel nach einem Unfall, werden Patienten in die Neuroradiologie verbracht, um herauszufinden, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt und welcher Natur sie ist. Die Neuroradiologie verwendet zwar nach wie vor die Röntgendiagnose, jedoch ist sie zugunsten moderner Diagnoseverfahren zurückgetreten, da sie das Gehirn selbst nicht sichtbar machen kann.
Die Darstellung der Schädelknochen erfolgt jedoch sehr exakt, daher wird diese Untersuchungsmethode häufig bei Unfallpatienten mit Verdacht auf Schädelbasisbruch angewendet. Die Angiographie ist Standard zur Untersuchung von Hirnblutungen in Form von Gefäßaussackungen (Aneurysma). Sie beruht gleichfalls auf Röntgenstrahlung, bei der mit einem Kontrastmittel die Gefäße markiert werden, um auf dieser Grundlage ein Röntgenbild zu erstellen. Die Computertomographie (CT) erkennt sowohl die Knochen des Schädels als auch das, was innerhalb geschieht, zum Beispiel eine Blutung. Der Patient wird durch die ringförmige Öffnung des Geräts geschoben. Dabei werden Schnitt- oder Schichtbilder angefertigt.
Mit der CT-Angiographie lassen sich nach der Gabe eines Kontrastmittels auch die Arterien, die für die Durchblutung des Gehirns zuständig sind, visualisieren. Bei der Darstellung minimaler Veränderungen oder Verletzungen kommt das CT jedoch an seine Grenzen, dann ist ein MRT indiziert. Die Magnetresonanztomographie (MRT) macht das Gehirn in Form von Gewebeunterschieden im Inneren des Gehirngewebes in einer hohen visuellen Auflösung sichtbar, bei Bedarf unterstützt durch gadoliniumhaltige Kontrastmittel. Wasserstoffatome richten sich in einem starken äußeren Magnetfeld aus und werden anschließend durch Radiowellen angeregt, wobei die Atomkerne die für die Untersuchung notwendigen Signale aussenden und die Anfertigung von Schnittbildern ermöglichen.
Die Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) veranschaulicht, wie das Gehirn arbeitet und macht eine erhöhte Durchblutung sichtbar. Die Funktionen des Gehirns werden indirekt mittels der Durchblutung gemessen. Nervenzellen benötigen Energie, um einwandfrei funktionieren zu können. Das Gehirn ist das Organ, das am meisten Energie verbraucht. Die Positronen-Emissions-Tomographie fertigt genau wie das MRT Schnittbilder an. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass künstliche Tracer injiziert werden, die den Stoffwechselprozess des Gehirns visualisieren. Der Mediziner klärt zuvor ab, ob der Patient in der Vergangenheit schon einmal allergische Reaktionen auf Kontrastmittel, einzelne Bestandteile oder Tracer gezeigt hat.
Einige Diabetes-Medikamente mit dem Wirkstoff Metformin müssen im Zusammenhang mit jodhaltigen Kontrastmitteln unter Umständen vorübergehend abgesetzt werden. Im Fall einer Niereninsuffizienz dürfen bildgebende Verfahren auf Kontrastmittelbasis nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden, da diese über die Nieren wieder ausgeschieden werden. Nimmt der Patient regelmäßig Medikamente ein, darf er diese nicht eigenverantwortlich vor der Untersuchung absetzen, sondern muss seinen Hausarzt konsultieren. Tracer sind radioaktiv markierte, körperfremde (künstliche) oder körpereigene Substanzen, die zur Behandlung beziehungsweise zur Sichtbarmachung von Stoffwechselvorgängen und Krebszellen eingesetzt werden.
Für den Patienten beginnt eine neuroradiologische Untersuchung mit einem Aufklärungsgespräch. Darin wird nicht nur der Ablauf erläutert, sondern auch abgefragt, was gegen das jeweilige Verfahren sprechen könnte. Vor einer Magnetresonanztomographie ist entscheidend, ob sich Metall im Körper befindet: Bestimmte ältere Herzschrittmacher, Gefäßclips, Innenohrimplantate oder Metallsplitter im Auge können eine Untersuchung im starken Magnetfeld ausschließen oder besondere Vorkehrungen nötig machen. Viele neuere Implantate sind dagegen ausdrücklich für die Untersuchung freigegeben; maßgeblich ist der Implantatausweis, den Patienten deshalb zum Termin mitbringen sollten.
Die Untersuchung selbst verlangt vor allem eines: ruhig zu liegen. Schon geringe Bewegungen führen zu unscharfen Bildern, die im ungünstigsten Fall nicht auswertbar sind und wiederholt werden müssen. Die Röhre der Magnetresonanztomographie ist eng und das Gerät während der Messung laut, weshalb ein Gehörschutz gegeben wird; Menschen mit ausgeprägter Klaustrophobie empfinden das als belastend. In solchen Fällen und bei kleinen Kindern, die nicht über längere Zeit stillhalten können, kommt eine Sedierung oder eine Narkose infrage. Die Computertomographie dauert demgegenüber nur kurz, was sie in der Notfallsituation zum Verfahren der ersten Wahl macht.
Wie aussagekräftig ein Befund ausfällt, hängt maßgeblich von der Fragestellung ab, mit der ein Patient geschickt wird. Ein Auftrag, der lediglich „Kopfschmerzen“ nennt, führt zu einem anderen Untersuchungsprotokoll als die ausdrückliche Frage nach einer Blutung, nach einer Hirnhautentzündung, nach den Ursachen einer Epilepsie oder nach den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Der Neuroradiologe wählt Aufnahmetechnik, Schichtführung und den Einsatz von Kontrastmitteln passend dazu aus; für einen Hydrozephalus, für Gefäßfragen oder für die Verlaufskontrolle eines Tumors sind jeweils eigene Protokolle gebräuchlich.
Ebenso wichtig ist der Vergleich mit früheren Aufnahmen. Ob eine Veränderung neu aufgetreten, gewachsen oder seit Jahren unverändert ist, lässt sich häufig erst im zeitlichen Verlauf beurteilen - eine Aufnahme allein kann diese Frage oft nicht beantworten. Der schriftliche Befund richtet sich an den zuweisenden Arzt: Er beschreibt zunächst, was zu sehen ist, und ordnet es anschließend im Hinblick auf die gestellte Frage ein. Das Gespräch mit dem Patienten und die Entscheidung über die weitere Behandlung liegen in der Regel bei dem Arzt, der die Untersuchung veranlasst hat.
Jede Anwendung von Röntgenstrahlen setzt voraus, dass ein Arzt zuvor prüft und feststellt, dass der zu erwartende gesundheitliche Nutzen die Strahlenbelastung überwiegt. Aus diesem Grundsatz folgt, dass die Dosis so niedrig gehalten wird, wie es für eine verwertbare Aufnahme möglich ist, und dass bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei häufig zu wiederholenden Kontrollen bevorzugt Verfahren ohne ionisierende Strahlung eingesetzt werden. Das sind vor allem die Magnetresonanztomographie und der Ultraschall, der beim Säugling durch die noch nicht verknöcherte Lücke zwischen den Schädelknochen sogar einen Blick ins Gehirn erlaubt.
Grenzen hat allerdings auch die beste Bildgebung. Bewegungen, Zahnersatz und einliegendes Metall erzeugen Bildstörungen, die einen Befund verdecken oder einen Befund vortäuschen können. Manche Erkrankungen des Nervensystems zeigen im Bild über lange Zeit gar keine Veränderung, andere hinterlassen Spuren, die sich nicht eindeutig einer einzigen Ursache zuordnen lassen. Häufig sind zudem Zufallsbefunde: Veränderungen, nach denen niemand gesucht hat und die vielfach ohne Krankheitswert bleiben, aber Verunsicherung und weitere Untersuchungen nach sich ziehen können. Ein neuroradiologischer Befund ist deshalb kein Urteil für sich, sondern ein Baustein, der mit der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung und den Laborwerten zusammengeführt werden muss.
Quellen
- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J.: Duale Reihe Radiologie.
ISBN: 9783132444621
- Zechmann, C., Biedenstein, S., Giesel, F. L.: BASICS Bildgebende Verfahren.
ISBN: 9783437414732
- Hacke, W., Poeck, K.: Neurologie.
ISBN: 9783662468913
- Moskopp, D., Wassmann, H. (Hrsg.): Neurochirurgie.
ISBN: 9783132435797
- Trepel, M.: Neuroanatomie.
ISBN: 9783437413292
